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Jüdische Rundschau · 1925-07-31 · Heft 60 (31.7.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 60 (31.7.1925)
Date
1925-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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j-#ao JUEDISCHE RUNDSCHAU [i Zur Kritik der Opposition Voa Dr. Hugo Schachtel, Breslau. past ebenso lange, wie ich zionistisch denke, stand :> . Opposition zu den jeweils in der Organisation herr- •' "sfjiden Kräften. Ich bin also gewiß kein Gegner einer - -Position an sich, — im Gegenteil: ich neige stets dazu. :; :(jf diese jetzige Opposition, die sich eine radikale und <u-iokratlsche nennt, kann ich, so sympathisch mir sonst ■ sc Bcgriffsbczeichnungcn sind, nicht mitmachen. Beides i ,^ demselben Grunde. Ich war stets in Opposition, weil ' ein unbedingter Anhänger praktischen Tuns, ein unbe- 'fiter Anhänger der Arbeit bin. Nur zu lange vermißte "schmerzlich im Zionismus die Arbeit überhaupt oder eine ' vjehränkung auf einen Teil der Arbeit durch Einzelne, dieser Opposition, die sich jetzt vor dem 14. Kongreß j3Ut gebärdet, sehe ich aber auch wieder nur das Vorherrschen des Redens, ja sogar der Phrase, und sehe kein „-aktisches Tun. War meine Opposition stets darauf geltet, dje Leitung der Bewegung dazu zu bringen, von ,ft.rfr Art' abzugehen und praktische realpolitische Arbeit zu X'jstcn, so vermisse idi bei der jetzigen Opposition durch- \tt den Deweis für den Willen zur Arbeit und schon darum lehne ich sie ab. Noch heute gilt das, was W e i z m a n n;idcr A:-C-Sitzung vom Juli 1924 ausführte: „Es gibt keinen (icpcnvorschlag. Die Gcgnc.- begnügen sich, Trauerreden •j halten. Damit macht man keine Kolonisation. Ich beul.'^upte, ich stehe niemand nach an Intensität des zionistischen »ficfühls. Aber gerade darum will ich einen Schritt weiter [' tpmmen, wenn ich auch die Gefahren nicht verkenne. Es ■[-chört Mut dazu, in Gefahren hineinzugehen, aber kein I;at sich zu verschanzen und auf ein Wunder zu warten. . . i f< pibt Gefahren in der Jewish Agency. Es wird von unserer j c jrke abhängen, diese auf ein Minimum zu reduzieren." r: Vergebens suche ich in der langen Debatte, die nun •f;:hon zur Frage der Jewish Agency geführt wird, vor dem e..?;jgen Kongreß, auf ihm und nach ihm, bei den A.-Chitwngen und besonders jetzt, nach einem Plan der Gegner | c'»r weizmann'schen Pläne. ... Da ist das Manifest. Was rnlhalt es? Nichts. Es enthält zionistische Sclbstverständ- :; -hkeiten, stellt Forderungen auf, die jeder von uns untcri abreiben kann und darum hat es auch nachträgliche Untcr- ] i-hriftcn von solchen gefunden, die sich durch die schönen f vX'ortc und persönlichen Beziehungen zu dem einen oder andern ] Unterzeichner bestechen ließen, es auch selbst zu unter- Ü treiben. Aber lassen Sie die allen Zionisten gemeinsamen \ Ansehen Bemerkungen über die Mängel und die Schwäche .irr Organisation, über die schon immer geklagt wurde, und " ic allen gemeinsamen Wünsche daraus fort, so bleibt nichts ■ :ls Phrase übrig. Man muß sich darüber wundern, — i J-nn zu den Verfassern gehören doch Männer, die uns als ristreiche Menschen bekannt sind, — daß sie uns nicht [nehr zu sagen haben. Oder aber sie benutzen die Worte, \za das, was sie eigentlich sagen wollen, dahinter zu verbergen. In all den Artikeln und Reden, die dazu seitdem ven Oppositionsseite veröffentlicht wurden, besonders In der |,Vicner Morgen-Zeitung", die ich alle wirklich mit heißem immunen studiert habe, habe ich nichts gefunden, was mehr negative Kritik gewesen wäre, — Kritik, die wir schon i' nr dem und auf dem 13. Kongreß gehört haben, gegen i -ie ächon eigentlich alles an Gegenkritik gesagt ist, — i Kritik, die indes bis zum heutigen Tage