Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 56S -Konferenz des Keren Kajemeth -* *n Dr. Albert Bacr, I Relegierter der deutschen Sammelstelle./! . Konferenz spielte sich wie folgt ab: Am Eröffnungs- ] ^£hiclt Ussischkin eine allgemeine Ansprache über die "■j dcs Keren Kajemeth in Ercz Israel. Der Keren (]i habe das von ihm aufgestellte Ziel, den Bodenbesitz ■■^cm Ja,,rc um 100 01)3 l>l,nam Zlt vermehren, erfüllt, Schritten. Das Ziel des nächsten Jahres sei: 500000 £ Tiiicc"« von denen 300000 £ für Abzahlungen, 200 000 •; neu Bodenerwerb zu verwenden seien; das weitere 'ftr jeden Juden, der nach Ercz Israel komme, Boden '!< des Keren Kajemeth zur Verfügung zu stellen. Nach -; :fn.pr3Chc wurde seitens des Direktoriums — das voll- * cr«chicncn war — angeregt, nunmehr Fragen über \rbcit in Ercz Isracl zu stcl'c»- Von selten der Vcr- 'lunfr wurde zuerst ein Referat über die Bodenfragen ,n<cht. Dieses hielt dann üranowsky in etwa 15 Minuten, ^'cr zu vielen ~ nicht zu allen — Fragen ein paar ■X jagte, quasi stillschweigend auf sein soeben er- .• 'L,n'cs Buch verweisend. 5- ^a,ui begann die Fragestellung von Seiten' der Dclc- •i .,',„ Nach einiger Zeit wurde von zwei Rednern darauf N eesen, daß doch so die Konferenz nicht weitergehen |r!c; man müsse eine Tagesordnung haben; ein Referat [Y. alic schwebenden Fragen, und Kommissionen bilden,!> .> Beschlüsse der Konferenz festzulegen. Das Frage- und i'',"jrtspicl plätscherte noch eine Weile fort, und man ■; "auseinander. Der nächste Tag begann mit einem Referat ■ Bcrgcr über die Fragen der Propaganda im allgemeinen; '. ,;t{c eine sogenannte „Generaldebatte*' darüber. Dann über einzelne Propagandafragen verhandelt wie "•enarbeit, Svnagogcuarhcit, Presse, Ausstellung, Tcsta-;fi Spiele, Versicherung, Geschäftsführung der Sammcl- ' Damit Schlott die Sitzung. •: pic höchst erfreuliche Entwicklung, die die Arbeit der '•' iraucnslcute und Kommissionen in allen Ländern seit der •r, Zusammenkunft beim ersten Karlsbader Kongreß ge- -:cn hat — in Karlsbad' wurde die Konstitution des l beschlossen — ist durch die Zusammenkunft in Wien weiter gefördert, vielmehr aufgehalten und zunickten worden. Was die Initiatoren dieser Zusammcn-;:: bezweckten und was bisher mit verständnisvoller För- :- des Direktoriums und Hauptbüros verwirklicht wurde, : die Erziehung der Vertrauensleute des K. K. L. aus iern zu verantwortungsvollen Mitarbeitern. Und dieses 1 der Verantwortung, die einzige Grundlage unab- ,cr Tätigkeit für die Sache, wurde hervorgerufen durch Besprechung und Beratung über alle Fragen des K. K. L. .::c/ Israel und im' Gallith. Ging doch die erste Karls- Konferenz so weit, den Vertrauensleuten auch Einfluß sie Verwendung der Gelder einräumen zu wollen. Der;:ke der Verantwortlichkeit war auch auf dieser Sitzung .r.licli in dem Referat cnthaltcnf^das Julius Bcrgcr über •'■:.7.cinc Fragen der Propaganda hielt, und in dem er ..hrtc, wie sehr die K. K. L.-Arbcit die bewußte zio- \hc Arbeit als solche fördere. Aber leider war die '<■ :■: Am'machuug der Tagung sonst, war insbesondere die :;,)ntc Besprechung der Arbeit des N. F. in Ercz Isracl :;d sie ist die Grundlage unserer gesamten Tätigkeit, i; Zielpunkt unserer tagtäglichen Propagandaarbeit — nicht angetan, das Verantwortungsgefühl der Mitarbeiter her- : Prüfen oder zu stärken. Hierbei wurden sie überhaupt : zu verantwortlichen Miiarbeitern an den großen, alle .?tcn hewegenden, und die Vertrauensleute des K. K. L. v '"ders interessierenden Fragen gemacht, sondern von jeder -atting ausgeschaltet. Dafür nur zwei Beispiele: Als ■ genannten Lipskyschcn Vorschläge der Vcrcinhcit- \T der Fonds bekannt wurden, ging sofort vom Haupteine scharfe und berechtigte — Gegenbewegung : Artikel wurden in Korrespondenzen und Zeitungen vergeht, alle Sammelstellen wurden aufgefordert, Stellung : "•'■''inen, mit ihnen wurde eingehend korrespondiert, und -"treitig bekannt gewordenen Resolutionen der Sammcl- " "egen die Lipskyschcn Vorschläge wurden öffentlich '"gegeben. Noch die letzte Nummer der K. K. L.