Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 636 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75 warben viele Schüler und Anhänger, die ihre Meinungen an verschiedenen Orten und in verschiedenen Ländern verbreiteten, bis sie nach Italien und Polen gelangten, und besonders in Polen, wo die jüdische Bevölkerung sehr groß war, und die Nöte* des Volkes von Tag zu Tag größer wurden, fand es Trost und Hoffnung in der Mystik. Beide kabbalistischen Strömungen fanden in gleicher Weise eine Stätte unter den Juden Polens, beide fanden ein offenes Ohr und viele aus dem Volke hingen ihnen an, die einen vertieften sich in die theoretische Kabbala, und die anderen fasteten, kasteiten ihren Körper und taten „Buße", nach der Lehre des „Ari", um das „Ende" näher zu bringen. Die beiden kabbalistischen Strömungen warteten auf einen Mann, der komme und sie miteinander verbinde. Dieser Mann kam. und er war ein polnischer Jude, der in der Atmosphäre der beiden Strömungen groß geworden war und darin lebte — Rabbi J c s c h a j a H a 1 c c w i Horowitz. Dieser Kabbalist, der den Einfluß der theoretischen wie der praktischen Kabbala unter den Juden Polens kannte, war für diese " Tat besonders geeignet. In jenem Lande, in Palästina, wo die beide«) kabbalistischen Strömungen durch Kordowcro und den Ari sich entwickelt hatten und groß geworden waren, und von dem aus sie sich nach den verschiedenen Ländern verbreitet hatten, in diesem selben Lande, verfaßte etwa 50 Jahre später Rabbi Jcschaja Horowitz sein Buch: Die beiden Bundcstafeln („der heilige Schclah"), in welchem er seine Synihcsc schuf aus der sephardischen Kabbala auf der Grundlage Kordowcros und aus der aschkcnasischcn Kabbala auf der Orundlagc des Ari, wie der Verfasser des Ruches Kanah ungefähr zwei Jahrhundertc vor ihm versucht hatte, dieses zu tun, und die sephardische und aschkcuasischc, Kabbala cinerzeit zu einem einzigen zu verbinden. Wenn Rabbi Jeschaja über Gott und die Schöpfung, Israel und die Thora und dcrr>l. abstrakte Dinge spricht, bedient er sich besonders der sephardischen, kordowerischen Kabbala; wenn er sich aber mit praktischen Dingen beschäftigt, wie mit dem Dienste Gottes und seiner Intention, so bedient er sich vorzugsweise der aschkcnasischcn lurjauischcn Kabbala. und er weiß stets diese beiden Systeme zu einem zu verbinden und zu verknüpfen, so daß sie wie ein Ganzes erscheinen, das genugsam vollendet und geordnet ist. Aber alle diese Strömungen und alle diese Versuche beeinflußten das Volk nicht so stark und so dauernd und umfassend, wie sie in Wirklichkeit nach ihrem Gehalt und ihrem Wesen und nach dem Wesen des jüdischen Volksgeistes es hätten beeinflussen können. Denn das jüdische Volk ist seinem Wesen und seinem Geiste nach ein Volk der .Mystik und des Gottvcrlangens und nur durch seine Verbannung und seine vielen Irrfahrten nahm seine Religion notwendigerweise jene Gestalt an, die sie heute hat: die gesetzliche, praktische, rationalistische Gestalt. Aber immer wieder bricht der wahre, der mystische Geist Israels durch, und steht auf gegen jene versteinerte Form, die das Leben der Religion tötet. — Die Ursache der Verminderung des Einflusses der Kabbala lag also nicht etwa im Volke, sondern in den Kabbalisten selbst, denn alle jene Kabbalisten waren Männer des Buches. Sic waren heilige, reine, edle Männer, aber sie waren keine