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Jüdische Rundschau · 1925-07-31 · Heft 60 (31.7.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 60 (31.7.1925)
Date
1925-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 60 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 517 Stimmungen und Aussichten Von unscrm palästinensischen Korrespondenten. A.O. Jerusalem, den 22. Juli 1925. Die Verschiebung der Wahlen zur Assefat Hanlwcharim iahen, gewissermaßen als Abschluß der Wahlbcwcgung, zu Vin paar Versammlungen und Artikeln geführt, die zum großen Teil die Verschiebung bedauern und als gefahrlich hinstellen, „im aber post factum nur mehr als Stimmungsausdrückc jer verschiedenen Kreise zu würdigen sind. Daß die Linke ja Versammlungen lind In ihrer Tagcsprcssc die Unterbrechung der Wahlbcwcgung bekämpft und in ihrer ganzen Tragweite darstellt, Ist nur selbstverständlich nach der Entwicklung der Ereignisse. Aber auch der bürgerliche „H a a r c z" betrachtet die Verschiebung der Wahlen als ein gefährliches Zeichen der gesellschaftlichen Disziplinlosigkeit und einen Mangel an Erkenntnis öffentlicher Notwendigkeiten und Interessen. Unterdessen hat der Waad Lcumi vor zwei Tagen in seiner Plenarsitzung bereits den Termin für die Wahlen auf den g. November festgelegt und eine Kommission eingesetzt, die dib Verhandlungen mit dem Misrachi und dem rechten Flügel zu führen hat. Man hofft, daß in drei Monaten wirklich die Wahlen zustande kommen und zu einer organisatorischen Zusammenfassung der gesamten palästinensischen Jtidcnhcit führen werden. Man ist an verschiedenen Stellen der Meinung, daß die Verhandlungen des Waad Lcumi mit der Rechten Erfolg haben werden und verläßt sich im schlimmsten Falle auf die Entscheidung des Kongresses. Wer freilich heute die Lage in Palästina in ihrem vollen Umfang und in ihrer vollen schwere übersieht, wird zwei Dinge dabei nicht vergessen dürfen: Der Kongreß in seiner Mehrzahl kennt die Verhältnisse im Lande durchaus nicht so eingehend, daß er die Frage der Spaltung im Jischuw objektiv beurteilen kann, und selbst wenn man annimmt, daß er die Frage auch sachgemäß zu entscheiden imstande wäre, scheint es ein Fehler, dem ohnehin überlasteten Kongreß auch noch die Schlichtung innerer Streitigkeiten des Jischuw aufzubürden, so daß er für die wesentlichen Probleme noch weniger Zeit übrig behält als ihm ohnehin schon zur Verfügung steht. Der palästinensische Jischuw würde besser tun, über seine Autonomie zu wachen, als freiwillig sich in dieser intcrenen Frage an den Kongreß zu wenden. Die Wahlbcwcgung hat die KongrcßVorbcreitun- £en im Lande empfindlich beeinträchtigt. Zu einem mit gesteigerter Lebhaftigkeit geführten Meinungsaustausch in den Konprcßfragen, wie er dem diskussionsfrohen Palästina so sehr angenehm ist, ist^ es eigentlich nicht recht gekommen. Zwar hat man verschiedentlich diesen Problcmkomplcx in die Wahlbcwcgung hineingetragen, er war aber zu umfangreich, um sich in eine noch so große Ecke hineinpressen zu lassen. So hat man denn mit um so größerer Spannung die ersten tclcpphischen Nachrichten über den Verlauf der Aktionskomitccsitumg in London erwartet. In Palästina spielen die politischen Fragen eine nicht geringere Rolle als anderswo und die Diskussionen über die