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Jüdische Rundschau · 1925-10-09 · Heft 79-80 (9.10.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 79-80 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 671;«»ft# S,d| Gegen einen Block der ״Allgemeinen Zionisten“ rtwerdCr| Von Gerhard Holdhcim. ,gen cn stet!, J Mit ilicscin Aufsatz, setzen wir die von Rosenblüth 05‘-n1 ],a4 geronnene Diskussion über die Reformbcdiirftigkrit des m fand ג Kongreßes fort. Red. ׳onstitir;^ in <Rr Aufsatzreihe, die Felix Roscnblütli in der ״Jiid. ionca!'',H ,,i-iChau“ publiziert hat, findet sich ein Kapitel, das meines :.; H,tcns nicht unwidersprochen bleiben darf. Roscnblütb U ^Machtet cs als eine der dringendsten ״Reformen“, daß sen s0;!;,;t dic ^Allgemeinen Zionisten“ organisieren, um gemeinber j;c innere Politik des Zionismus zu beeinflussen und SC״ÜM als Regierungspartei fungieren zu können. Wollte tn. (*;״y־• innere Unmöglichkeit dieser Vorstellungsreihc übertcl, so;sj':J"fm1 dartun, so bedürfte cs einer gründlichen histori- Jirnnf: und soziologischen Untersuchung, liier sollen aber »:,:eil. j|!, erste Einwendungen vorgebracht werden, die unmittelbar;h: ״rot יי eh der Lektüre des Roscnblüthschcn Aufsatzes sich vorn.Mirh ynJscnbIüth ״u.jat, daß Wien deutlich erwiesen habe, am• Drr£;| cs jüj1rCj wc״״ nicht ein einheitlicher Bürgcrblock 'Pf 4f.‘.‘r(jon: Block der ״Allgemeinen Zionisten“) organisiert ist, Es Gang der Geschäfte maßgebend dirigieren kann,;iuksdiri:^ sfj unmöglich, zu einem guten Ende zu kommen, wenn 11921 v-|‘2,*310 Delegierten 170 nicht wissen, was sic wollen. Dem roScr, af^jaunen des Lesers über diesen unheimlich und unwahr- :innahmf ifinlich klingenden Satz soll gleich Beruhigung wider- :set/te. rfIJ, Gewiß — fährt Roscnblütli fort — hätten die diverti’kcit dlד־ Landsmannschaften Programme mit zum Kongreß ge- •hen n־׳ jilit, aber sic seien leider nicht fähig gewesen, das ,.f זי ..;lieh zu wollen, was sic im Sinne hatten. Sollte das r'lK,vJ .;■•chijch zutreffen? Hat nicht die amerikanische Delegation ׳ ח'.^ג' :!!st konsequent ihre Politik der splendid isolation durchircuml־׳[:;Haben nicht die Amerikaner deutlich genug zu den fc'TNCnncn gegeben, daß sie die Fragen der Organisation ■;•v'chst wenig interessieren, daß sic bei ihrer Arbeit für!;;ers i1by£>;cn Hajcssod fremde Lehren nicht wünschen und daß K.K.!■•!׳ in wirtschaftlichen Dingen ziemlich ״rechtsbürgerlich“ 5;!׳t wf'•• gestellt sind? Und wie steht cs mit den Polen? War die » die er'■;"־rtci der Herren Göttlich und Lcvite wirklich ohne Dirck- Uirit - ohne klaren, ziclbcwußtcn Willen? Zeigte sich der \ gerade dieser Gruppe nicht hinreichend deutlich in der W•■ •■tiative zur Wahl des Vorsitzenden des Perinancn/aus- . •״יי■jsscs. des ״Allgemeinen Zionisten“ Abr. Goldberg, die lind 1r׳׳: fl״rh ii.uh der Ansicht Rosonbhiths die Entwicklung nicht l;. s Kongresses im negativen Sinne bestimmte? Und haben 'lebend1;•. Politiker, von Eth Liwnoth (wenn sic cs auch noch so Wirken, bestreiten mögen) nicht klar erwiesen, daß sie der i der cfdicitcrkolonisation mit wenig treundlichcn Gefühlen gegen- Ercr-Jis* -; •:rstclicn und sich als die politische Vertretung der neuen jiffL '-!!clständihchen Einwanderung gcricrcn? Leider hat nur f“,'’•/ , a Delegation nicht recht gewußt, wie sie — um mit 1mc1f scnbliith zu sprechen — das. was sic wollte, wollen soll. fn rvjt . ne Pclcgation, deren Listenführer der Verfasser des uns clit wer:״/!.ydiäftigcndcn Aufsatzes war, hat unseres F.rachtens höchst dem V.V^.