Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 72 (11.9.1925)
- Date
- 1925-09-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 615 ' per Feldzag gegen dea Kerea Hajessod Der „Vorband nationaldeutschcr Juden" sendet uns am SfPtcmbcr unter Berufung auf § 11 des Prcssifsetzes nachstehende -| Berichtigung: i In Nr- 61 der „Jüdischen Rundschau" vom 4. August 1925 ') ., untcr der Uebcrschrift „Der Feldzug gegen den Kcrcn 5,'jfssod" die Behauptung aufgestellt: „Der günstige Wind, i ,n3nchmal Redaktionen überraschendes Material auf den -i/], xvcht, bat uns den Bericht eines führenden Mitglieds KlVerbandes nationaldeutschcr Juden gebracht, in dem die! .nvort des Herrn Außenministers anders dargestellt ist (d. h. ' jn unserem Mitteilungsblatt ,Dcr nationaldcutschc lüde1 7;s angegeben wart. in diesem Bericht... . heißt es j •driiddich. daß der Herr Außenminister auf die Erklärung 1- Herrn Rcichsministcr des Acußcren Rathenau vom 15. Fe- 1022 Bezug genommen habe und den jetzigen Standet des Auswärtigen Amts als mit dieser Erklärung über- $ .klimmend gekennzeichnet hat." Diese Behauptungen sind V-y-ahr. Wahr ist vielmehr, daß kein führendes Mitglied des \ -.fandcs nationaldeutschcr Juden einen Bericht dieses In« ['■'•s erstattet hat und daß demgemäß ein solcher Bericht fi;i nicht der Redaktion der „Jüdischen Rundschau" zuge- \] r;ru ist. Wahr ist ferner, dnß in der von Herrn Außenfi;:>tcr Dr. Strescmann dem Verband nationaldeutschcr Ju« f-.i auf seine Eingabe erstatteten Antwort die Erklärung, „der roni i'".;i«c Standpunkt des Auswärtigen Amts stimme mit der Er« lere i: ,rijn{r des Reichsministers Dr. Rathenau vom 15. Februar ::i übercin", weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach --'halten ist. Unwahr ist ferner die in dem bezeichneten Artikel der kc,n Irischen Rundschau" aufgestellte Behauptung, daß der •band nationaldeutschcr Juden „wieder einmal ver- ■jedenc Eingaben an die Regierung gemacht habe". Wahr vielmehr, daß die Eingabe, auf welche in Nr. 8 des „Na- :aldcutschcii Juden" hingewiesen ist, die erste war, die :rns des Verbandes nationaldeutschcr Juden gemacht woriist. Berlin, 7. September 1925. Verband nationaldeutscher Juden c. V. gez. M. Naumann, H. G o 1 d s c h m i d t. Wir bringen die vorstehende Berichtigung, die sich lediglich formale Gesichtspunkte beschränkt, gern zum Abdruck -i haben dazu zu bemerken: Die Quelle, die wir in Nr. 61 »eres Blattes erwähnten, war natürlich kein „erstatteter ßc.;>hi" im formellen Sinn, bondern eine private Mitteilung \n! *Dr. Naumanns Verband nahestehenden Kreisen. Im übrigen -J wir der Ansicht, daß unsere Behauptungen auch durch a - ..Berichtigung" des Herrn Dr. Naumann keineswegs lidcrlcgt sind; vielmehr ist es auffallend, daß Herr Dr. v'::inann nicht den einfachen und viel wirksameren Weg ' .vjhlt hat, die Antwort des Ministe: »ums im Wortlaut zu ^öffentlichen, wie wir ihm bereits in unserer früheren Notiz. *-;!:c gelegt haben. Denn für „die Öffentlichkeit handelt es \ :i nicht um die völlig belanglose Frage, woher unsere \ bruulioucn stammen, sondern viel interessanter wäre der =- -.halt der ministeriellen Antwort, damii wir alle wissen, l -r:n wir sind. Solange die Veröffentlichung nicht erfolgt, t ■•Acn wir bei unserer Behauptung über den Inhalt der i;':!v.ort bleiben. Unerklärlich ist es übrigens, weshalb Dr. ^>jmann sich dagegen wendet, daß wir von „wiederholten