Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 77-78 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 TTlTO l 7178 jSr 77/78 Miß."f tischen-j in dcr' j/rc JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 657 ai eint habC;; mer n-jr ath bt. c^rülicp Reformen Von Felix Roscnblüth.*) drum der allgemeine! und die Fraktionen ^pas Zentrum der allgemeinen Zionistcn pie Uncnlbchrlichkeit eines geschlossenen Zentrums f, j|gc meinen Zionistcn, vom Verfasser in einem gescholtenen Rundschau-Artikel nach dem 13. Kongreß beut, dürfte mittlerweile um einige Grade einleuchtender sein. Der Verfasser vergaß damals, die Trage ffassun -■ j'.!m-crfcn und zu beantworten, was denn eigentlich „allgc- ,rr Zionismus" sei, und diewar ohne Zweifel eine Uutcr- .,|)fTSsümle, die gutgemacht werden muß. Aber bevor es 'lacht, müssen die Verwicklungen der jüngsten Kongrcß- I j .. ■-) .j.|.jisc noch einmal so verwirrend wie möglich vorgestellt d K'-l-cJanlit xvir nicllt wicdcr mit dcr leichtherzigen Vcr- " p- '- 'iichkcit, die uns auszeichnet, die Lehren auch der aufen Eirj.v "].cji;.tfI1 Erfahrungen frohgemut in den Wind schlagen. $"'{-s handelt sich darum, daß ein Kongreß schwer zu KM^i.-n guten Ende zu führen ist, wenn von 310 Delegierten;icnbhjiu cii,!uijidcrtimdsicbzig nicht wissen, was sie wollen. Nicht c FrfMfCob s'c kein Programm hätten! Im Gegenteil, sie haben ntcr d, ' sl^c I>roSra:n,nci die v011 Landeskonferenzen sorgsam bere' ^bereitet sind. Aber man weiß nicht, was man will, wenn H'inicht weiß, wie man das, was man will, wollen — nämsn,niin%'durchsetzen — soll. Der Satz klingt läppisch, aber er ist :V;eicht gerade deshalb die passende Melodie zum Traucre Hilfvf.'. vom „allgemeinen Zionismus", der auch nach diesem iskussirfCrcß angestimmt werden muß. Daß die Erleuchtung wir dif>;;°obcn kommen würde, von der Exekutive, daß sie die freuten Schäflein sammeln würde, dürfte nach den Erp' rjngcn der letzten Kongresse und zahlreicher Sitzungen %• ein Wundergläubiger hoffen. Die Palästina-Exekutive 'fj':t wie man weiß, in ihre eigene Wirklichkeit cinge- 'Arsen, dem merkwürdigen Treiben der Goluszionistcn mehr icht d;, f-:;unt als entschlossen gegenüber. Die Haltung Dr. Wciz-!?:-.'''SS ist in einem besonderen Aufsatz gewürdigt worden. -ur~ Lrniiö hier aber, bei aller Hochachtung vor dem hilfreichen ::ühcn Sokolows, den äußeren Ablauf der Verhandlungen V-cnisch zu gestalten, dennoch angemerkt werden, daß 'h dieses weder dirigierend noch vermittelnd in das innere ±be eingreift, und so "befestigt sich bei uns immer mehr :■ Eindruck, daß, von allen anderen Momenten abgesehen, :its die außenpolitische Engagiertheit beiden Führern :-, nicht konsequent gewahrte, aber doch grundsätzliche -rvr gegenüber inneren l'artoivnrgänijcn auferlegt. Wie ■ auch sei, man mußte in Wien wissen, daß man auf ' nen Füßen zu stehen haben würde. Da aber die größten ■', die maßgeblichsten Landsmannschaften „allgemeinen" Sismus immer noch mit Ungcbtmdcnhcit und Handlungsart verwechseln, da insbesondere die Amerikaner, auf die };nkam, sich einer Art umgekehrter Monroe-Doktrin verfroren hatten und dem Prinzip der Nichteinmischung in;--päischc Verhältnisse nachzuleben schienen, so gelangte man '!,!dazii, die Programme zu vergleichen, gegeneinander abgebe.': -Mimen und auf einen Generalnenner zu bringen, speziaz ein; '.