Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JtJEOIS'CHE RUNDSCHAU Seite 583 £Ifie Sitzung \ Djc„staff, 25. August, nachmittags. j „an (Palästinensische Landsmannschaft), erklärt, man t ^.„möglich die wirtschaftlichen Fraßen von den po- , trennen. I>ic wichtigste politische Frage ist ,c." Verhältnisses z u den Arabern. Wir müssen . ekutive haben, die in methodischer Weise die bc-; , i'ordcningcn des Kongresses zur Verwirklichung :i-c,\n der Spitze vieler wichtiger Ressorts stehen Mcn- "''die von vornherein nicht jenes Verständnis und rc,in tni ssc mitbringen, die für ihre verant- 1 ,T<;V0IIc Arbeit notwendig wären. In Palästina wie : öaluth besteht eine Verbitterung gegen die;''t'unff- Redner polcmcsicrt des weiteren gegen Ben i.'.jOl'.;;'-lrjcke r (Wien) erklärt über die Ursachen seines ] ^.(lfS;,ls Vizepräsident des AC.: Ich bin zurückgetreten, ■i die Tendenz der systematischen Vernichtung der Zioni- * V-n Organisation einerseits von der Exekutive in jeder r'!%ctorTlcit, andererseits vom AC. widerspruchslos! Iniiimen wurde. Die Tendenz, eine leerlaufende über- X~% Maschine zu demonstrieren, war klar. Ich möchte "'-cscr Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß, wenn 't Kongreß keine Acnderung schafft, die Zionistische Oriiion Verschwinden und an ihre Stelle zwei Büro- ■ .'.'jcn treten werden, die des Kcrcn Hajcssod und i Kcrcn Ka j c m et h. i Has Universitätskomitee hat beschlossen, dali die 5j;0'rsClni!ig grundsätzlich ausgeschlossen ist. Ich crj c> für c i n e S c h in ach, w e u n m an ei n -. -< c Ii« « g s i n s t i t u t in seiner Freiheit b c - [.rankt. Wenn dieser Kongrell Leben hätte, wäre es '.-lieh, daß niemand auf der Rede von Stephan Wise c"rt hätte. Es wurde festgestellt, daß das K r i in p r o j e k t . v '„ x 6 ß t e, s e h ä r f s t e Attentat auf den Z i -;!;nuis ist. Es hat nicht den Zweck, den Juden zu '!■■'.», sondern die Zionistische Organisation und damit Eng-;:!':'u treffen. In der AC.-Sitzung wurde die üefahr dieses i"':ktcs einhellig festgestellt. Man ist aber zu "dem Bcgekommen, über die Sache nicht zu sprechen, : '-x Beschlüsse, dein ich mich natürlich nicht gefügt habe j c in ich mich auc h nicht f ü gen werde. Wenn '..-Kongreß zu dieser Tatsache keine Stellung nehmen wird, jr:' Sic darauf verzichtet haben, daß die Zionistische . - a n i s a t i o n Repräsentant des jüdische n , "Los ist. Als Lcvitc vor einem Jahr die Unvorsichtigluriiig, in einein Interview zu sagen, die Herren in; :iu hätten uns T) Millionen l>ollar zugesagt, kam sofort " ilaniiiHMule Berichtigung von Mars ha 11: „Wir haben : /njesagl und werden nie etwas zusagen. Zwischen uns ': nicht von ücld gesprochen werden." Aber es braucht :in Ajjcnt von Trotzki zu kommen, und da redet •aber "Geld und verpflichtet sich zu 15 Millionen Dollar, vjent Weizmann hat Euch viele Illusionen geraubt. Er ic Illusionen uns genommen, nur die eine, die Erweiterung •jewish Agency nach seinem Programm, nicht. Aber das c i ii c Illusion mehr, sondern eine Fiktion. : verfolgen die Tendenz, sich mit dem Wort „wir brauchen .jmaiui, wir müssen tun, was er will", von der Verzollung zu entlasten. Der Kongreß aber hat die Veraut- : :;:ni£ vor der Weltgeschichte. i Rabbi U z i c 1 (Palästina) beklagt es. daß auf dem Kon-!: c 11 so wenig hebräisch gesproche u w i r d. Der . tische Arbeit ist in eine Periode der Konkretisierung (und es ist Pflicht der Zionistischen Organisation, nötige Budget sicherzustellen. Sic werden in c h r v o n s t i n a