Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1925)
- Date
- 1925-08-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 527 „Zionismus und Patriotismus'* Ein Vertreter der „Kölnischen Z e i t u n g", Herr von Mach, hat.längere Zeit in Palästina geweilt und eine Reihe interessanter Berichte in seinem Blatte veröffentlicht, die von cutcr Beobachtungsgabe und von Verständnis für die jüdischen Bestrebungen-zeugten. Mach hat sich über den Idealismus und die Leistung der jüdischen Siedler mit rückhaltloser Bewunderung geäußert Mit einem Manne wie ihm können wir uns daher gern auseinandersetzen, wenn er jetzt in der „Kölnischen Zeitung" einen Artikel'„Zionismus und Patriotismus" veröffentlicht, in welchem er zu dem Resultat kommt, daß Zionismus und deutscher Patriotismus unvereinbar seien. Ein Judentum, das restlos mit dem Volke, in dessen Mitte es lebt, national verbunden wäre, brauchte keine neue Heimstätte. Aber ein Teil der deutschen Juden sei infolge des Antisemitismus eben nicht genügend eingegliedert, gewesen und für diese habe die Balfour-Dcklaration eine frohe Botschaft bedeutet. Mach nimmt Benig auf die Resolution des amerikanischen Parlaments, in welcher zur Begründung der Begünstigung unserer nationalen Heimstätte von „der vom jüdischen Volk im Weltkrieg gespielten Rolle" die Rede ist. „Es läßt sich nicht daran deuteln", schreibt er, „daß durch diesen Beschluß, der keineswegs von dem Judentum Amerikas und seiner Verbündeten im Weltkrieg allein spricht, dem Judentum der Welt das Zeugnis .— gestellt wird, auf der Seite unserer Gegner während des Weltkriegs gestanden und gewirkt zu haben." Einem unvoreingenommenen Betrachter sollte dies allerdings nicht so feststehend erscheinen. . U. E. ist gerade das Gegenteil die naheliegende Ausdeutung, .denn die amerikanischen An-; tragstcllcr. dachten zweifellos nur au ihre eigenen Juden, \ vielleicht noch an das Faktum der aus russischen und ameri- : kanischen Juden bestehenden jüdischen Legion, die an der! Palästina-Front gekämpft hat. Man stelle sich vor, wie etwa in! Deutschland ein analoger Antrag gelautet hätte; wahrschein- ' lieh wäre gleichfalls nur von den Juden die Rede gewesen, : wobei die deutschen Juden gemeint gewesen wären. Es wider-; strebt uns, in der üblichen Art wieder darauf hinzuweisen, welche Gesinnung die Juden Deutschlands einschließlich der Zionistcn im Weltkriege manifestiert und bezeugt haben. Der Verdacht des Herrn v. Mach, der zweifellos guten Glaubens ist, beweist die ganze Tragik dieser jüdischen Position. Wie dem auch sei, Herr von Mach hat in Palästina den : Eindruck genwonnen, daß die deutsche Kultur bei den Juden an Boden verliert und allmählich zurückgedrängt wird. Der aus I Deutschland kommende Zionist könne daher nicht deutscher \ Patriot bleiben. Es wäre hier vielleicht am Platze, darauf hin- ] zuweisen, wie wenig Wert offenbar Deutschland darauf gelegt; hat, das Verhältnis der Juden zur deutschen Kultur inniger ■ zu gestalten. Wenn Mach bedauert, daß ein in Palästina erzogener Junge an einer deutschen Universität nicht wird studieren können, weil er die Sprache nicht beherrscht, so scheint die Frage nicht unberechtigt, ob Deutschland ihm überhaupt Gastfreundschaft gewährt hätte. Gerade wir haben wiederholt betont, daß die rüde antisemitische Art der deutschen Hochschulen und vor allem ihre Sperrung gegenüber ausländischen Juden dem deutschen Volke großen Schaden zufügt, da es sich um die Möglichkeit bringt, innige kulturelle