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Jüdische Rundschau · 1925-07-31 · Heft 60 (31.7.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 60 (31.7.1925)
Date
1925-07-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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e Seite 514 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. fr pünilich der „Rettung" der Zionistischen Organisation. Wir vermissen hier auch nur einen einzigen konkreten und sachlichen Vorschlag, während die nichtoppositionellcn Gruppen sich abmühen» um Verbessernngsvorschlägc zu machen, um zu positiven Resultaten zu kommen. Die Opposition hat nur ein einziges Heilmittel, nämlich den Kampf gegen die Jewish Agcncy, und wir zwciicln, ob man mit dieser Parole die Zionistische Organisation wieder aufbauen kann. Am kläglichsten aber zeigt sich die Haltung der Opposition in der Frage der Führung. Wiederholt haben Führer der Opposition, wenn sie interpelliert wurden, die zynische Antwort gegeben, sie hätten nichts gegen Wcizmann als Führer, jedoch nur — wenn er das Programm der Opposition annehme. Was das bedeuten soll, ist nidit zu verstehen. Wenn man einen sachlichen Kampf führt, so muß man vor der Person des Gegners doch mindestens soviel Respekt haben, daß dieser Ocgncr mit seinem Programm steht und fällt. Wenn er fällt, dann muß ein anderer Führer kommen. Dies aber wagt man den jüdischen Massen nicht zu sagen. iVdr gelegentlich spielt man andeutungsweise mit der Person Nahum Sokolows und verschweigt dabei, daß Sokolow in den zentralen Fragen, nämlich was die Führung der Politik gegenüber der Mandatarmacht und das Problem der Jewish Agcncy betrifft, völlig mit Weizmann solidarisch ist. Gerade diese Punkte bilden aber das Sturtnprogramm der Opposition und es ist völlig grotesk, in den zum Teil ahnungslosen zionistischen Massen die Meinung zu erwecken, daß etwa Sokolow der Mann wäre, die Politik der Opposition, wenn sie siegreich ist, in die Tat umzusetzen. Sokolow hat bei vielen Gelegenheiten eindeutig diese Auffassung zerstört und sich voll und ganz mit der Weizmannschen Politik identifiziert. Diese Tatsache aber muß die Opposition ihren Wählern verschweigen, weil sonst klar würde, daß sie auf das Führcrproblcm keine Antwort hat. Wir sprechen ungern über Personen. Aber da in diesem Wahlkampf, offen und geheim, mit diesen Mitteln gearbeitet wird, so halten wir es für uns'crc Pflicht, klar auszusprechen, wie die Dinge lvcgen, damit sich niemand Illusionen hingibt. Die Probleme, die vor uns liegen, und die den Kongreß beschäftigen werden, sind viel zu schwer, als daß wir uns mit solchen Mitteln darüber hinweghelfen dürften, wie es die Opposition tut. Der Zio nistenkongreß ist das erste parlamentähnlichc Gebilde, das das jüdische Volk hat, und es ist eine Probe für die Reife des Volkes, ob die Wähler in dieses Parlament Menschen entsenden, die die harte Arbeit der Auseinandersetzung mit den Realitäten durchzuführen entschlossen sind, oder ob sie sich blenden lassen von der Dialektik des Versammlungssaalcs, die an harten Auf. gaben nur ihre Impotenz erweist. Die Ueberschreitug des Imralgratloasbudgtls Die zionistische Palästina-Exekutive hat an die Direktoren des amerikanischen Kercn Hajessod ein Telegramm gerichtet! in welchem sie ihren Dank für die Extra-Ucbcrweisung von 25000 $ im Juni zugunsten des überschrittenen Immigrationsbudgets ausspricht und gleichzeitig erklärt, daß die Einwanderung der Juden in diesem Monat in gleicher Höhe anhält, wie in den vorhergehenden. Nach Abzug der 25000 S, so berichtet die Exekutive, zeigen die Immigrationsausgaben immer noch eine Ucbcrschreitung des Bud< gets von 10000 £. Eine gleich starke Einwanderung steht für das Ende des Jahres zu erwarten, was