Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 67 (25.8.1925)
- Date
- 1925-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652754--17651-3528548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 575 behandelt werden. Wir betrachten die landwirtschaftliche Kolonisation als Grundzug unserer na<i°na, Entwicklung. Die vierte Alijah stellt Jtn Hinz^«" eines neuen Elementes schöpferischen, ökonomisch« Lebens für dje Grundlagen unseres Nationalhcimcs vor. Piescs 5,fni«rt l™nn nicht ausgeschaltet oder ignoriert »-erden, e& dürfen keine Hindernisse in den Weg seiner Entwicklunggelegt werden. Man muß für dieses Element platz finden nicht nur in der Industrie der Städte, sondern »ucn. au' dnn Land« durch Versuch zu findenden ' frnnen, indem man es unter dem Einfluß der Zionistiscb'-n Organisation stellt, durch ihre unterstützenden und jeitrndcit Stellen. Es ist eine Anforderung an die höchste Starfskunst der Zionistischen Organisation, durch ihre Fonds L'rfditin&titutionen »"d ihrert Gesqmtcinfluß, ihre Maeht-! jphare so auszudehnen, daß sie die vierte Alijah einbezieht, , ja <M s'e im fortschreitend sich entwickelnden nationalen; iftjen fruchtbar eingeordnet wird. Wir unterstützen daher I (jie Jntention der Exekutive, solche Institutionen zu ' sChiiffcni die Industrie und Handel in den Kreis unserer Interessen bringen. Hierfür ist auch im Budget Vorsorge ,U treffen. Erwähnt worden trollte das Krimprojekt, aber ohne die Absicht, es auf die Tagesordnung des Kongresses zu jtiren. Das Krimprojekt ist nicht nur ein Hindernis für die Entwicklung unserer finanziellen Kraft, sondern auch ein störendes Element der v0Ii uns in den Vereinigten Staaten cut-; tt-iekelten Propaganda. In seinen Weiterungen aber j überschreitet es die Grenzen Amerikas und berührt die! Grundlagen der zionistischen Bewegung. Von sciuen prak- » lachen Aspekten her ist es ein amerikanisches Problem, obwohl es von einem höheren Standpunkt her auch als Anzeichen des Beginnes einer feindlichen Ucwcguug gewertet werden kann, gegen «eiche unsere Propaganda sich bald wird , richten müssen. Aber da die an diesem Projekt intcr- ] wirrten Manner in sympathischer Beziehung zur Ent-! uirldung von Palästina stehen und zahlreiche Versicherungen ihres lntcrcst.es am Kercn Ma-! jessod abgegeben haben, hoffen wir, daß sich diese ', Schwierigkeit im Geiste der Freundschaft und des; juten Willens wjrd lösen lassen können. 1 " Die Tatsache, daß wir während der letztet] zwei Jahre ] einen großen Teil unserer Kraft an die Entwicklung unserer ] Organisation gewendet haben, i.st das beste Anzeichen : loseres echten Interesses au der Stärkung der Zionistischen : Organisation im allgemeinen. Wir sind der Meinung, daß; fi wichtig ist für die Organisation und die Hebung des i Prestiges der Exekutive, den Sitz der Exekutive ■ nach PaUstjna zu verlegen. Die Separjening der tukutive, vom praktischen Werk der PaläMinaentwieklung . hinweg, schafft unserer Meinung nach eine Schwierigkeit, : über die keine Exekutive, so tüchtig sie sein mag, hinweg.; kommen kann. In Palästina wird die moralische Kraft und Autorität der Exekutive wachsen. (Beifall.) \ Dr. Reich, (Ostgalizien): Wir gehören keiner Rich- ''■ lung an» denn %v»r seilen nicht die eigentlichen Differenzen.; Trotzdem aber begreife ich sehr gut, daß die Differenzen : auch praktisch hervortreten können, besonders in der Budge.t- ■■■ frage. Auch hier erachten wir es als unsere Pflicht, die vj Differenzen auszugleichen. Es ist vielleicht das schönste ,; Symbol des Zionismus, daß Elcnierte, die sich bis jetzt von uns fem gehalten haben, heute zu uns kommen, um I;nit uns am Aufbau Erczdsracls zu arbeiten. Ich glaube 1; weh nicht, daß der Oedanke der Jewish Agency unsere £ Kräfte geschwächt hat. Die Organisation ist stark genug, £ -jb auch mit einem anderen zu einem gemeinsamen 'Ziele $ seilen zu können. Die Organisation ist auch stark genug, *j die peue Immigration ru vertragen. Diejenigen, die jetzt hingehen, schöpfen ihre Begeisterung nicht aus den j 'ökonomischen Niedergang, sondern aus ihrer flammenden :. Stele. f' Eb wäre Unrecht zu sagen, daß nichts von politischem; Werte geschehen ist und daß alles, wa» gemacht werde, schlecht Die Eröffnung der Universität war ein großer Erfolg, ( ein groDcr außenpolitischer Elfolg. Ich weiß nicht, .; fb ihn ein anderer zustande gebracht hätte, wenn er an; w Spitze der Leitung gestanden hätte. Niemand aber hätte itn Mißerfolg, der in der Ernennung Plumers liegt, veri «!«iien können. Mir und meinen Freunden hat diese Er-; ^inaung ebenso wenig Angst eingejagt wie seinerzeit die;;ominicrung Herbert Samuels Enthusiasmus hervorgerufen "3t In der Politik ist Ruhe und Vorsicht notwendig. Dahsen sind die Einschränkungen der Einwanderung für uns ^harnend. Wir verlangen auch, daß wir Einfluß nehmen ,,' -iibfii auf die Verteilung der Zertifikate. Auch daß wir i\ e,s Schulwesen aus eigenen Mitteln bestreiten mü>sfn, ent- : '"'ficht nicht den Tendenzen des Mandats. Die freie Jmmi- :^tirm muß beginnen, und wir selbst dürfen keine Ein- •'-'Uankungen machen. Erst dann werden wir von dwu •■■"nfleu Zionismus" sprechen können, den hier Arlos.iroff; filmte. Gegenüber diesen Problemen haben sich die Exe- ./Jivc und der Finanz- und Wirtschaftsrat allzu passiv ver- . ^:tcn. Alle Schichten müßten die Möglichkeit haben, sich Palästina auszulehcn, wie es ihrem Wesen entspricht. ,;. . Supraski (Palästina): Zum Aufbau des Landes gc-;,lJ[cr> drei Faktoren: das jüdische Volk, die zionistische : '^Jl]r, und die englische Regierung des Landes. Das : <;!lisc!ic Volk hat in den letzten zwei Jahren seine" Pflicht ^"liihcr dem Aufhuu dos Nationalheims in genügendem . 5" rrliillt. Auch die dritte Alijah hat einen großen Wert - ■■'Im Die «Iritle? und vierte Alijah haben zusammen. . neue Einwanderer gebracht. Für den Kereu llajcssod :; das ganze Volk aus allen Ländern 1,7 Millionen C o^animcit. Dagegen hat die dritte und vierte Alijah mehr l z Millionen £ in Industrie und Handwerk angelegt, mehr J Millionen £ \\\ Bauten in Stadt und Land und über vat t ln (lcr Landwirtschaft Dies Häutlein Einwanderer r!3 1 abgesehen von Mühen und Opfern, viermal po viel / aufgebracht als das jüdische Volk. Zahlen haben mehr ■. Mc.it als Worte. Von den 8 Millionen £ die die neuen /Ruderer ins Land gebracht haben, ist die Hälfte in .