Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-08-14 · Heft 64-65 (14.8.1925) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 64-65 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652752--17630-3528525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 556 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.e4/65 Oer Bericht Leo Motzkins wurde durch einen mit Spannung angehörten Vortrag Dr. Oskar Cohn's ergänzt. Er führte ungefähr aus: Es hat sich leider gezeigt, daß man in Amerika davon abgekommen ist, ein einheitliches Interesse der jüdi- 5chen Gesamtheit anzuerkennen. Die große Masse der amerikanischen Juden, vor allem die Klasse der Reichen und der Intelligenz, zeigte sich wenig aufnahmsfähig für die Stimme .des Blutes und der Tradition. Gerade die Welthilfskonfcrcnz, die die Einheitlichkeit der jüdischen Volksintcresscn betont, die Einheit in Glück und Unglück, wurde von den Großjuden und den Assimilantcn mit wenig Sympathie aufgenommen. Diese Abneigung gegen die jüdische demokratische Form verdichtete sich in dem Kampf gegen Hias, deren Kräfte durch eben diesen Kampf absorbiert worden sind. An die Berichte Motzkins und Dr. Cohns knüpfte sich eine Diskussion, in der einige Redner (so Herr Dr. G c r g c I, der eben erst aus Amerika eingetroffen ist) die amerikanische Judenhcit in Schutz nahmen. In der Abendsitzung vom 10. August hielt Herr J. Lcst- «chinsky sein Referat über die Krisis in der jüdischen Emigration. In den Jahren vor dem Kriege hat es sich gezeigt, daß die Auswanderung den normalen Zuwachs in der jüdischen Bevölkerung ausgeglichen hat. Auch jetzt gilt es, etwa 300000 Juden jährlich aus den bisherigen Vohnländcrn herauszuziehen. Durch das Stocken der Emigration und der anderen Umstände ist das jüdische Wirtschaftsleben in Osteuropa um 30 bis -10 Jahre zurückgeworfen worden. Die Zahl der Kleinhändler hat sich vermehrt, die der produktiven Elemente vermindert, weil eben für den jüdischen Zuwachs kein Platz in der Produktion vorhanden ist. In allen diesen Ländern wird das Baucrnelemcnt immer mehr auch in der Regierung tonangebend, die Industrie und der Mandel gehen zurück, dfc Kaufkraft der verarmten Bevölkerung ist überall gefallen, frühere Märkte gingen verloren. Die jüdische Bevölkerung leidet unter einer ungeheuer ökonomischen Katastrophe. Das Emigrationsbcdürfnis ist elementar. Alle Anstrengungen, das jüdische Element in den bisherigen Ländern produktiv zu stärken, werden darin nicht viel ändern können. Es müssen »He Anstrengungen auf das Ziel vereinigt werden, Einwaudcrungsländcr ausfindig zu machen. Hierauf hielt Herr W. Lat/ky-Bertholdy dm zweiten Teil seines Referates über Südamerika. Er schilderte die unerhörten administrativen Schikanen, die die gegenwärtige argentinische Regierung der jüdischer. Einwanderung entgegensetzt. Andererseits aber hat die Regierung der Ica ein Privileg für die Hereinbringung von Handwerkern und landwirtschaftlichen Arbeitern gegeben. Es ist eine planmäßige Arbeit erforderlich, um Argentinien als Immigrationsland zu behalten. Beste Möglichkeiten für Immigration bestehen in der Republik Paraguay. Es muß dort ein Stützpunkt für jüdische Einwanderer geschaffen werden. Möglichkeiten bestehen auch in Brasilien. Herr Dr. Brutzkus hielt ein Referat über Emigration and Kolonisation, in welchem er ausführte, es sei nicht genug, Immigrationsländer zu finden, es sei auch nicht genug, die Emigranten in den Auswandererländern vorzubereiten, man muß ihnen die Möglichkeit