Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1925)
- Date
- 1925-08-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 523 Jj prinzipielles zur Araberfrage ]\ Von Dr. Victor Grünwald (Tcl-Awiw). •|; r> jst bemerkenswert, mit welcher Sympathie „FclcstiV*, •' OrfT^n der arabischen Extremisten, Jabotinsky behandelt \;s. f]|3u schreibt, es wüßte ihm Dank, daß er das Volk ] ff die wahren Absichten der Zionistcn aufkläre. Auch wir *.fn ihm Dank wissen. Endlich hat sich ein Mann gefunden, ■ gerade heraus sagt, was er denkt Die Veröffentlichung fCvisionistischcn Programms ist eine Tat, die zur Klärung i! Geister beitragen muß. Im Gegensatz zu dem verkommenen Programm der „Radikalen" ist Jäbotinskys Pro- .^m gradlinig, einfach, klar und last not least durchführbar, fStrebt die Gründung des Judenstaates an; wir scheinen noch i\t von diesem Ziele zu sein. Aber ich bin überzeugt, daß ]in spätestens dreißig Jahren eine genügend stirke Majori in West Jordanien haben werden, um von den Engländern i, pominion-Status zu bekommen und dann haben wir eine . weitgehende innere Autonomie, daß wir eigentlich tun Lncn was wir wollen. Daß uns Araber von allen Seiten keben, braucht uns nicht mehr zu genieren als die Tschechen, . tbdcn Deutschen gegenüber in derselben Lage sind und trotzdem ganz Wohlbefinden. Was allerdings weiter sein darum sollen sich zukünftige Geschlechter sorgen. Jabo- \fy geht in seinem Verhältnis zu den Arabern von der An- .'mc aus, daß wir und nur wir ein Recht auf Palästina;icn, daß das Land uns geraubt wurde und daß wir es mit J„ Mitteln wiederbekommen sollen und müssen. Die Gciditc der Kolonisation anderer Länder sagt ihm, daß sich t;n Volk eine fremde Kolonisation ruhig gefallen läßt, daß ,fin iWr Feindschaft der Araber natürlich und unwiderruflich h daß es daher nicht viel Wert hat, Annäherungsversuche j j machen, sondern daß wir trachten sollen, unseren natiol^cn Besitzstand zu vergrößern und unsere Stellung allmählich U einer absolut dominierenden zu machen. Dieser Gcdankcn- L.„ ist vollkommen gradlinig, logisch und eigentlich unanh jfbar. Es liegt hier ein Aktionsprogramm für die nächsten i .iSig Jahre vor, daß zum Herzen der jungen Leute und tnationalen Intelligenz sprechen muß und erstaunliche } bilden mit dem Programm der Nationaldcmokratcn in der \ :.hcchoslowakci, besonders ihres Führers Kramar aufweist f Viele „Rcgicrungszionistcn" teilen in ihrem Herzen das V-il Jäbotinskys, nur wollen sie es nicht zugeben, da sie;;,üc31ich auch noch eine Versöhnung mit den Arabern haben 1 .-hien, auf die Jabotinsky logischcrwcisc verzichtet. Jetzt ■;dcn sie gezwungen, Stellung zu nehmen und sich zu ent- ' 'eiden. Man kann den Weg zu den Arabern nicht mit :;cn Deklarationen, wie sie der Kongreß regelmäßig erläßt, -Jen, sondern nur durch ernste Bemühungen, an denen es her gefehlt hat. Die Vorbedingung ist aber, daß wir uns •f r werden, was wir eigentlich in Palästina wollen und!chc Rechte wir und die Araber haben. [ Ich traue midi zu sagen, daß dicArabcrgcnau dieselben Rechte auf Palästina haben wie wir. Es ist das . :k unserer Väter wie auch ihrer. Beide Ansprüche, die sich l ■ Versprechen, bestehen zu recht. Die Araber haben über- \. 