^»«slölincn angelegt worden. Fast die ganze Arbeit ruht ';,, <" jüdischen Händen. Der Wert der jüdischen Arbeit >j,Vf?Ppclt *,o groß al* der der mVutjüdisclicn. Die an» ft»r! u Händler und Agenten halben zahlreiche Industrien W!? i Privatinitiative, privates Kapital und jüdische «;nj 1 .Whcn gemeinsame Interessen. 90 <Vo der Einwanderer ' r'v-* aus Not ins Land gekommen, sondern um dort;: s Neues zu schaffe«. Aber die Zionistische Organisation HaiflT!, PiIlcht nl^t erfüllt. Von dem Oelde des Koren 'iunrw Wur<ipn «ur «t*'a 2"'<> *ür Mittelständler verwendet, kr i-5 v'°n Familien wollten sich niederlassen, aber von k](Cn £z 'st nichts geschehen, um diwep Menschen zu r)4ftei c Kolonisationsarbcit darf nicht in Händen einer Vjsf.i.,^cm, 6ondcrn eine unparteilsclie Instanz mufi den n:!i::lc,,,,nvißchcn Arbeitgebern und Arbeitnehmern her» inj Q .Ucbcr den dritten Eaktor, dk englische Regierung 'JrjMf e« wiH ich nicht ausführlich reden. |eh will nur kwJ V.envcisen« 4rt vir auch jüdische Beamte im Lande JW8 Hindernisse in den Weg legen, und englische, |. ^helfen. Das jüdisch« Volk ti£t «üoi' Pflicht erfüllt, die beiden anderen Faktoren nicht Wenn wir die Alijah starken wollen, müssen die beiden anderen Faktoren andere Wege einschlagen. Ben Gurion (Achduth Haawodah. Palästina): Zionismus ist Aufbau eines Staates und bleibt ohne diesen Inhalt ein leerer Gedanke. Die« erfordert vor allem eine jüdische. Mehrheit, in Palästina. Dr. Halpern möge verstehen, da», wenn der Gedanke der Mehrheit, überhaupt einen Sinn hat, rr nur zu verwirklichen ist durch eine arbeitend« Mehrheit im Laude. Es ist eine Verleumdung, wenn man behauptet, daß <Ier jüdische Arbeiter die neuen Einwanderer scheel ansieht. Es sind unsere Väter und Mutier, und w i r haben sie nach Palästina gebracht. {Stürmischer Beifall links.) Der letzte Rechenschaftsbericht Herbert Samuels sichert ihm ein ehrendes Andenken in Palästina. Aber wir müssen von dieser Kongreßtribüne aus auf seine abschließende Feststellung hinweisen, daß zwar die Juden für den Aufbau des Landes Großes geleistet haben, jedoch die englische Regierunrr nichts getan habe, um ihre Veqvflichtung zu erfüllen. Das ist das Fant des Berichtes des mit so großen Erwartungen begrüßten Oberkommissar-'. Auch wir wissen, daß wir das Land nur mit unserem Schweifte, und unserer Arbeit aufbauen können, aber wir dürfen nicht übersohen, daß Palästina in dem Rahmen der internationalen Politik, allgemeiner politischer und wirtschaftlicher Bedingungen steht, über die wir keine Macht haben, sondern, die nur durch den Eingriff der Regierung beeinflußt werden können. Es ist Aufgabe der zionistischen Politik, die wichtigsten Strömungen der internationalen Politik zu erkennen und zu bewirken, daß unsere Politik mit diesen Kräften Hand in Hand geht Zwei wichtige Faktoren dürfen nicht unerwähnt bleiben: das Erwachen der Völker des Orients und der Aufstieg der Arbeiter in der ganzen Welt, besonders in England. Leider übergeht der Bericht das große Ereignis der letzten zwei?ahre, nämlich die Uebcrnahmc der Regierung in England durch die Labour Party. Auch die größten Reaktionäre in England wissen es. daß der Tag nicht fern ist, wo die Arbeiterpartei mit eiiur Mehrheit die hVgieruug übernehmen wird. Wir müssen Palästina so bauen, daß es nicht in Widerspruch