Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 64-65 (14.8.1925)
- Date
- 1925-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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/GS Mr.'64/öS JUEDISCHE - RUNDSCHAU Seite 551 i ii§ PrDiramte ^-pü VMd«wati« ^«^^u^^u^iJUUUU^UU^ii Von Louis Lipsky, Mitglied der zionistischen Exekutive qi, jehr^ ■phi'«« p,j1 pt> Vertreter der Juden aus allen Weltteilen strömen Wien In den kommenden Wochen wird die östcrtn£ l :r'-,.^chc Hauptstadt zum Brennpunkt des allgemeinen jüdi- *C' >cn Interesses werden. Keinem anderen Ereignis im ^;; imdcr des jüdischen Lebens wird ein so starkes Intert t|:.?t fntgegengcbracht wie dieser großen internationalen Vcrsic!:•;; ^mlung von Juden, die unter dem Namen Zionistenv;! ^reß bekannt ist. Natürlich werden diejenigen, die Zio- S- ' tn &ind, starker davon bewegt. Die Erinnerungen an '''V.!'t jahrzehntelange Anstrengung, die sie lebendig werden jf.'.fn machen die Kongrcßverhandlungcn für jeden Andrer des Zionismus zu einer Quelle seelischer und *i;tigcr Befriedigung. Aber wir wagen zu behaupten, daß D&'^jcser Zeit auch tausendc der sogenannten Nichtzionistcn üi J* jjlrr Uchcrzeugungcn und Vorurteile) der Eröffnung ül)t$£ Zioni'tcnkongresscs mit der Erwartung und Hoffnung scirlKgcnsohen, daß seine Beratungen den Orund legen ^■rl''*fn zu dem Wiederaufblühen eines reinen jüdischen ri$fc*- * rde-g a | Palästina selbst entsendet eine ganze Anzahl von Ver- . t^ttrn. Den Berichten zufolge bringt ein Schiff über vierltli'|"!ndcrt Gäste nach Triebt. Glücklich diejenigen, die aus!n"vfl werdenden Lande kommen! Ihre Körper tragen die D^f'..lifn physischer und geistiger Kämpfe. Sic haben harte c!!rS;,(jt kennen gelernt. Sic kennen die komplizierten Probleme r it.u Wiederaufbaus. Sic sind eifrig und ungeduldig, denn |:p fühlen die Verwirklichung kommen, die ihre Aufstj.-.f'-fcrung von Tag zu Tag näher bringt. Sic kommen C'K, i Kongreß mit ungestümen Ansprüchen und stürmischen i gerungen. Sic möchten die Qualen des Pioniertums ' -icr sich haben. In ihrem täglichen Leben fühlen sie die e:"v;:!wcndigkeit einer Beschleunigung der. Aufbautätigkeit, der f Schließung größerer Möglichkeiten, der Hinwegräumung f •-. Hindernissen; aber sie haben das befriedigende Beisein, daß jeder ihrer Atemzüge, jeder erlittene Schmerz, |'^c kleinste geleistete Arbeit dazu beiträgt, das Gebäude nationalen Lebens aufzurichten. ■; Diejenigen, die aus den Ländern der Zerstreuung . r.mcn, haben diesen Trost nicht. Sic kommen aus einer M. jiliörlichen Tretmühle der Hingabc und Arbeit. Sic :;mcn aus einer Atmosphäre, in welcher jeder Atemzug : nationalen Bestrebungen vergiftet. Jede soziale Pflicht jj..' ringert ihre Kraft, für die Idee zu wirken. Alle Mächte n;r- Lebens sprechen mit fremder Zunge. Sic tragen die i-::; eines endlosen Kampfes. Wenn sie zum Kongreß i irv r.men, so hoffen sie dort Aufmunterung. Ermutigung ji.-d die Kraft zu weiterem Ausharren zu finden. p Wir haben eine Position errungen, welche die Auf- Jr';V:rrks.imkcit der ganzen Welt auf sich zieht. Es ist becr'v icrlich, daß die Vorbereitungen zum Kongreß in Wien n unziemlichen Drohungen und kleinlichen Angriffen Av; Ir.itft waren und daß die allgemeine Preise von der : 'iiiiilcr Gastfreundschaft ein so unschönes Bild gegeben hat. i5!;'(fir wagen zu behaupten, daß die Welt im ganzen und df|;r,ßcn für diese Zurschaustellung roher Manieren kein ^"'"ercsse hat und der größeren Bedeutung des zionistischen "•'Vernehmens ihr Interesse widmet. Vertreter der Rr- P'-^vrunfen werden anwesendsein, und sie werden den Kern, die sie vertreten, von den Fortschritten eines Ken Volkes berichten, das unter den größten Schwierigen eine Position der Selbstachtung und der nationalen r bilit.it zurückzugewinnen