-n Landesprogrammpunktcn im Verhandlungswege all- :ht n"c':';-"f'ncrc Anerkennung zu verschaffen oder, umgekehrt, durch ";r.immatischc Verzichte Hindernisse der Vereinigung aus Wege zu räumen kurz; einen Block 'zu bilden. Man über einflußlose, bröckelige Tcilgruppierungcn nicht ■Zcrtii, tct. h '<so^. cn nici.i. aijjrunJ: iweisiir. hn;ii!i'; man i:, 100 f in* a!L für;\: ^en :. leibt r.r . die: jistricru iatioi»'. Ühc-Kor isch, n; J ko:; ■ (sieht r Arbo;::: Irjerui'c: J Vozu ein Block gut gewesen wäre, ersieht man eben am fv'cn aus der Verwirrung, die das Fehlen einer leidlich diszi- '•;crten zentralen Kongrcßgruppc angestiftet hat, und diese "^icklungcii sollen nun, also noch einmal rekapituliert '•'cn. Man kann dahingestellt sein lassen, ob eine autori- •x Blocklcitung das ganze Absolutoriumsspicl nicht viel ^nfsvoller hätte unterdrücken können als der Permancuzchuß. Dafür spricht eine paradoxe psychologische Wahrj einlichkcit, es ist aber, wie zugegeben sei, höchst zwcifcl- - Auf keinen Fall aber dürfte es vorkommen, daß bei " Abstimmung über das Absolutorium 20 Stimmen aus- Man hätte den Ausfall verhindern müssen — und der ■ 'itativen Blocklcitung wäre das sehr leicht gelungen. Sic ■ *) Siehe auch „Jüdische Rundschau" Nr. 76. hätte mindestens den drohenden Stimmenschwund erkannt und einkalkuliert, hätte sich aber keiuesfaü; durch das Ergebnis überraschen lassen. Ein solches Malheur durfte um so weniger passieren, als auf dem vorigen Kongreß in genau gleicher Situation genau das gleiche Unglück geschehen war. Zweitens: die psychologische Wirkung der fraktionellen Deklarationen hätte noch vor der Abstimmung durch eine wohl vorbereitete starke Vcrtraucnskundgcbuiig paralysiert werden müssen, während nach den oppositionellen Fanfarcntöncu das ergebene Schwei fen von MO in Ehren ergrauten, nur leider unorganisierten K.'nnpfern einen kläglichen Eindruck machte. Eine wachsame Blockleitung hätte ferner, wie ein Poalc-Zkmfiihrcr mit Recht bemerkte, wciu.j.itcns dem Text des Absolutoriums (der in seiner nichtssagenden Form die Fraktionen anziehen sollte, aber eben nicht anzog), mehr Seele eingehaucht, und zwar unbekümmert darum, ob dadurch aus einigen „enthaltenen" Stimmen noch Ge^ens!immcn geworden wären. Vor allem aber hätte eine geschlossene, energische, ein ganz klein wenig furchterregende Miitclgruppc vor der Abstimmung (nicht nachher) dem Druck Gegendruck entgegengesetzt und, durch Androhung von Repressalien auf anderen Gebieten (oder aber durch Anerbictung von Vorteilen) die eine oder die andere schwankende Gruppe in eine positivere, übrigens auch ihrer Ucberzcuguug gemäßere Haltung hincingezwungen. Die jetzige Situation, in djr man die Krise heraufbeschworen, andererseits aber bei der Neubildung der Exekutive mit verdoppelten Ansprüchen aufwarten darf, entspricht dem ganz richtigen Empfinden der Fraktionen, daß man mit den armen Zerstreuten der Mittclgruppc nach Belieben umspringen kann. — Wie sollte, um von etwas anderem zu sprechen, für das Schockcn-Programm durch Aufklärung geworben werden^ wenn es keinen gemeinsamen Beratungsraum für die allgemeinen Zionistcn gab? So blieb es bis zum Schluß eine halb mystische, fast unverstandene Verkündigung, bei deren Tönen nicht bloß den Fraktionen unheimlich, sondern auch den initiieren Gruppen nicht ganz heimlich zu Mute warl Aber