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Jüdische Rundschau · 1925-08-07 · Heft 62 (7.8.1925) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 62 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 33« JUEPI5CHE RÜNDSCHW zionistischen Ideologie jener Vorfahren. Sie kamen nach Erez-Israel um das verwüstete Land zu neuem Leben zu erwecken, um sich dem Lande durch ihre Arbeit ru vermählen, um es und sich durch dieses neue Leben zu reinigen. Nun, sie kamen, aber das Land war nierrt bereit sie zu empfanden, es war ihnen verschlossen. In der Stadt gab es keine Arbeit, — und gab es welche, wie entwürdigend war sie, ohne jeden Sinn, ohne jede zionistische Bedeutung! Enttäuschung und Verbitterung zog in ihre Herzen — oder besser gesagt, wäre in ihre Herzen gezogen, hätten sie nicht im „Misrad" einen Weg zu zionistisch-konstruktiver Arbeit gefunden. Durch den „Misrad" kam Gemeinschaft und Sinn in ihre Existenz. Sie waren sich selbst, dem Lande, dem Zionismus gerettet und sind jetzt sein Stolz, dessen man sich rühmt, wie jede Stichprobe in der zionistischen Propaganda* und Reiseliteratur zeigt. Die Entstehung des Solel-Boneh aus dem M i s r a d. Hat uns der historische Rückblick so weit geführt, so haben wir erkannt, was für ein komplexes Ding der Misrad eigentlich gewesen war. Und ist Entwicklung Differenzierung, Individualisierung, so mußte es im Laufe der Entwicklung dahin kommen, daß die Funktionen des Misrad sich differenzierten, und daß für jede von ihnen ein eigenes Organ geschaffen wurde. Der Misrad war im Verlaufe der Entwicklung ein Großbauunternchmer geworden, verwaltet von der organisierten jüdischen Arbeiterschaft und mit der Zionistischen Organisation zu bestimmten zionistisch-kolonisatorisch-politischcn Aufgaben vereinigt. Damit war aber die Gcldwirtschaft immer komplizierter, unübersichtlicher, unmöglich geworden. Von dem Großbauunternchmcn konnte und mußte man erwarten, daß es sich „rentiere". — Kolonisation und Politik jedoch fallen unter ganz andere Kategorien als jene der Rentabilität, Es ergab sich daher als erste und zwingendste Notwendigkeit, das Bauunternehmen aus all diesen Hüllen herauszuschälen und rein für sich darzustellen. D/es war Solel- Boneh. Die Organisation des Solel-Boneh. Solel-Boneh ist eine Genossenschaft nach Palästinensischem Recht: eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftu.ig. Ihr Aktienkapital, das an „ordentliche" und „außerordentliche" Mitglieder in 50 und 100 Piaster-Aktien ausgegeben wird, ist unbeschränkt. Die ordentlichen Mitglieder besitzen Stimmrecht in der Generalversammlung, beziehen aber keine Dividende; die außerordentlichen Mitglieder sind am Reingewinn mit 25 °/o, aber bis höchstens 6 °/o vom Aktiennennbetrag beteiligt, haben aber kein Stimmrecht in der Generalversammlung. — Alle Aktien lauten auf Namen und sind nur mit Zustimmung des Direktoriums übertragbar. Es gibt schließlich 10 Gründeraktien von je £ 1000, die im Besitze der Chcwrath-Owdim (d. i. der palästinensischen Arbeiterorganisation) sind. Diese letztere hat 50 e/o der Stimmen in der Generalversammlung. Die Generalversammlung wählt einen Aufsichtsrat und ein Direktorium. Dieses kann mit Zustimmung der Generalversammlung durch besondere Verträge außerordentlichen Mitgliedern (den Besitzern der „Vorzugsaktien, die Dividende tragen) eine Vertretung ins Direktorium gewähren. Auf Grund dieser Bestimmung ist der Keren Hajessod im Direktorium vertreten. Vom Reingewinn müssen gesetzlich 25 °,V dem Reservefond zugeführt werden, 10 °/o erhält die Chewrath-Owdim, 25 °,'o wie bereits erwähnt die Besitzer von Vorzugsaktien, während der Rest gemäß Beschluß der Generalversammlung speziellen Fonds für