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Jüdische Rundschau · 1925-09-15 · Heft 73 (15.9.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 73 (15.9.1925)
Date
1925-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 73 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 623 m 2a Bcrthold FchvcSs fünlzigsten Geburtstag Am 11. September dieses Jahres ist Hcrthold Fciwel i.iif/'? Ja,irc alt Rcwor^c". r>rcii5ip Jahre war er in der Zionistischen Organisation leitend tätig und jedem der drei c Tichictc, i" denen sich die zionistische Bewegung entfaltet, sn- J,m Gebiete der Kultur, der Wirtschaft und der Politik, fU- ^t er den Stempel seiner Persönlichkeit aufgedrückt. Mit )cig;- '•■ \\ Jahren half er Theodor Hcrzl bei der Vorbereitung des '• f^icn Kongresses. Als ich ihn das erste Mal vor dem iaui ^jf£tc (-i«ch Martin Buber war dabei) tu Berlin traf, wußten itii- , |)fjjie unerschöpflich aus jener Zeit zu erzählen, ein wahrer a i i ^.])n|z von Legenden und Anekdoten aus einer schon mythisch er;. \ ',:tt-ordcncn Zeit, der der Sammlung wohl wert wäre. Mit ich:; ^ir(in Bubcr, Lilien und auch Wei/mann zusammen hat dann " (' ' iiiwel, der auch Redakteur der „Welt" war, mehrere Jahre Ji:- i j„ selbstloser Hingabc sich einer Aufgabe gewidmet, deren I .inciiwirkeiidc Größe und Bedeutung damals noch nicht voll . :1 geschätzt werden konnte. Er hat für Westeuropa und uc insbesondere für den deutschen Sprachkrcis das begründet, .V; ■ 'H.3S man die kulturelle Bewegung des Zionismus, die jüdische ^naissance im Westen nennen kann. Er hat dazu bei- %reiraccn, das jüdische Schrifttum und die jüdische Kultur Vc de? Ostens denen zugänglich zu machen, die des Hebräischen „;..'"''; ..."<} des Jiddischen nicht mächtig waren, und denen die ^oi o enthüllte Welt einer eigenartigen autonomen, jüdischen Li! 'iuiltur w'c cmc Offenbarung kam. Er hat als Herausgeber ' ■ lirr „Jungen Harfen" zum ersten Mal jüdische Lyriker und : Künstle um den Zionismus als Mittelpunkt vereinigt, er hat 's ,j,-n Indischen Verlag miSbegriindet und geleitet, er hat durch £ l'ehcrsct/ung von Morris Roscnfeld eine Wirkung cr/iclt, ■1 ji; uns heute bereits historisch anmutet, der von ihm heraus-! ^ebene Jüdische Almanach war nicht nur für das Wcsti Acutum, sondern auch für die deutsche Welt das erste;; pokument eines neu erwachten Volkes, er hat gemeinsam -it Weizmann und Buber zuerst die Idee einer jüdischen Hochschule propagiert. Und bis auf das Gebiet der Jugcndrrriclumg ging damals seine alle jungen Keime sorgsam i!;iun<le Liebe: er war durch einige Jahre Herausgeber der ■■; /disclirift „Jung Israel''. - Spätere Jahre sahen Fciwcl dann in Deutschland und in < jer Schweiz auf wirtschafilichcm Gebiet tätig, und als bei :i Kriegende Wei/mann vor den großen schweren Aufgaben, '! ,:!(• nach der Balfnurdcklaration vor der Zionistischen Orgarii (,-.;ion standen, sich überall nach fähigen Mitarbeitern umsah, j;.i!j(c Fciwel seinem Rufe, gab seine Stellung auf, um in; *v zionistischen Bewegung wiederum seine in den langen hhren inzwischen gereifte wirtschaftliche und po'itischc Bc- \ r.i-.igung in den Dienst der Sache zu stellen, der seine Jugend ■ besten Kräfte dargebracht hatte. Seither hat Fciwel : v.iedcr wie in früheren Tagen eng mit Weizmann zusammen- "Arbeitet, seine überragende Klugheit, seine Fähigkeit, verirren c Beziehungen zu durchschauen und zu ordnen, seine ■ '.'