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Jüdische Rundschau · 1925-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1925) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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] Kr.7*/75 JÜEÜISCHE RUNDSCHAU j^eB Triebes, dem Menschen die. Furcht -einzuflößen, daß Ivielleicht auch dadurch nicht genug getan hätte und'ihn ' j, in Betrübnis zu versetzen." f Der Baaischem war ein Mann des Lebens in vollkom- Lfncm Gegensatz zu denen, die vorher auf der Grundlage des jui und seiner Gefährten gewirkt hatten, die das Leben Wetötet hatten. Es ist nicht nur möglich, zu leben, sondern % bist verpflichtet zu leben; es ist nicht nur Zwang zu sondern es ist auch Begehren zu leben, Sehnsucht •Rieben. Und jenes Leben und jenes Sehnen sollen sich in : Eiliger Reinheit vollziehen, „man soll das körperliche Tun Ujt der Kraft des Gedankens vollbringen, Gott und seine 1;jsechina zu einen". „Das heilige Fleisch" — Fleisch und Heilig vereint, Materie und Geist miteinander verbunden. ] "(jib mir mein Weib", sagte der Baaischem, bevor er sich ■! '(offcnb3rt hatte, zu seinem Schwager, dem lurjanischen ji-ibbi Gerschon Kutowa. Der wurde zornig, als er so rohe f vt'ortc hörte und betrachtete ihn als einen unwissenden und Lfien Menschen. Aber der Baaischem war damals schon, 'litt er später war; in der Betrachtung des Lebens und im stießen des Lebens, wie Gott sie gegeben hat, das Leben, ■\ lC es ist, die Lust, wie sie ist, das Lachen, die Freude ) Ii das Vergnügen, wie sie sind, ohne sie abzuschwächen Qcr sie zu verkleinern, denn in allem ist Gott. Auch in?;tr Sünde ist Gott, „auch in eine lügenhafte »Vereinigung* leidet sich gleichsam die Schcchina"; „auch die Sünde und <■ -je Lust an der Sünde entstammen der .himmlischen Wonne'." 1 In einem gewissen Grade gleicht der Baaischem Luther, U«tm Manne voll Leben und Gefühl und gesunden Instinkten, *J;r zugleich auch ein Rellgionsstiftcr. und ein jgroßer und i riefer Mystiker war. Er befiehlt, ja — befiehlt, das Leben, < uie es Ist, zu genießen, aber zugleich versteht er es, stark i;-d vollkommen an Gott zu glauben. Er verabscheut, er J'jgt aufs äußerste die Orthodoxen, die „Enthaltsamen", die ]iih um Gottes willen vom Leben absondern. In seinem |tricfe an den Orthodoxen Melanchthon schreibt er: „Sei 'j.;n Sünder und sündige kräftig, aber noch kräftiger verhaue auf Christus und freue dich seiner, der ein Uebcrwinder iiiff Sünde ist, des Todes und der Welt. Wir müssen sün- \iltr\} solange wir hier sind." Auch der Baaischem schrieb Aritn solchen Brief seinem Schüler, dem überfrommen Rabbi j :ikob Josef, der von seiner lurjanischscn Zeit her dem 1 fasten und der Askese ergeben war. „Euren Brief habe ich j-{kommen und sah darin in den oberen zwei Zeilen, als ob \ ihr sagtet, man müsse fasten. Und ich geriet in Zorn beim •Lesen und ich wiederhole bei allen heiligen Engeln und der - Vereinigung Gottes und.seiner Schcchina, daß ihr euch nicht diese Gefahr begeben sollt. Denn das ist das Werk der Schwermut und der Trübsal und die Schcchina kommt zum I Menschen nicht aus der Trübsal, sondern aus der Freude ■''■m Gebote. . . . Und deinem Leibe sollst du dich nicht i entziehen/' Der Baaischem, der Jude voller Leben, der trotz leer ihn umgebenden Enthaltsamkeit und Absonderung, trotz i c?r Askese und der Herabwürdigung des Lebens, immer wieder 4;;n gesundes und natürliches Leben predigte und predigte, .