Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 79-80 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 668 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70/80 gierung, diesen Faktor für sich zu gewinnen. Die leitenden Staatsmänner der Sowjet-Union haben ein feines Gefühl für den Wert von Stimmungen. Sie wissen genau, daß das Judentum der ganzen Welt lebhaften Anteil nimmt an den Schicksalen seiner russischen Brüder. Die wirtschaftliche Umgestaltung in Rußland hat einen großen Teil der Juden völlig pauperisiert und seiner Existenzgrundlage beraubt. Nur ein Teil vermochte auszuwandern, nur ein Teil sich dem neuen System einzugliedern. Die Zukunft der großen jüdischen Massen in Rußland ist ungeklärt und das beunruhigt die jüdische Welt. Die russische Regierung hat nun ein Programm aufgestellt, das wenigstens einem Teile dieser Juden eine produktive Existenzgrundlage geben soll. Sic hat — wenn auch bisher nur in bescheidenem Maße — ihren Willen gezeigt, das Unrecht wieder gutzumachen, das eine zwangläufige Folge der besonderen sozialökonomischen Situation der Juden in der kommunistischen Wirtschaftsrevolution gewesen ist. Dies ist keine „Lösung der Judenfrage", aber es könnte einer Anzahl individueller Juden helfen. Wir werden die Durchführung des Projektes vorurteilslos beobachten und uns über sein Gelingen freuen, seine gesamtjüdische Bedeutung darf allerdings nicht übertrieben werden. Die Aufklärungen, die Herr Tschitscherin in Berlin den Vertretern jüdischer Organisationen gegeben hat, beweisen, wie sehr ihm daran gelegen ist, die öffentliche Meinung des Judentums für die Aktion der russischen Regierung zu gewinnen. Wir haben schon früher ausgesprochen, daß wir es für eine selbstverständliche Pflicht der russischen Regierung halten, ihren jüdischen Bürgern die gleiche Chance zu geben wie den nichtjüdischen. Mit besonderem Nachdruck hat" der Volkskommissär betont, daß den Juden dieselbe Möglichkeit nationaler Entwicklung gegeben werden soll wie allen andern Nationalitäten der Union. Dies bedeutet nicht unbedingt eine jüdische „Republik", deren Voraussetzung eine territorial geschlossene Siedlung wäre, sondern es ist damit ausgesprochen, daß den lokalen Gemeinden das volle Recht ihrer nationalen und kulturellen Selbstbestimmung gewahrt bleibt. Wir hoffen, daß dieses Recht nicht dort Halt macht, wo die zionistische Bewegung und die hebräische Sprache in Frage kommen. Herr Tschitscherin hat dem Vorsitzenden der Z.V.f.D. gesagt, die Sowjet- Regierung verfolge weder den Zionismus noch die hebräische Sprache, es beständen sogar ausdrückliche Verordnungen, die den Zionismus als erlaubt bezeichnen. Diese Erklärung aus so autoritativem Munde ist gewiß von großer Wichtigkeit, zumal bisher die zionistische Ocffentlichkeit durch die in großer Menge aus Rußland kommenden Nachrichten entgegengesetzt informiert war. Herr Blumenfeld hat Herrn Tschitscherin ein» Memorandum darüber überreicht, wie sehr die Zionisten Deutschlands (für andere zu sprechen ist Herr Blumenfcld nicht legitimiert) durch diese Nachrichten über fortgesetzte Verfolgungen ihrer Freunde beunruhigt' sind. Herr Tschitscherin versprach, etwa bestehende Mißverständnisse aufzuklären. Gerade in dem Augenblick, wo die Sowjet-Regierung den von ihr früher vernachlässigten Faktor der jüdischen Stimmung der Welt offenbar höher einzuschätzen beginnt, wäre es von großer Wichtigkeit, die Stellung der Zionisten in Rußland zu klären. U. E. besteht nicht der geringste Grund, warum der Zionismus nicht als legale Bewegung in Rußland anerkannt werden soll. Wenn in den ersten 'Jahren der Sowjet-Union noch