.iiMlicnkennlnis und seine unermüdliche Energie haben ihm ''in einem Stützpunkt der Zionistischen Organisation gemacht. ■ [r hat den Keren Hajcssod geschaffen und durch die;i schwierigsten Anfangsiahrc sicher zu seiner jetzigen Position ■ ' -riährr. Es war dies keine leichte Aufgabe. Der Keren ■ l!:jessod war bei seiner Gründung unpopulär, den weiten 'hssen unbekannt, von vielen führenden Zionisten befeindet. Her ältere Schwesterfonds, der Keren Kajcmeth, war seit lehren überall populär. Die Sammelmittcl des Keren Kajcmeth ~i c.rcn gut eingeführt und dem Juden auch aus seinem sonstigen j:!ihc;i bekannt: Büchse, Toraspende, Gaben anläßlich freudiger { Ereignisse. Der Keren Ha;essod forderte ct.vas völlig neues: ft; *e Steuer für die jüdische Volksgemeinschaft, forderte es y. mi denselben Menschen, die bereits mit Staats- und Gcmeindcv; ■■::(■[!] überlastet waren. Der Keren Kajcmeth hatte eine :>.r<\ leicht verständliehe Losung: Auslösung des Bodens Heiligen Lande. Der Keren Hajcssod hatte eine strittige, '£ '/\hzh verwobene Aufgabe: die Deckung des Palästina- r,idgcts, das nicht er bestimmte und nicht er verwaltete, ■■ini och ist es unter der Leitung Fei weis gelungen, in :a crimen Jahren die Organisation des Keren Hajcssod so 'f\ ^zubauen und so zu befestigen, daß er heute mit immer 'Agenden sicheren Einkommen in allen Ländern der Erde, i\;n Juden wohnen, rechnen kann. Die Oppo«ifion gegen den '"fcn Hajcssod ist überall geschwunden, die jüdischen Massen; ^cn von seiner Arbeit und Notwendigkeit, er hat sich ... -rchjTcsct/t. ■ , Aber Fciwcls Tätigkeit war während dieser letzten sechs;"c nicht auf den Keren Hacjssod allein beschränkt. Er ".'•jn allen wirtschaftlichen und politischen Fragen teils die .. :-^kutive beraten, teils die Hauptarbeit selbst getan. Dabei . ."Jt er sich immer im Hintergrunde und ließ anderen den "-Hm für vieles, was sein Werk war. Selbst in diesen Jahren angespanntester wirtschaftlicher . . -I politischer Tätigkeit ist Fciwel den Traditionen seiner;>cik1 treu geblieben. Er hat sich das Verständnis für alle ^cn, den weiten Blick und eine liebenswürdige Kultiviertheit < ^«hrt. Er ist in einer Atmosphäre, die oft voll von j Bindungen und rnciischlichen Unzulänglichkeiten war, ein; C;:cr Freund und ein Mensch geblieben. ]l HansKohn. r' t ' i: Professor Bsnetli siebzig Jahre ^Das Augustlicft der „Monatsschrift für Gc .;'\ichtc und Wissenschaft des Judentums' steint als Festnummer zu Ehren Professor Eduard -,a^ths, der am 15. August 70 Jahre alt wurde. Prof. 7:;^h i;t durch seine wissenschaftlichen Leistungen weit;.;',uie Grenzen seines Wirkungskreises, der Berliner Hochfür die Wissenseliaft des Judentums, bekannt. Die; '''h-Fc-tnumincr der „Monatsschrift für Geschichte und ', .^n^ehaft des Judentums" enthält neben einer großen v,,,c von Abhandlungen, die sich vorwiegend an Fach- ...;llr'e wenden, mehrere Aufsät/e, die jeden Juden intcr- /;crc,i- So hat die Darstellung, welche Max Weber,; npkniiiitc Heidelberger Soziologe, vom Judentun gibt,;uiiu^tcS Aufsehen crrc«t; insbesondere ist sein Bestreben,;.',;nwnilichkeiteu des jüdisch-religiösen Lebens aus der * i cr Juden als „Paria-Volk" zu erklären, auf starke ■v'1 ,c.!1 Rcstoßcn. Nun prüft Prof. Julius Guttinann -j «»eranzicluing philosophischer, bibclwisscnschaftlicher „^volkswirtschaftlicher Gesichtspunkte den Standpunkt .■■'>iJ? u:,d Klangt bei voller Würdigung der wisscn- : ..^ ""nicn Verdienste, die sich Weber um die Auffassung »'Wischen Geschichte erworben hat, bezüglich jener ' Anschauung zu abweichenden Ergebnissen. Ein anderer Y°" Rabbiner Dr. Bäck zeigt in einleuchtender ■■■s^n' NVK: bereits die Midraschlchrer gegen christliche Auf- '■üc'|^c,n anzukämpfen hatten. — Die Mitgliedschaft der .