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Jüdische Rundschau · 1925-09-08 · Heft 71 (8.9.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 71 (8.9.1925)
Date
1925-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 606 -JUEDISCHE RUNDSCHAU" Die Siliaig des AklloM-Comm»6s v -Wie' wir schon in der vorigen Nummer kurz berichtet habeir,; fand nach Schluß des Kongresses in Wien, am ,31, August eine Sitzung des neugcwähltcn Aktions-Comitcs Matt, die »ich vornehmlich mit den erforderlichen Neuwahlen.-befaßte. Es wurde ein neues Präsidium, bestehend aus Herrn Motzkin als Vorsitzenden und den Herren Kaplan, Farbstein, Lcwitc und Dr. Wi.sc als stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Dem bisherigen Vorsitzenden, Herrn Obcr.abbincr Ghaics, wurde für seine vorbildliche Ocschätefiihrung der Dank des Aktions-Comitcs ini: gesprochen.- Ucbcrdics wurden folgende Wahlen vorgenommen: an Stelle der statutenmäßig zurücktretenden sechs Direktoren des Kcrcn Kajcmcth Lcjisracl wurden folgende Herren gewählt: Ussischkin, WiJkansky, B. Kaz.- nclson, Schocken, Dr. Hantke, Rabbi Meir Jic.rlin.. In die Kommission zur Behandlung des Vorschlages über eine Anleihe von Palästina wurden folgende Herren gewählt: Dr. Ruppin (Vorsitzender), Dr. Arlosoroff, J. Naiditsch, Dr. M. Ringel, Dr. G. H'alpcrn, Dr. V. Jacobson, Bernhard A. Rosenblatt; überdies wurde ein Komitee bestehend aus den . Herren J. Co wen, Dr. Klee, Johann Krcmwcntzky, '•Leo Motzkin, Dr. Plaschkes, Dr. Isidor Schallt und D, Y eil in gewählt, das sich mit der Angelegenheit derUcberführungdcrGcbeiricTheodorHerzls nach Palästina befassen soll. Hiticbdulb, Misrachi und die nenzubildeide Exekutive Wien. (J.T. A.) Vor der Beschlußfassung des Kongresses über die Bildung der neuen Exekutive hatten die Fraktionen der Hitachduth und des Misrachi erklärt, fich an der Neubildung der Exekutive nicht beteiligen zu wollen. Angesichts der neuen Situation, wo die Wahl der Exekutive durch das Akttons-Comitc zu ertolgcn hat, werden die erwähnten Parteien — so wird in unterrichteten Stellen angenommen — ihre Beschlüsse einer Revision unterziehen. — Wir ^eben diese J. T. A.-Mcldung, deren Richtigkeit wir bezweifeln, nur unter Vorbehalt wieder. Red. Koilcrenz der üitacbdulb Wien. (J.T.A.) Die vierte Wcitkonfercn* der zionistischen Arbeiterpartei Hilachduth, die bei Beginn des Zionistenkongrcsscs unterbrochen und nach Schluß des Kongresses wieder aufgenommen worden ist, nahm eine Resolution an, in welcher die Notwendigkeit einer systematischen Aufklärungsarbeit in der internationalen Arbeiterbewegung betont, und den Lnndcsorganisntioncn die Frage der vorzunehmenden Schritte für den Anschluß an die sozialistische Internationale zur Diskussion empfohlen wird. — In das 'Zentralbüro der Hitachduth wurden gewählt: Arlosoroff, Borowoj. Efter, Fricdland, Dr; Hellmann, Kar)Iah, Katznelson, Ada Fischman und Sprinz n k. Die Koaleresz des Weltheebaluz Wien. (J.T. A.) Auf der dieser Tage in Wien abgehaltenen Konferenz des Welthcchaluz waren die folgenden Landesverbände vertreten: Polen,Galizienv Rumänien, Litauen, .Lettland, Deutschland, Tschechoslowakei und Oesterreich. .