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Jüdische Rundschau · 1925-09-25 · Heft 76 (25.9.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 76 (25.9.1925)
Date
1925-09-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 644 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. ' fit.' Reformen Von Felix Roscnblüth. Der Verfasser muß vorausschicken, daß der vorliegende Artikel, ebenso wie der vorhergehende und der nachfolgende auf der Reise geschrieben sind, ohne jede Fühlungnahme mit seinen Freunden aus Deutschland. Es ist daher zweifelhaft, ob die Ansichten des Verfassers von irgend jemandem und insbesondere von den maßgeblichen Stellen des deutschen Zionismus geteilt werden. 1. Präsident und Bewegung. Man weiß aus Hcrzls Tagebüchern, daß er die Kräfte, die neben ihm in der Bewegung wirkten, nicht eben hoch eingeschätzt hat. Es fehlt nicht an wegwerfenden Bemerkungen über das Aktions-Comite, an despektierlichen und mißtrauischen Acußcrungen über Mitarbeiter. Ucbcrzcugcndcr noch als der direkte ist in diesem Falle der indirekte Beweis. Hcrzl war so tief durchdrungen von der Unvertretbarkeit seiner Leistung, daß er für das Wirken anderer nicht viel übrig haben konnte. Wie ein Erfinder, wie ein Künstler, wie ein Diplomat glaubte er an die aus Phantasie und Intuition geborene einmalige, entscheidende Tat, an die glückliche Stunde der Inspiration, an den glücklichen Griff. Er schuf die Organisation als Mittel zum Gcwcrk, aber er war im Grunde (d. h. trotz gegenteiliger Acußcrungen) tief ungläubig gegenüber organisierten Durchschnittskräften. Den Sieg erwartete er von seiner Person. Die Organisation war Basis, seine Basis. Hcrzl war nichts weniger als zionistischer Demokrat. Sein inneres Verhältnis zur Bewegung war selbstherrlich und ohne Bindung. Daraus -erwuchs nur deswegen kein ständiger Konflikt — an Klagen seiner Mitarbeiter mangelte es übrigens nicht -- weil er in der Schaffung, in der Erzeugung der zionistischen Demokratie seine Aufgabe, eine seiner großen Aufgaben sah. Er schuf die Organisation und den Kongreß. Er umfaßte sie ganz und gar nicht mit der Hingabcdes Genossen, aber er durchdrang sie mit der Liebe des Schöpfers. Der Kongreß, jeder einzelne Kongreß war sein Werk, das er gestaltete, das er im kleinen und im großen formte. Er fühlte sich dem Kongreß durchaus nicht verantwortlich, aber er identifizierte sich mit ihm oder vielmehr den Kongreß mit sich. Seine Sclbsthcrrlichkcit führte nicht zum Dualismus von Leitung und Bewegung, sie äußerte sich umgekehrt in ihrer restlosen Identifikation. Es war der Absolutismus der Vormundschaft. Und als im Ugandastreit die alten russischen Zionistcn, die sich eine Zeitlang mit willigem Erstaunen dem großen Zauberer aus dem Westen überlassen hatten, die Vormundschaft abschüttelten, da offenbarte sich der Konflikt zwischen der herangereiften Organisation und dem unbekümmerten Eigenwillen ihres Erzeugers. Wer weiß, ob der Konflikt nicht zur Krise gediehen wäre, wenn Hcrzl den siebenten Kongreß erlebt hätte?! Audi Weizmann hat viel von diesem Glauben und Unglauben des Erfinders, des Künstlers, des Diplomaten — oder einfach eines Menschen, der sich wohl unterfangen mag, in glücklichen Stunden, Im Vollgefühl seiner Kräfte, das Unmögliche möglich zu machen —j und es ist übrigens bei ihm, ebenso wie bei Hcrzl, durchaus