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Jüdische Rundschau · 1925-08-25 · Heft 67 (25.8.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 67 (25.8.1925)
Date
1925-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 573 Ü vvli Pr. Ruppin referiert Kaplansky über die landl5' -haft'ichc Kolonisafion. Wir müssen, erklärt der Redner, ' Kolonisationspunkte konsolidieren undauch neue kationspunWc schaffen. Im abgelaufenen Jahre konvrten v»r uns :,uf Konsolidierung. Aber die bedeuten- Hurch den Nationalfonds und Private gekauften Land- Um dürfen nicht unbearbeitet bleiben. Unser Recht .. :L.r.]sracl ist nicht auf Kaufkonirakte gegründet, son- •v? aßf dic Notwendigkeit jüdischer Arbeit. Das Kon-? ,run<rcbiKii:ct ist sehr genau ausgearbeitet worden. Nach ...^(•r0 Methode von einer Anzahl von Kommissionen. Emilie sind, abgesehen vom Boden. 700 bis 720 £ cr- '.,',]ich una* zu"3r *"r Moschawim, für Kwuzoth gegen; wrnigor. Pläne sind für 31 Sicdhmgspunktc au." ' tfittt, w^lfhc zusammen 1100 bereits angesiedelte -;';!icn Vcpr«i:"'c«*'ci'cn- Hie erforderlichen Summen sollen nvei Jahre verteilt werden. Der Kongreß soll auch ■ j fl j \ i c 1 s t ä n d i s c h c n Kolonisation durch Kreil 'ü Hilfe kommen. Für deren Hachsoharah müßte das?';,ct erhöht werden. Wir müssen auch Vorkehrungen :';'„ daß die Gefahr des Landverkaufes und Verkaufs ^.'VirKhaft durch diese Elemente vermieden werde. In 9 Kolonisationskommission soll* bezüglich dieser Siche-!.,„ konkrete Vorschläge unterbreitet" werden. Bezüglich ST'coskinsrhcn Projektes' haben alle Experten, die Redner ^'..jjUicrt habe, ernste Bedenken geäußert, aber alle stehen jj'jj'in Standpunkt, daß der Versuch einer solchen Koloni- Ü-n auf möplichst breiirr Basis gemacht werden müsse. V ^'enn der Kongreß unser Budget annimmt, so bedeutet 8 jjß unser landwirtschaftliches Budget dic imposante von 330 000 £ erreicht. Ts wird uns möglich sein, neue Kolonie von 000 bis 1000 Familien zu gründen.. H\$ ist dic Landwirtschaft kein billiges Unternehmen; lC dic englische Kolonisation rechnet mit Ansicdlungs- H fn für eine Familie von 1500—2000 £ und unsere Hift nur 700 £. Es ist auch ungerecht, zu sagen, daß ^."cmc Familie 700 £ kostet (ohne den Boden), denn ",!. rch, daß wir eine Familie in der Landwirtschaft an- :-in, ermöglichen wir auch dic Ansicdlung einer weiteren ■-m' Familie in der Landwirtschaft und einer halben '-'ic in der Stadt. Unsere ganze städtische Kolonisation ■["nicht möglich ohne das agrarische Hinterland. Land- chaftlichc und städtische Kolonisation sind also keine -kurrenz. Wir verlangen seit Jahren vom Kongreß, dic --juirtschaft als den wichtigsten Zweig unserer Kolonien zu betrachten, nicht weil wir gemeint haben, daß Landwirtschaft den größten Teil der Immigranten ab- ■:rcn kann, sondern weil dic Landwirtschaft unser;j:h;ter Punkt ist und die Basis, auf dic dic jüdische •Schaft in Ercz-Israel sich stützen muß. Dic Landwirt- :ft ist für uns dic Linie des größten Widerstandes. ' Individuum mag der Linie des kleinsten Widerstandes •n, eine Bewegung hat auf der Linie des größten Widcr- ,'ts;u gehen. Moschaw Owdim und Kwuzah sind dic : fundamentalsten Formen unserer Kolonisation, und auf 'in Wege müssen wir weitergehen. Der Zionismus ist - <oriaIcs Aufbauproblcm, eine Gesellschaft bildende Bc- -jnsr- Wir können unsere Aufgabe nicht erfüllen ohne sozialen Idealismus, welchen dic Arbeiterschaft nach '-■Israel mitgebracht hat. Schluß der Sitzung S Uhr 15.;(-.