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Jüdische Rundschau · 1925-07-21 · Heft 57 (21.7.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 57 (21.7.1925)
Date
1925-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 495 5 unfCr den schlechtesten Bedingungen arbeiten und; : wcnn sie sehen, daß irgend etwas gemacht wird. |;":. vorsichtiges Vorgehen nach wirtschaftlichen. Grund- \ scheint für die Gegner der Konsolidierungspolitik r'.haus nocn nicllt an dcr Zcit Einc UntcrbrcchunS der ^isationsarbeit würde nach außen unsere Situation sehr hrikn, würde die Energien schwächen, und den jetzt ''■aren' Aufschwung in der Aktion des Nationalfonds berichtigen, wcil"w'r« wcim wir la"£c 80 arbeiten müßten,!(' einmal den bereitstehenden Boden besetzen könnten.!,t würde zudem der Privatinitiative in der iandwirtschaft-;!!n Kolonisation noch freieres Spiel gewährt als bisher, I ihr Arbeitstempo dann viel schneller würde als das . nationalen Kolonisation. ' Aus all diesen Erwägungen und Mciriungskämpfen ist das folgende Jahr ein Arbeitsplan entstanden, der. für Kolonisation in größerem Umfange eintritt, sich aber '.'eich bemüht, offensichtliche Fehler des heutigen Systems* .'vermeiden. Wie man sich auch zu diesem Plane stellen ["',, ist es von vornherein klar, daß ohne ein beträchtlich Lr'rößcrtcs Budget an das Gelingen auch des besten Projvtcs nicht zu denken ist. Und es ist bereits heute klar, *; auf absehbare Zeit unsere Mittel mit unseren Bedürften nicht Schritt halten werden. Denn je mehr die Einkänderung sich verstärkt, werden auch unsere finanziellen Ljürfnissc steigen. [j Der Plan für die nächste Arbeitsperiode, wie ihn der Berkas Chaklai ausgearbeitet hat, zielt darauf ab, die Konisation i m nächsten Jahre im Okkupationsi'jadiu»11 durchzuführen. Da es von vornherein klar ist, v.nach Basicrung der bestehenden Betriebe die übrigbleibenden :].,n,cn nicht zur vollen Equipicrung auch nur weniger ,j|U1i(tcii ausreichen werden, sollen die zur Verfügung;;cmk'i] Beiden (vor allem im Fmek) von einer kleinen \;3hl Siedler besetzt werden, die im ersten Jahre die not« ■ndigen Vorbcrcitungsarbciten durchführen. Um es zu Verden, daß von vornherein ein großer Teil des Budgets u Lebensunterhalt der Arbeiter verausgabt werden muß, '. :r£j die Zahl der zur Okkupation Notwendigen so weit < möglich beschränkt. Dementsprechend soll auch dafür i;orrrt werden, daß diese ersten Siedler einen Teil ihrer '•i^abcn durch Nebenarbeiten bestreiten. Im Laufe der „•enden Jahre soll dann die Zahl der Siedler iangsam {oht werden, in einem Maße wie es die Aufnahmefähigkeit;5 Betriebes zuläßt.; Dieses System der „stufenweisen Kolonisation" ist sclbst- ■rj-tandlich kein Vorschlag, die Kolonisation irgendwie zu ■/billigen. Dagegen macht es den Anspruch, sie dadurch j beschleunigen, daß man sie von vornherein auf eine ■/lere Basis stellt und sie ökonomisiert, indem man das :;d£ct für den Unterhalt der Arbeiter verkleinert. Irgendwie Garantie für die Erhaltung der Gesundheit der Arbeiter 5.,'rtct er zweifellos nicht. Das ist anscheinend auch nicht fabsichtigt, denn man kann oft die Meinung hören, daß [t uns im Kriegszustande befinden und daß ein Kampf ' ht ohne Verwundete zu führen ist. Das Plenum des Kongresses wird das hier skizzierte iir komplizierte Problem nicht lösen können. Es scheint, 3 unter dem Drucke der auf Ansicdlung wartenden Gruppen c reine Konsolidicrungspolitik in diesem Jahre nicht weitervfiihrl werden wird. Jedenfalls scheint eine Rationalisic- %ng der Arbeit u nausbleiblich, vor allem in Hinsicht auf "Ic Schonung unseres Mcnschcnmaterials, das wir bisher;;cr den härtesten Bedingungen haben arbeiten lassen. Vom Paläsliaa-Pavillon in Wcmbley ji Einem Vertreter des „Jcwish Chroniclc" gegenüber cr- '■::tc der Commissioncr des