kein Widerspruch zu diesen Grundelemcntcn seines Wesens, daß er in der Verfolgung von Tcilzielcn und Tagesaufgaben unermüdlich und zäh sein kann. Nicht weniger stark als Hcrzl im Glauben an die Unvertretbarkeit seiner Leistung, überhaupt an die Unersetzbarkeit höchstpersönlicher, von individueller Eingebung inspirierter Aktionen, teilt er auch seinen Unglauben an die organisierte Mittelmäßigkeit. Was aber das innere Verhältnis zur Bewegung anlangt, so konnte sich sein Selbstgefühl nicht in jener gestaltenden Liebe und Identifikation Hcrzls entladen, weil er die Organisation und den Kongreß «1s etwas Gegebenes, Fertiges, ja Ucbcrfcrllgcs hinnahm, als etwas, was an sein Schaffen keine schöpferische Forderung stellte. So entstand aus dem Eigenwillen des Führers und dem organisierten Willen der ihrerseits zu stärkstem Selbstbewußtsein gereiften Bewegung ein Dualismus, der Quell zahlreicher Krisen der letzten Jahre. Mußte es so kommen? Mußte Weizmann, der Sohn des Volkes, nicht viel klarer, viel tiefer als Hcrzl erkennen, daß die Wurzeln seines Führcrtums im Volk, in der Bewegung, in der Organisation, im Kongreß steckten? Mußte er da, wo er nur organisierte Mittelmäßigkeit sali, nicht vielmehr die bindende und belebende Kraft der Bewegung spüren, und mußte er nicht auch sehen, daß immer neunzig vom Hundert dem Führer entgegendrängten und tausendmal bereit waren, sich leiten zu lassen? Mußte er schließlich die Organisation als etwas Fertiges hinnehmen, als etwas, was seinem Schaffen keine Aufgabe bot? Ich würd: es für unangemessen halten, mit einer psychologischen Zergliederung zu beginnen, und möchte nur der Vermutung Ausdruck verleihen, daß Weizmann durch irgendwelche tragischen Eigenheiten seines Wesens in der letzten, harmonischen Entfaltung seiner großen Führergaben behindert sein mag. Aber da, wie es scheint, nach dem Kongreß der Kampf um seine Person fortgesetzt werden soll, dürfte es auch wichtiger sein, und zugleich ein Gebot der Gerechtigkeit, auf die objektiven Umstünde aufmerksam zu machen, welche die Entstehung des Dualismus begünstigten, und welche die Beantwortung der Frage „mußte es so kommen?" durchaus nicht so leicht machen, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. War es, beispielsweise, freier Wille oder waren es nicht die Umstände, die Wci/mann zwangen, Immer an der Außenfront der Bewegung auf isolierter Wacht zu stehen? Seitdem aus dem diplomatischen Spiel Ernst geworden und der kühne Griff gelungen war, hieß es in ununterbrochenem, aufreibendem Ringen eine große politische Front zu verteidigen, die sich von Ncw-York über London und Rom bis Jerusalem erstreckte. War es freier Wille oder war es nicht nackte Not und Gcklsorgc, die ihn dahin brachten, die Organisation sich selbst (und das hieß schließlich doch bewährten Mitarbeitern und Landesgruppenführern) zu überlassen, um an der Peripherie neue Kräfte zu erwecken? Er mußte die politische Grenze verteidigen und wollte die organisatorische erweitern, und so war sein Blick ständig über die Grenze hinaus gerichtet. In dieser Stellung: mit dem Bück nach außen und dem Rücken zur Heimat trifft man sonst wohl Diplomaten im Außendienst oder auch Militärs im Felde, und bei beiden findet man oft ein scheinbares Dcsintcressement an den inneren Vorgängen im Vaterland, das aber alles eher als Geringschätzung