Agency haben auch hier an Länge und immer wiederkehrender Wiederholung der verschiedenen Argumentationen nichts zu wünschen übrig lassen. Aber im Verhältnis zu den Fragen, die unmittelbar die Existenz des Jischuw im nächsten fahre betreffen, ist doch hier die politische Stellungnahme als weniger brennend empfunden worden. Das gilt zumindest für die Kreise, die irgendeinen unmittelbaren Zusammenhang, mit der jüdischen Finanzpolitik haben, einen K'cchscl im Budget am eigenen Leibe empfinden und für die ,on einer Null in der Zahlenreihe der verschiedenen Rechnungsposten sehr viel, wenn nicht alles abhängt Die Lage im Lande ist im ganzen genommen — das )leibt trotz allem nach wie vor richtig — sehr zufriedenteilend. Die Einwanderung hat in den letzten Monaten licht nur nicht nachgelassen, sondern sogar sich noch vertärkt. Beträgt doch die letzte Monatsziffer über 4000, eine IM, die uns vor noch gar nicht so langer Zeit geradezu für 'in ganzes Jahr genügt hätte. Trotzdem ist kein5 im Vcrlältnis zur Gesamtzahl der Arbeit nennenswerte Arbeitslosigkeit :u spüren. Wie eine gut gehaltene Maschine geht die Bauicwcgung in Tcl-Awiw vorwärts. Die Stadt wächst so rapide, laß man ihr Außenbild nicht wiedererkennt, wenn man vier lochen nicht dagewesen, und die inneren Verhältnisse sind in ihnlichen Schwankungen begriffen. In diesen Tagen verhandelt nan von der Regierung aus mit der Stadtverwaltung über die Zerlegung des Eisenbahnknotenpunktes der -iipe Aegypten—Haifa—Damaskus und Jaffa—Jerusalem von -udd nach Tel-Awiw. Diese Tatsache ist von weitestgehender Bedeutung für die Stadt und zeigt uns den großen Gegensatz; wischen der Lage im Lande vor der großen jüdischen üinv/niHlrriiiig und (Inn heutigen Zii'iJ.unl. Hat tdch doch Ludd irütz seiner zentralen Lage im Laufe der Jahre kaum verändert und entwickelt, so daß es geradezu paradox erscheint, daß die Eisenbahnkreuzung an diesem Flecken liegt, der außer seiner Bedeutung als Knotenpunkt keinerlei Wichtigkeit "langt hat. Die Vorbereitungen zur „Ausstellung des; ^ihcn Ostens", einer Fortsetzung der Messe vom Vordre, werden mit große Energie und Schnelligkeit betrieben. , L'odcnkäufc haben einen Umfang -— und Preise! — erlangt, 3'c vor kurzer Zeit noch phantastisch erschienen wären. Alles in allem genommen, sieht man überall Leben, Vcrän- : Gerung, Bewegung. Dabei darf man aber nicht vergessen und sich nicht dabei , beruhigen, daß das Zionistische Budget — auch mit 'der vor£crch!ngcncn Erhöhung auf eine halbe Million Ptuud — rregenüber den privaten Investitionen immer mehr an He-; Deutung verliert, daß wir wieder vor der Situation stehen, für : so wichtige öffentliche Zwecke wie die Schchunath Owdim vinz unzureichende Geldmittel zu bekommen und zuletzt und : vor allem, daß die Aussichten für N c u a n s i c d I u n g bei : jhm vorgeschlagenen landwirtschaftlichen Budget von zwcimal-; ""•iderttauscnd Pfund gcradcz.u niederschmetternd sind. Wir stehen vor einer paradox anmutenden Situation. Die letzten Sroßcn Zcrtifikatbcwilligungcn der Regierung — so notwendig ■ind erfreulich sie auch sein mögen, können uns über kurz oder ]3tt7, in die Situation bringen, daß wir mehr Zertifikate haben '< lis L'haluzim. Auf der anderen Seite stehen wir heute vor der Tatsache, daß Hunderte gut vorbereitete