Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-08-07 · Heft 62 (7.8.1925) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 62 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652750--17607-3528500
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 535 §®!el~B©ndi imä S^MsMßclie ©rö $mmoM Voa Dr. Markus Reiner, Jerusalem Solel-Boneh. Man weiß, daß der Solel-Bonch, eine der Kooperativen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, - am 12. März 1924 als kooperative Ballgesellschaft mit dem Recht der Aktienausgabe bei der palästinensischen Regierung eingetragen, seit Anfang Juni icnes Jahres mehrere tausend jüdische Bauarbeiter aUf allen Gebieten des Hoch- und Tiefbaues erfolgreich bewältigt. Er besitzt gegenwärtig ein Aktienkapital von £ 15000 wovon £ 8000 vom Keren Hajessod gezeichnet sind. Weser letztere wahrt seine Interessen dadurch, daß jr jn das Direktorium des Sotcl-Boneh zwei mit gewissen Vetorechten ausgestattete Bevollmächtigte (Governors) civtcendet. Damit ist der Zusammenhang des Solel-Bonch mit der Zionistischen Organisation gegeben, der aber auch darauf begründet ist, daß die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation, der in der Generalversammlung 50 "V der Stimmen gesichert sind, ausgesprochen zionistische Ziele verfolgt. Zionistische Kolonisation. Fragen wir nun welches die Bedeutung des Solel-Boneh für die zionistische Kolonisation ist, so wird es dazu gut sein, daß wir uns kurz ins Gedächtnis zurückrufen, was zionistische Kolonisation ist, welche Ziele sie verfolgt. Das Endziel des Zionismus, die Schaffung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, hat zur notwendigen Voraussetzung die Schaffung eines eigenen in die Weltwirtschaft eingegliederten, aber von Wirtsvölkern unabhängigen Wirtschaftsgebietes. Die ungesunde wirtschaftliche Situation des Juden im Galuth, in der das einzelne jüdische Individuum meist eine einzige Durchgangsstation jn einem wirtschaftlichen Zirkulationsprozeß ist, dessen übrige Glieder in Individuen eines anderen Volkes, des „Wirtsvolkcs" liegen; die Situation, daß seine wirtschaftliche Tätigkeit meist nur darin besteht, ein Gut von einem Nichtjudcn zu erhalten und es an einen Nichtjudcn weiterzugeben; daß seine eigene Leistung in diesem Wirtschaftsvorgang meist die der Vermittlung, Verteilung, Organisierung des Verteilungsprozesses, seltener die der Verarbeitung der Sache in einem Zwischenstadium, fast nie aber die Urproduktion ist —, diese Situation war ja mit eine der wichtigsten treibenden Ursachen für den Zionismus, aus der dieser Rettung bringen soll. Damit ist aber auch schon gesagt, daß Ziel der zionistischen Kolonisationspolitik sein muß, als breiteste Basis der jüdischm Wirtschaft eine arbeitende, unmittelbar produktiv beschäftigte jüdische Bevölkerung in Palästina anzusiedeln. Dies war immer hinsichtlich der landwirtschaftlichen Urproduktion so sehr betont gewesen, daß man bis zum Kriege die Schaffung einer jüdischen bodenbearbeitenden Bevölkerung (Bauern und Landarbeiter) beinahe mit dem Zionismus identifizierte. (Siehe Ruppins Definition des Zionismus in seinen „Juden der Gegenwart")- In der jüngsten Kolonisationsperiode hat aber die industrielle Produktion ihre große Bedeutung neben der landwirtschaftlichen erwiesen und damit ist der industrielle Arbeiter in gleicher Weise Objekt der zionistischen Kolonisation