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Jüdische Rundschau · 1925-08-07 · Heft 62 (7.8.1925) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 62 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 537 per cr.-.lc i.it auf ein .Mißverständnis . zurückzulühran,. i ,d brauchte nicht beantwortet zu werden, wenn er nicht Wn geäußert wurde, tr lautet: Die Produktiv-Gcnosscnschaft . , Sjch im allgemeinen nicht bewährt, und daher kann sich UL.;, Solcl-Bonch nicht bewahren. — Ja, aber Solel-Bonch i<{ doch gar keine Produktiv-Gcnosscnschaft! ^joI-Boncli ist, wie bereits aufgeführt wurde, eine Art von \litlrngcscllschaft unter Kontrolle der Arbeiterschaft und der Zionistischen Uig.uiisation. Und zwar nicht unter Kontrolle jener Arbeiterschaft, die bei Solcl-Bönch arbeitet, — diese steht zu Solel-nonch Jcdig'ich in einem [.olmverhältnls — sondern jener der Ocsamtorganisation der indischen Arbeiter Palastinas, die allgemeine Interessen, und j.i:;it die Interessen der im Betriebe gerade beschäftigten Arbeiter vertritt. - - Mit wem arbeitet nun Solel-Bonch? Mit genau denselben Lohnakkordgruppen, — den Baukwuzoth — mit denen der Privatunternehmer auch arbeitet. Schwierigkeiten, die aus dem Wesen dieser Kwuzoth stammen, treffen den Privatunternehmer auch, sein System hat hier keinen Vorteil. was den generalisierenden Vorwurf der Defizite an- |anrt so trifft er nur den Misrad; und dann waren es zum Großteil, wie bereits auseinandergesetzt wurde, gar keine Defi.*K=» und schließlich machten die großen Pnvatbauunternrlimcr auch Defizite und endlich Bankerott. Solcl-Bonch hat aber wie seine letzte Bilanz zeigte, überhaupt keine Defizite (Tcrnadit, sondern einen, wenn auch kleinen, Gewinn. Dies ist aber auch alles, was man von einem nach gemeinnützigen Prinzipien geleiteten Unternehmen billigcrwcise verlangen j;3nn.' Es ist nicht seine Aufgabe, Profite zu erzeugen; es hat ccine besonderen Aufgaben geschäftsmäßig erfüllt, wenn es [eine Defizite zu decken jjibt. Wie steht es mit dem Einwand, Solcl-Bonch sei ein Kampfziel der Arbeiterschaft im Klassenkampf? Dazu ist zu sagen, <j3ß es keinen entschiedeneren Feind der Gilden (und Solclfloiiclist eine Gilde) und Gildenbewegung gibt als jene Richtung in der Arbeiterbewegung, die den radikalen Klassenkampf zum Zentrum ihrer Politik gemacht hat: der Bolschewismus. Aber auch die zweite Internationale steht der Gildcnbfwegung zumindest gleichgültig gegenüber. Hören wir, wie sich der palästinensische Berichterstatter der „Roten Gcwcrkjchaftsinternationalc" April 1925 über Solel-Boneh äußert:'!,Eine Gewerkschaft kann nicht gleichzeitig eine Konkurrenz- Unternehmung auf dem kapitalistischen Markt sein. ..... Es gab für die Arbeiter dem Misrad gegenüber keine Möglichkeit zu Beschwerden, waren sie doch keine Lohnarbeiter, sondern Mitglieder der kooperativen Untcmehmungsgcscll- <:baft. ...... Trotzdem aber können sich gewerkschaftlich organisierte Arbeiter auf die Dauer der Gilde gegenüber nicht anders verhalten, als sie es jedem anderen kapitaltstiy/nen Unternehmen gegenüber gezwungen sind." So ist