nach ehernen Gesetzen muß sich auf dem Kongreß jede Schuld, vor allem bei der Exckutivbilduug, rächen. Und so fehlte denn auch den wenigstens teilweise von der deutschen Landsmannschaft inspirierten Pcrsoualvorschlägcn Dr. Wcizmanns der Boden gerade auch bei den allgemeinen Zionistcn. Die Resultate von F.xe! vtivbildungsbcsprcchungcn, bei denen zwar alle Fraktionen vertreten sind, von den allgemeinen Zionistcn aber nur willkürlich herausgegriffene Einzelne, keine autoritative Blocklcitung, müssen irgendwie auf konträre Ressentiments übergangener Landsmannschaften treffen. Wenn man aber meint, tlaß die deutschen Zionistcn ihren Vorschlägen vorher eine breite Basis ge:.chafl'en hallen, :.t> vergißt mau, daß!.ie auf diesem Kongreß die schmale Basis der breiten vorgezogen hatten. Kurz und gut — es geht nicht ohne einen Block, ohn* eine permanente Kontakt- und Verständigungsgemcinschafl der allgemeinen Zionistcn! Die Existenz des Blockes ist aber auch eine allgemeine formale Notwendigkeit! Sil liegt, wie vor zwei Jahren naher ausgeführt wurde, im Interesse auch der anderen: der Fraktionen, der Exekutive, kurz, des Kongresses — im Interesse auch einer landsmanuschaftlichcn Gruppe, die es vorzieht, ihre Handlungsfreiheit zu bewahren und sich aus programmatischen Gcwisscnsbcdcnkcn einem Zentrum nicht einfügen kann. Wenn man diese Notwendigkeit nicht fühlt, so läßt sich die ganze Wahrheit in einer sehr primitiven Ucbcrlcgung erfassen. Die Spielregeln des Parlamentarismus erfordern nun einmal, daß die Kräfteverhältnisse im vorhinein bekannt sind. Die andauernde Ungewißheit über die Haltung und die Leistungsfähigkeit der Mitte muß die Fraktionen irreführen und sie zwingt andererseits die Exekutive beinahe, durch Ultimaten und Diktatur Ordnung zu schaffen. Wer die schreckensbleichen Gesichter mancher Fraktionsführer nach der Abstimmung über das Absolutorium gesehen hat, weiß, daß vielleicht manches anders gekommen wäre, wenn sie nicht wieder einmal die Stärke des Zentrums überschätzt hätten — jene „Stärke", deren Ungreifbarkcit und Unmcfibarkcit ''n Wahrheit seine unglückselige Schwäche ausmacht. Es ist hier der Ort, um einige Bemerkungen über die Fraktionen einfließen zu lassen. Die moralische Entrüstung über den Mangel an „Klal"-Gefühl bei den Fraktionen, die der Verfasser vor zwei Jahren noch geteilt hat, muß aufgegeben werden, schon weil sie unfruchtbar ist. Die Forderung: mehr Fraklionismus bei den allgemeinen Zioniitcn — mehr allgemeiner Zionismus bei den Fraktionen, ist wohl doch eine zu ideale, als daß ihr baldige Verwirklichung ber.chiedcn sein könnte. Natürlich, wenn mau es genau nimmt, so erforderte eigentlich das Bewußtsein zionistischer Gesamtverantwortung und jene Aufrichtigkeit, die in einer Organisation von Brüdern und Genossen nicht entbehrt werden kann — erforderte also eigentlich reinster Zionismus, daß man auf dem Kongreß seine Handlungen ausschließlich bestimmen ließe durch das Maß au innerster Bereitschaft, für ihre notwendigen oder wahrscheinlichen oder auch nur möglichen Folgen einzustellen. Aber wie gesagt: man tut als Außenstehender gut, mit moralischer Entrüstung zu sparen und die Erzeugung einer besseren Einsicht bei den Fraktionen ihrer eigenen inneren Entwicklung zu überlassen. Dafür sollte mau lieber geicchterweise zugeben, daß es für die Fraktionen schwierig