5 noch den faktischen Besitz und sind daher in einer bevori^'cn Lage. Aber unser Anspruch ist nicht nur historisch, i'.dem auch auf die Tatsache begründet, daß es die Araber ■ ficht verstanden haben, aus dem Land, das sie seit sechs- ]:ndert Jahren besitzen und „bebauen", wirklich etwas zu phen, daß sie es halbwüst, verseucht und unbewaldet gc- '«:<cn haben, während es überall, wo es die jüdische Hand t ::ührt, aufblüht Trotzdem dürfen wir das Land den Arabern f! l"t wegnehmen, selbst wenn wir es könnten, sondern der iiuzig richtige Weg ist der Kauf. Der Araber ist ■ ~ allgemeinen gerne bereit, sein Land zu verkaufen, und es i :(Mt sich stets nur um den Preis. Wir müssen den gc-; Herten Preis bezahlen und können ujis dies auch wohl i. ••'vjbcn. Keine Zuteilung von Rcgicrungsböden kann das '.jblcm lösen. So wie Abraham die Höhle Machpclah kaufte, j j kaufen wir Palästina und dies gibt uns den besten Bcsitz- 1 Wenn einmal das arabische Volk Rechenschaft fordern '"d, werden wir sagen können: Wir haben nichts geraubt -*d nichts geschenkt bekommen, sondern das Land für unser;'1d erstanden. Dadurch wird das ganze Verhältnis von vorn- ) ,:fin auf eine durchaus korrekte Grundlage gestellt und das : uns für die Zukunft nur nützen. Die Frage des Landerwerbs ist zwar eine der aller- '"ijstrn, aber sie läßt die des Zusammenlebens Ein wirklich freundschaftliches Zusammenleben ist natürunmöglich, wenn wir den Judenstaat anstreben, in dem : Araber bestenfalls toleriert wären.. Wenn wir uns darüber ( sind, daß die Araber das gleiche Recht wie wir, daß sie | Heimat haben, so ist die logische Folgerung, daß auch; Lc eine nationale Heimstätte in Palästina haben. Ein Untcr- . 'fd ist immerhin vorhanden. Die Araber haben hier eine; """statte, während wir die Heimstätte hier haben. Aber das | -."tot nicht viel. Denn auch die Juden in Osteuropa, soweit dort nationale Rechte anstreben, verlangen eigentlich eine P-'ionalc Heimstätte für sich und finden sich nicht damit yon den Antisemiten auf Palästina verwiesen zu werden. >':ni Araber in Nablus nützt es nichts, daß Aegypten ein . .'bi^ier Staat ist, er will sich in Palästina zu Hause fühlen.;| K'aube, daß er darauf ein volles Recht hat und daß die i^berfrage der Prüfstein unseres Nationalismus ist. Wie ';;:r{ten wir uns über den Antisemitismus, über die hassens-! :r*cn Methoden der europäischen Minoritätcnpolitik beklagen, ."^c|>n wir die Araber aus Palästina verdrängen oder ihnen .C11t gleiche Rechte geben wollen! Auch Grabsky geht j.'j^ßlich auf „legale" Weise vor. Zangwill beklagt sich, j.V5 unser Kolonisationspn.blcm fast unüberwindlich schwer;;; denn kein Volk sei bisher gezwungen gewesen, Kolonij 'Island zu kaufen und Eingeborene als Gleichberechtigte ■ 'behandeln. Das mag sein. Aber die europäischen und | iranischen Kolonisationsmethoden können für uns kein! ^.0rblld sein, und wenn bisher noch niemand so kolonisiert hat I,|(: ^ir, dann werden wir eben die ersten sein. >, Dabci ist durchaus nicht gesagt, daß die Politik der wirfci;r'cn Versöhnung mit den Arabern in kurzem zum Ziele führen ' 7 oder auch nur Aussicht hätte, bald große Erfolge zu!;'°,cn- Es ist vielmehr zu erwarten, daß die Radikalen in;!7Cn Lagern das große Wort führen werden. Das darf uns!;.ctlt abschrecken. Die Politik der Versöhnung ist eine Poli- [| k »rf lange Sicht, und Ocduld und Ruhe sind dabei die } f lache. Nicht aus Angst vor irgend einem