es. Wenn die Arbeiter eines Arbeitszweiges streiken, so haben sie kein Interesse daran, daß irgendein Betrieb dieses Zweiges weiterarbeitet. Der Mechanismus des Streiks wirkt nicht etwa dadurch, daß ein Teil der Unternehmer durch die Konkurrenz der anderen gezwungen ist, nachzugeben. Die Dynamik des Streiks ist eine viel kompliziertere; und wenn die englischen Bergarbeiter jetzt für den Generalstreik rüsten, so .bemühen oe sich, die amerikanischen zum Mitstreik zu bewegen,. also die „Konkurrenz" innerhalb der Arbeitgeber auszuschließen. Umgekehrt sagt man auch: „Nein, nicht die Arbeiter bedienen sich des Solel-Boneh in ihrem Kampfe gegen die Arbeitgeber, — aber Solel-Boneh bedient sich der Gewerkschaft in seinem Kampfe gegen die Konkurrenten." — Dies ist eine durchaus naive Vorstellung. Die Arbeiter machen knnc Streik» um Solcl-Boneh einen Vorteil zuzuwenden. Im allgemeinen werden gewerkschaftliche Kämpfe ausschließlich von wirtschaftlichen Motiven beherrscht, und nur in ganz besonders außergewöhnlichen Fällen, bei . Revolutionen und «icr-rl. hat sich der politische Streik gegen die'Existcnzintercssen der Arbeiter durchgesetzt. Solel-Bonch hat es oft genug als äußerst unangenehm empfunden, daß das Arbeitsamt der Gewerkschaft, welches die Arbeiter beistellt, dem Privatunternehmer gegenüber viel koulantcr sich benimmt und seine Dünsche nach speziellen Arbeitern, Kwuzoth u. dergl. berücksichtigt, während es Solcl-Bonch keine Einflußnahme zuerstehen will. Solel-Ronch als ioslaUatlsehes Gebilde. Ein weiterer Einwand ist wichtig genug, um besonders behandelt zu werden. Er tritt in seiner unsinnigsten Form in der Beschuldigung auf: „Dieser Misrad und Solcl-Bonch, das ist doch alles Kommunismus und Bolschewismus.'* Er verdient in dieser Form kaum eine Entgegnung. Zitieren wir nur noch einen Satz aus dem oben erwähnten Aufsatz des bolschewistischen Organs, um zu zeigen, .was dem Bolschewismus Solel-Boneh ist: „Ein Unternehmen jüdischer^ Ar- Mtcrführcr, die es auf sich nahmen, das Problem zu lösen, äc Bourgeoisie tunlichst von den Extraausgaben der jüdischen im Vergleich zur arabischen Arbeit zu befreien, und rinrhrritig die Arbeiter von einem Kampf um Erhöhung der Ulme abzuhalten." Es gibt nun allerdings den Einwand: „Solei-Bonen ist fin sozialistisches Gebilde." Ich möchte es nun ganz xhr machen, daß die«; nun nicht etwa geleugnet werden soll. Ja, Solel-Boneh ist ein sozialistisches Gebilde. Aber damit '« doch keine Kritik geübt, solange man nicht sagt gegen welche aus sozialistischem Geiste geborene Wirksamkeit des folcI-Bonch man sich wendet. Nicht den Namen kann man vorwerfen, nicht die Ideologie, sondern lediglich Händigen, Tätigkeit, Wirksamkeit. Und solchen Vorwürfen, die 5Kh auf seine Wirksamkeit bezichen, habe ich bereits erwidert. Verlassen wir die Apolopic und sagen wir, was es dc- «utet. Solel-Boneh als - sozialistisch zu bezeichnen. . „Sozialistisch'* ist hier in erster Linie Gegensatz zu „kapitalistisch". — Kapitalistisch in dem Sinne: „Vom Prol.t- Wcrcssc geleitet." Daher „sozialistisch" — nicht vom Protit- "Presse, sondern