soziale, kulturelle oder ökonomische Zwecke zugeteilt wird. Solel-Boneh als Instrument zionistischer Kolonisation. Ist somit Solel-Boneh als ein Wirtschaftsunternehmen organisiert, so bleibt er doch ein gemeinnütziges Unternehmen mit zionistischer Tendenz; und war der Misrad ein Organ der zionistischen Kolonisation, so wird Solel-Boneh ein Instrument zionistischer Kolonisation sein. Von jenen obengenannten Funktionen des Misrad bleiben nämlich „Aufnahme neuangekommener Chaluzim", „Durchführung von Notstandsarbeiten", „erste Etappe auf dem Wege zur landwirtschaftlichen Kolonisation", ,.Gcwinnung neuer Arbeitsgebiete für jüdische Arbeit" und „Erlangung von Regierungsarbeiten" als eminent zionistische Aufgaben bestehen, und man kann höchstens der Meinung sein, d*ß für die Heranbildung von Facharbeitern der Bauindustrie bereits anderweitig durch das Leben gesorgt ist. Aber nun sind dies nicht Aufgaben des Solel-Boneh, sondern Aufgaben der Zionistischen Organisation, bzw. besonderer von der Zionistischen Organisation für diese Zwecke geschaffenen Organe. Nur können diese Organe diese Aufgaben nicht allein durchführen, sondern bedürfen zu ihrer Durchführung eines Instrumentes. Als das geeignete Instrument bietet sich dann Solel-Boneh dar. Die gegenwärtige ökonomische Situation. Es gibt aber vielleicht manche, die sich durch die jetzige ökonomische Situation des Aufschwungs blenden lassen und bezweifeln, daß jene kolonisatorischen Aufgaben für die Zionistische Organisation noch bestehen. Diesen ist folgendes u erwidern: Man kann von einem Unternehmen wie das der zionistischen Kolonisation nicht erwarten, daß es einen stetigen Verlauf des Aufstiegs nehme. Im zionistischen Aufbauwerk folgten Zeiten des besonderen Aufschwungs bisher immer Krisen. Auch diesmal ist das Eintreten einer Krise nicht ausgeschlossen, und man kann sich vorstellen, wodurch '•n ein bis zwei Jahren eine solche Krise eintreten mag. Es *ird sich nicht vermeiden lassen, daß kleinbürgerliche Elemente, die eben jetzt ins Land gekommen sind, sich in überfülltem Handel, in riskanten Zwergindustrien, in der Bodenspekulation versuchen, kurz die Umschichtung in die unmittelbar produktiven Tätigkeiten nicht mitmachen, ein gewisser Prozentsatz Schiffbruch erleiden wird. Wenn dann das bißchen Geld, daß sie mitgebracht haben, ~ eine ungeheure Summe in den Valuten ihrer Ursprungslander — und von dem sie zum Teil zehren, sich dem Nichts nach hiesigen Verhältnissen nähert, dort aber immerhin noch die Wiederaufnahme ihrer früheren Existenz gestattet, dann werden sie auswandern. Die anderen, denen dieser weg der Auswanderung versperrt sein wird, werden sich proletarisiercn müssen. Jene Auswanderung aber und ein v°n ihr ausgelöstes Stocken der Einwanderung begüterter Mittelschichten wird zu einer Krise führen und es werden wieder Notstandsarbeiten notwendig «ein, nicht zum letzten vielleicht zur Unterbringung eben dieser proletarwierten Angehörigen der Mittelschichten. Künftige Notstandsarbeiten. Die Finanzierung solcher Notstandsarbeiten wird dann Sache der Arbeitsabteilung der zionistischen Exekutive, ihre Durchführung aber Sache des Solel-Boneh sein. Solel- Boneh wird dabei als Geschäftsunternehmen die Arbeiten nur zu geschäftsmäßig kalkulierten Preisen übernehmen Können; da für NotiUrdsarbeiten aber derartige Preise mdst nicht erzielt werden, viro die Arbeitsabteilung die Differenz f« ihrem Budget zu tragen haben. Es liegt .nun in der Natur der Sacne, daP ein Privatunternehmer mit einer derben Aufgabe nicht betraut werfe« kaan, dem dieser würde natürlich überdies auf einen entsprechenden Ocwinn Anspruch erheben. Im übrigen wird bolcl-Boneh als ein von der Arbeiterorganisation kontrolliertes