Beziehungen.mit.Menschen anderer Länder anzuknüpfen. Viele Von den ostjüdischen- Studenten, die man in Deutschland nicht studieren ließ, gehen nach Palästina; sie hätten dort auch dankbare Verbreiter deutscher Kultur werden können. Man soll also nicht nur einseitig beschuldigen. Es kann allerdings nicht geleugnet werden, daß auch .ein deutscher Zionist der nach Palästina gellt, allmählich den Zusammenhang mit Deutschland verlieren kann, besonders gilt dies für die zweite Generation und die spätem Nachkommen,- Dasselbe gilt aber für alle Auswanderer, auch für christliche. Der Deutsche, der nach Amerika geht, ist in zwei Generationen vollkommen Amerikaner. Ausnalunen mag es da wie dort geben. Was aber den Zionistcn betrifft, der nicht auswandert, so ist die These, man könne nicht zwei Herren dienen, eine völlig unzutreffende Schcmatisicrung. Nur wenige Menschen innerhalb eines Staates sind so geartet, daß sie ganz und ausschließlich einer Idee dienen. In jedem Individuum schneiden sich Intercssenkreise der verschiedensten Art, die einander nicht zu widersprechen brauchen. Der deutsche Zionist, der in Deutschland bleibt, ist mit tausend Fäden mit seinem Vaterland verbunden, nicht nur durch die formellen Pflichten der Staats- bürgerschaft, sondern auch durch seelische Verknüpfung. Dies darf aber nicht hindern, daß er als Jude sich mit dem werdenden Gemeinwesen in Palästina verbunden fühlt, das ihm die Kraft gibt, auch in Deutschland als Jude ganz anders, viel sicherer und aufrechter und charaktervoller zu leben. Die „Kölnische Zeitung" wird wohl nicht jenen Begriff von Vaterland akzeptieren, für den auch Katholizismus und Patriotismus unvereinbar ist. Denselben Vorwurf macht man den Sozialisten, weil sie nicht nur auf das Wohl des Vaterlandes bedacht sind, sondern gleichzeitig auch auf das durch eine bessere Gcscll- Schaftsordnung zu schaffende Wohl der Menschheit Es gibt; verschiedene Auffassungen von Patriotismus und nichts ist falscher und verhängnisvoller, als in einer so delikaten und schwierigen Frage schablonenhaft zu urteilen. Nicht immer besteht der Patriotismus darin, alles, was das eigene Land betrifft, als gut und unantastbar zu erklären, oft ist es patriotischer, wenn man einem Problem, das das Leben des Volkes vergiftet, ehrlich und aufrichtig beizukommen versucht Die Judcnfragc ist ein . solches Problem. Diejenigen Juden, die Rennen,' daß die Lösung der Judenfrage durch die Schaffung c'ncr nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina cinc unabweislichc Notwendigkeit nicht nur für die Juden, sondern für alle Völker ist, sind nicht schlechtere Patrioten als; solche Juden, die den Ernst dieser Frage vertuschen wollen. Das Leben ist nicht so simpel, wie es manche gern darstellen föchten. Der Schreiber des erwähnten Artikels vermag dem Noblem nicht gerecht zu werden, weil er von Grundbegriffen »usgeht, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. Die Jadei aal der blernatioialeo Stadenteokootereoz Wien. (J.T A.) Laut Mitteilung des Weltverbandes jüdischer Studenten wird die Internationale Studentenkonferenz, die k'otn 4. bis 12. August d. J. in Genf abgehalten werden wird, von mehr als 250 Delegierten aus aller Welt besucht sein. Den threuvorsitz auf der Konferenz wird der ehemalige Schwcize- ^che Bundespräsident Dr. Motta innehaben. - Der Wcltjerband der jüdUchcn Studentenschaft wird auf äc«a Kongreß durch eine viergliedrige Delegation '«trete* sein, Presseschau In der Morgenausgabe des „Berliner Tageblatts* vom 