Arbeiter, die jähre- ,aaR im Lande arbeiten, und ungeduldig auf Absiedlung warten, »ich wieder in Geduld werden fassen müssen, weil wir nicht Kcnügcndcn Mittel für die Schaffung neuer Kolonien habca i^in großer Teil dieser Chaluzim lebt unter den schwierigsten l'Klmgiingcn in den alten Kolonien als Lohnarbeiter, um die 'ositionen zu halten, obwohl in der Stadt die Löhne doppelt and sogar dreifach so hoch sind. Aber alle diese Anstrengung ' *t nur möglich, wenn wirklich Aussichten auf Absiedlung ^stehen. Ci.z:::.:;:;:ii.;^:^:ii.-.„.----.. :. ~. Man hat im Lande von dem kommenden Budget von vornherein nicht viel erwartet. Man weiß durch die Erfahrung von Jahren belehrt nur zu gut, daß unsere Ocldmaschinc, auch wenn man sie aufs höchste anspannt, nicht viel mehr geben kann als sie gegenwärtig liefert Man ist gewohnt zu resignieren, zu debattieren und zu warten. Dennoch macht man sich schwere Gedanken über die Art der Arbeit im nächsten Jahre. Vor allem hat die letzte Entwicklung gezeigt, daß der größte Teil des Fortschritts — man mag seine Art für gut oder für gefährlich halten — nicht durch die Exekutive verursacht oder bestimmt worden Ist und daß sie ihn nur in ganz begrenztem Umfange hat beeinflussen und fördern können. Mau' rechnet deshalb in weiten Kreisen im Lande mit einem nicht unbedeutenden Wechsel iit der Zusammensetzung der Leitung. Freilich erwartet mau auch von den am besten geeignetsten Leuten keine Hilfe und keine Acndcrung ohne eine ganz gewaltige Vergrößerung der Geldmittel. Und eine halbe Million ist für die gegenwärtigen und ständig wachsenden Bedürfnisse der Arbeit nicht viel mehr als ein Tropfen auf einen heißen Stein. In der nächsten Woche geht der Kongreßdampfer. Im Lande wird es still und leer. Die Beteiligung aus Palästina, vor allem von Gästen ist durch die niedrigen Fahrpreise diesmal sehr begünstigt worden. Neben den aufregenden Debatten der Assefat Haniwcharim und des Kongresses geht die tagfäglichc Arbeit ihren stillen Gang. Von dein lärmenden wachsenden Tcl-Awiw bis zum immer stiller werdenden Jerusalem und den vorgeschobenen Posten jenseits des Jordan und bis hinauf nach Nordgaliläa wartet man auf die Beratungen des Kongresses, die die Arbcitsmöglichkcitcn für das nächste Jahr so weitgreifend beeinflussen werden. Man ist im Lande gewöhnt, sich mit allen möglichen Schwierigkeiten und Hindernissen abzufinden. Aber man kann schon jetzt immer häufiger die Ansicht hören, daß der Kongreß nicht viel ändern, das heißt für Palästina: die Kolomsationsbasis im Lande nicht wesentlich zu verbreitern imstande sein wird. Man läßt sich durch diese wenig tröstlichen Aussichten nicht beirren und hat auch nicht vergessen, daß unsere Lage vor zwei Jahren sehr viel schlechter und kümmerlicher gewesen ist als jetzt. Aber man ist sich auch, vor allem in unseren landwirtschaftlichen Stützpunkten, durchaus klar und einig, daß selbst noch dreitausend gvit bezahlte Lohnarbeiter in Tel- Awiw den Stillstand in der landwirtschaftlichen Kolonisation nicht wett machen können. Irrwege der Irrwege (Bemerkungen zum Aufsatz „Irrwege der Politik" von Dr. R. Wcltsch.) Von Michael Assaf (Jerusalem, z. Z. Berlin). I. Wir treffen Verallgemeinerungen auf verschiedenen Gebieten; fact überall sind es Täuschungen, auf dem Gebiet