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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-31 · Heft 22 (31.5.1918) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 22 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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264 Litrrsrilche Mitteilungen. — Ge dich 1 e von Nathan Leno^ir. 1908. Im Temenverlag Zu Leipzig Die itt diesem Büchlein giesanunelten Gedichte sind Lieder eines jüngeren Dichters, manchnml etwas ungelenk im Ausdrucks rnanchmall hochmodern; für die letztere Ausdrucksweise besitze ich, wie ich auch in diesen Blättern mehrfach bezeugt habe, keine sonderliche Sympathie. Die Lieder, untermischt mit Prosasprüchenj, welche letztere oft bedenkliche Gerneinplätze sind, beschäftigen sich mit Liebe, Ehe, Vaterlands gelegentlich auch mit -der Natur (aus der letzteren erscheint mir „Frühling",' S. 17, besonders wohlgelungen). Sie wenden sich ferner allgenEmen Lebensverhältmssen zu und bekunden das Bestreben, sich über die großen Probleme klar zu werden. Diese Verse verdienen schon deshalb an dieser Stelle eine Erwähnung, weck der Verfasser Jude ist; um so mehr mag auf sie hingewiefen werden, tveil sie sich auch bisweilen! mit jüdischen Dingen beschäftigen. Kurze Sprüche, die sich darauf beziehen, wie S. 52, 57 und 61, sind etwas ungefüge und ziemlich selbstverständlich; das Gedicht (S. 26: „Tragödie") ist mir nicht völlig klar geworden; wenn ich es richtig verstehe, soll es ein Protest gegen die Taufe seim Für uns das wichtigste ist wohl das Lied S. 47. In ihm wird der große Judenschrnerz eigenartig, ausgedrückt; für Wesen und Leid des deutschen Juden, der ein Deutscher sein möchte und von denen, zu denen er sich hingezogen fühlt, zurückgewiesen wird, findet der' Poet passende Töne. Ich lasse diese Verse hier folgen und wünsche, daß der Verfasser sich aus seinen Zweifeln empor ri ngen und seine, wie mir scheint, vorhandene Begabung durch «gründliches Studium der Klassiker rmd geläutertes Streben nach reinerer Formenbildung ausbilden möge. Das Gedicht hat folgenden Wortlaut: Leid, du Jude nbanner! An den Wassern Babylons sitzen sie und weinen. Ich bin aus jüdischem Stamm, O weißt du, was das heißt? Es ist das leidenvollste Lied, Das keine Melodie zum Singen hat. Denn Weinen ist ja keine Melodie. Und tvitb iber Jud" durch hundert Seelenbande Und die Natur der Menschheit angekettet. So brennt die Kette sprühend aus. Sobald dev Jude sie berührt. Es ist kein Wasser, das sie voneina-nider reißt, ■ Den Juden von den, Menschen; Es ist ein menscherdachtes Feuer, Und wehe, wenn ein armer Mensch Zum Juden wird.geboren! Bei seinem Aufgang schon wird er mit Schmerz geweiht Zu künftigen Schmerzen, und die glühende Kette Senkt auf -und nieder über feiner Wiege. Und dreimal wehe, wenn die Völker sich Für ihre eingeborenen Herren morden. Dann söhnt sie nur das Kesseltreiben aus die Juden aus; Was nienm-ls einig worden konn-te, Wird's hier. O fraget einen Juden nur. Warum sein Auge weint; er wird euch Doch nicht feine Seele zeigen!, die ihr, so alt ihr werdet. Nie versteht; doch anschaun wird er euch Und sprechen: „Herr, »das täuscht euch wohl!" Ich bin von jüdischem Stamme, Wie könnt" ihr wissen, was das heißt! L. G. — Durch Musik und Leben im Dienste des Ideals. Von La Mara. Band II. Breitkopf u. Härtel, Leipzig 1917. Der vor uns liegende II. Band des ausgezeichneten Erinnerungsbuches hat die Erwartungen, die sein Vorgänger erweckte, überreich erfüllt. Es ist ein köstliches Leben, das sich vor uns entrollt, gleichermaßen an Atühe und Arbeit wie an Erfolge Freundschaft und Anerkennung. Fräulein Lipsius ist eine gottbegnadete Frau; ihr war es vergönnt, das Höchste in Natur und Kunst zu schauen, und mit leuchtenden Farben weiß sie meisterhaft ihre Andrücke und Erlebnisse