geworden. Ist dies etwa Sozialismus? Damit ist nicht etwa gesagt, daß der Zionismus sozialistische Ziele verfolge. Da in der Zionistischen Organisation sehr verschiedene Wirtschaftsauffassungen vertreten sind, kann diese als solche sich nicht mit einer einzigen identifizieren. Aber wiewohl der Sozialismus glaubt, ohne den Kapitalisten auskommen zu können, hat der Kapitalismus nie daran gedacht, auf das Bestehen einer Arbeiterschaft zu verzichten. Ist man somit der Ansicht, daß es nicht Sache des Zionismus sei, in Palästina ein neues Wirtschaftssystem zu schaffen, sondern daß er einfach das Wirtschaftssystem der Auswanderungsländer 7U übernehmen habe, so heißt das erst recht, daß man jenen Einwanderern, die aus eigener Verantwortung, mit eigenem Kapital, auf Grund ihrer Privatinitiative nach Palästina einwandern um dieses Kapital produktiv zu verwerten, daß man diesen Einwandcrem einen Arbeiterstamm vorbereiten muß, dessen sie zu ihren Unternehmungen bedürfen. In welchem Ausmaße dies zu geschehen hat, kann man etwa einer Statistik eines typischen Landes, wie der Tschechoslowakei, die Industrie 'und Landwirtschaft in gleichem Maße tntwickelt, besitzt und für die Zahlen vorliegen, entnehmen. Scheiden wir die Tätigkeit im Handel, Verkehr, Organisation und Verwaltung, sowie in den freien Berufen als eine mittelbar produktive von der u n m i 11 e 1 b a r produktiven Tätigkeit der „arbeitenden Schichten", so gehören in der Tschechoslowakei bei einer Bevölkerung von 131/2 Millionen Menschen und 7 Millionen Erwerbstätigen, 2,7 Millionen der ersten und 4,3 Millionen der zweiten Kategorie an. D. h. somit: Auf je zwei Einwanderer der ersten Kategorie müssen mehr als drei Einwanderer der zweiten Kategorie kommen, »II ein selbständiges jüdisches Wirtschaftsgebiet entstehen können. Dabei ist es nur natürlich, daß die Einwanderer der frsten Kategorie für sich selbst zu sorgen haben, also die -Privatinitiative" repräsentieren, während die Einwanderer der zweiten Kategorie das Material der Kolonisa t i o n s p o I i t i k sind. In diesem Falle ergibt sich dann a"ch von selbst, daß die Geldmittel der Zionistischen Organisation für die Ansiedlung der grö B tmögl ichen Anzahl *on Menschen verwendet werden, was ja für die Durchführung 5" politischen Ziele des Zionismus von größter Bedeutung ist. Ein historischer Rückblick. , Kehren wir nun nach diesem kleinen .Exkurs zu unserer V^ngsfrage nach der Bedeutung dos SoleNBoneh für d e monistische Kolonisation zurück, so werden wir sie nunmehr einschränkend so formulieren: Welche Bedeutung hat de ^jel Bonch für die Kokmisicrung einer jüdischen industriellen Arbeiterschaft ir> Palästina? Zur Beantwortung dlcs£' *«rdcn wir am besten mit einem historischen Ruckblick beginnen. . Der Solel-Boneh ist dem Wesen nach eine £^*u"g d« sogenannten „Misrad" in einer veränderten, zeitgemäßeren und verbesserten Ausgabe. Was war nun aber der Misrad? < P. Als Anfang 1020 der erste große Strom der .Jüdischen Einwanderung nach dem Kriege in Ercz Israel eintrat fla die Landwirtschaft nicht Imstande, größere Massen1 in *ur«rcr Zeit aufzunehmen. Noch viel weniger war^ eine S?*u taugliche Industrie vorhanden. Es ergab sich daher_ ur Zionistische Organisation die Aufgabe, Äj^JS Beschäftigung zu finden. Auf Grund von Verhandlung^ •^«mgung zu unaen. /\m \>iu«.v» . >.cIang es, vön der palästinensischen Regierung einen Aunrag «r An Bau von großen Straßen. teils di"WJd.