„ ,jC,,aft für die Wissenschaft des Judentums wird be- 7! ',cl1 durch Einzahlung des Mitgliedsbeitrags von 8 M.; :'%h Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030,!c h-!,; Mitglieder erhalten die Monatsschrift, die in Marken Heften erscheint, unentgeltlich. F" ' ^icri. 1925 s,"d nach Jcm von ^er paläßtiiiciisischen m •■''tu i^ herausgegebenen „Commercia! Bulletin" 6278 ■ i5gckoa "nd 17ü8 ^fückkcJirendc Einwohner in Palästina Der 15 Hiiüionen Dollar-Drive Unmittelbar vor Redaktionsschluß erhalten wir folgende tclcgraphischc Meldung: Am 12. und 13. September wurde in Philadelphia die Kampagne des Joint mit einer Beratung eröffnet. Es wurde u. a. eine Resolution angenommen, die es als selbstverständlich erklärt, daß die amerikanische J u d c n h c i t das Werk der jüdischen Siedlung in Palästina freigebig unterstützt, insbesondere durch das Medium der „Jcwish Agcncy". Wir werden den ausführlichen Bericht in der nächsten Nummer nachtragen. New York. (J. T. A.) Mr. David A. Brown, der vom Joint Distribution Conimitlcc eingeladen worden ist, die Kampagne zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar für jüdische Hilfsarbeit zu leiten, hat aTif die Aufrage mehrerer Persönlichkeiten, warum die P a 1 ä s t i n a - K o 1 o'n i s a t i o n nicht auch in die Kampagne eingeschlossen ist, folgende Antwort erteilt: „Die Kampagne bezweckt nicht allein die Aufbringung von Geldern für die Kolonisation in Rußland, sondern sie will Mittel suchen, um auch die jüdische Not in anderen Ländern lindem'zu helfen. Was die Koloni-;ition in Palästina betrifft, so verfügt dieselbe über Institutionen wie Keren Hajcssod und Keren Kajcmeth, die ganz und gar dem Aufbauwerk dienen. Ich selbst habe die Zionistische Organisation gestützt und für die zionistischen Institute geworben. Der Keren Hajcssod ist ein ständiges Institut. Ocffcntlichc Sarnrnlungen für dasselbe werden vielleicht noch zehn Jahre hindurch notwendig sein. Vielleicht einige Jahre mehr. Später werden sich _ die Einkünfte stabilisieren. P a I ä s t i u a - Ko I on isation ist mehr als eine Lösung des Wirtsc h a f t s p r o b 1 c m s. Hier ist ein Ideal, die Erfüllung einer z w c i t a u s <• u d j ä h r i g c n Prophezeiung. Zwischen Palästina-Kolonisation und Kolonisation in Rußland besteht keine Verwandtschaft. Ich habe es den zionistischen Führern oft gesagt, es sei gefährlich für ihre Idee, das Palästina-Aufbauwerk mit irgendeiner anderen Aufbaulätir.'kcit in Beziehung zu bringen. Viele behaupten, die Leiter der Kampagne für die russische Kolonisation gehen mit Absicht darauf hinaus, der zionhti-chcii Siehe in Amerika zu schaden. Das ist absolut falsch. Die Führer dieser Kampagne, unter denen;:ur!i l\\ zu rechneu bin. opfern Zeit und Mittel für die P a 1 ä s t i n n - B c w c g u n g. Viele von uns haben sieh mit der zionistischen Sache verbunden, mag unser Interesse atreh rein humanitären Zielen gelten. Esist eben so, daß P; I.'i;(in.i nkht das einzige Judmproblcm l:?t, e? belebt eine Judeufragc auch in Amerika, und nicht nur in Palistina und Amerika, sondern auch in Polen, Rumänien, Deutschland. Oesterreich, Tschechoslowakei, Lettland, Litauen und Rußland. Ich fühle das am dringendsten, w;il ich während meiner Reisen durch diese Länder mit den Juden dort in intime Berührung gekommen bin und ihre Not gesehen habe." * New.York. (T. T. A.) Di<! Zentralkomitee der Zionistischen O;;••;i n i s a t i o n Amerikas und Jcr Rat des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses hielten eine g< meinsamc Sitzung ab, die der Aktion