Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652761--17715-3528619- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 632 .JUJEpISCHE;RfiNDS C H AU__________ Nr- 74/?5 Kr. Zweiehe? Antwort auf Gustav Löfflers Vorschlag der Zweichc. („Der Morgen" „Gcschlcchtlichkcit und Sittlichkeit".) Von Clara Boschwitx, Berlin. Wir geben den nachstehenden Aufsatz einer geschätzten religiösen Zlonistin Raum, der ein Problem behandelt, das sicherlich für unser Volk im Galuth ebenso wie in Palästina von ernster Bedeutung ist. Auch wenn man nicht mit allen Einzelheiten der Anschauung unserer Mitarbeiterin einverstanden ist, wird man den Mut und die Freiheit anerkennen, mit dem hier einer Frage ins Gesicht gesehen wird, der auszuweichen zu den verhängnisvollen Traditionen unserer Gesellschaft gehört. Red. Mit dankenswertem Emst greift Gustav L ö f f l e r das sexuelle Problem der überzähligen Frauen an, die „«.:hllmmc Schuld" der Gesellschaft, „dem Körper das ihm von Gott verliehene Recht gewaltsam zu versagen." Mit Recht sieht G. L. die Selbsthilfe, zu der viele Mädchen greifen, nämlich, sich ihren Anteil am sexuellen Leben außerhalb der Ehe zu nehmen, als unzulängliche und irrige Lösung an, da durch golche „Verletzung dc9 als geheiligt geltenden Sittcngcsctzcs" „eine folgerichtige sittliche Ordnung in der Welt unmöglich gemacht", die „Volksgcsundhcit geschädigt" „die doppelte Moral gefördert" und, hätte er noch hinzufügen sollen, ein circulus vitiosus, die Ehemöglichkeit der Frauen immer mehr hcrabgedrückt, wird. G. L. sieht aus der Not der ehelosen Frauen „nur einen Weg": Die Einführung der Zwelche. Er versichert zwar, er „verkenne keineswegs die ernsten Bedenken, die aus tiefen, seelischen Orfinden gegen di* Bedrohung der edlen Harmonie der Zwciclnigkcit zahlreicher Ehen emporsteigen",, aber diese Versicherung überzeugt uns nicht. Zwischen diesen „Bedenken" und der Forderung der Zweiehe gähnt eine nicht zu überbrückende Kluft. Das Streben nach jener „edlen Harmonie" kann auch G. L. sicherlich nicht als bloße poetische Zugabc auffassen, die um irgendeiner „höheren" bittlichkeit willen aufzugeben oder einzuschränken sei, denn worauf wollte er sonst „die Läuterung und Veredlung der Beziehung von Mann und Weib" stützen? Der Verfasser beruft sich auf Cohens „tiefgeistiges Urteil", der die „Vcrsittlichung der triebentsprossenen Liebe durch Treue" verlangt und diese „nur in der Ehe möglich" findet. Daß Cohen diese Treue auch in der Zweiehe verwirklicht denken könnte, ist wohl ausgeschlossen. Dieser Einfall liegt ihm so fern, daß er die Möglichkeit nicht einmal ahnungsweise berührt. Ja, alles, was er in diesem Zusammenhang über die Scham sagt, würde abstrus, wenn man es auf die Zweichc anwenden wollte. Es handelt sich in der Ehe keineswegs nur um körperliche Treue, die ja bcschlußmaßlg auf zwei Individuen ausgedehnt werden könnte, sondern gerade um die Untrennbarkcit von Seele und Körper, die ohne völlige Hingabc der Seele die bloße Hingabc des Körpers als unsittlich empfindet. Kein Beschluß des Gesetzgebers aber wäre imstande, in einer Zwciehc das tiefe Vertrauen herzustellen, das die unerläßliche Grundlage bildet, um (mit Cohens Worten) aus der „stumpfen Tatsache des Instituts der Ehe" die „Ehe zu einem Glied in der Kulturkette der Liebe" zu machen. Nein, es ist nicht „Furcht vor Einbuße an Gewohnheitsrechten", die den Protest der Frauen gegen die Zweichc erweckt, wohl aber Furcht vor „Kürzung ihrer Würde". Und nicht allein die Würde der Frauen wäre in Gefahr. Die leelischrn Schicksale von Mann und Weib sind zu sehr ineinander verstrickt. Auch ex s.