weitere finanzielle Schwierigkeiten verursachen wird, und es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Kercn Hajessod auch fernerhin für diese unvorhergesehenen Ausgaben Sondcrvorschüssc geben wird. Der Vorläufer des Slclgcrprozesses Lemberg. (J.T.A.) Der Detektiv Dwornicki, als letzter Angeklagter vernommen, sagte aus,.auch die Protokolle über seine Einvernahme seien durch die Untersuchungsbehörde gefälscht worden. Der Untersuchungsrichter sagte ihm direkt, es komme hier nicht darauf nn, daß man die Wahrheit sagt. Als Dwornicki dennoch bei der Wahrheit blieb, hat ihn der Richter Lukomski bedroht; er habe das Gefühl gehabt, daß sein Leben in Ocfahr sei. Rutka sagte ihm, wenn er die Wahrheit sagt, und den jüdischen Advokaten Argumente gibt, so wird „unsere Sache zum Teufel gehen". Es wurde Dwornicki gedroht, daß man ihn in eine Mordsachc verwickeln werde, ►ic Aussagen Dwornickis, der 56 Fahre alt ist, und seit 26 Jahren den Dctektiv-Bcrtit ausübt, machten starken Eindruck. Die Aussagen der Zeugen Münz, Mund und Dcp. Sommersteiti belasteten ebenfalls sehr stark die Untersuchungsführung. L e m b c r g. (J. T. A.) Das Zeugenverhör im Prozeß gegen FCornhaber, Glaser mann und Jäger wird fortgesetzt. Der jüdische 'Deputierte Dr. Rosmarin, als Zeuge vernommen, sagte aus, die Nachricht, daß ein Jude als der mutmaßliche Attentäter gegen das Staatsoberhaupt verhaftet worden sei, habe auf die gesamte Judcnhcit Polens einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Er, der Zeuge, der aktiver Zionist ist, konnte es nicht glauben, daß ein Zionist einer solchen Tat fähig sein könnte. Als er sich bei dem Inspektor Lukomski erkundigt hatte, wie weit das Verfahren gegen Steiger gediehen sei, antwortete ihm derselbe, Steiger sei bereits nach einer Konfrontation mit dem Unterstaatssekretär Szcnicki der Tat überführt. Das war nun freilich aus der Luft gegriffen. Alle Juden Polens mußten sich sagen, daß die Angelegenheit Steiger die ganze jüdische Gemeinschaft angeht. Im Zusammenhang mit dem Prozeß besuchten die Verteidiger Dr. Grck und Dr. Landau den Studenten Stanislaw Steiger im Gefängnis. Steiger war sehr niedergeschlagen und sprach die Befürchtung aus, daß auch die mit ihm aufgenommenen Protokolle durch die Untersuchungsrichter Rutka und Piotrowski gefälscht worden seien. Er bat die Verteidiger, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß der Prozeß gegen ihn so schnell wie möglich durchgeführt werde; er sei gewiß, daß es ihm gelingen wird, seine vollkommene Unschuld nachzuweisen. Am 27. Juli wurde der Polizeiinspektor P i a t k i c w i c z einvernommen, der aussagte, nach seiner Ucbcrzcugung konnte das Attentat auf den Republikpräsidenten Wojcicchowski nur von zwei Seiten ausgeführt werden: von ukrainischen Nationalisten oder von Kommunisten; die luden hatten keinerlei Interesse an einem solchen Attentat. Piatkicwicz berichtet weiter, die Untersuchungsrichter hätten ihm suggestive Fragen gestellt und ihn auf Aussagen gegen die Juden festlagen wollen. Als er dies nicht mitmachen wollte, wurde er so behandelt, als wäre er Angeklagter und nicht Zeuge. Als die Verteidiger eine Reihe Fragen an Piatkicwicz stellten und der Gcrichtsvorsitzendc deren Beatwortung verbot, kam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen Oerichtsvorsitzenden und Verteidigern. Dienstag, den 28. Juli, wurde in Lemberg der Agent der Warschauer politischen Polizei, Josef Cechnowskl, von dem 20jährigen jüdischen Arbeiter Josef Bottwin durch drei Revolvcrschüssc getötet. Der Täter behauptet, einen Auftrag der Warschauer Kommunlstenzcntrale ausgeführt zu haben. Cechnowski hatte drei Tage vor seinem Tode im Prozeß gegen Jäger und Genossen entlastend für Stelger und belastend für die