schaffen, sich in die Wirtschaft der Einwanderungsländer einzugliedern; es muß eine Kolonisationsarbeit in den Einwanderungsländern entfaltet werden. Natürlich ist dazu viel Geld notwendig. Leider ist das von . Baron Hirsch dem jüdischen Volke (unterlassene Erbe in den Händen der Ica, wir müssen fordern, daß dieses jüdische Erbe dem Zwecke zugeführt wird, für den es bestimmt ist. Es muß eine demokratische Organisation für Kolonisation und eine Kolonisationsbank geschaffen werden. In der Diskussion führte Herr Dr. Lwowitsch aus, man kann jetzt unmöglich eine Emigration regeln, wenn man nicht gleichzeitig an die Kolonisicrung der Emigranten in den neuen Ländern schreitet. Daß die judenkolonisicrung aussichtsreich ist, beweisen die Zahlen in Rußland, wo in den letzten sechs Jahren mehr als 60000 Familien kolonisiert wurden. (? Red.) Das ist einzig dastehend in der jüdischen Geschichte. Der Redner schlägt vor, Emigdirckt solle eine Kolonisationskonferenz einberufen. An der weiteren Diskussion beteiligten sich die Herren Fcinlcib, Dr. Jochclmann, Grünberg, Dr. Gergel, Dr. Brutzkus und Dr. Schipper. Mehrere Delegierte, so insbesondere Dr. Silbcrfarb und Dr. G c r g c l kritisieren sehr scharf Tätigkeit und Organisation des Emigrationsdircktoriums, indem sie ausführten, das Emigrationsdircktorium sei zu sehr von der jüdischen Welthilfskonferenz abhängig und darum zu keiner fruchtbaren selbständigen Arbeit fähig. Aufgabe dieser Konferenz sei es, eine auf demokratischer Grundlage aufgebaute unabhängige Organisation zu schaffen. Mehrere andere Redner, so insbesondere die Herren Lestsc hinsky und Ts eher ikower, traten dieser Kritik entgegen. Herr Rudel bemängelte, daß die Ocffcntlichkeit und die Presse zu sehr vernachlässigt werden. Er fragte, warum in den Immigrationsländern keine Vertretungen oestchen, um die Immigranten dort zu beraten. Es gehe gegenwärtig eine Rückwanderung vor sich, die Lage der Rückwanderer ist furchtbar. Das Arbeitsfürsorgeamt in Berlin hat in zahlreichen Fällen helfen müssen. Herr Motzkin trat der scharfen Kritik Dr. Silherfarhs entgegen, insbesondere der Behauptung, daß die Welthilfskonfcrcnz das Emigrationsdircktorium in einem Abhängigkeitsverhältnis halte. Kritik allein genügt nicht, nötig ist c»nc positive Arbeit, eine große Konferenz, die das ganze Judentum repräsentiert. ♦ Die Zweite jüdische Emigrationskonfcrcnz wurde am iL August spät nachts geschlossen. Es wurde die Gründung eines „Jüdischen Emigrationsverbandes" beschlossen, der nunmenr an die Stelle des Emigdirckt treten wird. Die Resolution über den Tätigkeitsbericht des Emigdirckt ijiutct: l.' Nach Anhörung des Berichtes des Präsidiums über 'i10. .Ergangene Berichtsperiode drückt die Konferenz dem ^rasidium Vertrauen und Dank für die vollbrachte Arbeit aus. Die Konferenz bestätigt, daß die unklare Organisationen^ Lage des Emigdirckt und dessen Abhängigkeit von anderen Organisationen einerseits, die schwache Entwickhing der Landesorganisationen in den Ländern andererseits, das Emigdirckt daran gehindert haben, eine Reihe Aufgaben, vor die « gestellt war. in vollem Maße zu erfüllen. 3. Die Konferenz t5CIJt mit Befriedigung fest, daß es in der letzten Zeit dem ttnigdtrrkt gelungen l<t, eine erhöhte Tätigkeit zu entfallen und Bedingungen zu schaffen für die Entstehung einer sclb- »tandigcn volkstümlichen Organisation, die in der Lage sein "ird die Aufgaben auf dem Gebiete der Emigration zu lösen Die Konferenz beschließt: 1. Der „Jüdische Emtgrationsverband" ist ein Verband der Landesorganisationcn für Emifcj*«tenhilfe und Emigrantenschutz; sein Ziel ist, die jüdische wanderbewegung zu regeln und die jüdischen Emigranten <u schützen. 