unfruchtbar gci blieben ist Kritik an einem politischen System ist jedoch T*as anderes, als etwa eine Such- oder Theaterkritik. Von ' cem Buch- und Theaterkritiker verlangt man im allgemeinen wht, obwohl auch das manchmal sehr berechtigt und anbracht wäre, er solle es besser machen. Der politische Kritiker muß aber sagen können, wie man es besser machen ''■m. Das vermissen wir in erster Reihe bei den Vertretern äirscr Opposition, so heA'orragende Männer ihr auch angehören. Nur einer, der auch zu ihr gehört, sagt, wie er '5 anders machen will, das ist Jabotinsky. Aber die indem verwahren sich ja aufs entschiedenste, daß sie Jabo- -nskys Ideen und Pläne übernommen hätten, wenn sie auch ~it ihm zusammen Opposition machen. Sie sind Pazifisten "nd verlangen eine friedliche Zusammenarbeit mit den Ara- '"frn und lehnen die Jabotinskischcn militaristischen Wünsche Irenaus ab. Und so sehen wir diese Opposition in sich schon uneins. Die Kontraste in der Gruppe würden noch deutlicher zu Tage treten, wenn sie etwa berufen sein würde, die Leitung der Bewegung zu übernehmen. Solowcitschik hat zwar in einem Vortrag in Breslau gesagt, Jabotinsky und sein Kreis hätten sich verpflichtet, ihre Speziahvünsche nicht zu propagieren, bis die der ganzen Gruppe gemeinsamen Forderungen erfüllt sind. Das könnte zwar beruhigen, denn bis dahin dürfte noch viel Wasser ungenützt den Jordan herunterfließen. Aber ich möchte auf diese Brücke zu treten nicht anraten. Man kennt doch die Mentalität Jabotinskys. . , Die andern Kritiker des jetzigen Systems haben uns bis heute nicht gesagt, wie sie sich das Bcsscrmachcn vorstellen. Natürlich sind sie der Meinung, es anders und besser Melles® Äiisiig bei den Komgrefjwahlen SdfeekeLzaMer cn Oricn ohne Ortsgruppen und SdiekelzaMer, die an den Wahltagen, am 2. u. 3. August, verreist sind, üben ihr Wahlrecht brieflich aus durch Einsendung des Stimmzettels an die Zion. Vercinißunß für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestrafic tO. Siehe Bekanntmachung über Kongreftwahlen in dieser Nummer! r.::::^:^" machen zu können. Das ist auch das, was sie uns wohl mit Absicht hinter ihren Worten verborgen, — das ganz selbstverständliche Wort für jeden politischen Kritiker zum Kritisieren: ötc toi, que je m'y mette. Geh von Deinem Platze, ich will ihn .einnehmen und zeigen, was ich kann. Denn sie können doch unmöglich daran denken, daß sie einen Mann wie Wcizinann und die in diesen Fragen mit ihm gleicher Ueberzeugung sind, durch ihre Reden jetzt noch zu einer anden; Anschammg bringen werden. Die ganze Opposition kann doch nur den Sinn haben: Wie Du es machst, machst Du es falsch. Und da Du es kaum wirst anders machen wollen, insbesondere, da Du Dich mit Deiner bisherigen Arbeit schon absolut festgelegt hast, tritt ab', wir werden es an Deiner Stelle besser machen. Natürlich, wenn man das so offen und klar ausspricht, ist es den Herren nicht recht. Nur einer hat es mit ziemlicher Deutlichkeit ausgesprochen, Dr. Solowcit.cchik in einer Erklärung vom Dezember 1023, In der er warnt, unsere politische Position weiter gefährden zu lassen „durch verantwortungslose (!!) und mutlose (!) Führer". Das war einigermaßen deutlich. Die andern versichern, daß es so nicht gemeint sei, d3S hieße nur, die Sache ins Persönliche hinübcrspiclcn. Das ist aber ein gewöhnlich gut wirkender Vorwurf, der aber durchaus falsch ist. Man kann Sache und Person nicht trennen. Und man kommt leider zu dem Schluß, daß für die Herren andere Gründe vorliegen, weshalb sie die Personenfrage unerörterf haben wollen. Vergebens haben Blumcnfcld und andere die Opposition dringlichst aufgefordert, den Mann ihres Vertrauens zu nennen. Die Herren haben geschwiegen. Nur Solowcitschik hat in Breslau erklärt, das