des Joint Distribution Committee gowidmd war. Fs wurde beschlossen, die Tätigkeit des Joint, i.owtlt;;ie .bieh auf Hilfe und Aufbau bezieht, zu unterstützen, jedoch das Projekt der „Krim-Koloni sation" als schädlich zu bekämpfe n. Das administrative Komitee des Amcr i k a n i sch - J ü - dischen Kongresses hielt unter dem Vorsitz von Joseph Barondeß chic Sitzung ab, in der beschlossen wurde, die Frage der jüdischen Kolonisation in Rußland einer eingehenden und sachgemäßen Prüfung zu unterziehen, um dann die öffentliche Meinung Amerikas genau informieren zu können. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das aus den Herren Dr, A. Koralnik, Dr. A. J. Rougy und Karl Shcrman besteht- Die I^fansiofJ'nnrj le Rußland Moskau. (J.T. A.) Die Rorjicruiu'skommL.'-'lon tur die jüdische L a n d an s i cd Inn g in Rußland (Kom/et) hat an alle untergeordneten Behörden Instruktionen ergehen lassen, wonach die Angehörigkeit zu irgendeiner zionistischen Gruppe kein Grund sei für die Nichtzulassung zur Landansicdlung auf Grund des von der Regierung genehmigten Ansicdlungsplans. Sollte sich ein Siedler einer antisowjetischen Betätigung schuldig machen, so sei er von der Siedlung nicht auszuschließen, sondern es sei gegen ihn nach den allgemeinen Gesetzen zu verfahren. * Moskau. (J.T. A.) Die Gesellschaft Agro-Joint hat weitere 400000 Rubel für die Förderung des jüdischen Kolonisationswerkes bereitgestellt Der größere Teil dieser Summe wird für den Bau von Kolonistenhäusern verwendet werden. In den jüdischen Kolonien Scdc Menuchah, Jugulctz und Bcrdifschcw werden im Herbst d. J. Landwirtschaftsschulcn eröffnet werden. Eine PrölcsSvsrsanimluEg cegen £a$ Krim-Projekt Tel-Awiw. (J.T.A.) Ende August wurde im Eden- Theater zu Tel-Awiw eine Protcstvcrsammhing ftc^cn den Plan der Judenkolonisation In Rußland abgehalten. Nach Ansprachen des Vorsitzenden, Herrn Dan zig, sowie der Herren Dr. B i n j a m i n und Dr. W o I f g a n g Wcisl, wurden folgende Beschlüsse angenommen: l. Dcru Projekt der jüdischen Kolonisation in der Krim muß Widerstand geleistet werden. 2. Die Versammlung sieht in diesem Projekt eine politische, wirtschaftliche und sittliche Gefahr, sowie einen Versuch, den P a 1 ä s 11 n a - A u f b a u zu schädigen. 3. Die Verantwortung trifft eine Gruppe amerikanischer Notabcln. die sich mit der Sowjctrcgieruug gegen Palästina verbinden. Auch die Palast in a- Rcgicruug trifft Schuld, weij sie entgegen dem Sinne des Mandats, den Juden die versprochenen Staatsiändcrci,cn vorenthält. 5. Der Zionistenkongrc3 wird ersucht, alle Schritte zur Verhinderung des Planes zu unternehmen und darauf hinzuwirken, daß die Gelder der Ansicdlung russischer Juden in Palästina zugute kommen. (Wir glauben nicht, d.-»ß derartige Protcslvcrsammluiigcn und überspitzte Formulierungen — man nennt die l)mschichtungsvcrsuchc der russischen Juden eine „sittliche Gefahr"! — der zionistischen Sache nützen oder auch nur eine ernste Auseinandersetzung des Probleme« fördern. Vielmehr könnte durch eine nüchterne und sachliche Prüfung der Tatsachen die übertriebene Einschätzung des sogenannten Krim-Projektes verhindert und so dts Material gewonnen werden, das wirklich gegen die Joint-Aktion vorgebracht werden kann. Solitc ein Kampf unvermeidlich werden, was wir nicht wünschen, dann müßte cr u. E. mit aller Würde und ohne Demagogie geführt werden. Rc3. d. „J. R.".) Slclüffcs Land Von Dr. S. Lac h m a n n, Bad Landeck. Wir gewährr n nachstehenden Ausführungen Raun, ohne uns mit allen ihren Einzelheiten zu identifiziere». Wir stimmen mit dem