S-^abcn" gesprochen haben. In der Zuschrift des Verbandes Ü-irionaldcutschcr Juden, Heft 7/S, Seite 8, wird angegeben,;-.3dcr Verband mehrere Eingaben an das Auswärtige Amt ". Angelegenheit des Kcrcn Hajcssod gerichtet hat. Herr Naumann sollte daher auch seiner eigenen Zeitschrift;-e prcßgcsetzlichc Berichtigung schicken. :1 Nochmals Kindermann In Nr. 62 der „Jüd. Rundschau" habe ich an den Fall des -tschvölkischen Studenten jüdischer Abstammung, Kinder- "inn, einige Bemerkungen geknüpft, die sowohl die „Jü- :ne Liberale Zeitung" (vom M. S. 1925) wie auch den Vcr- "i der nationaldeutschen Juden veranlaßt haben, auf meine Sinnigen in nachstehend wicdergcgcbcncu Aeußerungen "zugehen. Die „Jüdisch Liberale Zeitung" schreibt unter T> Titel: „Unvcrsc h ä m t h c 11": .,1 )ic „Jüdische Rundschau" du* Blatt der Zionistischen Vrf(iiiigiuig für Deutschland, beschäftigt sich in ihrer Nr. 02 •r,m 7. August mit dem Fall des deutschen Studenten Kiu- Ermann, der im Moskauer Prozeß zum Tode verurteilt **'-rdc. Sie verzapft zu diesem Thema einen Unsinn, bei frm mau nicht recht weiß, ob er mehr aus Dummheit oder Dreistigkeit geboren ist. Die Ausführungen des anonymen Verfassers gipfeln in folgenden Sätzen: „Die Ideologie, die das Judentum, das lebendige Juden-;wi totsagte, ist der Nährboden, auf dem der Typ des ^tionaldcutschcn luden entstehen konnte, dessen logische!°rtsctzung der deutsch-völkische Jude ist. Kindermatm ,s* ein Enkel des deutsch-jüdischen Libellen und ein Sohn des nationaldeutschen Judeii.«' (Von uns gesperrt. Die Red.) , *o sehreiben die Leute, die fortwährend das Soli- ^"tsgcfühl auf der Zunge tragen. Sollen wir darauf cr- V|^m, daß der jüdisch-cvangclisch-katholischc Hans IIcr/1 Cl" Enkel des jüdischen Indifferentismus und ein Sohn des fischen Nationalismus ist? Das hätte mehr Berechtigung, *ls die Feststellung der „Jüdischen Rundschau", da nach y'-fren Informationen Kindcrmanus Vater und Großvater ,Clji jüdischen Liberalismus und dem nationaldeutschen Mcntum so fernstehen, wie die „Jüdische Rundschau" einer ""händigen Kampfeswcisc." ,,.^r Verband der nationaldeutschen Juden richtete an die s7Cl»Jngen der jüdischen Rcformgcmcindc zu Berlin" folv"üc Zuschrift: , -.Von zionistischer Seite wird die Nachricht verbreitet, J*r i» Moskau verurteilte Dr. Kindcrmann habe Beziehungen dem Verband nationaldeutschcr Juden unterhalten. Wir rollen fest, daß an dieser Behauptung kein wahres Wort Unser Verband besteht aus Deutschen, die bei Aus- „^g ihres Rechtes und ihrer Pflicht, an den nationalen Auf-; >^bcn des Deutschtums mitzuarbeiten, ihre jüdische Abstam-! Jv.lln:i und Religion, auf das entschiedenste betonen. Dr.; /'Hermann hat nach den vorliegenden Nachrichten seine : u?eiKirigkcit zum Judentum jahrelang geflissentlich ver-; j L(*t und sie erst in dem Augenblick zur Sprache gebracht,? irCm er sich von seiner Eigenschaft als Jude — freilich Unrecht — eine Verbesserung seiner Lage versprach, Wer; UJ-rs Bestrebungen kennt, muß wissen, daß ein solcher fi1 nirScnds weniger am rechten Orte wäre als im Vcr* nationaldeutschcr Juden." Nach der Lektüre dieser Erklärungen von liberaler und nationaldcutseh-jüdischer Seite muß man sich allen Ernstes fragen, ob diese Herrschaften tatsächlich dumm sind oder sich nur so stellen. Ich habe keineswegs behauptet, daß Kindermann senior und junior eingeschriebene Mitglieder der liberalen Vereinigung oder des Verbandes