Palästina-Pavillons der Britischen iJcichsausstrlliing /u Wcmbley, Major R. T. Littlc, daß;; diesem lahrc das Geschäft halb so stark war als im vorigen, :hei Berücksichtigung der gegenwärtigen Geldknappheit I lict'riedigrnd zu bezeichnen ist. Engros-Gcschäfix wurden frhaupt nicht getätigt, da es noch immer als unmöglich ^chrint, Orders erfüllt zu bekommen. Einc zweite Schwierigst liegt darin, daß viele der palästinensischen Händler [■■üben, sobald Nachfragen eingehen, der Weltmarkt liege ••cn zu rußen und ihre Preise so hoch schrauben, ••5 sie ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren. Es ist indessen -hoffen, daß die Aufträge für Ziegenhaar und Sul- ■inincn zufriedenstellend erfülit werden. Interessant und '■'•'ht ohne Bedeutung ist die Tatsache, daß sowohl in diesem im vorigen "Jahr OO^.o der Geschäfte im Pavillon mit s 1 chtjuden getätigt worden sind. '»/-«end, wer er ist, aber in glückhaftcr Ahnung seines AWe<;. Irdische Standhaftigkcit wird ihm erschüttert. Aber Sehnsuchtsruf wird Botschaft für Jahrtausende: Ich lasse '■"'> nicht, du segnetest mich denn. Und der Irrende, der Sehlde wird zum Svuibo! des Volkes selbst. Nicht Erfolge und '•"''"tnissr, nur aus Erlebnissen gewonnene Erkenntnisse hcltr" den Weg. Er ist steil und steinig, aber er führt .:r Höhe. Streben und Wandlung ist alles. Die chassidischc :'Sende drückt es einmal so aus: Ein abgeschiedener Geist ,inQert in der Ewigkeit von Himmel zu Himmel. Plötzlich °rr sinkt ihm die» Kraft, er bleibt stehen. Einem Greis 'invortet er auf seine Frage: „Warum ruhst du?" „Ich kann!Cn .weiter." * Darauf verwarnt ihn der Alte: „Verweilst yl nirr und gehst nicht weiter, dann droht dir Gefahr, Vf,rücrst das Leben des Geistes und wirst ein toter Stein". , ,7 kulturlose Mensch, d. h. der, dem es nicht um das I, '^'Mum der Seele zu tun ist, scheut die Gefahr und die f '.'^'k allerpcrsöulichster Entscheidungen. Konvention und! entliehe Meinung sind für ihn ein Zauberkreis, den er nicht überschreiten wagt. Er sucht nur allgemeine Schick- . allgemeine Schuld, allgemeines Glück, ficht im Kriege <oIuüc" K"eg, im Frieden für den Frieden. "Der Kulturbc- :Lllc sucht im Sinne des Judentums Erlebnis, Entscheidung, \: h »eil er wahrhaft Mensch und Seele werden will. Unter 'rdii*?hctzcrn predigt Jcrcmia den Frieden, unter Gcnüßlingen ^cner Behaglichkeit Elia den Krieg gegen das Götzcn- •ih * iudisc"c Mensch weicht dem .tragischen Erlebnis ■;aJ «ann nicht aus, wenn er Schuld und Irrtum fürchten :"'t-L-t- 1 ^cr c'£cncn Zcrisscnhcit erlebt er die göttliche ,Clt am stärksten, weil er sie, die geeintes Wollen und : Kcl, l1 ,st' dann am -ick-cn entbehrt und am glühendsten ''rcX ivm schu1d!iaften und aufwühlenden Erlebnis findet rj Deutlich klingen in die wilden, abgerissenen Akkorde ''c'of|-"bcns-'»»"phliedrs eines David, die sehnsüchtig süßen Wn,! iSci,1Cr Gott geweihten Harfe, und naen Sturm und unr «ort Elia die leise Stimme seines "Gottes. "ndc^jCS j?* ^cr besondere Kulturwcrt des Judentums. Alle ^iale V c ü:c Lehrbücher der Apologetik begeistert feiem, ''rsnn,» £tzcebunR» Sabbathidce usw., haben hier ihren iches; u Er,cbnis »st Gott gewollt, Glück und Leid, als herricndhnünzcrt.rcnn"c,,cs Geschwisterpaar . erkannt, sind seine °°ten. WJU; Hxlcbnis vordem?. Nur das glückhaftc ■ Brief ans Rumänien Von unserem Korrespondenten. Bukarest, 3. Juli. Am 1. Juli verließ Herr Dr. W i I e n s k y, der scit-Novcmber 1023 ununterbrochen die Kcren IIajtssod-Tätigkcit in Rumänien leitete, das Land, um sich ins Ausland zu begeben. Kurz vor seiner Abreise hatte er noch Gelegenheit, in einer Versammlung des Bukarester Zentral- und Lokalkomitecs des Kcren Haie.ssod, einen ausführlichen Bericht über de» Verlauf und das Resultat der diesjährigen Kcren Hajcssod-Kampagtic in Rumänien