sei nicht ihre Sache, den künftigen Führer zu präsentieren. Das sei nicht Aufgabe einer Oppositionspartei, sondern der Majorität des Kongresses, gleichviel wie sie ausfalle. Das heißt doch wahrlich eine schlechte Vorbereitung der Entwicklung oder ist eine — sit venia verbo — faule Ausrede. Ganz besonders wenn man schon keine ^'enn in neuerer Zeit die öffentliche Haltung des Barons '""<J der andern Geldgeber des arbeitenden Jischuw eine so andere geworden ist, so ist diese an und für stell unerwartete Wendung auf das Konto der nationalen Bewegung '^d wohl auch auf das der Kolonisten zu setzen. Schon in fiif,,cn Briefen aus der Frühzeit der Siedlung zeigt sich, wie hff<ig sie dem widerstreben, einfach als Bauern betrachtet nur nach ihrem Erfolg, d. h. der schnellen Unabhängigkeit v°ni Geldgeber gewertet zu werden. Sie waren keine Bauern u'je die benachbarten Fellachen, deren viel härteres und dürftigeres Leben von niemandem eine Heldentat genannt *urte. Bewaffnet mit dem ganzen Rüstzeug der Melizah und •fem Gedanken, der die vorausgegangenen Generationen der Eevölkerung Palästinas leiblich und geistig ernährt hatte, "ärnlich daß die Besiedlung des Landes eine religiöse Tat sei, ^rpten sie ohne Zurückhaltung für eine Sondcrbehandlung ihres ^ndes ein. Wir, „die Pioniere der Erde", „die wir Schwerst leisten", „die wir im Schweiße unseres Antlitzes ar- Jftan", „mit Tränen säen", fordern Eure Unterstützung. Und während die Kolonisten gegen ihre bürgerlichen Geldgeber zweifellos recht haben, reift in . ihnen doch auch ein £cist, der für die Kolonisation ein Hemmnis und für spätere Generationen des arbeitenden Jischuw ein schlimmes Erbe Sein wird. Ein großes Ereignis dieser Jahre war der Kampf um d,e Schmitah. Die Rabbiner in Polen hatten die Bearbeitung des Bodens im Erlaßjahre erlaubt, ebenso die i s,cPhardischcn Rabbiner Palästinas, wogegen die aschkena- Jschcn Rabbiner Palästinas keine Erlaubnis gaben. Rabbiner l'bhilcwcr wagte es nicht, von Rußland aus den Kampf mit lh"tn aufzunehmen. Die Kolonisten beschlossen, die Arbeit!J*en zu lassen — auf Kosten des Barons und der Chowcwe Jon. Darauf eine Flut von nicht sehr höflichen Briefen aus gtöland, welche die Kolonisten als Faulpelze bezeichnen usw. \?nes in Palastina meint, es sei nicht so schlimm, wenn Leute, 3* sechs Jahre gearbeitet haben, ein Jahr lang ruhen. En interessantes Kapitel der Briefe behandelt die Klagcl^uer. Der, Baron, erschüttert durch den Eindruck des Wägten Zustande« der Umgebung der Klageinauer, wollte 'amtliche Häuser tun die Klagemaucr niederreißen lassen und ihren Besitzern neue Häuser bauen. Die" Sache war beinahe perfekt, als sie durch nicht ganz durchsichtige Machinationen hintertrieben wurde. Ben Jchuda beschuldigte die sephardischdn Rabbiner, sie hätten die Sache hintertrieben und wurde deswegen im Verlaufe dieser Kämpfe von ihnen in Bann getan. Die Briefe enthüllen das Bild einer nach allen Seiten in Parteien und Gruppen gespaltenen Gemeinde. Auf der einen Seite die Kolonisten der Chowcwe Zion, die mit dem Vertreter der Gesellschaft (Pincs) in guten Beziehungen leben. Dann die Beamten des Barons im Kampf nach allen Seiten. Ben Jchuda steht auf Seiten des Darons und empfiehlt die Kolonisicrung von armen Leuten, die durch ihre gedrückte Stellung gutes Material für die Kolonisation abgeben würden. Eine Sonderstellung nimmt der alte Jischuw ein, der in heftigster Weise Politik gegen die Kolonien macht In der schlimmsten Lage ist Pi n s k c r, der Vorsitzende der Chowcwe Zion. Er bemüht sich, allen gerecht zu werden, bringt große Opfer an Gesundheit und Arbeitskraft, bis er durch die widersprechenden Berichte der feindlichen Parteien zermürbt und schließlich durch die Innern Zwistigkcitcn der Chowcwe Zion