empfangen, a 1 s* S i c dem Lahde gebe n.; -::c: proklamiert die religiösen Forderungen der gesetzes-; .;c:i palästinensischen Juden'. Alles, was im Lande geschieht, ->e im Geiste der T h ü r a geschehen. Von der Man- '":;;nachl müssen wir verlangen, daß sie die übernommen V c r p f 1 i e h t u n g e n e r f ü 111. * , Der Kongreß beschließt, den Schluß der Gcncral-;''atte Unterstreichung aller angemeldeten Redner. Nur die 'caten sollen noch antworten. : Den Vorsitz übernimmt R e m c z (Poalc Zion). der das :.Wükansky erteilt. ■ *y i 1 k a n s k y (Palästina) spricht in Vertretung der laud- :'^Utftlichcn Plankommission. Ich will in meinen gegen ■\in gerichteten Ausführungen nicht in kleinen Dc-; eingehen. Palästina zerfällt in natürliche Zonen. Der Iiat /. B. eine Regenmenge von 20U mm, und dort ., '"in anderer Anbau als der ^-on Gerste ni ö g 1 i c h. ' l-hene Schcfclah und Schomrom, in Ober-;: n t e r g a I i I ä a sind schwere Böden. Dort ist nur An- >■;0ii Gerste, Weizen und Futter möglich. SO Prozent teilen Hodens sind nur für Getreide- und Futterbau gc- ' ■' hesonders in unserem Besitz befindlicher Coden ist Ansicht nach nicht in G cm ü s e lan d zu verf:;uC 1 n. Die Landwirtschaftliche Plankommission kann ' ' luf spekulativem Wege Resultate er-; ■ sondern muß sich auf Erfahrungen stützen, y wir den Weltmarkt, dann brauchen wir Monopol- :i.!te, und von solchen haben wir mir die Orangen. Gemüse ist Aegypten im Vorteil, da es nicht nur ■ sondern auch Wasser hat und keinen V .''Cr braucht. Die gemischte Wirtschaft ist nicht 'iserent Streben nach Autarkie diktiert, sondern sie ist t' \t-r", mögliche. Die Perspektiven der gemischten Wirtj,:/! s(iiid sehr gut. Iis gibt drei Arten von Fachleuten •>,ä«a: erstklassige, das sind solche, die nie in Palä- | j.3 * a r c n, zweitklassige, die einige Zeit im Auto .1 jlästiua herumfuhren, und drittklassigc, die;-v-Sf'a n g i n Palästina d i c L a n d w i r t s c h a f t g c - \und nicht der Arbeit der anderen zugeschaut haben. I Sokolows Schlusswort „f.w:^oiow (vom ganzen Kongreß lebhaft akklamicrt) [• cr habe gesagt, er betrachte diesen Kongreß gewisscr- .[■ ."'„Äk den ersten Kongreß ohne Phrasen, als J ..^"greß der Tat. Einer der Redner hat das i ^clc£t, daß ich damit eine Kursänderung andeuten [. lcb muß dem entgegentreten. I Es ist der Kongreß der Alijah. p : A.;r sind in einer Zeit zusammengetreten, wo der Zionismus : r.^r.0"J Maß eine Realität geworden ist als früher. Die i';:':-?0.^1^ llat sich viel zu viel mit Detailfragen bc- " >'k ^C"örcn dic Kommissionen. Besonders unan- 'i , Vj öcrührtc Cs mich, daß die Diskussion manch- •:. ••; n.c! 17 o r ts c t z u n g d c s W ah 1 k a m p f c s zu s c i n i »-,,|. Ls muß festgestellt werden, daß wir trotz aller Uijr] Diskussion in vielen Punkten einig sind.;; , ,|dalle, daß der Ackerbau die unverrückbare - >. c.aßc des Palästinaaufbaus bleiben muß. Mir in .;cj 'S^ischaft als Präsident der Exekutive ist nichts " "^r beabsichtigten Kursänderung bc- - ' hn i dic harmlose und unpolitische Tatsache, daß :ii 7.cllVcrdientcr Dr. Ruppin nach 18jähriger schwerer :cb^:ruck'Wtt, ist ein neuer babylonischer Turm forden. Aber auch unsere Freunde auf der Linken rc's r?c nunmchr die Zeit gekommen ist, a üc Ii andere oeim Aufbau zu bcr'ücksicJUißcn. Wir müssen jetzt auch für die MiÜclständlcr sorgen. Mir scheint manchmal, daß jede Partei der anderen etwas einreden möchte, was diese selbst in Abrede stellt. Es ist nicht das Programm der Rechten, den Ackerbau