■Diebeiden Chalu/organisätioneu Rußlands hatten aus technischen Gründen keinen Delegierten entsenden' können. Im Namen des Zenlralbüros erstattete Bogdanowsky den Bericht über die abgelaufene Periode, dem zu entnehmen ist; daß sich seit der Danzigcr Konferenz (September 1024) die Bewegung in unvorhergesehenem Maße in allen Ländern ausgedehnt habe. Die Verbindung mit dem „Brith Hanoar" der über .10 000 Mitglieder umfaßt, wurde hergestellt. Bei seiner praktischen Arbeit fand das Zcntralbüro finanzielle Unterstützung seitens des Joint und der Wclthilfskonfcrcnz. ßankower (Polen) berichtet, daß seit September 1924 der polnische Hcehaiuz von 8000 auf 13 600 Mitglieder angewachsen ist, davon sind 30 <y0 Mädchen. Es bestehen I/o Ortsgruppen. Tuchmann (Galizicn) teilt mit, daß der galizische Hcehaiuz 3100 Mitglieder zählt, davon J/3 Mädchen.' G l an z (Rumänien) berichtet, daß der dortige Hcehaiuz 25 Ortsgruppen und Kwuzoth mit 750 Mitgliedern zählt. Ascher (Deutschland) teilt mit: Der deutsche Hcehaiuz zählt 1003 Mitglieder gegen 604 im März 1921. .26,<>/o sind Mädchen. 4S6 Mitglieder stehen in landwirtschaftlicher Ausbildung. Es gibt 50 Ortsgruppen und Kwu- /otfi. Die eigene Lehrfarm Halbe entwickelt sich sehr gut und erhält sich selbst. Das Getreide wurde von der Deutschen Landwirtschaftsgcsellschaft als Muttersaalgut anerkannt. Die Hühnerzuclitfarm Schildorf ist eine der größten deutschen Zuchtfarmen; Die Tischlerei in Magdeburg erhalt sich• fast selbst. Neu geschaffen wurden nnc Maurerfcwuzah und eine Bctonarbeiterkwuznh. Leo Kaufmann (Oesterreich) teilt mit: Der österreichische Hcehaiuz hat sich Jrit September 1921 von 160 auf 703 Mitglieder, erweitert davon sind 39S Landwirte. JWitnutzky (Litauen): Der litauische Chaluz zählt 818 Chawenm, davon 45 Jo Chaluzoth. Fischer (Tschechoslowakei) :berichtet, daß sich der tschechische' Chaluz von 160 im vergangenen Jahre auf 420 vermehrt habe. 1 Mesbek und Zion €omm<«weilth '. Vom 25. bis 30. "August 1925 fand in Wien eine Konferenz der Vertreter der „American Z1011 Cointnonwral Ii Inc" und dos „Mcshck, Palcstinc Building Company Ltd." statt. Die Konferenz befaßte sich mit einer Reihe wichtiger Probleme, die mit der großen, stetig steigenden Alijah der letzten Zeit und den komplizierten Kolonisationsverhaltnissen ZMaE?,wu1rdcnrbesprochen: die Notwendigkeit der Verbesserung der Geschäftsverbindungen zwischen Gallith und Palästina; die Notwendigkeit, die Bodenspekulation durch Konzentricrung sämtlicher Bodengeschäftc in den Händen eines starken mit dem Kcren Kojemcth Lejisrael und mit der Zionistischen Organisation zusammenarbeitenden Instituts zu bekämpfen; die Notwendigkeit, die Gewährung von kurz- und langfristigen Krediten für die Landwirtschaft m Palästina sicherzustellen; die Notwendigkeit, ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Privatinitiative und denen der Nation herzustellen; — schließlich die Notwendigkeit, die ungeregelt vor sich gehende Immigration nach Palästina rationell zu organisieren und für.die Kapitalien der Immigranten eine zweckmäßige produktive Verwendung zu schaffen. Auf Grund der wirtschaftlichen Erfahrungen, die die beiden Gesellschaften in Palästina gesammelt haben, hat die Konferenz einen Plan der gemeinsamen Tätigkeit entworfen, die zur Lösung der genannten Probleme beitragen soll. Der Plan geht aus folgenden Hauptbeschlüsscn klar hervor: . 