vom Allgemcinintercsse geleitet. „Sozialistisch" ist aber auch in wirtschaf spohtischcm \nn der Gegensatz zu „liberal-individualistisch" im Sinuc d^ Jaisser faire - laisscr aller" des „freien" anarchischen, , ^''Herten Wirkens der wirtschaftlichen Kräfte ungehemmter lnd|viducn. Daher „sozialistisch": „Bewußte,• planmäßige Kc- PJlicrung des Wirtschaftsprozesses. . - ■ , ..Sozialistisch" heißt schließlich klassenmäßig im Gcgcn- 5cat* *ur Bourgeoisie: „Von der Arbeiterschaft getragen. fM-Bonch ist daher als sozialistisches Gebilde ein vc J igemeinintercssen geleitetes der bc vu Planmäßigen Regulierung des Wirtschafts- ^ozesses ffewidmetes> von der Arbeiterschaft Setragen es Untern ch men. * „, . r>amit istnur zusammengefaßt, was ich früher bereits m, einzelnen ausführte. Welche „allgemeinen!nte£cf '; J'dche „Regulierung des Wirtschaftsprozesses" \n.B^ht l k,?*men ist bereits dargelegt worden. r Es. sind solche, dlc durchaus und ganz in den Rahmen einer ernst und \orfu,fchaucnd aufgefaßten zionistischen . K°I0"'"^f'Än Wozu das Sich-selbst-überlasscn der wirt^ÄtC" fresse aber führt, kann man bereits in Tel-Awiw beobachten, *°,<h> Zionistischc Organisation - nicht aus Prinzip, sondern, y die Aufgabe über ihre Kräfte, geht r beinahe ganz aus- KaJtct ist: Zu einem ungeheuren Verlust an »^aten ^jttcln, zu einem ircccnscitigcn Aderlässen,, zu einer zu- Ja«%«™ riic? Das* Srt des5 wirtschaftlichen Körnen»aber, £ Geld, fließt in Form von übersteigerten Bc£cnpre£en <tc« zu den Arabern ab und wird auch noch in das Ausland -fließen, wenn erst die „Sicmens-Bauunion" etwa, die dort bereits arbeitet, nur festeren Fuß gefaßt haben wird. . Wird man Sich daran stoßen, daß die« ein' von' der Arbeiterschaft getragenes''„Unternehmen ist? Aber die kolonisatorischen Aufgaben; die Solcl-Bonch zu erfüllen hat,' sind eben auf die Arbeiter bezügliche Aufgaben, und wer anders kann diese durchführen " als' sie selbst? Ja, vergessen wir auch nicht, daß diese Arbeiterschaft durchweg-aus dem Bürgertum stammt, daß ihr der Urbcrgang zur Arbeit nur dadurch erleichtert werden kann, daß er innerhalb eines autonomen Bezirkes dieser Arbeiter selbst erfolgt. Der Zwang durch Not kann sie wohl m Proletariern, und vielleicht nur zu Lumpcnprolctaricm machen, zu Arbeitern macht sie nur die Erziehnug, und das heißt bei erwachsenen Menschen: Sclbstcrzichung. Auch ein Teil dieses Mittelstandes der jetzt einwandert und noch eine Zeitlang von seinen Geldmitteln zehrt, oder zumindest ihre Söhne und Töchter, werden durch diese Schule gehen. Was verlangt Solcl-Bonch von der Zionistischen Organisation? Dies also ist Solel-Bonch und das ist seine Bedeutung für die zionistische Kolonisation. Diese Bedeutung, dieser Kreis von Aufgaben, die er zu erfüllen hat,- berechtigt ihn seinerseits Forderungen an die Zionistische Organisation zu stellen, die ihm erst die Erfüllung der -Aufgaben ermöglichen. Die erste Forderung eines solchen Unternehmens ist eine finanzielle und sie lautet überraschenderweise so: „Fordert ihr nichts vom Solcl-Bonch, dann verlangt auch Solcl-Bonch nichts von. euch.!"