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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-31 · Heft 22 (31.5.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 22 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Israelitischen Friedhöfe eingefunden. Direktor Kohn erfreute sich in der hiesigen jüdischen Gemeinde großer Beliebtheit. Zahlreiche jüdische Vereine, die Loge und viele Wohltätigkeitsanstalten haben in dem Toten einen eifrigen Mitarbeiter verloren. Tie Trnuerfeier konnte nicht in der Aeremonienhalle vorgenonrmen werden, da dieselbe für den außerordentlichen Andrang nicht ausreichte. Eine Trauerrede von Rabbiner Dr. Gold mann hob hervor, wie. der Erfolg der» Tätigkeit dem Wollen und Wirken Siegmund Kohns entsprochen habe, gestützt auf eigene Kraft zur Tat und hervorgehend aus eisernem Willen von Jugend auf. Rabbiner Dr. Carlebach bstonte, daß die Begriffe Liebe und Wahrheit das Leben Siogmrtnd Kohns in selten "r Harmonie durchdrungen haben. Von den Rednern aus Berufskreifen gedachte zuerst der Generalsekretär Breitschneider vom Internationalen Varietv-Theater-Direktoren-Verband der hohen Verdienste Siegln und Kohns .um das Emporblühen der VarieMunst. Der zweite Vorsitzende Dub.iner vom „Hilfsverein Israelitischer Gewerbetreibender" dankte namens des Vorstandes dem nunmehr Verstorbenen für seine fortwirkende Hilfstätigkeit zugunsten des Vereins. Max Berol-Konorah schilderte als Vorsitzender der Internationalen Artistenloge und als berufener Vertreter der Artistenschaft vornehmlich, was Siegmund Kohn auf friedliche, versöhnliche, entgeg'nkommende Weise getan, um gute Vertragsverhültnisse zwischen Direktoren und Artisten zu schaffen. Der Ehrenprüses Gunge vom Internationalen Artisten-Verein widmete dem verstorbenen Ehrenmitglied als Artistenvater und Freund Dank üb"r das Grab hinaus. Vom Aufsichtsrat und Vorstand der Leipziger Kristall-Palast-Aktiengesellschaft würdigte Curt Becker die Verdienste des dahingegangenen Direktors. Den letzten Nachruf hielt Rabbiner Dr. Carleb ach namens der Jüdischen Loge. Unter den Klängen des Trauermarsches von Chopin wurde dev Sarg zur Gruft getragen. — Hamburg, 24. Mai. Der Verein z u r V e r b r e i t u n g u n d F ö r de r u n g d e s H a nd w e r k s u n te r den I u de n hielt lrnter Vorsitz des Herrn Emil Lyon seine diesjährige Jahresversammlung ab. Es konnte wieder ein? Anzahl neuer Unterstützungsgesuche bewilligt werden, doch sind die zur Verfügung stehenden Mittel durch den anhaltenden Krieg sehr geschwächt. Es wäre daher unbedingt notwendig, daß dem Verein von edeldenkenden Spendern neue Mittel zuftießen, dainit er beit Aufgaben, die ihm nach dun Kriege zufallen, gewachsen ist. Die Knaben möglichst im Handwerk bewährten Meistern zuzuführen, ist für die Gesamtheit von größter Bedeutung, damit sie bei der Aussichtslosigkeit, sie anderweitig so unterzübringen, daß sie etwas Tüchtiges lernen, nicht auf Ablvege geraten und dadurch viele ante Kräfte der Gesamtheit verloren geben. Es istdaher eine edle Aufgabe. ‘ hier mit Mitteln helfend einzugreifen und auch bei Gelegenheiten und Vermächtnissen des Vereins zu gedenken. — München, 24. Mai. An die Verwandten des Vizef-eldwebels und OfsizierZasprranten Justus Bau m in München gelangte folgendes Schreiben „Es ist mir eine schmerzliche Pflicht, Sie davon ocnachricht'gen zu müsicu, daß bei den letzten schweren Kämpfen am 14. April auch Vizefeldwebel Justus Baum den Tod fürs Vaterland gestorben ist. Mit ihm verlor die Kompagnie einen hervorragend tüchtigen Zugführer, der allenseinen Untergebenen! stets ein Beispiel war. Im Gefecht unerschrocken, war er ein ausgezeichneter Führer. Sein Tod bedeutet einenfast unersetzlichen Verlust. Empfangen Sie mein und der ganzen Kompagnie tiefstes Beileid und betrachten Sie es als einen kleinen Trost, daß er einen ehrenvollen Soldatentod inmitten seiner Kompagnie gestorben ist. Sein Andenken wird bei uns weiterleben! Franz Meixner, Leutnant d. R. und Kompagnieführer." &&& Worms, 24. Mai. Am 15. d. M. beging Herr Lehrer Rothschild sein 50jähriges Dienstjubilämn. Zu der Feier, die in der mit Pflanzengrün und Blumen geschmückten Turnhalle der Karmeliterschule stattfand, hatten sich um den Jubilar seine Familie, das Kollegium der Lehrer und Lehrerinnen, seine Schulklasse und zahlreiche Ehrengäste versammelt, unter anderen die Herren Oberbürgermeister Köhler. Kreisschul-inspektor E ck, Gewerberat Jochein, die evangelische Geistlichkeit, die katholische Geistlichkeit, Herr Rabbiner Dr. Holzer und als Vorstand der Jüdischen Gemeinde Herr H o f r a t Levy , ferner der Gefamtschulvorstand>. Nach dem stimmungsvollen Damenchor (Lehrer innen unter dem Herrn Lehrer Trieb): „Der Herr ist mein Hirte" sprach ein kleines Schnlmädel der Klasse ein