Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1925)
- Date
- 1925-07-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 466. JUEDISCHE RUNDSCHAU jE.M.iUienj In Badcnweiler ist am Freitag, den 17. Juli, unser Gesinnungsgenosse,; der bekannte Maler und Radierer E. M. Lilien, gestorben. E. M. Lilien stammte aus Drohobycz, » besuchte die Kunstschule in Krakau, -wurde in den neunziger Jahren Mitarbeiter der Münchener „Jugend", und entwickelte dann . eine bahnbrechende Tätigkeit als Illustrator von Werken jüdischen Inhalts. Lilicns Tod reist eine empfindliche Lücke in den Kreis der verdienten jüdischen Künstler. . Die gesamte deutsche Presse würdigte- Lilien anläßlich »eines Todes in anerkennenden Artikeln. Wir behalten uns vor, Lilicns Bedeutung als Künstler und Jude vor berufener Seite zu würdigen. Gesetzgeber Bluter und Frick Wie aus Weimar telegrafiert wird, hat die Traktion der . Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei im Thüringischen Landtag, die aus drei Männern besteht und deren Vorsitzender Arthur Dintcr ist, in der Sitzung am 16. Juli sechs Anträge eingebracht, die die Entrechtung der Juden zum Inhalt haben. Den Juden soll in Thüringen der Vieh- und Octrcidchandrl verboten, die seit dem Jahre 10M in Thüringen eingewanderten Ostjuden sollen ausgewiesen werden, deren Vermögen ist zu beschlagnahmen, da es sich nach Dintcrs Ansicht um „ergaunertes Volksvcrmcigcn" handelt. Die Landesuniversität Jena ist für die Juden zu sperren, den Kindern jüdischer Eltern ist dcT Besuch der thüringischen öffentlichen Schulen zu verbieten, „da sie durch die Anschauungen, Sittcnbfgriffc und sonstigen Eigentümlichkeiten ihrer Rasse, sowie durch ihre frühreife die deutsche lugend seelisch, geistig, sittlich und [gesundheitlich schädigen; an den thüringischen öffentlichen Schulen und an der Landesuniversität Icna dürfen Juden als Lehrer nicht angestellt werden. Als Jude im Sinne der Dintcrschcn Forderungen ist jeder anzusehen, der in der väterlichen oder großväterlichen Generation noch Blutsverwandte hatte, die sich zum mosaischen Glauben bekannten, einerlei, ob er«heute getauft ist oder nicht. — Man ist in Thüringen gespannt auf die Antwort der dortigen Rcchtsregicrung, euc sich sonst eifrig um die Gunst Dintcrs bemüht, da seine Dreimännerfraktion für das Schicksal der Regierung ausschlaggebend sein kann. — Wir pflegen sonst der Berichterstattung über nationalsozialistische Reden Und Anträge nicht viel Raum zu gewähren. Diesmal machen wir eine Ausnahme, weil Dintcrs Anträge ein Beweis dafür sind, daß Hindenbuurg für die Völkischen aufgehört hat, Ideal und beispielgebend zu sein, nachdem er als Reichspräsident neben den Vertretern der anderen religiösen Gemeinschaften auch luden empfangen hattcv Die Hoitnung liberaler Kreise, daß Hindenburgs Einfluß auf scjnc am weitesten rechts stehende . Gefolgschaft dafür beitragen wird, den Radauantisemitismus zu zahmen, ist — Dintcrs famose Anträge beweisen das — trügerisch.