-iucklich operiert. Indem sic ein wirtschaftliches Reor- Werk :,;!-j-a'ationsprogramni proklamierte, das ernsthaft erwog. Araber n,V;::tuvcrtrctcr in der Exekutive nicht zuzulassen, hat sic iken hV$ r Arbeiterparteien kopfscheu und ihren Glauben wankend;?•:;nacht, daß der deutsche Zionismus arbeiterfreundlich sei. j!‘זי scheint, baß Roscnblütli bei der Schuldvcrtcilung in der!;.Toiutoriumsfragc ein wenig vorsichtiger sein sollte. Wenn tiie Kri;r־in schon hierbei überhaupt von ״Schuld“ sprechen will, I linscrcp3 wc'^ 'ch nicht, wer mehr gesündigt hat: die Hitachduth, uns r:f;־c1n s1c sieb der Abstimmung enthielt, oder die deutsche 1 " 1;C'i.Irgation. indem sic »len Arbeitern das Gruseln beibrachte ::;ca ry.j das Handaufliebcn der Hitachduth verhinderte, tcnüichi "׳.- kann und soll aber nicht die Aufgabe dieser Bctrachje gleiciי1',״'■'׳ ־ sein, Fehler der deutschen Delegation auf/uzcigcn, h Auf?־ •־ ^crn cs soll nur der Behauptung Roscnbliiths entgegen- , /"";:treten werden, daß gerade in den anderen Landsmanniitarucitc.•.:saftcn eine Willen- und Fiihrcrlosigkcit herrschte und nur je Dcb::'.,,ו Block der ״Allgemeinen Zionisten“ Rettung hätte bringen ine Näcf nncn. er Freist, 1st ‘־:chwcr zu verstehen, wie gerade ein Mann wie 1 •׳,■ '׳ca Roscnblütli, dessen Klugheit und Erfahrung wir dcut- : חזי Zionisten so zu schätzen wissen, sich in einen Ge- I Oene■; rkru verrennen kann, der, konsequent zu Ende geführt, מ sich ff völlige Aufgabe des deutschen Programmes bedeuten 1 nur : .־-:de. Das Kongreßprogramm der Z. V. f. D. (so wie wir, ibern׳‘■■״״^ wir aut sc‘״cr Grundlage die Liste Rosenblüth wählten, W ״*y \Vfrrt3ndcn haben und nach den von autoritativer Seite gewun.se..: :eenen Kommentaren verstehen mußten) war zumindest n״ seit: ■2cm Geiste nach eine deutliche Absage an die Aiifr Ar.fic:';fn!I der polnischen Landsmannschaft. Nicht nur, daß K.rcirc:: l׳'m Gegensatz zu Eth Liwnoth) der Landwirtschaft über 1J, “ f : platonische Anerkennung hinaus die erste und cntschei- I unt י• י(]: Rolle beim Aufbau /.!!erkannte, hat es auch die Be- Erden?<־;. :׳־htigung und die Förderung der Arbcitcrkolonisation zur 'zu sage ■ j \<;sc und zum Postulat erhoben. Der deutsche Zionismus jtion \vV •r,t ~־ d^an besteht kein Zweifel — bei aller soziologischen lach H ■‘■'kren/icrung der palästinensischen Arbeiterschaft außer- L-1 JK. .dcnlIkh nahe. Und wenn man das Kongreßprogramm der tiiit ne: 1 .־;:achdutl1 betrachtet, so findet man kaum einen Punkt, iuto::onr.: i:: den deutschen Thesen widersprochen hätte. Die Linksireprdse:׳• •lf,m‘cr״״g des deutschen Zionismus stand außer Frage. Ine (Ma;■״• Cs 'var ~ "'<*״" icI* rccht orientiert bin — auch die [;■Priingliche Absicht der deutschen Kongreßdclcgation, gleich ■; Bc^i״n des Kongresses mit den Arbeiterparteien Fühlung J Micher! und die Amerikaner für eine Kombination zu r slaubcf cu״'nf״. auf der Hitachduth und Amerikaner sozusagen ‘Kritik c]u’’l.,C ‘u!üc^r»puc11 bilden sollten. Ein solcher Rcgicrungsblork tht n־1־'׳*>■X ־^ . לח ”*clit nur eine Notwendigkeit, um aus den •■’'ff ■glichen Schwierigkeiten herauszukommen, sondern E׳ K010:1. 