nationaldeutschcr Juden waren oder sind. Um diese formale Zugehörigkeit handelt es sich auch nicht, sondern vielmehr darum, daß die Geistesrichtung des deutschvölkischen Kindermann junior eine logische Fortsetzung des' Anpassungsbcstrcbcns jener Juden ist, die ihr Judentum zu verwässern bemüht sind. Ein j ü - di sch es Judentum (ohne weitere Bezeichnung „liberal" oder „nationaldeutsch") erscheint mir eine bessere Gewähr gegen Auswüchse ä Ia Kindermann, als das liberale Kompromißjudcntum oder das nationaldcutschc Nochjudcutiuu. Aus dem Brei des liberalen Judentums entwickelte sich das Mistbeet des nationaldeutschen. Und eine Blüte des nationaldcutsch-jüdischen Beetes ist eben der dcutschvölkischc Jude. In diesem Sinne ist Kindermann ein Deszendent des deutsch-jüdischen Libcrialismus und des nationaldeutschen Judentums. Nochmals seien die Schlußworte meiner Notiz aus der Nr. 02 der „Jüdischen Rundschau" wiedergegeben: „Vor dieser Entwicklung mag manchem Juden schaudern; er darf sich aber über sie nicht wundern, druii wer ein halbjüdisches A sagt, muß schließlich zu einem deutschvölkischen Z kommen." Moses Wald mann. Neue GsSjEiäcirficlzc In Deutschland Eine Berliner Zeitung brachte vor kurzem, von bestuntcrrichicter Seite Enthüllungen über Pläne des Land blinde s, mit Hilfe der Hakcukrcuzlcr eine neue antisemitische Hetzkampagne einzuleiten. Nach dem Muster ihrer innerpolitischeu Offensive von 1022, die in dem darauffolgenden Winter in einer Pogromhetze gipfelte, soll auch in diesem Jahre eine Propaganda entfaltet werden, um die Bevölkerung über die wahren Urheber der Teuerung aller Lebens- und (ichrauehsmlHel hinwegzutäuschen. Offenbar hat diese Offensive bereits begonnen; sie richtet sich zunächst gegen die Ostjuden, die als die Vertcurcr der Nahrungsmittel hingestellt werden, obwohl es Tatsache ist, daß die Ostjuden in Deutschland in keinem Falle als Mittelglieder zwischen Produzenten und Konsumenten in Betracht kommen können, da ihnen doch die Landbündlcr gewiß keine Waren verkaufen werden. Charakteristisch für diese neue Offensive ist ein Artikel eines der Führer des Landbundes und der Dcutschnalioiuilcn, des ehem. Kgl. Landrais v. Ileri/bcrg. der der unter der Uebcrschrift „Ostjudcn-Optauten" in der „Deutschen Zeitung" und in anderen rechtsstehenden Blättern erschienen war. Landrat v. Hcrt/.berg sehreibt it. a.: „Die Preise für Lebensmittel steigen und steigen. Die Reielisrcgicrung droht mit Maßnahmen zur Preissenkung. Sic weiß, dal» einen Bestandteil der Schuld an diesen wachsenden Preisen der überflüssige Zwischenhandel hat, der eich mit den Ostjuden in überreicher Zahl unnötig in das deutsche Wirtschaftsleben eingeschlichen hat. Von einer Absieht, gegen diese Parasyten, Hyänen und Drohnen vorzugehen, hört man kein Wort. Deshalb sei heute wieder einmal au den jahrelangen K:impf erinnert, den wir um die Abschiebung der Östjudcn geführt haben.^.. Tausende von deutsehen Optanten, die als Bettler aus ihrer deutschen Heimat hinausgejagt sind, liegen als Almoscucmpfäugcr im Schncidcmühler Lager, während der Innenminister den OstjunVn durch Erlaß "vom 1. 11. 