zu unterschätzen, wie cs auch nicht das Programm der Linken ist, die Mittelklasse zu unterschätzen. Das cin/ige Feststehende in der Erscheinungen Flucht ist das Budget, und hätten Sic dieses in die Generaldebatte gebracht, so wäre ich damit einverstanden. Wir stehen au einem Wendepunkt unserer Geschichte, der Zionismus bat begonnen, in Erfüllung zu gehen, von diesem •Kongreß ab. Auch ich sehe natürlich den Unterschied z.wischeu k a p i t a 1 i s t i s c ii c r und sozialistischer W ei t - anschauung, aber wir sind doch nicht auf den Zionistcnkongreß gekommen, um die Sozialisten zum Kapitalismus zu bekehren oder umgekehrt und darüber abzustimmen. Wir sind keine religiösen Reformatoren und haben nicht soziale Reformen zu diskutieren. Der Zionismus muß allein als Ideal dienen, umrdarf kein Zionsimus mit Bedingungen sein. Wir werden in Palästina versi.hiedene Elemente haben und diese werden und sollen ihre Kämpfe ausfechten. Aber hier sind wir auf dem Zionistenkongreß, und was wir hier weiter /u bringen haben, ist der Zionismus, unser Ideal. Wir halten vom Ackerbau so viel, weil w i r m i t ihm stehen u ud falle n. Wer mit eigenen Augen Palästina gesehen ha^ begreift, daß es nicht nur ein jüdisches Wunderwerk, sondern ein Weltwunder ist. Daß mit dem Aufbau zugleich eine innerclJ m f o rm u n er des Mensche n vor sich geht, das ist unser aller Programm. Wo/u also der Streit? Wenn wir tatsächlich cini«,«- sind, erwecken Sie doch nicht nach außen den Eindruck, daß" wir zerrissen sind. Wir dürfen die Begründung vom Klassengegens.it/. nicht schablonenmäßig gebrauchen. Es gibt zweifellos einen Gegensatz der Klassen, aber bei uns Juden sind die Greii/eu sehr labil. Wir sin d e i n W a u d e r v o I k. Wir wandern nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Klasse zu Klasse. Auch die sogenannten Luftmenschcu haben keinen sehnlicheren Wunsch als den nach Bodenständigkcit. Ein Plebiszit in Haifa oder Jaffa oder Warschau, würde, zeigen, daß alle sich zur Bodenständigkeit hinsehneu.' Jetzt kommt die Industrie nach Palästina. Muß ich Ihnen sagen, daß Industrialisierung die weltwirtschaftliche Entwickhmgslinic ist? Wir begrüßen die Entwickluiier im eigenen Interesse und in dem der arbeitenden Bevölkerung von Ercz. Israel und der Judcnheit. Unser Zionismus muß größer werden. Die Rede unseres jemenitischen Genossen war herzzerreißend. Der Kongreß hat darauf gar nicht reagiert. Sein Interesse flackert nur auf, wenn polemische pikante Phrasen gebraucht werden. Ein Redner hat hier die oberflächliche Bemerkung gemacht, die Exekutive möge sich nicht mit der Auswanderung aus Polen brüsten, denn diese sei nur darauf zurückzuführen, daß es den Juden in Polen schlecht gehe. Auch die Juden in Aegypten hatten es mit einem Pharao zu tun. War der Aufzug aus Aegvpteu etwa kein idealistischer Zug? Wer bat Ihnen denn gesagt, daß die zionistische Exekutive sieh damit brüstet? Wir haben stets gesagt, daß die Gleichberechtigung nicht die Lösung der Jiidenfragc sei. Wir wollen darauf stolz sein, daß wir dem Götzen der Gleichberechtigung nicht nachgegangen sind wie die anderen. Da nun die Zeit gekommen ist, wo unsere Voraussagen eintrafen, muß unser Kongreß ein Kongreß des Aufschwungs sein. Jetzt ist die Zeit, daß sich das ganze Volk erhebe zu einem großen Beschluß zu größeren Opfern, zur Vergrößerung der Zionistischen Organisation. Wäre unser Budget ein Vielfaches, wir könnten ein Vielfaches leisten. Die gegenwärtigen politischen Möglichkeiten g c n ü g c n