ist, den Hebel ihrer Taktik richtig einzustellen, solange die allgemeinen Zionistcn im ganzen und in der inneren Aufteilung der Kräfte und Anschauungen ein unübersichtliches, unbekanntes Etwas sind, eine ncbelvollc, dunkle Wettcreckc, aus der es ebenso gut auf amerikanische wie auf polnische oder deutsche Art aufleuchten kann. Ferner aber sollte mau, um die innere Entwicklung der Fraktionen ein wenig zu beschleunigen, endlich den Mut zu der einfachen und praktischen Maßregel finden, die Fraktionen für unglückliche Folgen einer spekulativen Schachzugpoüiik haftbar zu machen. Wer beispielsweise die Absolutoriumskrisc verschuldet hat, muß entweder die Leitung allein übernehmen oder von der Leitung ausgeschlossen seinl Wobei man nur immer wieder in peinlicher Weise an das „konkurrierende Verschulden" der allgemeinen Zionistcn und somit an die Notwendigkeit des besagten Blockes trinnert wird.. II. Auf welcher Basis kann dieses Zentrum gebildet werden?, Der Begriff der „permanenten Kontakt- und Vcrständigungsgemeinschaft", der einmal angewandt wurde, ist zu verschwommen, als daß erläuternde Ausführungen überflüssig wären. Ich bin (obschon angesichts der Gefahren, denen man sich bei einem solchen Bekenntnis aussetzt, heute nur mit einem Gefühl leichter Beklemmung) noch immer der Meinung, daß die taktische Einigung der Landsmannsriaftcn ausreichend ist und die programmatische verfrüht und daher schädlich wäre. Natürlich erfolgt auch die taktische Einigung auf der Grundlage eines Programms. Aber diese:; Programm wird mit Bewußhcin nicht für die Ewigkeit geschaffen, sondern für eine bestimmte Situation, für eine Kongreßperiode, für einen Kongreß, rnich mir für eine Aktions-Comite-Sitzung. Es kann oder wird meistens ein Kompromißprogramm sein, oder aber ein Teil« Programm, das auf gewissen Gebieten, z. B. wirtschaftspolitischem, auf eine Einigung verzichtet. Allerdings muß immer versucht werden, gerade auf die Fragen, die jeweils von beherrschender Bedeutung sind, eine einheitliche Antwort zu finden. Das Programm muß umfassend genug sein, um die „Allgemeinen" aus'ihrer territorialen Abgeschiedenheit herauszulocken, um sie für die Dauer des Kongresses in cinert fraktiaiisähnlichcn oder reinfraktioncllcn Gesamtverband hincin/ufüiircf). Zieht man zwecks Analysicrung der Einigung«- möglichkciten die Erfahrungen des letzten Kongresses zu Rate, so haben die Landsmannschaften, zwar in undisziplinierter und * unwirksamer Form aber doch faktisch ungefähr gleichartig gestimmt in den Fragen der Jcwish Agcncy, der Organisation, der Immigration einschließlich Machlakoth Awodah und vor allem der Wci/mannfragc (Absolutorium). Meinungsverschiedenheiten bestanden auf wirtschaftlichem Gebiete, aber sie mündeten in der einzigen praktischen Budge.tdiffcrcnz, ob ein gewisser Betrag von '20 000 Pfund für Mittclstandskokmisation oder für Arbeiterkolonisation bewilligt werden sollte. Ob in der besonderen Wiener Situation die Differenz, die in diesem Punkte etwa die Gruppe Eth Liwnoth von der deutschen Landsmanuschaft trennte, wesentlicher war als ihre Ucbcrcinstimmung in der Wcizmannfragc, ist recht zweifelhaft. Aber selbst wenn man sich eine von diesen beiden Gruppen aus dem Block ausgeschaltet — oder aber die wirtschaftliche Sphäre neutralisiert denkt, so war er noch immer ein sehr wünschbarcs Erfordernis zur Ordnung und Vereinfachung der jüdischem eiphiuhme " Bebe richtet i£ ic Ak'.ic achc;^ iingc>cv< sonder;""'. feiserdi' •' l'e Vcr-: Ijcn vor.; werdet über cv: Messt;; in Ob?'