^ohne;r* ycn oau von grouen oiraucii. icik> u»«.«. . Konkurrenz und Privatfirmen) teils indirekt auf verechjedenen Komplizierten Wegen zu erhalten. An diesem Bau sollten n<*n die Neuankömmlinge eingesetzt werden. . .pne ähnliche Situation hatte übrigens Ruppw bereits V.1 1919 in seinem Buche „Der Auftau des Landes Israc ^ausgesehen. Es war da die Notwendigkeit. der Durch Jfnwjr öffentlicher Arbeiten zur. ^«J^B^£ES v°n Einwanderern erkannt worden, wobei diese Einwanderer kutIi an die,«.« Klima und'an die Verhältnisse Palästinas gewöhnen sollten, um allmählich in die Landwirtschaft und Industrie abzuströmen. Die Arbeiten hätten von einem Zweig- Institut der „Jüdischen Palästina-Kolonisations-Gcscllschaft" unternommen worden sollen. Die „Jüdische Palästina- Kolonisafionsgcscllschaft" bestand aber nicht, und so übertrug die Zionistische Organisation die Arbeiten direkt an die Arbeiterschaft, bezw. an die zwei damals unabhängig voneinander arbeitenden politischen Ärbcifcrorganisation-eii „Achduth Awodah" und „Hapocl Hazair,'' die an der Erlangung dieser Arbeiten aktiv mitgewirkt hatten und die sich bald darauf zur neutralen, gewerkschaftlichen „Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina" vereinigten. Der „Misrad la'avodoth ziburioth u'binian" war nun nichts anderes als ein „Amt" dieser Arbeiterorganisation zur Durchführung dieser Arbeiten, er war ihr „Amt für öffentliche Arbeiten". Der Misrad. Durch den Misrad wurden nun die Arbeitsgruppen und die diesen zugeteilten Arbeiten organisiert, Kredite bis zur Begleichung der Rechhungen seitens des Bauherrn, d. i. der Regierung beschafft, die Unterbringung der Arbeiter in Zeltlagern, ihre Verpflegung und medizinische Hilfe durchgeführt. Dies war die „hcrorische" Zeit des Misrad. Sie dauerte von seiner Gründung Ende 1920 an ein Jahr lang. Die Tätigkeit war beinahe ausschließlich auf große Ingcnicurarbeiten, sogenannte „öffentliche Arbeiten" gerichtet. Es war richtige Pionierarbeit; es galt, die Einwanderer möglichst rasch „einzuordnen", mit ihnen Arbeiten zu unternehmen, von denen sie nichts verstanden; sie überhaupt erst zu körperlicher Arbeit zu cr/.ichen. Kein Privatunternehmer hätte dieses Risiko übernommen, und mit Recht, denn das „Defizit" konnte nicht ausbleiben: Es war eben weiter nichts als Lehrgeld. — Hören wir, was Ruthenberg, der Verdienste bei der Erlangung der ersten Arbeiten hatte, darüber in seinem Memorandum: „Water resources of Palcstinc" (Juni 1920) sagt: „Jüdische Arbeit in Palästina ist gegenwärtig, obwohl viel teurer, ebenso ungelernt und ebenso wenig produktiv wie arabische Arbeit. Maßnahmen können und werden unternommen werden, um die Produktivität der jüdischen Arbeiter mit Hilfe von modernen Arbeitsmethoden, besserer Organisation so zu vergrößern, daß die Kosten jüdischer und arabischer Arbeit ausgeglichen werden. Der jüdische Arbeiter in Palästina ist bereit und fähig, jede Arbeit zu unternehmen, sie mag noch so kompliziert oder mühsam sein, vorausgesetzt, daß seine elementarsten LcbcnsuotwciidiVkeitcn befriedigt werden. Meine persönliche Erfahrung hat das vollauf bestätigt. Bevor ich Palästina verließ, organisierte ich ein außerordentlich bedeutsames Experiment: ungefähr 400 jüdische Arbeiter unternahmen, unter eigener Verantwortlichkeit, die Konstruktion der Straße Scmach—-Tiberias. Ungeachtet