u n s , um noch viel mehr _ zu leisten, als wir bisher geleistet haben. Noch für lange Zeit liegt der Schlüssel dieser Frage allein in unserer Hand. Wir stehen mit großer Achtung der Mandatsregierung gegenüber und erwarten, daß die MandataTmachl bestrebt sein wird, die Balfour-Deklaration, die die Grundlage unserer Politik ist. durchzuführen, wie es das Wohl Palästinas und das Wohl des jüdischen Volkes erheischt. Ich glaube auch, herausgehört zu haben, daß sich der Kongreß bewußt ist, daß wir uns auf einem internationalen Terrain befinden, und daß unsere Sache zum großen Teil vom Völkerbund abhängt. Ich glaube auch, herausgehört zu haben, daß wir uns der Hoffnung nicht verschließen, wo wir mit den anderen Völkerschaften des Orients beraten und arbeiten werden, und daß wir utfs freuen, daß sich schon manche Berühr u n gs p u n k t e herausgebildet haben. Eine andere Politik gibt es nicht. Ich wollte und will nicht polemisieren. Ich muß aber noch auf die Rede von Stricker eingehen. Herr Stricker sprach von einer Vernachlässigung des. A.-C. seitens der Exekutive. Ich glaube, daß alles geschehen ist, das A.-C. so oft als möglich einzuberufen. Mau kann aber das A.-C. erst einberufen, wenn die Mitglieder der Exekutive, die, ohne es zu wollen, gezwungen sind, so häufig Reisen zu unternehmen, von ihren Reisen wieder nach London kommen, und dann entsteht auch wieder die Frage, ob die Zeit den in den verschiedensten Ländern wohnenden A.-C.-Mitglicdern paßt. Malen Sic also keine Gespenster und suchen Sic keinen Sündenbock! Das A.-C. wird auch nicht vor fertige Tatsachen gestellt. Stricker sprach auch von der Jcwish Agency. Der Beschluß des A.-C. wurde ohne jeden Zwang und nur auf Grund einer freien Diskussion gefällt. Das Material wird dem Kongreß vorgelegt werden, und die wichtige Frage, wie der Kongreß zu entscheiden haben wird, hat ihre Basis in einem rechtskräftigen Beschluß einer richtigen A.-C.-Sitz.ung. Die Hebräische Universität ist eine große Sache, in moralisch-nationaler Beziehung sowie in politischer Beziehung. Ueber dieses große Ereignis ist noch viel zu wenig gesagt worden. Aber für die Frage der Lehr- und Lernfrrihcil ist in der Generaldebatte nicht der Ort. Und es ist, um mich milde auszudrücken, ungeschickt, dies als Argument gegen die Jcwish Agency zu gebrauchen. Die Universität ist eine Sache, die wir, wie vieles andere, mit anderen zusammenmacheii. Gewiß ist cs am leichtesten, alles allein zu macheu. Wir haben nicht die Mittel, die Universität mit eigenen Kräften aufzubauen. Wir müssen au das ganze jüdische Volk appellieren. ' (Großer Beifall.) Daraus ergeben sich gewisse Folgen. Wenn aber Stricker die Befürchtung hegt, daß damit eine Verwässcrung des Zionismus herbeigeführt wird, so kann ich nur entgegnen, nicht wir brauchen uns zu fürchten, daß der Zionismus verwässert wird, die anderen sollen furchten, daß die Assimilation verwässert wird. Wenn die Menschen gewählt haben und Vertrauen zu ihnen haben, so sollen Sic nicht das Wahngebilde der Verwässcrung des Zionismus au die Wand malen und schwache Gemüter damit schrecken. Ich suche jetzt assimilatorische Juden, aber ich kann sie schwer finden. Wir werden sie aber finden, und dann sollen die anderen Angst haben, und nicht wir. Die anderen sollen und können lu-reinrcclen, aber ihre Einwendungen werden hinfällig gemacht, nicht durch unsere Argumente, denn wir haben mehr als das, wir haben Erez- Isracl, wir haben das Leben. Das Volk steht hinter uns. Ich habe keine Angst vor der Agency, aber Angst vor der Zionistischen Organisation.