die früheren inner jüdischen Parteikämpfe so mächtig nachwirkten, daß die nun zu Machtpositionen gelangten zionistenfeindlichen Bundistcn ihre alten Rechnungen durch Vernichtung des Zionismus zu begleichen versuchten, so haben sich heute, da die Vernichtung des Zionismus nicht gelungen ist und nie gelingen kann, die Verhältnisse völlig verschoben. Heute ist die Judenfrage nicht mehr in der Hand lokaler Pnrtcigrüßen, sondern sie ist vor das Forum der wirklich maßgebenden Männer der Union gelangt. Wir hoffen, daß auch gegenüber dem Zionismus eine deutliche Schwenkung der Sowjet-Politik bevorsteht. Ucber die Behandlung der Nationalitäten in Rußland berichtet in einem sehr interessanten Artikel der ausgezeichneten pazifistischen Wochenschrift „Die Menschheit" (Wiesbaden) der kürzlich aus Rußland zurückgekehrte General von Schönaich. Dieser Aufsatz zeigt das Kernproblem, das für die Nationalitätenpolitik aller Staaten maßgebend sein müßte und auf das gerade von uns seit Jahren hingewiesen wird. An Stelle .der engstirnigen Auffassung, nur derjenige sei ein guter Staatsbürger, der unter Verkrüppclung seines eigenen Wesens sich — entweder heuchlerisch oder in völliger Selbstverleugnung ~ der maßgebenden Mchrheitsnation des Landes anpaßt, muß die Erkenntnis treten, daß nichts einen Staatsbürger so sehr an sein Vaterland bindet, wie die Gewährung voller Entwicklung seiner Eigenart und freier Betätigung in seiner nationalen Sphäre. Die alte Weisheit, die die zusammengebrochenen Nationalitätenstaaten Oesterreich (und besonders dessen ungarische Hälfte), Zarenrußlaud und Türkei zur Rcgicrtingsmaximc machten und die heute ihr gespenstisches Dasein in einigen neuen Nationalitätenstaaten fristet, sieht in jedem Fremdstämmigen einen potentiellen Verräter, eine Art „inneren Feind". Man betrachtet ihn mit Mißtrauen, unterwirft ihn unnötigen Beschränkungen, setzt ihn zurück und erzeugt auf diese Weise künstlich eine Verbitterung gegen den so handelnden Staat. Ganz anders ist es, wenn man den Menschen die Freiheit ihrer Entwicklung gibt und sie fühlen läßt, daß ihre Andersartigkeit sie in keiner Weise zu Minderwertigen stempelt. In der Sowjet-Union, wo allerdings die Verhältnisse günstig liegen, hat sich das zweite System außerordentlich bewährt. Allerdings verkennen wir nicht, daß die Autonomie nur innerhalb des kommunistischen Systems besteht, das die kulturelle Freiheit in vielen Beziehungen unerträglich einschränkt. Aber diese Einschränkungen gelten auch für Russen. Das Entscheidende ist die Gleichheit in der Behandlung aller Nationalitäten, ohne Bevorzugung der „herrschenden" Nation. Ein sicher nicht voreingenommener Beobachter wio Schönaich berichtet uns, daß die Fremdstämmigen durch diese Autonomie völlig an Sowjet-Rußland gefesselt wurden und das größte Interesse an der Erhaltung des Staates und des Systems haben. Diese Tatsache müßte it. E. auf die Nationalitätenpolitik der anderen Staaten revolutionierend wirken. Besonders interessant ist der Fall auch für uns Zionisten, die in Palästina vor der großen und schwierigen Aufgabe stehen, in einem national gemischten Gemeinwesen so zu leben, daß beide Nationen die Möglichkeit freier Entwicklung haben. Daß dies möglich ist, wurde bisher von vielen Seiten bestritten. Die Beispiele wie Schweiz und Kanada erschienen als unzureichend; das russische Beispiel ist ein schlagender Beweis. Und wir sind überzeugt, daß durch ein solches System, das bei Gemcnglage der Völker am besten durch weitgehende lokale Selbstverwaltung zu lösen ist, der dauernde Friede in weit höherem Maße gewährleistet wird als durch irgendein System der