zur Demission grfricbcu wird. Auch die Frage der Universität wird schon erörtert, Ussischkin bekämpft den Gedanken im „Hameliz" und Lillcnblum gibt ihm recht Die Zeit der Universität wird erst gekommen sein, wenn in Palästina 100000 Juden von' allen Fonds unabhängig von ihrer Hände Arbeit leben. Das Buch lockt natürlich immerwieder zu Vergleichen mit der Gegenwart und man findet nur allzu oft daß In 50 Jahren sehr viel Wesentliches gleichgeblieben Ist h. b. BQc&erscbaa Carl Brinkmanni EngVsche Geschichte 1815—1914. Preis M. 5,—. Deutsche Vcrlagsgcscllschaft fyr Politik und Ocschichtc m.b.H., Berlin. Daß eine Kenntnis der englischen Geschichte besonders in der neues Zeit für eine verständnisvolle Erfassung dessen. Seite 515 sachlichen Gegenpläne hört, sondern immer nur die Kritik, so muß man sich urasomehr die Personen ansehen, denen man eventuell blindlings das v Vertrauen entgegenbringen könnte, daß sie es, auch ohne daß sie es vorher sagen, wie, besser machen würden. Daß man etwa anstelle Weizmanns Jabotinsky setzen solle, dagegen verwahrt sich selbst der größte Teil seiner jetzigen Mitstreiter mit aller Entschiedenheit. Wer sind nun die andern, die vielleicht in Frage kämen? Wenn wir uns die Unterzeichner des Manifestes und die Wortführer in diesen Kämpfen daraufhin ansehen, sp fallen uns insbesondere einige Namen auf, mit denen ich mich ein wenig ganz sachlich auseinandersetzen möchte. Da ist zunächst Herr Solowcitschik. Solowcitschik hat schon einmal der Exekutive angehört. Die wir ihn gewählt haben, haben ihn da hinein gewählt, weil wir von ihm fruchtbare Arbeit auf organisatorischem Gebiet er- * hofften. Das war seine Aufgabe wenigstens in der Auffassung seiner Wähler schon das erste Mal, als er in die Exekutive kam und mehr noch nach dem ersten Konflikt, als er Wcizinann auf dem 13. Kongreß als Mitarbeiter gegen seinen Willen aufgezwungen wurde. Wir haben zu unserem Bedauern nichts davon gemerkt, daß er das darnicdcrlicgcndc Leben der Organisation irgendwie befruchtet hätte. Nun klagt doch die Opposition ganz besonders, und darin stimmen wir mit ihr durchaus übercin, über Mängel und Zerfahrenheit und Gleichgiltigkeit und Darniedcrlicgcn der Organisation. Aber Solowcitschik wandte sich mehr der politischen Arbeit in der Exekutive zu und geriet darüber in Konflikt mit Dr. Wcizmann. Und als er dann trotz dieser Differenzen abermals in die Leitung eintrat, obwohl er sich darüber doch ganz klar sein mußte, daß er in politischer Beziehung insbesondere in der Frage der Jewish Agency völlig mit dem Führer der poetischen Arbeit auseinandergehe, — er sollte eben bloß endlich einmal die Organisation wieder auf die von ihm und seinen Freunden und Keinen sonstigen Gegnern gewünschte Höhe bringen, versagte er nach dieser Richtung völlig, erlag der Versuchung zum Hineinmischen in das Politische abermals, verließ den ihm anvertrauten schwierigen Posten und seine Aufgabe wenige Monate schon nach seiner Wahl und ging von London fort mit einer Flucht in die Ocffcntlichkcit, die durchaus nicht geeignet war, unsere Organisation zu stärken. Er darf also nicht den Anspruch darauf erheben, wenn er wenige Wochen vor dem Kongreß aus seiner beschaulichen Zurückgczogcnhcit wieder auf der Bühne erscheint und zur Bildung einer Oppositionspartei aufruft, daß man ihm da blindes Vertrauen entgegenbringt und ihm nicht entgegenhält: Bisher hast Du nur negative Qualitäten entwickelt Du hast die Zeit zu positivem Tun verstreichen lassen. Du kommst zu spät, Du rettest den Freund nicht mehr..... Und ebenso wie Solowcitschik hat Jizchak Grünbäum die Zeit seit dem letzten Kongreß ungenutzt verstreichen lassen. Gerade er, der beim letzten Kongreß immer wieder den Appell an die jüdischen Massen befürwortete