Unternehmen immer in Fällen von Arbeitslosigkeit einspringen, wenn er auch nicht mehr, wie früher der Misrad, Verluste tragen kann. Er wird aber dann trotzdem zu Maßnahmen bereit sein, die man naturgemäß von einem mit Privatkapital finanzierten Unternehmen nicht erwarten kann. Beispielsweise hat Solel- Boneh im letzten Winter beim Bau der Straße Rcchoboth— Ness Ziona für die Regierung Tabakarbeiter verwendet, die während dieser Zeit arbeitslos waren, jedoch an Ort und Stelle zur Verfügung standen. Diese Arbeiter waren für den Straßenbau nicht entsprechend ausgebildet, die Qualität der Arbeit litt darunter und Solel-Boneh hatte große Schwierigkeiten, um die Regierungsbehörde zufriedenzustellen. Ein Privatunternehmer hätte es natürlich vorgezogen, besser qualifizierte Arbeiter heranzuziehen und keine Schwierigkeiten zu haben, die Folge wäre aber die gewesen, daß die Tabakarbeitcr hätten fortziehen müssen und daß die Tabakarbeit der nächsten Saison wieder in Frage gestellt worden wäre. Mithilfe an der landwirtschaftlichen Kolonisation. Diese eben geschilderte Maßnahme ging wohl schon über die reine Notstandsarbeit hinaus und fiel bereits unter die Mithilfe an der landwirtschaftlichen Kolonisation. Auch für diese benötigt die Zionistische Organisation die Mithilfe des Solel-Boneh in gleicher Weise wie früher. Auch weiterhin müssen neuangekommene Chaluzim, die das Material der landwirtschaftlichen Kolonisation bilden, provisorisch und zur Vorbereitung bei öffentlichen Bauten untergebracht werden. So beschäftigt Solel-Boneh gegenwärtig bei den Arbeiten in Afuleh, die auf Rechnung des American Zion Commenwealtli unternommen werden, folgende Kwuzoth, die für die landwirtschaftliche Kolonisation in Aussicht genommen sind: Haschomer Hazair Bcth, eine Abteilung des Gdud, eine aus Rußland neu eingetroffene Kwuzah und andere, zusammen nahezu 200 Arbeiter. Steinindustrie und Kalkgewinnung. Hinsichtlich der Gewinnung neuer Arbeitsgebiete für die jüdische Arbeit hat Solel-Boneh gleich zu Beginn seiner Tätig- Kcit die Bausteincrzcugung erobert. Gelegenheit dazu # gab der erste Universitätsbau, für den als durchgehendes Prinzip die jüdische Arbeit aufgestellt wurde. Bis dahin war wohl (durch den Misrad) die Steinbearbeitung jüdisch geworden, der rohe Stein jedoch wurde von Arabern aus arabischen Steinbrüchen gewonnen und an Juden verkauft. Wären auch einzelne Auftraggeber geneigt gewesen, jüdischen Stein zu verwenden und evtl. sogar einen Uebcrpreis für ihn zu bezahlen, so war doch keine Möglichkeit vorhanden, diesem Wunsche nachzukommen. Es mußten nämlich Steinbrüche geöffnet und in Betrieb genommen werden und dies konnte nur geschehen, wenn der Bedarf für ein großes Quantum sichergestellt war. Durch den Universitätsbau trat dieser Fall ein. Der Erfolg war der, daß nun auch private Bauherrn durch den moralischen Druck der öffentlichen Meinung gezwungen waren, bei ihren Häusern jüdischen Stein zu verwenden. Daß zur Durchführung derartiger Aufgaben d-r Privatunternehmer aber nicht geeignet ist, zeigte ein Fail, der bei einem solchen Bau vor kurzem eintrat. Ein besonders großer Stein, wie er in einem jüdischen Steinbruch nicht vorhanden war, sollte für einen vTürsturz von Arabern roh gekauft und vom jüdischen Arbeiter verarbeitet werden. Der arabische Lieferant sah aber sehr ungern, daß unbearbeiteter Stein von ihm verlangt wurde, da ihm so der größere Gewinn für die Arbeit entgeht Er verzögerte daher mit verschiedenen Ausflüchten die Lieferung und Solel- Boneh kam gegenüber dem Bauherrn in große Schwierigkeiten. Trotzdem blieb er standhaft und erhielt schließlich den Stein. Der private Unternehmer hätte sicher nachgegeben und sich moralisch