arabischen! J;chc> das übrigens früher oder später sicher entstehen wird, cn wir die Versöhnung suchen, sondern um unserer selbst l^iicn. Wir sind es, die durch unsero Einwanderung das I Problem in Bewegung bringen und uns obliegt €$. die Lösung zu finden. Diese Lösung kann gefunden werden, wenn auch nicht an einem Tage. Wenn wir uns einmal darüber klar geworden sind, was wir im Lande wollen, dann werden wir auch wissen, welchen Weg es zum Nachbarvolke gibt. Die vierte Alijah und ihre Zsonisierunq Von Karl Glaser. Zu den nachfolgenden Ausführungen bittet uns der Autor zu bemerken, daß er sich auf Beobachtungen stützt, die er in den Haupt-Ursprungsländern der vierten Alijah in Osteuropa gemacht hat. In Mitteleuropa (z. B. Berlin) liegen die Dinge naturgemäß etwas anders, obwohl manche der gemachten Vorschläge sicher auch hier von großem Nutzen wären. — Red. Man mag zur Frage der vierten Alijah stehen wie man will, mag aus der durch die veränderte Struktur der Einwanderung veränderten Zusammensetzung des Jischuw Folgerungen auf die Ausgestaltung des neuen Budgets ziehen wollen oder nicht — man wird jedenfalls kaum bestreiten können, daß die Verstärkung des zionistischen Einflusses auf die gegenwärtige Immigration eine Angelegenheit von entscheidender Bedeutung ist Mit der Feststellung, daß die neueste Pa'üstinabcwcgung leider gar zu sehr von annationalcn Beweggründen getragen wird, daß sie mit Chaluziuth schon gar nichts zu tun hat und zu den bedenklichsten Erscheinungen führte, und führen muß, ist ebensowenig etwas getan, wie mit der Klage, daß die Kontrolle und Anleitung der ins Land strömenden Massen schon deshalb schwierig sei, weil bei ihnen die Tendenz bestände, sieh der Üniilirmig mit offiziellen Instanzen möglichst zu entziehen. Bloße Beobachtung erklärt wohl ein Uebel, aber heilt es auch nicht; wir haben nur dann ein Recht auf unsere bisherige Passivität, wenn sich feststellen ließe, daß entweder eine Einflußnahme unmöglich oder nur unter Einsetzung eines so wesentlichen Teiles unserer verfügbaren Kräfte möglich ist, daß dadurch die Ansicdlung des arbeitenden landwirtschaftlichen Elementes beeinträchtigt werden würde. — Nicht auf die zahlreichen Anträge auf kolonisationspolitlschem Gebiet, die im Hinblick auf die vierte Alijah dem Kongreß vorliegen, soll hier eingegangen werden. Dagegen sei die Frage aufgeworfen, ob im Gallith alles Mögliche getan werde, um die Auswanderungslustigcn ideologisch und moralisch zu beeinflussen, ihre Berufswahl zu bestimmen oder wenigstens ihre Betätigungsabsichten innerhalb eines feststehenden Berufes in eine dem nationalen Aufbau förderliche und nicht schädliche Richtung zu lenken. Es leuchtet sehr ein, daß dazu in Palästina wenig1 Gelegenheit mehr ist. Wer erst einmal ins Land kam, hat in vielen Fällen derartige Erfahrungen mit der technischen Unzulänglichkeit, dem blutigen Dillctantismus, der aufgeblasenen Unlicbcnswürdigkcit mancher zionistischen Instanzen gemacht, daß er zu zionistischen Behörden eine ähnliche Stellung einnimmt, wie zu Staatsbehörden: gehe nicht zu Deinem Fcrschr, wenn Du nicht gerufen werscht. Der Jude ist es ja gewohnt, von amtlichen Stellen nichts als Hindernisse zu erfahren; er, der ohne Paß, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung ebensogut nach Amerika wie nach China