1״׳-t die einzige. Dauer und Stetigkeit verbürgende Koatiir pcp»t. :°n. der Zukunft. Damit soll, wie ausdrücklich betont trenz di־•• %n»^ c^wa ^>c Forderung erhoben werden, Eth Liwnoth h-.p 1,•:,ril’f "'srachi unter keinen Umständen an der Exekutiv- II 7F beteiligen bzw. nur ohne Teilnahme dieser pich sich an der Regierung zu beteiligen. Es sollte nur I hinrcil״“^’.׳׳׳^ gesagt sein, daß die Arbeiterschaft uin keinen Preis keine sir״fl; ü״r Mitverantwortung hcrausgedrängt werden darf und — II anderc^:1־(j vCn-auc'J v0״ ^cr Unken Seite gewünschten Reformen < , Vc,r״«scrungen — der bisherige Kurs in seinen Gründ- P 1 ״ n beihehaUcn werden rauli. K welle:•־J -,cmgcgcnühcr fordert Roscnblütli die Einigung der dcut- ^0^״‘sc^e״ und amerikanischen Landsmannschaften ge- ’:S'-jjj °Cr den Fraktionen. Auch der Proponent dieses Vorglaubt nicht, daß eine programmatische Einire 11גהז־^2י׳זזי־נ, Vj־n '.0™herein möglich sei; denn er kennt nur zu einen vÜ Vb1ir1.d,c ^efen Gegensätze. Aber indem er eine aus an- 11 arnb:• ־‘,־'cli C״ historischen, psychologischen, soziologischen und erwor• ^*iehauV,״^s1r,^^*Rfcn Gemeinsamkeiten zu gewinnende idcolo- Emorandm״«!;־. ־•־!^ °cf»׳ründung des ״Allgemeinen Zionismus“ versucht, eren Ob-::• :r־cM Cr zu*n«ndcst eine taktische Einigung, d. h. ein I der fr- 0m׳״ c^ncs Zusammengehen auf Kongressen und AktionsfzwecD '1t5ri 7'UnRc״ erreichen zu können. Ich kann leider in Ces aui1"ן^־ ‘״ Zusammenhänge nicht darlcgcn, warum mir Rosen- , ’ioadt corct«chc Ableitungen nicht nur nicht beweiskräftig, j cm sogar grundfalsch zu sein scheinen, aber ich bin sicher, daß die deutschen Zionisten und zumindest die jüngeren Jahrgänge aut die Frage, ob ihnen Göttlich oder Arlosoroff in ihren Auffassungen des Zionismus näher stehen, sich ohne Ucbcrlcgung für letzteren erklären würden. Es scheint mir ferner, daß die Polen weit eher mit dem Misrachi zu paktieren geneigt wären als mit den Deutschen, da Misrachi und Eth Liwnoth in den Wirtschaflsfragcn und in ihrer ganzen Betrachtungsweise des Palästinanuibaus sehr starke Gemeinsamkeiten aufweisen. Diese Ucbercinstimmungen in der Vorstellung des zukünftigen Palästina sind aber in. E. weit wesentlicher als etwaige Ucbcrcinstimmungen aktueller Fragen, welch letztere sich bei etwas guten! Willen im allgemeinen leicht erzielen lassen. Rosenblüth erstrebt mit den Polen und Amerikanern entweder ein Kuiupromißprogramm aut allen Gebieten oder ein Teilprogramm, das auf wirtschaftspolitischem Gebiet auf eine Einigung verzichtet. Das erste ist, wenn die Z. V. f. D. nicht geradezu alle ihre Prinzipien aufgäbe, einfach nicht vorstellbar, mul eine Einigung zwischen Partnern, deren Grundauffassungen vom Wesen des Zionismus schroff divergieren und die demzufolge in der entscheidenden Frage der Budgetierung notwendigerweise auseinanderstreben müssen, ist gleichfalls nur ein Traum, -und noch dazu kein schöner. Wenn Rosenblüth schreibt, daß nur .ein Betrag von 000 20־ Pfund für Mittelstand oder Arbeiterschaft die Parteien getrennt und sonst eigentlich schönste Harmonie geherrscht hat, so ist das schlechthin!!!:begreiflich. Wir wissen doch alle, daß an der relativ friedlichen Stimmung in der- Budgetkommission nur das jammerbar kleine Budget schuld war, das wir zugrundelcgen mußten. Daß auch die radikalsten Anhänger der Mitteistandskolonisation nicht gegen die Konsolidicrung der Arbeitersiedlungen stimmen und das