gegenüber dem Baulvrrrn, der öffentlichen Meinung und sich selbst damit gedeckt, daß er gesagt hätte, er handle unter Zwang. Die Folge wäre die gewesen, daß die Araber überhaupt die Lieferung unbearbeiteter Steine eingestellt und damit der jüdischen Arbeit ein großes Gebiet entzogen hatten. So muß auch auf Gebieten, die der jüdischen Arbeft schon seit längerer Zeit erobert sind, stets Wache gehalten werden, soll der Besitz gewahrt werden; viel mehr gilt das natürlich von Gebieten, die erst erobert werden sollen. Nicht weniger wichtig ist ein zweites Arbeitsgebiet, auf dem eben jetzt die ersten Versuche gemacht werden: die Kalkcrzcugung. Man schätzt, daß in den Jahren 1921 und 1922 durch Juden von den Arabern für die jüdische Bauindustrie Kalk um einen Betrag von 30O0O Pfund angekauft wurde. Für die Jahre 1923 und 1924 sind die Zahlen 12000 und 23 000 Pfund, den Bedarf der Silikatfabrik mit eingeschlossen. Man versteht daher, wie wichtig die Gewinnung dieses Produktionszweiges für jüdische Arbeit wäre. Es würde bedeuten, daß ungefähr 25000 Pfund jährlich mehr dem zionistischen Kolonisationswerk zugeführt werden. Besond-rc Industrieabteilungen. Diese Aufgabe, der Gewinnung neuer Arbeitsgebiete kann aber nicht direkt Sache des Solel-Boneh sein. Ich habe bereits früher auseinandergesetzt, daß bei Einführung einer derartigen Industrie mit Sicherheit Verluste zu erwarten sind. Es sind dies jene Verluste, die eine Staatsmacht in der Regel durch Zolischutz als indirekte Steuer auf die Gesamtheit abwälzt. Da uns ein solcher Zollschutz, nicht zur Verfügung steht, und auch nicht zur Verfügung stehen kann, (es handelt sich ja nicht um Erlangung der Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslände) so bleibt nur ein anderer Weg übrig, für den es ebenfalls eine Analogie in den Exportprämien gibt, mit denen seinerzeit die Zuckcrinduslric in Oesterreich gestützt wurde: die Zionistische Organisation muß diese Industrien aus ihren Steuereinkünften, d. h. dem Keren Hajessod, subventionieren. Sic kann es aur zweierlei Weise tun: indem sie für ihre eigenen Bauten Materialien jüdischer Erzeugung verlangt und bereit ist, für sie Uebcrpreise zu zahlen und indem sie sich direkt an der Erzeugung beteiligt. Es ergibt sich daher die Notwendigkeit,' für jeden derartigen Industriezweig ein besonderes Unternehmen zu schaffen, an dem der Keren Hajessod, Solel-Boneh, und, wenn möglich, Privatkapital beteiligt ist. Es ist hier nicht der Platz, die Art der Organisation einer solchen „Induslricnbtcilung" auseinanderzusetzen, es ist aber klar, daß Privatkapital (und dies gilt auch für eine Kapitalbeteiligung von Solcl-Bonch) nur dann mittun wird, wenn vorauszusehende Verluste zum größeren Teil vom Keren Hajessod durch die Industricabtcilung der Zionistischen Organisation übernommen werden. Nur dann käme die Beteiligung des letzteren eben einer Subventionicrung gleich. Sie müßte a fond perdu geschehen; und nur für den Fall einer späteren Entwicklung zur Rentabilität ließe sie sich riiekreahsieren. Die Verbindung mit Solel-Boneh brächte aber dem Unternehmen den Vorteil eines ständigen Kunden mit einer gewissen garantierten Abnahmemenge. Die Preise dürften allerdings die Marktpreise nicht übersteigen. Es war ein Fehler, daß eine solche Vcrsclbständigung der Steinindustric nicht von Anfang an erfolgte. Die für den Anfang unvermeidlich „Einnchtungs Verluste" haben die letzte Bilanz des Solel-Boneh ungünstig beeinflußt. Dem wird aber demnächst durch die Gründung der selbständigen Aktien- Gesellschaft „Ewer" abgeholte« weiden. Regierungsarbeiten. Damit ist der Kreis zionistisch-kolonisatorischer Aufgabezu deren Durchführung die Zionistische Organisation Soj{J