« * Berlin. (J. T.A.) In der Abendsitzung des Reichstags vom Freitag, den 17. Juli, wurde die Debatte über Abänderung der Pcrsonalabbauverorctnung fortgeführt. Dabei unternahm der völkische Abgeordnete Dr. Frick, der Obcramtmann des Münchener Polizeipräsidiums, einen Vorstoß gegen das republikanische Beamtentum, insbesondere gegen die Beamten jüdischer Abstammung und Religion. Er nannte 'diese Beamten „Kreaturen Severin gs". Er wurde vom Präsidenten zur Ordnung gerufen und erhielt dann auch eine Rüge. Er sprach dann von „Angehörigen der jüdischen Rasse, die sich in allen Zentralstellen eingenistet-haben" und führte aus: „Wir kennen diese Leute aus der Münchener Rätczeit mit Kurt Eisner und Lewin aus Moskau. Alles waren Juden. Die Mißwirtschaft in den Kriegsgescllschaften und letzt in den Deutschen Werken ist hauptsächlich auf jüdische Drahtzieher zurückzuführen." Dr. Frick stellte im Namen der völkischen Fraktion den Antrag auf Abbau aller Juden und anderer Beamten, ' die aus parteipolitischen Gründen in ihre Stellung gelangt seien. Der Antrag wurde abgelehnt. Im Vcrlaui der Debatte helleißißteu sich die völkischen Abgeordneten fortwährender antisemitischer Zwischenrufe wie „gehen Sie nach Palästina" usw. Nach Ablehnung des völkischen Antrags rief Abg. v. Gracfe: „Sieg des Terrors des jüdischen Hcimkriegcrbundes." * Berlin. (J. T. A.) Die gesamte demokratische Presse Deutschlands fordert die Vcrot.cntLchung des Protokolls über den in Mecklenburg geheim durch geführten Fcmc-MordprozeO, der bekanntlich mit der Verurteilung von vier Völkischen zum Tode wegen Fememords und anderer zu Gefängnisstrafen geendet hat. Es wird darauf hingewiesen, daß durch die Gchcimverhandlung vor Gericht die Öffentlichkeit in Unkenntnis bleibt über gefährliche Umtriebe, gegen die sie sielt schützen muß. Die sozialdemokratische Reichstagsfwktion hat eine Interpellation'au den Reichskanzler eingereicht, in welcher der Herr Reichskanzler aufgefordert wird, dem Reichstag den dem Urteil zugrunde liegenden Tatbestand bekannt zu geben. .... 9as »berliner Tageblatt" vom 18. Juli bringt ein ausführliches Telegramm ihres Korrespondenten in Wismar, der einiges Licht in die Angelegenheit bringt. Es heißt u. a.: Die Vorgänge im Herbst 1023 waren Gegenstand eingehenm ^rörtcru"£ in der zehntägigen Verhandlung hinter verschlossenen Türen vor.den Schweriner Gcschworcnncn... Es sind bis ins kleinste organisierte Formationen, sogenannte uArbeitcrknlonueu", jm hiesigen Volksmund als „,schwarzc ,KcK.^swcnr" bzw. „Roßbacher", geschaffen worden', die hier in Mecklenburg auf das „Signal zum Losschlagen" warten sollten im Programm stand: „Unter Losschlagen ist zu verstehen: Entfesselung des Bürgerkrieges, Ausplünderung der Kaufmannsläden, Nicdermctzclung der Juden usw." * * Leipzig. (J.T.A.) Adolf Hitjer hat nach dem Zusammenbruch seiner Pläne in Bayern das Feld seiner Tätig- *fit nach Sachsen verlegt. In den letzten Tagen sprach er in Versammlungen der Nationalsozialisten in Zwickau, » lauen und in anderen Städten. . .."»<• erste Frucht dieser Werbetätigkeit Hitlers in Sachsen st die Schändung des jüdischen Friedhofs inPlauen-Taii- ' enn^f. Die »cucrrichtcte Leichenhalle auf diesem Friedhof rl"}n ländlicher-Welse besudelt, sämtliche Wände des ^eoaudes, ebenso Türen, Fenster usw. mit beschimpfenden Jnschnfter/, die auf völkische Kreise als die Täter ganz bc- Eni h'nwci«n, bemalt. Die.Täter konnten noch nicht se- J*ßt werden. Bestrahrog eines tnlUeralilschci Generals eA**Lnnd?n" (J-T.A.) Brigadier-General .Cyrill Presv*ri j Clc»'Präsident der „Loyalitätsliga", wurde wegen veneumdung der jüdischen