Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— > Wir sollten es als ein nationales Glück schätzen, daß der Prophetismus vom Rabbinismus (zu behalten : der Autor ist kein ,orthodoxer Jude', im Gegenteil eher ein ^Freidenker'; die Hochschätzung des Rabbinismus entspringt national-utilistischen Erwägungen) verdrängt wurde. Hätte die prophetische Richteng der Geistigkeit mit ihrer Opposition gegen die Suprematie des Gesetzes entscheidenden Einfluß auf das Judentum genommen, wir hätten in der Diaspora schon längst aufgehört, eine Nation zu. sein.« (O Grauen, es auszudenken!) — Dieser herrlichen nationalen Existenz in der Diaspora wegen geziemt es sich, über den Sieg des »Deutens und Tüfteins«,' das uns in »nationaler Enge« behielt und über die Niederlage des -anationalen, ja antinationalen« Prophetismus, der in »kosmopolitische Weiten« führt, zu jubeln. — »Alle Bestrebungen, die mit dem Rufe nach Vergeistigung und Verinnerlichung der jüdischen Religion — ein Ruf der heutzutage in einer modernen stilisierten Losung von ,Neubelebung der jüdischen Religiosität4 widerhallt — auftraten und in Sehnsucht nach religiöser Erschütterung gegen die Erstarrung der Gotteslehre in einer formalen Gesetzeslehre ankämpften, führten immer zum Abfall vom Judentum (—Klatzkins, vom Pharisäismus; aber nicht vom eigentlichen, das sie erst erfüllten), weil von den nationalen Lebensformen der 'jüdischen Staatsreligion die der Unbedingtheit der Religiosität geopfert wurden. Beispiele : Essäer, Karäer.« — Beispiele stimmen nicht. Das karäische Schisma hat seinen Ursprung nicht im Streben zur Verinnerlichung der Religion, sondern im Gegenteil, in der Ablehnung solchen Strebens. Was die Essäer anbelangt, könnte sich die »jüdische Nation« nichts sehnlicher wünschen, als solche Verwirklichung der jüdischen (nicht Staats-) Religion, wie sie den Essäern in ihren glücklichen Zeiten gelang. Außerdem aber ist festzuhalten, daß diese Sätze nur von einem geschrieben werden konnten, der an der Religion bloß theoretisch, sozusagen akademisch, interessiert ist, der von ihr nie erschüttert wurde und keine lebendige Sehnsucht nach ihr trägt. — »Nur der blinde Eifer der Haskalah konnte von Verstocktheit des Rabbinismus faseln. Nur das naive Freidenkertum konnte die Pedanterie, die Grausamkeit eines i -Tüpfelchens (J. L. Gordon: ,Das Titelchen eines Jud') und somit eigentlich den Gesetzescharakter unserer Religion verlachen.« — 228