üikc hinab, wenn der metaphysische Gehalt der Die sich verminderte. Er bliebe — Ernährer'und erotischer Partner in einem „Heim", wo der quälende Gegensatz zwischen Innerer Ferne und körperlicher Nähe die Seelen aufriebe. Eino Iciso Ahnung vou der grauenhaften Atmosphäre, die in einer Zweichc herrschen würde, könnte die seelische Beengtheit geben, die heute dort erlebt wird, wo eine Familie, der Wohnungsnot wegen bei Verwandten haust. Dort hilft noch die Hoffnung auf baldige Acnderung ertragen. G. L. selbst betont, daß esr, seit Kant zu den anerkannten Wesenszügen des Sittlichen gehöre, nichts zu tun, was zur Kürzung der Würde irgendeines Menschen führt. Daß er sich mit seinem Vorschlag hierzu in Widerspruch setzt, ist ihm offenbar entgangen. O. L. verlangt von den Frauen Zustimmung, weil es „der Schaffung gleichen Rechtes für ihr ganzes Geschlecht gälte". Aber so würde nur gleiches Unrecht geschaffen 1 Obgleich Mohammedaner dem Verfasser versichert haben, daß in der Zweichc „der Anspruch der Seele des einzelnen Weibes nicht gering geachtet" werde, so darf man wohl, nicht ohne Befremden, den hier gebotenen Maßstab ablehnen. Soll, vergleichsweise ein chinesischer Kuli, nein, sogar dessen Arbeitgeber, den „Anspruch" des deutschen Arbeiters bestimmen? Nur nebenbei die Bemerkung, daß, wie mir ein mohammedanischer Gelehrter versichert hat, heute sogar bei seinen Landslcutcn die Einehe weitaus vorherrschend ist. schon aus wirtschaftlichen Rücksichten. Diese selben Rücksichten würden auch bei uns die Zweichc niemals Realität werden lassen, selbst, wenn das Gesetz sie erlaubte. Aber nicht einmal die unverheirateten Mädchen würden dem Gesetz zustimmen. Sie wurden sich lieber opfern, d. h. entweder auf ihren Anteil am Sexualleben oder auf dessen gesetzlichen Schutz verzichten, ehe sie die Kulturcrrungenschaft der Monogamie aufgäben. Selbst im Sowjetstaat, wo man auf „Furcht vor Finbußc an Gewohnheitsrechten" wahrlich keine Rucksicht nimmt, sondern einzig Vermeidung jeder Ausbeutung die Richtschnur der Gesetze bildet, wo jedem ein uneingeschränktes Recht auf den eigenen Körper zusteht, selbst dort hat es weder praktisch noch theoretisch Neigung zur Zweichc gegeben, sondern wenn ich mich auf eine erst unlängst erschienene Berichterstattung der „Frankfurter Zeitung" beziehen darf, ist oic Monogamie dort gefestigter als je. Audi das freie VcrnaltniR wird respektiert, nicht nur geduldet, aber gleichzeitig zwei Personen anzugehören, gilt Als entwürdigend und „rückt bedenklich in die Nähe der Prostitution" die verpönt und fast völlig erloschen ist. Für die wunderliche Entgleisung des Verfassers, an dessen •osolut reiner Bemühung um wahre Sittlichkeit nicht der geringste Zweifel, ist, scheint mir nur eine Erklärung möglich: Er muß religiöser Jude bis zu dem Oradc sein, daß seine Urteilskraft in freiwilliger Demut vor biblischen Tatsachen kapituliert, bezieht er sich doch auch ausdrücklich auf a>c „Kultur des Alten Testaments" für seinen Vorschlag. öo berücksichtigt er vielleicht nicht, daß die Vielehe selbstverständliche Notwendigkeit ist, solange weder Soxhlct noch ciMchrank existiert, solange dem Säugling also durch zu •ruhe neue Schwangerschaft 6cincr Mutter einfach die Lc- 5*nsniöglichkcit entzogen wird. (Hieran pflegte die Forderung QCr Monogamie, die Missionare neuen exotischen Christen «eilen, zu scheitern.) So mag G. L. vor allem nicht zugeben. Qao soziologische Veränderungen sogar auf sittlichem Gebiet emen Fortschritt gegenüber der biblischen Zeit bedeuten sonnte. Demgegenüber möchte ich Cohen anführen, der -.die antike Naivität des Aristoteles, den Menschen als