l'iiilicr cingegaugcnc Engagement nicht brutal lösen würden, war doch von vornherein klar und kann ihnen nicht zmti Verdienst ungerechnet werden. Die wirklichen liefen Gegensätze zwischen Rechts und Links werden sich erst dann auswirken können, wenn wir in der Lage sind, ein Budget zu vorteilen, das die Austragung der Gegensätze lohnt. Auf diesem Kongreß erlebten wir erst ein Vorpostengefecht, man versuchte sich in ideologischen Begründungen seiner Forderungen, aber mau wußte auf beiden Seiten, daß für einen ernsthaften Zusammenprall in der Budgetfrage einfach das Streitobjekt nicht vorhanden war. Der wirkliche Kampf wird erst später kommen, und ich frage die Ocffcntlichkcit des deutschen Zionismus, ob sie dann den Kompromiß mit Eth Liwnoth will (ein Zusammenschluß unter V״r/id1t auf eine Einigung in den Wirtschaftslagen ist eine LUopic), oder ob sic gewillt ist, mit offenem Visier und klarer ]•Tont für die gerechten Forderungen der Arbeiterschaft cin/utrctcu, die niemals für uns mir eine Interessengruppe war, sondern uns stets als der Pfeiler des Aufbaus und der Hort unserer nationalen und kulturellen Ideale erschienen ist. Der ״Allgemeine Zionismus“, den! Rosenblüth sich hoffnungslos bemüht eine Ideologie und ein Aktionsprogramm zu geben, ist eine historische l..rsohci!r.1ngsform unserer Bewegung. Er konnte die tragende Gruppe in einer Zeit sein, wo der Aufbau Palästinas noch in nebelhafter Ferne lag und wirklich noch ein ideologischer Zusammenhang z.wischcn denen bestand, die ״ohne Bindestrich“ den reinen Gedanken des Zionismus zu vertreten glaubten. Heute, wo ein erheblicher Teil auch der ״Allgemeinen Zionisten“ Interessenvertretungen, nämlich des sogenannten Mittelstandes, geworden sind (was gar kein Vorwurf sein soll), muß notwendig und zwangsläufig der Spuk zerrinnen. Zwischen den ״Allgemeinen Zionisten“ untereinander werden nach wie vor dieselben Berührungspunkte bestehen bleiben, wie sie /.wischen allen Gruppen des Kongresses trotz aller Gegensätze auch bisher in die Erscheinung traten: Der Wille zur Einheit der Zionistischen Organisation und zur gemeinsamen Erreichung des gemeinsam erstrebten großen Zieles. Aber innerhalb drs von allen Gruppen beschickten und von allen Gruppen als souveräne. Instanz anerkannten Kongresses werden sich die Geister scheiden. Und an dem, was mau gemeinhin die Wirtschaftsfragen nennt, was aber in Wahrheit Manifestationen von Weltanschauungen sind, wird sich die Scheidung der Geister vollziehen. Jewish Agency ist heute schon res judicata. Be* stehen bleiben aber wird die Frage, ob die Palästinakolonisation im Geiste der drei ersten Alijoth fortgeführt werden soll, oder ob eine vierte und fünfte Alijah all die Prinzipien über den Haufen rennen soll, für die wir jahr/chnlelang um eines erneuerten Judentums willen gekämpft haben. Politik kann inan nicht treiben für eine ferne Zukunft, aber .sicherlich noch w־cnigcr nur für d,'e unmittelbare Gegenwart zu Gunsten der einen oder der anderen aktuellen Frage. Ich glaul>c übrigens, daß wenn eine wirklich befriedigende Konsolidierung der Organisation erreicht sein wird, große Teile der heutigen Opposition zurückfinden und sich mit uns zu einer neuen radikal-dcmokratischcn Partei verbinden werden. Diese neue Partei, losgelöst von Personenfragen und sachlich ״ccinigt durch ein klares, detailliertes und nicht zu