Autor in der Auffassung übercin, daß von jüdischer Seite nicht der geringste Anlaß zu einer feindseligen Einstellung der katholischen Kirche gegenüber dem Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina gegeben wurde. Andererseits läßt sich jedoch nicht übersehen, daß die katholische .Kirche tatsächlich mit (wenn auch ungerechtfertigtem) Mißtrauen das Wachstum des jüdischen Einflusses in Palästina verfolgt. — Der Artikel gewinnt an Interesse ange^chis eines Angriffes, den das Or;:.m des Zentrums, die „Germania", gegen die „Jüd.- liberale Zeitung" wegen ihrer Bemerkungen über katholischen Antisemitismus gerichtet hat, — eine Kontroverse, auf die wir noch zurückkommen werden. Red. In der „Vossischen Zeitung" vom 23. August stellt ein Anonymus im Anschluß au die antisemitischen Vorgänge in Wien bei Beginn des Zior.i;tenko;igrcsscs Befrachtungen 'über die tieferen Ursachen an, die wohl zu einer so opnosi'iionrlleu Einstellung der Christlichsozialcn Partei und ihres Führers, des früheren Bundeskanzlers Scipcl, geführt kalve.i könnten, und er kommt zu dem Schlüsse, es sei nicht der S t a a t s - mann sondernder Prälat Seipcl, der sich gegm die P.c- Gtivbuugen des Zionismus auflehne. Auf dem Kampfplatz, um das Land, das drei Religionen als ihr Ursprungsland heilig sei, trete neben den Arabern nun auch Rom; die Führer der Zionisten sollten dieser drohenden internationalen Gefahr bei Zeiten Rechnung tragen. Einer solchen Auffassung kann nicht früh und nicht dringend genug entgegengetreten werden. Gar zu leicht wird eine so hingeworfene Meinung zum Schlagwort, wird ungeprüft und unkritisch übernommen und verbreitet, und nun ist die ursprünglich nur in der Phantasie drohende Gefahr Wirklichkeit geworden. Wer die Geschichte des Zionismus auch nur obenflächiieh kennt, weiß, daß der Ursprung der heutigen Bcwcgrng nur in dem Sinne religiös ist, wie eben Religion in jedem, nach Verwirklichung ringenden idealen Streben liegt. In diesem Sinne stellt freilich die zionistische Bewegung cin?n hohen Grau von Religiosität dar, und dieser religiösen Schwingung verdankt sie allein den Mut ihrer Bekenner, die unbegrenzte Opferfrcudigkcit der Chaluzim und Ch.-du/ot, den unerschüiierlirhcn Glauben und den unbeugsamen Willen aller Mitkämpfer. Aber kann eine Religiosität solcher Art jemals religiöse Empfindungen anderer Menschen als gegnerisch empfinden, bekämpfen, unterdiiickcu wollen? Ist e. aber andererseits auch nur denkbar, daß Bekenner irgendeiner Religion der Menschheit von ihrem Standpunkte aus jene Religion der jüdischen Pioniere als Gefahr für das ihnen selbst Heilige betrachten? Es i&t wahr: zwei Jahrtausende hindurch haben die Juden in ihren Gebeten an jedem Morgen und au iedem Abend zu Gott um Erlösung aus der Gahah, um die Rückkehr in ihr altes Land, um die •Wiederaufrichtung des Tempels gefleht. Liegt nun nicht doch die Gefahr nahe, daß die P,esiedelung des Landes nur die erste Etappe darstellt, der dann die Wiedererrichtung des Tempels und wohl auch gar eine Kampfstellung gegen Andersgläubige folgen wcrd;n? Iis wäre in der Tat bei der großen Unkenntnis in bezug auf jüdische Hinge, die leider nicht nur die Fcrncrstcheudeii auf.zi iohuet, nicht verwunderlich, wenn ciin* solche Argumentation auftauchte und Anhänger fände. Wer aber auch nur ein wenig tiefer zu schauen gelernt hat, wird das Fehlerhafte darin sofort erkennen. Wenn wrir die einzelnen Abschnitte in der Geschichte des jüdischen Volkes charakterisieren wollen, so sprechen wir von der Zeit des ersten und des zweiten Tempels. So sieht immer der