Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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82. Jahrgang Nr. 22 Berlin, 31. Mai 1918 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums. KorrelpouLenren und KschrichtNl. LkUtschlsnL. Bevlin ,28. Mar. Me der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung aus Saffed telegraphiert wird, befindensich dovt 3000 Arme, in Liberias 1500 Arme, die vollständig ohne Lebensrnittel dastohen. Die Zahl der in diesen beiden Städten befindlichen unversorgten Waisenkinder erreicht 600. Es wäre unumgänglich nötig, schleunigst ein Notspital nrit 30 Betten, Waisenhäuser für 300 Kinder und Volksküchen für 3000 Personen ei nzu richten. Die schleunige Entsendung von Aierzten nach Saffed und Liberias ist dringend notwendig, nachdem der Vertrauensarzt der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung,. Dr. Grün, dieser Lage leider nach einer reich gesegneten Wirksamkeit am Flecksieber gestorben ist. Auch Krankenschwestern wären unbedingt erforderlich. Das im Ettlingerschen Stiftshaus eingerichtete Heim für Waisenmädchen der Evakuierten leistet segensreiche Arbeit, ist aber natürlich unzureichend, um der furchtbaren Notlage gerecht zu werden. Spenden für das Hilfswerk der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung werden auf Postscheckkonto Nr. 9653 nach Frankfurt a. M. erbeten. # Berlin, 28. Mai. Den siebzi gsten Geburtstag beging am 24 d. M. Professor Dr. Benno Baginskh, der sich als hervorragender Arzt und bedeutender Lebrer auf dem Gebiete der Hals-, Nasen- und Ohrenbeilkunde einen Weltruf errungen hat. Professor Dr. Benno Baginlkv ist am 24. Mai 1848 als Bruder des kürzlich verstorbenen berühmten Kinderarztes Adolf Baginskh in Ratibor geboren. Er promovierte 1870 in Berlin, trat in dem-, selben Jahre als freiwilliger Arzt in die Armee ein und nahm am Feldzüge gegen Frankreich teil. Nach Beendigung be§ Krieges ließ Baginlkh sich in Berlin als praktischer Arzt nieder, wandte sich jedoch bald dem Gebiete der Larpnaoloaie und' Rhinotoaie zu, auf denen er sich seit 1880 ausschließlich betätigte. 1884 habili.tierte er sich als Pri'vatdozent an der Berliner Universität: 1897 wurde er Honorarvrosessor. Seine Arbeiten bewegten sich ausschließlich auf seinem Fachgebiet, das ihm reiche Förderung und Anregung verdankt. Er ist Mitarbeiter aller bedeutenden Fachblätter und- Verfasser zahlloser wertvoller Arbeiten auf dem Gebiete der Nasen-, Hals!-- und Ohrenheilkunde. Einen ganz besonderen Ruf genießt Professor Dr. Benno.Baginskh als Umverfitätslebrer. Seine Afstftenten und Schüler verehren in ihm den unermüdlichen Freund imfo Lehrer, der 'bereitwilligst die reichen Schätze feiner ärztlichen Kunst übermittelt. Er 'kennt keine größere Freude, 'als fein Kolleg recht zahlreich besucht zu sehen, und wer ihn einmal gehört, seine unermüdlichen Krankendemonstrationen gesehen hat, versteht die Verehrung seiner Schüler. Der Jubilar, der sich voller geistiger und körperlicher Frische erfreut, empfing zum siebzigsten Geburtstag zahlreiche Ehrungen aus der gelehrten Welt und von seinen Schülern. Möge ihm noch ein langes Werken zum Besten der leidenden Menschheit beschieden sein! kl. C. Berlin, 28. Mai. Unter dem Vorsitz des Herrn Emil Pincus fand am 8. d. M. im Zweiten Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde, Rosenftraße 2—4, die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins „Jüdisches Mädchenstift E. V." statt. Der Verein bezweckt, wie der Vorsitzende in dem von ihm erstatteten Jahresbericht bemerkte, jüdische junge Mädchen bei zweijähriger freier Aufnahme kür den dienenden Stand und damit zu künftigen tüchtigen Hausfrauen heranzubilden. Trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse setzt der Verein dieses Ziel fort und hat gute Erfolge aufzuweisen. Es haben sich zu den alten Freunden und Gönnern neue hinzugesellt, so daß der Verein in der Lage ist. seine Einnahmen und Ausgaben balancieren zu können. Cs wäre wünschenswert, daß die Berliner Freunde des Vereins in ibrer Werbetätigkeit für die gute Sache nicht Nachlassen und ibm neue Freunde zuführen. In der darauf folgenden Vorstands-Ergänzungswahl wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder Frau Johanna Czapski. Frau Komnrerzienrat Löwenb erg, Fräulein Klara Lüpschütz und die Herren Berthold Israel und