2. Dem „Jüdischen Emigrationsverband" können m'r( interterritoriale jüdische Organisationen angehören, deren i «\tigkcit sich auf Fmigrautenangelcgcnheitcn erstreckt. 3. Dem •Jüdischen Emierationsverband" können auch Organisationen. Jüdischen Emigranlcnmassc sind und wo die jüdische Arbeiter« J5J«t eine gemeinsame Organisation mit dem Undesproletariat Dilqet, unterstützt die Zentrale die speziellen Arbeitet emigrattootbuDoc und unteriuüt die Vottnduag mit ihnen durch die Landeskomitees. 5. Die Landesorganisationen werden auf dem Prinzip einer breiten Mitgliederschaft bei aktiver Beteiligung der Emigranten selbst ausgebaut. 6. Sollte es infolge spezifischer örtlicher Bedingungen nicht möglich sein, in den einzelnen Durchwanderungs- oder Einwanderungsländern Organisationen nach dem Prinzip der Mitgliederschaft aufzubauen, kann die Verbandsexekutive die Gründung eines Komitees auf der Grundlage einer Vertreterschaft örtlicher, an Emigration.saugclegenheitcn interessierter jüdischer Organisationen gestatten. 7. Die pinanzicruny; des jüdischen fcmigrationsverbande*, ::'<--h\^ *: <-.- , >. ' ii«-:h Mitglicderbciträge, zweitens durch h;..; tn, <*:.,.u:ui durch Subventionen freundlich gcsiniuer nuirciwerter OitfAfttsationcn. 8. Die Zentralen Organe d;s Verbances *i..d: erstens die Executive, zweitens der Rat. In den Rat entsenden alle Glieder des Verbandes ihre Vertreter. Der Rat und die Exekutive werden von der Konferenz gewählt. In einer Resolution über die Aufgaben des „Jüdischen Emigrationsvcrbaudes'' in den Einwanderungsländern wird die Aufmerksamkeit der jüdischen Ocffcntlichkeit in Europa und in den Vereinigten Staaten Nordamerikas auf die Pflicht gelenkt, dem jüdischen Emigranten zu helfen, sich in neuen Einwandertingslandcrn anzusiedeln. Es wird insbesondere auf die Ansiedlungsmöglichkeitcn in den .südamerikanischen Republiken hingewiesen, wo aber die jüdischen Gemeinschaften noch zu schwach sind, um allein die Sorge für «He neuen Einwanderer zu tragen; dir Konferenz findet es deshalb für nötig, die dortigen jüdischen <iruieln>chaften in dieser Arbeit moralisch und materiell zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen die große Volksaufgabe der Unterbringung jüdischer Emigranten in Landwirtschaft und Industrie der neuen Einwanderungsländer durchzuführen. Iii einer Resolution zur Frage der Emigration und Kolonisation wird beschlossen, die Koionisationsniögliehkcitcn in verschiedenen Lindern zu erforschen und, wo eine jüdische Kolonisation möglich ist, die Gründung von Kolonisationskomitees unter Beteiligung ortsansässiger jüdischer Kolonisten zu unterstützen. In den Auswanderung.*- und Durchwanderungsländern sollen gemeinsam mit anderen Gesellschaften Institutinnen zur Ausbildung der Juden in der Landwirtschaft geschaffen werden. f's wurde zum Schluß noch eine Resolution über Propaganda angenommen, laut welcher die Konferenz es für notwendig hält, eine energische Propaganda bei der Wcltdemokratie und ihren maßgebenden politischen Faktoren für Abschaffung der bestehenden Einwandcrungsbeschränkungen zu beginnen. Für diese Propaganda soll ein spezielles Budget geschaffen werden. Die Konferenz begrüßt den Eintritt des Jüdischen Emigrationsverbaudes" in die Internationale Vcrinigung für Emigrantenschutz und fordert die Exekutive auf, in die Konferenz dieser