und sich von diesem Appell mehr versprach, als von der Arbeit Weizmanns mit den führenden jüdischen Kreisen in Amerika, hätte in diesen 2 Jahren beweisen müssen, daß diese Auffassung richtig war. Das ist aber nicht geschehen. Grünbaum ist den Beweis schuldig geblieben für die Möglichkeit der. Erfolgs bei einem Appell an die Massen, in langen 2 Jahren, die er durchaus nicht genügend ausgenutzt hat, um uns zu veranlassen, seiner Aktivität oder ihren Erfolgsmöglichkeitcn blindes Vertrauen entgegenzubringen, wie es manche noch vor 2 Jahren getan haben mögen. Auch Nahum Goldmann zeigt, daß es viel leichter ist Kritik zu üben, als Besseres an Stelle des Kritisierten zu setzen. Goldmann wirft der jetzigen Leitung, wirft Weizmann vor, daß sie bereit seien, zugunsten der momentanen Steigerung des Tempos und der Dimensionen des Palästina-Aufbaus auf die Größe und die Radikalität der zionistischen Idee zu verzichten. Er sagt und schreibt: „Glauht man an die zionistische Idee in ihrer Ursprünglichkeit und in ihrem ganzen Umfange an die Idee der Renaissance des ganzen jüdischen Volkes, der radikalen Umstellung seines Bewußtseins, an seine Erziehung zu einem national bewußten und kulturell schöpferischen Volke, an ein jüdisches Palästina als cntschcidenstcs Mittel und Krönung dieser Renaissance, dann erst weiß man, daß alle Einzcllcistungcn und Einzelwas in Palästina vor sich geht, unumgänglich notwendig ist, dafür bedarf es wohl keiner weiteren Worte. Das Erscheinen einer englischen Geschichte des 19. Jahrhunderts aus der Feder eines der ersten Fachmänner Deutschlands auf diesem Gebiete ist darum für uns von besonderem Interesse. Das Buch i'.t eine Geschichte dos neueren England, und der Verfasser betont, daß diese Geschichte untrennbar von der des Britischen Weltreiches ist, nicht in dem Sinn als müßte sie alle Tatsachen der Kolonialgcschichte mit berücksichtigen, die ja für den Organismus der englischen Gesellschaft, den er vor allem im Auge hat, großenteils belanglos sind, sondern in der Bedeutung, welche „die großbritannischc Insel als den fast geheimnisvollen Kräftcmittclpunkt in dem ungeheuersten Gebilde des modernen Imperialismus faßt, im stetigen tausendfachen Blutaustausch zwischen einer Hcrrenrassc, die nicht nur ausbeutet, sondern auch organisiert, und einem Herrschaftsgebiet dessen unendliche kulturelle Mischungen jene zwar nicht haben brechen können, aber doch überall In ihrer eigenen Wesenheit umwandeln helfen". — Das Buch hat die letzten Resultate der wissenschaftlichen Forschung berücksichtigt und ist darum vor allem für solche Leser bestimmt, welche bereits eine gewisse Kenntnis auf dem Gebiete der englischen Geschichte haben. Sehr wertvoll ist die reichliche Bibliographie am Schlüsse des Bandes. Das Büro „Eschkol4' der Enzyklopädie des Judentums teilt mit: Nach Abschluß der Vorarbeiten an der großangelegten alphabetischen Kartothek der Artikel ist nunmehr mit der eigentlichen redaktionellen Arbeit der Enzyklopädie begonnen worden. Zunächst wurde folgendes Rcdaktions-Kol« legium von 5 Mitgliedern eingesetzt: Dr. Jacob Klatzkin, Chefredakteur, Professor J. El bogen, Redakteur für alte Oeschichtc und Liihurgic, Dr. Simon Bern f cid, Redakteur für neuere Geschichte, Literatur und Bibclwisscnschaft, Professor Michael Guttmann, Redakteur für Talmud, Dr. M. Solowcitschik, Generalsekretär und Redakteur für Bibclwisscnschaft, Dr. J. M. S i m c h o n i, Redakteur für mittelalterliche Geschichte und hebräische Poesie. Allgemeine Leitung: Dr. N. Goldrnann und Dr. J. Klatzkin. Für verschiedene Abteilungen werden noch weitere Redakteure ernannt werden. Die Adresse des Büros lautet: Verlag Eschkol A.-G., Berlin W 62, Klciststr. 20.

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