WerkujLfür,dtt Abstraktura der Kultur zu behandeln" als »nöMheit' zurückweist, im Gegensatz, dazu den „Begrifi des Menschen" erst im Kanfschen „Endzweck", den Cohen als .Selbstzweck" klar herausstellt „vollendet" Rieht und in der 3. Fassung des kategorischen Imperativs, daß „jeder jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel gebraucht werde" „das sittliche Programm der „neuen" Zeit und aller Zukunft der Weltgeschichte" findet. ' So mußten also die überzähligen Mädchen auch ferner ihres Naturrecht!; beraubt Wclbnur Oder, wenn sie dies in gerechtem Aufbäumen nicht dulden, die sittliche Ordnung auch ferner zu durchbrechen gezwungen sein? Nein, glücklicherweise gibt es nicht „nur einen Weg", den Locfflcr wcitSt und der aus wirtschaftlichen wie aus seelischen Qründcn ungangbar ist. . . ..Grundr.tür/.ende neue Ordnungen von Recht und Sitte werden unerläßlich sein." Diesem tapferen Wort des Verfassers schließe ich mich an. Aber es gilt, nicht in den vergangenen Jahrtausenden danach zu graben, sondern darauf zu lauschen, was in unserer Generation die Gewissen derer fordern, die um wahre Sittlichkeit bemüht sind. Handelt es sich, wie bei unserem Problem um offenbare Schäden der Gesellschaft, die durch die herrschenden Gesetze gestützt und geschützt sind, so werden wir nicht bei den konservativen Fürsprechern des Bestehenden, auch nicht bei den Verehrern des Altertums anfragen dürfen, sondern bei denen, die in Theorie oder Praxis sich vor neuen Wegen nicht scheuen. Gesetz wird nur, oder sollte nur werden, was vorher längst Wunschbild der Besten, ja,' sogi»r Uebung der Mutigsten unter ihnen war. Gesetzliche Ordnung? Wäre es uicht richtiger, auf alle staatliche Regelungen des Sexuallebens zu verzichten, die ja doch nur plump und äußerlich sein können? Viele, die in „freier Liebe" leben, tun es in bewußter, betonter Gegnerschaft zu den engherzigen Ehegesetzen. Sollte man die sexuelle Sphäre nicht lieber ganz dem Individuum überlassen? Dafür werden alle die plädieren, die den bürgerlichen Staat im Ganzen verneinen, die in ihm den Feind des Menschen sehen. Wer aber in ihm (von seiner metaphysischen Aufgabe zu schweigen) wenigstens das unerläßliche, wenn auch unzulängliche Organ erkennt das die Rechte des Schwachen' vor der Ausbeutung durch den Stärkeren schützt, muß ihm das Recht, ja die Pflicht zuerkennen, Ehe und Mutterschaft unter seine Kontrolle zu nehmen. Wer die Höherentwicklung der Menschheit wünscht, aber den grausamen Weg c!cr Revolution vermeiden will, muß für Evolution der Gesetze sorgen, die von' Zeit zu Zeit einen kühnen und großen Schritt tun müssen, um den Vorsprung einzuholen, den die sittliche Anschauung ihrer reifsten Bürger vor der übcraltctcn Tradition voraus hat. Das sexuelle Problem kann nicht gelöst werden, solange es nicht von wirtschaftlichen Zwecken befreit ist. Außer den 10 Prozent der überzähligen Frauen, für welche G. L. das Problem aufwirft, gibt es mindestens cbcnsovicle, die nicht zur Ehe gelangen, weil viele Männer die Kosten eines Haushalts nicht übernehmen können oder wollen. Hinzukommt, daß viele die strenge Bindung fürchten und sich die „Hoffnung auf Ewigkeit'7 nicht zutrauen, die doch der y,cthische Stiftungsgrund der Ehe ist". (Cohen.) So wird nun die Forderung erhoben, der Staat.möge die freie Liebcsbczichung legalisieren, sie unter seine Kontrolle und seinen Schutz nehmen, also neben der bestehenden patriarchalischen die matriarchalische Ehe schaffen, die vom Mann keine materiellen Leistungen verlangt (außer für das Kind und einige Monate vor und nach der Geburt auch für die Mutter), eine Ehe, die schon auf Verlangen c i n c s Teiles zu lösen wäre. Der Unterschied gegen die schon bestehende Praxis wäre, daß der Mann nun nicht, wie bisher meistens, viele Stufen hinabsteigen muß, um einen Llehcsparlncr zu suchen,-) sondern ein Mädchen seines Kullurniveau* wählen-kann urtd wird.