der Politik ist es sogar eine Gefahr. Ucbcrhaupt: Taktik und Allgemeingültiges 1? Zwei Pole. Es gibt nur ein Allgemeines in der Politik: Das Menschliche. Und das kennt keine „geringeren" und „wichtigeren" Interessen. Es kennt nur schlechte oder gute, aufrichtige oder listige gutwillige oder böswillige Politik. Politik und Tradition. Welche Politik Ist gemeint? Großmacht- oder Kleinmachtpolitik, äußere oder Innere Politik? Wo sind die geschichtlichen Beispiele für eine „überlegene Politik", die auf Tradition beruht? Gewiß nicht im zerrissenen Deutschland bis Bismarck und auch nicht von Bismarck bis zu Wilhelm II. (So alt ist die zionistische Politik auch schon.) Das u n revolutionäre England und andere neue, tausend bis fünfzehnhundert Jahre alte Völker haben eine Tradition — nicht der „Weitherzigkeit" — nur der Unterdrückung und Versklavung hinter «ich. Diese Politiker kannten die „politische Attitüde des Verzichtes auf das geringere Interesse" nicht. Sic kannten nur: erstens scheinbare Verzichte, um die anderen zu betrügen, und zweitens, mit Gewalt erzwungene Verzichte, d. h. Niederlagen. Als aber die O.ifcr der überlegenen Weitherzigkeit zur Vernunft gelangten, wurde „etwas faul im Staate Dänemark", und alle Tradition versagte. Denn die richtigen sozialen und kolonialen Kämpfe in England haben erst begonnen, und der Wirrwarr unter dem steifen, angelsächsischen Mantel kommt Immer deutlicher zum Vorschein. Heute Allcnby und morgen Samuel; nach Macdonald kommt Baldwin; heute Schmeicheleien für Deutschland, morgen eine gemeinsame Note mit Frankreich gegen Deutschland. Dir altrn Völkr,-? Wrh m.rr Hup polltlndien Tmdlllmirnl Jedenfalls haben Juden, als kleines, schwaches Volk, eine viertausendjährige politische Tradition. Und das ist eben der Grundstein der jüdischen Goluspoütlk: Die 'Weitherzig, keit (aus. dem Gedanken UrfirG mx d. h. auscrwähltcs Volk undder Verzicht auf das „geringere Interesse" (ru,"i C?v; d. h. das Diesseits)! Gewiß waren die Juden dabei nicht prinzipienlos. Sic glaubten nur auf die Schale verzichten zu müssen, ohne dabei um ihr Wesen zu kommen. Mit dieser Politik und mit dieser Tradition sind wir bis zum Abgrund der Korruption, Entartung und Verzweiflung gekommen. Wciz.mann hat mit unserer Tradition dasselbe erreicht, was Masaryk und Padcrcwski für ihre Völker erreicht haben, aber ihre Völker sind anders gestaltet als das jüdische Volk. II. Wir sind Knechte unserer Sinne. Daher die Illusionen der Beispiele, der Umgebung. Auch Menschen, deren Aufgabe es ist, fortwährend die Ereignisse zu beobachten und sie analytisch zu betrachten, unterliegen oft. Die Sache ist doch so einfach und so klar: Ein wenig verzichten und ein wenig nachgeben, so wie es bei anderen Völkern üblich ist, und die Sache wird geregelt. Warum Ist es so schwer, gutwill:gen und vernünftigen Menschen solche Kleinigkeiten begreiflich zu machen? Lm -»euer bitndn'bock: Das Nlchtvcrzicliten. Nein!!! Das ist nicht der Grund! Wer diese Antwort auf die schwierige Lage im Gesellschaftsbau Palästinas erfunden hat, hat sich und andere betrogen. Richtig ist, d.iß die Verwirklichung des Zionismus eine unmögliche Möglichkeit ist; einstweilen ist sie nur subjektiv möglich. Nie und niemals wurde aber eine Gesellschaft (Volk) ohne genügende objektive