der außerordentlich schwierigen Dcdingungen sind die Resultate mehr als zufriedenstellend. — Die einzige Schwierigkeit ist die Beschaffung von jüdischen Facharbeitern. Es wird daher von Anfang an notwendig sein, die Schulung von jüdischen Facharbeitern in verschiedenen Gewerben durch Fachleute zu organisieren. Aber diese Schulung sollte ausschließlich an wirklicher Arbeit erfolgen, und in keinem Falle (in den nächsten Jahren) in Schulen selbst." Der Misrad als Lchrinstitution. Diese hier von Ruthenberg gestellte und von der Arbeiterschaft seihst noch früher schon erkannte Aufgabe erfüllte der Misrad. Allmählich erweiterte er sein Arbeitsgebiet. Zugleich mit dem Aufhören größerer Regierungsarbciten entstand Winter 1921/22 infolge der Wohnungsnot, eine große Baubewegung unter der jüdischen Bevölkerung. Der Misrad wußte sich dieser neuen Möglichkeit anzupassen, und wurde in kurzer Zeit der größte Bauunternehmer des Lande*. Wenn es heute wetterfeste, abgehärtete Arbeiter für jede körperliche Arbeit gibt, so ist es das das Verdienst des Misrad. Wenn es heute Facharbeiter für Sprengarbriteu, Lr/eugiing von Steinen, Bauarbeiten jeder Art, wenn es Maurer, Zimmcrlciitc. Eiscnbieger, Betonarbeiter gibt, so sind sie beim Misrad in die Schule gegangen. Die ilisenbetonkonstntktion speziell haben die jüdischen Arbeiter mit Hilfe des Misrad direkt monopolisiert und arabische Bauherrn beschäftigen bei solchen Arbeiten Juden. Der Misrad im Kamnfe gegen Arbeitslosigkeit. Anlernung der Arbeiter und Beschaffung von Arbeit für Arbeitslose waren die ersten Aufgaben des Misrad. Er unternahm daher (hauptsächlich h"i der Regierung) von vornherein unrentable Arbeiten. Aber er war berechtigt, ja verpflichtet, solche Arbeiten zu unternehmen. Mit* 10 Prozent Verlust war er imstande, zehnmal mehr Arbeitern Lebensunterhalt zu verschaffen, als wenn dieselbe Summe seitens der Zionistischen Organisation als Arbeitslosenunterstützung ausgegeben worden wäre. Die Uebung war daher die, daß eine Arbeitslosenunterstützung seitens der Zionistischen Organisation überhaupt nicht erteilt wurde, sondern lediglich Anleihen, und zwar entweder persönliche au Arbeiter und Arbeitcrgruppcn, oder solche zur Durchführung von Notstandsarbeiten. Diese Notstandsarbeiten selbst, meist Straßen in neuen jüdischen Siedlungen, oder zur Verbindung älterer wie die Straße nach Rischon und Rcchoboth, waren dann natürlich an sich von Wert und kolonisatorischer Bedeutung. Der Misrad als Organ zionistischer Kolonisation. Der Misrad wirkte somit als Organ der zionistischen Kolonisation, und wenn die Zionistische Organisation oder eine ihrer Institutionen dem Misrad eine Arbeit übertrug, so hieß es wohl weiter nichts, als daß diese Arbeit „in eigener Regie" ausgeführt Wirde. Er hatte seine bestimmte Funktion Im Schema der zionistischen Kolonisation zu erfüllen. Sie war 1. Aufnahme und „Einordnung" der neuangekommenen Chaluzim, 2. Durchführung von N'otstandsarbciten für Arbeitslose, 3. Erste Etappc auf dem Wege zur landwirtschaftlichen Kolonisation.') 4. Heranbildung von Facharbeitern der Bauindustrie. 5. Gewinnung neuer Arbeitsgebiete für jüdische Arbeit. 6. Rückleitung von Steuerfeldern der jüdischen Bevölkerung durch Erlangung von Regierungsarbciten in großem Stil. Was hat der Misrad ao! alles. dieses Gebieten geleistet? 