-- Es würde in kurzem für beschämend gelten, mit einer Frau verbunden zu. sein,-die seinem Freundes- und Verwandteukreis einzugliedern, man sich genieren muß. Und nur, wo Persönlichkeit und Eros nicht mehr getrennt sind, vielmehr, wo kein, stets mißglückender Versuch gemacht wird, beide zu trennen, nur dort kann „eine Läuterung und Veredlung der Beziehungen von Mann und Weib" erhofft werden. Die sexuelle Not betrifft heute fast nur die Mädchen eines hohen Kulturniveaus, nämlich diejenigen, die sich „dem Gesetz unterwerfen und seine Unverlctzhchkeit bezeugen", auch wo ihnen offenbares Unrecht geschieht. Gerade diesen käme das Gesetz zufcutc. Obgleich auch für das matriarchalische Ehcverhältnfs das Ideal Dauer bis in den Tod wäre, so liegt doch auf der Hand, daß viele dieser Ehen nach kürzerer oder längerer Zeit enden. Hierin liegt die Möglichkeit der sexuellen Befriedigung jener überschüssigen 10 Prozent der weiblichen Bevölkerung. Es handelt sich also um eine Organisation des Mangels. Die Frauen bleiben in der schwächeren Position. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage herrscht leider auch in dieser Region. In der Zeit zwischen 20 bi$ 50 Jahren mögen dann auch .ferner 10 Prozent und mehr chelosc Frauen gezahlt werden, aber nun hieße das (in schematischer Abkürzung ausgedrückt): Jede Frau bliche durchschnittlich 10<yo der Zeit, die für eine Ehe in Betracht kommt, unverheiratet, keine aber bliebe durch die Schuld mangelhafter Gesetze ausgeschlossen. Wenn so jede berechtigte Entschuldigung offi?iclIer Ehelosigkeit fortfällt, ist eine Acnderung der öffentlichen Wertung zu hoffen. Es müßte das Ansehen und die Würde eines Mannes schwer treffen, unverheiratet zu sein, da er sich damit entweder ah ge-schlcchtskrnnk oder abnorm, oder auf dem sittlichen Tiefstand zeigt, auch jetzt, wo materielle und psychologische Schwierigkeiten fortgeräumt sind, sexuelle Befriedigung in „geistiger Bczichungslosigkeit" aus trüben Quellen zu genießen. (Wenn es sich nicht ausnahmsweise um einen Asketen handelt.) Niemals kann auf die Dauer bestchu, was von der Umgebung verworfen wird.. Es gäbe keinen Einbrecher, wenn er nicht Menschen hätte, die seinen „Beruf" guthießen. Eine ernste Frage taucht auf: Würde die Errichtung, des Matriarchat.'; nicht dazu führen, das Patriarchat praktisch aufzuheben? Eine gerechte Gesetzgebung muß das verhüten. Gemeinsamer Haushalt müßte automatisch patriarchalische Rechte und Pflichten mit sich bringen. Es geht nicht an, eine Frau schuldlos und ohne weitere Verpflichtung zu verlassen, nachdem sie die Ausbildung ihrer Erwerbsmöglichkeiten verlieren oder vernachlässigen mußte. Auch wäre zu überlegen, ob nicht bei Vorhandensein vou zwei Kindern, und ebenso nach zehnjähriger Ehe das Matriarchat'sich in die patriarchalische Ehe verwandelte, falls nicht von beiden Seiten widersprochen wird. Sehr häufig wird diese Umwandlung viel früher erfolgen, sei es, weil inzwischen das erreichte Einkommen die erwünschte Gründung eines Helms gestattet, ßcl es weil das Incinnndcrlcbcn die Furcht vor Disharmonie beseitigt hat, die vor der Heimgründung zurückhielt. Es ist allerdings zu erwarten, daß ein Teil der Ehen, die sonst patriarchalisch geschlossen würden, alsdann auf dem Gesetz des Matriarchats errichtet werden. (Ein A-nsporn, die patriarchalischen Ehcgcsctzc zu verbessern!) Aber