Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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diesen sind wir Litauer, daß heißt eine geschichtslose Nation, die keine Vergangenheit hat, deren Nationalismus zwanzig Jahre alt ist. Hätten wir* uns bewahrt, um uns gleichwalzen zu lassen? Wahrlich, wozu dann Zionismus? Assimilation führt bequemer und sicherer zum Ziel Unsere Politik ist nicht Gewaltpolitik, unser Geist ist ein Bestimmtes, keine leere Qualität. Wer über Politik und Geist im Zionismus schreibt, darf dies nicht übersehen! Adolf Böhm. * Das Judentum ist keine passive Religion, sondern eine aktive Erkenntnis welche mit der jüdischen Nationalität organisch verwachsen ist. Moses Hess. DIE NEUE JUGEND Die Frage: Gibt es eine neue Jugend? klingt zwar wie die um diese Jahreszeit beliebten Zeitungsenqueten und ist wörtlich genommen auch nicht sehr tiefsinnig, doch sei sie trotzdem gestellt. ' Nicht, weil ihre Beantwortung hier, wo es sich um die jüdische und zionistische Jugend handelt, noch unentschieden und besonders schwierig wäre, sondern gerade aus der bitteren Empfindung schwerster Enttäuschung, die diese Schicksalsfrage der zionistischen Bewegung im Westen nochmals wiederholt, in der Hoffnung, widerlegt zu werden, also eine andere, bessere Antwort zu erhalten. Was mich betrift, bejahe ich die Frage : ja, es gibt eine jüdische Jugend,' die neu, das heißt anders als die frühere ist. Und sie ist auch sehr jung» in jeder Beziehung, jünger sogar als die vorangegangene Generation. Man hat ihr inner- und außerhalb der Organisation so oft mit allem Aufwand an stimmlicher und gestikulierender Körperkraft vorgeredet, sie sei unsere junge Jugend, sie sei Kraft, Schönheit, Begeisterung, Frohsinn, kurz, der Herrgott auf Erden, daß sie nicht endlich diese unerhörten Lobhudeleien für wahr halten und die überwundene Geistigkeit samt ihren banausischen Forderangen nach Arbeit und Verwirklichung sich zum Teufel scheren lassen sollte? Hinzu kam die allgemeine Stimmung dieses bestialischen Zeitalters, jene durch die feile Sattheit der Vorkriegszeit lieblich gekitzelte und durch die noch anhaltende, die scheußlichsten Instinkte aufpeitschende Kriegsnot brutal herausgeforderte Magengesinnung unserer erhabenen Zeit. Übermäßig potenzierte Selbstgefälligkeit, phrasenreichstes Schwätzertum, ekelhafteste Vergnügungssucht, wütendster Chauvinismus und geistloser Rassenfanatismus, engstirnige Überheblichkeit und Anmaßung und dazu ein fast hoffnungsloses Unverständnis für geistige Dinge und deren Konsequenzen, welches einem beinahe den Gedanken der offenbaren geistigen Minderwertigkeit dieser ganzen Generation aufzwingt — so sieht die heutige Jugend aus, wenn ich mit meinen eigenen Augen, nicht mit fremden oder durch eine Brille sehen will. Und dabei macht es gar keinen Unterschied, ob es sich um Sport- und Körper» kultur«-Fexe oder um das gegnerische Lager der vorgeblich geistig interessierten jungen Leute handelt, die in den »Buberln«, jenen Verständnis- und sinnlos Martin Buber 252