sucht. Was wir in Palästina in •■■Jim Galuth für die Organisierung des jüdischen Volkes i i, wird eine Wirkung haben, die weit hinausgehen wird : \ d.is Land, das wir zurückfordern, und über das Volk, ,-c:\ un<erc Anstrengungen ein neues Leben schaffen sollen.;C-;' : werden' das Land Israels zu neuem Leben erwecken \ "1 die jüdische Kultur aus einem Objekt der Untcr- [■'^kung zu einer Kraft machen, die alle territorialen Konzen durchbrechen und der ganzen Menschheit zum fr- "?cn gereichen soll. Die Zeit hat einige unserer internen Probleme gc- ' In vielen Ländern der Diaspora, wo wir die Nach- :=*'"tu des Krieges erlebt haben und noch immer unter v 1c" schlimmen Nachwirkungen leiden, ist die Hoffnung ■ Stelle der Verzweiflung getreten. Wir können wieder h ürnen und aus den engen Sackgäßchen unseres Lebens t uende hinausführen auf die breiten Straßen, die nach dein r/dc Israels führen. Wir können wohl Armut ertragen, f: nicht den Verlust unseres nationalen Geistes. Wir :u .'••«««» wirtschaftliche und nationale Nachteile ertragen, , :.yr nicht den Verlust unserer nationalen Entschlossenheit. -V'tfe arbeitet der ganze Galuth mit wenigen unbedeuten- :, 15 Ausnahmen mit am Aufbau des jüdisch-nationalen ' ""es. Aus allen Ländern kommen Spenden für den;'c" Hajcssod und den Kcrcn Kajcmcth, in allen Ländern :cl die Immigration vorbereitet und organisiert, in allen "dern beherrscht das erhabene Ideal von der Wicdcr- :t"iigung eines zersplitterten Volkes auf dem Boden seiner y..|fr die Gedanken der Juden. Wir kommen in diesem .' .'-.'^ zum Kongreß mit einer ungebrochenen Zionistischen 7.. ^nisation, mit Delegierten aus allen Ländern, die sich (1;r Pflichten bewußt und zu allen Opfern bereit sind, r man von ihnen verlangen wird. ■ ,i aI'cr Anzeichen des Gegenteils werden die Kon- 'Verhandlungen nicht von heftigen Polemiken beherrscht , Nicht Formen und Formalitäten, Feststellungen, Staf ,'kcn. Gebärden und Posen werden ihm sein charaktcristi- Cs 9cP^ägc geben. Wenn wir in den Gedanken unserer . '/"»Merten Zionistcn richtig zu lesen verstehen, so ist ihre 0cisfrage folgende: Wie kann die jüdischnatio- •!..: c Heimstätte auf dem schnellsten Wege 'tl~ gebaut werden und auf welchem Wege r.nn«n wir die materiellen Mittel (also die [•lf.ch0 aufbriirgcn, um das jüdische Volk in nctn jetzigen kraftlosen Zustand in ein uwent zu verwandeln, das die Grundunserer nationalen Heimstätte zu •stru >n •SiTJ^«n imstande ist? Jeder* andere Gegenstand; >( £rnandlungen ist nebensächlich und nur insoweit wichi ' 116 er mit. dieser zentralen Frage zusammenhängt. Die Zeit ist uns günstig. Seit der Wiederaufnahme der Kongresse im Jahre 1021 sind wir zum großen Teil in eine Diskussion verwickelt gewesen, deren Grundlagen Formalitäten waren. Aus der Zeit vor dem großen Kriege haben wir die Traditionen einer Organisation übernommen, in der Form und Idee eine wesentliche Rolle gespielt haben. Das Insrrument war geschaffen worden:' die Zionistische Organisation. Er, gab Ausläufer — den Jcwish Colonial Trust, den Jüdischen Nationalfonds — aber diese Institutionen warteten nur auf den Tag, an dem sie sich losreißen würden, um ihre Aufgabe völlig erfüllen zu können. Irls hat zwanzig Jahre gedauert, die Zionistische Organisation aufzubauen. Und die neue Aufgabe, die große Möglichkeit, die aus der Balfour-Dcklaration erwuchs, mußte — so meinte man nun •-- den Methoden dieses IiKlnimcntc* angepaßt werden. Viele unserer schmerzlichen Auseinandersetzungen, viel von dem kriegerischen Gci-tc, der entwickelt wurde, die Verluste an Menschenkraft — an 'Menschen und Mitteln — die wir erlitten haben, sind auf die von vornherein aussichtslosen Versuche zurückzuführen, die zionistische Tradition früherer Zeiten zu bewahren, anstatt unsere neue. Aufgabe mit