bedeutet. Sic sind nur ganz einfach von ihrer äußeren Mission absorbiert. Liegen dis Dinge bei Weizmann so viel anders? Kann man nicht sogar sagen, daß er sich relativ viel Zeit und Energie abgerungen hat, um in der „Heimat", in Amerika, in Deutschland und anderwärts die zionistischen Massen aufzurütteln? Und hat die Organisation in ihren Vertretern die auserlesene Schwierigkeit seiner Aufgabe und die Besonderheit seiner Stellung an den Grenzen immer mit dem verantwortungsvollen En;t gewürdigt, der auf der anderen Seite den konstitutionellen Respekt vor ihrer Kritik hatte erzeugen müssen? Immer hat man sich breit gemacht mit billiger Kritik an den außenpolitischen Methoden, aber, obschon man wußte, daß keiner Außenminister und Propagandist zugleich sein kann, hat man ihn nie aus der Haftung für den Kcrcn Hajcssod entlassen. Oft hat man die Leitung mit Anklagen überhäuft, die man eher gegen das Schicksal hätte richten sollen, ja bisweilen hat man den Schutt der eigenen Unzulänglichkeit auf ihn abgeladen. Entsprach das auch alles altem .lieben lamcntarischen Brauch, liättc es auch einen abgebrühten Routinier nicht sonderlich zu berühren brauchen, so konnte doch in einem sensitiveren Herzen, das noch um die Jugendblüte des Zionismus wußte, recht viel Bitterkeit angesammelt werden. Und noch eines: als Führer im Zentrum der Bewegung zu stehen, die Organisation zu umfassen und den Kongreß zu gestalten, hieße heute, neben allem anderen auch die wütschaftspolilischcn Fragen .und Spannungen, ausgleichend zu beherrschen. Hat sich aber seit Hcrzl der allgemeine Aufgabcnkrcis der Organisation räumlich und inhaltlich so erweitert, daß eine zentrale Leitung ungemein erschwert ist, so bildet gewiß die Wirtschaft ein Gebiet für sich, dessen Schlüsselstellung nicht in London liegen kann. Ein Präsident, dessen beste Kraft sich an den Außenfronten verbrauchen muß, der zudem an einen Ort gebannt ist, der fern von Palästina liegt, wird aus objektiven Gründen stets in Gefahr schweben, einem wichtigen Lebenskomplex der Bewegung allzu entrückt zu sein. — Man sieht an dieser Auswahl, es gibt genug objektive Momente, welche die primäre seelische Disposition des Präsidenten verstärken und die Entstehung des Dualismus, des separierten rührertums begünstigen mußten. II. Will man die Krise heilen, so muß man vorerst das akute Stadium vom chronischen sondern und der Opposition das Handwerk legen, die durch unerlaubte Mischung der Elemente Verwirrung anrichtet. Es ist leider nicht zu leugnen, daß der Dualismus von Führerrum und Bewegung den 14. Kongreß belastet hat, aber man kann gar nicht ernst genug den Versuch zurückweisen, die Situation durch eine völlig abwegige Auslegung der außenpolitischen Ergebnisse zu verschärfen. Der Kongreß war unzufrieden mit der politischen Lage — wer wäre es nicht? —, aber er war in seiner überwältigenden Mehrheit einsichtig genug zu begreifen, daß in unseren Verhältnissen eine tapfere, umsichtige, würdige Politik und eine unbefriedigende politische Situation keine Uv,?': Sprüche zu sein brauchten. Man hat aus Wcizmanns ~r'-'J Rede — da ja nicht alle Zuhörer Fallensteller wa^,; durchaus nicht mangelnden Glauben an unsere po'iti-Vj Rechte herausgefühlt und gewiß nicht mangelnde' ^, schlosscnhcit zu ihrer energischsten Verteidigung. Man t: ':' 1 die Rede bei arglosem