- Ich will das Paradoxon erklären: die großen feierlichen Momente werden die anderen immer zu uns führen. So war es auch stets bisher. Aber vor dem Alltag habe, ich Angst, wo man sich gelangwcilt anglotzt. Vor dieser Langeweile vor uns selbst, wenn cs keine Sensationen gibt. Wenn um uns Leute herumgehen, die sagen, es sei ein langweiliger Kongreß, wenn nicht die Anzahl von Schckalim zusammenkommt, die der Zahl unserer Anhänger entspricht, hier liegt die Gefahr und nicht in der Mitarbeit der anderen, die wir mit Freuden und mit offenen Armen als Juden, als Brüder aufnehmen. Es soll ein Ansporn für die Zionistische Organisation, sein, mehr Energie zu entwickeln. Aufgabe des Kongresses ist es, nicht Phrasen und Polemik zu entwickeln, sondern Auf-, schwung, Erweiterung des Rahmens und Bereicherung des Budgets. Der Kongreß soll ein Kongreß der Alijah werden, nicht nur im Sinne der Einwanderung, sondern auch der Alijah im Sinne des Aufschwungs der zionistischen Idee. (Der Kongreß erhebt sich und bringt Sokolow minutenlange stürmische Ovationen dar.) Ruppins Erwiderung Dr. Ruppin: Dr. Weizmann hat den Kongreß daran erinnert, daß in Palästina üOO—700 003 Araber leben. Wir .sollten dies wissen und die Konsequenzen verstehen. Wir sind auf ein friedliches und freundschaftliches Verhältnis zu den Arabern angewiesen. Palästina wird ein Zwcinationalitätcnstaat sein. Es ist vielleicht für manchen nicht angenehm, aber eine Tatsache. Wir müssen also stets auf die Lcbcnsnotwendigkeit der anderen achten. Es ist aber die Möglichkeit gegeben, ein Gemeinwesen zu schaffen;, in dem beide Völker ohne Vorherrschaft des einen und' ohne Bedrückung des anderen in voller Gleichberechtigung zum Wohle des Landes arbeiten. Wir müssen dauernd danach streben, zu diesem friedlichen Zusammenleben zu gelangen. Es ist ein klares Programm notwendig, damit auf allen Gebieten des Lebens die Rechte abgewogen sind. Ich verlange vom Kongreß, daß er eine ständige Kommission zum Studium dieser Frage einsetzt, damit auf dem nächsten Kongreß eine klare Plattform gegeben ist. Diese Kommission hat nicht mir nach der anderen Seite hin aufklärend zu wirken, sondern auch unter uns selbst. In den wirtschaftlichen Fragen sind viele Mißverständnisse nur dadurch möglich geworden, daß sowohl Rechte wie Linke sehr häufig ein ^uud-und" der anderen Seite als ein „oder" auffassen. Die einen sagen Landwirtschaft ii u d Industrie, die anderen Industrie und Landschaft. Die einen hören nur Landwirtschaft, die anderen nur Industrie. Wir legen bei Beurteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas einen falschen Maßstab an. Unwillkürlich und unbewußt wenden wir die Grundsätze der privaten Wirtschaft auf die nationale an. Das ist die Ursache vieler schiefer Einstellungen. In Palästina kann von einem nationalen Gewinn nur dann gesprochen werden, wenn das nationale Vermögen und der Kreis der Güter gemehrt wird, der allen Juden zur Verfügung steht. Nicht jeder, der in Europa existiert, ist auch in Palästina wertvoll. Ich leugne nicht, das ich das Bestreben habe, in Palästina für soziale bessere Lebensformen zu sorgen, als die Formen in Europa sind. Es ist die Wurzel unserer Kraft, daß wir hoffen, in Palästina etwas Reineres, Schöneres aufzubauen, als in Europa. Wir sind aber weit entfernt davon, soziale Utopien verwirklichen zu wollen. Wir wollen Europa nicht nachahmen. In keinem Lande der Welt ist es möglich, daß Arbeitgeber und