diese „Einbuße an Gewohnheitsrechten" ist den Frauen um der „Schaffung des gleichen Rechtes für ihr ganzes. Ocschlecht". willen weit eher zuzumuten, als die ..Einengung ihres Ichs". In erzwungener Askese oder die ',.Kürzung ihrer Würde" in der Zwclenc. , *) Wieviel Mischehen .entstehen aus solchem Anfang i Julius Simon 50 Jahre alt Wir leben in der Zeit der 50. Geburtstage. Wie si der Fortschritt des Zionismus und seine heutige charakv^ stischc Form im wesentlichen das Werk einer bestich' Generation war. ersehen wir am betten an dieser Tj(l3; i der Glclchaltrigkc'it unserer führenden Persönlichkeiten. lieh konnten wir Bcrthold Fciwcl gratulieren, heute* gryi unsere Glückwünsche Julius Simon, der an diesem R^.l'i .haschanah seinen 50. Geburtstag begeht. . . \| Julius'Simon steht den deutschen ZionUtcn bev^.f , j.r nahe, wenn er auch heute fern von hier in New York | c Die erste Zeit seines zionistischen Wirkens spielte sich .1 i'nd : Deutschland ab, wo er sich viele Sympathien erwarb, | «jr'h r Simon gehörte zu der Gruppe deutscher Zionistcn die "t'J ' "7i£r Synthese zwischen westlichem und Östlichem Zionismus '■'.] strebten und verstanden, daß eine rein burcaukratisrk selbst formal-nationalistische Organlsation6:trbcit nicht gr^j um die seelische Spannkraft der Bewegung zu erhalten.'\\ gehörte Simon auch zu jenen Zionistcn, die in einen GC-{V' satz zu Wolfsohn gerieten und es ist noch erinnerlich \,j er auf den Kongressen gerade in den Bankdcbatttn <<.. Wolfsohn'schxn Auffassung entgegentrat. Den großen Aktionsradius erhielt jedoch Julius erst nach dem Kriege, als er nach London kam und cV zur Mitarbeit in der Exekutive herangezogen wurde, ju,;, .Simon ist niemals gewähltes Mitglied der Exekutive gev.cirdennoch hat eine charakteristische Periode zionistischer Qt schichte von ihm ihr Gepräge erhalten. Er W2r ts, ,».. vor der Londoner Jahrcskonfercnz 1920 von Weixmann;> auftragt wurde, den wirtschaftlichen Gesamtplan des Anbaues zu entwerfen. Simon ging an diese Aufgabe Sachkenntnis und Ueberiegung heran, vermochte aber ni:-- einen Kolonisationsplan aufzustellen, der eine Antwort i die Probleme gegeben hätte. Dies mag nicht nur *n Si;:: liegen, sondern auch an den Problemen. Simon sah r. scharfem Blick alle Schwierigkeiten und er erkannte udas Ziel, eine sich selbst erhaltende jüdische Bcvcikmr; in Palästina zu schaffen. Aber bei seinen Vorsehet-, bezüglich der zu diesem Ziele führenden Wege schätzte t| l^11"* unseres Erachtens nicht alle Realitäten richtig ein, vor "i:h die Facta der jüdischen Situation, des zur Verfügung stchendi-f Einwandcrungs- und Ansiedler-Materials, die Bedeutung r;..| "3,tcchologischcr Faktoren. Sein entscheidender Fehler w;f .ra„t'p' unseres Erachtens das Verkennen der großen vorbereite^: |, " *s ~ Aufgabe der nationalen Fonds, ohne die auch die *" ,\A\ ■ Jr.mai t\>o c ffcrnt fremd mit <■ einem i.iprn dalag- ,.! k'arpc ■ su»i' Möglic „K .;dc?t. . Drlcei K3 a\ ■sen -rnden Erriehi. Ausbilc :rof,e wercs ■.'.brrtra r.irr .11 Kai To;u r .,0; karte inrr An - Dan- 'prarhe: Kar erstrebte Entwicklung der Wirtschalt durch Einzcluiitcrr.:'-$ u\^h mungen unmöglich sein mußte. Er gehörte zu denen, c | ..^ den Kauf von Nuris und Nahalal im Jahre- 1920 mißbillig:! oh u Er stand der Gründung des Kcrcu Hajcssod mit grc?:f ^"b; Skepsis gegenüber.' E6 ergab sich bald in eutscheider.it |;;'?™aJ Punkten eine unüberbrückbare Differenz zwischen ihn tder Mehrheit der Bewegung, was schließlich zu seinen; Rü:'. tritt nach kurzer Amtstätigkeit geführt hat. Die bedeutendste Leistung seiner Amtsperiode nach i: Jahrcskonfercnz war die Teilnahme, an der im Winter nach Palästina entsandten Rcorganisationskommi<siou. D.