mißdeutendes Programm wird meiner festen Ucbcr/ctigimg nach kommen und kommen rniisscn. Rosenblüth hat vollständig recht, wenn er schreibt, daß die Spielregeln des Parlamentarismus eine genaue vorherige Kenntnis der Kräfteverteilung erfordern. Es wird hinfort nicht mehr angehen, vor den Landesgrcnz.cn halt zu machen, sondern es muß ein Zusammenschluß derer erstrebt werden, die in den entscheidenden Fragen einer Meinung sind. Auch in einer solchen Partei wird cs Nüancierungen geben, wie sie schließlich auch innerhalb der Poalc Zion, der Hitachduth und des Misrachi bestehen. Auch diese neue Partei wird vielleicht einen rechten Flügel haben. Aber auch dieser rechte Flügel wird in seiner Grundhaltung zu den sozial-wirtschaftliehen Fragen ein völlig anderes Aussehen haben müssen als der von Rosenblüth geplante ״Allgemeine Zionistenblock“. Eine reinliche Scheidung der Geister tut_ not. Rosenblüths Hoffnung, daß in dem Block der ,,Allgemeinen Zionisten“ die ״linksbiirgerlichc“ "Richtung der Deutschen die Möglichkeit erfolgreicher interner Beeinflussung hätte, halte ich für trügerisch. Da, wo wirkliche Interessen und Anschauungen miteinander ringen, ist eine Einigung nur möglich, wenn der eine Teil so erhebliche Abstriche von seinem Programm macht, daß von dem ursprünglich Gewollten so gut wie nichts mehr übrig bleibt. Dieser eine Teil wird aber, fürchte ich, der d c: u t s c h c Zionismus sein. Und das alles soll durch eine höhere Not- Wendigkeit gerechtfertigt erscheinen? In seinem ersten Aufsatz hat Rosenblüth davon gesprochen, daß auf diesem Kongreß zum ersten Male eine Art Klassen« k a nt p f s t i in m u n g gegen die Arbeiterschaft geherrscht habe. Glaubt Rosenblüth wirklich, daß die Initiierung einer bürgerlichen Koalition mit rechtsgerichteten Gruppen auf die Arbeiterschaft anders als alarmierend wirken könnte? Müssen nicht, wenn die einzige arbcitcrfrcundlichc biirgcrliehe Gruppe ideologische Gemeinsamkeiten mit Gottlieb und Abraham üoldhcrg entdeckt und sich zu einem Bündnis mit ihnen entschließt — müssen nicht notwendigerweise die Arbeiterparteien mit schärfstem Kampf und erbitterter Opposition antworten? Mir scheint, wir sollten an der gegenwärtigen Krise, die nicht mir eine Führcrkrisc ist, übersättigt sein, und cs sollte die deutschen Zionisten nicht danach gelüsten, durch neue Ungeschicklichkeiten und politische Instinktlosigkeit neue Verwirrung zu stiften. Eines der größten politischen Aktiva der Z. V. f. D. war bisher das Vertrauen, das die Arbeiterschaft in sic setzte. Ein fraktioneller Zusammenschluß mit Etli Liwnoth muß, auch wenn cr natürlich von Rosenblüth in ganz anderem Sinne gemeint ist, als Ansage des Klassen* kampfcs wirken. Aber das Entscheidende ist, daß wir, unab« hängig von der politischen Unmöglichkeit, jede nur denkbare Rcchtsoricnticrung ahlchncn. Nicht nur, weil wir aus kolonisatorischen und kulturellen Gründen von 11er Notwendigkeit und primären l^rcchtiaunf' der Arbcitcrkolonisation überzeugt sind, sondern aus unserer allgemeinen sozialen Ein- Stellung heraus stehen wir zum ehrlichen l׳>׳un(!nis mit den Arl>oii(Tgruppen bereit. Und nur dadurch, daß wir durch die lat (und nicht mir durch ein verschieden zu interpreticrendes Kongreßprogramm) unsere Entschlossenheit heweisen, mit der Arbeiterschaft für ihre und unsere Ideale zu kämpfen — mir dadurch gewinnen wir 11 ic innere Bereehtigung und die äußere Möglichkeit, Uebertreibungen auf der linken Seite zu korrigieren und da, wo cs nötig erscheint, mit Erfolg zu bremsen. Der deutsche Zionismus.