-Zcit- :: -.Unser Fonds" cuthält sie alle. Zu dieser wichtigen : '*urdc also — wie selbstverständlich — die verant- ■"^volic Mitarbeit der Vertrauensleute und Kommissionen "■■n bis ■ zur Aussprache in Wien. Hier nur einige Bemerkungen von Herrn Ussischkin, einige all- "r Bemerkungen von Herrn Berger, und die Angclcgcn- •"i" für dieses Forum erledigt; für dieses Forum, r ■ <ial;in /n eingehender Stellungnahme angeregt war. VC!'>c^ Beispiel: Schon vor dem Kongreß und besonders vor der offiziellen Eröffnung des Kongresses war Kreisen klar, daß unsere Finanzicrungsmcthodcn . -^änzung durch eine Anleihe bedürfen. In den Kon- "srammen kam dies zum Ausdruck, bei allen Vorwar die Frage der Anleihe auf der Tagcs- "m und noch vor der Sitzung des K. K. L. war bc-; .' d|ß bestimmte konkrete Pläne dafür vorlägen. Auch . i;"sc Frage — wenn auch nicht (leider nicht) vom ' ■-ro angeregt - hatten verschiedene Vertrauensleute ...''^»neMclIcn Resolutionen gefaßt und niedergelegt. Auf T:';i"? des K. K. L. hörte matt von dieser Frage, die; r,:r!l"clinier brennend interessierte, kein Wort. Dafür ' ",c ^gemeine Bemerkung von Ussischkin: jedem Juden K. K. L. (wovon??) und die „tröstliche" Konkrcti- >:, nächsten Jahre 2000O0 £ für neuen Boden! £n »' dieser so wichtigen Frage also keine Aussprache;:i"uciisleu*.c:i, um ihre Verantwortlichkeit zu stärken, . .: (Peinliches) Schweigen! Diese Beispiele genügen! : |'c v°n der deutschen Sammelstelle aufgestellten (und ^pihiim zum Teil angeregten!) Thesen nebst Bc- .'^ durchliest (siehe „Jüd. Rundschau" vom 11. d. M.), >■ :^n<™ Beispiele finden. Die Durchführung der Tagung ^utsjneu Delegierten (wie für andere) die Eind,cser Vorschläge, ihre Besprechung und Beratung : ^n Stacht. Hoffentlich wird sich das Direktorium Hauptbüro darüber klar, daß man so das Ver- : ■ s;, kcitsgefühl der Mitarbeiter nicht fördert, indem '%ßt °n dcr Bcratun& uocr so ßrondlcgcadc Fragen icSl;!ri<t auch nicnt dic Verantwortlichkeit, wenn die •.. 'lslcutc keine p-aktisch-n Ergebnisse solcher Tagung ,-CnA"c» wenn man sich darüber klar ist, daß die end- N pSSi1üssc übcr dic Arbcit dcs K.K.L. in Ercz Isracl \ ' '"Kommission des Kongresses und auf <lcm Kongreß gefaßt werden, muß man doch dafür eintreten, daß die Sitzung der Vertrauensleute „vorbereitende Beschlüsse" faßt. In solchen Beschlüssen muß dic Arbeit ihren Niederschlag finden; diese Beschlüsse müssen von dem Direktorium respektiert und der Kongreßkommission als Material, als Ausdruck drs Willens mehrerer Tausender Mitarbeiter des K. K. L. vorgelegt werden! Dic Wiener Tagung faßte keine Beschlüsse. Vergeblich wird ■ man dic Mitarbeiter fragen, was eigentlich dort festgelegt wurde. Sic müssen des Materials, der bestimmten Richtlinien für ihre künftige Arbeit (sogar für ihren Bericht in der Heimat) entbehren. Wiederholt wurde von sciten der Vertrauensleute beantragt, Kommissionen zu wählen. Kein solcher Antrag kam zur Abstimmung, geschweige zur Durchführung. Unter dem Schlagwort „Arbcitskonfcrcuz" wurde jede feste Form verlassen, alles ging mehr oder minder ohne Bindung vor sich. Das kann das Verantwortungsgefühl der Mitarbeiter nicht fördern oder wachcrhaltcn. Unwichtiger ist ~ aber nicht gänzlich unerheblich — daß kein eigenes Präsidium