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Jüdische Rundschau · 1925-09-08 · Heft 71 (8.9.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 71 (8.9.1925)
Date
1925-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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_ ^7l,HjU- -^"'{■•stierte daher auch gegen die Erteilung eines Mandates '•itcj *f T " " " ......... axekuti'-^ kc'nc *c'cn*c Aufgabe. Es galt, den Schein einer gc- Präsid v^en Autonomie und Demokratie zu wahren und dabei maclSxh cJie Zügel fest in der eigenen Hand zu behalten, braci^moskus, wo nach dem Friedensschluß für kurze Zeit ein i'alil abhängiges arabisches Reich unter König F c i s u 1 bc- ,ia{ c-'-^nden hatte, erwies sich auch weiter als Sitz arabischer r\\V{-;iul'on' ^c Franzosen errichteten in Syrien eine Reihe ' ^.'rincrer Staaten, denen sie eine gewisse lokale Autonomie . ^.^umten und w0 h»c «'»»ch einheimische Beamte an die w, |L| •:-;u;e stellten, denen freilich stets französische Ratgeber nC1 riechen waren, in deren Hand aber die ganze Macht zentriert blich. Die ersten zwei französischen Hoch- JUEDISOHE. RUNDSCHAU Seite 607 :srcüf litt di :ar.isatk; Der Drusenkrieg in Syrien. Von Joseph Fricdfcld. r| pjc Franzosen standen von Beginn ihrer Tätigkeit als .; I. n£ja*armacht in Syrien einer schui:r!gcn -Aufgabe gegen-?fr Die Bewohner dieses Gebietes zerHeien nach ihrer -riösen Scheidung (wobei Mohammedaner und Christen i':'jjcrum in eine Anzahl Sekten gespalten sind)' in Gruppen, i f sich noch bis vor kurzer Zeit ablehnend oder feindlich i .^'„überstanden. * Diese Absonderung sucht die moderne tionalc arabische Bewegung zu durchbrechen, die zuerst i^tr den/christlichen Arabern in Bcyruth unter dem Einfluß U Berührung mit Europa, insbesondere mit Frankreich, Utand. Ei"c nCUC arabische Literatur blühte auf, moderne hulcn wurden begründet, ein neues Bewußtsein erfüllte die ,Yrcr aller Religionen, die sich auf ihre frühere einheitliche Befangenheit und Kultur zu besinnen begannen und Stolz i:rb$ic empfanden. Die türkische Revolution des Jahres 035 und die Einführung einer demokratischen Verfassung '!^crten die arabische nationale Bewegung, deren Bestreben lintritt Weltkriege auf die Erringung der Unabhängigkeit für;nr ,lrl:,rirn ausging- ^c überwiegende Mehrheit der Syrer pro- -^"'{■•stierte daher auch gegen die Erteilung eines Mandates ^•c' ihr Land an eine europäische Macht So hatte NFrankrjck, 1, Ion c; i^irr.;;. des P; daii o CCS Kr; Ttr.-uf;. Nu und f. rarii!;.i'. um,; Emissäre für Syrien, die Generale Gouraud und Weyinct i-and, die den reaktionär-klerikalen, Parteien in Frankreich und v;, "vc standen, suchten vor allem den christlichen Libanon ■:d seiner Hauptstadt Bcyruth für sich zu gewinnen. Als ' vji den Wahlen im Mai 1924 die Linksparteien in Frankreich * Ruder kamen, berief Hcrriot General Wcygand ab und :■ tindtc sMt seiner General Sarrail, der sich während '■j Weltkrieges ausgezeichnet hatte, den aber seine Sym- VJiien für die Linke und sein Frcidcnkertum in der franischen Armee kalt gestellt hatten. »Sarrail versuchte das rn^r Militärregime, das seine Vorgänger in Syrien einfahrt hatten, zu mildern und vor allem auch die mohemtntda- :k Bevölkerung zu gewinnen. Aber es war gerade unter •3, daß vor wenigen Wochen der ernsteste Aufstand in ■rien ausbrach, der die französische