Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1925)
- Date
- 1925-08-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 526 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 61 Die Aussiebten der Nationallonds-Propagauia Von Julius Bcrgcr, Jerusalem. Immer noch ist die Finanzlage das Alpha und Omega aller zionistischen Probleme. Es wäre daher wohl an der Zeit, einmal ernsthaft zu untersuchen, welche Aussichten für die zionistische Finanzpropaganda talsächlich noch bestehen, ob z. B. die Propaganda für unsere beiden Fonds bereits den Höhepunkt ihrer Wirksamkeit überschritten hat, ob wir tatsächlich nicht mehr zu erwarten haben, als bisher aufgebracht werden konnte. — Zur Beantwortung dieser Frage gibt uns die Entwicklung des Kcrcn Kajcmcth in den letzten beiden Jahren eine sehr beachtenswerte Grundlage. Es ist erst drei Jahre her, daß die Einnahmen des Kcrcn Kajcmcth auf ihr Mindestniveau für die ganze Zeit der letzten Jahre angelangt waren. Im Jahre bOS2 betrugen die Oesamteingänge des Kcrcn Kajcmcth £E 100 034.*) Nach der UcbcrsicdTung des Kcrcn Kajcmcth nach Ercz Jisracl erhöht sich die Einnahme; sie ergab im Jahre 5683 £E 114000. Im Jahre 56S4 wuchs der Ertrag des Kcrcn Kajcmcth auf £E 167000. Dieser Fortschritt setzt sich im Jahre 56S5 fort; in den bisher abgelaufenen acht Monaten wurden insgesamt £E 162000 für den Kcrcn Kajcmcth eingenommen. Es ist sicher nicht übertrieben anzunehmen, daß der Kcrcn Kajcmeth in diesem Jahre auf £E 250 000 oder mehr steigen wird; das würde aber heißen, daß er in einem Zeitraum von 3 Jahren seine Einnahme fast verdreifacht hat. Um zu untersuchen, ob wir darauf rechnen können, daß diese Tendenz der Steigerung anhält, ist es interessant, die Länder festzustellen, die an der Erhöhung der Einnahmen beteiligt sind. Da ergeben sich folgende Ziffern: KKL.- Einnahmen einiger Hauptländcr. vom 1. Oktobtr rom 1. OkloW Lieder bis 31. Mai 5684 bli 31. Mai 5685 £E £E Argentinien . . . . . 2127 3 510 Australien ...... 2633 1 5S4 Belgien ....... 1 572 1 015 Deutschland ...... 7 005 14S9S England 7414 10300 Ercz-Israel...... 2574 4 600 Griechenland ..... 713 2169 Holland....... 551 2021 Italien ....... 1 323 1 510 Kanada....... 3315 2 762 Lettland ....... 592 2 241 Litauen ....... 2863 4 975 Neuseeland ...... 2088 1095 Nordamerika ..... 26 642 36 045 Oesterreich ...... 117S 1 448 Polen: Warschau-Wilna . . 2766 30006 Ostgalizicn . ... 2125 9229 Westgalizicn ... 167 3960 Rumänien: Altrumänicn . . . 2956 4 712 Bcßarabicn .... 990 2 323 Bukowina .... 571 1670 Transsylvanien . . 218 106S Südafrika ...... 3422 4193 Tschechoslowakei .... 3674 525S Wir sehen, daß der Zuwachs im letzten Jahre hauptsächlich in Europa erzielt wurde. Und eines ist ganz deutlich: Für den Kcrcn Kajcmcth spielt Amerika bei weitem nicht die entscheidende Rolle, die es sonst bei der Finanzierung jüdischer Wohlfahrtszwccke innehat, und die ihm auch bei der Aufbringung der Mittel für den Kcrcn Hajessod einen überragenden Platz vor allen anderen Ländern zuweist. Auf die Erdteile umgerechnet, verteilen sich die Einnahmen des Keren Hajessod im Jahr 1924/25 wie folgt: Amerika . 63.1 «Ja Europa . . 26,8 °/o Afrika . . .9.8 o/o Asien . . .0,3 o/o. Man vergleiche demgegenüber die entsprechenden Ziffern des Keren Kajcmcth, ausgerechnet für die letzten 3 Monate 5685; sie lauten: Europa ... 65 °/o Amerika . , 27 o/o Asien ... 4 o/o Afrika . , . 3«/o Australien . , 1 °/o. Interessant ist noch folgende Verschiebung: Noch im Jahre 5683, d. h. zu Beginn der aufsteigenden Entwicklung, ergab die Verteilung der KKL-Einnahmcn auf die einzelnen Weltteile folgendes Bild: " Europa . . '10.5 «Jo Amerika . 38.5 o/o Asien . . 14 5 % Afrika . . .4.3 °/o' Australien . . 