-tc Sitzung Donnerstag vormittag 10 Uhr 30. Vierte Siizung - Donnerstag, 20. August, vormittags. r Vizepräsident M o t z k i n eröffnet dic Sitzung um >, Uhr 30 und erteilt das Wort Herrn Dr. S. E. S o s k i n :;rincm Korreferate über dic Kolonisation Palästinas und; Begründung seines Projektes einer auf intensiver Land- \ : ch.ift beruhenden Kolonie. Dr. Soskin begründet in Ehrlicher Rode seine bekannten Anschauungen. (Das '.:kt ht unseren Lesern bekannt, wir werden eine Inhalts- :bc des Referates, das vollinhaltlich in der Kongrcß- '■'Z veröffentlicht ist, nachtragen.) Auf Anfrage Arlosoroffs erklärt für dic Exekutive Herr?■ Hainern,'daß Soskin nicht Referent der Exekutive I-sen ist; man habe ihm nur Gelegenheit geben wollen, :'n nach dem wirtschaftlichen Referenten als erster in ■ Generaldebatte zu sprechen. ^(iann wird in dic Generaldebatte eingetreten. Präsident '•'■(in ersucht dic Redner, sich jetzt hauptsächlich an politischen Probleme zu halten und dic Besprechung wirtschaftlichen Fragen bis nach den wirtschaftlichen jten zurückzustellen. .Arbste in (Misrachi): Dic Eröffnung der Hebräischen "•ersität sei der einzige politische Erfolg der Exekutive :'«n. Der Misrachi erklärte auf dem XIII. Kongreß, ,er die Unterschreibung des Weißbuches als politischen betrachte. Dic weitere Entwicklung hat diese unsere *sung bestätigt. Wir haben viel von der Tüchtigkeit Rüschen Regierung gehört, aber wenig von der Tüch- 11 unserer Führer. An der Verstärkung der neuen anderung der vierten Alijah hat dic Exekutive gar . : Verdienste. Wenn wir der arabischen Bevölkerung;r \yicdcr erklären, daß wir kein Nationajhcim und cr die Minderheit bleiben wollen, so ist es kein Wunder, /, Palästina jetzt der ruhigste Teil des Orients ist.;,:frn es nicht dic Exekutive getan hat. müsse wenigstens ^ngreß gegen dic Acußcrung Kolonialministcr Amcrys, Wen würden nie dic Mehrheit in Palästina bilden, -:: Vieren. Minister Amcry wollte sich aber auch in unsere Probleme einmengen. Er sprach sich gegen die r Kolonisation aus. In dieser fremden Einmengung Gefahren, und es könnte wieder zu neuen Drosscu ^, der Einwanderung kommen. ..*!r dürfen bei der Einwanderung keinen Zensus cindenn alle Juden haben das Recht, nach Ercz-Israel . •/'!!*; auch dic Einwanderung der vierten Alijah bringen?.; Upfcr. Redner bedauert den Abschied Herbert Samuels. ■ ,;'icnrufc: Sic haben ja immer gegen ihn gekämpft.) ., - ''?h Commissioner von Palästina sollte nur ein Jude .'. u'c Exekutive hat nicht alle Mittel angewendet, um u'. .,: Judischen High Commissioner durchzusetzen. Wir . *j nicht zulassen, daß. der High Commissioner ohne : - J. der Jcwish Agcncy gewählt wird. Es ist entweder ^\ Massigkeit unserer politischen Vertreter oder der ' : V-it h dic cng"scnc Regierung mit der Jcwish Agcncy il ZwV Mcinunßf des jüdischen Volkes gar nicht rechnet. t ■c'C|nvicrtcl Millionen Pfund haben wir für Palästina u c 5?'i Wovon anderthalb Millionen auf Agrarkultur- " von u ^ocn 'mmcr R»bt es keine zwanzig Juden, t "'n i Trcr c,£cncn Arbeit in der Landwirtschaft leben ' Ünr,]-?scrc Arbeiter führen ein erbärmliches Leben, t ' der UAck in dcn Kwuzolh ist so groß, daß der größte -zo'h «bcitcr sie zu verlassen droht. Wozu also neue :! Unrf as hat dic Exekutive für dic Industrialisierung <Iic p Pcta"? Von der ganzen großen Alijah, über; :rürt, txckutive in ihrem Berichte ihrer Zufriedenheit! Lg,bt' dic 25 000-30 000 Menschen ins Und gec: ^ej haben nur 92 Juden eine Unterstützung be- £ ' 10o e 2»bt zwar Anleihen, aber um eine Anleihe "- da zu bekommen, verbraucht man Spesen von u Die p0130 hierzu zehnmal nach Jerusalem fahren muß. ": :ichi ^rwcit.cfung der Jcwish Agcncy hält auch der :a alu.