Tempel in» Mittelpunkte der Betrachtung, und gar zu leicht wird vergessen, daß es zwar das kultische Zrntiiiiu, aber nicht Ausdruck und Symbol für das wirkliche '..eben des Volkes gcwcr.cn ist. Mehr und mehr lehrt die historische Forschung, wie langsam und spät sich eist jene Fülle v,.n Riten entwickelt hat. die heute manchem al» das Wesen des Judentums erscheinen, und es ist ganz, sicher, daß in jenen alten Zeiten die Ausübung religiöser Pflichten in Form von rituellen Handlungen keinen größeren Umfanggehabt hat als heute bei den übrigen Völkern. Immer hat sich der Aiitag mit seinen Sorgen und Strchungcn sein Recht gefordert. Ackerbau und Handwerk waren die Berufe selbst der großen Gcsetzcslchrcr, und wohl nur an Sabbaten und Festtagen wurde ein wesentlicher Teil der Zeit auf religiöse D.nge verwandt. Wenn sich das uns in der Literatur jener Zeit anders darstellt, so liegt das eben daran, daß nur Schrine» religiösen Inhalts erhalte» sind, deren Verfasser freilich von dem Profanen und Alltäglichen höchstens nebenbei und insoweit es für halachischc Probleme in Betracht kommt, erzählen. Wenn wir aber hören, daß schon nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil lange Zeit niemand an die Wiederaufrichtung des Tempels gedacht hat, bis die Propheten Chugg.ii und Malcachi sehr energisch darauf bestanden, wen:; wir uns erinnern, daß Akiba, de» man meist nur als große» Mischua- Ichrer schätzt, ein ganz großer Politiker gewesen ist, der nichts Geringeres critrebie als Rom zu Falle zu bringen. dann werden wir auch die heutige Rückwanderung der Juden in ihr altes Land nicht mehr ohne Analogie in der Vergangenheit glauben. Heute wie damals, sucht das jüdische Volk, beseelt von Liehe zu seiner Heimaterde, zunächst nichts anderes als die Rückkehr zu ihr, von der allein es, gleich dem Riesen Antäus, immer neue Schaffenskraft, immer neue Impulse gewinnen kann. Wie aber steht es mit der Wiederaufrichtung de-. Ten;::,... jenes religiösen Mittelpunktes, der doch nun einmal in der Ideologie so vieler Jahrhunderte die führende Rolle gespielt hat? Wird nicht wieder ein Chaggai, ein Malcachi in modernem Gewände erstehen, der gebieterisch forden:' wird, daß mau den alte» Platz für de» Tempel zurückverlange, auf ihm das alte Heiligtum neu baue?. Nun. wenn vias ni < rl;a.ipt jemals möglich wäre, so blieben die Deduktionen des Anonymus aus der Vossishceu Zeitung nicht minder abwegig. Denn auf dem Platze des alte» Tempels steh: auch heute kein christliches, sondern ei» mohammedanisches Heiligtum: die sogenannte Omarmoschcc. Die Stätten christlicher Verehrung dagegen, Nazarcth, Bctlchem, die Grabeskirchc in Jerusalem, evtl. Kapcrnaum, sind i» keinerlei örtlichem Zusammenhange, noch weniger in irgendeiner Konkurrenz, mit Stätten, die den Juden heilig sein müssen. Aber tatsächlich, ist diese Frage der Ocrtlichkcii von ganz untergeordneter Bedeutung denn es besteht weder chic Tendenz noch vor allem auch nur die entfernteste Möglichkeit, daß ei» Versuch, de» alten Tempel neu zu bauen, zu irgendwelche» Konflikte» fuhren könnte. Denn gerade die Frage der Wiederauflichlung des Heiligtums Ist keine solche, die durch einen Wille», eine Lntschließung heutiger Menschen gelöst oder auch nur in Augriff genommen werden könnte, und das vor allem nach den Grundsätzen derjenigen Kreise, die allein eine solche Frage in den Vordergrund des Wicdcrbesjcdlungsproblems stellen könnten: der jüdischen Orthodoxie. Denn ganz abgesehen selbst davon, daß nach, .4cm Glauben dec Orthodoxie

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