Firma Messers, Joseph Lyons and v?;,,7u!uh r? Pivislonsobcrgcricht zu $00 Pfund Geldstrafe verurteilt. Inkriminiert war eine Rede des Generals am iW'^Uffuft J?W btl Gtrtcnmectingr des Loyalitäteklubs, m üexea Verliuf der antisemitische General die jüdische firma beschuldigte, sie hätte bei ihrem gewaltigen Teeimport große Zoll- und Steuerhinterziehungen begangen. Dabei bemerkte er, daß die englischen Gerichtshöfe voller Juden sind, so daß ni3H bei diesen jüdisch beeinflußten Institutionen nie Gerechtigkeit finden könne. Der General schloß mit der Devise der Loyalitä'tsliga: „Britannien den Briten!" — Vor Gericht verantwortete sich der General dahin, er wollte „seinem treuen britischen Auditorium" kl.ir machen, welch eine große Gefahr der deutsche und der jüdische Einfluß für das englische öffentliche Leben bilden". — Das Gericht nahm Verleumdung als erwiesen an und kam zu dem vorstehenden Urteil. — Ob auch anderwärts, z. B. in Polen, ein Brigadicr*GcncraI wegen antisemitischer Verleumdungen eine so empfindliche Strafe bekommen würde? Die jüdisch-polnische VersliBÖignag Warschau. (J.T.A.) In einer am 15. Juli abends abgehaltenen Sitzung bestätigte der polnische Ministerrat die von der Minderluitssektion des politischen Komitees der Regierung vorgeschlagenen 12 Maßnahmen, die einen Teil des Inhalts des Abkommens zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung bilden. (Siehe vorige Nummer d. „Jüd. Rundschau".) Per Kampf gegen das jüdische Handwerk la Polen "Warschau (J.T.A.) Die soeben In Warschau sfabgefundene Konferenz des allpolntschcn christlichen Handwerkerverbandes nahm eine Resolution an, daß sich die Handwerker zwecks Stärkung des christlichen Handwerk« zu einer „allpol nischen christlichen Handwerkerorganisation" zusammenzuschließen haben. Ferner wurde beschlossen, Schritte beim Seim und Senat zu unternehmen, damit das Gesetzprojekt über das Handwerk bald durchgeführt werde. Dieses Gesetzprojekt hat bekanntlich einen ausgesprochenen anti jüdischen Charakter und geht darauf aus, den jüdischen Handwerkern Diplome zu verweigern. Ein Vorläufer des Slelrjerprozesse* Lemberg. (J.T.A.) Während der Verhandlung am 15. Juli ergänzte Mikictin seine Erklärungen am Tage vorher durch Mitteilungen, die auf das Gericht, wie auf die Zuhörer, einen tiefen Eindruck machten. Er erzähKc, welchen Drangsalierungcn er seitens des Untersuchungsrichters R u t k a ausgesetzt gewesen war. Rutka sagte ihm, er könne sich selbst — wenn er nur die Juden mitbclastct — so vieler Verbrechen zeihen, als er wolle; ihm werde nichts geschehen, kein polnisches Gericht werde ihn verurteilen, Beide Untersuchungsrichter waren sehr freundlich zu ihm, sobald er die Juden belastete; sobald er sich zurückzuhalten begann, wurde er schweren Drangsalierungcn ausgesetzt. Um ihn gegen die Juden aufzuheizen, wurde ihm erzählt, die Juden hatten geheime Vorbereitungen getroffen, um ihn, Mikictin, zu ermorden. Sensationell wirkte die Aussage Mikictins, daß ihm in seiner Zelle am Tage vorher alle seine Notizen, die er sich für die Aussage vor Gericht gemacht hatte, gestohlen worden seien. Der Verteidiger Mikictins, Dr. Gluszkiewicz, forderte kategorisch, daß man Mikictin die Notizen zurückgebe. Der Gcrichtsvorsitzende, F ranke, unterbrach die Sitzung und entfernte sich aus