sinniges Begrüßungsgedicht für den verehrten Lehrer. Es folgten dann die Ansprachen, in denen all die Liebe, Anerkennung, Wertschätzung und Hochachtung zum Ausdruck kam, deren sich Herr Rothschild zu erfreuen hat. Herr Schulrat Eck gedachte der Verdienste, die sich der Jubilar in fünf Jahrzehnten um Schule und Gemeinde erworben hat. Als Auszeichnung des Grotzherzogs überreichte er das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipp des Großmütigen und brachte dabei die Glückwünsche und die Anerkennung der obersten Schulbehörde und der Kreisschulkommisston dar. In herzlichen Worten gedachte Redner der ruhigen abgeklärten Persönlichkeit des Jubilars und stellte ihn vorbildlich hin als Lehrer, wie ihn die heutige ernste Zeit erfordert und wie er auch in der Friedenszeit vonnöten ist. — Herr Oberbürgiermeister Köhler erinnerte an den 70 jährigen Geburtstag, den Herr Rothschild im Januar d. I. begehen durste. Die Chavakterf-estrgkeit gebe ihm die Jugendlichkeit. Im- Jahre 1868 habe der Jubilar das^ Seminar in Baden verlassen, -um 1874 als erster isvaelitisckier Lehrer in Hessen berufen zu werden. Wir wüßten wohl, mit welcher Hingebung, Treue und Liebe zur Sacke er gearbeitet hätte. Von gänzem Herzen wünschte Redner, daß Gott Herrn Rothschild weiter die Kraft verleihe, die er ihm seither anaedeiben ließ, um noch reckt lange im Dienste unserer Schule zu wirken. Der heutige Tag zeige, wie er es verstanden habe, nicht nur eine große Zahl der Scküler mit reichem Willen zu versehen, sondern sich auch die Liebe und Wertschätzung der Berufskollegen zu erwerben. Seine Betätitung habe auch im öffentlichen Leben gelegen. Ganz besonders hervorzuheben sei, was er über die Geschickte unserer alten Stadt Mitteilen konnte und welcken Anteil seine Glaubensaenossen an dem Sckicksal hatten. Die Glückwünsche namens der Stadtverordnetenversammlung, Stadtverwaltung und des Schulvorstandes bringt der Herr Oberbürgermeister dar und überreicht als Erinnerungszeichen eine goldene Uhr. — Herr Professor U h r i g gedachte der kraftvollen Arbeit, die Herr Rothschild der Eleonorenschule geleistet hat. Seit Herbst 1874 ist er ununterbrochen Mitglied des Lehrerkollegiums gewesen. Das wichtigste Fach habe er lehren dürfen, die Religion. Und das habe er mit Toleranz getan. Mit Stolz dürfe man sagen, das Blühen und Gedeihen der Eleonorenschule sei mit sein Verdienst. — Herr Hofrat Levy überbrachte die Wünsche der israelitischen Gemeinde Worms, die dem Jubilar zu besonderem Dank verpflichtet fei. Er fei ihr Sekretär undim Laufe der Zeit ihr Chronist geworden. Er habe eine Schrift über die Vergangenheit und Gegenwart der israelitischen Gemeinde geschrieben, die viele Auflagen erlebte und allseits Lob erntete. Auch viele Abhandlungen aus anderen Zeiten und Gegenden hätten ihm weithin einen Rist geschaffen. — Herr Hauptlehrer Groebe beglückwünschte den Kollegen herzlich im Namen seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und knüpfte in begeisterten Worten an das Tbema „Grnndsä^liche Bedeutung der Volksschule für das Volksdasein" an. Es sei Pflicht, mit denen, die draußen im Kampfe stellen, ausznllarren und weiterzullauen, um den Zurückkehrenden -ein neues Deutschland, groß nach mnen und außen, zu errichten. Und hierzu fei in erster Linie auch die Schule berufen. Als äußeres Zeichen der Verehrung wird ein Bild Goethes überreicht. — Herr Lehrer Rothschild svrach in herzlichen Worten allen Dank für die Wünsche und Geschenke aus. An das biblische Bild des Altvwters Jakob anknüvfend: „Ich bin zu gering für all die Gnade und die Treue, die Gott mir erwiesen hat", gab er einen fesselnden Rückblick über seinen Lebensgang!, öfters untermischt von dem heiteren Frohsinn, der den alten Herrn beseelt. Mit einem freudigen Ausblick aut einen baldiaen gesegneten Frieden schloß er seine warmen Ausführungen. Mit dem schönen Vortrag des Damenchors: „Die ganze Welt ist voll des Herrn Prachit" hatte die Feier ein Ende. L. Frankfurt a. M., im Mai. Herr Lasiar Lewisohn, dahier, dessen Hinübertreten in ein besseres Jenseits wir wenige Tage vor dem Wochenfeste zu beklagen hatten, war am Neumondstage des Monats Ab im Jahre 1851 in Hambura geboren, nahm 1884 seinen dauernden Wohnsitz in Frankfurt a. M., wo er alsbald ein beliebtes und geachtetes Mitglied der Svnagogengemeinde „Jüdische Religionsgesellschaft" wurde. Es lag nicht in der Natur des Heimgegangenen, in der Oeffentlichkeit zu glänzen, desto intensiver indessen war die werktätige Liebe, die er vom stillen Gemach aus betätigte. Es wäre deshalb auch nicht in seinem Sinne, wenn wir all das aufzählen würden, was er in dieser Beziehung im geheimen gewirkt und getan; das wenige, was über seine segensreiche Tätigkeit in die

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