31. Juni setrt Felix Pinn er unter dem Titel „Das Problem der Eroberung der Märkte" seine Artikelserie „Das neue Paliistina" an leitender Stelle in einem fünften Aufsatz fort. Er geht von der Tatsache aus, daß die landwirtschaftliche Siedlung in Palästina nach den starken Anläufen im letzten Jahrfünft in ein kritisches Stadium getreten ist. Die Stagnation oder die Konsolidation der landwirtschaftlichen Siedlungen sei ein Zeichen einer gewissen Vcrlangsamung dieser Kolonisationslätigkcit. Das gegenwärtige System in den Siedlungen geht trotz gewisser Ansätze im Verkaufsgcscliäft noch immer auf die Autarkie, die Sclbstversorgungswirtschaft der Landwirtschaiitrcibcnden in gemischten Betrieben hinaus. Die Siedler loben mehr schlecht als recht von dem, was sie selbst erzeugen, die Produktion für den Markt ist nur gering und trotzdem schwer abzusetzen, weil die Produkte wisentlich teurer liind als auf dem Weltmarkt Ucbcr diese Mängel sind sich alle klar, die ein sachverständiger; Urteil über die Verhältnisse brr.it/cn. Aber während die einen glauben, daß die Dinge tich bessern, gibt es eine andere Gruppe, die der Ansicht ist, daß das ganze bisherige System einer Acndcrung bedarf. Für sie spielt nicht der Boden, sondern die Sonne, dieser größte Schatz, den das Land besitzt, die Hauptrolle. Bei systematischer Bewässerung könnte eine Gemüsezucht in Verbindung mit einer hochintcnsivicrtcn Vieh-, Milch-, Butter- und Käsewirlschaft betrieben werden und so wäre man in der Lage, nicht nur die Bedürfnisse einer stark zunehmenden Bevölkerung des eigenen Landes an diesen Produkten zu docken, sondern darüber hinaus auch AiLsfuhrmcngcn zu schaffen, die den Bedarf an Brotgetreide, Futtermitteln usw. bei Auslandsciukäufcn finanzieren könnten. Nur bei diesem System wäre es auch möglich, das Land mit einer agrarischen Bevölkerung dicht zu besiedeln. Die Gegner dieser neuen Kolonisaiioiiscinstcllung weisen darauf hin, daß die E\i>ortfragc bei einer hochintensiven Gemüse- und Früchte-Wirtschaft nicht so leicht lösbar sein würde, wie die Vertreter dieses Gartcnlandsystems es sich vorstellen. Die Tatsache, daß diese Diskussion überhaupt entstehen konnte, ist der beste Beweis dafür, daß eine tragfähige Agrarbasis und ein zuverlässiges Agrarsystcm noch nicht gewonnen sind. Pinner bespricht die in der letzten Zeit stark gewordene jüdische Linwandcrung, von der jedoch nicht die jüdische sondern die arabische Landwirtschaft den Nutzen hat Diese Einwanderung gellt hauptsächlich in die Städte, wodurch der landwirtschaftliche nUtcrbau immer schmäler wird, und es werden Ansichten laut, daß die Einwanderung, deren politischer Nutzen nicht zu bestreiten ist, in ökonomischer Hinsicht doch vielleicht etwas zu früh eingesetzt hat. Unter diesen Umständen scheint es ein Gebot der Stunde zu sein, daß der Autarkie-Gedanke eine zeitgemäße Revisivion erfährt. Mindestens soweit, daß die jüdischen Landwirtschaftsbetriebe in den Stand gesetzt werden, die hochwertigen Nahrungsbcdürfnisc der jüdischen Bevölkerung einschließlich der Zuwanderung zu decken. Man wird sich nicht weiter hartnäckig auf das vielleicht sozialistischen Doktrinen entgegenkommende System der gemischten Sclbstvcrsorgungs- Wirlschaft versteifen dürfen, sondern über dieses Prinzip das des höchstmöglichen m'.ionalcn und ökonomischen Ertrages stellen müssen. Dazu genört aber die kommerzielle Eroberung des Marktes, die eine entwickelte Organisation des A bs a t z.c.s. verlangt...Der Exportmarkt wird manchem