Empfinden als den Versuch, uC;r" ü verrückbaren Glauben an den Sieg des Zionismus durch j V Verweisung auf die politische Kraft einer sittlici;.i Idee eine neue Ba^is zu geben, — nicht zur Aus v/cd? lung sondern zur Verstärkung der formalen RCr basis. Der Kongreß hat sich nur durch das gefährliche > r solutoriumsspiel irritieren lassen, in dum sich Parlament'. v Naivität und echt jüdischer Doktrinarismus dii Ilmd rc;,i, l um ein Ergebnis zu erzielen, das von niemandem n<! § höchstens von zwanzig Delegierten bcabsjr.; tigt war. Der Kongreß war absolut ehrlich, als er in. *• Vcrtraucnsrcsolution aussprach, daß die Abstimmung VI das Absolutorium, und daß die Deklarationen kci;irnYj-'..| zum Rücktritt der Exekutive geboten hätten. Man lni:c'r ja in den Deklarationen in einer unbegreiflichen Verlan der Situation über Gott und die Welt ausgesprochen, rhatte sein Merz über alle Leiden der gequälten FraJc.io-. ausgeschüttet. Der Misrachi z. B. hat in seiner DcUarsv mit keinem Wort die Außenpolitik der Exekutive anj;r,ri:'. Er konnte den Bericht nicht zur Kenntnis nehmen, wn den Kwuzoth nicht hinlänglich für Kaschruth gesorgt sei v. weil im Wirtschaftlichen seine palästinensischen Gru-.-, ungerecht behandelt wurden. Ja, in der ExckutivbiljV konferenz, die am letzten Kongreßtage bei Dr. Wci;;r.: stattfand, wurde von misrachistischcr Seite erklärt, d-1,1 , Fraktion die Angriffe, die Herr Farbstein in der Gene debatte gegen die Politik Wcizmanns und Sokolows gcrichatte, nicht billige. Und wenn bereits entschleiert v, und wenn . es hart auf hart geht, warum soll dann auch entschleiert werden, daß die Hitachduth 35 ,\:- 35 runde Anne für das Absolutorium erhoben hätte, v man ihr vor der Abstimmung eine Vertretung in der kirf:- Exckutivc zugesichert hätte?! Wie steht es also, ihr \::<r: von der Opposition, mit dem Versuch, das ganze Gebaute Kongreßergebnisse mit Eurem Rcchcnstiftchcn umzustcf; Ist Euer Vorgehen gerecht, Ist es loyal, ist es würdig t ganz passablen Haltung während des Kongresses selbst? U gesetzt, Ihr hättet Erfolg, wäret Ihr bere. die Verantwortlichkeit für Euren Erfolg übernehmen? | ' *r'< Ipt, um. Nein, — der Kongreß hat Weizmann und Sokolow, I -..iiii>af voller Kenntnis und Würdigung ihres politischen System*, '^csrmi x großer Mehrheit wiedergewählt und damit ihre pofe |' Führerschaft anerkannt Es ist unwahr, daß, wie man r.:F den „Enthüllungen" der Opposition annehmen könnte, :|; { Wiederwahl unter einem Drucke Wcizmanns erfolgt ist M ßer t erfolgte freilich unter dem Druck der Erkenntnis die«! ajigesichts der Demission mit Kraft und Klarheit Bahn br: |' S daß die Bewegung der großen und spezifischen Führer?: jr1^ Wcizmanns nicht entraten kann, und diese Erkenntnis >*pcndc:< wieder einmal zwischen Präsident und Organisation die Brü,| ordcrui. geschlagen. III. 1. /! Syric\ 2. ]r :inige; setzen crbünd(i 3. S 4. F as dui 5. / v..n.j ii-;;-it der langio. In d' 'üung , Es ist klar, drrß die Pfcüer dieser Brücke verstärkt wer: müssen. Das Selbstgefühl der Organisation ist ein zu!::: bares Gut, als daß es verschleudert werden dürfte. Möglich, daß die offene Aussprache als solche heiler Wirkung hat Vielleicht aber ist auch eine Reform mof welche die Spanne zwischen Präsident und Bewegung in eir.r gewissen Sinne sanktioniert und eben durch ihre Le;; sicrung überwindet. Mein Vorschlag geht dahin, jenem Doppclii.stituf, c uns einen Präsidenten der Organisation und einen Präsulrder Exekutive gegeben hat, einen tieferen Sinn zu verit:!