Vorherrschaft in diesem ir.de, wenn auch nicht zu gefährden, so doch zu beunruhigen mochte. Yicl-y*} Neben der mohammedanischen und christlichen Bcvölkc- - aü■ leben in Syrien auch noch die eigenartige Sekte der i iVi lrusen. Ihre Religion wurde im elften Jahrhundert durch I5t Rcligionsstiftcr begriindet, der Elemente des Christcn- |:jns, des Islams und primitiver Kulte miteinander verband. T-6k Anhänger lebten seither in steter Feindschaft mit ''' .j'ohammedanern und Christen und wie immer hat die all- ''^.'""rtneine Verfolgung sie zu einer fest zusammengeschlossenen J,^, :r:d zäh an ihren Traditionen festhaltenden Gruppe gemacht. >4:;c bewohnen in ihrer Mehrzahl das Drusengebirge, den 0_,^ckbel Druse im östlichen Teile des Haurangebirgcs östii von der Hedschasbahn, die von Damaskus nach Medina :'M und zwar östlich von der Stelle, wo bei Dcraa die 'A Haifa kommende Bahn sich mit der Hedschasbahn verödet Das Gebiet der Drusen hat seit dem Jahre 1021 "cn autonomen Staat gebildet unter französischem Mandat 'i unter Leitung eines französischen Ratgebers. Obwohl prünglich vereinbart worden war, daß der Gouverneur _?es Staates ein Druse sein sollte, weigerten sich die Brosen, nach dem Tode des ersten Gouverneurs, wiederum ja Drusen zu ernennen. Die Lage gestaltete sich noch Gieriger unter dem neu ernannten französischen Ratgeber, Kapitän Carbillet, der bisher unter den Senegal- ''&n militärisch-administrative Tätigkeit ausgeübt hatte. Die 'ntitsliebcndcn und kriegerischen Drusen empörten sich £cpen die Methoden des: Kapitäns Carbillct, und als;<!et.;.-!dn::r; M Fr: »nz L' Abse icn ■ eine v Wie\i lung ' Zeit Jw? £ lehn: Und w Itrt;! off: lohn i es r.i:' fein i- Jnj^::!. Nu , Hie letzte Nacht. Sic erinnerte an die Schlußsitzung des . Kongresses in Hamburg. Auch damals das endlose Warten ,.'«ine Einigung im Permancnzausschuß; auch damals die Gewißheit, wie die neue Leitung aussehen wird. Diesmal _Jr es jedoch in zwei Beziehungen anders: erstens wußte! "Jn jetzt, wer die Spitze der neuen Leitung bilden wird zweitens hatte jetzt der Kongreß mehr Selbstgefühl mehr Vertrauen in die Kraft der Bewegung als damals 5r 15 Jahren. In Hamburg waren Bewegung, Organisation . "d Kongreß alles, was wir besaßen, heute ist es anders. ■t-V'tute könnte der Zionismus auch die Sprengung eines Kon- /CSSfs, auch ein langes Provisorium ertragen, ohne in seinen j;!rjndpfcilcrn erschüttert zu werden. Heute haben alle Ziodie unerschütterliche Uebcrzcugung von der Kraft t<;^ Zionismus, von der überragenden Bedeutung seines Werkes das jüdische Volk. Zionismus ist heute nicht mehr reine l' ^laration und Propaganda, er ist quellendes Leben, er ist l^loser Aufbau. Dank diesem Bewußtsein ließ sich die j^ervende, endlose Schlußsitzung ertragen; erregte die Tat- :\;nf. daß man entgegen bisheriger Kbngrcßgcpflogcnhcit i* y Clnanderging, ohne eine Exekutive gewählt zu haben, keine .