- bc,;^1 Hdi.;r;,:-- :d kl zw* in Bty Palästina! Der alle Itzig zahlt „Rate" Von Moses Wald mann.; Wc schönsten Tage meiner Kindheit waren ohne Zweifel ' Halbfeicrtagc (Chol Hamocd) des Sukkoth-Fcstcs. Mir 'kn sie noch besser als die Chol Hamocd-Tagc von '^'i, an denen man „Chrcmslcch" bekam und nach alter c von früh bis abends Nüsse spielte. Der Gründe für diese 'r'chicdlichc Bewertung des Chol Hamocd von Pcssach Sukkolh waren viele. Zunächst die Sukkc; was für wundervoller Spiel- und Tummelplatz! Wie gespenstisch , "Wen die Lichter, wenn der Wind durch das aus Mais- "sfln hergestellte Dach blies I Obendrein hatten wir die )Ktc Sukkc im ganzen Dorf. Der Bau der Sukkc allein ' schon eine Quelle reinsten Vergnügens und ein Feld ,1;cr Betätigung. Zweige und Maisstengel holen, Bretter ^ischlcppcn, Tische und Bänke zimmern, eine lange Reihe lst interessanter Hantierungen. Man trug allerdings bei CI" Sukkcs-Bau mnnigfachc Schäden davon: man quetschte 1 d'c Finger, man zerriß dabei Hose und Jacke und wurde n deswegen gescholten — ungetrübtes Glück ist eben fhn nicht vorhanden. Dafür aber war man „ein Mensch 'a2 i« der Sukkc", ein geflügeltes Wort bei uns Juden '• -stcn- Da unsere Familie nicht zu den ganz frommen schlief mein Vater nicht in der Sukke, hingegen a das der „Vetter" (Gevatter) Woljc und Schapsc, . j^fechaffer. Diese Ucbung unserer Nachbarn war für 'SuCn Anlaß» nach altcm Brauch um Mitternacht auf ukke dieser wackeren Männer zu klettern, auf sie von n^asscr w schütten und zu rufen: „Vetter Woljc oder: :J*haPse, es regnet!" e Sukkc war aber nicht die einzige, wenn auch die fachlichste, Quelle unserer Freuden. Das Bcnschcn von; und Lulcw war auch nicht ohne. Und zwar kam während ^jnzen Sukkoth-Fcstcs „Isscr mit dem Bauch", ein wohl- " si^ ^Udc* "1)crd'es behaftet mit einem Bruch, weswegen \£ Rur sehr schwerfällig fortbewegte, zu uns nach . j eA"m meiner Mutter und uns Kindern die Möglichkeit der Mizwah des Esrog-Bcnschens zu genügen. Der Vater benschte beim Minjan. Mit großer Umständlichkeit schälte Rcb Isscr den Esrog aus einer mit Walte ausgestopften Holzschachtel heraus, vergaß niemals zu ermahnen, daß mau auf den Pitom (Fruchtstiel) acht geben solle, denn sonst würde der Esrog zur einfachen Limonc. Das wiederholte er täglich, sagte dann den Segensspruch vor, hielt vorsorglich unsere Hände, damit wir den Esrog nicht fallen lassen, half uns den Lulcw schütteln und nachdem die Zeremonie zu Ende war, nahm er aus seiner Bockshorn-Dose eine Prise Schnupftabak, nieste donnerartig und schneuzte sich dann in ein schrecklich großes, rotes Taschentuch, das er hinten aus dem Kaftan hcrvor/.uschleppcu begann, es dann zerrte und schließlich herausriß, um es in seiner ganzen Mächtigkeit an die mit Tabak vollgestopfte Nase zu bringen. Wenn das Räuspern und Schneuzen erledigt war, bekam Rcb Isscr einen großen Sliwowitz und ein Stückchen Kuchen oder Fladen als „Zubeiß". Mir scheint es, daß das und nicht wie Isscr sagte, die Mizwc allein es war, die ihn bewog, uns den Esrog und den Lulcw nach I lause zu bringen. Beim Abschied kniff uns Rcb Isser in die Wangen und versicherte meiner Mutter, daß sie und nur sie