-j.r e'nc Notwendigkeit, er fordert aber vorerst r<a. Maischen Kongreß. Die Exekutive hat dazu nichts l Dr. Göttlich („Etil üwnoth"): Der wichtigste Faktor in unseren politischen Erwägungen ist dic Massencinwandcrung von Juden nach Ercz-Israel. Das Bewußtsein, daß wir am Anfang der Verwirklichung stehen, ist tief in die breite Masse gedrungen. Nicht das ist das wesentliche, daß 1500 bis 1000 Leute monatlich aus Polen nach Palästina fahren, sondern daß der größte Teil der jüdischen Bevölkerung Polens heute vom Zionismus erfaßt ist. Wir halten daher die vierte Alijah für eine ganz gewaltige und bedeutende Erscheinung. Was wird ni'-ht alles gegen diese vierte Aliiah gesagt? Man spricht von den Juden von Nalcwki. Kommen Sic mal nm Samstag auf dic Nalcwki, und Sie werden scheu, daß trotz, drr, Sonntagsruhegcsctzcs alle Läden gesperrt sind. Hier kommt eine große moralische Kraft /um Ausdruck. Dic jüdischen Massen blicken auf diesen Kongreß, und für sie wird dic Entscheidung dieses Kongresses maßgebend sein. Gewiß, der Boden muß ■ erobert werden; aber di^es Prinzip d.irf nicht /u einer kränkenden Kritik der Stadt überspitzt werden. Mit dem Parteiregime in unseren Palä<;tina-Acmlern und den Machlakoth Haawodah muß endlich ein Ende gemacht werden. Wir fordern Gleichberechtigung der Alijah und Freiheit der Alijah und werden uns keine Begrenzungen diktieren lassen. Arlosoroff (Hitacluiuth): We.izmann wünschte in einer Rede in Jerusalem, daß für die nächsten zwei Jahre jedes Interesse an der Politik und an der Beschäftigung damit aufgegeben werde. Der richtige Kern dieser Worte ist. daß (Ins überwältigende Schwergewicht unserer Arbeit auf den Fragen des wirtschaftlich konstruktiven Aufbaus, auf den Fragen der Kapitalspolitik ruht. Die Einlcnkung auf dic sachlichen Probleme, des Aufbaus bedeutet ein großes Pius für dic Bewegung. Dic politische Arbeit der zionistischen Exekutive ist, wenn sie auch nicht genug Initiative und Aktivität aufgewiesen hat, doch als gerecht, als würdig, als positiv abzuschätzen. Ich halte es auch für meine Pflicht zu sagen, daß im Bewußtsein des palästinensischen Jischuw dic A d m i n i s t r a t i o n Herbert Samuel zu einem der großen, außerordentlich bedeutenden und staatsmännischen Kapitel der zionistischen Politik gerechnet wird. Samuel wird nicht wünschen, zum politischen Spekulationsobjekt von Herrn Farbstein zu worden nach all dem. was wir während der ganzen Zeit von ihm und seinen Freunden gehört haben. Von sciten der Exekutive muß viel geschehen, um diese ausgezeichnete Kraft auch in Zukunft für unsere politische Front zu erhalten. Dic Finanz- und Wirtschafts-Exekutive der Zionisti-.ihcn Organisation hzt nicht dic Kraft gehabt, der wachsenden Immigration und all der damit zusammenhängenden Probleme Herr zu werden. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kann rieht das werden, was wir wollen, ein sich selbst tragender, auf der Arbeit aufgebauter, wirtschaftlich gesunder Jischuw in Palästina. Dic zentrale Frage der Arbeit ist die Bodcnfragc. Das Chaos auf dem Bodenmarkt hat jetzt das ganze Land erfaßt. Wo/u haben wir denn überhaupt eine Finanz- und Wirtschafts-Lxckulivc? Was die vierte Alijah betrifft, so haben dic produktiven Elemente Unterstützung und Freundschaft bei unseren Arbeitenden fcckommen. Dic Zionistische Organisation muß bewußt ihre Kraft und Kapital konzentriert einsetzen für die Schaffung sclbstarbcitcndcr jüdischer Landwirte in Palästina. Wenn