unbeeinflußtem Geist und in voller Freiheit in Angriff zu nehmen. Der Geist der Zionistisehen Organisation, ihre Ziele, ihr Idealismus, ihre Hingabe an selbst auferlegte Pflichten wurden zu einem Kampfe herabgewürdigt, in dem veraltete Traditionen gegen eine neu erwachsende Verantwortlichkeit ins Treffen geführt wurden. Diese Zwischenphasc unserer Existenz haben wir überwunden. Wir kommen zu diesem Kongreß mit einem gewissen Maß von Klarheit über das was wesentlich und das, was akademisch ir.t. Das Akademische darf nicht unterschätzt werden, es hat seine Vorteile. Es ist das Werkzeug der Auseinandersetzung. Aber von weit größerer Wichtigkeit sind die Tatsachen des Lebens, die durch Worte nicht gelöst werden können, und seien sie noch so wohl gesetzt und noch so logisch aneinandergereiht. Wir glauben, die meisten" Zionistcn werden sich darin einig sein, daß alles, was in dem Namen Zionistische Organisation inbegriffen ist, in einem praktischen Sinn der außerordentlichen Aufgabe dienstbar gemacht werden muß. die vor uns liegt und die, wenn sie erfolgreich sein soil, ungeteilte Kraft und Konzentration des Willens verlangt. # Bei den Verhandlungen in Wien werden ohno Zweifel jene Probleme an erster Stelle stehen, die aus dem tatsächlichen Aufbau des jüdischen Palästina sich ergeben. Ein ausführlicher offizieller Bericht übcr% die Tätigkeit in den letzten zwei Jahren wird erstattet werden. Umfangreiche Statistiken werden vorliegen. Abgesehen von den offiziellen Berichten werden erfahrene Männer kurze Ucbcrblickc über die Lage geben, Theorien skizzieren und Vorschläge unterbreiten. Als Vorspiel des Kongresses werden in allen zionistischen Organen tiefgründige Diskussionen geführt, die auch auf die allgemeine jüdische Presse übergreifen. ' Alle unsere Positionen in Palästina werden einer Prüfung unterzogen. Die Fülle der Einzelheiten ist überwältigend. Es wird gefordert, daß Untcrsuchungskommissionen eingesetzt werden, die jedes Tätigkeitsgebiet gründlich erforschen. Es wird sich zeigen, ob der Kongrcs* tatsächlich mit allen diesen Problemen fertig werden wird. Zionistische Gelder wurden dazu verwendet, das nationale Schulsystem aufrecht zu erhalten. Es wird allgemein anerkannt, daß diese Politik weiterzuführen ist, und daß für die wachsenden Bedürfnisse der Schulen, die die Folge der stärkeren Einwanderung sind, sogar ein größeres Budget bewilligt werden muß. Die Schulen werden als der hauptsächlichste Nationalisicrungsfaktor in Palästina anerkannt. Aber die Fragen erheben sich: Wird unser Schulsystem seinen Aufgaben in vollem Maße gerecht? .Ist cs den Bedingungen Palästinas angepaßt? Ist ein genügend umfassender Lchrplan festgesetzt worden? Und wird die nationale Erziehung in den Schulen erteilt, die den Aufwand eines so beträchtlichen Teiles unseres nationalen Einkommens rechtfertigt? Wäre hier die Methode nicht einer Revision zu unterziehen? ¥ Unsere kolonisatorische Tätigkeit ist an einem Punkte angelangt, der eine auf ein intensives Studium unserer praktischen Erfahrungen sich stützende Revision der Methoden erforderlich macht. Diese Untersuchung ist bisher nicht erfolgt, weder von Seiten unserer Sachverständigen in Kolonisationsfragen (die von ihren täglichen Pflichten in Anspruch genommen sind), noch auch seitens unserer Gesetzgeber (die selbstverständlich nicht in der Lage sind, alle diese Tatsachen zu kennen). Hier gibt es ein wildes Dickicht von Mißverständnissen und falschen Informationen. Die Situation ist nicht klar. Haben wir bei dem jetzigen System in der Schaffung sich selbst erhaltender landwirtschaftlicher Ansicdlungen Fortschritte gemacht? Wie lange noch sollen unsere Chaluzim unter den gegenwärtigen Bedingungen der Entbehrung und der übermäßigen physischen Anstrengung arbeiten? Welches