^'ciflungsstimmung. Man hätte selbstverständlich lieber klare Lösung gesehen als das Provisorium, das zunächst v-/' Monate währen soll und vielleicht, bis zum nächsten V ATrcß dauern kann. Aber schließlich j>agte sich jeder: , nSrcß Un(i Leitung sind sehr viel, jedoch sind sie nicht Hauptsache ist der Aufbau, und der wird fortschreiten, :^ tT fortschreiten muß, mag die Zusammensetzung der; . kKutive schon jetzt feststehen oder erst in einigen Monaten das Aktions-Comite erfolgen. -h dicser Grundstimmung schloß der Kongreß nach Cjchnstündiger, ermüdender Schlußsitzung mit der Absindc«" „Hatikwah", die stehend erfolgte. In Hamburg r' 0uüia.n z ^cs Versuches einiger Sänger über das „Od ■WU" nicht ninaus» <Ja niemand seine seelische Depression •isT-ndcn und »"itsingc" konnte. In Wien jedoch wurde •*J:,cd Ende gesungen und klang wie eine Verheißung ^senstcr. ORferfreudiger Arbeit in der. Zukunft . MQ6LCS ^aldmiaa, dieser auf Urlaub nach Frankreich ging, sandten sie eine Abordnung von 36 ihrer Führer zu General Sarrail, um ihm den einstimmigen Wunsch der Drusen auszudrücken, daß der bisherige "Ratgeber nicht mehr zurückkehren und das Gebiet der Drusen zu einer Einheit mit dem aus den Gebieten von Damaskus und Alcppo geschaffenen syrischrn Staat vereinigt werden solle. General Sarrail empfing aber die Abordnung nicht, deren Führer außerdem noch politischen Verfolgungen ausgesetzt wurden. Bald darauf kam es zu einem offenen Zusammenstoß anläßlich des Bairam festes, als der französische Kommandant die religiösen Versammlungen verbot, da er politische Demonstrationen befürchtete. Auf beiden Seiten wurden mehrere Personen getötet, die Franzosen verhafteten die angesehensten Drusen, das Dorf des Oberhauptes der mächtigen Familie der Atraschi, des Sultan Pascha wurde von FHegern bombardiert, worauf es unter der Führung des Sultan Pascha el Atraschi zu dem offenen Aufstand der Drusen gegen die Franzosen kam. Die Drusen bcjnächtigtcn sich der Stadt Sueida, belagerten in ihrer Zitadelle die tranzösischc Garnison und besiegten mehrere französische Kolonnen,' die zur Entsetzung heranzogen. Dabei eroberten sie eine ^roßc Menge verschiedenen Kriegsmaterials, auch Geschütze und Pan/crautoinobilc. Die Drusen stellen für die Franzosen selbstverständlich keinen ernsten militärischen Gegner vor. Sic zählen an zehntausend Krieger, vorzügliche Reiter und Schützen, die zu dem äußersten Kampfe entschlossen sind, die aber die Technik modernen Kriegsmaterials nicht beherrschen und selbst mit den erbeuteten Geschützen nicht umzugehen wissen. Aber für Frankreich ist es unangenehm, in einem Augenblicke, da es in Marokko in einen kostspieligen und unpopulären Kolonialkrieg verwickelt ist, neue Truppen nach Syrien entsenden zu müssen, insbesondere da die farbigen Truppen, die einen so großen Bestandteil der französischen Armee bilden, in Syrien wie in Marokko versagt haben. Die französische Rechtspresse aber nützt die Erfolge der Drusen zu einem scharfen Angriff gegen General Sarrail aus, dessen demokratische und antiklerikale Neigung ihr seit jeher ein Dorn im Auge gewesen ist. Sollte es den Franzosen nicht gelingen, in den nächsten Wochen Herren des Aufstandes zu werden, so werden die Ende Oktober einsetzenden Regengüsse jede weitere Operation bis in das Frühjahr unmöglich machen. Von größerer Bedeutung aln-r als für Frankreich ist der Drusenaufstand für die Entwicklung iu Syrien selbst. Die Drusen hatten bisher den Mohammedanern und Christen stets Feindschaft gezeigt. Diesmal fühlen tt: sich bewußt als Vorkämpfer des syrischen arabischen Nationalismus und der syrischen Einheit gegen die Einmischung Frankreichs oder anderer europäischer Mächte. Die christlich-arabischen Bewohner des Haurans unter Achla Boy Kutani sind auf ihrer Seite. Entgegen