zu erstatten. Diese Versammhing, die vom Präsidenten der zionistischen Landcsorgauisalion und Vizepräsidenten des Kcren Hajcssod-Landeskomitccs, Herrn Ad. Bernhardt geleitet wurde, gestaltete sich zu einer warmen Sympathiekundgebung für Dr. Wileusky, der während seines Hierseins den rumänischen Juden aus dem Born seines jüdischen Wissens und seiner Liebe für Palästina, Schätze von Empfindungen und Ideen schenkte und sie auf neue Bahnen im Verständnis der palästinensischen Aufbauproblcmc leitete. Der sehr interessante sachliche Bericht des' Dr. Wilensky über die diesjährige Tätigkeit des K.II, in Rumänien kann kurz folgendermaßen resümiert werden: Trotz, der schweren ökonomischen Krise, die in diesem Jahre in Rumänien herrscht und einc empfindliche finanzielle Not verursachte, ist es gelungen, die Eingänge des Aufhaufouds um 30",'o gegenüber dem Vorjahre zu vergrößern. Während das Jahr 5(>8l insgesamt wenig mehr als 21) Millionen Lei brachte, werden heuer beim definitiven Abschluß der Kampagne im'September über 26 Millionen Lei gesammelt worden sein. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, als er mit einer nur geringfügigen Erhöhung der Betriebsspesen gegenüber dem Vorjahr (H statt 12Va°,o der Einnahmen) erreicht wurde. Selbstverständlich hatte der Besuch des Herrn Sokolow, der zu Beginn der diesjährigen Aktion Bukarest und die übrigen Großstädte Rumäniens besuchte, den ersten, hauptsächlichsten AnsioM zu der verstärkten Kampagne gegeben. Aber Dr. Wilensky hat den Besuch Sokolows ausgeweitet und zu seiner vollen Auswirkung kommen lassen, auch nachdem Sokolow das Land schon längst verlassen hatte. Und so konnte es Rumänien fertig bringen, dal» die Einnahmen des Palästina-Aufbaufonds in einem Krisenjahrc bedeutend höhere waren als in früheren Jahren. Aber die Bedeutung des Werkes, welches Dr. Wilensky in Rumänien geschaffen, liegt nicht nur darin, daß der Kcren Hajcssod zahlenmäßig heute mehr einträgt, sondern daß diese Institution einc der populärsten überhaupt in diesem Laude geworden ist. Weite Kreise nichtzionistischer Volksgenossen tun dabei eifrigst mit, und der Palästinagedanke ist Gemeingut des gesamten rumänischen Judentums geworden, ganz gleich wie sie sich politisch zum Zionismus einstellen. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Dr. Wilensky als erster auf der Kandidatenliste der für den Kotigicß zu wählenden Delegierten steht und die sichere Aussicht hat, in diesem Candc tatsächlich ein Mandat zu erhalten. In diesem Zusammenhange ist erwähnenswert, daß Rumänien in diesem Jahre auf etwa 11—12 Delegierte rechnen darf, wovon 7 auf das alte Königreich, und der Rest auf die neuen Provinzen entfallen werden. Die Wahlen zum Kongreß dürften ..öhnc besondere „Wahlkämpfc**, in den nächsten Tagen stattfinden. Rumänien wird somit auf dem Kongreß mit einer verhältnismäßig großen Landsmannschaft auftreten, in der, wenigstens was Altrumänien anbetrifft, die verschiedenen Gruppierungen sich auf dem Wege der Verständigung über die Zahl und das Verhältnis der Mandate zueinander bereits geeinigt haben. [u der letzten Zeit konnte mau auch auf dem Gebiet des praktischen Aufbauwerkes einen bedeutenden Schiitt vorwärts am rumänischen Judentum beobachten. Das Problem der Hachse ha ra und der Chaluziuth tritt nun zum ersten Mal auch in Rumänien in faßbarer Form auf. Durch äußere und innere Gründe getrieben, wendet sich die jüdische Jugend immer mehr der tatkräftigen Mitwirkung an der Vorbereitung unseres Volkes für da; Aufbauwerk zu. In den letzten Monaten und Wochen haben wir bereits die Tatsache verzeichnen können, daß jüdische Farmer oder Gutsbesitzer Gruppen junger jüdischer Arbeitswilliger bei sich aufnehmen, welche sich auf diese Weise für die landwirtschaftliche Arbeit in Palästina