-■ Denn man hat Solcl-Bonch zugemutet, die Schulden des Misrad zu begleichen. Dies ist eine Unmöglichkeit; Solcl-Bonch konnte das Inventar des Misrad gegen Bezahlung, seine Erfahrungen als ein Patengeschenk übcrnchmcn? aber es war ein Unding und ein Todesurteil, ihn an dem Defizit weiter kranken zu lassen. Die erste Forderung ist somit: Die Zionistische Orgaiii.-.ation bezw. der Kcrcn Hajcssod hat'den Misrad nachträglich zu liquidieren. Damit wird das Aktienkapital, das Solcl-Bonch besitzt und das er bisher vollständig in den Misrad hineingesteckt hat, frei.und er steht auf beiden Beinen. In Ziffern abgedrückt: Zu den £ 23.000, die der Kcrcn Hajcssod Solcl-Bonch zur Liquidation des Misrad geliehen hat, sind weitere 23 000 hinzuzutun, und beides nicht als Anleihe, sondern ä.fond nerdu.- Mit seinem gesamten Aktienkapital bei den Gläubigern des Misrad, s-c 1 bs t dem Kercn Hajcssod für den Misrad verschuldet, ohne umlaufendes Kapital, hält Solel-Boneh mühselig, auf einem Hein stellend, sein Gleichgewicht aufrecht. Soll er als Großunternehmer (und nur als solcher hat er Sinn} arbeiten können, dann muß er sein Geld zurückbekommen. Gebt ihm das Geld sofort. Es hat keinen Sinn zu sagen: ,,Wir wollen erst selicn, was er auf einem Bein stellend vollbringen kann, dann erst werden wir beurteilen können, ob er ein zweites 'wert ist." . Er wird auf einem Bein nichts vollbringen; er wird fallen, und man wird ihn dann erst recht auf zweiBclnc stellen müssen, denn eine Notwendigkeit ist er doch. Die zweite Forderung lautet: Soll nun Solcl-Boneh mit diesem Kapital in gesunder Oekonoinio als Bauuntcrnehmting wirtschaften, so dürfen" ihm nicht mehr jene kolonisatorischen Aufgaben angelastet werden, die der Misrad zu erfüllen hatte, die aber mit einer geschäftlichen Führung unvereinbar sind. Das heißt, die Zionistische Organisation muß Sorge tragen und muß die Geldmittel zur Verfügung stellen für: Hachscharali, Eroberung neuer Wirtschaftsgebiete, Arbeiten von politischer Bedeutung, Nolstandsarbcilen. Es genügt also nicht etwa zu sagen: ..Solcl-Bonch soll eben solche Arbeiten^ nicht übernehmen''. W c n )> nicht von anderer , Seite dafür gesorgt wird, dann wird es Bich zwangsinäßig .ergeben, daß Solel-Bonch solche Arbeiten eben, doch unternimmt und damit, seinen _ wirtschaftlichen Bestand, gefährdet. . "Als dritte .Forderung 'ergibt sich: .Solel-Bondi. muß das Monopol auf alle Bauarbeiten der Zionistischen Organisation und all ihre Institute und, wenn möglich, alle anderen nationalen .Körperschaften erholten. . Diese Forderung folgt vollständig aus der Art der kolonisatorischen Aufgaben,, zu deren .Durchführung die Zionistische Organisation Solel-Boneh als eines Iir.lrunieiifc* bedarf . Ich habe bereits oben mehrfach betont, daß ein privates Unternehmen hierzu nicht geeignet ist, wegen der ihm peiner Natur nach notwendig innewohnenden ei^,«-un(it/igeii Tcndcii/.en, die, ständig kontrolliert werden müßten. Aber sogar durchaus ehrlichen Willen von Seiten des Unternehmers vorausgesetzt, ist eine effektive Kontrolle' in Wirklichkeit undurchführbar. Die einzige