‘mit kecius koaliert, gibt sich auf; er sinkt nicht nur zur Bccleiu.u!1״slosigkeit herab, sondern cr diskreditiert sich für lauge Zeiten als ein Element, das stets 711m Umfall bereit ist. Mit Links koaliert aber kann es gerade uns, die wir wirtschaftliche Interessen in Palästina »lieht zu vertreten haben, voibehalten bleiben, trotz unserer geringen Ziffer eine bedeutungsvolle Mission zu erfüllen. Rosenblüth will das wissen alle, die ihn kennen — im Endzweck dasselbe wie wir. Sein Fehler besteht nur darin, daß er im Glauben an die Möglichkeit einer Beeinflussung der rcehtsorientierten bürgerlichen Zic* nisten einen Weg empfiehlt, der ein Irrweg und ein Abweg ist._ Das Wesen wahrer und guter Politik ist aber Gradlinigkci?. In Zeiten der Entscheidung gilt nicht der Kompromiß, sondern das klare und unzweideutige Bekenntnis, ln einer Zeit, wo der Zionismus das schwere Werk seiner inneren Reorganisation beginnen will, ist cs ein Gebot der Stunde, eine klare, weithin sichtbare, der wirklichen Anschauung entsprechende Konstellation der in der Bewegung wirkenden Kräfte herbeizuführen. Auch auf die Gefahr hin, daß man dann nicht der Regierung, sondern der Opposition angchört. Reformen Von Felix Rosenblüth. Vorbemerkung: In dem Artikel von Felix Rosenblüth, den wir in der letzten Nummer der ״Jiid. Rundschau“ veröffentlichten, sind eine Reihe von bcdaucrlichcn Druckfehlern unterlaufen, die leider gerade in entscheidenden Absätzen den Sinn bis zur U/ikcnntliclikeit entstellten. Wir veröffentlichen daher nochmals die im Druck besonders verdorbenen Abschnitte des Teiles 2: ״Das Zentrum der allgemeinen Zionisten und die Fraktionen“. Der Verfasser hatte ausgeführf, daß die Einigung der Lamlsninimschafteu eine programmatische Dauerverständigung nicht voraussetze. Möglich sei vorläufig auch eine taktische Einigung auf der Grundlage von Verständigungsprogrammen, die der Situation anzupassen seien. Der Verfasser führt dann aus, daß die taktische Einigung allerdings eines yoraiissetze, nämlich die geistige Verwurzelung im allgemeinen Zionismus und fährt dann fort: Wir sind sehr weit entfernt von dem geistrcichelnden Bemühen, dem allgemeinen Zionismus seine Programmlosigkcit als Ruhm und Lob anzudichten. Im Gegenteil, sie kennzeichnet seine größte Schwäche, und man soll hoffen und erwarten, daß sich aus dem permanenten Kontakt der Landesgruppen lind dem konsctpicntcn Bemühen, die Programmlosigkeit wenigstens pcriodcnwcisc zu überwinden, ein in festeren Grundlinien gezeichnetes Gcneralprogramm allmählich entwickeln wird, ein wirklicher Katechismus, der doch aus dem Geistesgut des allgemeinen Zionismus die Ablehnung starrer Doktrinen übernommen haben wird. Wenn also auch nicht immer leicht zu erfahren ist, was der allgemeine Zionis-!uns will, so ist doch durchaus feststellbar, was er ist, einwamlfrei bestimmbar durch eine Kombination von historischen, psychologischen, soziologischen und auschauungsinäßigen Kriterien. Historisch betrachtet bilden die allgemeinen Zionisten die Gruppe, die die Lehre unmittelbar von Her/.l empfangeil hat, und die nicht sehr große Schar der Jugend, auf die die Lehre aus der Hand der unmittelbar Berührten iibergegangen ist. In psychologischer Hinsicht sind sie die Gruppe derjenigen, für die der politische Zionismus das einzige revolutionäre Ereignis ihres Lebens war, jedenfalls das einzige bestimmende und ausschlaggebende, Menschen, deren Erlebnisfäliigkeit vielleicht zu konzentriert oder nicht vielseitig genug ist, um anderen Idealen mehr als Sympathie und entgegen!