ist die endgültige Form oder die Formen der Kolonisation, die nicht nur den Bedingungen des Pionicrtums entsprechen, sondern auch der sich jetzt ergebenden neuen Situation? Bietet uns unsere Methode die Möglichkeit, in naher Zukunft eine entsprechende Anzahl jüdischer Bauern anzusiedeln, die den größeren Teil der für das Land nötigen Nahrungsmittel selbst erzeugen? Wird der (noch zu erprobende) Plan Soskins das Problem intensiver vorstädtischcr Kulturen zu lösen geeignet sein? Ohne in weitere Details einzugehen, ist es ganz offenkundig, daß auf diesen Gebieten eine Klarheit in den Zielen und Methoden noch nicht erreicht ist. ■ * In der Organisierung der Einwanderung nach Palästina macJien wir Fortschritte. In der palästinensischen Endstation scheint die Verwaltung mit einem ziemlichen Grad von Tüchtigkeit geleitet zu werden, aber die Probleme sind dort nicht s'o schwierig. Das im Galuth befindliche Ende de* Fadens beginnt Komplikationen aufzuweisen. Solange die Immigration sieb aus einer Klasse oder aus einem Element rekrutierte und die Zahl der zu erlangenden Einwanderungszertifikate unsere Leistungsfähigkeit nicht wesentlich überstieg, blieb alles ruhig. Es gab keine große Rivalität wegen der Zertifikate. Aber es wird immer dringender, daß für die Verteilung der Zertifikate unter der Leitung einer unparteiischen Kommission ein angemessenes System ausgearbeitet wird, und daß bei der Vorbereitung der Chaluzim zur Auswanderung die gleiche unparteiische Ucbcrwachung erfolgen soll. Es sollte für den Vorwurf, daß der Vorzug der persönlichen Rettung durch die Auswanderung nach Palästina auf Grund der Zugehörigkeit zu Parteien und Klassen eingeräumt wird, und daß verschiedene Elemente des jüdischen Lebens nicht den ihnen zustehenden Anteil erhalten, kein Anlaß gegeben werden dürren. * In den letzten Jahren haben wir in Palästina eine Entwicklung beobachten können, die uns mit großer 'moralischer Befriedigung erfüllt und bewundernswerte Resultate hervorgebracht hat. Wir hprechen von der Arbcits- •armee in P.ilä'.tin.i. Der offizielle Bericht des Herrn Sprinzak über die Tätigkeit tu seinem Departement sollte sorgfältig studiert werden. Die Ausschaltung aller personlichen Interessen bei unseren Arbeitern, ihr gründliches Studium unserer wirtschaftlichen Probleme, die Fälligkeiten, die sie in ihren Organisationen bewiesen haben, sind eine Quelle des nationalen Stolzes. Diesen wunderbaren Geist hat das nationale Ideal hervorgebracht. Ungeachtet ihrer radikalen Tendenzen und der aus dem Galuth übernommenen Erbschaft des Klassenkampfes sind unsere Arbeiter zum großen Teil durch das nationale Interesse angefeuert worden. Ihre Führer mögen für einen idealen Wirtsehaftsslaat gekämpft haben; aber sie sind sicher bereit, sich mit den Tatsachen des Lebens zu versöhnen und man darf darauf vertrauen, daß sie in einem etwaigen Konflikt dem nationalen Wohle alle Klasscnintcrcsscn opfern werden. Aber Palästina ist jetzt nicht mehr ein Land von Arbeitern im technischen Sinne des Wortes. Auch andere Elemente bahnen sich den Weg in sein Wirtschaftsleben, und wenn ein ausgeglichenes wirtschaftliches System aufgebaut werden soll, in dem alle Kreise vertreten sind, muß die Organisation auch ihre Ansichten und Interessen und den ihnen in unserem Wirtschaftsleben zukommenden Platz in angemessener Weise in Betracht ziehen. Die Organisation als die Vertreterin der gemeinsamen Interessen und Ideale kann, wie dies vorgeschlagen wurde, das Gewicht ihres Einflusses zur Linderung solcher notwendiger Uebel geltend machen, wie sie die Ankunft der vierten Alijnh in Palästina mit sich bringen mag; aber sie kann die Tatsache nicht außer acht lassen, daß auch jene, die durch den gleichen Druck des Galuth wie frühere Einwanderer nach Palästina