Ruppin gestern sagen konnte, wir hätten nach 15 jähriger Arbeit und schweren Bemühungen den Weg gefunden und stehen mitten drin in der Rentabilisicrung und Konsolidierung des Jischuw, so bedeutet dies einen kolonisatorischen Erfolg allerersten Ranges. Dr. Soskin, den seine Anhänger zum Schultzc-Dclitzsch der zionistischen Klein-Bourgcoisic ernennen wollen, hat hier eine Toraatnithcoric, eine allgemeine, gleiche und direkte Gcmüsephilosophic vorgetragen. Wir werden ihm in der Kolonisationskommission auf dic Einzelheiten antworten. Wir müssen diesen XIV. Kongreß mit dem Plan eines „Großen Zionismus'' verlassen. Ich meine damit, daß wir dazu kommen müssen, eine große, planmäßige Kolonisationsarbeit zv führen, gleichgültig, aus welchen Schichten des jüdischen Volkes, wenn sie nur auf Sclbstarbcit aufgebaut ist. Wir können dic Mittel, dic dieser Aufgabe entsprechen, nur bekommen, wenn wir die großen Möglichkeiten des Kapitalmarktes mobilisieren. Ich habe bereits aijf dem vorigen Kongreß dic Frage eines großen Anlcihckrcdilcs aufgeworfen, und es U\ mir eine Genugtuung, daß auch Dr. Ruppin heute eine solche Anleihe für möglich hält. Ich möchte unsere Forderungen so zusammenfassen: Wir verlangen, daß an die Spit/c des Kolonisationswerkes und unserer Wirtschaftspolitik eine Exekutive tritt, dic sich nicht treiben läßt, sondern eine großzügige Politik führt. Diese Exekutive muß den Weg unseres großen Kolonisationscrfolgcs der landwirtschaftlichen Arbeiterkolonisation konsequent weitergehen. Wir verlangen, daß die Zionistische Organisation Wege findet zur Verwirklichung des Großen Zionismus, wie er der Stunde entspricht, daß sie sich in voller Kooperation aller Faktoren dic Kapitalsinstrumente schafft, die notwendig sind, um diese Aufgabe zu verwirklichen. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. Die Rede Bluracnfcld Fünfte Süzung Donnerstag, 20. August, nachmittags. Kurt Blumenfcld (Deutschland): Im Namen der deutschen Landsmannschaft und der ihr angeschlossenen kleinen Landsmannschaften habe ich hier unser Programm zu vertreten. Man hat sich darin gefallen, insbesondere dic deutsche Landsmannschaft herabsetzend als „loyal" zu bezeichnen. Man ist daran gewöhnt von der allgemeinen Politik, daß es eine Selbstverständlichkeit ist, sich oppositionell zu gebärden, und man glaubt, daß eine konstruktive Kraft etwas minderwertig ist gegenüber einer Haltung, dic zwar einerseits dic Früchte der Arbeit genießen möchte, andererseits aber sich auch gleichzeitig in der gehörigen kritischen Distanz hält. Wir glauben, daß es eine echte zionistische Tugend ist, sachlich und verantwortungsvoll unserem Werke gegenüberzustehen. Und wir glauben, daß dic Bedeutung der zionistischen Bewegung darin liegt, daß sie den Begriff der verantwortlichen Politik in dic jüdische Welt eingeführt hat. Eine Bewegung, dic auf eine freudige seelische Verfassung ihrer Anhänger angewiesen ist, muß wissen, daß auch ihre Kritik immer positiv und konstruktiv wirken soll. Wir haben unser Programm monatelang vor dem Kongreß bekanntgegeben und überreichen Ihnen heute eine Broschüre, in welcher unser Programm abgedruckt ist. Ich erspare es mir, dies« Programm in allen Einzelheiten zu verteidigen und will nur einige Hauptpunkte hervorheben. Zionismus ist für uns nationale Erneuerung des jüdischen Volkes. Den Satz, daß wir mit den Juden zu rechnen haben« wie sie sind, anerkennen wir nicht, sondern wir glauben, daß die Bedeutung der zionistischen Bewegung darin liegt, dic Juden in den Ländern der Gahith umzuformen zu