dem Saal. Nach kurzer Zeit erschien er wieder mit hochrotem Kopf und übergab Mikictin ciuen Stoß Papiere, mit der Bemerkung,., er solle nachsehen, ob ihm nichts fehle. C'ie Jüdische Answanderang London. (J.T.A.) Am 5. Juli tngte die Anglo Jewish Association. Der Vorsitzende teilte eingangs mit, daß der Vertrag mit dem jüdischen Deputiertenrat (Jewish Board of Deputics) betreffend die Bildung eines gemeinsamen Joint Foreign Committec (Komitee für auswärtige jüdische Angelegenheiten) für drei Jahre erneuert worden ist. Hierauf unterbreitete Mr. d'Avir<dor Goldsmid den Bericht der Jewi«,li Colonivitjon (Jc/j in Paris, aus welchem u. a. hervorgeht, daß in den ersten sechs Monaten 1923 nur 20000 Juden aus Europa in Uebersecländer ausgewandert sind. Diese Ziffer steht s ogar hinter der des Vorjahres zurü c!<. Die Verminderung ist auf das Johnson-Gesetz zurückzuführen, auf Grund dessen die Einwanderung von Osijudru in die Vereinigten Staaten jahrlich die Ziffer von 3500 erreicht, statt jährlich 10 000 vor Geltung dieses Gesetzes. In Argentinien wanderten in diesem Jahre monatlich etwa 600 Juden ein. Herr Raffalowitsch verhandelte mit der brasilianischen Regierung wegen Erteilung spezieller Einreiseerlaubnisse für Qruppen, wie sie der Jca seitens der argentinischen Regierung gewährt worden waren. Die Verhandlungen hatten Erfolg, die Regierung in Rio de Janeiro instruierte ihre Konsuln in Europa, die von der Jca empfohlenen Pässe zu vidieren. Die Frage der infolge des Johnson-Gesetzes in den Häfen sitzengebliebenen Emigranten, deren Lage eine verzweifelte ist, konnte noch nicht gelöst werden. Verhandlungen mit amerikanischen Slellcn sind eingeleitet, Näheres werde man nach Eintreffen der Delegierten des Emergcncy-Commitees aus New York zur Beratung in Paris erfahren. Demnächst werden 30 Hafenemigranten aus Eastlcigh nach den Jca« Kolonien abreisen. Der Bericht der Jca über die Rußland-Arbeit stellt fest, daß dort eine große Entwicklung vor «ich geht. Die Jca hat auf dem Gebiete der jüdischen Siedlungen in den Provinzen Odessa, Jckaterinoslaw und Donetz, wo 40, lange vor dem Kriege gegründete jüdische Kolonien bestehen, eine große Hilfstätigkeit entfaltet. Die Ernte 1924 war ungenügend, mau müßte den Kolonisten Saat für die diesjährige Ernte liefern. Glücklicherweise scheint die Ernte dieses Jahr zufriedenstellend zu werden. Der Ica-Vcrtreter in Mcfskau, Mr. Sack, besuchte kürzlich die Kolonien und stellte fest, daß sich dank der Unterstützung ihre Lage verbessert hat. Der Viehbestand winde vermehrt, au landwirtschaftlichen Geräten ist kein Mangel. Im Jahre 1024 siedelten sich 500 Familien auf dem Boden der alten Kolonien neu an. Das Meiischenmateria! Ist plryslsch und moralisch gut. ¥ Czcrnowitz. (J.T.A.) Die hier weilenden Herren Andre* Snire, Delegierter der französischen Regierung, und Kaminka von der Jüdischen Welthilfskonfercnz sprachen sich Pressevertretern gegenüber in folgender Weise über ihre Mission aus: Wir sind sowohl Im Namen der französischen Regierung wie auch im Namen der Jüdischen Wclthilfskonferenz nach Rumänien gekommen, um eine Einwanderung von Juden in Frankreich in die Wege zu leiten. Vor allem v den Landarbeifer, Schlosser, Tischler, Zimmerleutc, Sattler, Wagner, Bauarbeiter und ähnliche Arbeiter für Südfrankreich