Triebkräfte und Möglichkeiten begründet. Es fehlt in Palästina das Gleichgewicht zwischen Objektivem und Subjektivem. Ein Selbstbetrug, höchsten Grades ist es. als Hauptbcisplcl für „Irrwege der Politik" den Frauen Wahlrechts1^ mf» in der D'lrotfl nee» (Asscfath haniwcharim) aufzustellen. Klar soll es gesagt werden: Die palästinensische Orthodoxie will auch den Männern der Asscfath haniwcharim kein Wahlrecht zuerkennen. Sie ist überhaupt gegen die Einwanderung, gegen Aufbau und gegen jede Organisierung außerhalb der Sonncnfeld — Dc-Haan — Clique. Wo ist also hier die Grenze des „Geringen"? Auch der Misrachi hätte heute diesen Kampf nicht aufgenommen, weil er nicht aktuell ist. Für den Misrachi handelt es sich hier um eine alte Forderung, die vor Jahren ein Lockmittel für die extreme Orthodoxie hätte sein sollen. Die Orthodoxie lehnte aber jede Zusammenarbeit schroff ab. Seitdem handelt es sich für den Misrachi nur um politisches I'rrstige. Manche glaubten — und begrüßten in diesem Sinne den Misrachi — daß er eine Brücke zwischen Orthodoxie und den übrigen Juden schaffen würde. Dies mißlang aber. Der Misrachi wollte es aufrichtig, und die Schuld des Mißlingens lastet nicht auf ihm. Allein die historische Entwicklung der Orthodoxie trägt die Schuld. Unseren Politikern in Deutschland sollte es doch als Beweis dienen, daß die Orthodoxie auch keine Gemeinschaft mit dem Misrachi will! Für sie pbt es in Bezug auf Misrachi nur eine Forderung: Der Misrachi soll als Büßer den Staub von Sonnenfclds Stiefel wischen! Leider müssen wir weitherzig sein und auf die Orthodoxie verzichten. Diese Orthodoxie kam nach Palästina in einer anderen Epoche, unter anderen Umständen und mit anderen Idealen als wir. Der Zionismus, wenn auch verzichtend bis zur Prinzipienlosigkeit, ist eine radikale Acndcrung des Jüdischen, die die Orthodoxie nolcns volcns verdrängt. Es handelt sich hier um Dinge, die viel tiefer und tragischer sind als Demokratie und Weitherzigkeit. Ein Ring der jüdischen Kette soll zur Vergangenheit werden ro nrx ima?yi (Gegen Deinen Willen stirbst du.) Alle anderen, Neo-Orthodoxen (Misrachi, Jemeniten, Rabbi von Jablona und Kosenitz, Bnc-Brak, „Tel Aviver Orthodoxe"^ brauchen die „Verzicht-Theorie bis ins Unendliche" nicht mitzumachen. Ein wenig mehr Fassung unserer vcrzichtvollen Nerven, und die Sache' mit der Asscfath haniwcharim wird politisch 60 klug geregelt werden, wie bcinllcn anderen Völkern. III. Was heißt Realität? Wichtig dabei ist der Begriff im subjektiven Sinne: Das Erkennen der Tatsachen durch den Menschen. Klagen, frommes Wünschen, ultranazifizicrcn ist keine Realität. Deshalb ist der Wunsch, daß in Palästina durch „Verzichte auf die Verzichte" Zwischenkämpfe vermieden würden, unreal. Gewiß ist die Lage in Palästina eine schwere, aber das sind Tatsachen, deren wir nicht Herr sind. Wer aber die Angelegenheiten in Palästina etwaa besser kennt, weiß, daß der Teufel dort nicht schrecklicher ist als überall sonst. Jedenfalls ist die jüdische Gesellschaft in Palästina viel besser koordiniert als irgendwo — bei Juden — in der Welt. Auch die „Gojim" werden sich In dieser Hinsicht nicht täuschen lassen. In keiner Gesellschaft der Welt gibt es heute eine einheitliche Stellung in bezug auf irgend ein wichtiges Problem, und