einem neuen Typus. Wir wissen, daß solche Worte in der zionistischen Welt vielfach anerkannt werden. Wir wissen aber auch, daß sie beute vielfach grundsätzlich bestritten werden. Und raehc noch als in Worten, in Taten und Handlungen. Wir sind heute in Gefahr, daß das bisherige Zentrum sittlicher zionistischer Kraft in Palästina gemindert wird in seinen Wirkungen. Charakteristisch für dic Auffassung einzelner Gruppen im Zionismus ist dic Behauptung, daß dic Juden in der Galuth genommen werden müssen wie sie sind, und daß sie auch in Palästina gewürdigt werden sollen in dieser Art ihrer Galuthexistenz. Man fragt sich, was ist der Sinn der zionistischen Bewegung, wenn sie nichts anderes sein soll als eine Transportfrage. Niemand soll sich einreden, daß Palästina als Land schon dic Menschen ändert Daraus ergibt sich unsere Stellung zur vierten Alijah, die wir als ein Elcmcntarercigni«; würdigen und mit der wir zionistisch fertig werden müssen. Wir betrachten dkse ganze Eiuwandung so, wie sie kritisch von einem Zionisten betrachtet werden muß. E* ist nicht nur dic Anziehungskraft von Ercz Israel in ihr zu spüren, sondern auch dic Abstoßungskraft der Länder des Galuth. Dic Führer von Eth Iiwnoth, dic Vertreter der elementaren Einwanderung, sind im Recht als Vertreter der drängenden Kraft, ihnen fehlt aber das zionistische Kriterium, daß sie zugleich Vertreter der gestaltenden Kraft der vierten Alijah sein wollen. Man hat daiicr dar: den Begriff des „Intcrcsscnzionismus" geprägt, dic Auffassung, als ob wir uns heute schon in einer Situation befänden, in der das nine materielle Interesse• Menschen nach Palästina bringt und ihnen das Leben dort so anziehend erscheinen läßt, daß sie zu Tausenden ihren Platz dort finden. Wir glauben, daß es unschön war, in der Debatte den Begriff „Nalcwki" besonders herauszuheben, wir können ebenso gut New York oder Berlin sagen. Jede Form der Galuthcxistcnz, auch dic beste, scheint uns keine Zukunft zu haben und muß, vom zionistischen Standpunkt aus, geändert werden. Und wenn man auch auf der Linken, wie Rubaschow es im A. C. tat, dic vierte Alijah hochpreist, so kann es nur geschehen, wenn man dic Vorstellung einer mystischen Kraft mit ihr verbindet. Wir aber müssen politisch mit dem Problem fertig werden. Wir müssen uns klar werden über dic Beeinflussung dieser großen Einwanderung im zionistischen Sinne. Arlosoroff hat schon den Begriff „Gleichgewicht" aus Dr. Halperns Rede ins rechte Licht gerückt. Oleichgewicht heißt doch zumindest normale Schichtung des jüdischen Lebens in Palästina. Und wenn Sic sogar dic höchstentwickelten Industrieländer der Welt nehmen, so werden Sic finden, daß selbst dort 25 Prozent der Bevölkerung in landwirtschaftlichen Berufen tätig sind. Wir glauben, daß dic Landwirtschaft die notwendige Grundlage ist, und wir glauben dies nicht aus einem dogmatischen Standpunkt heraus, sondern einfach darum, weil es keine andere Möglichkeit gibt, ein Land durch Juden zu gewinnen, als daß diese Juden selbst den Boden bearbeiten. Gerade weil wir dic Schwierigkeit dieser Probleme sehen wollen, verlangen wir mit aller Kraft Eingreifen und Kontrolle der Einwanderung durch dic zionistischen Institutionen. Wir halten es daher in diesem Zusammenhang durchaus für berechtigt, daß dic Machlakoth haawodah der Paläsfinaämter so zusammengesetzt sind, daß alle Gruppenan der Kontrolle beteiligt sind. Was dic Stellung zur Arbeiterschaft betrifft, so machen wir einen Unterschied zwischen sachlicher Kritik, die wir wünschen, und Partcitcndenzcn, dic zum