¬ Bericht der Rcorganisationskommistiön hatte damals infe'.; des Versagens de» organisatorischen Apparates der leitj das Schicksal, zunächst unbekannt zu bleiben, glcidue,;,, «iber zu. den abenteuerlichsten Gerüchten Anstoß zu ge:r Iis .'würde', eine Kampfcsstimmung um ihn' geschaffen, r.'- ehe man seinen, sachlichen Inhalt kannte. Der Berichten;';; eine rwzc Reihe von richtigen und wertvollen Ergebnis- Noch heute vermag jede Reformarbeit in Palistina . vieles anzuknüpfen, was die RcorganisationskommisRinn r; Scharfblick erkannt hat. Julius Simon selbst hat, was ir zur größten ehre anzurechnen ist, ungleich seinen aracri.; : nischen Freunden, auch nach seinem Sturz loyal is erjj Bewegung mitgearbeitet und ist zum 12. Kongreß erschient-8 km Seine große Rede auf diesem Kongreß war ein Hohfp-'s .;r,°cr,fr parlamentarischer Dcbattenkunst, wie er unseres Erachir-''"^ seitdem auf unseren Kongressen nicht erreicht wurde, in der Sache bestimmte, in der Form vornehme und cic;r"| Art der Rede, Haltung eines Gentleman, konnte auch die Gegner die Wirkung nicht verfehlen. Wie übernj-' Julius Simon eine Persönlichkeit ist, die sich unabhi.-;i| ■ vom politischen Kampfe ■ großer Sympathien erfreut, die i"| ' hoffentlich auch heute anläßlich seine« 50. GeburtsMP |; reichem Maße zufliegen werden. I ' Es wäre unvollkommen, einen Hinweis auf Julius Simfi'fzfonistisches Wirken abzuschließen, ohne des Menschen H , wähnung zu tun, der sein treuester Kamerad auch in *"'"| zionistischen Angelegenheiten gewesen ist. Nicht nur; I traf der Schmerz, als seine Gattin, Johanna Simon, ihm ■ September 1921 entrissen wurde, sondern die ganze;'| nJstischc Bewegung trauerte um diese unermüdliche ü | ' stischc Kämpferin und edle Frau. Der Schinerz über die.-v. Verlust war wohl der unmittelbare Anlaß ru Simon? >•"'» übergehendem Ausscheiden aus dem politischen Leber.. hoffen aber, daß seine wertvolle Kraft der zionistischen Sa;" und dem Aufbau Palästinas in Zukunft noch zur Vertat ~r: stehen wird. Vom Bailaer Technikum Die Prüfungen in den verschiedene;: Zweige der Tageswie der Abendkurse haben den Beweis u;' erfolgreiche Arbeit im ersten, fahre de«. Hai?*er Tccit;,>"-">; erbracht. Am Anfang waren sehr viele Sch\vicrigkc;tc;< i";''fr_ und äußerer Natur zu überwinden. Trotz ci^r urgü^j^;. Bedingungen, unter denen die Arbeit begonnen würde. ^";::t, die Resultate des ersten Jahres, daß die Orutdiage C<;; Eine Maschinenabteilung, sowie eine Reihe vr.n \( besserungeu und Ncuankäufcn in der F:ii;rich;u;ic vv'':rr'fV/, Arbeitsfeld der Anstalt im nächsten Jahre crwci.cm. Arthur Biok, der als Delegierter des Londoner k'urawnj- . das Institut im ersten Jahre zu^ammc:; mit t'c:rll Hcckcr zu leiten hatte, ist am 15. Juli nach CnP; zurückgekehrt während Herr Hcckcr die Leitung allein führt. Max Hcckcr gehört zu den ältesten Picäicrrn technischem Gebiete in Palästina, wohin er im Jahre ' ■, kam-;' er ist seit Beginn der Tcchnikumsgründung, d- 12 Jahren,' mit diesem Werke verbunden. Er war mc.v; Jahrc Leiter des Technischen Departements der Zionistis--^ Organisation und widmete sich in dieser Tätigkeit beson»;;, den Fragen der Wasserversorgung. Drainage und Kanal«*:'..: in den Siedlungen. Auf dem Ti. Kongreß wurde er » ■ dem provisorischen Tcchnikums-Kömitee mit den letzten bereitenden Arbeiten betraut. ■ Wie die Pai. .Tel..Agentur erfährt, wird in diesen Jjg! Fr.a.nkn.a Bouillon., der bekannt* fririzösfcchc P<»ltlK ia Palästina erwartet. k'nrj .,B!e Ahr K.i-p r.idou Wal .r,n,rns -nv,;cr„ ■■kirr« ^ha!tr„ '?'.urcV 2-di ,! ricn,