1010 durch Einschaltung der jüdischen 1 Iilfsorgaiiisationrn und Gemeinden das Hierbleiben und damit das Recht auf Aussaugung des deutschen Volkes ermöglichte. Begründet wurde dieser ungeheuerliche Judenschut/erlaß damit, daß es unmenschlich sei, die armen Ostjudm abzuschieben, da .sie in ihrer alten Hcinnt Bestrafungen oder gar Pogromen ausgesetzt wären.... Unter diesem Gesichtswinkel ist es für uns erfreulich, daß Polen sich löblich dem Weltjudentum unterworfen und sich den Machtmitteln der jüdischen Internationale grbeugt hat. Auf Drängen des englischen Juden I iuien Wolf hat die Regierung die Forderungen <[es Jüdischen Pariamrnfsklub zähuekpirsehend angenommen; die Juden behalten ihr Schnapsmonopol und erhalten Sta.ilskredito; *ie bekommen Beamtcustcllcn bei Gericht und Regierung ... Jetzt können die armen, schwergeprüften Juden endlich wieder in ihre geliebte polnische Heimat zurück, ohne Bestrafung oder Einziehung zum Heere fürchten zu müssen. Der einzige Grund, der die Behörden an der Abschiebung hinderte (Inhumanität!) ist fortgefallen." Von Hertzberg schließt: „Erfüllt der Preußische Innenminister Scvcring heute nicht endlich die Pflicht, durch ihre sofortige Ausweisung Wohnung und Unterhalt für die Optanten freizumachen, dann begeht er ein geradezu verbrecherisches Unrecht gegen die treuen deutscheu Optanten. Jetzt gibt es kein Ausweichen mehr; der Ostjude muß hinaus. Vom Minister Scvcring verlangen wir eine sofortige Acußcrung über die von ihm getroffenen Maßnahmen 1" Der Slclgcrprozcß Im Monat Oktober findet der Prozeß gegen Steiger statt, der am 5. September 1021 verhaftet wurde und sich somit über ein Jahr in der Untersuchungshaft befindet. Das Tribunal im Steigerprozeß wird sieh aus denselben Personen wie im Prozesse gegen Jäger und Genossen zusammensetzen. Untcr den 36 für die Öktobcrscssion des Schwurgerichte ausgelosten Geschworenen befinden sieh!» Juden, Ahn vermutet, daß der Staatsanwalt die fünf jüdischen Geschworenen wegen Befangenheit ablehnen wird. Die Verteidigung Steigers haben die Advokaten Dr/Grck und Dr. Landau übernommen, denen sich wahrscheinlich Senator Dr. Ringel als dritter zugesellen wird. Die Verteidigung beabsichtigt angeblich die Vertagung des Prozesses bis zum Abschluß der Untersuchung gegen* die inzwischen entdeckte ukrainische Terroristenorganisation in Lemberg zu verlangen. Die polnlscli-lüdlschc Verständigung Warschau. (J. T. A.) Die Fraktion der Nationaldcmokralischen Partei hielt im Sejm eine Sitzung ab, in welcher zur Judenfrage festgestellt wurde, daß die Partei ihren anti< jüdischen Kurs beibehält und ihr antisemitisches Programm um kein Haar abzuändern gewillt ist. Damit hat die Fraktion die feierliche Erklärung ihres Mitgliedes, des Ministers Grabßki, anläßlich der polnisch-jüdischen Ausglcichsvcrhandlungcn, wonach die Nationaldcmokratcn die antijüdischc Politik aufgeben, desavouiert.__ Islcrvcntion ia Genl für die rumänischen Juden Richter Julian Mack, der bekannte amerikanische Zionistenführcr, hatte in Genf Besprechungen mit hervorragenden Politikern wegen der Lage der rumänischen Juden. Im Oktober wird in das Komitee der Jüdischen Delegationen in Paris ein ständiger Vertreter des amerikanischen Judentums eintreten. Die Konferenz des Kerca Kaje:ne& in Wien Von Julius Berger. Die K. K. L.-Konferenz, in Wien hat in Herrn Dr. Bacr') einen scharfen Kritiker gefunden. Ich finde diese Kritik in vielen Punkten berechtigt. Ich unterscheide mich von Herrn Dr. Bacr in der Grundauffassung von dem Wesen und der Aufgabe einer solchen Konferenz. Gewiß war die Tagung nicht durchwegs gelungen, gewiß ist das m erster Linie darauf zurückzuführen, daß Veranstalter und Teilnehmer der Konferenz, noch nicht einer Meinung darüber waren, zu welchem Zweck die K. K. L.