der Tagung gewählt wurde. Das Direktorium oder das Hauptbüro behielt dic Leitung völlig in der Hand, so daß auch in diesen (wenn auch unwichtigen) Dingen dic Mitarbeiter nicht das Gefühl hatten, zu einer wirklichen Tagung zusammengerufen zu sein. Es soll bei aller Kritik nicht verkannt werden, daß auch bei dieser Tagung wenigstens dic Aussprache über dic Propagandafragen von Bedeutung war. Sic hatte durch das Bergerschc Referat einen Rückhalt und es war ihr ein Weg vorgezeichnet. Aber sie konnte dic anderen Mängel nicht ausgleichen. Durch das Verlcgcnhcitsrcfcrat von Grauowsky vom Tage vorher (warum hat nicht einer der Direktoren ein maßgebliches Referat gehalten?), durch das sich anschließende harmlose Frage- und Antwortspiel, war das Ergebnis der Sitzung schon in Frage gestellt; dic mangelnden Formen lassen sie noch fragwürdiger erscheinen. Allgemeine Unzufriedenheit unter den Teilnehmern ist die Folge. Direktorium und Hauptbüro haben gutzumachen, was hier verfehlt wurde, damit dic Arbeit so wie bisher ständig vorwärtsgeht! Lord Plomers Abreise Dach Palästila London. (J. T. A.) Der neue Oberkommissar für Palästina, Fcldmarschall Lord PI um er, ist in Begleitung seiner Frau am 14. August nach Palästina abgereist. Der Oberkommissar nimmt den Weg über Aegypten, wo er einige Tage weilen wird. Von dort wird er sich direkt nach Palästina begeben. Oberrabblncr Dr. Ecrlz bei Lord Homer L o n do n. (J. T. A.) Der Oberkommissar von Palästina, Lord Plumer, empfing am 13. August unmittelbar vor seiner Abreise nach Palästina »den Oberrabbiner von England, Dr. J. H. Hertz, und unterhielt sich mit ihm längere Zeit über wichtige Fragen. Köaig Feisnl in Palästina eiBgetroBeo Jerusalem. (}. T. A.) König F e i s u 1 vom Irak ist am 0. August aus Beirut auf dem- Wege nach London," in Jaffa eingetroffen. Er wurde vom Gouverneur des Jcrusalcm-Jaffa-Distrikts, Sir Ronald Storrs, und von einer Anzahl Beamten und Notabcln begrüßt. Die Aegyptische Hypothekenbank in Palästica Haifa. (J. T. A.) Eine Abordnung der Aegyptischen Hypothekenbank weilte In den letzten Tagen in Jerusalem, Jaffa und Haifa, um die Möglichkeiten der Errichtung von Filialen dieses im Orient hochangcsehcucu Instituts in den erwähnten Städten zu untersuchen. Dic Mitglieder der Abordnung äußerten sich h o c h b c f r i c d i g t über ihre ■ Erfahrungen in Palästina. Es verlautet, daß schon in den nächsten Monaten dic Filialen in Jerusalem, Jaffa und Haifa errichtet werden. Eise weitere ebzssidJsche Siedlssg Im Ecek Eine dritte chassidischc Siedlung „Nachlath Israel'* ist jetzt dem Sicdlungswcrk in Ercz Isracl hinzugefügt worden. 20 Cha.ssidim aus Kosinicc unter Führung ihres Rabbi, gingen an die Austrocknung der Sümpfe aut dem Boden, der für ihre Ansicdlung vom Keren Kajemeth in der Nähe von Jadjur zur Verfügung gestellt worden ist. Außer diesem Boden haben sie noch eine Fläche von der Palcstinc Land Development Co. in Hart ich erworben. Es werden jetzt durch eine Kommission, bestehend aus Herrn Ettinger vom Keren Kajemeth, Dr. Kliglcr vom Institut für Malariaforschung und Architekt Kauü'niann als Vertreter der Zionistischen Exekutive dic Sicdlungspunktc für „Nachlath Isracl" und „Nachlath Jacob" festgelegt. Die Einnahmen des hiü. Jerusalem. (P. C.) Im Monat Juli sind beim Keren Kajemeth 23 200 £ eingegangen. Damit erreichen die Gesamteinnahmen des KKL in den verflossenen 10 Monaten des laufenden Jahres dic Summe von 205 8S4 £. Zum ersten Mal überschreiten dic Einnahmen des KKL in einer Berichtsperiode den Betrag von 200 000 £. Dic höchste Jahrescinnahme des Keren Kaiemeth, die des Jahres 5ftS-i, betrug '167 6<>5 £. In diesem Jahre