Bcnch als eines Instrumentes bedarf, nicht erschöpft, t! ist auch weiterhin von Wichtigkeit, daß durch Erlangung \r,n Arbeiten bei der Regierung und bei Stadtverwaltungen ~t. mischtcr Bevölkerung ein Teil der jüdischen Steuerfelder rückgeleitet und jüdisch-konstruktiven Aufgaben nutzbar ~t. macht wird. Im allgemeinen ist es dann aber Solcl-Bonch nicht möglich gegen arabische (oder überhaupt nichtjüdischc Unter, nehmer) zu konkurrieren. Abgesehen davon, daß diese fü, „Schwarzarbeit" Frauen und Kinder ausbeuten, ist die K^. kulationspraxis des durchschnittlichen arabischen Unternehme etwa die folgende: eine Sclbstkostcubcrcchnung macht \, kaum, er bietet einfach so tief, daß er glaubt, Billiget zu sein. Nachher behält er sich von den Zahlungen den Verdienst, den er sich vorgenommen hat, zu erzielen, einfach zurück und den Rest verteilt er unter die Arbeiter. Protei werden häufig durch Prügel beschwichtigt und im übrige ist der arabische Arbeiter, der meist dem nächsten Dorf entnommen ist, froh, wenn er überhaupt irgendwas verdient Dieser Mangel an Konkurrenzfähigkeit gilt allerdings nj: für unqualifizierte Arbeit. Bei qualifizierten (z. g Eiscnhctonarbcitcn) kann Solel-Boneh sehr wohl konkurrieren und hat z. B. vor kurzem eine Arbeit bei der Rcgierun" (Straßenbrücke) ge^cn nichtjüdischc Konkurrenz als billigt« erhalten. Auch bei jenen „Massenarbeiten wird es seine Sacht sein durch Beistcllung von Maschinen ökonomischer zu arbeiten. Immerhin ist dies jetzt noch nicht der Fall und man muß auch damit rechnen, daß es nichtjüdischc Großunternehmer gibt, die sehr wohl über Maschinen verfügen und dabei den Vorzug der billigen ausgebeuteten arabischen Arbeitskraft besitzen. In solcncn Fällen wird es dann Sache der Zionistischen Organisation sein, innerhalb gewisser Grauer (etwa bis 15 "o des Baubetrages) einen Kostcubcitrag zu leisten. Man darf nicht vergessen, daß man mit diesen 15 r0 eigenen Geldes — 85 p.'o fremden Kapitals der eignen Sacht nutzbar macht. Diese Frage dürfte in naher Zeit sogar erhöhte Bedeutung erhalten. Die Regierung hat unzwcifclhafi große Arbeiten vor: die Verlegung der Bahnlinie von l.\uld nach Jaffa; möglicherweise eine neue Bahnlinie Üeisan- Totes Meer; schließlich der Haifacr Hafen. Internationales Kapital wittert ein Betätigungsfeld und beginnt sich für Palästina zu interessieren. Eben jetzt nähert sich der gewaltig Bau des zweiten Nildammes, bei dem 15 000 sudanesisch« Arbeiter beschäftigt sind, seiner Vollendung. Falls etwa der Haifacr Hafenbau einem nichtjüdischen Unternehmer übertragen wird, wird er gerne einige Tausend dieser schwarzen Arbeiter, die dort frei werden, ins Land bringen und wird sie dann unter sanitären Bedingungen arbeiten lassen, denen kein europäischer Arbeiter und erst recht nicht der jüdische Arbeiter, der erst an schwere körperliche Arbeit gewöhnt werde: muß, gewachsen ist. Das Land ohne Arbeiterschutz. Vergessen wir nicht, daß Palästina ein Lind ohne Arbeiterschütz ist. Wenn auch die Mandatarmacht vom Völkerbund verpflichtet wurde, eine Arbcitcrgcsetzgebung durchzuführen, so wird dies doch nur sehr allmählich geschehen. Ucberdies wird sich der Umfang dieses Schutzes naturgemäß nach dem niedrigsten Niveau des palästinensischen Arbeiters d. L dem des Fellachen und seiner Familie, oder des einer I.-ingcrproletarischen arabischen städtischen Arbeiters richten. Erst müssen die a 11 e rpr i m i t i vs t c n Menschenrechte dic.cr Gruppe sichergestellt und in das allgemeine RcchtsbcwuDtscin eingeprägt werden. Wurde ich doch sogar von einem arabischen (allerdings christlichen) Beamten angestaunt, als ich bei Durchführung ejncr Regierungsarbeit den mohammedanischen Arbeitern den Freitag freigab! Welcher Nutzen kann für den jüdischen Arbeiter von einer solchen Gesetzgebung erwartet werden! Hier hat dann die Zionististhc Organisation, wie auf so vielen anderen Gebieten, für das von ihr aufgebaute Gemeinwesen Staatsaufgaben zu erfüllen. Eine solc'.'