1. Die beiden Gesellschaften vereinigen ihre Tätigkeit und bilden eine gemeinsame Körperschaft, die die Aufgabe hat, Boden in Palästina zu erweibcn, dessen Amclioration vorzunehmen, ihn zu bebauen und den amcliöricrten und bebauten Boden für Siedlungs/.wccke zu verkaufen. Die neu zu gründende Körperschaft "unterwirft sich freiwillig der Beschränkung, bei der. Zahlung der. Dividende an die Aktionäre nicht über S p> jährlich hinauszugehen; alle übrigen Reingewinne und Reservefonds der Gesellschaft stehen nicht zur Verfügung der Teilhaber, sondern müssen vielmehr als Gemeingut angesehen und für Zwecke der jüdischen Kolonisation in Palästina verwendet werden. Im Falle der Liquidation der genannten Körperschaft gelangen die Reservefonds jn Verwaltung eines besonderen Komitcs, das mit der Beteiligung der Zionistischen Organisation zu bilden sein wird. 2. Die Gesellschaften „American Zion Commonwealth" in Amerika und „Mcshck" iri Europa Werden zu einem Netz von Kommissionsagenturen für die neue Körperschaft' ausgebaut. 3. Wie man aus Erfahrung weiß, sind die bisher vorgesehenen Maßnahmen vergeblich, falls nicht gleichzeitig für ein; Finanzinstitut gesorgt wird, das'die Beschaffung von Krediten befriedigend regeln.'kann; Die..beiden Gesellschaften gründen deshalb die „Palcstinc Farmer Bank", die der Landwirtschaft Palästinas kurz- und langfristige Kredite gewähren soll. Die „Palcstinc Farmer Bank'"' wird mit einem Gesamtkapital von E.£ 105.000 'gegründet und soll teilweise nach dem Typus einer 1 lypothckcnbank, teilweise nach Muster einer Genossenschaftsbank aufgebaut werden. Jeder Siedler soll ein Teilhaber der Bank werden, wobei ihm das Recht gewährt wird, Kredite zu erhalten. Die Gewinne der Aktionäre dürfen nicht über S 0/0 jährlich hinausgehen, die Reservefonds sollen für nationale Zwecke der Kolonisation verwendet werden. Eine Knndgebong derVereinignncj radikaler Zioolsten Herr Dr. Max Solowcitschik ersucht uns um Aufnahme nachstehenden Koinnvmirjucs: . „Unmittelbar nach Schluß des Kongresses traten .die Delegierten, die der radikalen Fraktion angehören, zu einer Besprechung über die Ergebnisse des Kongresses zusammen und beschlossen einstimmig, folgende Erklärung in ihrem Namen der Ocffcntlichkcit übergeben: Der Verlauf und insbesondere" der Ausgang des Kon-rr .... :n mit erschreckender Deutlichkeit bewiesen, wie tV ■ gegenwärtige System der, zionistischen Politik die Orfa-j.'., bereits zerrüttet hat. Der Kongreß war nicht in cier V''- den Hauptzweck seiner Einberufung zu erfüllen un<f';i Exekutive'zu wählen. Die Ursache dieses fjr die z-ff der Bewegung außerordentlich gefährlichen Ausg.m*.,"",? nach unserer Ucbcrzeugung in zwei Momenten.'?T^^ der Unzufriedenheit des überwiegenden Teiles des k'r^V * mit der äußeren Politik der Präsidenten Wcizmann v,-lp/ kolow und sodann in -der Beziehung des Präsidenten'VS; mann zum Kongreß. Die Unzufriedenheit mit dem politischen System k3, der Abstimmung über das Absolutoriutn zum Ausdruck der sich nicht einmal die Hälfte der Kongrcßdelegicrt^' schließen konnte, ihr Vertrauen zur Politik des |>f Welzmann zu bekunden. Nur unter d**m Drucke identen Wci/ntini. und seinem drohenden Hinweis, Die ■■ ■ ndata;'; rr. 1 1 i-iösc1 -denn' 1 f r SiCh i -rsefüb, .' | .uionalc I ner de, *:r Ber. f ^und?' ilf.i |„cr;1l Nichtannahme seiner Bedingungen zur Sprengung -1vergang-' gresses führen müßte, kam die zweite sogenannte Vertr?. fr sie resolution zustande. Diese Unzufriedenheit mit drr |y des Präsidenten Wcizmann ließ wichtige Teile des Kon-ri. vor der Ucbemahme der Mitverantwortung durch Eintnt; die neue Exekutive zurückschrecken. Die ultimative 1 diktatorische Form, in der Präsident Wcizmann