palästinensischen Produkt zu erobern sein. Jaffa-Orange und Palästinawciu brauchen nicht die einzigen ECxport-Produkte des Landes zu bleiben. Auch andere Qualifätsproduktc wie Mandeln, Scsamc und Tabake kann man mit richtigen Methoden und richtig geführten Qualitätsarbeitcrn züchten. Solche Gesichtspunkte verdienen ihre Unterstreichung besonders in einem Zeitpunkte, in dem auch ein neuer Typus ins Land kommt, der eigenes Kapital mitbringt, und der entschlossen ist, dieses Kapital mitsamt der eigenen Arbeit in der Lindwirtschaft anzulegen. Am Schlüsse seines Aufsatzes berichtet Pinncr über die Siedlung der Cliassidim des Jabloncr Rabbi, deren Unternehmen als Stimmungsmoincnt höchst charakteristisch sei. * „Manchester Guardian" (auch die zentral-europäische Wochcnausgabc vom 31. Juli) bringt einen Aufsatz von McEwan Lawson über die jüdische Aufbauarbeit in Palästina, bes. eine Beschreibung der Kolonie Dagania. Der Autor betont, daß im Lande Platz ist für Juden, Christen und Moslim, und daß nunmehr gegenseitige Toleranz von nöten wäre, um den Erfolg zu sichern. * Professor Fredrick Böök, der an der Eröffnung der Hebräischen Universität In Jerusalem teilnahm, veröffentlicht in der „B c r 1 i n s kc T i d c n d c" vom 12. Juli einen umfangreichen Artikel „Unter Kommunisten In Palästina", der von dem tiefen Eindrücken Zeugnis ablegt, die Professor Böök bei seinem mchrwöchcntlichcn Besuch in Palästina vom jüdischen Siedlungswcrk, insbesondere von der landwirtschaftlichen Kolonisation empfangen hat. Prof essor Böök, der die Landwirtschaft als Grundlage des Wiederaufbaus für unumgänglich notwendig erachtet, auf der allein auch Industrie und Handel eine gesunde Entwicklung nehmen können, schildert ausführlich seinen Besuch in Moza und in Kirjath Anawim und vergleicht zum Schluß die aufbauende Arbeit der jüdischen Kommunisten in Palästina mit der zerstörenden Wirksamkeit des Kommunismus in Rußland. * Im deutsch-völkischen „Deutschen Tageblatt" vom 23. Juli veröffentlicht ein Dr. Philipp Kntz, Charlottenburg, einen Artikel „Eine jüdisch-völkische Warnung", in welchem er erklärt, es bestehe eine Solidarität zwischen den Völkischen aller Nationen und auch die „Jüdisch-Völkischen" hätten bei ihrer Aufgabe, einen Judenstaat aufzubauen, dieselben Interessen und Tendenzen wie andere Völkische. Er wendet sich gegen „die Westarpische und Wcizmannschc Politik", die zwar „mit pscudonationalcn Knalleffekten betäuben, niemals aber den Anspruch erheben können, Vorkämpfer völkischer Belange zu sein." Der Artikel schließt mit dem Aufruf „Völkische aller Völker vereinigt Euch!". Wir wissen nicht wer der Verfasser dieser kuriosen Auslassung ist, aber es bedarf wohl keiner besonderen Feststellung, daß der Unsinn, den er verzapft, in keinerlei Zusammenhang steht mit der zionistischen Auffassung der Judcnfragc. Vielleicht handelt es sich hier überhaupt um ein Kuckucksci, das von nichtjüdlschrr oder auch jüdischer Seite in das Nest des „Deutschen Tageblatts" gelegt wurde, um für das Argument der Zionismus stutze im Grunde die völkische Anschauung, Nahrung zu finden. ■ *" In der „Jüd. Wochenschrift" (Wien) wendet sich Sejmdeputierte Rabb. Brodt (Misrachi) gegen die „Offensive gegen die Föderationen", Insbesondere gegen die Forderung der polnischen Zionistcn, die Föderationen abzuschaffen. Er schreibt: „Ich glaube, daß es an der Zeit wäre, daß die Politiker der sogenannten Stam-Zionistcn endlich begreifen, daß mit der. Erweiterung der Jewish Agency für den