-Tagung einberufen wurde und welchen Charakter sie zu tragen hat. Dr. Bacr verzeichnet mit Bedauern, daß* die diesjährige Konferenz einen Rückschritt gegenüber den beiden früheren bedeutet. Damah waren es wirklich große Wcltkonferenzcn, die sogar auf Orund eines bestimmten Wahlrechtes ganz, analog dem des Zionistcnkongresses einberufen waren. Auf der ersten dieser Konferenzen hat sich der K. K. L. eine „Konstitution" gegeben. Und Dr. Baer hebt mit besonderer Befriedigung hervor, daß man beschloß, den K. K. L.-Sammlcru auf die Verwendung der Gelder des K. K. L. Einfluß zu geben. Ls ist wahr: die diesmalige Konferenz bedeutet eine radikale Abkehr von die;cr Auffassung und diesem System. Diese Abkehr beruht auf der Frwagung, daß der K. K. L. nichts sein darf wie ein Glied im Gesamtgefüge der Zionistischen Organisation. Fr war auf dem besten Wege, eine Sondcrorgauisation neben der ZionistischcnO rganisatiou zu werden. Und wenn auch die sogenannte Konstitution des K. K. L. bezeichnenderweise in keinem einzigen Lande der Welt wirklieh in Kraft getreten ist, so hat sie doch in vielen Ländern die organisatorische Entwicklung des K. K. L. in einer Weise beeinflußt, die allmählich zu einer Gefahr für die gesamte K. K. L.-Arbcit wurde. Was wollte und was erreichte diese Konstitution? Daß die K. K. L.-Sammlcr sich in einem besonderen Verbände zusammenschlössen, der seine Grundlagen nicht mehr in dem Organisationsstatut der Zionistischen Organisation, sondern in einer besonderen Verfassung des K. K. L. hatte, die entweder von der Wcitkonfercnz' oder der Landeskonferenz des K. K. L., nicht aber von irgendwelchen in dem O.-ganisationsstatut der Zionistischen Organisation vorgesehenen Instanzen beschlossen worden war. So entstand neben der Zionistischen Organisation eine besondere K. K. L.¬ Organisation mit Orts-, Landes- und Wcltkonferenzcn und dazu gehörendem Wahlrecht, Wahlen, ja sogar Wahlprotcstcn, das heißt mit all dem Drum und Dran einer parlamentarischen Organisation, mit Verbands- und Fraktionsrechten usw. usw. Kurzum, es gab zwei Organisationen: die Zionistische und die K. K. L.-Organisation. Und es war nur folgerichtig, daß die einzelnen Glieder dieser Sondcrorgauisation sich für berufen und berechtigt hielten, nicht nur über Fragen der Sammelarbcit des K. K. L. zu urteilen, sondern auch über die Verwendung des gesammelten Geldes. Das heißt, nicht mehr der Kongreß, das A.-C, die Exekutive oder das Direktorium des K. K. L. sollen über Anlage und Verwendung der K. K. L.-Geldcr zu entscheiden haben, sondern mindestens mit gleichem Rechte auch noch die in der zionistischen Verfassung gar nicht vorgesehene Organisation der K. K. L.-Sammlcr. Wie sehr verbreitet diese Auffassung war,^ geht au;» den Beschlüssen hervor, die die deutsche Sammelstelle der Wiener Konferenz unterbreitet, hat. Das waren im wesentlichen Beschlüsse, die sich mit der Tätigkeit des K. K. L. in Lrcz-Isracl befassen, und die nur 7U verstehen sind, wenn man der Auffassung ist, daß . lieben den verfassungsmäßigen Iustanz.cn der Zionistischen'- Organisation und neben den für das Siedlungswcrk in Frez-Isracl berufenen Sachverständigen, die doch ausschließlich untcr propagandistisch-organisatorischen Gesichtspunkten eingesetzten Laudcskommhsioncn Bodenkauf und Siedlungspoiitik des K. K. L. zu beeinflussen haben. Wer einer