oder Australien zu kommen und' dort sei es auch mehr schlecht als recht, durchzukommen weiß, macht mit dem bißchen Ercz Israel nicht viel mehr Umstände als mit anderen Ländern und wendet wie auf die ihren, auf unsere Institutionen, seine in Jahrhunderten bitterer Erfahrungen erworbene traditionelle Art an „mit Hexen umzugehen". Kann man es ihm verargen, wenn man die Zustände in den Palästinaämtern mancher Länder kennt? Sich der beschneiten, mcnschcnvollen Höfe erinnert, der dunklen Treppen, . der fensterlosen Vorzimmer mit dem muffigen Geruch schlecht "gelüfteter Polizeistuben, wo die Massen der Wanderlustigen stundenlang warten müssen? Kann man sich wundern, daß Menschen kein Vertrauen haben, die von einigen sehr jungen, infolge chronischer Arbeitsüberlastung übernervösen Herren „abgefertigt" werden? Daß man wenig Wert auf erteilte Ratschläge legt, wenn eine kurze Unterhaltung, ein paar Fragen ' genügen, um festzustellen, daß der Referent entweder nicht in Palästina war, oder infolge der Mängel seiner Vorbildung oder der kurzen Dauer ficines Aufenthaltes nicht im Stande ist, sachverständige Auskünfte zu geben und wenn bei keiner Unterhaltung mehr herauskommt als der ja gewiß nicht unrichtige Rat: Fahren Sic selbst hinüber und sehen Sic sich um? Oder wird die Achtung vor den Palästinaümtcrn erhöht, wenn sie häufig zugleich Filialen der P. L.D. C. sind, bei denen wer will, zu welchem Zweck auch immer, Land kaufen kann? Sollte es nicht besser sein, die Palästinaämter, die ja vor der Verteilung von Zertifikaten) das Recht auf Examinierung der Bewerber in Anspruch nehmen und ausüben, zu deren Funktionen also die Wahrung der nationalen Tendenz des Aufbaus gehört, von jeder geschäftlichen Betätigung fern zu halten? Wollen die Palästinnämlcr wirkliches Vertrauen genießen, so müßten sie unter Verzicht auf andere Arbeitsgebiete sich neben ihrer „konsularischen" Aufgahc und ihrer Funktion der Regelung der Chaluzeinwandcrung auf eine wirklich sachverständige Beratung und auf die dann leicht mögliche ideologische Bcinflussung der Ratsuchenden beschränken. Es wäre nachzuprüfen, wo die Besetzung der Acmtcr mit qualifizierten Kräften und technischen Hilfsarbeitern unzureichend ist, und es müßte sofort an die Beschaffung und eventuelle Ausbildung ausreichender Kräfte gegangen werden. Es müßte alles getan werden, um in den Ilauptauswanderungsländcrn wenigstens ein Palamt mit „füll equipment" zu schaffen, auf das die provinzialcn Acmtcr verweisen könnten, und es ist sicher, daß zahlreiche Emigranten von der gebotenen Gelegenheit Gebrauch machen würden. Denn es ist nicht wahr, daß an und für sich eine Abneigung gegen Beratung und Kontrolle bei den jüdischen Massen vorherrscht Die vierte Alijah besteht in der Hauptsache aus kleinster Bourgeoisie, die nur ihr bißchen Geld vor völliger Prolctarisicrung schützt und deren anationalcs Motiv zur Auswanderung eben der Wunsch ist, durch Auswanderung der in ihrem Aufcnthaltsland drohenden Prolctarisicrung zu entgehen. Es sind Menschen, die zwar nur wenig, aber eben ihr Alles zu verlieren haben, keine Reichen, die etwas riskieren können und keine Luftmenschen, die nichts riskieren: die vierte Alijah rekrutiert sich in Ihrer Mehrheit aus besonders ängstlichen Schichten. Und man muß wissen, wie da um Rat gefragt wird; dieselbe