2.2 °/o. Wir sehen eine außerordentliche Veränderung zugunsten Curopas. drr amerikanische Anteil ist wesentlich kleiner geworden. Wenn wir nun von der Verteilung der Einnahmen des Keren Hajessod auf die Möglichkeiten des Kcrcn Kajcmeth schließen, ergibt sich, daß er offensichtlich noch ganz große Möglichkeiten, besonders in Amerika, hat. Man kann »uch nicht sagen, daß die Verschiebung an der Verteilung der KKL-Einnahmcn zugunsten Europas nur auf der Stabilisierung der europäischen Valutavcrhältnissc beruhte, denn das müßte ja auch für den Kcrcn Hajessod zutreffen. — Es ist ganz klar, es bestehen für den KKL noch sehr große Entwicklungsmöglichkcitcn in Amerika, ganz zu schweigen von den großen Chancen in Südafrika und ganz zu schweigen von dem noch völlig uncrschlosscncn Asien mit seiner großen Judcnhcit. Es bleibt eine Frage, ob mit dem Zuwachs in Europa der Kcrcn Kajcmcth dort seinen Höhepunkt bereits erreicht, oder ob er auch für Europa noch große Einnahmcstcigcrungcn m erwarten hat. Um hier zu genauen Feststellungen kommen *u können ist es wichtig zu untersuchen, wie der Kcrcn Kajcmcth den beträchtlichen Aufschwung in den letzten beiden Jahren erzielt hat. Der Keren Kajcmcth verdankt die beträchtliche Zunahme seiner Einnahme in der Vcrgicichsperiode einer Propaganda, wie sie in dieser Ziclbcwußthcit vorher nicht betrieben wurde. Diese Propaganda ging von 'dem Charakter des Kcrcn Kajcmcth als einem Spendenfonds aus und versuchte, die Möglichkeiten der Spende möglichst ausgiebig für den Keren Kajeraeth zu erfassen. Sic war scharf abgegrenzt gegen den Keren Hajessod — den Stcucrfonds. Sie hielt jede Vermischung von Steuer »mu Sp<ndr bei der Technik des Sammeln« für nachteilig *ür beide Fond« und war daher sehr bestrebt ihrerseits •lies zu vermeiden, was wie ein Hinüberglcitcn auf das _ •) Wir machen darauf aufmerksam, daß die ausgewiesenen Einnahmen des Keren Kajemcth stets Brutto-Beträge nennen, so daß die wirklichen Einnahmen sich erst durch Abzug der Spesen ergeben. Dagegen sind die Ausweise des Keren Hajessod Netto-Auswdse» — Anra. d. Red, Propagandagebiet des Kcrcn Hajessod hätte aussehen können. Diese Propaganda verzichtet systematisch auf die große Forderung, die für den Kcrcn Hajessod reserviert ist, und pflegt mit größter Intensität die Gclcgcnhcitsspcude, die im wesentlichen in kleinen Gaben besteht. Die Möglichkeit dieser kleinen Gabe sollten allerdings bis zum letzten ausgenutzt werden. Das Ziel der Propaganda war, eine Popularität zu erlangen, die diese Gclcgcnhcitsspcndc in reichem Maße automatisch für den Kcrcn Kajcmcth fließen macht Ganz zweifellos ist das letzte Ziel dieser Bestrebungen noch bei weitem nicht erreicht, lassen sich auf diesem Wege noch außerordentlich größere Ergebnisse erzielen als bis jetzt. Das eigentliche Mittel dieser Sammclmcthodc war die Buchse. Es wurde eine wesentliche Vermehrung in der Zahl der aufgestellten Büchsen erreicht. Von knapp. 200 CCO vor etwa zwei Jahren kam man auf über dreiviertel Millionen in diesem Jahre. Polen allein kam von etwa 40000 auf über 17^000 und rechnet damit, im laufenden Jahre wenigstens weitere 100000 Buchsen unterzubringen. Es ist nicht zuviel Rcsagt wenn man annimmt, daß bis zum Abschluß des Jahres 56M> etwa IV» Millionen Büchsen in der ganzen Welt verteilt sein können. Denn die meisten Länder haben verhältnismäßig noch wenig Büchsen. Die Sättigungsziffer ist weder in Polen noch in irgend einem anderen Lande Europas, ganz geschweige aber in Amerika, erreicht worden. Nun hängt der Ertrag der Büchsen nicht nur von der Zahl der verteilten Büchsen, sondern vor allem von der Zahl der erfolgten Leerungen ab. In früheren Jahren galt es als cm erstrebenswertes Maximum, wenn jede Buchse