-] geriet in Zorn, als er hörte, daß sein Lieblingsschülcr ihn ■ roch nicht völlig begriffen hatte, und noch in Fasten und -i Askese versunken war, und er rät ihm, von diesem Wege dbztigehcn und zu leben, zu leben und „das Böse zu mildern", :ber nicht „das Böse auszurotten", denn es gibt nichts voll- : iornmen Böses. Das „Böse ist der Thron des Guten". ,; MrJi. „in der Lüge, ist,WaJirhcit". „Der Mensch wird dereinst 1 vor Gott Rechenschaft geben müssen, weil er nicht von ') dieser Welt genossen hat," sagt ein jcrusalcmischer Mischna- .j ithrer. Ja, genießen, aber in heiliger Reinheit, genießen, 'i aber damit vereint Gott anhangen, „daß sein Herz Gottes '! froh sei". 1 Einfach, gerade und demütig ging der Baaischem seinen i den heiligen Weg. Er haßte die Klügelei, das gewaltsame " Streben auf/usteigen und sich groß zu dünken im Begreifen : tu Gottheit. In seinen Tagen lebte ein Mann, der viel; Askese übte und Tauchbäder nahm, um den heiligen Ocist ■*J erreichen, und über ihn sagte der Baaischem „In der •dt der Verwandlungen lachen 6ie seiner". Demütiger •indcl, Bescheidenheit — das ist beim Baaischem die Hauptwche. Aber seine Bescheidenheit kriecht nicht auf allen Vieren, sie hält nicht Haupt und Rücken gebeugt, wie ■; fee äußerliche Bescheidenheit^ die den einfachen und gc** s-nden Forderungen des Lebens widerspricht, sondern eine "nerc Bescheidenheit des Herzens. Der . Baaischem sagt hier- -ser ein Gleichnis: Ein König wollte sich bescheiden auf- ''ihren. Was tat er? Er befahl, daß der Wagen vor ihm; Erfahre und er wollte dahinter zu Fuß gehen. Da. kam ihm ein Armer und sprach zu ihm: „Nicht dies ist der '*'eg, sondern sitze im Wagen und sei bescheiden. Und ist die Bescheidenheit des Herzens." So dachte der Baaischem und so Ichrtc er das Volk, itof» Volk, das gewohnt war zu gehorchen, und das „wenig .;v^cn und möglichst viel schweigen sollte, um nicht eitle S'Gric zu reden". Jenes Volk, von dem man gefordert hatte, i -sich zu hüten vor Fleisch und Wein an allen Wochentagen"; i^es Volk, dem man gedroht und furchtbare Dinge über die ■j *r'en der Strafe erzählt hatte, die für den Menschen bc- >for,mt waren, der es nicht so genau nimmt mit allen Fcin- leiten der Gebote; jenes Volk, dem man im Namen des Afi erzählt hatte, daß er einen Mann, viele Jahre nach sfincm Tode gesehen hätte, der bestraft würde, weil er I finmal am Sabbath nicht vorsichtig gewesen war, so daß j^tic daß er es merkte, ein wenig Asche in seine Schuhe Met, und er war nicht vorsichtig und ging damit auf die; "'raße, und wurde deswegen gestraft, diesem Volke gab J*r Baaischem einen lebendigen Gott und predigte ihm die : ^ensfreude und das Verbundcnscin des Menschen mit seinem ,J0tte, nicht durch Fasten und Askese, sondern eben durch; Leben selbst, das von religiöser Mystik erfüllte Leben. ..... Ein Eescr Rüppia Im Verlag „Aufbau". Berlin W15, Mcinckcstr. 10, Ist cm neues Buch von Dr. Arthur Ruppin „Die landwirtschaftliche Kolonisation der Zionistischen Organisation in Palästina" erschienen. Aut 205 Oktavsciten erstattet Ruppin, der verdienstvolle Schöpfer der modernen landwirtschaftlichen Kolonisation der Juden in Palästina, Bericht über seine 17 jährige Tätigkeit im Lande. Um genau zu sein: das Buch ist kein Bericht, sondern der Niederschlag all jener Erfahrungen und Erkenntnisse, die Dr. Ruppin in dem langen Zeitraum seiner unermüdlichen Betätigung erworben hat. Im Vorwort kennzeichnet Ruppin die wenigen Grundgedanken, um die sich die Darstellung rankt. Diese sind: Für