Gewähr dafür, daß sie von der Zionistischen Organisation bereitgestellten Mittel ihre richtige gemeinnützige Bestimmung finden, liegt in der Gemeinnützigkeit des Unternehmens selbst. Nur wenn keine einzige Person dieses Unternehmens Profit aus dem. Unternehmen ziehen kann, ist Sicherheit vorhanden, daß kein größerer Profit erstrebt wird, alsvon vornherein zugestanden wurde. Vergebungswesen. Dies führt zur Frage, wie dieser zugestandene Profit bestimmt, wie jene Arbeiten vergeben werden sollen. Im privaten •Geschäftsverkehr i*t es natürlich, eine Arbeit demjenigen zu übergeben, der für sie, gleiche Qualität vorausgesetzt, den niedrigsten Preis verlangt. Dieses privat Wirtschaft liehe Prinzip kann nicht Tür eine öffentliche Körperschaft gelten. Nach der preußischen Norm soll die niedrigste Gcldfordcrung als solche für die Entscheidung über den Zuschlag, keineswegs den Ausschlag geben. Es ist bereits erwähnt worden, daß in Frankreich und Italien (vor dem Faschismus) Arbeitcr-Associationcn gewisse Begünstigungen genießen etc. Vor allem aber wird fast durchweg der Grundsatz aufgestellt, daß der Arbeit auch ein ,entsprechender Lohn werden soll, und in diesem Sinne der Zuschlag zu einem an sich zu niedrigen Preise zu vermeiden ist. Dies ist das nntionalwirtschaftliehe Prinzip der Vergebung. Es folgt aus der Ucbcrlegung, daß die Gemeinschaft als solche daran interessiert ist, den Unternehmer vor Verlusten zu schützen, und seine cvt. falsche Kalkulation zu korrigieren. Kalkulation ist nämlich durchaus keine einfache Sache. Es ist im Gegenteil eine schwierige Aufgabe, und insbesondere bei neuartigen Bedingungen-, Verhältnissen, Bauarten, kommen Verkalkulationcn häufig genug vor, —. besonders wenn manunter dem Drucke des Wunsches steht Billigster zu sein. Das Ende ist der Bankerott.- Die einzige richtige Art der Preisbestimmung ist jene durch Übereinkunft Nach dieser Methode erzielt Solcl-Bonch den Universitätsbau. . Eine Kommission, bestehend aus den Vertretern des Bauherrn (der Architekt) der Bauunternehmung (Solel-Bonch) und zwei. von beiden gewählten Ingenieuren (einer von diesen der Schreiber dieser Zeilen) nahm die Arbeiten Punkt für Punkt in wochcnlangcn Sitzungen durch, und beschloß nicht, bevor nicht vollständige Einstimmigkeit über die voraussichtlichen Selbstkosten erzielt wurde.. Auf diese wurde cjn bestimmter Prozentsatz für die" Regie, und darauf ein mäßiger', allzu mäßiger. Nutzen von 2 o/o aufgeschlagen. Dies ist die Methode,• nach der die nationalen,Arbeiten an Solcl-Bonch zu vergeben sind' die einzige Methode, *dic den Bauherrn und •derBauuniemenmuug', bzw. ihren Arbeitern gerecht wird, und die doch die Befürchtung ausschließt, daß bei Nichtvorhandensein der Konkurrenz der Unternehmer nun verlangen werde, „waa er wolle," Fügen wir hinzu, daß. diese Methode allerdings kaum gangbar ist, wenn entweder der Bauherr oder der Bauunler« nehmer von privaten Interessen geleitet wird. Zwei Bedenken gilt es noch zu zerstreuen: fürchtet man, daß Solel-Boneh unter dem Privileg dieses Monopols erstarrt, sich nicht fortentwickelt, imökonomisch wird? Aber es gibt ja noch den großen, den größeren privaten (und Rcgieruugs-) Baumarkt. Dort muß er seine Konkurrenzfähigkeit erproben und beweisen. Ist man für die Existenz des privaten Bauunternehmers besorgt, wenn ihm der nationale'Bauinarkt abgeht? Aber der private Bauunternehmer ist doch ein Teil der i'hv.