Kommunisten ausgesagt. Die polnisch -jttäische VerstSodirjasg London. (J. T. A.) In der Sitzung des Board of Dcputics vom 26. Juli erstattete Mr. Lucicn Wolf Bericht über die Lage in Polen. Er erwähnte die verschiedenen Gcsctzcsanträgc und Verordnungen, die eine Folge des abgeschlossenen Abkommens zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung sind. Er teilte mit, daß weitere wirtschaftliche und politische Konzessionen' in Vorbereitung seien. Insbesondere werden die wirtschaftlichen Konzessionen nachhaltig sein. Ein Zirkular betreffend die Annullierung der Numerus clausus-Vorschriften sei bereits erlassen worden. Die Darstellung der extremen Zeitungen sei übertrieben, es habe in Polen wirklich eine Acra des Vertrauens und der politischen Zusammenarbeit begonnen. Der Erwerb der linle-Konzession j Die „Wiener M o r gen z c i t u n g" veröffentlich! sensationeller Aufmachung eine besondere Nachricht vor,'/ Erwerb eines Terrains von 45 000 Dunam nördlich vom 1 romsee durch den Jüdischen Nationalfondä. Das gekauft biet, heißt es dort, gehört zu den Kcgicrungsländcrtiec, - Herbert Samuel den Arabern übergeben hatte. Von den :.. Besitzern,, die mit dem Lande nichts anzufangen wußten, ■ es der Jüdische Nationalfonds um den Preis von 90 d . gekauft. '!:; Nach unsern Informationen ist diese Meldung unrie'r- Es handelt sich keineswegs um einen Bodenkauf, sondern x den Erwerb einer Konzcssion zur Austrockne; von Sümpfen in der Hule-Ebenc, die sich ber " vor dem Kriege in der Hand von syrischen Arabern b»h\ ■ Daß diese Konzcssion von der Jewish Agency übernorn:;y werden soll, war hercits seit längerer Zeit bekannt, wir kb\''_ es jedoch ab, solche vertrauliche Nachrichten zu vcriiflcntlii!; j bevor die Exekutive es für richtig hält, eine offizielle teilung zu machen, aus der der wahre Tatbestand her,-! geht. Durch Indiskretionen gelangen solche Nachrichten iir.~. nur in entstellter Form ans Licht und stiften nicht ■ bedauerlichen Schaden. 2819 Pil3s!lna-EiRwandf.rer Im Mai J c r u s a 1 c m, 22. 7. 25. (P. C.) Laut amtlicher Meldbetrug die Zahl der Einwanderer im Mai 2819. Darup; waren 1437 von Kategorie B (bemittelte Personen), 729 •, Kategorie E und E2 (Personen mit bestimmter Ausv auf Arbeit, unter Garantie der Palästina-Exekutive, s; ihren Frauen, Kindern und sonstigen Begleitpersonen), kamen alsp doppelt soviel bemittelte Immigranten ins L: wie andere. Der Rest besteht hauptsächlich aus so!:'; Personen, die von in Palästina ansässigen Angehörigen hängig sind. — Die gesamte Auswanderung in gleichen Zeit betrug 250, davon 49 Juden; 39 Juden kch; m ihre alten Heimatländer zurück. 3000 ncse Zertiliknfr Jerusalem, 22. 7. 25. (P.C.) Der befriedigende ${;■{ t des Arbeitsmarktes für jüdische Arbeiter hat die Regier;;-] i in den Stand gesetzt, dem Ersuchen der Palästinenser; I < Exekutive entsprechend die Ausgabe von 3000 Zertifikat , für Rechnung des sechsmonatigen Arbeitsplanes, der (ür i{ Zeit März—Oktober bewilligt war, zu genehmigen. Es wurc'l 2500 Zertifikate für Männer und 500 für Frauen ausgeste'l Laut tclegraphischer Nachricht aus Warschau sind die U; Polen zugeteilten Zertifikate ausgenutzt, und weitere vc! gemerkte 1000 Emigranten erwarten neue Erlaubnisse. iv, sonders günstig ist der Arbeitsmarkt in Tcl-Awiw, dank i\\ Bautätigkeit, welche sowohl gelernte wie ungelernte Arbeit-! braucht 1000 Mann sind allem als Zimmcrlcutc in Tcl-Awv beschäftigt; von diesen gehören 600 der Vereinigung c! Zimmcrlcutc an, die ihre Mitgliederzahl in den letzte; 6 Monaten verdoppelt hat. i 1 300000 Dollar lör die Universität J e r u s a 1 e m, 22. 7. 25. (P. C.) Dr. M a g n c s teilte h seiner Rückkehr nach lerusalcm mit, daß als ein Anfang r; Aufbringung des 5 Millioncn-Dollar-Fonds für die Hebrü?