kommt, zu den Kräften, in deren Hand morgen das Schicksal der Welt und Palästinas liegen wird. Das jüdische Volk, selbst ein orientalisches Volk, das wieder in den Orient 7urückkchrt, kann der Tatsache, daß die großen Kulturvölker des Ostens zu neuem Leben?u erwachen beginnen, nicht Gleichgültig gegenüberstehen. Es ist die brennendste politische Frage, daß wir nicht durch Reden, sondern durch die Tat den Weg zum Herren des arabischen Volkes finden. Die Herstellung des Friedens im arabischen Volke ist eine der großen Aufgaben die sich der jüdische Arbeiter geseilt hat. Ich bedauere, d.iß drr Mistadruth. der «Hurmoinen palästinensischen Arbeiterorganisation, nicht die Möglichkeit gegeben wurde, hier ihre Meinung über die Frage des Verhältnisses der zionistischen Bewegung zur organisierten Arbeiterschaft in Palästina zum Ausdruck zu bringen. In der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit kann ich die schwierige und verantwortliche Frage nicht würdig erörtern. Ich sage nur, wenn Sic in einem Atemzug die jüdische Arbeit preisen und den lebenden, arbeitenden Menschen, der diese verwirklicht, angreifen, indem sie die Organisation der Arbeiter zu zerstören veiMiellen, dann sägen räe den A*t ab, auf dein sie sit/cn. Nur durch Organisation können wir der Schwierigkeiten Herr werden. Es ist nicht wahr, daß wir rcligicmsfeindlich sind. Die Chassidinj von Jablona und Kowinitz sind unsere Brüder und Genossen. Sechste Siirunä Freitag, 21. August, vormittags. Als erster spricht Dr. Niemirower (Rumänien), der darauf hinweist, daß die acht Mitglieder faulende Lands. manns>chaft Altrumäniens keine einheitliche Richtung bilden. Die einen sympathisieren mit den radikalen .Zionistcu, die anderen gehen ebenso wie er mit dem Arbeitsblock der allgemeinen Zipnisteu. Zur Sache führt er aus: Gerade weil wir uns mit Halb- und Nichtzionisteu verbinden, i;>t es notwendig, die Organisation zu stärken. Wir werden für die Vorschläge zur Erweiterung der Jewish Agency stimmen, aber wir können nicht umhin, unsere schweren Bedenken wegen der Gefährdung des nationalen Charakters unseres Sicdlungswcrkes auszudrücken. Wir hegen auch Befürchtungen wegen der Gefährdung des Hebräischen im Lande. Ohne gegen die Industrie zu sein, betonen wir, daß die landwirtschaftliche Kolonisation die Grundlage des Ganzen sein muß. Wir sind für nationale Arbeit und daher gegen die Spekulation Im Bodenkauf. Wir nind nicht gegen dir vierte Alijah, mc dari aber umer Interesse für die Lnndwirlschaft nicht vermindern, damit diese Alijah keine „Jeridah" wird. Mcrcminski (Zeire Zion'i: Der Bericht der zionistischen Leitung an die Mandatskommission, Amens Erklärung, Samuels Abgang und die. Alijah-Verordnung vom Jahre 1925 sind Dinge, die nicht ohne Protest hätten entgegengenommen werden sollen. Ich verlange, daß das Weißbuch auf diesem Kongreß überprüft wird. Man spricht von einem jüdischen Nationalhcim und fährt fort, ihm Hindernisse in den Weg zu legen. Das Ahscbicdsdokumcnt Samuels war das Alijnhge.setz vom 15. Juni 1025. E-s ist für uns viel gefährlicher als das vorhergehende. Wir verzichten nicht auf unsere Ansprüche auf Transjotdnnim, das der fruchtbarste Teil unseres Landes ist Was hat die Leitung