■ omniende intellektuelle Würdigung a'ugedeihcn zu lassen. Vom soziologischen Standpunkte aus sind sie ein weiter Kreis von Bürgerlichen, deren Lebensgefühl und geistige Haltung durch die bürgerliche Verfassung ihres Daseins bestimmt oder mitbcstimmt wird. Anschaimngsmäßig sind sic weder Misradüsten oder Sozialisten. Obschon ihre wirtschaftlichen Anschauungen der Klärung bedürftig sind, so eint sic doch alle das Bestreben zu objektiver Würdigung aller im Wirtschaft־.- leben Palästinas wirkenden produktiven und regenerativen Kräfte, ein Bestreben, das durch die mangelnde unmittelbare Gebundenheit an palästinensische Wirtschaftsinteressen erleid!• tert wird und theoretisch in klassischer Weise in den \on seinen Gegnern, vielfach aber auch von seinen F reim eien mißverstandenen Anschauungen Dr. Ru pp ins vorgebildet ist. Hierbei fließt die Bevorzugung des einen oder des anderen Wirtschaftsstandes nicht so sehr aus der Verknüpftiicit mit seinen Interessen als vielmehr (wenn wir von sentimentalen Sympathien absdicn wollen), aus der theoretischen Ueberzeugung von seiner größeren kolonisatorischen und regenerativen Produktivität. Alle diese Kriterien mögen einzeln auch auf andere Gruppen zutreffen, in ihrer Zusammenfassung ctiaraktcrisicren sic den ״allgemeinen Zionismus“ eindeutig genug, um eine weithin sichtbare und durchaus nicht ohne seelische Gefahren verrückbare Grenze niif/urichtcn. Es 111,1g sein, daß die eine oder die andere Elügelgnippe im Begriffe v־־:, sich loszulösen, lind vielleicht noch gerade hündnisaber nicht mehr cingiicdcrungsf.ihig ist. Es ist auch so gut ■eie sicher, daß die Front des allgemeinen Zionismus von P•!- lästina her allmählich aufgcrollt werden wird, in dem Maße nämlich, wie die Verknüpfung mit wirtschaftlichen Interessen oder Interessenten im Lande enger werden wird. Auch dann und gerade dann wird freilich, wie hier nur aiigedentet werden kann, die allgemein-zionistische Haltung wesentlich bleiben, wesentlich für eine Aufbaubewegung, die mangels staatlicher Organisationszwangsmittel in! Kampf der Interessen zerbrechen müßte. Jedenfalls .׳:her ist heute der allgemeine Zionismus eine lebendige RcaLtät, auf eieren Grundläge sich eine Gruppenbilduug viel natürlicher und wirkungsvoller vollziehen kann, als etwa auf einer anderen, sehr gefährlichen und parlamentarisch unbrauchbaren Basis, auf der man die Front der Idealisten gegenüber den Nicht- Idealisten aufrichten möchte. Der ״allgemeine Zionismus“ ist, richtig verstanden, reich an idealistischen Zielsetzungen und sollte die besten Kräfte zum Kampf um die Führerschaft in seinen Grenzen anlockcn. Im darauffolgenden Abschnitt 111. soll cs .sodann in Zeile 10 statt ״Plenarsitzungen nach dem Kongreß“ -י richtig heißen: ״Die Gruppenbilduug muH also früher geschehen, und zwar, vorbereitet durch I־ührcrkonleren/e11 vor und nach den A.-C.-Sitzungen, in Plenarversammlungen vor dem Kongreß,“

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