gesucht, und zwar vornehmlich für die Ocgcnd um Toulouse und Peri£ucu& Die jüdischen Einwanderer sollen auf die einzelnen Dörfer je nach Ortsbedarf verteilt werden. In zweiter Linie geht die französische Regierung von der Erwägung aus, daß die Juden eine sehe ctaatstreue und loyale Bevölkerung bilden, und will diese jüdischen Immigranten als Vcrrr,^' der eigenen Bevölkerung betrachten. Die französische' gierung wird — dies wird besonders hervorgehoben diesen Einwanderern nach Erfüllung der gesetzlichen Fr,-- täten die französische Staatsbürgerschaft gewähren. jüdischen Emigrationskomitecs in Rumänien werden eirc; zialkommission einsetzen, die sich mit der Regelung df; Wanderung-nach Frankreich befassen wird. Die rumüt~ Regierung hat erklärt, daß sie hierbei alle Ericich t er/ für die Ausreise gewähren wird. Für die Auswanderung; men in erster Reihe die jüdischen Flüchtlinge in B,-..' dann solche, deren Staatsbürgcrscha't in Zweifel gc/n- - und schließlich auch rumänische St.i.it.sbürgcr. Die frischen Konsulate haben bereits den Auftrag erhalten, die L dieser Snczialkommissionen für die Visa-Erteilung zu bicren. Prinzipiell muß jeder Einwanderer auf eigene Kr fahren. Es i?t aber auch daran gedacht, im Wege der jucl;- Volksbank in Paris im Notfälle einen Kredit hierfür f räumen. Jeder Einwanderer kommt auf einen im vnrl,' genau bestimmten Posten. Mehrere französische St.idiit haben bereits um die Entsendung jüdischer Arbeiter er?.' Vorläufig ist geplant, eine begrenzte Anzahl Juden -t Frankreich zu bringen, um zu sehen, ob der Versuch rj'r Die Jüdische Wclthilfskonfcrenz wird diesen ersten Ei::, derern durch Bestellung von Sprachlehrern und Brr;' die Akklimatisierung erleichtern. Die rumänischen Bchr/ zeigen das größte Entgegenkommen. 1 Nene Iramlgrallonsbescfcräakong ii dea Vereinigtes Sl:j'; Washington. (J.T.A.) Albert J o h n s on , der Vt sitzende des Einwandcrungskomitecs des Rcpräsentantenta.| und Autor des Einwanderungscinschränkungsgesctzcs, hau neues Einwanderungsgesetz ausgearbeitet, welches er nächsten Session des Kongresses unterbreiten wird. V nimmt an, daß der neue Entwurf größere Beschrankur-;' für Immigranten außer der Quote vorsieht. t Die Jüdischen Gerichtshöfe in Sowjelrnßland Riga. (J.T.A.) Wie aus Moskau gemeldet wird, ist/ Frage, welche Gerichtsfällc vor die jüdischen Gerichte £d'/ in der folgenden Weise gelöst worden: Alle Zivilrecht^, wo die beiden beteiligten Parteien Juden sind, gehören vnr jüdischen Gerichtshof. Kriminelle Angelegenheiten, in dr dir. Beschuldigten Juden sind, gehören ebenfalls 'vor d.is •. sehe Gericht, auch wenn die Geschädigten Nichtjudcn oder Staatsanstalten sind. Dieser Tage erscheint der Land-Kc: in jüdischer Sprache, vom Justizkommissariat der Ukraine: ausgegeben. : Riga. (J.T.A.) D.is ukrainische landwirtschaftliche Kmissariat hat eine Verordnung herausgegeben, wonach uci: 10 000 Dcsjatin Boden für die jüdische Bevölkerung des Ray Odessa und 8000 Dcsjatin Boden für die neuen jüdw: Siedler des Gouvernements Jckaterinoslaw bereit: stellt werden sollen. Presseschau In der ,,Vossischen Zeitung" veröffentlichte Woli;: Wcisl einen Bericht über seinen Besuch bei König IU sein in Akaba, vor dessen Ucbcrsiedlung nach Zypc Bei dieser Gelegenheit konnte Wcisl Einblick in den v umstrittenen Brief