.e Weiterentwicklung des Arbeiterschutzes geschieht übrigens auch in den höchstentwickelten Ländern nicht auf dem We^t der Gesetzgebung. Die Regierungen bedienen sich dort der öffentlichen Arbeiten, um weitergehende SchutzmaUmhmcu durchzusetzen, als sie sonst für die Arbeiterschaft der privaten Industrien in Geltung sind. Eine österreichische Verordnung vom Jahre 1900. verpflichtete die maßgebenden Stellen, als Bestimmung bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten abzunehmen, daß der Erstehcr nicht nur alle auf die jeweilige Arbeitsleistung anwendbaren Vorschriften der Gewerbeordnung innezuhalten hat, sondern auch solche einschlägige Normen, von deren Innchaltung er in jenen Fällen sonst befreit wäre. Die staatische Bauleitung ist dabei berechtigt, in d:e Lohnlisten und Arbcitervcrträgc Einsicht zu nehmen, und Aulklär.mg über j Vertragserfüllung ru verlangen. Eine solche Einmengujig m | die Souveränität des Arbeitgebers hatte naturgemäß (auch wenn Vorhandensein eines schlechten Willens nicht angenommen wird) mit Widerständen zu kämpfen, und es wur daher nur ein k o n s e q u c n t c r Sc h r i 11 in dieser Richtung wenn die Gesetzgebung Frankreichs und Italiens bestimmt, daß bei Vergebung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen Arbtiter-Association cn besonders zu begünstigen sind. Was leistet Solcl-Bonch auf dem Gebiete des Arbeltcrschutzcs? Da es, wie bereits betont wurde, eine soziale Gesetzgebung in Palästina überhaupt nicht gibt, geschieht da;, was I Solcl-Bonch auf diesem Gebiete leistet, freiwillig. Dies aber noch zu wenig gesagt. Die Leistung des Solcl-Bonch; vielmehr durch die Notwendigkeit, mit dem Privatunternehmer, der derartige Lasten doch nur ausnahmsweise trägt, zu konkurrieren, beschränkt. — Sir besteht gegenwärtig in einem Beitrag zur Arbcitcrkrankcnkassc in der Höhe von 3 po des Arbeitslohnes. Als nächstes Ist Unfall- und Altersversicherung r.w/ustreben. Dies kann aber nur in der Weise geschehen, 'daß <Jic Zionistische Organisation, und mit ihr alle anderen nationaler. Institutionen, bei Vergebung ihrer Arbeiten dahingehend' Forderungen stellen und entsprechende Uebcrpreise hcwibi;en. Solche Ucberprcisc werden sich vielfach bezahlt machen. Die Arbeiter der dritten Alijah gehören alle der Jugend an, jene der zweiten Alijah sind reife Männer — es gibt noch keine „Alten" es gibt noch keine Invaliden der Arbeit. Hat man sich bereits klar vor Augen gestellt, was mit ali jenen städtischen Arbeitern geschehen soll, die nicht landwirtschaftlich angesiedelt werden, wenn sie alt und arbeitsunfähig sein werden? Auf wen wird dann die Aufgabe fallen, für sie zu sorgen, wenn nicht auf die Zionistische Organisation? Es gi t, dieser Aufgabe rechtzeitig zu begegnen. Werden 3ber solche Arbeiten mit Spc7ialzu«chlicen übergeben, so können sie nur (wie oben mit dem Beispiel Frankreichs und Italiens erwähnt), an ein Unternehmen der Arbei'ct selbst d. h. an Solel-Boneh übergeben werden. Nur dann is< Gewahr dafür vorhanden, daß <Jas Geld seine Bestimmung auch erreicht Es soll damit nicht etwa gesagt werden, daC beim Pnva Unternehmer direkt Unterschlagungen vorkommer. ^^SJÄ.^?'^ f0Ch ist "ur hicr cnc Kon' dÄ,ÜoÄga;/-8 sJnd.,ia,kcinc Interessen vorhanden, die das Geld in andere Kanäle leiten könnten. Einwürfe. Hören wir nun die Stimmen der Gegner. Es eibt Einwurfe gegen den Solel-Boneh und »ein System, g ,

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