die Pip," des Kongresses und den Permanenzausschuß behandelte gipfelnd in seiner sachlich durch nichts begründeten Ab im entscheidenden Moment vor der Wahl der Excki-: unter Zurücklasjung einer Liste, deren Annahme Präs'r Wcizmann ohne Begründung ultimativ forderte - mZ eine Beilegung dieser Schwierigkeiten unmöglich und hr«: den Kongreß zu der fatalen Notwendigkeit, die Wahl Exekutive dem Aktions-Contltcc zu überlassen. Damit hi: Kongreß auf das Wesentlichste seiner Rechte diesmal > ziehten müssen und einen gefährlichen Präzcdcrufali schaffen. Die Vereinigung der radikalen Ziomstcn erklärt schon daß eine vom Aktions-Cv>mitG eingesetzte Exekutive nicht" ml vniertet •in ^'el y.rien a •«♦irrte '.'her ihr -L;di kc bissen;ocr* dr furnaski . -abliän , '.-..ir.den ' .^itatioi, inercr/1 /:nraumt •pit/c? -i^ge? rc/entr1 ommiss •and, ■:Mc st:: isgang des Kongresses bedeutet i-|4h da Fiasko der zionistischen Bewegung, sondern cm Fiasko .^.^ ßucj 5andt< Autorität einer vom Kongreß gewählten haben kann u»d'..j* visorischen Charakter tragen muß. Die Vereinigung radü-i Zionistcn wird mit vcrdoiTpeltcr Energie den Kampf u^fe Wahrung der fundamentalen zionistischen Prinzipien in <■& Politik und den Schutz der Rechte des Kongresses und I allem um die Erhaltung der Organisation forfxpt/en. Der imghickllche Au: 1 i...iko der zionistischen i«»^uiif;i »uhwuh i........ , gegenwärtig vom Präsidenten Wcizmann repräscnticrtrn tischen Systems, Die Auflehnung des Kongresses gc^cn'c'lf "risa^ System und die Haltung des Präsidenten Wcizmann "ist $ . Anzeichen einer beginnenden Erneuerung der Bcwcrnin,;. f|p!hicn diese gilt es jetzt zu kämpfen und durcii Aufklärung <!cr t sl^olicr testen zionistischen Öffentlichkeit für eine durchgreifende trenge derung des Systems der zionistischen Politik Sorge zu ir:;^ :fführi1 h\it einer Politik, die nur durch eine erzwungene Kund!jcr-?v,che R des Kongresses gedeckt ist, will Präsident Wcizmann?c -s» :.m d3 Weg weiter gehen, der notwendig zum Verderben frv:$w muß. Dies zu verhindern, die zionistischen Massen übcri*'/'^' drohenden Gefahren aufzuklären, dahin zu wirken, da3;|^ndc'^ positive zionistische Aufbauarbeit in Ercz Israel durch cfivcrra™,"1 Ausgang des Kongresses keinerlei Schaden erleidet, \icir | N'c"i>'. mit unverminderter Energie fortgesetzt wird und vor al.frjng lel für die Einsetzung einer von wahrhaften zionistischen!': zipien geleiteten zionistischen Exekutive zu kämpfen, ist entscheidende Aufgabe der Stunde." Drus e , 'inen R< tun», dt Seine A Molnmrr :cmcine ■;-ä räh >ie bew r>.flirl)cl , "di von;rht un> von Mai :-.det. Iir einer'weiteren Besprechung, an der auch Delegierte?: nahmen, die am Kongreß anderen Gruppen angehört habwurde der Beschluß gefaßt, sich als Vereinigung ml.k- Zion.'stcn zu konstituieren. Au der Spitze dieser Vereinigung kteht ein Zen:i..lk(i:;i: in das eine jede Laudcsgruppc ihren Vertreter cirsendet.: Augenblick gehören dem Zentralkomitee folgende Herrin: Für Deutschland: Dr. Solowcitschik und Dr. Ooldiri für Oesterreich: Oberbaurat Robert Stricker und Dr. VI mann; für Palästina: Dr. Glüeksohn, Podlischcwski und I-f'inen au soff; für Polen: •Grünbaum, Dr. Klumel und Dr. Sclurrfruni für Rumänicnj Dr.. Mizrachy; für die Tschechoslowakei: i|-«prün« Margulics. 