1. Einordnung der neuangekommenen Chaluzim. Die Einwanderung der Jahre 1921—1923 betrug rund 2S000 Personen. Davon waren etwa 10000 Chaluzim. Von *) Hierzu vergleiche man wieder Ruppin a. a. O. „Es wird zur Regel werden, daß nur derjenige als Arbeiter in die Landwirtschaft hineinkommt, der schon (mindestens) ein Jahr lang körperliche Arbeit in Palästina (bei öffentlichen Arbeiten), geleistet hat." . , ' diesen gingen über -1000 durch d-n Misrad. Die Anzahl der von ihm beschäftigten Arbeiter betrug zu Beginn der großen Bausaison 1922 etwa 2500, sie fiel nie unter 1203 und durchschnittlich waren 15C0 ständig beschäftigt. 2. Erste Etappe auf dem Wege zur landwirtschaftlichen Kolonisation. Von den i'OOO Chaluzim, die durch den Misrad gingen, kamen über 1000 zur landwirtschaftlichen Ansiedlung. Um nur die größeren Kwuzoth zu nennen, arbeiteten 120 Arbeiter des Haschomer hazair, die jetzt in Befh-AIpha angesiedelt sind, in Haifa und jeddah; 300 des Gdud Avodah, jetzt in Tel-Joscnh, arbeiteten in Tiberias, Tabgah, Ras ei Ain. 230 des Gdud Avodah Ain Charod arbeiteten in Afuich und Ber-Seba — im ganzen waren es 22 Kwuzoth, die jetzt an verschiedenen Orten angesiedelt sind. 3. Heranbildung von Facharbeitern der Bauindustrie. 2500 Arbc:'.;.- bildeten sich zu Fach.vbritcn der Bauindustrie aus und blieben bei der Baaarbcit. Ueber 1000 davon sind gegenwärtig bei privaten Unternehmern beschäftigt. 1500 bilden den Arbeiterstamm des Solel-Boneh. 4. Gewinnung neuer Arbeitsgebiete für judische Arbeit. Neu waren eigentlich beinahe alle Bauarbeiten für Juden, wenn man von den wenigen sephardischen und jemenitischen Steinarbeitcrn absieht, im einzelnen wurden von den jetzt beim Solel-Iionch beschäftigten Arbeitern ausgebildet: 20C Maurer, 200 Steinbrecher, lifo Steinmetzen, 200 Putzarbeitcr und 100 Pflasterer (Plattcnlcger). Ein ganz neues Gebiet, das jetzt, soweit die Lieferun» für jüdische Bauten in Betracht kommt, vollständig in judischen Händen ist, ist der Transport usw. durch Fuhrwerke und neuestens auch durch Kamele. 5. Erlangung von Regierungsarbeiten. Der Misrad führte im Verlaufe seiner Tätigkeit Arbeiten für rund öSOOOO Pfund durch, davon etwa ein Drittel d. i. für 225 000 Pfund Regierungsarbciten. Und was hat das alles gekostet? Die Erfüllung dieser Aufgaben kostete natürlich Geld. Das erste Defizit der „heroischen" Periode des Misrad betrug 22 000 Pfund. Dieses Defizit kann dem Misrad als einer „lAHiuntcrnchmung" überhaupt nicht angelastet werden, da er rfr- Ucbcrnahmc der Arbeiten noch gar nicht bestand Es war dies eine rein politisch-kolonisatorische Aufwendung der Zionistischen Organisation, zu der indirekt die Palästinensische Regierung 150 000 Pfund beitrug, denn dieses war der Kostenbetrag der Arbeiten. Die Anzahl der beschäftigten Arbeiter betrug durch 10 Monate hindurch etwa 2000 pro Monat. Der Beitrag der Zionistischen Organisation war somit etwa 1 Pfund pro Kopf und Monat, und dies war einer solchen Aufgabe — der reibungslosen Bewältigung des ersten Einwandererstroms, — durchaus angemessen. Von der Regierung nahm man etwa 6 Pfund pro Kopf und Monat ein (wenn man rechnet, daß von einem Betrag von 150000 Pfund etwa 120000 Pfund auf Arbeitslöhne entfielen) und der Beitrag der Arbeiter war ihre schwere mühevolle Arbeit, die Erstlinge ihrer Arbeit in Ercz-Israel. Das „Defizit" des eigentlichen Misrad betrug bei seiner Liquidierung rund 51 000 Pfund. Sehen wir uns diesf^s Defizit näher