drei bis viermal jährlich geleert wurde; man kann aber annehmen, daß die durchschnittliche Ziffer höchstens eine Leerung pro Jahr betrug. Es schien eine fast unmögliche Aufgabe, eine regelmäßige Leerung aller Buchsen durchzuführen; sie konnte in den meisten Ländern nur mit Hille bezahlter Kräfte erzielt werden. Die Situation änderte sich sofort, als man in Polen dazu überging, die monatliche Leerung der Büchsen zu propagieren. Es ergab sich das Paradoxon, daß eine cin- bis zweimalige Leerung pro Jahr nur mit bezahlten Kräften organisiert werden konnte, daß aber für eine zwölfmaligc freiwillige Kräfte in Hülle und Fülle vorhanden sind. Die ein-, zwei- oder dreimalige Leerung im Jahre war eine mechanische Angelegenheit, die zwölfmalige kann nur erzielt werden, wenn die ganze Arbeit des Büchscnlccrcns mit einem idealen Geist erfüllt wird. Sic setzt die Existenz eines Kreises von Menschen voraus, die sicli aufs engste mit dieser Aufgabe verknüpfen und eine Technik, die sich leicht unter idealistische Gesichtspunkte zwingt und von allem Mechanischen freiblcibt. Die Büchscnsammlung, so klein sie ausschaut, wird zum Träger einer Bewegung und wird dadurch ein geradezu begeistert gesuchtes 'I ätigkcitsfcld für junge Kräfte, für begeisterte Menschen. Sehen wir doch, daß in Polen z. B. die einzelnen Parteien direkt eifersüchtig darauf sind, welcher von ihnen die meisten Büchsen '/ur Leerung zugewiesen werden, da sie erkannt haben, daß ihnen die monatliche Leerung eine außerordentliche Möglichkeit auch zur Entfaltung ihrer Parteipropaganda bietet. Der Verstärkung, ja nur der Aufrcchtcrhaltung unserer Finanzpropaganda standen in immer wachsendem Grade die Bedenken entgegen, daß durch sie die zionistische Bewegung zu einer Finanzmaschinc gemacht werde. Wenn es dem Keren Kajemcth gelungen ist, diese Müdigkeit überall da zu überwinden, wo er seine Propaganda intensiv betrieben hat, so war dies auch die Folge einer ganz bewußten und systematischen Einstellung. Die Propaganda für den Kcrcn Kajcmcth in der Berichtsperiode arbeitet ausschließlich nach den strengsten Gesetzen einer nationalen Agitation. Sic machte keine Konzessionen, weder an die Sentimentalität, noch an die Assimilation. Sic arbeitete einfach mit dem zionistischen Ideal und kannte weder das Schreckgespenst des Pogroms noch den Hinweis auf den „hungernden Chahu". Sic ging von der Erkenntnis aus, daß es gar nicht lohnt, eine unnationale, mit äußerlichen Mitteln arbeitende Propaganda zu beireiben. Sic wußte, daß die reinste, die tiefste, die zionistische Prop.igandi gcrane gut genug ist, um die Herzen zu erschüttern und die Hände zu öffnen. Was sie betrieb, war Erzichungspropagauda, Erziehung zum nationalen Judentum. Darum blieb hinter ihr auch zionistische Bewegung, blieb der aufbereitete Acker für den Nachwuchs der Zionistischen Organisation. Darum findet sie Mitarbeiter, darum wurde man ihrer nicht müde, darum wurde sie im Gegenteil das Symbol einer wieder auflebenden, einer sich wieder erneuernden zionistischen Bewegung. Es stellte sich heraus, daß diese Propaganda gerade im rechten, vielleicht im letzten Moment kam. Man fand im ganzen Osten eine Jugend, die darauf wartete, wieder einmal mit zionistischem Urgcist cruillt zu werden. Es nutzt nichts, die Augen davor zu schließen, aber es ist Tatsache, daß der offizielle Zionismus, so wie er heute im Osten betrieben wird, das Herz der Jugend fast ganz vnloreii li.il. I.a t-.liu! utilluoidnilllch ^„Mo /ionislitiulic Möglichkeiten im Osten. Man war bisher nicht imstande sie organisatorisch zu fassen, denn die offizielle Zionistische Organisation, die dort fast nichts anderes bedeutet als politische Gegenwartsarbeit mit all ihrem Drum und Dran wird