6^ c In den einzelnen Ländern werden Landcskomitces " radikalen Vereinigung gebildet werden, die Zentrale, unter I " ^l tung von Dr. Solowcitschik, wird ihren Sitz m Berlin Es wurde beschlossen, sofort durch die Presse und iw Vcrsamjnlungcn die aufklärende Arbeit in Angriff zu nc;r und vor allem' die lehren des XIV. Zionistcnkongre^ wie sie die radikale Vereinigung auffaßt, öffentlich klammen D. chwierif itm Ka; "f?crn r •'rriheitsli ZV j - Nachlese ..; Wien, September, nach dem Kongreß.' ,.,. Während des Kongresses kam einem alles selbstverständlich, vor: der ungeheure Saal des Konzerthauses, das Gedränge im. riesigen Foyer, die verschiedenen Gesichter aus allen Enden der Welt, das gewaltige Podium mit der unübersehbaren Menge von Charakterköpfen. Einige Stunden nach Kongreßschluß . ward man dessen inne, daß man Einzigartiges, in dieser. Form und Zusammensetzung Unwiederbringliches, erlebt hat. Auf tausend Wegen und vcrschlungcnstcn Pfaden waren die Elemente zusammengeströmt, um sich ins Meer des Kongresses zu ergießen. Die Staumauern des Kcngrcßjniercs .sind durchbrochen, die einzelnen Partikel haben sich wieder nach allen Richtungen ergossen — in abermals zwei Jahren,, i an anderer Stelle, in anderem ' Rahmen, wird ein a cuer .Kongreß werden; der XIV. ist dahin. Protokolle und. Beschlüsse sind der Niederschlag eines brausenden, pulsierenden Lebens. * •.»In der Eröffnungssitzung schmeichelte es jedem Teilnehmer, daß im ersten Rang die Vertreter der wichtigsten Staaten des Erdenrunds als Gäste des jüdischen Volkes Zeugen des Kongrcß-Andantc waren. Der stürmische Beifall, mit?,cü?f.^.c Begrüßung des englischen, amerikanischen, französischcn-und tschechoslowakischen Gesandten begleitet wurde, bewies, daß das .jüdische Volk weiß, * welchen Nationen es insbesondere zu Dank verpflichtet ist. In dieser Beifalls- Stimmung übersah man zunächst, daß der britische Vertreter c« unterlassen hatte, den Kongreß im Namen seiner Regierung cu begrüßen. Nach der Eröffnungssitzung erinnert man sich tfartA.v.Wir.*es Absicht?. Abgemachte Sache? Etwa Rücksichtnahme auf die Araber? Ein neues. Symptom .allmählicher Entfremdung . .;? Das konnte es nicht sein; der englisch« Vertreter' wurde ostentativ und mit Selbstverständlichkeit als erster und am stürmischesten begrüßt. Ein höherer Beamter 'ivär britischen Gesandtschaft stattete Wdzmann-in dessen Hotel eiiren- Besuch ab. Immerhin, das Fehlen einer britischen ^nunziation veratinmte. Der Kongreß brachte keine Sensationen und hatte keine Höhepunkte. Er war die Tagung eines nüchternen Parlaments zur Erledigung der aufgelaufenen Angelegenheiten. Hat er sie auch erledigt . . .? Nein! Er hat lediglich, die bestehenden Probleme zur Kenntnis genommen, ist einigen ausgewichen, hat für einige cjne provisorische Klclstcrung gefunden und sich im übrigen vertagt. Das Plenum ist nicht fertig geworden. Der Hauptaussclniß. — Aktions-Comite" genannt — soll in Beschaulichkeit Antwort auf die verschiedenen Fragen geben. Durch diesen Entschluß hat der Kongreß dargebn, daß er nicht imstande ist, klare Lösungen zu geben. Die Antithese: Kongreß-Leitung ist noch , nicht scharf genug formuliert gewesen, um den Ucbcrgang zur Synthese zu finden. Sicherlich gab es diesen-Gegensatz zwischen Präsident der Organisation unddem Kongreß der Zionistcn. Diese Faktoren standen gegeneinander und hatten doch das Gefühl, daß sie ohne einander unvollkommen sind. Zwei Machte, nahezu selbständig in ihrem Gehaben, maßen ihre Kräfte. Es kam zu keiner Entscheidung, ... Der XV. Kongreß kann stürmisch