zu schildern. Wir bedauern aufrichtig, nicht näher auf den Schlußband eingehen zu können, dessen Reiz für uns noch bei weitem erhöht wird, indem wir gern eine stolze Reihe der Besten unserer Glaubensgenossen darin begrüßen dürfen:, so neben Frau v. Wertheimstein und ihrer Schwester, der Baronin Todesoo, verschiedene Glieder der Familie von Gomperz, den Wiener Rothschild, Sonnenthal, die Gattin Joseph Ungers, verwitwete Baronin Worms geb. Baronesse Scheye, Professor Lazarus u. v. a. Wir empfehlen das Werk als herrlichste Festgabe unserer Frauenwelt insbesondere. Breslau, Ostern 1918. Regina Neißer. Mchrreinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Aurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. „Nationales Selbstbestimmungsrecht der Juden in Polen." Bon Dr. Max Rofenseld. 1918. R. Löwit Verlag, Wien-Berlin. M. I. bin Gorion: Vom östlichen Judentum. Religiöses, Lichrarisches, Politisches. R. Löwit Verlag, Berlin-Wien. „Nord und Süd'." Eine deutsche Monatsschrift, hevausgegeben von Ludloig Stein. 42. Jahrgang, Machest 1918. Preis 2 Mark. Verlag der Schlesischen. Buchdruckerei von S. Schottlaender A.-G., Breslau III. „Israelitisches Heldentum und Kriegssrömmigkeit im Alten Testament." Don Hermann Gunkel. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttinigen. 1916. „Was bleibt vom Alten Testament?" Von Hermann Gunkel. Vandenhoeck u . R uprecht, Göttingen, 1916. „Die Wirtschastsethiik der Weltreligionen." Von Max Weber. „Das antike Judentum." Archiv für Sozialwissenschast und Sozialpolitik. Separatdruck aus Band 44, Heft 1 und 2. Verlag von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Tübingen. „Die Judenfrage in Rumänien." Herausgegeben von: Comite pro causa judaica, Zürich. 1918. Sprrchlsal. Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 20 Ihrer geschätzten Zeitung vom 16. d. M. bringe!: Sie eine Notiz aus Kobhlin, zu der Sie mir freundlichst nachstehende Ergänzung und Berichtigung gestatten. 1. Nicht erst nach dem Tode des dortigen jüdischen Lehrers verlangte die Königliche Regierung die Auflösung der jüdischen Volksschule, sondern schon bei Lebzeiten desselben, und zwar wegen der geringen Schülerzahl. 2. In dieser Notlage wandte sich der verstorbene Lehrer, der übrigens nicht einmal Mitglied unseres Vereins war, durch den Schulvorstand an den Unterzeichneten um Rat. In mehrfachem Briefwechsel wurden der Weg und die Mittel zur Erhaltung der dortigen jüdischen Volksschule und zugleich zur etwaigen Anstellung des jüdischen Lehrers an der evangelischen Sch ule erörtert und daraufhin vor: dem Schulvorstande mit vorbildlichen: Eifer eingeschlagen und angewendet. Auch eine E i n g a b e a n den Herrn Kultusminister wurde in unseren: Briefwechsel für den äußersten Fall vorgesehen. 3. Wenn nun das Ergebnis nach der Mitteilung des D. I. G. B. ein so erfreuliches ist, dann ist der Unterzeichnete Verein selbstverständlich auch hochbefriedigt davon. Er möchte aber hierdurch öffentlich feststellen, daß er — diesmal im Einverständnis mit dem D. I. G. B. — sein reges Interesse für die Erhaltung der jüdischen Volksschule betätigt hat und in der Arbeit flir dieses Ziel unermüdlich ist. 4. Mit freudiger Genugtuung endlich stellen wir fest, daß der D. I. G. B., der auf den Gemeindetagen sich mit äußerster Entschiedenheit gegen die konfessionelle Volksschule erklärt und dadurch seinerzeit den Bruch zwischen ihm und dem Verband der jüdische!: Lehrervereine im Deutschen Reiche herbeigeführt hatte, nunmehr durch seine Eingabe für die Erhaltung der jüdischen Volksschule in Koöylm den Beweis geliefert hat, daß er in diesem Punkte vollständig umgelernt hat. Hochachtungsvoll Lehrer Becker (Wollstein), Vorsitzender 'des Vereins jüdischer Lehrer in den Ostprovinzen.

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