Lehrer, keine starken Persönlichkeiten, die hätten zum Volke kommen und es zum Rechten beeinflussen können. Sie saßen in ihrem verschlossenen Zimmer und schrieben und schrieben und machten Bücher. Und alle jene hohen und erhabenen Ansichten der Kabbala säten sie aus und versteckten sie unter die vielen Blätter ihrer Bücher. Das Volk in seiner Mehrheit konnte sie nicht verstehen. Sic forderten vom Volke Askese und ein Sichfcrnhaltcn vom Leben, von der Natur, vom Lachen und vom Genüsse, Dinge, bei denen die Majorität einer Gruppe nicht bestehen kann. Jene Kabbalisten warteten, daß das Volk zu ihnen aufsteigen würde, aber das Volk in seiner Mehrheit konnte nicht heraufkliinmen und hinaufsteigen, er wartete, daß die Männer des Geistes herabsteigen und zu Ihm kommen würden. Es wartete auf die Erlöser, auf die Heiligen, die da kommen und in seiner Sprache und seiner Redeweise zu ihm sprechen sollten. Und, weil es dies alles nicht fand, war es lange Zeit verwirrt und vrniört, hl« der C Ii a s a ld l s m ut kam und ihm gab, was es wollte und forderte. Was gab der Chassidismus Israel? Welches Neue brachte er hinzu nach all' jenen religiösen Strömungen in Israel, die ihm vorangingen, daß er dadurch einen so großen Einfluß auf viele Tausendc aus Israel ausüben konnte, daß sie ihm anhingen und für ihn kämpften und an ihm festhielten, trotz der großen und mächtigen Hindernisse, all' jene Jahrhundertc bis auf diesen Tag? Der Chassidismus hat nichts Neues gebracht. Jene irren und verleiten zum Irrtume, die da sagten und sagen, daß der Chassidismus eine neue und ursprüngliche Bewegung in Israel sei; jene; irren und verleiten zum Irrtume, die da schrieben und immer wieder schreiben, daß die Gedanken des Chassidismus neue seien, daß der Chassidismus das Judentum um neue Werte bereichert habe. Der Chassidismus ist nicht ursprünglich. Der Chassidismus ist nicht neu. Alle Gedanken, die er verkündet hat, waren schon vor ihm da und stehen schon in verschiedenen Büchern geschrieben, die älter als er oder mit ihm gleichzeitig sind. Lies im heiligen Schclah, im Pardesz Rimonim und Pcricz Chajim. in den Büchern Plia und Kana und im Sohar und den Tikkunc Sohr, in den Chobot Hallcbabot und im Szcphcr Chassidim, in dem Agadot des Talmud und der Midraschim, betrachte das Leben der Essäcr, und vertiefe dich in die Apokryphen und die Propheten, in allen wirst du die Wurzeln des Chassidismus, die Gedanken des Chassidismus finden, jenes chassidischc Mysterium des Tauchbades, der „Mikwch" findest du in den "biblischen Schriften, in der jüdischen Sybille bei den Essäcrn, bei Johannes dem Täufer, im Talmud und in der Kabbala; jenes chassidischc Mysterium der heiligen Mahlzeit findest du in der Bib?l, bei den Essäcrn, bei Jesus von Nazarcth, im Talmud und in der Kabbala. Jenen chassioischen Typus des „Ucbcrmcuschcn". des Zaddik, findest du in der Bibel, in der Agada, in der Kabbala. Alle Gedanken, die der Chassidismus verkündete über Gott und die Schöpfung, über den Menschen und die Seele des Menschen, über Materie und'Geist, über die oberen und die unteren Welten, über die ^clcn und Geister, die im Weltcnraum flattern; alle Formungen, die er an den Menschen stellt, um ihn durch sie ^'t Gott, mit den oberen Welten zu verknüpfen, alles, )vas er über die „Intention", den „Gedanken", das „An' ^gCn"' ••BcKcistcrunS,<. den „Dienst", die Lebensfreude ünd