dieser Möglichkeiten auch nicht im entferntesten gerecht' Wäre nicht der Glanz des wicderauflchendcii Lrez-Jisrarf der die Zionistische Organisation mit ihrem Schimmer überstrahlte, so wäre der Zionismus im ganzen Osten längst alles andere als eine Volksbewegung. Aber die Müdigkeit die zu spuren ist, beruht eben darauf, daß die offizielle zionistische Arbeit ~ Sejm, Sprachenkampf, Gemeindepolitik usw. usw. — etwas ganz anderes ist als das offizielle zionistische Programm und in der Ideologie und Ethik weit entfernt von den Begriffen, die auch die Führer dieser Organisation dauernd für ihre Propaganda zu anderen Zwecken in Anspruch nehmen: dem Geiste des arbeitenden Palästina der Idee der Chaluziuth. Darum handelte der Kcrcn Kajcmcth zeitgemäß, als er Delegationen palästinensischer Arbeiter in den Osten entsandte. iL* wurde offenbar- Es herrscht im Galuth ein ungeheures Verlangen nach Zh> msmus. Die Wirkung der Kcrcn Kajemcth-Propagaudn erwies sich am meisten bei der Jugend und bei den Frauen. Das war im Osten, und alle, die dort gearbeitet haben, sind sich einig in der Erkenntnis daß man erst beim Beginn des Erfolges steht. In ganz. Ostin ganz Zciitralcuropa kann der Kcrcn Kajcmcth seine Einnahme verdoppeln und verdreifachen. Wie ist es in anderen Ländern? In Amerika wurde ein schwacher Versuch unternommen Unter vielen Schwierigkeiten konnte sich dort eine kleine Delegation des Kcrcn Kajcmcth aus Palästina als spezielle Jugcndkomraission auftun. Es ist ihr gelungen, den ersten Stein zu legen auf dem Wege der Vereinigung der amerikanischen jüdischen Jugend und die Basis zu schaffen für eine Chaluzbcwcgung aus Amerika. Diese Jugend begeisterte sicli für den KM.; sie sieht in der Arbeit für ihn t'.ic M/»rhehkeit, sich leistend mit Ercz-lisracl zu verknüpfen. Es ergibt Sich daß dieamerikanische jüdische Jugend richtig, d b, zionistisch angefaßt, kaum anders denkt als die polnische oder deutsche Ist es so unmöglich anzunehmen, daß die erwachsenen Juden in Amerika nicht auch so zu haben sind wie die polnischen oder deutschen? Wcizmann der das amerikanische Judentum kennt, erklärt, daß es ein Leichtes sein muß £E 200000 in Amerika nur mittels der Buchsen und der« Oclegenheitsspeflde aufzubringen. - Für den Kcrcn Kajcmcth gibt es zweifellos noch sehr große finanzielle Möglichkeiten, die ein Mehrfaches von dem ubersteigen, was er heute aufbringt. Das ist dann erzielen, wenn er seine Arbeit systematisch als Spendenpropaganda betreibt, wenn er an die breite Masse appelliert und an ihre nationalen Instinkte, wenn er eine ganz p,. lästinensische, auf ideale Begründung eingestellte Propaganda betreibt. Auf dem Wege kann er in kurzer Zeit dam kommen, ein Mehrfaches von dem zu erzielen, was er heute aufbringt. Der Feldzug gegen den Keren Eajessod Das Mitteilungsblatt des „Verbandes national, deutscher Juden" beschäftigt sich in letzter Zeit wiccet einmal ausführlich mit zionistischen Angelegen heilen u.^ widmet z. B. spaltenlangc Erörterungen dem Wahlkampf zum zionistischen Kongreß und verkündet schon die „Spaltung" im Zionismus. Daß es dabei zu einem völligen Durcheinander kommt, daß die Herren abwechselnd Jabotinsky gegen die „Jüdische Rundschau", die „Jüdische Rundschau" gegen Jabotinsky ausspielen, daß die „Konfcrcnzgemcinschaft radikaler Zionistcn" verwechselt wird mit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland nimmt weiter nicht wunder. Bemerkenswert ist nur ein Passus der Juü-August-Nummcr, der sich mit der Stellung der deutschen Behörden zum Kcren Hajessod, dem neutralen Palästina-Aufbau-Fonds, befaßt. Aus dieser Notiz ist ersichtlich, daß der Verband nationaldeutscher Juden wieder einmal verschiedene Eingaben an die deutsche Regierung, und