-itwirischaH und zieht seine Existenzberechtigung nur aus ihrer Existenz. Gibt es keine entsprechende Privatwirtschaft, keinen privaten Baumarkt, dann wäre es ein Unding, gerade den privaten Baimutcrnchmcr mit nationalen Mitteln künstlich erhalten zu wollen. Das Zukunftsprogramm des Solel-Boneh. Wird Solel-Boneh solcherart auf cjnc gesunde B.isi^ gestellt werden, so kann er daran gehen, sich auch entsprechend zu organisieren. Er wird dann sich lediglich aui "den Großbetrieb beschränken (ja, er tut dies eigentlich jetzt schon). Die handwerksmäßige Herstellung kleiner Bauten wird er nicht stören. Der Gewerbetreibende selbst, und bauunternchmende Maurermeister hat-nichts zu fürchten. Ire KIcinbau liegt d c s s e n-Stärke, seine Rentabilität und Konkurrenzfähigkeit und nationale Bedeutung. Sache des Solei« Bonch ist der maschinelle Großbetrieb, hier liegt seine Stärke, seine Rentabilität, Konkurrenzfähigkeit und nationale Bcdcutimg.. Er wird als zweites sich einen fester verbundenen, noch qualifizierten Arbeiterstamm schaffen, dadurch daß er mit entsprechenden Fachgruppen oder Einzclarbcitem Jahresverträge schließt. Dieser Kndcr von Spezialarbeitern wird dann von fluktuierenden Gruppen je nach Bedarf aufgefüllt werden... Er.wird sich einen Stab von technischen und administrativen Beamten schaffen, die ilirc Zukunft im Solcl-Bonch beschlossen Sehen und ihn nictit mehr, wie bishcals e;ne Durchgangsstation betrachten. Und sein Wirken wird dann als ein lebendiges Beispiel vor'aller Augen stehen, was jüdische Arbeit vermag. Ein Schlußwort: Das Baugewissen der jüdischen Arbeit. Dies ist nämlich die eigentliche Bedeutung des Solel-Boneh. Es ist wahr, es gibt eine zionistisch-kolonisatorische Gesinnung im Lande. Es bauen in Jerusalem Menschen unter Opfern mit jüdischem Stein, obwohl es keinen anderen Zwang dafür gibt, als ihr eigenes Gewissen. Aber es muß ihnen unverrückbar durch ein Beispiel bewiesen werden, daß so etwas möglich ist. Sonst wird ihre Bequemlichkeit, deren psychische Kraft ebenso groß ist wie die des Gewissens, ihnen einreden, daß dies eben leider nicht geht. Und das gilt auf allen Gebieten. Man wird es kaum wagen, die zionislischkolonisatorischc Gesinnung der neuesten Tcl-Awiwcr Alijah zu prüfen, sie liegt nur zu sehr zu tage. Hier muß die moralische Pression der öffentlichen Meinung einsetzen, wenn nicht die Position der jüdischen Arbeit Stück für Stück abgebaut werden soll. Und( hierzu erst recht bedarf man eines lebendigen Beispiels, auf das man hinweisen kann. Man muß sagen können: „Hier siehst Du was jüdische Arbeit vermag, dies alles kann man mit jüdischen Arbeitern vollbringen, und daher hast Du jüdische Arbeiter zu beschäftigen"! Und so ist in r.eiuer höchsten Bedeutung, Solcl-Bonch das Baugewissen der jüdischen