gclau, •um das Recht der Einwanderung nach Transjordanien, das den palästinensischen Arabern gegeben worden ist, auch für die Juden Palästinas zu erlangen? Man hat uns mit Unrecht beschuldigt, wir wären Regen die Einwanderung unserer Väter, Mütter und Geschwister. Göttlich .sollte mit solchen Acußerungcn vorsichtiger snn^ denn wir sind jeden Tag in die Lage versetzt, um Einreiseerlaubnisse für unsere Verwandten zu bitten. Es schmcr.t mich außerordentlich, daß Erezrlsrac! in eine englische Kolonie und nicht tu ein jü» disches Nationalhcim verwandelt wird. Die Alijah ist eine Einnahmequelle für die englische Regierung geworden. Ein Drittel des Alijahgeldes geht für die englische Regierung. In den letzten acht Monaten zahlten wir OuOD £, im vergangenen Jahre 7000 £ Kopfsteuer an die Regierung. Etwa dafur, daß wjr England geholfen haben, in Palästina eine strategische Basis für seine Operationen im Orient zu schaffen? Wri/niann soll auch dem Kongreß Aufklärung gehen über die Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus durch Minister Arnery, wonach, wie die Presse meldet, „antizionistische" demente keine Einreiseerlaubnis nach Palästina bekommen. Welche zionistische Verantwortung kann uns. da.s Recht geben, irgendeinen Juden nicht nach Palästina hineinzulassen? Wjr alle sind für Alijah. Aber solange wir nicht genügend Konsumenten, solange wir nicht genügend judische Arbeiter im Laude haben, solange wir keine jüdische Mehrheit sind, besteht für den Mittelstand kainc Aussicht Die eln/iqc Stütze für die Mehrheit ist der jüdische Arbeiter. Ich bm sicher, \rcnn es sich um die Entbifitmg eines GruRes an die verfolgten russischen Zionisfeu gehandelt hätte, so hatten Rechte und Unke dies mit Beifall angenommen, diese Ver» bannten verlangen aber Zertifikate und Alijah- Ohne Chalui ist o>: 2ioni:mu> 1«er, wüst mid gt&lo«, Chiclrabbi Dr. Landau (Südafrika) erklärt, daß die südafrikanischen Juden beschlossen haben, den Führern und der Organisation die kräftigste finanzielle und moralische Unterstützung zu gewähren., Es ist beschämend, daß wjr Boden kaufen müssen mit dem unter großen Opfern gesammelten Geld des jüdischen Volkes, während die Regierung den Arabern Boden umsonst gibt. Man muß kon-- datieren, daß die englische Regierung die Balfour-Dcklaratioti wie einen Fct/e.ii Rapier behandelt. AIkt wir können von unseren Führern nicht verlangen, daß sie mit ihren Köpfen die eweruen Wände der britischen Regierung einrennen. Ich spreche nicht im Namen der Zionistischen Organisation Südafrikas, sondern in dem der dortigen 70 000 Juden, die alle Zionistcu sind. Dr. Thon- (Westgalizicn): Den beiden Männern, die heute als unsere Besten au der Spitze der Bewegung stehen, sprechen wir das unerschütterliche Vertrauen aus (starker Beifall). Wir mfii-.scu es laut vor allen Instanzen der Welt sagen, daß das Mandat nicht so ausgeführt wird, wie wir es hätten erwarten dürfen. Rollen wir nicht großartig den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit hier auf, denn es gibt keinen Kapitalismus mit krren Taschen. Unter der viciten Alijah gibt e* gewiß «rhr vjrle Menschen mit zionistischer Ideologie. Aber der Gefahr de? Luftmcnschcntum müssen wir uugoxheut