das Gelingen der zionistischen Kolonisation sind nicht nur wirtschaftliche, sondern in hohem Maße auch soziologische Faktoren von Bedeutung; die Eigenart der Aufgabe, städtische Juden au? Europa zur Landwirtschaft in Palästina zurückzubringen, läßt keine Lösung nach irgendeinem bereits vorhandenen kolonisatorischem Vorbild zu, sondern erfordert die Auffindung eigener neuer Wege; Wert und Ziel der landwirtschaftlichen Kolonisation dürfen nicht losgelöst von der gesamten zionistischen Tätigkeit, sondern müssen im Zusammenhang mit ihr beurteilt werden; die gewaltigen Anstrengungen, welche die Kolonisation erfordert, haben ihren Gegenwert nicht allein In den unmittelbaren Resultaten, sondern mehr noch darin, daß diese Erfahrungen unerläßlich sind, um die Wege für eine zukünftige größere Kolonisation zu bereiten. Das Buch ist in fünf Abschnitte gegliedert. Im ersten werden die Anfänge der zionistischen Kolonisation geschildert; im zweiten die Prinzipien der zionistischen Kolonisatons- Politik behandelt; im dritten die gegenwärtige Lage der Siedlungen dargestellt; im vierten die vorhandenen Streitfragen analysiert und im fünften .ein zusammenfassender Rückblick und Ausblick gegeben. Rechliches statistisches Material unterstützt die Ausführungen de;i Autors. Ruppins neuestes Werk bietet eine derartige Fülle von Material und eröffnet in so hohem Maße Ausblicke auf die Bedeutung und die Möglichkeiten unserer landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina, daß es im Rahmen einer kurzen Besprechung nicht möglich ist, auch nur annähernd den Wert dieser Publikation zu kennzeichnen. Wir behalten uns vor, von sachverständiger Seite das neue Buch, aus dem wir In der „Jüdischen Rundschau" noch vor dessen Erscheinen einige Abschnitte zu veröffentlichen in der Lage waren, ausführlich zu besprechen. Heute möchten wir lediglich die Aufmerksamkeit unserer Leser auf diese Neuerscheinung lenken. Wer sich ernstlich mit den Problemen des palästinensischen Autbaus beschäftigt und die Bedeutung der landwirtschaftlichen Kolonisation .für den Aufbau erkannt hat, der muß dieses Buch gründlich studieren, denn es stellt ein unerläßliches Mittel dar, in das schwierige Problem der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina einz.udringen. M. W. Der Kongreß der nationalen Minderheiten Genf. (J. T. A.) In den letzten Tagen haben in Genf Beratungen zwischen Vertretern nationaler Minderheiten in den verschiedenen europäischen Staaten stattgefunden, die die Schaffung einer einheitlichen Plattform in Minderheitsfragen grundsätzlicher Natur zum Zwecke hatten. Von jüdischer Seite nahmen an den Beratungen teil das Komitee der jüdischen Delegationen unter Führung von Leo Motzkin. Es wurde beschlossen, für den 14. bis 16. Oktober eine Tagung der Vertreter aller organisierten nationalen Gruppen in den europäischen Staaten einzuberufen. An der Tagung werden sich etwa 3 0 natio n ä Ic G'rü'pp eif dc>* verschiedensten curop.ii7.Micn Staate! beteiligen. Um dem Kongreß jede Spitze gegen irgend eine bestimmte Macht zu nehmen, wurde bestimmt, daß auf ihm die Behandlung aller Fragen, die die individuellen Fälle der einzelnen Gruppen angehen, ausgeschlossen sein soll. Ex wurde ein Programm aufgestellt, das sich nur auf die grundsätzliche Frage beschränkt, wie auf staatsbürgerlicher Basis ein friedliches Zusammenleben der nationalen Mindcrhcitsgrunpcn mit ihren Mchrheitsvölkern zu erzielen ist. An dem Kongreß werden jüdische Vertreter aus