dcrgl. sagt, — alles da'ist nicht neu und findet sich J«it langem oder unmittelbar vorangehend im mystischen gefühlsmäßigen Judentum. „Der Chassidismus" - ich erlaube mir zu zitieren, was ich an anderer Stelle geschrieben habe — „ist in seinem Wesen nach keine neue Bewegung in Israel. Er ist nur ein Glied in der großen Kette der verschiedenen Schöpfungen, in denen sich der jüdische Geist entfaltete und deren Quelle im Gefühl und im Glauben liegt." Und was ist das Geheimnis des Sieges und des Bestandes des Chassidismus? Wodurch war denn seine Kraft so groß, daß er das Leben Tausender aus Israel umspannte? Seine große und gewaltige Kraft liegt nicht in seinem Inhalt, sondern in seiner F o r m. Auch er, der Chassidismus, wußte die beiden Strömungen in der Kabbala. die sephardische Kordowcros mit der aschkcnasischcn Lurijas mit manchen Acndcrungen in eines zu verbinden. Aber nicht eine „literarische" Synihcsc machte er aus ihnen, sondern eine Synthese des Lebens. Er verkörperte sie im Leben. Er wartete nicht, bis das Volk zu ihm käme, sondern er ging zum Volke. Er forderte nicht Askese und Fasten vom Volke, sondern Leben und Freude „über die Reinheit des Heiligen". Das Ilm des Volkes hing au dem Lehrer, au dem Zaddik, hing an ihm und glaubte an ihn mit starkem einfältigem Glauben. Denn der Zaddik war nicht wie der Kabbaiist, der eingeschlossen in seinem Zimmer zu sitzen pflegte, versunken in Bücher und Schriften, und alles, was er tat, und alles, was er sprach, tat und sprach er in Anlehnung au etwas, was hier oder dort geschrieben oder gesagt worden war. Der Zaddik besaß eine starke, freie, selbständige Persönlichkeit, die verbunden und verknüpft war mit Gott und mit der Gemeinde seiner Frommen. Er ist der Mittelpunkt zwischen Gott und seinen Chassi* dim, ohne daß ein anderes Mittelglied zwischen sie tritt. Gott und der Zaddik. Kein Buch, kein Schriftwerk, sei es was es sei, gilt etwas in ihren Augen. Alles ist in ihm, dem Zaddik, cinbcschlosscn. Keine Schwierigkeiten und keine Widersprüche sind im Zaddik, wie keine Schwierigkeiten und Widersprüche in Gott sind. Er, der Zaddik, sorgt für ihren Weg im Materiellen und Geistigen, und auf ihn stützen sie sich in einfachem und naivem Glauben ohne jedes Klügeln. Das ist das Neue am Chassidismus, und das ist das Gehcimui*' seines Sieges und seines Bestandes. Nicht die Gedanken in ihm s i n d neu, sondern die F o r m. „Und obgleich es ein sehr alter Weg ist", wollen wir mit den Worten des Rabbi Nachmann von Bralzlaw sagen — „trotzdem ist es ein ganz neuer Weg". Aber freilich ein „ganz neuer Weg" ist es doch nicht. Denn einen Weg wie diesen beschritten schon die Propheten und auch jeder Pscudo- Mcssias, von Sercne bis Sabbatai Zcwi. Und wenn es dem Chassidismus vergönnt war, seinen Einfluß bis auf diesen Tag zu behalten, was den Messiasen nicht vergönnt war, weil ihr Werk ein nahes Ziel hatte: die Erlösung; und als die Erlösung nicht kam, da schwand der Glaube an sie, und ihr Einfluß hörte auf — so rührt das daher, daß der Chassidismus nur eine religiös-mystische Bewegung ist ohne jrclwrde Ziele und Berechnungen. Deshalb hat der Chassidismus jene Gewalt, die den Propheten innewohnt. Und jener Mann, der diese Bewegung gründete und ihre starken Fundamente legte, und der wirklich das Wahrzeichen der Bewegung war, und in dem sie sich in ihrer ganzen Kraft und Stärke offenbart