den Gewohnheiten früherer Zeiten schonen die Drusen bei ihren Fcldzügcu jetzt die arabischen Dörfer mit mohammedanischer oder christlicher Bevölkerung. Sic werden auch überall als Freunde und Verbündete empfangen. Vor kurzer Zeit unternahmen sie einen Angriff auf Damaskus, der wohl abgeschlagen wurde, aber es war klar, daß die Sympathien der Bevölkerung von Damaskus und der Führer der Nationalpartei, die daraufhin von den Franzosen verhaftet wurden, auf Seite der Drusen lagen. Wenn sich der Feldzug der Drusen bis in das nächste Frühjahr hinziehen wird, bedeutet dies nicht nur eine Schmälcrung des französischen Prestiges, sondern die Gefahr wächst auch, daß die Syrer in Damaskus und anderen Städten offen an die Seite der Drusen treten werden. Es steht daher zu erwarten, daß die Franzosen in Syrien wie in Marokko die größten Anstrengungen machen werden, um in kurzer Zeit ihre Autorität in-diesen Gebieten wieder fest zu errichten. Pslasliai—Ercz Israel Aus Jerusalem wird gemeldet: Die palästinensisch-arabische Exekutive hat soeben Schritte unternommen, um gegen die Palästinaregierung Beschwerde zu erheben, weil sie auf den amtlichen Drucksorten, Postwertzeichen und sonstigen offiziellen Verlautbarungen auch die Buchstaben Aleph und Jud, die Anfangsbuchstaben der hebräischen Bezeichnung für Palästina, Ercz Israel, gebraucht. Die arabische Exekutive stellt dieses Vorgehen als eine Verletzung des Paragraphen 22 des Palästina mandates hin. Der Paragraph 22 des Palästinamandates lautet: „Englisch, Arabisch und Hebräisch sollen die offiziellen Sprachen Palästinas sein. Alle Erklärungen oder Inschriften in arabischer Sprache auf Marken und Geld in Palästina sollen in hebräischer Sprache wiederholt werden und alle Erklärungen oder Aufschriften in hebräischer Sprache sollen in arabischer Sprache wiederholt werden." Auf welche Weise durch den Gebrauch der hebräischen Bezeichnung ausgerechnet der Paragraph 22 verletzt erscheint, bleibt wohl das Geheimnis der arabischen Exekutive. Jewisb Agecey n&d Krimprcjckl Wie die J. T. A. berichtet, hatte ihr New Yorker Vertreter eine Unterredung mit Louis Mars ha II unmittelbar nach der Annahme der Resolution über die Erweiterung der Jewish Agcncy durch den Wiener ZionLstcnkongrcß. Louis Marshall sagte, er freue sich 6ehr, daß der Zionistcnkongreß die Resolution über die Erweiterung der Jewish Agcncy angenommen hat. Er habe diese Annahme erwartet, er und seine Freunde seien. mit der Form der Resolution zufrieden. Die amerikanischen Nichtzionisten, sagte Herr Louis Marshall weiter, werden ihre Versprechungen erfüllen. Die Jewish Agcncy ist demnach Wirklichkeit. Der 15-Millioncn-DolIar-Drivc des Joint Distribution Committcc, dessen Ertrag der jüdischen Aufbau-- arbeit in Rußland und in anderen europäischen Ländern zugute kommen soll, setzte Marshall fort, wird der zionistischen Arbeit in den Vereinigten Staaten keinen Abbruch tun. Marshall wandte sich dann gegen den Beschluß der amerikanischen Zionisten auf der Konferenz In- Washington, in welchem für die jüdische Kolonisation Palästinas die Priorität gefordert wird; er begründet dies damit, daß es In der Hilf s« tätigkeit kein Monopol geben dürfe. Die Acußcrung, daß der Aufbau Palästinas und die Errichtung des Jüdischen Nationalhcims eine Hilfstätigkeit darstelle, die neben anderen Arten von