Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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nachäffenden und anbetenden Hohlköpfen, oder den noch kläglicheren zionistischen Bolschewiken, dieser Musterkollektion politischer Unreife und gewissenlos unbekümmerter Unwissenheit, ihre Prachtexemplare hat. Wunderbar paßt auf diese Jugend die mir immer aufs neue heftige Übelkeiten verursachende Bezeichnung »Jugendliche«, dieses mannigfach zurückgebliebene Adjektiv, dem das ihm angestammte Substantiv »Verbrecher« unvorsichtigerweise entsprungen ist. Jugendlich ist diese Jugend zweifellos, wenn das soviel bedeutet, daß sie nichts, weder sich, noch ihre vielen Worte, ernst nimmt, nicht aus ihnen und sich Ernst macht. Jetzt, wo es kein Verdienst, sondern möglicherweise künftighin ein »Verdienst« gewesen ist, nach Palästina zu gehen, zieht sie das bei weitem der Parteiarbeit und der Politik vor (wenn sie überhaupt etwas vorzieht), wie sie vordem das Hierbleiben der Auswanderung vorgezogen hat. Ich will nicht ungerecht sein und nicht verschweigen, daß unter denen, die heute wenigstens mit Palästina es ernst meinen und damit Ernst machen, viele unserer Besten sind. Aber es stimmt mich andererseits sehr bedenklich, wie wenig Anteil viele der nun immerhin (gewiß nicht durch ihre Schuld) mehr als ein Jahr Aufbrechenden an der von ihnen mit einem Achselzucken abgetanen Galutharbeit nehmen. Da beginnt eine der innerlich korruptesten zionistischen Ausreden in Schwang zu kommen, die mit Palästina. Und der Verdacht erscheint nicht unbegründet, daß aus diesen so höchlich auf ihr Wohl und ihre schläfrige Ruhe bedachten Spießern nicht plötzlich in Palästina die entsagungsvollen Pioniere werden könnnen, die wir dort vorläufig noch brauchen, bevor das Pack der ewig fremde Früchte erntenden Kriegs- und Friedensgewinner, der Hyänen und Nutznießer der revolutionären Idee, anrücken darf. Es gibt kaum eine schmerzlichere Enttäuschung als die, sehen zu müssen, wie nun, nachdem man sich vielleicht die Hälfte seines Lebens durch die gewriß nicht erfreuliche Parteiarbeit hat verwüsten lassen, nachdem man in den Jahren des Krieges allein weitergearbeitet hat, immer in der Hoffnung auf Ablösung, sobald der Friede da sei, aus der jüngeren Generation kaum einer die Fähigkeit oder den Willen hat, an seinen Platz zu treten. Im Jahre 1916 hat Dr. Robert Weltsch die zionistische Dienstpflicht verlangt und begeisterte Zustimmung gefunden. Wo sind sie aber heute, diese jungen Zionisten, die es damals so eilig mit der Dienstpflicht hatten, weil sie ihnen jedenfalls einleuchtender und angenehmer schien als die einem im Grunde doch nur komischen, im Kriege aber tragikomisch gewordenen Staate geleistete Mordpflicht r Ich sehe sie nirgends, sondern immer und überall die gleichen Leute, die auch schon vor dem Kriege mitgearbeitet haben. Und dabei soll doch unsere Jugend im Kriege an Zahl so überaus gewachsen seinIhre Arbeitslust scheint sich aber, von der mehr als »Hetz« denn als Arbeit aufgefaßten Wahlagitation abgesehen, auch dem allgemeinen Zeitgeiste angepaßt zu haben. Ich bestreite nicht, daß ich nur aus einer begrenzten Erfahrung spreche und daß ich in gewollter Einseitigkeit jene guten Ausnahmen hier nicht erwähne, die wirklich mitarbeiten oder die trotz ihres besten Willens aus unüberwindlichen Gründen der Veranlagung (Achtung : Ausrede!) oder sonst einem unabweisbaren inneren Zwang heraus Parteiarbeit (im weitesten Sinne nicht leisten können. Die allerdings sind die Zuwidersten, die in heutzutage so beliebter Perversion aus dem Mangel ihrer Hingebung und Opferwilligkeit 253