Frage hundertmal wiederholt mit rührender Unbeholfenheit und Befangenheit; bis schließlich der überarbeitete Beamte, der. allein oder, mit einem Kollegen oder einer Dame, noch 50 oder 100 oder mehr Personen zu erledigen hat, ungeduldig wird (zumal er vielfach die rechte Antwort nicht weiß und daher seinerseits befangen ist), bis der Fragcr merkt, daß er lästig fallt, bis wieder ein Stück Vcrtraucnskapital vertan, 'ein neues „unerwünschtes Element" geschaffen ist. Selbstverständlich müßte ein gut eingerichtetes Paüstinaamt über moderne technische Hilfsmittel zur schnellen Erledigung aller Wünsche verfügen. Da bei starkem Andrang eine gewisse Wartezeit unvermeidlich erscheint, wäre für anständige Warteräume Sorge zu tragen und hier schon könnte viel getan werden, durch Auslage geeigneten statistischen Materials, durch Aushang einer von einer palästinensischen Zentrale zu redigierenden Monatsschrift, die in leicht faßlichen Aufsätzen über Bcrufsmöglichkcitcn, wirtschaftliche Situation, Warenmärkte, gefragte Stellen, Wohmiugsmarkt usw. berichtet, aber auch Artikel beschreibenden Inhalts und Büdcr sowie Abhandlungen im-Sinne des nationalen Autbaus Palästinas bringen sollte. Kämen dazu sehr geschickt und sehr sachverständig geschriebene Broschüren über Berufswahl und Vorbereitung und über die wichtigsten Bcrufsartcn, ihre Möglichkeiten und ihre im Interesse des Landes relativ günstigste Ausübung, so könnten selbst bei der sachlichsten Behandlung rein praktischer Gegenstände unschwer moralische Eroberungen für ein zionistisch aufgebautes Ercz Israel gemacht werden. Natürlich wäre der Erfolg sicherer und grö"er, wenn vorher schon von derselben palästinensischen Zentrale, der die Herausgabc dieses Materials obliegen sollte, eine von den zionistischen Landesorganisationcn unterstützte Ideenpropaganda im Sinne des nationalen Aufbatis stattfinden würde. Wie die Erweiterung drr Jcwi-;h Agnicy durch Niciil/ioni'.tni eine Stärkung der zionistischen Organisation zur notwendigen Voraussetzung haben sollte, so müßte die Erweiterung der Alijah durch zionistische Elemente die Stärkung der zionistischen Propaganda im Gefolge haben. — Wir besitzen keine Zwangsmittel, um die Bodenspekulation zu hindern und zunächst noch keine ausreichenden finanziellen Mittel, um sie durch die Konkurrenz des nationalen Bodenbesitzes unrentabel machen zu können. Wir sollten aber alles tun, um sie wenigstens moralisch zu erschweren, ihre Träger zu informieren, eine öffentliche Meinung zu schaffen, die gegen Wirtschaftsschädlingc für produktiven Aufbau wirksam ist — (wofür freilich Voraussetzung die Aufstellung eines klaren Kolonisationsplanes und des Wirksamwerden eines in der Kolonisation erkennbaren Willens wäre). Was durch das Gewicht der öffentlichen Meinung, was durch geeignete Lektüre vorbereitet wäre, müßte durch die Aussprache mit dem beratenden Referenten zur Vollendung kommen. Der Ratsuchende müßte empfinden, daß dieser Mann für ihn da ist, daß sein Fall bearbeitet, daß für seine Arbeitskraft, für sein Kapital die für ihn und das Land gün- * stigstc Möglichkeit wirklich gesucht wird. Und tatsächlich müßte der Referent über alle Aussichten unterrichtet sein oder sich unterrichten können, und wenn z. B. ein seit Jahren im Land als Angestellter tätiger Gärtner mit großer Erfahrung