-.i Universität insgesamt mehr als 1 270000 Dollar von eint: Anzahl prominenter Persönlichkeiten der amerikanischen Jurir heit zugesagt worden sind. Zu dieser Summe kommt noch tir Reihe jährlicher Zuwendungen in Höhe von 14 500 Do!'.- und andere Spenden, die noch nicht veröffentlicht wer<!t: können. Die Zionistische Organisation Amerikas hat es si: zum Ziel gesetzt, von dem 5 Millioncn-Dollar-Fonds ci: Million aufzubringen. Die Jernsalemer LehrerbildongssKstiU j Paris. (1. T. A.) Julius R o s c n w a 1 d , der gegenwärt;; in Paris weilt, teilte von hier aus Herrn David Ycllt: mit, daß er seine 50000 Dollar-Spende für den Bau ein*' Hauses für die Lehrerbildungsanstalt in Jerusalem aut 750"'. Dollar erhöht hat. Mr. Roscnwald stellt aber die Bcdin-ur:' daß die zur Vollendung des Baues noch notwendigen weitere: 75000 Dollar von anderer Seite aufgebracht werden. -• Das amerikanische Komitee für das Lchrcrinstitut hat es üL;: nommen, dlcseSummcaufzubringcn. f Eicho und „Welt" (Eine Tischoh b'ab Erinnerung.) Es war im Jahre 5664. Am 20. Thammus jenes unseligen Jahres verschied in Edlach bei Wieu Theodor Herzl. Die Kunde von seinem Tode erregte in allen jüdischen Siedlungen Osteuropas namenlosen Schmerz und tiefste Trauer. In Bethäusern und Klausen wurden Traucrandachtcn veranstaltet. Zahllose Menschen sagten Kaddisch, als ob es sich um einen nächsten Blutsverwandten handeln würde. Einfache Leute aus dem Volke, die weder der zionistischen Partei angehörten, noch eine genaue Vorstellung von den Plänen und den Leistungen des verstorbenen Führers hatten, empfanden instinküv, daß dem jüdischen Volke ein ungeheures Unglück zugestoßen sei. Die gebildeten, lesekundigen Kreise verschlangen mit glühendem Interesse die Berichte über die Krankheit und die Bcgräbnisfcicrlichkcitcn des verstorbenen Volksführers. Fast in jedem Städtchen gaben die zionistischen Ortsgruppen und Einzelpersonen Flugblätter heraus, in denen in rührender Weise Theodor Herzl Nachrufe gewidmet waren. Traucrlieder und Trauermelodicn wurden über Nacht geboren und fanden weiteste Verbreitung. Die Jugend 6tccktc Trauerschleifen an und die Schüler trugen schwarze Armbinden. In den neun Tagen vom 1. bis zum 9. Ab, seit jeher Trauertage in der jüdischen Oasse, an denen man sich vom Fleischgcnuß fernhält, nahmen die Formen der Trauer einen Umfang an, der sich auf alle Kreise der Juden in Osteuropa erstreckte. Einzelne fanatische Chassidim und Orthodoxe, die es gewagt halten, irgend etwas gegen den toten Theodor Herzl zu sagen, verfielen der allgemeinen Verachtung und in zahlreichen Fällen wurden sie von den leidenschaftlich erregten Massen empfindlich gezüchtigt. Sogar die Wunderrabbiner und die Chassidim, die bei Herzls Lebzeiten den „neuen Messias" verspottet hatten, enthielten sich jeder unfreundlichen Kundgebung und nahmen an den Trauerfeierlichkeiten AntciL Es kam in ungezählten Orten vor, daß in den Klausen der fanatischsten Chassidim Gebete für den toten Führer gesprochen wurden. .Gleicherweise verhielten sich auch die wenigen Vertreter der assimilatorischen Richtung im Judentum. Die allgemeine jüdische Trauer fand auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung Beachtung. Die russischen und ukrainischen Bauern erzählten einander, der jüdische König sei gestorben, und deswegen seien die Juden traurig. Die Volkslcgendc bemächtigte sich des toten Herzl und auf den Märkten wurden „Maasscbüchlein" verkauft, In denen geschildert wurde, wie Theodor Herzl mit allen Königen der Erde Unterredungen pflegte, um das Los der Juden zu bessern. Am Vorabend des Tischoh b'ab, an dem sich die Juden unbeschuht in den Bcthäuscrn zu versammeln pflegen, um die Klagelieder wegen der Zerstörung des Hciligtumes zu