Vereinigung, die am S. September d. J. in Genf beginnt, eine entsprechende Vertretung zu entsenden. * Vor der Abstimmung über die Resolutionen gab der Vertreter der Ica und des Hilfsvereius der Deutschen Juden, Herr Dr. Wisch nitzer, folgende Erklärung ab: Im Namen der zwei Organisationen, die ich vertrete, der Jewish Colonisation Association in Paris und des Hilfsvereius der Deutschen Juden in Berlin, erkläre ich, daß ich die Resolutionen und den Vcrhandlungsverl.uif dieser Konferenz den Vorständen beider Organisationen zur Kenntnisnahme übermitteln werde. Ich war nicht in der Lage, mich an der Abstimmung über die Resolutionen zu beteiligen. Ich bitte das Präsidium und die Konferenz, diese Erklärung zur Kenntnis zu nehmen. Präsident Motzkin nimmt die Erklärung zur Kenntnis und drückt die Hoffnung auf eine Zusammenarbeit der genannten Organisationen mit dem neuen Lmigratiowsvcrband .ins. Die Zweite Jüdische Emigrationskonferenz wählte eine zehnglicdrigc Exekutive und einen zehngliedrigcn Rat des „Jüdischen Emigrationsverbandes". In die Exekutive wurden folgende Herren gewählt: Dr. Bernstein (Hias), Dr. B. Brutzkus, Dr. Ben-Nathan, Abg. Dr. Oskar Cohn, Lwowitsch, Jakob Lestschins Tcy, W. Latzkv- Bertholdi, Dr. Alficd Klee, Dr. Krainin, Sch. Rudel. Manische MieoritStsklageB vor den Völkerbnucsrat Genf. (J. T. A.) In der 34. Session des Völkerbundrates kam eine Petition der polnischen Minderheit in Litauen zur Sprache. Auf Aufforderung der Mitglieder des Rates gab der litauische Vertreter im Völkerbundrat, Herr Dovas Z a u n i u s , eine längere Erklärung über die Lage der Minoritäten in Litauen ab. Die jüdische, polnische mjd deutsche Minderheitsfraktion im litauischen Sejm richteten daraufhin eine Interpellation an den Minister des Aeußcrn, in der darauf hingewiesen wurde, daß die Erklärungen des Herrn Zaunius vor dem Völkerbundrat mit der Wirklichkeit in keiner Weise übereinstimmen. Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris hat den Text dieser Interpellation an die kompetente Stelle wcitcrgcleitct. Daraufhin erhielt das Komitee der jüdischen Delegationen die Zusicherung, daß das Dokument aufmerksam geprüft und dem Referenten des Vülkerbundsrates zur Behandlung übergeben wurde. Wie man aus dem Programm der 35. Session des Völkerbundsrates ersteht, wird die Frage der Minoritäten in Litauen diese Session, die am 2. September zusammentritt, beschäftigen. * Genf. (J.T. A.) Am 8. und 9. September findet in Genf die Konferenz der Internationalen Organisationen für Emigrantenschutz statt. — Der Exekutive dieser Konferenz gehören von jüdischer Seite bekanntlich Herr Zcwi Abcrson von der Wclthilfskonfcrcnz und dem Komitee der jüdischen Delegationen und Herr Lucicn Wolf vom Joint Foreign Committcc der englischen Juden und der Ica an. AswacdereriSrsorge des BUIsverelas der Dcitsebea Jndea Dem Korrespondenzblatt des Centraibüros für jüdische Auswanderungsangclegcnheitcn des Hilfsvereins der Deutschen Juden ist zu entnehmen: Im Jahre I0.M nahmen ihren Weg unter lürsorge des Hrtfovcrcins über Berlin, Schlcsischer Bahnhof, 19381 Personen, und zwar 11107 Männer, 5363 Frauen, 2911 Kinder (davon 5762 Nichtjuden). In der Zeit von Januar bis Juni 1025 nahmen denselben Weg 14 600 Personen, und zwar 7150 Männer, 4679 Frauen, 2771 Kinder (davon 5599 Nichtjudcn). Die Durchwanderer reisen überwiegend in Transporten, die durch Schiffsgescllschaftcn von Ländern des Ostens nach Häfen der Weststaaten geführt werden. Palästina- Fahrer aus dem Osten passieren gleichfalls die Fürsorgestation Station des Hilfsvcrcin» am Schlrsischrn Bahnhof. Durch Stentsch wanderten im Jahre 1921 9272 Personen, Januar bis Juni 1925 4141 Personen. In Hamburg betrug die Zahl der jüdischen Auswanderer, die im Uebcrscehcim (früher Auswandererinnen) im Jahre 1924 eintrafen. 