und entfaltet hat, war Rabbi Israel Baal Schein Tob. IL Als er ein kleines Kind war, wurde Israel Waise, ohne Vater und Mutter, und als sich die.Leute der Stadt seiner erbarmten und ihn ins Cheder schickten, „floh er aus der Schule, und sie suchten ihn und fanden ihn, wie er allein im Walde war". Dies „ungeratene" Kind erzürnte durch sein Betragen seine „Wohltäter" und sie überließen es sich selbst. „Und das Kind wuchs auf gegen den Brauch des Landes." Dann wurde er Bchclfcr. Seine Aufgabe war, die Schulkinder in dir Schule zu bringen und sie in die Synagoge zu führen, damit sie dort „die ,Kcduscha' und ,Amcn' sprächen mit lieblicher Stimme". Und wenn er mit den Kindern zur Synagoge ging, „so pflegte er mit ihnen mit lieblicher Stimme und großer Inbrunst zu singen und es war weithin vernehmbar*''. Und vor meinen Augen &tcht dieses Bild; ein kleiner Knabe aus den ärmsten Ständen geht durch die Straßen der Stadt an der Spitze einer großen Schar von Kindern, und in kindlicher Begeisterung geht er und singt „es sei sein großer Name gepriesen". Und alle Kinder erwidern ihm laut. Und die Leute der Stadt stehen und sehen es, stehen und staunen, stehen und werden aufgerüttelt, und hegen Gedanken der Reue und Buße. . . . Das sind die Grundfesten des Chassidismus, das sind die zarten Linien dessen, der einst der Baalschem sein wird. Und wahrlich, erzählt die Legende, die Stimme dieses einfältigen Kindes ging dahin und stieg auf und spaltete den Himmel und erweckte dort in der Höhe ein besonderes Entzücken „wie es von dem Liede ausging, das die Leviten im Heiligtum zu sagen pflegten". Als Israel etwa 13 Jahre alt war, wurde er Autscher im Lchrhause. Hier zwischen den Wänden des Lrhrhauses, inmitten einer gelehrten rabbinischen Atmosphäre, konnte er im Laufe der Zeit sehen und hören, was innerhalb des gelehrten Judentums geschah. Er hörte die Pilpulim und die Haarspaltereien, die Grundfesten dieses Judentums, und schon damals — erzählt die Legende — fühlte er, daß nicht diesder Weg sei, daß nicht dies das wahre, einfältige Judentum sei, das aus einfähigem Herzen hervorgeht. Viele Jahre gingen über ihn hinweg bei verschiedenen Verrichtungen an verschiedenen Orten, und an keinem Winkel, zu dem er sich wandte, und an keinem Orte, zu dem er kam, fand er Ruhe für seinen Geist und seine Seele. Da verließ er die Stadt und die Menschen. Fern von den finsteren Wänden des Lehrhauses, fern von dem Lärmen der Rabbincn und dem Getöse des Gelchrtcntums ging Israel und irrte in Feld und Wald, auf den Bergen und in den Tälern umher. Und hier, unter dem Blau des Himmels, inmitten der Weite der Schöpfung, offenbarte sich ihm Gott, der Gott der ganzen Welt, der Gott der Propheten und Kabbalisten, der Gott Israels. So gingen ihm sieben Jahre, der Einsamkeit dahin, sieben Jahre der Betrachtung und der Vertiefung, bis die Zeit kam, sich zu offenbaren. Die 3f> Jah'rc waren vollendet, die er unbekannt und verborgen sein mußte, und eine Stimme ruft ihm vom Himmel: Steh auf, und kehre zurück zu deinen Brüdern, den Söhnen deines Volkes, um ihnen ein Lehrer zu sein auf dem Wege, der zu Oott hinführt. Schon ist die Stunde gekommen. Und er hörte auf die Stimme, die rief, und ging und kehrte zurück zu seinem Volke. Nr..!