singen, mischte sich in den ewigen Schmerz um das untergegangene Heiligtum das frische Weh um den Verlust des Volks führers. Um jene Zeit erschien neben der in deutscher Sprache in der ganzen Welt verbreiteten „Welt" eine jiddische Ausgabe dieser Zeitung, an der die namhaftesten hebräischen und jiddischen Schriftsteller mitarbeiteten. Die jiddische „Welt" fand in jenen Wochen in Osteuropa ungeheuren Absatz. In Czortkow, dem Sitze des bekanntesten Wundcrrabbls aus der Dynastie Israel des Ryzincrs erlebte ich in dem großen Bcth Hamidrasch folgende Szene. Sowohl in der Männerwie auch in der Frauenabteilung las man nach der Eicho die Artikel aus der jiddischen „Welt" vor. Mlinncr und Frauen schluchzten hcrzzcrbrcchcnd und bia spät über Mitternacht hinaus lauschten alle mit fiebernden Augen den Nachrufen, die von den Vorlesern so zum Vortrag gebracht wurden, als ob es sich uro altchrwürdigc Oebetc gehandelt hätte. ... Wohl niemals während unserer zweitauscndjährlgen Diaspora ist je um einen Großen unseres Volkes eine derartige Trautrklage erhoben worden. M.W. * Eine Geschichte der Chlbath Zlon Anfangs 1914 beschloß das Odessacr Komitee für die Besiedlung Palästinas zum 25jährigen Jubiläum seines Bestandes eine Geschichte des Komitees in der Form einer Veröffentlichung aus seinen Archiven herauszugeben. Die Veröffentlichung wurde A, Drujanow anvertraut und der erste Band, der die Ocschichte der Jahre 1881—1886 umfaßte, erschien 1919 in Odessa. Nur wenige Exemplare di^r! Bandes sind über die russische Grenze gelangt. Der Hera ' geber des Archivs übersiedelte unterdessen nach Palast;:.; Das Archiv der Chowcwe Zion, soweit es nach Palast;: _ gerettet wurde, befindet sich in der Nationalbibliothck. SV; mehr veröffentlicht Drujanow den zweiten Band, der | engem Druck auf 799 Seiten die Archivalicn aus den jahrc-'i 1887 bis 1SS9 veröffentlicht. („Ktawim lctoldot chibat Zinn" > Ein sehr gut verfaßtes Register, geordnet nach Korrcspc" i denten und nach Schlagworten, erleichtert die Benützung b\ Bandes, der durch die Erzählung der Ereignisse und duri' ein reiches, in den Briefen verstreutes Material eine ungerrc:| wichtige Fundgrube für die Geschichte der zionistischen E;! wegung darstellt. (Zu bedauern ist nur, daß die deutsche und französischen Briefe mit außerordentlich vielen Dritc»; fehlem veröffentlicht werden.) j Die Art der Kolonisierung von damals erinnert au viele? J das uns leider auch heute bekannt ist. Es wird koloniri-j unter Zugrundelegung eines Budgets, das nicht da ist, son«if»j erst zusammengebettelt werden muß. Immer wieder ersehe';." aber dann, wenn Gefahr im Verzuge ist, als ein dcu$ clt machina Baron Rothschild und hilft aus der Klemme. £> Chowcwe Zion beschränkten sich in den drei Jahren, üb; welche der Band handelt, vor allem auf die Kolonie Gcdcr allerdings nicht ohne dabei auf heftigsten Widerstand cin^ Teiles ihrer Mitglieder zu stoßen, weil die Kolonisten vc: Gcdcra Junggesellen waren und im Verdachte mangclr.i Frömmigkeit standen. Ihnen gegenüber wird d3S orthodox von Familien bewohnte Pctach Tikwah ausgespielt Der Bare hat zunächst keine nationalen Absichten gehabt Er well:« die Juden, vor allem die des Orients, dem Ackerbau zuführe: und behandelte sie durchaus als von ihm Abhängige. ß: Kolonisten hatten kein Recht, Mieter oder Gäste in ihres Häusern zu. beherbergen, die Besitz des Rirons seien. & sei Recht des Barons — erklären seine Vertreter — zu bf stimmen, wem er seine Wohltaten zukommen lassen will. LK: Baron hat das Recht der Ausweisung und macht davon au:- unter Heranziehung weltlicher christlicher Behörden Ocbrautf (Die Briefe des Barons sind in deutscher Sprache mit hebr£ sehen Heftern geschrieben.)

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