getrieben wurden, Schöpfer von ökonomischen Werten sein können. Es ist unsere Pflicht, durch eine Erweiterung des wirtschaftlichen Gebäudes Platz für sie zu schaffen. * Dies bringt uns auf das industrielle Wachstum Palastinas und auf seinen Handel. Es wird verlangt, daß sich die Zionistische Organisation ausschließlich der Landwirtschaft und der Erziehung widmet und das übrige jüdische Palästina sich selbst überläßt. Dieser Ansicht wird entgegengehalten) daß diese Sclbstbeschränkung der Kompetenz eine im höchsten Grade gefährliche Politik wäre. Wenn sich die Organisation nur der landwirtschaftlichen Kolonisation und der Aufrcchtcrhaltung der nationalen Kulturgüter widmen, andererseits aber Handel und Industrie die führenden Faktoren in dem Fortschreiten Palästinas werden würden, wäre der größere Teil des palästinensischen Lebens der Einflußsphäre der Zionistischen Organisation entrückt, und dies könnte zu einer Quelle des nationalen Zerfalls werden. Welches auch die Begründung sein mag ■— die Organisation als die Verkörperung der Gcsamtinteressen aller an der nationalen Wiedergeburt interessierter Klassen und Elemente des Galuth kann keinen Abschnitt des palästinensischen Tätigkeitsfeldes preisgeben, ohne damit die ganze Bewegung crnstlicli zu gefährden. Wir haben schon einige Schritte in der Richtung der allgemeinen Beteiligung zu gemacht. Das nationale Kapital des Kcrcn Hajcssod ist in der Ruthcnberg-Konzcssion und in verschiedenen kleinen Bankinstitutioncn beteiligt. Unser so dürftig ausgestattetes Departement für Handel und Industrie hat unter dem Druck der Verhältnisse (dem es anfangs widerstand) die Verantwortung für eine begrenzte Zusammenarbeit in Handel und Industrie auf sich genommen. Diese Frage macht sich jetzt stark bemerkbar. Wie wird die künftige Entwicklung der zionistischen Kooperation auf dem Gebiete von Handel und Industrie sein und auf welche Weise wird sie zum Ausdruck kommen? So!.' der Reihe der Kreditinstitutionen noch eine Bank für Industrie zugefügt werden, und sollen wir der Handwcrkcrbar.k ein größeres Interesse zuwenden? Soll der nach Palastina verlegte Finanz- und Wirtschaftsrat für die Ansammlung von Privatkapital zu verschiedenen wirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen verantwortlich sein? * Die Debatten des Kongresses und die Beratungen in den Kommissionen werden sich hauptsächlich mit diesen Problemen befassen. Aber jede Diskussion über das Palästinaprograrr.m ist mit dem Problem des Betriebskapitals unlösbar verknüpft. Diese Mahnung wird einer Anzahl von Zionistcn nicht gc fallen, die eine äußerst erstaunliche Schwierigkeit des Lcbc:;>. nämlich die, wovon zu leben, außer ach: zu lassen lieber.. Wo sollen wir Nahrung hernehmen? Wo sollen -vir die Mittel zum Aufbau unserer nationalen Heimstätte hernehmen? Unsere nationale Zukunft wird zum großen Teil von den Kräften abhängen, die wir in unserer jetzigen Lage zum Schwingen bringen können. Und Kraft bedeutet Geld. Die palästinensische Judcnheit hat diese Tatsache als erste anerkannt. Wenn wir von Erziehung sprechen, von Kolonisation, Immigration, Arbeit, Industrie — so sind nicht nur richtiffo Gcdank*it und treffende Argumente vonnöten, sondern auch materielle Mittel, um alle diese Dinge bis zu ihrer Vollendung durchzuführen. Es gibt keinen anderen Weg. Wir leben in einer so gearteten Welt. Die zionistische Bewegung hat das Reich des Geistes verlassen und ist herabgestiegen, um gegen Sümpfe, steinigen Boden, Wasser, Bauten, Ziegel und Steine, Straßen, Werkzeuge und Rohstoffe zu kämpfen. Die uns zur Verfügung stehenden Mittel kommen vom Kcrcn Hajcssod und vom Keren Kajcmcth. Wir wissen, wieviel sie in dca verflossenen vier Jahren aufgebracht haben. Wir haben einen Ueberblick. über die Lage der Juden in