Arbeiter so zusanuucnsitz.cn, wo die eine Seite die Bedürfnisse der anderen versteht. Aus dem freien Willen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist ein A r b e i t s g e s c t z geschaffen worden, was in keinem Lande der Welt der Fall ist, wo überall Arbeilsgesetze nur durch Zwang und Eingriff der Regierung Zustandekommen. Unser Sicdlungswcrk ist vielfach angegriffen worden. Es ist das stärkste nationale Bollwerk, das wir in P a - Iii s t i n a h a b c n, der klarste Ausdruck des nationalen Willens. Es muß, selbst gegen den Willen der Chaluzim, hervorgehoben werden, daß die Chaluzim in ihrem ganzen Leben Dinge auf sich nehmen, die gegen ihr privates Interesse, im nationalen Interesse aber notwendig sind. So das Prinzip der eigenen Arbeit. Ich selbst bin für Ausnahmen, aber der Gedanke, aus dein dieses Prinzip hervorgeht, ist vom nationalen Standpunkt zu billigen. Lcvitc hat gewünscht, daß wir nicht selbst kolonisieren, sondern nur Kredite geben. Ich bin auch dafür, aber mau muß sich klar sein, daß mau damit nicht erreicht, was mau will. Die Kredite werden sehr hoch sein müssen, die Leute, die glauben, 550 zu besitzen, also die. Hälfte des nötigen Kapitals, haben, bis sie nach Palästina kommen, bloß 2—3000 .C. Die Resultate, die nach dem Rezept von Lcvitc zu erzielen wären, sind von den unseren nicht sehr verschieden. Die Angriffe gegen die Exekutive richten sich nicht eigentlich gegen sie, sondern gegen den Mangel an Geld. Das ist die Wurzel aller Unzufriedenheit. Schuld sind Umstände, die von uns unabhängig sind. Jetzt ist cs Zeit, an große Summen zu denken, mit denen wir die Bedürfnisse der vierten Alijah befriedigen können. Eines der Mittel habe ich bereits genannt. Der Kongreß muß einen ' Kolonisntions-Fonds schaffen. Herr Schocken will nach Palästina gehen und dort versuchen, seine Kritik zu verwirklichen. Er ist ein Mann, der immer strebend sie Ii bc« m ü Ii t. Wenn er einschen wird, daß seine Wahrheit von heute ein Irrtum von morgen ist, so wird er cs freimütig eingestehen. Man muß sich in Palästina von der Wirklichkeit leiten lassen in allem, was man tut. Ich habe in meinem Buche ein Vermächtnis meiner Tätigkeit hinterlassen und versucht, einzelne Probleme darzulegen. Ich bin weit entfernt, zu glauben, daß ich d.i< Richtige getroffen habe. Aber wer dieses gesamte Sicdlungswcrk betrachtet, darf nicht nur einen Ausschnitt daraus sehen, nicht nur darauf schauen, ob alles wirtschaftlich gemacht wird, sondern muß die Arbeit als Ganzes sehen, als lebendigen Organismus. In diesem Werk sind so viele positive Punkte. Es ist ein Kunstwerk von Sympathie, von Verwaltenden zu Verwalteten,, eine Quelle von Enthusiasmus und Energiecntfaltung. Dieses Werk wird bestehen, wenn die Kritiken der Einzelheiten längst vergessen sind. Ich wende mich gegen die Methode Soskins, der zur Begründung seines Planes glaubt, alles bisherige ablehnen zu müssen. Selbst wenn der Versuch gelingt, bedeutet er kein neues System, sondern ein, zwei oder drei neue Siedlungen in Palästina. Wo wäre der Beifall, den wir für unser Werk von allen Beobachtern erhalten haben, wenn wir den Emck nicht bereits besiedelt hätten. Besonders bedenklich erscheint mir, daß Soskiu die Konkurrenz der Ncbcnlüudcr nicht berücksichtigt. Die ganzen Mittelmccrländer sind klimatische Vorzugsgcbietc. Ihnen gegenüber ist Palästina im Nachteil. Sic besitzen außerdem noch viel billigere Arbeitskräfte. In Palästina lagern 100000 k;j Jabakj djc nicht ab£csctzl werden können» Im