Landeskonferenz des K. K. L. in Polen, Ostgalizicn oder Ercz- Israel beigewohnt hat, der weiß, daß ganz analog dieser Auffassung man sich dort kaum noch mit Fragen der Propaganda beschäftigte, sondern sich in erbitterten Parteikämpfen über die Frage der Sehehuualh Owdim, der Schularbeit, der Beziehung' des K. K. L. zu den Arbeiterorganisationen usw. zerraufte. Ganz klar und offen erwuchs allmählich eine Tendenz, die dahin ging, dal» ,,wir, die wir das Geld aufbringen, auch über die Gcldverwcilung zu entscheiden haben, und daß, wenn anders enischieden wird, wir auch das Geld nicht mehr aufbringen können''. Muß man erst beweisen, daß dies ein unmöglicher, ein verderblicher Zustand war, der in das beklagenswerte Durcheinander der verschiedenen Sicdlungsinstanz.cn in Urez- Israel noch einen dritten Faktor, den Propagandisten, hineinbrachte? Ganz logischerweisc hatte aber diese Auffassung zur Folge, daß die Beziehungen zwischen der K. K. L.-S.num- .liing und der Zionistischen Organisation immer schwächer wurden. Im Bericht des K. K. L. zum Kongrcli wird bewegliche Klage darüber ■ geführt, daß die Zionistische Oig.uiisatiou dem K.K.L. zu wenig Interesse entgegenbringe. Dieser Mangel an Interesse machte sich besonders bemerkbar in der Zusammensetzung der K. K. L.-Konimissioncii in denjenigen Ländern, wo die. Tendenz der Sclbständigmachuug der K. K. L.-Organisationcn neben der Zionistischen Organisation das stärkste Echo gefunden hatte. Dort wurden die K. K. L.-Kommissionen nur mehr auf Grund des Parteivcrhäitnisses zusammengesetzt. Und entscheidend für die Wahl ist nicht mehr die Fähigkeit, viel Geld aufbringen oder den Sammelapparat gut aufbauen zu können, sondern die Einstellung zur Verwendung der K. K. L.-Geldcr in Frez- Israel. Die selbstverständliche Folge war der furchtbare Rückschritt der K. K. L.«l;inuahmeu t.eit Einfühlung der Konstitution. Wir haben mit diesem System gebrochen, und der Erfolg hat uns recht gegeben. Die K. K. L.-Sammtung stellt wieder im Mittelpunkt des Interesses der zionistischen Verbände und die K. K. L.-Einuahmcn haben sich fast verdreifacht. Darum war es uns klar, daß auch die K. K. L.¬ Konferenz beim Kongresse keineswegs mehr dei: Charakter der früheren „Wcltkonferenzcn" tragen dürfe. Wir waren dabei im engen Einklang mit der Exekutive, die uns wiederholt darauf hinwies, daß die K. K. L.-Koufcreuz uicht< da/u berufen Ist, Beschlüsse zu fassen, die In den Bereich des Kongresses eingreifen, daß sie nichts sein soll und nichts sein kann als eine Arbeitskonferenz. Aus dieser Erwägung heraus wurde die diesmalige Konferenz i'ormlo* einberufen, wurde das ganze Wahlsystem zu dieser Konferenz, wie es in der Konstitution steht, außer acht gelabsen. Wir haben aus der „Wcitkonfercnz" eine Besprechung^ der leitenden Sekretäre und führenden Mitglieder der K. K. L.¬ Kommissionen gemacht, wie das der Kcrcn Hajessed z. B. von Anfang an getan hat. Das alles soll natürlich nicht heißen, daß der K.K.L.- Sammlcr nicht mehr für die Arbeit des K.K.L. in Lrez- Israel, für seine Boden- und Finan/poiiiik intcrcrsicrt werden soll. Im Gegenteil, wir sind der Ansicht, daß das Interesse des Sammlers au unserer Palästina-Arbeit gar nicht lebendig genug sein kann, und wir glauben, daß wir einiges da:u getan haben, um dieses Interesse zu heben. Allerdings haben wir dazu nicht Vcrfassungsbcstiramuiigcn .ur gc- •) Siehe Nr. 66 der „Jüd. Rundschau".