Lettland, Litauen, Polen und Rumänien teilnehmen. Die Deutschen werden durch elf Gruppen aus elf verschiedenen Ländern repräsentiert sein, Die Tagung hat u. a. auch den Zweck, die Führer aller Minderheitsgruppen zur konstruktiven Mitarbeit an der Lösung des nationalen Problems heranzuziehen. In der Sitzung des Völkerbundes vom 13. September hielt Frithjoff Nansen ein Referat über die Mandatsfragc und über die Lage der nationalen Minderheiten. Mit Bezug auf die Mandatsfragc erklärte Nansen, daß Vorkehrungen getroffen werden■ müssen, daß die Mand atarnrächtc ihre Macht nicht zum eigenen Vorteil ausnutzen. Bezüglich der Mindcrheitsfragc erklärte Nansen, diese Frage werde erst dann eine Lösung finden, wenn die Länder befriedet wein werden. Sehr viel, sagte er. muß getan werden, um die schwere. Lage der Flüchtlinge aus dem Osten zu lindern. Am 16. September hielten der Minister des Acußcrn Polens, Skrzynski, und der Vertreter des Londoner Joint Foreign Committce und der Pariser Icn, Luden Wolf eine Besprechung ab. Mr. Lucien Wolf machte Skrzynski darauf aufmerksam, daß unter der Judcnhcit Polens, sowie auch außerhalb Polens Unzufriedenheit darüber besteht, daß die Bedingungen des Abkommens zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung in Polen nicht erfüllt werden. Skrzvnski versicherte, die polnische Regierung habe den besten Willen, das Abkommen zu verwirklichen, es sei aber ein Aufschub nötig, weil der Inhalt des Abkommens erst noch Gesctzesform. erlangen müsse, Es sei aber keinerlei Grund zu einem Pessimismus vorhanden, Genf. (J. T. A.) Die gegen den .intijüdi«chcn Numerus clausus in Ungarn bei dem Internationalen Gerichtshof im Haag eingereichte Klage bildete am 16. September Gegenstand einer Untersuchung der Minderheitskommission des Völkerbunde«, j Es lag ein Bericht dreier Sachverständiger vor. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Völkerbundratc zu übergeben, der in der nächsten Woche darüber, zu verhandeln haben wird. ] y J^"10 Tragödie auf EIHs Island. Irl Ellis Island, der •j'rinen-Inscl" der Einwanderer, erschoß sich dicsef Tage Ktr 56jährige Samuel Tcnncnbcrg, der vor kurzem aus : |reutschland eingewandert war, Tcnncnbcrg, der vor Kriege in Deutschland ein sehr bemittelter Kaufmann war, : Cfarmtc m der Inflationszeit und faßte deshalb den Entschluß, . ü scincn in Amerika weilenden Kindern zu refsen. Vor acht Penaten kam er nach Ncw-York und fand in einer Bäckerei t5cnaftigung. Er wollte seinen Kindern nicht ganz zur Last h»-a Wolgc der ungewohnten Tätigkeit entwickelte sich ,Ji ihn> ein Asthma-Leiden, das ihn zwang, ein Krankenhaus "'«Jtuchen. Dies kam dem Einwanderunjjsamt zur Kenntnis, . J*1 ihn nach Ellis Island bringen ließ, wo er untersucht la7fn wlhc, ob er nicht schon als Kranker eingewandert war.;,:'rAngst,ausgewiesen zu werden, beging Xcnnenberß e,b*tmor<L tu zionistisches Büro in Genl In Genf wurde unter dem Namen „Organisation Sioniste Bureau de Geneve" nach Abschluß des Zionistenkongresscs ein neues zionistisches Büro eröffnet. Das Büro, das unter der Leitung von Dr. Viktor Jacobsohn steht, befindet sidi: Genf,'Chcmin du Square, 0 und wird in der Hauptsache die aus den Beziehungen des Zionismus zum Völkerbund hervorgehenden Aufgaben zu erledigen haben, . 