1968. Nach privaten Feststellungen sind im Jahre 1924 über Bremen rund 400 Personen ausgewandert, davon ca. 135 nach den Vereinigten Staaten und ca. 175 nach Südamerika, sodann nach Kanada, Mexiko usw, Der Lfmberfler Prorcsi Lemberg. (J.T. A.) Eine Sensation war die •. vernähme des Untersuchungsrichters Rutka, dem von dl Angeklagten und mehreren Zeugen vorgeworfen wird habe sie durch Drohungen und Erpressungen dazu gebrärgegen die angeklagten Juden belastend auszusagen. Uu\>.% leugnete anfangs entschieden, die Angeklagten und ZcuC' terrorisiert zu haben und bringt sich zum Teil mit von ihm abgefaßten Protokollen in Widerspruch. Der \vsitzende richtete u. a. an ihn die Frage, ob er wit^.", dem Detektiv Dwornicki gesagt habe, er solle. v..- Gericht als Zeuge erscheinen, um die Juden ctid,~ü;-,: „einzutunken". Rutka antwortete nicht. Der Vorsitze:-,'-' wiederholte die Frage dreimal, der Zeuge blieb aber stup^'j. Die Verteidigung richtete eine große Reihe von Fragen''\*J. den Zeugen Rutka, die aber das Gericht nicht zulaßt.'^ die anderen zugelassenen Fragen der Verteidigung antworte-. - Rutka mit einem Wort: ausgeschlossen. Die Ancck!.-,^.. I und die Zeugen geraten in Erregung und sagen alle Ru-;": auf den Kopf zu, daß er sie in unmenschlicher U'e;.'.» terrorisiert und die ganze Untersuchung nach der cinf, \ Richtung geführt habe, die Juden zu belasten. Die jüdische Not Ii Pcleo Warschau. (J.T. A.) Mehrere Tausend jüdische Te*. tilarbeiter in Lodz sind durch die Krisis in der Textilbranc.v' in schwerste. Not geraten. Abgesehen davon, daß zahlreiche Arbeiter ohne Arbeit sind, erhalten auch die noch jetrt in den Fabriken Beschäftigten seit einigen Monaten keine Löhne da die Fabrikscigcntümcr nicht in der Lage sind, die not! wendigen Gelder zu beschaffen. Am 27. Juli hielt der Verein jüdischer Textilarbeiter in Lodz eine massenhaft besuchte Versammlung ab. Es wu;c> eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, ein Strkkönne unter den heutigen Verhältnissen den Arbeitern nidviel nützen, aber die Arbeitgeber müßten alle Anstrengung machen, um den Arbeitern die rückständigen Lohne au<,r,! zahlen, da sonst Hunderte von Arbeiterfamilien buchstäblich dem Hungertode verfallen werden. * Warschau. (J. T. A.) Seitdem die polnische Regicru.^ die Tabakproduktiou in eigene Regie genommen hat', sin? Masscnentlassungcn jüdischer Arbeiter und Arbeiterinnen a:1 der Tagesordnung. Unter den früheren, fast ausschließlich jüdischen Fabrikbesitzern, waren die Arbeiter nicht gezwun^tr, an Sabbath- und jüdischen Feiertagen zu arbeiten. I>ic Staat?! regic jedoch will in diesem Punkte keine Konzessionen machen und entläßt alle Arbeiter und Arbeiterinnen, die am Sabbath nicht arbeiten. In den letzten Tagen sind in den Warschauer Tabakfabriken wiederum zahlreiche jüdische Mädchen und Frauen aus dem angegebenen Grunde entlassen worden. Jüdische Kriegswaiiei ans Pol« in Palästina Die polnisch-jüdische „Gesellschaft für Kinderhilfe und Waisenfürsorge" unternahmen die ersten Schritte, um in Palästina eine 1 a n d w i r t s c h a f tl i c h c Kolonie jüdischer K r i egs wa i s c n aus Polen zu bc g rü nd c n. hin in Palästina eingesetztes Komitee angesehener aus