--- Hiernach würde der Präsident der Organisation die Bcwe?'| nach außen gegenüber der nichtjüdischen und nichtzioni<t;-j jüdischen Welt politisch repräsentieren. Seine Vcrantwrri.•, gegenüber Kongreß und Exekutive wäre auf den palitisr'.-V^ j^0I Wirkungskreis beschränkt. Für Wirtschaft, Finanzen, Cr; sation% Kulturarbeit, Propaganda wäre allein die Exc&i und, in präsidialer Hinsicht, ihr Vorsitzender verantwen! Die Verantwortung für die Politik trägt sie gemeinsam ry lC'Scn - dem Präsidenten der Organisation. Der Präsident der 0:;- V °-cn h safion, der — was übrigens nicht wesentlich Kt - '^setzet mehrere Kongrcßpcriodcn gewählt würde, von Zwi.^c! | kongres.scn aber abberufen werden könnte, würde sich | El. der Neubildung der Exekutive nicht befassen. Achnüch | auch nicht ebenso) wie ein Staatspräsident akzeptier er; f ,; konstitutionell gewählte Leitung. |-Verein! Der Vorschlag wirkt auf den ersten Blick überrasch:-1Polen: aber er gewinnt bei längerer Uebcrlegung. Einmal ( —-~1 Winnie im Moritz Heimann „Wenn die Magnetnadel nicht zittern könnte, könnte sie auch nicht nach Norden zeigen." Die Tobiasvasc. Nach Hause kommend, in später Nachtstunde, zu lesen, daß dieser Mensch ausgeatmet hat, der die letzten Jahre so sehr leiden mußte, schafft um den Lesenden eine Stille, die aus der Seele kommt Ein Mensch ist hinübergegangen, der ein weises und gütiges Herz mit der zartesten Schärfe der Analysls und einem Künstlertum vereinte, dem mindestens in der Novelle gültige Formungen gelangen; ein Mensch des Hintergrundes, der sein Hauptwerk im Verborgenen leistete und ließ, und dessen stärkste Wirkung die auf wirkende Menschen war, auf die Dichter, von denen einigt, berühmteste Namen hell aufgingen, und viele andere zu Licht und Sichtbarkeit kamen durch ihn, den im Dunklen Einsichtigen. Er war der cntschcidcnstc Kritiker der Manuskripte, den deutsche Literatur in ihrem vorletzten Abschnitt besaß; er war der schöpferische Lektor des Verlages S. Fiichcr. Weisheit ist kein Haben, sondern ein Sein. Um Ihn war eine Aura von Erfahrenhaben, von Wissen, und weil er wußte, Heß er gelten. Die Schärfe und Bestimmtheit seines Denkens', die Genauigkeit seines Blicks in geistige Gebilde, ob Probleme, Theorien oder Gestaltungen, brachte aus ihm nicht einen hoffärtig überlegenen Ton. Er sah in große Ruhe gebettet, in ein sehr sicheres und darum ganz behutsames Lebens- . gefühl, den Gestaltern zu, half ihnen mit leisen Hinweisen, brachte ihre Werke ans Licht, und stand ohne Bitterkeit dabei, wenn sie ihrer Wege gingen. Er liebte Musik und den menschlichen Verstand, aber da er selbst sehr hell war und lauter, liebte er noch mehr die Dumpfen, die Sehenden, denen das Wort schwer vom Munde geht So liebte er die deutschen Dichter, den deutschen Geist — Emil Strauß, Hermann Slchr, Gcrhart Hauptmann — so die Mark Brandenburg, die von ihm nicht wegzudenken ist: Kiefern rötlich mit den beseelt geknickten Acr.teu vor dem abgeblendet blauen I Timmel, blasse Seen, die helle leichte Sandkrumc, das willfährige Grün efer Saaten. Sein Antlitz, schön durch den gleichen Ausdruck wie sie, eine sokratische Maske mit schmalen Lippen, gibt kund, wie echt diese