40 000 £ für Amelioratloncn. Der Gesamtbci/ag. i..a «-£. K. K. L. für Amcliorationsarbcitcn in den Jahren 5684/<S5 ausgegeben hat, beträgt zirka 40000 £. Für die Kanalisation des fechiel-Vicrtels in Haifa wurden 600 £E bewilligt, für die Wasserversorgung In Mkor. Chaim und Schechunath Borochow 125? £E. _Seite 637 „B2e S&cacä des £czfc:I:ca Vc&es" Auf der Tagung, die der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten in Worms und Köln abhielt, war auch der Staatspräsident von Hessen, Ullrich, erschienen. Dem Wortlaut seiner bei dieser Gelegenheit gehaltenen Ansprache, sind folgende bemerkenswerte Stellen zu entnehmen: Die Geschichte des jüdischen Volkes ist die Geschichte des Menschengeschlechtes, von der Barbarei zur Zivilisation. Früher herrschte bei uns Barbarei, dann genossen die Juden Duldung und schließlich Gleichberechtigung, die allerdings von der Schmach unseres Volkes, der deutschvölkischen Bewegung, umstritten wird. Das zeigt deutlich auch den Jammer, in dem wir uns hier in Deutschland befinden. Zum Glück aber können wir behaupten, daß das deutsche Volk in seiner Mehrheit heute doch schon ganz anders geartet ist als früher. Die Kreise, die den antisemitischen Hetzern folgen, werden immer kleiner und einflußloser. --- Staatspräsident Ullrich schloß: „Diese Erklärung gebe ich im Namen der Regierung ab, die ich vertrete! ... Ich wünsche, daß der Gedanke der Gleichberechtigung sich so sehr und so intensiv den Massen des Volkes mitteilt, daß Ihr Bund nicht mehr nötig sein möge. Solange dies aber nicht der Fall ist, müssen Sic auch weiterhin unermüdlich als R c i c h s b u n d jüdischer Frontsoldaten auf dem Posten sein." Diese Erklärung des hessischen Staatspräsidenten i-t ur.i.-o bemerkenswerter, als sie leider vereinzelt dasteht und aurtcr den demokratischen Regierungen Badens und Hessens hieb weder die deutsche Rrichsrcgicrung, noch die Regierungen «Irr größeren Bundesstaaten trauen, etwas gegen den Antisemitismus zu sagen oder gar zu unternehmen. Dirch fahrlässige Duldung des blutrünstigen Judenhasses au Schulen und Universitäten, der rüdesten antijüdisc.hen Ausschreitungen der verschiedenen völkischen Bünde in Worten und auch in Taten, ist es so weit gekommen, daß der Judenhaß in Deutschland heute eine derartige Macht ist, daß die Rcichsrcgicrung geradezu ihre Stellung erschüttern würde, wollte sie auf das verbrecherische und den Staat schädigende Gebaren der verschiedenen antisemitischen Parteien hinweisen. Eine Illustration, wie weit man in Deutschland bezüglich antisemitischer Veibohrtiieit gelangt iit, bietet der Nurrenoideii der Ritter vom feurigen Kreuz, die als deutsche Ku-Klux-Kl.m einen einzigen Programmpunkt, die Ausrottung der luden, haben. Dieser Geheimorden bedroht buchstäblich Leib und Leben jedes Juden, der das besondere Mißfallen der völkischen Kreise erregt. Trotzdem das Polizeipräsidium von Berlin zugab, daß der aufgescheuchte Narrenorden eine ernste Bedrohung des Landfriedens und der staatlichen Ordnung darstellt, vermissen wir bis heute eine klare Stellungnahme der verantwortlichen Faktoren. Es wäre Staatsraison und Menschcnpflicht der Rcichsrcgicrung, durch Maßnahmen und offizielle Erklärungen den Kampf gegen den schändlichen Judenhaß aufzunehmen. Sic tut es nicht, denn sie hat so lange die finsteren Mächte der wüstesten antisemitischen Reaktion gewähren lassen, bis diese eine Potenz geworden sind, auf die die Rcichsrcgicrung Rücksicht nehmen muß. Zwei Dstionaldectscbe Jadea im Licdesverbaoä Infolge Ablebens des Gewcrbcrats Plotkc von der liberalen Fraktion im Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ist Herr Arthur Eisenhardt, der dem Verband nationaldcutschcr