>ös««.; fr vir to in »r; Und er kam und fand sein Volk irrend und verstört er fand die Wände des Lehrhauses geschwärzt vom Alter.. ' Da rief er laut: „Weh, weh, die Welt ist voll \0r Ereignissen, wunderbaren und furchtbaren Geheimnissen iJnJj die kleine Hand liegt vor den Augen und verhindert d« Sehen der großen Lichter." Und er begann die Gotteserkenntnis zu lehren. Er i>(. I ^reto gann die Augen der blinden Juden zu öffnen. | V, . Und viele verließen die Bänke des Lehrhauses, schlösse 1 f ben, die Gemarot, hörten auf, sich über Pilpulim und Haar- I . leb i spaltcreicn den Kopf zu zerbrechen, strömten herbei u*,<i £?%gc :i kamen, um Thora aus seinem Munde zu hören. Und a^h I '""j't <i< i bekannte Rabbincn, deren ganzes Judentum gestern noch jjt I --hech Lernen und Askese, Zäunen und Gesetzen gestanden hatte' I u^Hg wurden seine Nächsten und seine Schüler und wurden ändert I f :b Menschen. " § *• (fc Damals verließen auch viele Kabbalisten und fromm« I p'bbi Männer ihre Zimmer, ihre modrigen Bücher und Handschrift'^ f!v0-tc und strömten herbei und kamen, Thora aus seinem Mund» I ,"\en zu empfangen. " I 'j°'f er Und diese Thora war freilich im Grunde nichts NCUCA i Die alte Thora war es, die durch ihn erneuert worden w2r" | :>c c, die Thora der Propheten, der Agada und der Kabbala' I d die wahre, einfache, lautere Lehre Gottes, ohne alle philo' I ^cr < sophischc oder rabbinische Klügelei, die Lehre der Verzückung | jfr Si der Hüigabc an Gott bis zur Selbstvcrnichtung, die Lehre f <'[.;<jrt der Liebe und des Erbarmens, die Lehre des Herzens des I!r Lu Gefühls und der Mystik. ' § Cic In Diese Lehre ist nicht schriftliche Lehre, sondern mür.dliehe Lehre. Der- Baalschem haßte das Geschriebene, die toten Buchstaben, das Buch. Er wählte die erhabenen Gr.. danken, die in den Büchern vergraben waren, aus, die ir,. mitten der Buchslabenhaufen erstickt und versteinert waren und bedeckte sie mit Fleisch und Sehnen, und flößte ihnen ein starkes und mächtiges Leben ein, und er selbst brachte sie zum Volke, unter die weiten Reihen des Volkes. Er ging und sprach, er ging und predigte in den Dörfern und in den Städten, auf den Märkten und auf den Straßen Alle jene erhabenen Gedanken und die heiligen Worte de: Kabbalisten, die nur „die Auserwähltcu" bis jetzt verstehen konnten, trug er, der Baalschem, in der Sprache des Volkes und im Geiste des Volkes vor, und kleidete sie in GUichnissc und (Metaphern ein und würzte sie mit Erzählungen, die dem Leben und Treiben des Volkes entnommen waren. Er kommt auf den Markt und findet viele Juden mit ihrem Handel beschäftigt. Sie haben Gott vergessen, sie nahen ihr Judentum vergessen. Er begegnet einem Juden oder zweien und fängt an, mit ihnen zu reden von Gott und seinen Wundertaten, vom Menschen und seinen Eigcnschafte« und von dem geistigen Bande zwischen Gott und Menschen. Und die Erzählung ist einfach, und der Inhalt ist rrh.ih'n und rein und (dl jrnen Leuten verständlich, die sich mit ihrer Ernährung abquälen, lind sogleich sammeln sich verschiedene Juden um ihn. „Sich, da ist der Baalschem" Und er steht in der Mitte und predigt und spricht und wiederholt immer wieder und entnimmt sein Gleichnis den Dingen, die ihnen nahe sind, dem Pferde, dem Kalbe, den Getreiden und allen Arten von Waren in der Welt und «351: „Ucbcrall gibt es Welten, Seelen, Gottheit." Und er tröstet sie und sagt:- „Gott will, daß man ihm auf alle Arten diene" und es ist möglich, sich mit Gott zu vereinigen in jeder Art des Sprechens, sowohl