und etwas Kapital einen kapitalkräftigen Partner für die Errichtung einer Handclsgärtncrei bei einer größeren Stadt sucht, so dürfte es nicht wie heute nur dem Zufall oder den Bemühungen einiger Freunde überlassen bleiben, ihm diesen Partner zu finden ... Nim bin ich freilich überzeugt, daß alle diese Maßnahmen, ja, daß sogar die beantragten kolonisationspolitischen Reformen nur einen Teil der Gefahren beseitigen können, die dem Aufbauwerk aus der Eigenart der vierten Alijah drohen. Immerhin könnten diese Vorschläge zu einer Besserung beitrageu; im übrigen fallen sie wenigstens zum Teil mit dringenden Notwendigkeiten der zionistischen Propaganda und Meinungsbildung zusammen. — Sicher ist, daß die Kosten für die Ausgestaltung der palästinensischen Zentrale, der Palämtcr und des informativen Materials durch Einstellung eines Betrages in das Budget gedeckt werden müßten. Bei der Bemessung der Höhe aber wäre zu erwägen, daß die Landesorganisationen wie bisher oder darüber hinaus finanziell herangezogen werden könnten und daß, statt wie bisher üblich, eine Einheitsgebühr je nach der Schwierigkeit der Beratung und der Größe des Objektes gestaffelte Gebühren erhoben werden könnten. Wäre es doch sicherlich möglich, Vielen die heut nötige Informationsreise zu ersparen; wenn aber nicht, ihnen wenigstens Anhaltspunkte zu verschaffen, die diese Informationsreise wesentlich verkürzen und für sie überhaupt erst nutzbringend machen können. Ja, ließe es sich nicht denken, daß der zu seiner Information Reisende der palästinensischen Zentralstelle unter Mitteilung seiner Wünsche gemeldet und dort weiter beraten würde? — Neben dem wirklichen Nutzen, den das für das Land und den Einzelnen haben könnte, würde eine solche Einrichtung sicher dazu beitragen, unsere Bcratung$organisat;on populär zu machc.i und ihr erhebliche Beträge verhältnismäßig leicht aus der Klientel selbst zu verschaffen. — Von solchen Möglichkeiten abgesehen, liegt hier eine Aufgabe der Zentralstellen vor in. Parallele zu setzen mit der beantragten Finanzierung der Hachscharah durch den Kcren Hajcssod. Die Agudah bei Symes und Plumer Jerusalem. (J. T. A.) Der Stellvertreter des Oberkommissars von Palästina, Coloncl Symes, empfing dieser Tage eine Abordnung der Agudas Jisroel. die von Rabbiner Sonncnfcld geführt war. Die Abordnung unterbreitete dem stellvertretenden Obcrkommissiar die Forderungen der unabhängigen orthodoxen Judcnhcit, die Colone! Symes zu prüfen versprach. London. (J. T. A.) Lord Plumer empfing am 27. Juii eine Abordnung der Agudas Jisroel, bestehend aus dem Präsidenten Dr. Pinchas Kohn und Mr. H. A. Goodman. Diskutiert wurde die Position der unabhängigen jüdischen Orthodoxie im Zusammenhang mit der geplanten jüdischen Oemcindcordnung. Ronald Storrs Gouverneur des Süddistrikts? London. (J.T.A.) Der Gouverneur des Jcrusalem- Jaffa-Distrikts, Sir Ronald Storrs, der seine Ferien in England verbracht hat, begab sich am 2S. Juli auf die Reise nach Palästina. Wie die J. T. A. erfährt, wird Sir Ronald Storrs sofort nach der Teilung Palästinas in eine Nord- und Südprovinz zum Gouverneur der Südprovinz ernannt werden. Zum Gouverneur der Nordprovinz wurde bereits M. Ahramson ernannt. Die bisherige Mittclprovinz (Jcrusalera-Jaffa-Distrikt) wird zwischen die Nord- und die Südprovinz aufgeteilt