Hilfstätigkeit rangiere, kann wohl nicht ernst genieint sein. Möglicherweise liegt eine ungenaue Wiedergabe des Gespräches durch die j,T, Werfreier, vox- PoUzeiaus£(±reiiussca (Von unserm Korrespondenten.) A. G. Jerusalem, 25. August 1025. Nach Abschluß der großen Streikwelle, die vor ungefähr fünf Monaten die jüdischen städtischen Zentren in Palästina überflutete, kam es zu gewissen, wenn auch nicht genügenden Verständigungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Von einer grundlegenden Klärung oder gar einem entsprechenden Uchercinkommcn konnte nicht die Rede sein. An bestimmten Forderungen scheiterte ein umfassender Vertrag, der, wenn er auch keine Gesetzeskraft besaß, doch von zwei so mächtigen Kontrahenten unterzeichnet war, daß er eine Arbeit in Ruhe und Sicherheit gewährleistete. Schon in den Verhandlungen der „Fünfzchuerkommission" wurde « klar, daß v:ir erst wieder eine Reihe unerwünschter, wenn, nicht gefährlicher Ereignisse würden durchmachen müssen, bis es zu einer befriedigenden Verständigung kommen könnte. Wir haben uns leider nicht getäuscht. Die Streiks der letzten Wochen beweisen, daß wir noch weit davon entfernt sind, unsere Zuistigkeitni ohne Zwischenfälle auf dem Wege des Schiedsgerichtes auszugleichen. Die letzten Ereignisse in Jaffa und Haifa sind als Streiks betrachtet durchaus nichts ungewöhnliches. Der Streik in. Tcl-Awiw brach aus wegen der alten Fragen der Befugnisse des Arbcitcrratcs im Betrieb und der Ausstand in Haifa begann, als der „Misrachi" (damit ist der Teil der Poalc Misracht zu verstehen, die sich seinerzeit nicht der allgemeinen Arbeiterorganisation angeschlossen haben und zur Zeit Bauarbeiten als Unternehmer übernehmen) eine Zeitlang seinen Arbeitern den Lohn nicht pünktlich zahlte. Beide Fälle bekamen aber ein anderes und bedenkliches Gesicht, als die Unternehmer die Polizei zu Hilfe riefen. So kam es in Tcl-Awiw zur Verhaftung zweier Beamten der allgemeinen Arbeiterorganisation, die im Auftrage des Arbeitsamtes und der Bauarbcitcrorganisation die Arbeitsbedingungen auf de?. Bauplätzen kontrollierten. Trotz aller Mühe und Anstrengungen konnten sie nicht aus der Haft befreit werden. Es wurde für jeden eine Kaution von hundert Pfund verlangt, mit der Bedingung, daß sie sich für „gutes Benehmen"'verbürgen und sich ihrer politischen und organisatorischen Tätigkeit cuthalten. Unter diesen Bedingungen erhielt der Zwischenfall allgemeine und prinzipielle Bedeutung und rief verständlicherweise, eine große Erbitterung unter der Arbeiterschaft hervor. In Haifa erhielten die Dinge ein weit gefährlicheres und ernsteres Ansehen. Der Misrachi hatte nach Beginn des Ausstanden zur Weiterführung der Bauarbeiten Steinhauer aus Jerusalem gebracht. Die Streikposten versuchten sie zum Verlassen des Platzes zu bewegen, als ein Vertreter des „Misrachi" einen Polizisten aufforderte, zu intervenieren. Zuerst lehnte dieser es ab, weil er keine Ruhestörung bemerkte und erst von höherer Stelle kam dann der Befehl zum Einschreiten. Zehn Arbeiter wurden verhaftet, nach landesüblicher Sitte mit Ketten aneinander geschlossen und nach Akko gebracht, wo sie mit den übrigen Gefangenen arbeiten mußten. Nach verschiedenen Einzelfällen weniger wichtiger Art kam es schließlich vor drei Tagen zu einem heftigen Zusammenstoß. Bei einem Gespräch zwischen