allein nach Sukkoth den Esrog bekommen werde, wiewohl Frau Rubel, die Frau des Pächters, auch auf den Esrog Anspruch erhebe. Meine Mutter benötigte den Esrog zum „Eingemachten", d. h. als besonders heilkräftige Zugabc zu den Konfitüren, die in vielen Tiegeln in der Speisekammer, wie ein Regiment Soldaten ausgerichtet, standen, welche Tiegel geöffnet wurden, wenn ein Gast kam oder wenn man krank war. Es hieß ja auch: „wir bereiten Eingemachtes vor, man soll seiner nicht bedürfen", eine Anspielung darauf, daß man Konfitüren nur in Krankheitsfällen gebrauchte. Rcb Isscr hielt immer Wort: Meine Mutter bekam von ihm den Esrog, allerdings auch Frau Rubel. Ich kann also nicht den Verdacht los werden, daß Rcb Isscr gemogelt hat: Entweder bekam Frau Rubel oder meine Mutter eine gewöhnliche Zitrone, denn unser Dorf besaß nur ein Minjan und nur einen Esrog. Beide Frauen glaubten jedoch im Besitze des „echten Ringes" zu sein und waren beseligt. Und darauf kommt es doch schließlich an. Warum jedoch Rcb Isscr so schändlich handelte, kann ich mir nicht erklären. Ahmte er etwa dem Fleischhauer Jcrichom aus Probuzna, unserem Nachbarstädchen, nach, von dem böse Leute behaupteten, daß er von einem koscher geschlachteten Ochsen zwei koschere Zungen verkaufte? Haupt- und Staatsaktion während des Sukkoth-rcstcs war auch die Beschaffung der Hoschanoth, die man am Schcmini Azcrcth zum Morgengebet nötig hat. Diese Hoschanoth werden aus Weidenzweigen zusammengebunden. Natürlich war die Ilcranschaffung passender Zweiglelu für uns Kinder eine Ehrensache. Bekanntlich wachsen aber die schönsten Hängcweiden an den Wassern, wie es im Licdc heißt, und so hatten wir die schönste Ausrede zum Bacli zu gehen, tief in den Schlamm zu versinken und uns au Ibiiuicn und Antlitz schwarz zu beschmieren, ohne daß es deswegen Schelte gegeben hätte. Ad majorem dei gloriam... Beim Binden der Zweige zu Hoschanoth mußte man acht geben, daß nur Zweige mit fehlerlosen Blättern Verwendung fanden; anstatt Bindfaden gebrauchte man Palmenfascrn, die man bei Rcb Isscr bekam. Natürlich machten wir mehr Hoschanoth als nötig war. Die überzähligen fanden einerseits als Waffen bei den Kämpfen mit den anderen Jungen, andererseits als Klatschen für die wenigen Fliegen Verwendung, die noch vom Sommer zurückgeblieben waren. Freilich ist ein derartiger Mißbrauch der Hoschanoth nicht am Piat/.c, weswegen uns auch der Vater sowohl das Klatschen wie auch die Handhabung der Hoschanoth als Waffen verbot und dieses Verbot durch einige Klapse nachdrücklich unterstrich. Das Sukkoth-Fcst wird von Simchas Torah beschlossen. Da brauchten wir Jungens für diesen Tag erstens Fähnchen und zweitens Lampions. Die Herstellung der Fähnchen war einfach. Aber einen ordentlichen Lampion zu fabrizieren, war schon eine schwerere Sache. Zunächst galt es. einen passenden Kürbis zu finden, ihn so fein säuberlich auszuhöhlen, daß nur eine hauchdünne Rinde blieb; dabei durfte die Oeffnung des Kürbis nur so groß sei», daß eine einrige Hand durchgesteckt werden konnte. Man mußte verteufelt acht geben, daß die Kürbisrlndc nicht unversehens einen Sprung bekomme. War der Kürbis glücklich ausgehöhlt, dann mußte man Löcher in die Rinde schneiden: Augen, Ohren, eine Nase und einen Bart. Diese Löcher mußten mit rotem Papier von innen verklebt werden. Nun folgte die Anbringung