Schaden der Sache In diese Kritik hineingetragen werden. Gerade wir als Landsmannschaft haben eine eigenartige Stellung gegenüber der palästinensischen Wirtschaft, wir haben keine besonderen Interessen zu vertreten, wir sind dadurch in der günstigen Situation, helfend eingreifen zu können, wenn eine Neuordnung notwendig ist Bei dieser Gelegenheit müssen wir aber auch sagen: Was in Palästina geschehen ist, ist verbunden mit dem Namen Dr. Ruppin s, des wahrhaft schöpferischen Geistes, den wir in Palästina besaßen. Um so schmerzlicher berührt sind wir daher davon, wie gewisse Teile des Kongresses ihn gewürdigt haben. Wenn Sie heute Ruppins Buch lesen, das eben erschienen ist, und sich das Lebenswerk dieses Mannes klarmachen, werden Sie sehen, daß alle Gedanken über Palästinawirtschaft von ihm gedacht, von ihm vorgeschlagen wurden. Ich halte es für meine Pflicht, das zu sagen, denn wir glauben, daß dic Krätfc dieses Mannes, der heute aus einer leitenden Stellung ausscheidet, unserem Werke erhalten werden müssen. (Lebhafter Beifall, links und bei der Deutscher. Landsmannschaft.) Unser Hauptproblem besteht darin, ein städtisches Element in dic Landwirtschaft überzuführen, und das kann man nur, wenn dem Menschen ein seelisches Aequiva- 1 c n t gegeben wird. Daher verstehen wir dic große Bedeutung aller idealistischen Kräfte, und wir wissen es zu w ürdigen, daß wir auch den sozialistischen Idealism ir s unserer Arbeiter in den Dienst des Aufbaues stellen können. Dic Sicherung und Gestaltung des Palästinaaufbaucs durch eine Neuordnung der Verwaltung werden wir zu wahren wissen gegen rechts und links und gegen jeden Versuch der Ursächlichkeit aucli aus der Milte. In diesem Zusammenhang begrüßen wir die Maßnahmen, dic dazu führen, daß die nationale Basis dieses Werkes erhalten bleibt, und begrüßen die Politik der zionistischen Bewegung, dic gegeben bt einmal durch das Mandat, zweitens durch dic nationalen Leistungen in Palästina, drittens durch die Kraft der zionistischen Idee als solcher; das sind die Fundamente unserer Bewegung. Alle die gehen in dic Irre, die bei Betrachtung und Krit k zionistischer Fragen diese Hauptstützen unserer zionistischen Politik eliminieren. Für uns ist hier dic Frage: Haben die Führer der Politik uns dic Garantie gegeben dafür, daß sie dic wahren und rechten Repräsentanten der zionistischen Bewegung sind, daß sie mit Mut und Kraft und nationalem Stolz unsere Sache vertreten? Philosophische Theorien können leben, auch ohne von Menschen getragen zu sein; zur Eigenart politischer Probleme gehört es, daß sie ihren Sinn erst durch ihre lebenden Repräsentanten bekommen. In diesem Zusammenhang erklären wir, daß wir zur politischen Führung der Exekutive und insbesondere zu Dr, W e i z m .\ n n Vertrauen haben. (Lebhafter, andauernder Beifall) Wir glauben, daß gerade durch sein Auftreten für unsere Sache dic zionistische Würde gewahrt worden ist, und daß wir in dieser Richtung beruhigt sein können. Das hat nichts zu tun mit Einzelheiten, die einer Kritik unterzogen werden können. Ich begrüße auch unsere neue politische Agentur in Genf und in Paris und freue mich, daß Dr. Jacobsohn mit der Vertretung unserer Interessen dort betraut wurde. So wie wir wissen, daß dic Politik abhängig ist von der Stärke der politischen Persönlichkeit, so glauben wir, daß es ein Zeichen politischer Stärke ist, das politische Kraftmeiertum abzulehnen. Politik ist nicht Versammlujigsdemagogie, Ihre Sache ist, den Zielen des oachsiea

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