Misrachi als Föderation — gegen welche die Anti-Födcrationcn-Kampagnc hauptsächlich gerichtet ist — eine ganz neue Situation geschaffen sein wird. Der Misrachi hat so manchen bitteren Tropfen von den allgemeinen Zionistcn heruntergeschluckt. . . Wir haben alles geduldet, weil das Bewußtsein der Verantwortung für das große Werk dies von uns gefordert hat. Auf dieses Gcfülil der Verantwortung, vou dem wir durchdrungen waren, haben die Kreise der allgemeinen Zionistcn zu viel spekuliert. . . . Jetzt aber, da die erweiterte Agcrtcy geschaffen wird, die sowohl die politische Arbeit, als auch den ganzen Finanzapparat übernimmt, ändert sich die Lage ganz radikal. Jetzt wird unser Verantwortungsgefühl vollkommen entlastet, und wir haben freie Hand, entweder als Föderation in der Zionistischen -Organisation oder auch als selbständige Organisation in die Jewish Agcncv einzutreten, unter vollständiger Wahrung unserer heiligen Ziele und Losungen bezüglicn des Aufbaues von Ercz Israel." Die Zionfstenverlolßungen in Rußland Berlin. (J. T. A.) In Rußland hat eine neue Acra der Zionistfnvcrfolgungcn eingesetzt. Nicht allein Anhänger der zloiii:;tir.cIicn Bewegung, sondern auch solche, die keinerlei Verhältnis zum Zionismus haben, aber persönliche Beziehungen zu Zionistcn pflegen, sind die Opfer. Am letzten Donnerstag hatten sich vor dem Moskauer Gericht mehrere junge Leute zu verantworten, die beschuldigt waren, zionistischen Jugendorganisationen anzugehören. Von diesen wurden fünt zu je drei Jahren Konzentrationslager, was schlimmer ist als Gefängnis, verurteilt. Es sind dies: Der scliwcnubc;kulösc Fischel Kazarnowski (Hcchaluz), der todkranke Pcrcz Lurjc, ferner Meier Lewin, Lew Englin und Lazar Luzin (Jugendorganisation). Von demselben Gericht wurden zur Verbannung nach dem fernen Sibirien für drei Jahre verurteilt: Moschc Godcs, Lew Zcnzipcr und Eisik Entin. Zu dreijähriger Verbannung nach dem fernen Ural wurden verurteilt: Frl. Lisa Lenin, Frl. Sina Tschcrnak Schalom Wolkowitzki, Josef Dawidow, Nahum Lokschin, Frl. Rosa Schargorodskaja {wegen Verdachts der Zugehörigkeit zu den zion.-soz. Zcirc Zion). Zu dreijähriger Verbannung nach dem Kirgisien wurden verurteilt: Samuel Roth stein, Etkin, Mord echowitsch , Frl. Esther Krassinskaja, Moses Breslawski, Fr. Fania Brcslawskaja (Jugendorganisation). Branski (Haschomer Hazair), und Gncsin (parteilos, auf Grund persönlicher Beziehungen zu Zionistcn). Auch in Minsk fanden dieser Tage zahlreiche Verurteilungen von Personen statt, die im Verdacht pro-zionistischcr Betätigung standen. Auch hier genügten Indizien oder festgestellte persönliche Beziehungen zu Anhängern der zionistischen Bewegung für eine schwere Verurteilung. Verurteilt wurden Frl. Mania Stark mann (Zcirc Zion Hitachduth) zu dreijähriger Verbannung nach Stranski Kraj, ferner acht Zionistcn zur Verbannung nach dem Ural. Ihre Bitte, ihnen die Reise nach Palästina zu gestatten, wurde abgeschlagen. In der vorigen Woche wurden in Minsk, in Kiew, sowie in Bcrditschcw und Rayon, ebenso in der Krim, zahlreiche Personen verhaftet, die in dem Verdacht stehen, den Zionismus zu fördern. Traurige Nachrichten über die auf Grund früherer Urteile Verbannten treffen ein. In der Regel werden die zur Verbannung Verurteilten au Punkte verschickt, die 1000 bis 1500 Werft hinter jeder menschlichen Siedhing liegen. Haben sich diese Unglücklichen in ihre Verbannungsorte eingewöhnt und eine Arbeit angefangen, um ihr Leben fristen zu können, so kommt oft plötzlich der Befehl, daß sie an einen anderen Verbannungsort zu gehen haben.. Ein besonders senwercs Kapitel sind die Repressalien und Provokationen, die von Beamten der G. P. U. (russisch-politische Polizei) angewendet werden, um Verhaftete dazu zu bewegen, ihre Genossen zu verraten. Bekannt ist der Fall der 17jährigen Malka Lewin, die man durch falsche Vorspiegelungen und durch Terrorismus gezwungen hatte, die Namen ihrer Genossen von den zion.