vorübergehenden Arbeitern und Streikbrechern, bei dem sich eine beträchtliche Menge ansammelte, griff die Polizei, wie von verschiedenen Seiten berichtet wird, ohne vorherige Warnung ein. Die arabische Polizei und die irländischen Hiifstruppen unter Beteiligung der Offiziere feilten Hiebe aus und warfen mit Steinen. Die Schlägerei breitete sich über die umliegenden Straßen aus, es gab zahlreiche Verhaftete, die zur Zeit des Ereignisses überhaupt nicht an Ort und Stelle waren und eine Menge von Verwundeten. Die palästinensische Presse bringt eine Menge wahrhaft erschreckender Einzelheiten. Unterdessen hat man die zehn verhafteten Steinhauer zu acht Tagen Haft und einer Geldstrafe von t1': AI pro Kopf verurteilt, die Jaffacr Gefangenen Ins Gefängnis nach Jerusalem transportiert. Die Erregung, die sich zuerst nur in den Arbeiterkreisen bemerkbar machte, hat sich seit den letzten skandalösen Uebcrfällen der Polizei in Haifa der ganzen Bc-. völkerung der betroffenen Stadt mitgeteilt. Die Arbeiterschaft hält Protcstvcrsammlungcn ab und setzt alle Hebel in Bewegung, um den Gefangenen zu Hilfe zu kommen und eine Untersuchung der Vorfälle einzuleiten. Man hat sich bereits an die Trade Unions und die Internationale gewandt. Auch Coloncl Kisch, als Vertreter der Palästina-Exekutive hat sofort nach Ijondon berichtet. Wie man schon in der palästinensischen Presse bemerkt hat, steckt in diesen letzten Ereignissen eine große Gefahr. Wir sind höchlich daran interessiert, unsere inneren Angelegenheiten selbst zu regeln und nicht noch selbst — wie das in beiden Fällen geschehen ist — die englische Polizei in unsere Konflikte — welcher Art sie auch sein mögen — hineinzuziehen. Und wir sehen, daß bestimmte Kreise in Palästina solche Gelegenheiten nur zu gerne für ihre besonderen, durchaus nicht judenfreundlichen Zwecke' benutzen. Denn es muß jedem, auch dem naivsten auffallen, daß die Uebergriffc der Polizei gerade jetzt geschehen sind, wo sie ein so bequemes Beweismittel für den Charakter und die Art der zionistischen Bewegung bieten. Augenblicklich ist eines wichtig: Der ganze jischuw muß vereint darauf dringen, daß die Vorfälle £cnau untersucht und die Schuldigen entsprechend bestraft werden. Wir müssen weiterhin daraus die Konsequenz ziehen, daß jede Schlichtung unserer inneren Angelegenheiten durch äußere fremde Machtmittel für uns nichts als Gefahren bringer. kann. Die Kompetenz in allen Fragen des jüdischen Lebens im Lande liegt in den Instanzen des Jischuw selbst. Wir sollen jede Einmischung von außen ablehnen, geschweige denn, sich von selbst ihrer bedienen. Wdzmani bei Herbert Samuel Wien. itJ.T.A.) Auf dem Wege nach dem K'arasee stattete Dr. Chaim Weizmann dem in Igls, Tirol, weilenden Herbert Samuel einen Besuch ab. N'ahum Sokolow begab sich von Wien nach Basel, um der Sitzung des Komitees für das Judaistische Institut beizuwohnen. Paris. (J.T.A.) Der internationale Sozialistenkongrcß in Marseille hat beschlossen, die vor kurzem in Wien vollzogene Vereinigung der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei „Poale Zion" mit der zionistisch-sozialistischer. Partei „Zeire Zion" zu begrüßen und im Hinblick auf diese Vereinigung die Stimmenzahl der Poalc Ztor. in der Exekutiv« von 3 auf 4, im Kongreß von 6 auf S zu o fafihea*

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