Unterdrückung. Erollsnsg der Baadeismesse In Tel-Awhv Jerusalem, 5. Oktober (J.T.A.) Am 4. OktoberWuu! in Tcl-Awiw die H a n d c 1 s m c s s c P a 1 ä s t i n a s u n 4 <j Nahen Ostens eröffnet. Vorzüglich vertreten ist die. p, lästinn-Abtcilung-, die die landwirtschaftliche und indu^tr^-- Produktion des Landes erschöpfend darstellt. Einige Rc^,f rungsdepartements gehören zu den Ausstellern. Der Str^f der Besucher ist sehr groß, die palästinensische Eisenhiü Verwaltung hat einen Sonderzugverkehr clngcrichi"F New York, 5. Oktober (J.T.A.) Die Palästina-! i3n<v i kammer in New York hielt am 4. Oktober aus Anlaß c'. - Eröffnung der Handelsmesse in Tcl-Awiw eine feiert ' Sitzung ab, in welcher der britische Konsul cjllc A.» spräche hielt. Es sprachen noch Repräsentanten der Fai-? kantenvercine, der New Yorker Handelskammer und der rnistischen Organisation. Die Versammlung begrüßte in Cr.! Resolution Lord Plumer und die Palästina-Regierung r,' beglückwünschte sie zu dem im Geiste der Balfour-Dcklara^ vor sich gehenden wirtschaftlichen Aufbau im Lande. Die leocB EluwanderuBgsbesUmmungcn Der palästinensische Korrespondent des „Na jen Hajr.: telegraphiert, daß man in Palästina damit rechne, daß";, allernächster Zeit die erschwerenden Bestimmungen der l~ Wanderungsverordnung, wonach nach Palästina ciruvauden; Kapitalisten das Visum erst nach Einholung der Bewillig;? des Einwanderungskommissars der palästinensischen p4 gicrung erhalten, wieder aufgehoben werden. Es der Zustand, wonach die englischen Konsulate selbst zur i\ teilung der Visa berechtigt sind, wiederhergestellt wercvl 1 Störung der Jörn Kippur- Andacht an der kltsemauer I Die J.T. A. veröffentlicht folgende Telegramme aus Je• * salem: Während eine große Zahl Juden am Vcrsöhnun^y an der Klagemauer Gebete verrichtete, erschien eine ,\ 5 teüung Polizei und forderte die Andächtigen zum Verl:- | des Platzes auf. Als dieser Aufforderung nicht gleich ici.; geleistet wurde, wurden von der Klagemauer alle Sitzgeic-r-t; heiten entfernt. Der Andächtigen bemächtigte sich Erregung. Eine Abordnung derselben begab sich zum jC:.> salcmer Gouverneur, General Sir Ronald Storrs, um \-; ihm Klage gegen das Vorgehen der Polizei zu erhf Sir Ronald Storrs bestätigte, daß cr selbst die Auordmrj? j Entfernung der Betenden gegeben habe und bezog sich da:; auf ein altes türkisches Gesetz, welches eine G-k' ncindcandacht vor der Klagemauer, sowie die Benutzung v \ Ränken und Sitzen vor der Klagcniaucr verbiete und mi improvisierte Sitze erlaube. Die Abordnung;:\ sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden und wies dar, hin, daß das erwähnte Gesetz zur Zeit der türkisc, / Herrschaft auf dem Papier blieb und daß di^ Juden ><'. unvordenklichen Zeiten am Jörn Kippur vor der Klagcma'-- ihre Andacht verrichtet haben. Die Mitglieder der Abordnr kündigten eine Gcrichtsklage gegen die P01 i;» wegen Störung des Gottesdienstes an. (U warten ausführliche Berichte über diese sonderbaren Vorgan: ab, die sicherlich in der gesamten Judcnheit mit Protest a. genommen werden. — Red.) Lord Flumer uad Emir Abdullah Bei reu th. (J.T.A.) Die in Damaskus erscheinende l> tung „AI Zaman" teilt mit, daß Lord Plumer wj'hrc: seiner Anwesenheit in Amman, der Hauptstadt Tra;: Jordaniens, dem Emir Abdullah seine volle Unterstütz-: versprach und ihm das Privileg gewährte, nach eigene Belieben Minister und Beamte zu ernenne: bzw. zu entlassen. Während des zu Ehren Lord Plugin Amman von Emir Abdullah gegebenen Empfangs hat Lc; Plumer eine Ansprache gehalten, m welcher er dieses Privilc für den Emir bestätigte. Die Zeitung verzeichnet in die?;' Zusammenhang das Gerücht, daß Emir Abdullah in scir.r Ministerium durchgreifende Personenänderungen bcabsich:;; und wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen sein; Premier Ali Rida Rikabi Pascha, mit dem er Unfrieden lebt, zum Rücktritt zwingen wird. Der frühere Assistenz-Gouverneur des Haifa-Distnk'.' E. Mills, wurde als Assistenz-Sekretär nach Jerusalem u setzt. Der erste Assistenz-Sekretär, E. Keith-Roach sc Regicrungs-Vcrwaltungsinspcktor von Palästina werden. =onde :cn M :s Juc -cm 2 •Inisch •er.