niemand denkt daraus ein Hehl zu machen. Die englischen Anti/ionistcn schaden England nicht weniger als unsere Orthodoxie dem jüdischen Zionismus. Ich glaube fest, daß der Wahlrcchtsstrcit nur ein vorübergehender Konflikt ist, der ausgekämpft werden muß, denn nicht alles kann im gesellschaftlichen Leben ohne Kampf erreicht werden. Gesellschaft ist keine Idylle und soll noch lange keine sein. Die zionistische Ocffcntlichkcit im Gallith ist in Bezug auf Palästina gespannt und nervös; das darf doch aber für den Bau der palästinensischen Gesellschaft nicht maßgebend sein. Aufgabe des Gallith ist, im Oaluth dem Aufbau zu helfen, zu bewirken, daß der Misrachi seine Stellung in Palästina ändert. Es wäre aber ein unverzeihlicher Leichtsinn seitens des Jischuw, beim leisesten Geräusch eines Prestige-Kampfes auf solchen Verzicht einzugehen und die Frauen aus der Asscfath haniwcharim fortzujagen (Dr. Klausner im „Haarez."). Wir leben im 20. Jahrhundert, und es gibt kein Zurück! Es handelt sich nicht um Demokratie, sondern um Verwirklichung des Zionismus im 20. Jahrhundert, in Palästina und durch das jüdische Volk. In diesen drei Momenten liegt die Tragödie des Zionismus. IV. Keine einheitliche Arbeiterpartei. Auch das ist kein Beweis. Mein verehrter Freund, Robert Wcltsch, kennt meine Stellung in dieser Frage: Positiv bis zum Acußerstcn. Aber wenn auch bis heute keine theoretische und formale Finijjimg nrritlit wurd«*, d.uf ttol/dciu kein Ficuud (llc-r.cr 1 inlgung die Ulnge 60 schwarz sehen, wie sie Robert Wcltsch sieht. Unsere Nervosität, unsere Eile haben uns nicht zum Ziele geführt, aber die Entwicklung der Dinge führt die Parteien dennoch immer näher: in Fragen der Hitachduth, des Zionismus, des Internationalismus. Hierbei möchte ich erwähnen, daß in der Labour Party, die politisch erst einige Jahre tätig ist, nicht alles so rosig zugeht, wie es sich mancher von uns in seinen Träumen vorstellt. Die L-ibour Party im britischen Unterhaus weckt Bedenken. Verallgemeinerung Ist eine Denkmethode, aber keine Wahrheit. Zahler des MisracM-Schrkels! Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß der Misrachi in Deutschland einen eigenen Wnhlkörper bildet, und seine Wahl bereits durch Aufstellung einer Einheitsliste vollzogen hat. Zahler des Misrachi-Schckcls sind demnach nicht berechtigt, an den Wahlen innerhalb der Z. V. f. D. teilzunehmen. Dasselbe gilt für die Zahler des Poale- Zion-Schckcls. Dagegen sind die Zahler des Hitachduth- Sehckcls mit denen des allgemeinen Schckcls in einen Wahlkreis vereinigt, und ebenso wahlberechtigt wie die Zahler des allgemeinen Schckcls. Schießereien In Jaffa. Anläßlich einer in Jaffa vorgekommenen Schießerei sind vier Personen verwundet worden. Bei der Rückkehr einer jüdischen Schauspielerin, die in einem arabischen Varieteauftritt, in ihr Hotel, wurde sie von zwei arabischen jungen Leuten angesprochen. Da sie die Annäherungsversuche der Araber zurückwlcß, schössen diese auf die Schauspielerin und verwundeten sie sowie drei andere in der Nähe befindliche Personen. Ein Schütze wurde verhaftet. Der ganze Vorfall trägt ausschließlich privaten Charakter. He Iii« der Wiia^sliiig M teüdSOT ür m MmfltWI ier MsgmpS ür gr§f £ WiMSddMgiEid?

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