Artur Mac Mahons an den König v. August 1015 nehmen. Es ist 'bekannt, daß sich um dir' Brief ein ganzer Legendenkreis gebildet Int und daß er v fach als ein Vertrag angesehen wurde, dessen Inhalt in oifer.' Widerspruch zur walfour-Dcklaration stehen sollte. Es . deshalb erfreulich, daß Dr. Wcisl die wortgetreue Uebersctrudieses Dokuments gibt. Der Brief lautet: „Seiner Majestät, dem hohen Herrn, dem Nachkomr' des Propheten, dem Schcrifcn, der Krone seines Stammes, c1 blühenden Zweig am Baume des Isiams, dem hoehhern; Herrn und Sohn des Herrn, dem Schcrifcn und Sohn c Scherifen, dem großen Gebieter Schcrif Hussein, dem \\r der Menschen, dem Emir von Mekka, der Stadt, wo die <V bigeu das Grab seines Ahnherrn "besuchen, betend, sein Se:* möge auf uns kommen. Indem wir Eurer Majestät unsere besten Komplimente uv mittcln, beehren wir uns, Ihnen unseren Dank für Ihre reigung, Loyalität und Hochherzigkeit auszusprechen, die; bisher der britischen Regierung gegenüber r;r'ei>t h.ihrn. v sind glücklich zu erfahren, daß Eure Majestät und l1, Untergebenen einmütig sind. Was den Arabern nützt, trauen uns, und umgekehrt. Wir haben Eurer Majestät mitzuteilen, d.iß wir die F-1 Schaft Lord Kitchcncrs, die Ihnen durch Ali Efcndi überbu" wurde und welche unsere Wünsche für die Freiheit der r bischen Insel ausdrückt, bestätigen. Wir sind außerdem brr Eure Maiestät als Kalifen der Araber anzuerkennen. \i übermitteln neuerlich die Grüße Seiner Majestät des Kn;:: von Großbritannien, der Eure Majestät da/u beglückwuns:'' daß Sic die Würde eines Kalifen, die Ihre Vorfahren saßen, wieder erlangen werden. Wir bind derzeit außerstande, Verträge über die grenzung der arabischen Länder zu machen, da der grö. Teil derselben von den Türken besetzt ist. Wir hedr^" auch, feststellen zu müssen, daß ein Teil der Bedi;:: dieser Gebiete nicht die Gelegenheit ergriffen hat, sich : unsere Seite zu stellen, sondern weiter die Deutschen Türken unterstützt, welche Städte des Landes besetzen \r Hab und Gut der Einwohner mit Gewalt nehmen. Wir sind bereit, Eurer Majestät das Getreide und dt Geld zu schicken, welches früVr die ägyptische Regier;-! als Geschenk gesandt hat. Wir haben ferner alles zC?- um dem Repräsentanten Eurer Majestät die Reise zu zu erleichtern. Eure Maiestät wolle zur freundlichen Kcntr* nehmen, daß wir aus ganzem Herzen mit ihr übereinstimrr.:- Wir senden Eurer Majestät unsere besten Empfehlungen u> Orüße. Ergebenst (gez.:) Artur Mac Mahnn. 10. Schauwan 1333 — 31. August 101S." Wie man sieht, ist dieser Brief absolut kein Vertf'1 und enthält nichts, was als ' eine verbindliche Abmachu', ausgelegt werden könnte. *' Unser Gesinnungsgenosse. Herr Referendar Hj< K*tsenke ersucht uns um Abdruck nachstehenden Brief"- den er *n die C. V. Zeitung geschickt hat: Charlottcnburg, den IS. Juli 1025/ Knesebcckstr. 75. An den Herrn Direktor des Ccntralvercins Diutschcr Staa1» bürger Jüdischen Glaubens, Berlin. Sehr geehrter Herr Dr. Holländer, Ich erhalte soeben von meinem Vater. Justlz.rat Kat$chk«: Mitglied des CV, die Nummer 20 Ihrer C.V. Zeitung vt* IV. Juli 1025, mit dem Hinweis auf einen Artikel „Ucbd cIfer schadet nur" auf Seite 503 dieser Zeitung. Es ■ darin die „Jüdische Rundschau" als eine Zeitung dargest«- welche der vßlkischeii Bewegung W<* liefere Als Zior-v