-.tjs r poh t vers .rum, '"»rnmui :.7ig r. •bsr < l : £c;; Tainct I : dcr l -scher ' ::itc ( £;!cnha 'i>tc; \ ':?unK> uicren! :-::ch n Sial Tschernichowski Von Sch. Gorclik. Mittwoch, am 7. d. M. fand in Berlin eine kleine Nachfeier des 50. Geburtstages des Dichters Tschernichowski statt. Wir haben bereits in Nr. 63, am 11. August, an leitender Stelle unseren Glückwunsch zum Ausdruck gebracht. Ucber den Abend selbst werden wir noch berichten. Red. Sein Name wird gleich nach Bialik genannt. Schncur kommt als Dritter. Es gibt kaum einen jüdischen Leser, der nicht von diesem Dreigestirn am dichterischen Himmel weiß. In einem Atem werden sie genannt mit Stolz ob der Mannigfaltigkeit der Motive, der Verschiedenheit der dichterischen Individualitäten. Sic sind nicht Stufen, Nachfolger. Es wird schwer sein, den Einfluß Biaüks bei Tschernichowski oder bei Schncur festzustellen. Wenn Bialik als erster genannt wird, geschieht es deswegen, weil man schließlich nur einen „nationalen" Dichter haben kann; und cr ist dazu ausgerufen worden, erstens weil cr früher kam als die andern und zweitens, weil er Leid und Hoffnung des Volkes besungen hat. Völker sind, wie Victor Hugo einmal bemerkte, den Frauen ähnlich;, sie möchten immer Liebeserklärungen anhören. In der Welt der Dichtung sind „Lieder des Zorns" auch Liebeserklärungen. Nachdem Bialik die ganze Last der Auseinandersetzungen mit seinem Volke auf sich genommen hat, konnten die anderen beiden ihre Motive anderswo suchen, konnte Tschernichowski seine Balladen und Idyllen schreiben, konnte cr Blumen auf den Feldern Tauricns pflücken und Grieche, Heide sein, während Schncur in den Schweizer Bergen hcrumschwciftc. « Tschernichowski begeisterte den jüdischen Leser hauptsächlich, weil er in seiner Poesie den großen Beitrag zur Renaissance der hebräischen Sprache sah, aber den Motiven nach konnte er seiner Seele nicht nah sein. Wer konnte denn so viel Heiterkeit des Gemütes, so viel Ruhe, so viel Freude an Welt und Natur, so viel Unkomplizicrthcit, möchte man sagen, in sich aufnehmen? Ein europäischer Leser wäre dazu kaum imstande, ein europäischer Leser, dessen Seele verwundet ist Noch weniger konnte es ein Jude, der doch ein Oolusmcnsch ist Fast sah es aus, als ob .Tschernichowski aus irgendeinem Eldorado zu uns herübergekommen ist, zu uns, die an so viel Sonne und Blumenpracht gar nicht gewöhnt sind. Das Feld, das Bialik besungen hat, bestand nur aus etlichen Dunam Boden, aus dem Fenster des Bcth-Hamtdrasch gesehen, voll Sehnsucht nach der freien Natur eines Talmud-Bochcrs. Es war die Sehnsucht eines Oolusdichtcrs. Tschernichowski aber singt von Steppen. Sein Feld ist ein riesiges Feld. Seine Idyllen sind Idyllen eines gesunden Volkes, eines Hirtenvolkes. Die volle Wertung Tschcrnichowskis als Dichter wird erst später einmal kommen, wahrscheinlich in Palästina. Seine Gedichte werden Herzen entflammen, wenn der „Hamatmid" und „Schirc-Saam" Bialiks schon als ferne Sage nachklingen werden. Dann wird man nicht von Tschernichowski sprechen als von einem, der der Renaissance der hebräischen Sprache geholfen hat, sondern man wird