entgegentreten. Alle Bemühungen müssen auf I'roduldivicrung gerichtet werden. Mit dem Wort, daß die Arbeiter in den" Kwu/oth „Kostgänger" des Zionismus sind, entt-hn-n wir uns selbst und den Zionismus. Bis heute ist der jüdische Arbeiter, der Chaluz, der Träger des Zionismus, und der Zionismus sein Kostgänger. Mit Versprechung von Dividenden kann mau keine Propaganda treiben. Ich bin für Sclbstarbcit und nicht dafür, daß jüdische Arbeiter draußen schuften und Unternehmer in feinen Restaurants sitzen. Im Aufbau find uns alle Elemente, die zu Produktivität .streben, willkommen. In beziig auf die Erziehung haben wir uns nicht auf der Hohe gezeigt. Manche wollen jetzt das ganze Erzichungsweseu dem Jisehuw aufhalsen. gibt keine Regierung in der Welt, die die Erziehung aus der Hand laßt. Ich habe den Eindruck, dall auf diesem Kongreß ein gewisser Ruck nach rechts erfolgt; das wäre sehr zu bedauern. Wir dürfen unsere Arbeiter nicht verärgern. Das Ideal der Arbeit ist vor allem hochzuhalten. Jean Fischer (Antwerpen): Leute, die für die Politik Wcjzmanns mit verantwortlich sind, dürfen heute Weizmanus Politik nicht angreifen. Als es noch Zeit war, diese Politik anders zu bccinllussen, haben die. Herren dies nicht getan. Der Kongreß soll erklären, daß die Annahme des Weißbuches der Leitung aufgezwungen worden ist und d;iß er sich nicht daran gebunden erachtet. Die Eröffnung der Universität i>t nicht ein politischer Erfolg, .sondern einer im Achad Haamnihcn Sinne, dagegen die Balfour-Deklaration ein politischer Ei Mg im llerrk-chen Sinne. Dir biitisrhc Regierung :,chciur otimbdr die Achad Naamjche Richtung der anderen verzuziehen. Heute i?t m nicht mehr möglich, die Verhandlungen wegreu der Jewisli Agency ad acta zu legen. Obwohl ich dagegen war, warne ich jetzt vor einem provisorischen Charakter der Agency. Wir dürfen den Juden, zu denen wir kommen, kein Mißtrauen /eigen. Die Organisation bedarf einer Umgestaltung. Das Fraktioiissystem muß von Grund auf geändert werden. Der wahre Träger des Zionismus ist die Mitte. Jabotjnßky (,,Ivcvisioni:>teir'-üruppe): Namens der kieiiiüten Fraktion de* Kongresses erkläre ich, daß wir zur heutigen Exekutive kein Vertrauen haben. Der Unterschied besteht in der Beziehung zum politischen Zionismus. Unglauben, daß jede Aufgabe: des Zionismus durch politische Methoden gclo.st werden muß. Unser Endziel ist die Schaffung der jüdischen Mehrheit in Palästina. Dazu ist eine jährliche Einwanderung von -10C00 nötig. Daß wir das Material hicrhir haben, hat das letzte Jahr bewiesen. Wir müssen aber diese Eiuwanderungszahl dauernd erhalten, vnd es zuwege bringen, daß diese Welle auch vom Lande absorbiert wird. Das ist eine ungeheure, beinahe übermenschliche und präzcdcnzlosc Aufgabe. Eine Fabrik ist noch nicht begründet, wenn sie eröffnet ist, sie muß auch ihre Ware vcrkauleu. Die Frage des Absatzes ist die. erste Frage der btädth.ch»m Kolonisation Die jüdische Industrie kann nicht ohne st.iallichc Forderung und ohne ein intensive:, Schutzzollsystem existieren. Da*. Problem der städtischen Ausiedlung in Palästina ist somit ein politisches Problem. In diesem Jahre, das bezüglich der Einwanderung, des KM. und des KKL. ein sehr pmisugcs war, hat