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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-31 · Heft 22 (31.5.1918) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 22 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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257 Zwei Bsrieder seinen mir geblieben, Hoben wir geha-n-d^lt mit Steiner. einer gestorben, bin ich geblieben einer. Einer bin ich geblieben, Handel ich rnrt Licht'. Starben tu ich jeden Tag, Weil zu fressen hob ich nicht. Heinrich Simon. einrich Simon, geboren am 4. Mai 1858, ist der Sohn des trefflichen Oberlehrers der Mathematik an der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt und an der Knabenschule der Berliner jüdischen ^Gemeinde, der jahrzehntelang in Diensten der Gemeinde stand und durch sein reiches Wissen sowie durch sein Pädagogisches Geschick Vorbild-. lich gewirkt und viele Generaj tionen wackerer Schüler herangezogen hat. Heinrich Simon empfing' seinen ersten Unterricht an der genannten Knabenschule, besuchte ein Berliner Gymnasium und widmete sich nach Absolvierung der Schule dem Studium. 'Er wandte sich zuerst dem Baufach zu, ging dann zur Machematik und Physik über, widmete sich aber nicht dem Lehrerberufe, sondern dem des Bibliothekars. Er trat 1887 an der Universitätsbibliothek in Berlin ein, wurde 1896 zum Bibliothekar, 1913 zum Qberbiblothekar ernannt, nachdem er schon 1907 den Prosessorentitel erhalten hatte. Die Stellung an der Universitätsbibliothek vertauschte er 1905 mit einer solchen an der Königlichen, bis er 1908 zum Bibliothekar an der Technischen Hochschule in Berlin ernannt wurde. Seine Berufsarbeit war ihm der Hauptlebensinhalt. Durch den ihm im Jahre 1904 erteilten Auftrag, die Bibliothek der neuen Hochschule zu Danzig einzurichten, kam zum erstenmal in Preußen ein wissenschaftlich gebildeter und fachmäßig geschulter Mann in eine solche Bibliothek. Bisher waren sie von mittleren Beamten mit entsprechend beschränkten Befugnissen verwaltet worden. Simon bekam Gelegenheit, dahin zu wirken, daß im Ministerium die Notwendigkeit erkannt wurde, auch an die Technischen Hochschulen grundsätzlich wissenschaftliche Mbliothekare zu berufen. Dies geschah durch den Staatshaushalt von 1908. Simon erhielt die Aufgabe, die Bibliothek der größten deutschen Technischen Hochschulen zeitgemäß umzugestalten. Daneben arbeitete er für volkstümliche Bibliotheken. Er war Mitbegründer und Vorsitzender der von der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" 1895 geschaffenen ersten öffentlichen Lesehalle Berlins. Im Jahre 1903 wurde er nach Posen beurlaubt, um die dortige Provinzial-Wanderbibliothek gemeinsam mit dem Direktor der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek, Professor Focke, einzurichten. Später beteiligte er sich jahrelang an der Veranstaltung von Volksunterhaltungsabenden, bei denen er auch als Klavierspieler mitwirkte. Diese musikalische Tätigkeit war nicht bloß eine gelegentliche, sondern eine fast berufsmäßige. Wer wie der Unterzeichnete die Freude gehabt hat, Simon am Klavier als Begleiter von Sängerinnen zu sehen und zu hören, wird den Anblick des prächtigen Künstlers, dessen feines Kunstverständnis und dessen Geschicklichkeit anzustaunen ist, nicht vergessen. ' Neben seinem Lebensberuse als Bibliothekar war Simon vielfach schriftstellerisch tätig. Eine Reihe von Uebrsetzungen rührt von ihm her, aus dem Englischen und aus dem Französischen, z. B. von Schriften des Marc Twain, Friedrichs des Großen, Labiche, die ebenso wie seine selbständigen Arbeiten sich großer Beliebtheit und weiter Verbreitung erfreuten. Er edierte ferner ältere Schriften, z.-B. solche des Mathematikers Gauß, und gab einzelne Arbeiten seines verdienten Vaters neu heraus, indem er sich bemühte, diese viel verbreiteten Bücher auf der Höhe zu erhalten. Ferner bekundete er seine Neigung zur Musik durch Herausgabe der Schriften Schumanns, durch eine Anzahl theoretischer Schriften über Musik und durch manche teilweise humoristische Sammlungen, die sich auf Musik beziehen. Heinrich Simon ist den Traditionen des väterlichen Hauses stets treu geblieben: er verharrte beim Judentum und entzog sich nicht der Tätigkeit für die jüdische Gemeinde. Seit dem Jahre 1909 gehört er unserer Bibliothekskommission an, zuerst als Mitglied des wissenschaftlichenBeirats, dann als Mitglied der eigentlichen Bibliothekskommission, und dient durch seinen fachmännischen Rat, durch seinen großen Eifer und durch sein umfassendes Wissen allen Interessen dieser großen Anstalt. AlS Mitglied der Revisionskommission, durch seine Bearbeitung der Instruktionen und derBesuchsordnung, durch seine Mittätigkeit bei der Einrichtung und Katalogisierung der Wolfschen Sammlung, durch seine große ausgebreitete Kenntnis hat er dazu beigetragen, diese so außerordentlich segensreich wirkende Anstalt zu heben und zu fördern. Wir wünschen dem Jubilar, der trotz seiner grauen Haare jugendlich kräftig einherschreitet und den Sechziger wenig erkennen läßt, daß es ihm vergönnt sein möge, noch lange Jahre in seinem Hauptberufe tätig zu sein, der Wissenschaft zu dienen, die Kunst zu pflegen und die Interessen unserer Gemeinde zu fördern. l.. 6. Btt Vegetarismus und die Lide!. Von Rabbiner Dr. Gelles (Lisia i. P.). ^u den Ideen, die mit fortschreitender Kultur eine immer größere Anhängerschaft gewinnen, gehört die Idee des Vegetarismus. In der Ablehnung der animalischen Nahrung Oberbibliothekar Prof. Dr. -Heinrich Simon.

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