sind bereits in 10 Monaten über 200000 £ eingegangen. In der gleichen Periode des Vorjahres betrugen dic Gesamteinnahmen 110329 £, es ist also ein Zuwachs von 73<Vo zu verzeichnen. (Es handelt sich hier um Brutto-Einnahmen. — A.d.R.) Bautätigkeit in Jerusalem. Der Vorschlag, die Mieterschutzordnung abzuschaffen, hat der Bautätigkeit in Jerusalem cinni Marken Antrieb gegeben. Sechs neue Baugesellschaften f ind an dic Ausarbeitung von Plänen geschritten, darunter solcher für Straßenbau und andere öffentliche Arbeiten in den neuen Vierteln. .In Talpioth, Bcth Hakerem, Rechawiah, Ncweh Jakob und den anderen neuen Vierteln sollen im Laufe des Sommers viele neue Häuser errichtet werden. Auch ein großes modernes Hotel und eine Reihe von Bürohäusern sind im Bau begriffen. Dic Baubcwcgung in Tel-Awiw. Da in der technischen Abteilung der Stadtgemeinde von Tel - Awiw sich 208 noch unerledigte Baugesuche angehäuft haben, ist dic Abteilung. zwecks Aufarbeitung der Rcstanzcn für einige Tage für den Partcicnvcrkchr geschlossen worden. Allein in der ersten Hälfte Juni sind 80 Baubewilligungcn ertcUt worden, während das bisherige monatliche Maximum 130 Bewilligungen betrug. (Ziko.) Der Lciaberger Prozeß Lemberg. (J. T. A.) Zu spannenden Momenten kam es während der Vernehmung des Untersuchungsrichters Dr. Piotrowsky, der zugleich mit Rutka die Untersuchung gegen die angeklagten Juden geführt hat. Wie erinnerlich, wurde Dr. Piotrowsky gleich zu Beginn des Prozesses vom Gerichtspräsidenten seiner Funktionen als Protokollführer enthoben, weil die Verteidigung zahlreiche Fälle vorgebracht hat, dic Piotrowskys Voreingenommenheit erwiesen. Auch diesmal brachten dic Verteidiger zur Sprache, daß Dr. Piotrowsky verboten hatte, daß man den jüdischen Unter-« suchungsgefangenen außer der Gefängniskost, die. sie nicht vertragen konnten, etwas zum Essen bringe, während er gleichzeitig M i k i c t i n in dieser Beziehung alle Freiheit ließ, um ihn zu belastenden Aussagen gegen die Juden zu bewegen.' Auch durfte Mikictin Briefe schreiben und Besuche von Angehörigen empfangen, während dies Jäger, Kornhaber und Glasermann durchaus verboten war. Piotrowsky antwortete darauf, das Elend Mikictins habe ihn gerührt, mit den Juden aber hatte er kein Miticid, deren Familienangehörige kümmerten sich schon genug um sie. — Große Sensation riefen die Angaben des Verteidigers Dr. Rat n er hervor, daß Dr. Piotrowsky die Familie Panczyszyn beraten habe, wie sie vor Gericht auszusagen hätten. Auch habe er während der Beratung der Verteidiger hinter der Tür gehorcht. Dr. Ratner nannte als Zeugen für dieses Verhalten Piotrowsky's den Vizepräsidenten der Advokatenkammer Dr. Ludwig Sandawcr und Ing. Jäger. — Auch- Mikictin erhob schwere Beschuldigungen gegen Piotrowsky und erzählte, dieser habe ihm antisemitische Literatur zu lesen gegeben und ihm einmal einen judenhetzerischen Artikel aus einer antisemitischen Zeitung vorgelesen. * Lemberg. (J.T. A.) Der Prozeß gegen dic Lemberger Juden, der schon fast einen Monat währt, nahm am 13. August eine überraschende Wendung. Nachdem das Gericht eine Reihe weiterer gravierender Beweisanträge abgelehnt hat, namentlich dic Zulassung weiterer Zeugen und Schriftsachverständiger, gab der Verteidiger Dr. Grck im Namen der Gesamtverteidigung eine Erklärung ab, die besagt: Dic Verhandlungen dieses Prozesses haben einen engen Zusammenhang zwischen Panczyszyn, Fidyk und C h a r k i w ergeben. Panczyszyn, der durch den inzwischen ermordeten Polizeikommissar Zcchnowski vernommen wurde, konnte keineswegs angeben, wo er sich am 5. September, dem Tage des Attentats auf den Staatspräsidenten, aufgehalten