Polen stammender Juden hat vom Kcrcu Kajcnicth die Zusicherung erhalten, daß ein hinreichendes Stück Land für diesen Zwec'» von ihm pachtweise zur Verfügung gestellt würde. Auf diesem Boden sollen zunächst probeweise 30 Waisen angesiedelt werden. Die genannte Gesellschaft beabsichtigt, zum XIV. Zionistcnkongrcß eine Spczialabordnung zu entsenden, um mit dem Kercn Kajcnicth und der Zionistischen Exekutive endgültige Vereinbarungen zu treffen. Die Kosten der Ansiedln g sollen in den ersten zwei Jahren durch die polnischen Juden gedeckt werden. (Ziko.) Die neue antisemitische Welle in Rumänien Bukarest (J.T.A.) In Bukarest fanden am 4. Au£u<- antisemitische Kundgebungen der Studenten statt. Die Manifestanten versammelten siel» vor dem Nationalthcatcr, wo Bacsloglu zur Rache für die M i ß h a n d I u n g C u / a' s d u rcieinen Juden aufforderte. Hierauf begaben sich die Demonstranten zum Hause der demokratischen Zeitung „Adcvcrui". wo sie Schmährufc ausstießen und Miene machten, das Hau* zu stürmen. Die Polizei schritt ein und vertrieb die Manifestanten. Die Zeitung „Viitorul" erklärt, die Studenten ua^r die Schuld, wenn Rumänien im Ausland al.s antisemitischer Staat hingestellt wird. Doch müsse man, erklärt die Zcitur,; weiter, auch die jüdischen Provokateure bestrafen. In Jassy herrscht Ruhe. Die jüdischen Läden sind /um Protest geschlossen. Der Jude Lerner, der die tätliche:; Angriffe Cuzas durch Gegenhiebe abwehrte, wird in Haft bc halten, ebenso vier antisemitische Demonstranten. In Vasiii Lupu wurden die jüdischen Passanten nae'n einer Studentenversanimlung in den Straßen überfallen und schwer verprügelt Auch im Hahnhofsrestaurant wurden die jüdischen Reisenden schwer mißhandelt. Aus den eintreffenden Zügen wurden die jüdischen Passagiere herausgezerrt, mißhandelt und^ am Weiterreisen verhindert. In Christesti wurden zwei jüdische Passagiere aus dem fahrenden Zvze herausgeworfen. Das Befinden der in Jas«v schwer verletzten jüdischen Kauflcutc Salomen David und" Pcrcz Cohn ist noch immer sehr bedenklich. Der Mühlenbcsitzer GriinsM«. bei dem Lerner angestellt Ist, wurde, als er als Zeuge mrr. Untersuchungsrichter ging, vor dem (ierichtsgebäude von deuten überfallen. Der Student Ursiccanu gab gegen ihn vier Revolverschüsse ab, die wtn Glück alle fchi-Mii^en. Ursiccatiwurde verhaftet. JfldlseV Pladfioder ans Griechenland nad Aeayptes Unter der wachsenden Zahl von Besuchern Palastin.« waren letztens zwei Gruppen jüdischer Pfadfinder a"* Alexandria und Saloniki. Beide machten eine Fahrt durch alle Keren Hajessod-Siedlungen auf Boden des K'eren KV mrth, besuchten zuertd Tel-Awiw und die Kolonien in J"*!-1 und dann den Emek Je.srcel. Die Gruppe aus Alcvartiiru, deren Mitglieder sämtlich hervorragende Sportslcutc si^- spielten eine Reihe von Fußball- -und Tennistournccn mit dehiesigen Maccabi-Vereincn, dem englischen Sportklub und anderen Kh bs. In Charkow, der jetzigen Hauptstadt der Ukraine, wurde aus Staatsmitteln em Theatergeh.iude mit 1100 Platren errichtet, welches dem jiddischen Drama gewidmet sein wird F* wurde eine Truppe von SO jüdischen Schauspielern Schauspielerinnen zusammengestellt; mehrere hervorragen^ Kräfte der russischen Bühne werden in diesem .Jiddischen Staatstheater" auftreten. Laut einer Meldung nus Tel--Awiw hat die dort'S6 Stadtvertretung beschlossen, an den Kongreß die Bitte » richten, die sterblichen Ucbcrrcstc von Hcril und Nord»* luch txcz-Iiiaci zu überführen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.