die landwirtschaftliche Ansjed|uiig eine verschwindend kleine Rolle gespielt. Auch Leute der vierten Alijah sehnen sich mit Begeisterung nach der Landwirtschaft. Trotz, alt dieser günstigen Umstände ist die Landwirtschaftliche Kolonisation zum Stillstand gekommen. F-s wäre lächerlich, dajur Ruppiu oder Weizmann zu beschuldigen. Dxs Problein einer großen Landansiedlung durch Kauf des Bodens ,iut freiem Markt ist objektiv unlösbar. Die Methode der landwirtschaftlichen Kolonisation kann nur eine Staahmethnde i>n'n. Es gibt in Palästina noüi unbebaute, ahrr .inhiut.diigo Fl.ieheii, und diese Strecken müssen eine vom Staat enteignete Bodcnrexerve werden. Uaudreformeu dieser Art werden hniie in ungefähr '22 Ländern Europas durchgeführt von Parlamenten, die weder sozialistisch, noch kommunistisch sind. Es entspricht dem Rechtsbewußtsein der modernen Welt, daß der Landhunger von der einen Seile und das unbebaute. Land von der anderen Sejte zur Versöhnung gebracht werden. Auch Ruppiu, der nicht als Träumer gilt, hat bereits von einer Anleihe mit Völkerbuudsgarantieii gesprochen. Ich bezweifle, ddß die von Ruppiu genannten Sicherheiten, die Einnahmen unserer Fonds, von der Geschäftswelt als solche anerkannt werden. Aber es gibt eine. Sicher!)« ii der Auleiiir, und das Ut die Bodrnreserve in Palästina. F,s gibt ein kalifornisches System einer dreijährigen Anleihe, gestützt auf unbebauten lioden, der noch mit dein Aiihihegcht melioriert werden muß, damit Ansiedler kommen. Aus den Ertragnisse:! der Ansiedler wird dann die Anleihe zurückgezahlt. Von dieser Bodenreserve aus muß das ganze Problem des Zionismus betrachtet werden. Ohne, politische Vorbedingungen kann man keine Arbeit leisten. Fls ist ein Unterschied zwischen k'nloitisationspolitik und Kolonisation. Auch wir verstehen, daß bei der Aufgabe der Staatskolonisation, die Ockonomik <>V:> und die Politik 1 p/o ausmacht. Aber dieses eine Prozent itt die Vorbedingung der Kolonisation. (Iiier wird, nach ehiem 1umultuoNcii Intermezzo, die Redezeit des Redners vom Kongreß tun eine halbe Stunde verlängert. I>er Redner f3hrt fort:) Die Kolonisation in einem zionistischen Maßslabe balari gewisser Vorbedingungen: Bodeurcservc, Schutzzoll, Stcuergesetze und eine nationale Anleihe, die nur auf ciurni politischen Wege zu erzielen üt, und durch die Hüdcnrescrvc. gedeckt ist. Aber wir glauben auch, daß alle diese Urstrebungen, selbst wenn s-ic. der Kongreß annimmt und das jüdische Volk sie teilt, nicht zu verwirklichen sind, wcr.n die Administration in Palästina so stark ven ui.frciuidiichcm Geiste durchdrungen ist. Es entspricht nicht dem Geiste und Buchstibcn des Mandats, wenn man einflußreiche ßeamtcnsiellen mit Gegnern der Balfour-Deklaration besetzt. Die Regierung darf nicht ein unbeschränktes Recht zur Ernennung von Beamten auf höheren Regicrungspor.tcn besitzen. r>ic Entlüftung wegen der Ernennung Lord Plumers richtet sich njeht gegen seine Perion, sondern gegen die Nichthefragung der Jewish Agency. V. umüssen auch vorbeugen, daß das Projekt de.«, Legislative Council morgen wicejer auf die Tagesordnung gesetzt wjrd. wurde <5P *{jjc n.euo Tnbün-i für die ami« zionistische Propaganda und ein öbetruktioRamirtel eitstehen.