im Sprechen der Thora und des Gebetes, als auch im Sprechen mit seinem Gefährten auf dem Markte. Und diese Marktlcutc kehren froh nach Hause zurück. Sie, die Verlassenen, die „Winkel« drücker", sind nicht verloren, so lehrt sie der Baalschem. Die Hauptsache ist das Herz, der reine Gedanke, der einfache und lautere Glaube. Und das Volk glaubte an den Baalschem und seine Worte. Es schaute auf ihn wie auf einen Heiligen, „einen Ucbcrmcnschcn": den Zaddik. So wurde er der Mittelpunkt für Tausende. Alle erhoben sich durch ihn, all ihr Denken und Trachten war er. Und vcischirdmr wunderbare Geschichten begann man von ihn» zu erzählen. Und der Vater erzählte sie dem Sohne und die Mutter erzählte sie der Tochter und sie drangen an ferne Ohren und erschütterten die Herzen. Und e.» ging ein Raunen durch das Volk: Ein neuer Erlöser ist der Judenheit erstanden. Und die Rabbincn zitterten. Sic fühlten, daß ihnen ein gcfähilieber Feind erstanden war, der ihren Thron untergraben hatte und sie zogen aus, ihn zu bekämpfen mit Lästerungen. Schmähungen, Verleumdungen und Bannflüchen. Aber die Lehre des Baalschem war eine lebendige Lehre, die Lehrt des gläubigen, einfachen, vor Gott vollkommenen Volke*, das Gott sucht und sich nach ihm sehnt. Freilich, auch in der Lehre des Baalschem gibt es einander widersprechende Dinge. Aber bei wem von den Großen der Religion gibt es nicht dergleichen? Auch bei den Propheten gibt es Widersprüche und auch bei Gott, wenn man so sagen könnte. In der Lehre des Baalschem ist weder System n<*h Ordnung. Die großen Religionsstiftcr sind keine Forsche', sind keine Logiker. „Was Gott in ihren Mund legt, das sprechen sie." Ihre Gedanken sind verstreute Lichtstrahl", Feuerbrände, Flamme Gottes. Ihre Worte sind bruch«?;::'»- haft, „sowie auf ihnen der Geist ruht". Der Baa!<chcm schrieb seine Worte nicht nieder. Er liebte es nicht, sich auf andere zu stützen. Er sprach aus Eigenem, er fühlte Eigenem, nicht „wie es geschrieben steht". Er suchte Gr>>* nicht im Buche, im Ucbcrlicfcrtcn, er selbst suchte ihn «r>ö fand ihn in der Natur, im Leben, inmitten der „süudvoilen Menschen", auf dem Markte, im profanen Gespnch, in profanen Lied. -..Auch in den Liedern der Nichtjudcn sind Funken der Gottheit." Gott ist bei ihm eine wahrhaft innere Erkenntnis. Er sieht Gott in allem, im ganzen Leben, u^d wenn du deshalb dielt vom Leben abschließt, schließt du dich von Gott ab. Du näherst dich ihm, du vereinigst dich mit ihm. gerade'durch eben dieses Lehen, durch Essen nnd Trinken, Freude und Lust. Denn alles ist der lebendige Gott und du tötest Gott gleichsam, wenn du das Leben in dir tötest, das Begehren und das Verlangen nach dem Leben in dir _ denn auch sie sind ein Teil Gottes — Nicht als Verachteter und Niedriger, als Knecht vor seinem Herrn, mußt du hier leben inmitten der Schöpfung, inmitten der Gottheit, sondern aufrechten Ganges mußt du schreiten, stets „in Freude sein", das ist die Lehre für den Menschen. Und selbst, „wenn man strauchelt und eine Sünde begin.M soll man nicht allzu sehr betrübt setn" und deshalb soll man auch bei der Vollziehung der Gebote nicht übermäßig Pölich »ein, denn auch dies gehört zu den Anschlägen des ,y.:h : jenes Arten stimml 1 hriten einmal Ohne geriet, Straße rfer B 1 rhem Ootte, d*-L El ..Tram ficr U &eu1 dem X vetarn *u sei Mona! [Wh. lallen, bei \)i J'>jfzu! äu i )v<fde '3 Ol *elb