zwar an das Auswar» tige Amt, gemacht hat, in denen er auf die Gemeingefährlichkeit des Kcrcn Hajessod hinweist und in denen immer wiedci gebeten wird, die deutsche Regierung möge doch erklären, daß sie dem Kcrcn Hajessod ablehnend gegenübersteht. In dem Artikel wird weiter berichtet, daß von Herrn Außenminister Strcscmann eine Antwort erfolgt sei, aus der ersichtlich, daß diese Vorstellungen nicht ohne Eindruck geblieben seien. Der günstige Wind, der manchmal Redaktionen überrascheudes Material auf den Tisch weht, hat uns den Bericht eines führenden Mitglieds des Verbandes nationaldcutschcr Juden gebracht, in dem die Antwort des Herrn Außenministers etwas anders dargestellt ist. In diesem Bericht, für dessen Genauigkeit wir keinerlei Verantwortung übernehmen können, heißt es ausdrücklich, daß der Herr Außenminister sich den Vorstellungen des Verbandes nicht angeschlossen habe und es wird berichtet, daß das Auswärtige Amt wörtlich auf die Erklärung des Herrn Reichsministers des Acußcrcn Rathenau vom 15. Februar 1022 Bezug genommen habe und den jetzigen Standpunkt des Auswärtigen Amtes als mit dieser Erklärung übereinstimmend gekennzeichnet ha*. Die Erklärung des Herrn Reichsministers Dr. Rathenau lautete bckanntc-wcisc folgendermaßen: „Die Mitteilung von der Gründung des Vereins Kcrcn Hajessod, der das deutsche Judentum zur Mitarbeit an dem Aufbau des jüdischen Siedlungswcrkcs in Palästina zusammenfassen will, habe ich mit Interesse erhalten. Die deutsche Regierung hat wiederholt während des Krieges Gelegenheit gehabt, den jüdischen Palästinabcstrcbungcn ihre Sympathie auszudrücken und hat auch ausgesprochen, daß diese Arhoil nicht zu den deutschen Interessen im Gegensatz steht Das Rcichsministcrium des Acußcru nimmt daher von der Gründung des Vereins Keren Hajessod, dessen gemeinnützige Arbeit es würdigt, wohlwollend Kenntnis. gez. Rathenau." Vielleicht liest Herr Dr. Naumann aus einer solchen Antwort eine ihm günstige Auffassung heraus, vielleicht aber ist der Bericht, der uns vorliegt, unrichtig. Desto begrüßenswerter wäre es, wenn das „Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldcutschcr Juden" die ihm vom Auswärtigen Amt zugegangene Antwort im Wortlaut veröffentlichen würde, damit man feststellen könnte, wie nun in Wahrheit die Dinge liegen. Wir erwarten, daß diese Antwort nunmehr den Lesern des Mitteilungsblattes in extenso zugänglich gemacht wird. Die Patästina-Etawandcruno Im Mal 1525 Die palästinensische „O f f i c i a I Oncttt" vom 16. Juli veröffentlicht nachstehende Tabelle über die Einwanderung nach Palästina im Laufe des Monats Mai. Kttetforlca Minnor Fr«u«n Kind« ln.£« B. Kapitalisten, die zum dauernden Aufenthalt ins Land kommen 5-16 430 461 \AV D. Frauen, Kinder und andere Leute, die von Palästinensern abhängig sind. 110, 350 145 6U E. Personen mit fester Anstellung 3S3 132 — 515 E. 2) Frauen, Kinder und andere in Begleitung der unter E fallenden Einwanderer 1 101 112 2U F. Leute religiöser Berufe mit eigenen Mitteln _ 13 IS 8 30 Insgesamt 1062 1031 726 2810 Anmerkung 1. 118 luden, 16 Christen und 1 Moslem, die als Touristen ins Land kamen und dauernde Aufenthalt«- bcwilligung erhielten, sind in den vorstehenden Zahlen einbegriffen. Anmerkung 2. 101 Einwanderer, die den Einwanderung*- Vorschriften nicht entsprachen, wurden abgewiesen. ^c Awswandcrungs/iffcr im Monat Mai erreichte die Zahl \on 299 Personen, darunter -19 jüdische Einwohner Palästinas, die auswanderten, und 39 jüdische Einwanderer, die rückwanllÄSr tm k?mmen 1)2<älr's"iche Auswanderer, 10 Christliehe Rückwanderer sowie 89 moslemische Auswanderer. Das Attentat gegen Gonverneor Abramson s^B^^is^m av&^t^-/«^r p^^A^i^R7^rson aus?incf tfÄ^fi^Ä"« S5S^ÄÄHfe|