Juden angehört, Mitglied des Verbandstages geworden. Neben Sanitätsrat P e y s c r ist Herr Eisenhardt der zweite Vertreter der nationaldcutschen Juden im Preußischen Landcvcrsband. , ...... Aus Anlaß des beendeten Zionistcnkongrcsscs veröffentlicht der Verband nationaldeutscher luden in Oesterreich einen von dessen GcneralseKrctär Fred Hornik-Harden gezeichneten und öffentlich angeschlagenen Aufruf an die dcutschfühlendcn Juden, in welchem gesagt wird, der Zionistcnkongrcß habe selbst erwiesen, daß das Palästinawerk zusammengebrochen ist. Es wird gefragt, wie lange noch die Wiener judcnhcit es zulassen wird, daß ihre Kinder vom Zionismus verführt werden. Der Aufruf schließt mit der Einladung, den Verband sowohl im Kampfe gegen den „fremdländischen Zionismus", al; auch gegen die aus dem Reiche zugewanderten Hakcnkrcuzler zu unterstützen. — Herr Fred Hornik-Harden wird in Oesterreich wenig Glück haben. Dr. Melmian In BerlU Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Demnächst werden es 20 Jahr, daß die „Herzha" (chc> ist der eigentliche Name des „Jaffacr Gymnasiums") von Dr. Leo Metmann begründet wurde. Die Anstalt, die gleich nach der Oründun^ von Tcl-Awlw dorthin verlegt wurde, und deren stolzer Bau das Stadtbild beherrscht, Midi heute an die 900 Schüler und steht immer noch an der Spitze des palästinensischen Schulwesens. Trotz dieses großartigen Wachstums und mannigfacher innerer Erfolge ist die Leitung emsig bemüht, mit den Fortschritten der niDderr.cn Pädagogik Schritt zu halten und alle Wandlungen de« europäischen ur.d amerikanischen Erzichungswescns aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Von besonderer Redcjtung für di; palästinensischen Schulen, die ja nicht allein den Bedürfnissen der Immigration dienen, ist das Problem der zweckmäßigen Unterbringung der auswärtigen Srhülcr, deren Angehörige im Oaluth wohnen. Ebenso dringend ist die Frage, wie man den wissenschaftlichen und den F'ach-Untenicht den praktischen Bedürfnissen des Landes anpaßt. — Diese Probleme, die natürlich nicht Ercz-Israel allein eigentümlich sind, zu studieren, ist Dr. Metmanrt auf einer Europareisc bemüht, die ih:: :iach einem mehrwöchigen Aufenthalt in Wien über Deutschland nach der Schweiz und Italien führt. Seit acht Tagen v-c-li er in Berlin und hat hier dank weitherziger Unterstützung durch das , Zcntralinstitut für Erziehung und Unterricht", namentlich durch den Leiter der Ausländsabteilung. Herrn Schulrat Niemann, sowie dem Direktor der Lchrmitti^abtcilung, Herrn Dr. Ladewig, und mit besonderer Genehmigung des preußischen Kultusministeriums an einer Rehe \c>n iGruner Schulen (darunter besonders solchen mit Internaten)' hospitiert. Die Nachkriegszeit hat dem Wiederaufbau in Deutschland auch auf dem Gebiete des Erzichungswescns manche neue Aufgabe gestellt und die Notwendigkeit neuer Unterrichtsmethoden gezeigt. Es wird auch hier viel herumprobiert, wovon auch der palästinensische Aufbau wird profitieren können. Z. H. Konzert. Am Donnerstag, den 24. September, S Uhr abends, findet im Bcchstein-Saal ein Konzert von Thcima Spear-Lewlsohn f.tatt. Die Künstlerin, dis vor kurzem in Wien mit großem Erfolg konzertiert hat, ist die Gattin des bekannten amerikanischen Schriftstellers Ludwig Lewisöhn, des Verfassers des auch in Deutschland bekannten Buches ..Gegen den Strom". Frau Lcwisohn wird u. a. «Ucngliscne und deutsche Lieder zum Vortrag bringen.-

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