Selmar Schwarz einstimmig wiedergewählt. Zum Vorsitzenden wurde Herr Emil Pincus, zur stellvertretenden Vorsitzenden Frau Kommerzienrat Löwenberg) zum Schatzmeister Herr Berthold Israel, zum Schriftführer Herr Nathan Cohn durch Zuruf wiedergewählt. Die Entlastung, des Vorstandes erfolgte einstimmig. Zu Kassenrevisoren wurden die Herren Oscar Rathenau und Justizrat Ignaz Holz wiedergewählt. Die vorgelegte Satzungsänderung würde einstimmig angenommen. E. M. Berlin, 28. Mai. Janoi S. Noskin, dessen geschmackvolle Bearbeitung jüdischer Volkslieder und eigene Vertonung jüdischer Stoffe bereits in weiten Kreisen die gebührende Beachtung gefunden haben, veranstaltete kürzlich in der Berliner Singakademie einen ostjüdischen Kunstabend. Das reichhaltige Programm brachte in der Hauptsache Kompositionen Roskins, die durch ihre stimmungsvolle Eigenart fesselten. Abraham Reisen, Dembitzer, P i n s k i und die anderen Dichter der Seele der Ostiuden haben in ihm den seelenverwandten Musiker gefunden, der ihren wehmutsvollen Versen gleich emvfundenen Ausdruck in der Musik gibt. Eine interessante „Psalmodische. Melodie" für Violine. Harfe und Orgel von Bogumil Zepler, die uns den beliebten Kompo,nisten flüssiger Opperettenmustk von seiner ernsten Seite zeigte, erweckte namentlich durch die hübschen Klangefsekte viel Freude und Beifall. Die musikalischen Darbietungen wurden durch Rezitationen jüdischer Gedichte unterbrochen, die S. S ch i d l o w wirkungsvoll vortrug. Den gesanglichen Teil bestritten I apot und A d i R o s k i n mit feinem Empfinden und sicherer Technik, wobei sich als Begleiter Ludwig Mendelssohn durch vornehme Zurückhaltung und seelenvolles Spiel auszeichnete, In der „P s a lm o di s che n Melodi e" Zepler s erfreute das Zusammenspiel Carola Zellenka (Violine), Elisabeth Müller (Harfe) und Richard A l t m a n n (Orgel). Das Publikum, das den Darbietungen mit großem Interesse gefolgt war, dankte den Künstlern durch lebhaften Beifall. B. Bentben O.-S., 23. Mat. Erst vor wenigen Wochen konnte ich an dieser Stelle berichten, daß Herr Simon P i n c z o w e r , Sohn des hiesigen Gemeindevertreters Herrn Emanuel P., wegen hervorragender Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet und zum Leutnant befördert wurde. Gestern hat man ihn unter imvosanter Beteiligung aller Konfessionen mit militärischen Ehren bestattet. nachdem er seit KriegSbeqinu im Felde gestanden. Bet einer aviatischen Uebuna in der Nähe von Brietz ist der 22jährige Kompagniefülirer tödlich abgestürzt. Den Verdiensten des Heimgegangenen um sein Vaterland gab der 2. Rabbiner Herr Dr K r a kaue r in ergreifender Rede Ausdruck: ihm schloß sich Herr Gemeindeseketär Dr. Freund (Berlin) an. der iin Namen der Familie svrach. — Wenige Tage zuvor wurde Leutnant Georg Bloch in Tarnowitz, ein tavferer. durch besonderen Schneid ausgezeichneter Offizier, der in den beißen Käinvfen in Finnland den Heldentod gefunden, nrit den üblichen Ehren zu Grabe getragen. Was er seinem Baterlande gewesen, das bezeugten die herzlichen Nachrufe, die ibm von Militär- und Zivilbehörden gewidmet wurden. Bei der Bestattung war der Magistrat der Stadt Tarnowitz. die Geistlichkeit aller Konfessionen und die Bürgerschaft von Stadt und Kreis vertreten und legte Zeugnis von der großen Wertschätzung ab. deren sich der Heimgegangene in allen Schichten der Bevölkerung erfreute. An der Bahre hielt Herr Rabbiner Dr. Kopfstein (Beuchen) die eindrucksvolle und ergreifende Grabrede. er. Breslau, 24. Mai. Die Bear n n d u n a eines jüdischen L e h r l i n g s h e i m s in unserer Stadt nach dem Verbilde der in Berlin -und Köln und anderen jüdischen Gemeinden bestehenden Institutionen dieser Art wurde in einer großen Versammlung besprochen, die vom Verein selbständiaer jüdischer Handwerker zu Breslau unter Hinzuziehung einer Anzahl Genreindemitglieder, der Gemei nde körpör schäften und einer Reihe gemeinnütziger Gesellschaften einberusen war. Die Versammlung erkannte einstimmig die Notwendigkeit der Begründung eines jüdischen Lehrlinasbeims an. Es wurde eine mehrgliedrige Kommission eingesetzt, welche die weiteren Schritte in dieser Beziehung nunmehr unternehmen soll. er. Leipzig, 24. Mai. Zur Beerdigung des Königlichen Sächsischen K om'w i ssi o n s r a tes S i egm u nd Kohn hatte sich ein ungewöhnlich zahlreiches Publikum auf dem