Arbeit. Zweite Jüdische Emisraliocskoclereüz Die Eröffnung der zweiten jüdischen Emigrations-Konferenz, die vom „Emigdirckt" einberufen wurdr, wird am Sonntag, den 9. August, vormittags lt Uhr, im Sitzungssaal der Rcpräscrttantcn-Ver^ammlung der jüdischen Gemeinde, Berlin, Oranienburger Straße 30, stattfinden. Die darauffolgenden Sitzungen werden im Logenhaus, Berlin, KleM- V.traßc 10 abgehalten. Viele auswärtige Delegierte sind r.chou bereits in Berlin eingetroffen. Die Sitzungen der Konferenz sind öffentlich. Eintrittskarten sind am Eingang zu erhalten. •In schlcsischcr Mittelstadt ist Gelegenheit, einem jungen Mann, der. dort eine Lehrstelle zu naben wünscht oder kürzlich seine Lehre beendet hat, Stellung zu verschaffen. Zionistische Familie ist bereit, dem jungen Mann Wohnung und Verpflegung kostenlos zu geben, unter der Bedingung, daß er 6ich für Jugendarbeit und Nationalfonds-Arbcit zur Verfügung stellt. Zuschriften erbeten an „Kcrcn Kajcmcth Lejisraer, Berlin W 15, Mcinckestraße 10. "Hebräischer Lehrer. Wir sind in der Lage, einen besonders gut. empfohlenen hcb-äir.chcn Lehrer, der mehrere Jahre an der hebräischen Snrachschulc in Breslau tätig war, nachweisen zu können. Der Betreffende wäre bereit an einen kleineren Platz zu gehen, wenn ihm ein Existenzminimum garantiert wird. Auskunft erteilt: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Mcinckcstr. 10. Synagoge „Der Fricdcnstempcl". Hauptgottesdienst: Freitag, abends 7 Uhr. Sonnabends, vormittags 10 Uhr, (Schrifterklärung und Einsegnung). Mincha: 8,15 Uhr, Sabbath-Ausgang: 8,35 Uhr. Wochentagsgo.ttcsdicnst: täglich morgens 7 Uhr, abends 7,30 Uhr, Jüdische' Gemeinde. Freitag, den 7. August 1025, in den Synagogen nach neuem Ritus abends 7 Uhr, in den Synagogen nach altem Ritus abends 7.30 Uhr. Sonnabend, den S. August 1025, morgens, Alte Synagoge $,30 Uhr, Syn. Kaiscrstraßc, Rykcstraßc. Pcstalozzistraiic, Kottbuscr Ufer und Münchener 'Straße 9 Uhr, Synagogen nach neuem Ritus: Frühgottesdienst 7,30 Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. Predigten: Synagoge Lindenstraße Dr. Blumcnthal, Synagoge Fasanenstraße Dr. Bacck, Sabbath-Ausgang S.37 Uhr. Gottesdienst an den Wochentagen: abends in allen Synnagogen 7,30 Uhr; morgens: Synagogen nach altem Ritus außer Synagoge Pestalozzistraße 6,30 Uhr. Syn. Pcstalozzistraßc und Synagogen nach neuem Ritus 7 Uhr. BridUaslcn der Redaktion •Gruppe palästinensischer Studontcn, Sie bitten uns Herrn und Frau Professor Noak, die Ihrem verstorbenen Kollegen Israel Argasi während seiner letzten < Lebcnsstunden hilfreiche Fürsorge zuteil werden ließen auf öffentlichem Wege Ihren tiefgefühlten Dank aussprechen zu dürfen. Insbesondere danken Sie Prof. Noack für den warmen. Nachrufen dem Grabe des Freundes. Wenn Sic uns schreiben: „Für uns, die.'wir in-unserer Heimat in enger Gemeinschaft leben, ist es ein Trost, zu sehen, daß auch in der große.t Welt sich edle Ocmütcr finden, die für den Menschen Interesse und Sympathie empfinden", — so wird Ihnen gewiß jeder bestirnmea.

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