hat. Ohne Zweifel steht der Mord an Zcchnowski im Zusammenhang mit dem Attentat Panczyszyn* auf den Staatspräsidenten. Es ist ganz klar, daß dic Anklage gegen Steiger als den Attentäter auf kapitalen Irrtümern beruht. Deshalb hat die Verteidigung von Anfang an gefordert, daß dic Verhandlung gegen Jäger, Korn h aber, Glascrmann usw. für die Zeit nach dem Steiger-Prozeß vertagt werde. Dic Verteidigung ist überzeugt, daß Panczyszyn der Attentäter sei. Da aber def Vorsitzende alle darauf bezüglichen Fragen an dic Zeugen, sowie weitere Beweisführung abgelehnt hat, wurde, dic Uebcrführuug dos wahrhaft Schuldigen erschwert. Dic Verteidiger wurden bei jedem Versuch, dic Wahrheit aufzudecken, mit Disziplinarstrafen belegt. Die Verteidiger erklären deshalb, daß sie über ein so unvollständiges Verfahren keine resümierenden Reden halten können und verzichten deshalb auf dic P1 a i d o y c r s. Dic Erklärung der Verteidigung hat auf Publikum und Gericht ungeheueren Eindruck gemacht. Man sieht daraus, daß dic Verteidigung dic Hoffnung aufgegeben hat, der Wahrheit dienen zu können. * Lemberg. (J. T. A.) Am IS. August abends ist das Urteil in dem Prozeß gegen dic Lemberger Juden verkündet worden. Die jüdischen Angeklagten, Ing. Korn h aber, Buchdruckcreibcsitzcr Jäger und Apotheker Glascrmann, sowie der Privatdetektiv Dwornicki wurden von der Anklage der Verleumdung und der Anstiftung zu falscher Zeugenaussage freigesprochen. Der frühere Polizeikonfident Mikictin wurde wegen der erwähnten Delikte zu drei Jahren schweren Kerkers und zur Zahlung von 6000 Zloty Entschädigung an den Rechtsanwalt des Ukrainers Panczyszyn verurteilt. Durch dieses Urteil hat das Gericht ausgesprochen, daß Kornhaber, Jäger und Glascrmann von sich aus keine Andaltcn gemacht haben, in das Verfahren gegen den jüdischen Studenten Steiger einzugreifen, sondern nur, a'.s Mikictin au sie herantrat, und sich erbot, Bcwci>c für dic Schuld Panczys/yns und dic Unschuld Steigers an dem Attentat gegen den Staatspräsidenten zu erbringen, Schritte unternahmen, um dic Wahrheit aufzuklären. Der Prozeß, der vom S. Juli bis IS. August währte, hat dic Judcnhcit Polens in ununterbrochener Spannung gehalten; der Freispruch der jüdischen Angeklagten wurde mit großer Genugtuung entgegengenommen. — Der Prozeß gegen Steiger wird im Oktober stattfinden. Das Esperanto-Organ „Es per o Katolika" entwickelt sich zu einem antisemitischen Ilctzorgan. In der letzten Nummer dieses Blattes wird gesagt, dic Juden seien das einzige Volk, welches aus dem Kriege Vorteile zog. Es bestehe in Versailles und im Völkerbund eine Oberrcgicrung der Juden. Palästina soll wieder das Zentrum der Völker sein. Nach der Wiederherstellung der jüdischen Obersten Geistlichkeit soll auch der jüdische König, du Sohn Davids, als der Beherrscher aller Nationen auferstehen. Man müsse blind sein, um nicht zu sehen, daß sich die größte Revolution der Neuzeit, als dic Rache Israels an der Christenheit, vorbereitet. Und das alles in einer Sprache, deren Erfinder der polnische Jude Zamenhof ist. Mainz. (J.T.A.) In den letzten Tagen haben Unholde den Israelitischen Friedhof bei Alsbach (Bergstraße) geschändet. Elf Grabsteine wurden umgeworfen und zertrümmert. Der Israelitische Friedhofsverband in Alsbach hai für dic Ermittlung der Täter eine Belohnung ausgesetzt Genf. (J.T.A.) Die von der Europäischen Siudcntcnhiilc einberufene Internationale Studcntcnkontcrcnz wurde durch den Schweizer Bundesrat M. G. Motta eröffnet. Anwesend waren 31 Delegationen; dic Delegation des Welt Verbandes der jüdischen Studentenschaft bestand aus 6 Vertretern, die wiederholt in dic Diskussion cingrificr/