an: Zieht man vom Gesamtbetrag der Arbeiten, d. i. 6S0 0O0 Pfund die 150 000 Pfund der ersten Straßenarbeiten ab. so verbleibt ein Arbeitsbetrag von 530 000 Pfund für Arbeiten, die im Verlaufe von 3 Jahren durchgeführt wurden. Nun bedenke man, daß der Misrad vollständig ohne eigenes Kapital arbeiten mußte, und man wird mindestens 1 n\. für Zinsverlustc in Form von Bankzinsen, teurerem Materialciukauf usw. zu rechnen haben. Dies macht von 530 000 Pfund einen Betrag von 21000 Pfund aus, um welche das Defizit verringert werden muß. Ferner hat man zu berücksichtigen, daß Regierungsarbciten auch jetzt im allgemeinen nur mit einem Zuschuß von 15 °> übernommen werden können. Von 75 000 weiteren Regierungsarbciten machte dies 11 2V) Pfund aus. Es verbleiben somit vom „Defizit" etwa 19 000 Pfund und dies ist etwa 3Vs fi> von 530 000 Pfund. 3V; °/> hat somit die Einordnung der Chaluzim, die Ausbildung von Bearbeitern, die Eroberung von neuen Arbeitsgebieten für jüdische Arbeit gekostet oder weniger als 3 Pfund pro Person. Oder rechnet man 1500 Arbeiter durch 3 Jahre a 300 Tagen, d. i. 1 350 000 Arbeitstage, so macht das Defizit weniger als l'/a Piaster pro Mann und Arbeitstag aus. Niemand wird sagen, das hätte sich nicht gelohnt. Der p r i v 3 t e Bauunternehmer. Alle diese Leistungen zugegeben, wurden doch manchmal Stimmen laut, die sagten, private Unternehmer hätten die*e Aufgabe doch wirtschaftlicher d. h. ohne alles Defizit erfüllen können. Zu diesem Einwand wurde aber seinerzeit auch die Rechnung aufs Exempcl bereits gemacht. Zwei große jüdisch-zionistische Bauunternehmungen, die nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiteten und dabei auch Bauaufträge von „nationalen" Körperschaften erhielten, gingen In der in Rede stehenden Zeitperiode zugrunde. Die mit bedeutenden Kapitalien gegründeten Baugesellschaften ..Kedem" und „Haboneh" verloren In kurzer Zeit mehrere zehntausendc Pfund. Eine Baustoffindustrie, von der man annehmen konnte, sie müßte unbedingt prosperieren, wie die „Silikat", verlor große Summen, und erst jetzt, mehrere Jahre nach ihrer Gründung, nachdem sie jenes Defizit als Lehrgeld gezahlt hat, ist sie ein wirtschaftliches Unternehmen geworden 1; Dazu gibt es übrigens genug Analogien in der Wirtschaftsgeschichte anderer Länder. Führt ein bahnbrechender Unternehmer einen neuen Wirtschaftszweig ein, so ist der Gang häufig der, daß er seinen Wagemut mit dem Bankerort bezahlt, und daß erst sein Nachfolger, der das Unternehmen billig erwirbt, prosperiert. Jene ersten großen national gerichteten Bauunternchmungcn mußten in einer Periode der unzulänglichen Baumethoden, der unbekannten Baumaterialien und ungelernten Arbeitern bankerott machen, — wenn Solel- Bonch das teuer geschulte Personal, die teuer erworbene« Erfahrungen des Misrad übernimmt, so kann er prosperieren. Das psychologische Moment. Wir haben bisher nur wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt, — vergessen wir nicht ein psychologisches Moment, das eoenso wichtig und in gewisser Beziehung ausschlaggebend war. Aus was für Menschen bestand jene Bewegung cer Jahre 1920, 21 und 22, die man die dritte Alijah nennt? Et waren Menschen, gleichwertig den besten unter den Heroen der ersten und zweiten Alijah der Jahre 1SS2 und 1005. Ea waren junge Menschen, aufgewachsen und erzogen in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.