werden. < * ' . Fast jeder Kongreß hatte Momcrite, die sich durch ihren Ernst, ihren Schwung, ihre' Feicrlicheit oder ihre Größe unauslöschlich in die Erinnerung der Teilnehmer eingruben. Brachte auch der. XIV. Kongreß derartige Augenblicke? Eigentlich nicht. Er hatte keine Sensationen. Höchstens Spannungen. Diese wurden dreimal erregt: als Jabotinsky peinc große oratorischc Lcisfung vollbrachte; aU das Absolutorium für die Leitung nicht einmal die Hälfte der Stimmen der gewählten -Delegierten, erhielt und-als. Wcizmann -tags darauf den Rücktritt der. Leitung bekannt gah, Jabotinskys Rede kam unerwartet, nicht In ihrem Inhalte der war bekannt und bot nichts Bezwingendes — sondern in ihrer Form. Und darum erzeugte sie Spannung. Man lauschte dieser leidenschaftlichen, nur .mit größter Anstrengung m der Form gebändigten Darlegung yon Gedankengängen, die logisch ancinandcrgekcttct, ästhetischen Ocnuß boten, sofern man für die Dauer dieser Rede daran vergaß, daß Politik jm allgemeinen Kunst des Möglichen und jüdische Politik überdies nur Ausfluß von Gerechtigkeit und fcrtlgkcit sein kann. Das Ergebnis der Abstimmung über die Vertraue überraschte: im Permanenzausschuß hatten die Arith mit dem Bleistift in ■ der Hand ein Resultat errechnet. <• noch gerade genügt hätte, die traditionelle Rücktrittserk;.:'- der Exekutive zu verhindern. Bei der Abstimmung stc!'^ sich aber heraus, daß außer Misrachi und Hitachduth, d.: Saale blieben und sich der Stimme enthielten, au:h c;' kleinere Gruppen unvorhcrgcschcncrwcisc den bessere:- der Tapferkeit erwählten: sie hatten sich einfach absei-'" Im ersten Augenblick schien es eigentlich nicht garr \ was vor sich gegangen war. 136 Stimmen für das torium, 17 Stimmen dagegen. Unter den Abstimme!-.;:?" " eine erdrückende Mehrheit für Wcizmann und nur ci-.t '-' schwindende Zahl von offenen Ocgnern . . . ^'fK' Oegner und wieviele Freunde der Leitung bifnncie: ••■ jedoch unter denen, die sich nicht an der Abstimm^i; : teiligt haben. Die Antwort darauf war schwer . . Da erhob sich Wcizmann und gab, ohne; langer Uebcrlegung gehabt zu haben, eine trVUr-^ 1deren Formulierung bewies, daß er Meister und gcN-rr- Führer ist. Er sagte In seiner lässigen, stolze:! v.ni u haltencn Art: „Ich habe die Abstimmung beobachtet: verstehe sie zu werten; ich danke denjenigen, cie of:- gegen mich gestimmt haben . . Schneidernden llf"n; die Dissidenten, für die Unentschlossenen konnte es gegen mich gestimmt haben..Schneidenderen I foiwi '• RücktritUcrKlärung. Mäuschenstille im riesigen Saal, i-3"^; ruhig verüest'Wcizmann die Erklärung der Exekutive. der.Reihe/nach die Namen aller auf dem Kongreß anwesend Mitglieder' der Leitung. Nach der Verlesung, pcitiikhc?, legencs Schweigen. Eine Art Lähmung. .Der. Versitz" erhebt sieli, teilt mit, daß"der Kongreß die Rücktrittscrk^' ,;zur Kenntnis genommen habe" (diese ungeschickte ror " Ucrung wurde dann widerrufen) und schloß die Sitzung. " trst in den Gangen und in Jcr großen Halle Sc* man Fassung und Sprache wieder. Und dann wirbelte 1 lief alles durcheinander wie in einem Ameisciihiufcn t Die | :X Kony £ v:f eine ¥ ''"-gewiß I " ■■ jei; \ -nd zw, ' l '-'"0 mch *■''<•«■ 15 j {;-d Kor. kc |V7 J ^^"dn1 ";.iervc:;^hr. d '';'-ri:ian( '>rneeif r:;'f klar c.^i Mo Kr'r'greß ^ngreß H, fr ^-'^kutiv. VJ?ch da Danl v"h/chn'?-ng d< mai * owdu* «berwinc d« I.icd; ^tschloi

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