-soz. Zcirc Zion anzugeben. Als man sie aus dem Gefängnis entließ, eilte sie zunächst, ihre Genossen zu warnen, nachher suchte und fand sie den Tod im Fluß, um ihren „Verrat" zu sühnen. Nunmehr werden aus Stara Konstantinow (Wolhynicn) ähnliche sehr schwere Fälle von Repressalien und Folterungen gemeldet Einer der Gefolterten ist psychisch schwer erkrankt. Berlin. (J.T.A.) Eine soeben aus Moskau eingetroffene Nachricht besagt, daß das jüdische Hilfskomitee in Moskau, „Mcwopo". die einzige nichtkommunistische jüdische Hilfsorganisation, die als die Nachfolgerin des einstigen jüdischen Gcmcindekomitccs angeschen wurde, in den letzten Tagen behördlich verboten worden sei. — „Mcwopo" hat auf dem Gebiete der jüdischen sozialen Fürsorge eine ausgedehnte Tätigkeit entfallet und hat zuletzt auch das jüdische Kolonlsationswcrk in Rußland gestützt Skrzycski In Amerika New York. (J.T. A.) Der jetzt in Amerika weilende polnische Außenminister Skrzynski empfing am 23. Juli eine aus 16 Personen bestehende Abordnung des amerikanisch-jüdischen Kongresses und der ihm angeschlossenen Organisationen. Die Abordnung überreichte dem Minister ein Memorandum, in welchem die Wünsche mit Bezug auf die Lage der Juden in Polen ausgedrückt und das Abkommen zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen Vertretung begrüßt wird. Die Abordnung setzte sich aus dem Vizepräsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongresses Joseph Barondcss, dem Sekretär des Kongresses Bernard O. Richards, dem Herausgeber dos „Jiddischen Togblatts" Gcdalia Bublik, dem Herausgeber des „Jiddischen Morgen journal" Jacob Fish man, dem Industriellen Arthur Lamport, Charles Green, Saul F r i c d- 1 ä n d e r, George I. Fox, Rubcn stein, Bernard Semel, Karl Sherman, Adolph Stern, Dr. Rongy, Philip Wattcnbcrg und Leo Wolfson, zusammen. Anwesend waren außerdem ein Vertreter des Ordens Brith Abraham, sowie je ein Vertreter der galizischcn, polnischen und rumänischen jüdischen Landsmannschaften in den Vereinigten Staaten. Skrzynski erklärte gegenüber der Abordnung, er teile vollkommen ihre Wünsche und Hoffnungen bezüglich einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen Juden und Polen. Das Abkommen zwischen der Regierung und den jüdischen Vertretern habe ein neues Kapitel in der Geschichte der polnisch-jüdischen Beziehungen eingeleitet. Wir wollen der früheren Kanitel nicht weiter gedenken, ich bin überzeugt daß das Abkommen eine vollkommene Verständigung auf beiden Seiten und wertvolle Resultate in der Zusammenarbeit erbringen wird. Der dänische Forschungsreisenden Prof. Dr. Fritz Holm teilt in seinem Bericht, den er dem Berliner Museum für Völkerkunde samt einer Nachbildung des Denkmals des im Jahre 781 in Hsiuganfu im inneren China von nestorianischen Christen errichteten Denkmals übergeben hatte, mit, daß ex auf seiner Chlna-Rcisc auch eine alte jüdisene Kolonie noch alteren Datums aus der Han-Zcit in Kaifcngfu gefunden habe. Erst jetzt geht diese Kolonie dort im tiefsten Innern Chinas dem Unter gange entgegen.