Bettung war in das Märkische; sein Erzählcrton in der „Tobiasvasc", seinem Meisterstück, sagt genau das Gleiche. Eine Einheit des Seins war in ihm, die in vollkommener Hingabc an die Sache — an Tolstoi, an Goethe, an den „Prinz von Homburg", an ein politisches Problem -~ immer auch diesen Menschen mit ausdrückte, der so zu sehen, zu sagen, zu lieben wußte. Ein analytischer Bcjaher auch seiner selbst; ein Betrachter, kein Umformer des Seienden — wie Gustav Landauer, der andere, stürmischere Liebhaber deutschen Geistes — ein stiller und wissender Kritiker war er, jenes Formats, das mit ihm ausstirbt — Kritiker in dem umfassendsten Sinne des Wortes, das Wissen, Lieben, Scheiden und Sagen in sich faßt. Ihm kam es mehr auf das menschliche Karat, des Gestalters an als auf Wertung des Gestalteten, er hatte es nicht nötig, sich sein eigenes Wesen zu bestätigen, indem er fremdes Sein verneinte oder mit Plus stempelte. Warum sollte er nicht auch Irren, er, dem wenig Menschliches fremd war? Um so besser: man wird mehr. Und Enttäuschungen, die nicht ausbleiben können? Auch das Bittere ist ein Geschmack, v/ert geschmeckt worden zu sein. Er war ein märkischer Jude. Erst mehr Märkcr, dann immer mehr Jude. Sein Weg ging von „Joachim von Brandt" zum „Weib des Afciba«, von skeptischen Betrachtungen westlich jüdischer Bedingtheit zu immer wärmerem tric: |por<UR jüdischen Grundwesens — wohl auch in sich. Während er'-:. ^hfr ...> K.inad; Hcukct A''- Chi!« vf '• Tschcc'; F.rcz-Is' - P'libar' Mo: als ci.i §;;- Q1>:ian> pat.'ue g;cs^ g'. Lcttlan rirrbarca f'^.; .],-- Litauer1 Deutsche überall um sich wirkend fand, Sioff, es zu er! war ihm das Jüdische zugänglich nur in sich und drn sciues persönlichen Kreises, und dem, was von lchri: Scin_ in Bücher eingeht. Er sah warmen Sinnes auf d.v verjüngtes Judentum schuf, Menschen und Dinge. E; das neue Palästina sehen müssen, mit seinem unbc<if-" '^» Blicke; das hätte, wer weiß, vieles in ihm gelost \X'o 'i~r\. er zur jüdischen Sache sprach, sprach er aus der lieft. ' j im „Weib des Akiba" schwingen zwischen den Gc^Kcn Ihren Sätzen Zartheiten und verschwiegene Uehc'.hhc^.;£ die ratlose Bühne dieser Zeit nicht — die vielleicht keine b^ ji fühlbar machen kann. Uns war mehr wert als ei.: IVkcn"' ' etwa zu unserem Programm die tiefe Sytnpa nehmen Geistes, dieses zitternden und unbeir,------ Wo er stand, war gut zu stehen. Er hörte, mit aller. | nanzen, die Musik des Alls. I Wo er stand ... er war , . . Uns wäre bc^er, v £ dürften diese Worte in Formen der Gegenwart sa^n- 'E aber hatte zu leiden, und er litt so, daß auch Ausruhe« ■ f nicht mehr Sein ihm wohl zu gönnen ist. für die Gcsc^_••'■: | die deutsches Land ihm brachte, an Menschen, Lands^J | Musik und geistigen Werten, schenkte er höchst *°n'%| zurück: sich selbst — seine Liebe, seine Einsicht, sein ü37; f Schaffen, seine bleibende Spur. Wer auch nur wenige M3lC" ^oej ihm gesprochen, ging anders von ihm als er kam; u:u *j kreisen in Vielen» geistige Zeugung, die Wellen seines^,? fort: für diesen Mann im Dunklen eine sehr sinnh^1';| ^n.lhm Unsterblichkeit, aber eine Verpflichtung für alle, ' V"<. nCu ihm empfingen. Ji'^w. [ Märkische Erde, sie sei ihm leicht. .. f ^<* bt Arnold Zwc»r uer' kriech« McsopM r<t!.inc Mamkl «'-«)! hnzclfc ') Mi Iiic ( per

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