beglückt ausrufen: Seht, ein Dichter 1 Und die Jugend wird auf den Fluren Palästinas seine Lieder Ringen. Wunderlich ist es nur, daß Tschernichowski unter uns Staatenlosen, Niedergeschlagenen hier In Europa hcrumirrt, der Tragik unserer Zeit unbewußt, daß cr nicht in Palästina lebt, wohin er eigentlich gehört, wo cr am Platze ist. In Palastina, wo von Ihm noch vieles zu erwarten wäre. Ist cr doch nicht der Dichter der Misere. Die Leiden, die Sorgen unserer Zeit haben keinen Nachhall in seinen Liedern gefunden. Er ist einzig nur Dichter, Dichter, der ewige Schönheiten verherrlicht hat. Wenn unser Volk einmal zur Ruhe kommen wird, wird man auch die Verdienste Tschcmichowskis vollauf würdigen. Wenn aber das fünfzigjährige Jubiläum unseres Dichters so klanglos, fast unbemerkt vorübergegangen ist, so geschah es nicht deshalb, weil die unruhige, zerrissene Seele des jüdischen Lesers sich nicht in dieser Welt der Harmonie, der Heiterkeit zurechtfinden konnte. Die Gründe dieses Unbemcrklscins liegen ganz anderswo. Sic sind in der Gcistlosigkcit, Trockenheit dieser Zeit zu suchen, die jeder Dichtung abhold ist. Ein französischer Schriftsteller erzählte eine erbauliche Episode, die ihm auf einem Spaziergange passierte: Er bemerkte auf einem Felde eine ihm unbekannte, überaus ' reizende Pflanze. Als cr eine Bäuerin nach dem Namen dieser Pflanze fragte, bekam er die verächtliche Antwort: „Das ist nichts, das kann man nicht essen.,. .." So steht es auch — besonders jetzt —■ mit der Dichtung, mit der Literatur: & kann es nicht essen, man kann es nicht für den Alltag brauchen, und das Los des Dichters ist eigentlich im^ Einsamkeit, Vergessenheit gewesen. In der Tat hat es immer gewundert, wenn es irgendeinem Dichter ander«; p gangen Ist. Und war Anerkennung einmal bcschicdcn, > kam sie gewöhnlich spät, allzu spät, wie es Heine in sei'1" „Firdusi" geschildert hat. Kamele, beladen mit rcichr- Schätzen, marschierten nach Thus, um dem Dichter die C: schenke des Schahs zu überbringen. Doch durch das Osttor am andern End Von Thus, zog im selben Moment Zur Stadt hinaus der Leichenzug, Der den toten Firdusi zu Orabe trug. Ewiger Konflikt zwischen der Gesellschaft i-ci 3;r; Dichter! Die Gesellschaft steht ahnungslos da, und der &([ ist verbittert. Doch was unseren Tschernichowski bctrih'i. £ ist cr in diesem Sinuc eine Ausnahme. Nie hat n''" klagen hören, weder über das Schicksal seines Volkes,^0-' über den eigenen schweren Daseinskampf. Nur die Siio-' fäden in seinem dichten Haar legen Zeugnis davon ab, dafl^ Kampf hart ist. Dieser Dichter klagt nie, aber das heißt nc-;; daß die jüdische Gesellschaft frei ist von der Schuld, du abzutragen hat. Einen kleinen Teil dieser Schuld gutzumachen, vcri;' Iaßtc seine vielen Freunde in Berlin, einen Tschcniichov^ Abend zu veranstalten. Mit den Worten der Anerkenn-; und Dankbarkeit mögen sich auch die Wünsche für -fl' weiteres erfolgreiches Schaffen Im Reiche der Poe»»' \f> einen. Im C r. Nut. untc Wa! „Mcnorah'S illustrierte Monatsschrift für die Familie, Wien I, Zclinkagassc 13. (Preis des Jahresabo"v*■ ts 12 M.) Das Oktoberheft bringt " -------" •nchcri -hes „1 Ric ■.:u!rlt f.pi '■".'•»".-ity :;^an i '.•^stellt "'la'h , >• >ktr,i [UCh , cc, de und ' Aus; T>czi'< ... - :-hu-n ngt einen intercs^nt. :,->llci!ni Aufsatz über die Synagoge in Hcidingsfcld von Erich TocfJ r t 1 i t z (Frankfurt a. M.). Ferner enthält die Nummer RO Lr duktionen nach Originalen von Ludwig Blum und Herrn«';.-1 Fechcnbach und einen Bericht des Dr. I. Jak0bs0n; \ übet die Moses Mendelssohn-Ausstellung in Dessau, u"d ., andere Beitrage. iu ' i'>ere K * 1 u m Streit * auif,