vnrhcroiie.il. Die Zentrale des Ilechaluz in Bessarabieu hat einc eigene Farm erworben, auf der sieh ungefähr 130 junge Leute, ans allen Teilen Rumäniens, in den verschiedenen Arbeiten ausbilden, und die Bekanntschaft mit den Entbehrungen und körperlichen Anstrengungen machen, die ihrer in Palästina in der ersten Zeit harren. Auch in Jassy, wo die jüdische Gemeinde zu diesem Zwecke 30 1 Icktar Boden zur Verfügung gestellt hat, ist eine Chaluzgruppc in Gründung begriffen. In Bukarest arbeitet die zionistische Jugendorganisation mit ihren verschiedenen Tochtergruppen daran, die Jugend zunächst für den Palästinagedanken zu erziehen, worauf die jungen Leute dann in kleineren Abteilungen in die Arbcitswurdc willkommen geheißen, das schuldhaftc nicht vcrslan- . den, das tragische blind gehaßt. Oedinns hallt die Fäuste 'gen Himmel gegen die grause Moira, den tückischen Zufall, der wie Blitz aus heiterem Himmel trifft und Gekrönte in die Tiefen des Elends schleudert. Jakob allein ringt um den Segen. Trotz alles Pessimismus: Ganz ist die Versteinerung auch des Judentums nicht vollendet. In jenen aus Vafcrzcit ererbten Uranschauungcn des Volkes sind ewige Lebenskräfte am Werk. Ratheuaus Wort: Wir sind niefit da um des Besitzes willen, nicht um der Macfit willen, auc.fi nicht um des Glückes willen, sondern wir sind da zur Verklärung des Göttlichen aus menschlichem Geiste, ist echt jüdisch. Denn in diesem Wort triumphiert der jüdische Kultnrgedanke, der Leben unter dem Gesetz, einer heiligen Einheit begreift und Glück und Behagen achtlos beiseite wirft, wenn der Weg zur Vollendung nur durch das tragische Erlebnis fuhrt. Die Volkssagc glaubt au den ewigen Willen des Volkes zum Heiligen. Als Israel ins Exil wanderte, trennte sich nach ihr die Schechina von Gott und wanderte mit in die Verbannung. Funkcnglcich ist sie über die Welt verstreut. In der grauen Dämmerung der Entsrelung zucken hie und da ihre Flämmehen auf. In allen, die als Untergehende Hinübergehende zu einem großen Ziel sein wollen. Glühen nicht jetzt viele Funken in Palästina? Im tiefsten Erlebnis suchen dort Menschen instinktiv ihre jüdische Seele. Fiebernden und schwer Arbeitenden ist sattes Behagen meilcnfern. Inniger Opfcrwillc hat dort das Medusenhaupt des Jahrhunderts in seinem Spiegel aufgefangen, und siehe, die drohenden Züge versteinern sich nicht mehr dem, der sie anblickt. Sondern fester faßt er sein Schwert, um sie für ewig zu vernichten. Im August lO'J'i jährt sich zum fünfzigsten Male der Tag, an welchem Abraham Goldfaden sein erstes Theaterstück zur Aufführung brachte und damit den Grundstein zu einer ständigen jüdischen Bühne legte. Die.jüdischen Kulturkreisc Moskaus bereiten sich vor, diesen Tag festlich zu begehen. Geplant wird ferner die Herausgabe ciries Jubiläums- Sammclwerkcs unter dem Titel „Fünfzig Jahre jüdisches Theater". Das jüdische Museum in Odessa wird eine Spezialabteilung „Fünfzig Jahre jüdisches. Xhcatcc" einrichten. kolonnen des Chaluz geführt werden. Die bisher erzielten . praktischen Erfolge haben bereits das Augenmerk nicht nur der zionistischen Landeszcntrale, sondern auch einer Anzahl sonstiger jüdischer Kreise auf sich gelenkt, und es ist nun gelungen, unter der Acgide der Landesorganisation, ein Komitc* ins Leben zu rufen, das sich mit allen vorbereitenden Fragen zur Schaffung einer starken und gesunden Chaluz.bcwcrrimg in Altrumaiiieu befaßt. Aber nicht jiur junge Chalu/im melden sich für die Auswanderung nach Palästina. Die Tendenz, nach Erez. Israel zu gehen, ist in breiten Schichten des jüdischen Volkstums in Rumänien derartcingeunr/.-It, daü die>e Angelegenheit in lrtztcr Zeit die jüdische Öeffrnthchkcit ernstlich beschäftigt. Einem Teil dieser Palästinawanderer wird durch dic.in Gründung begriffene Kolonie der Tuminischcn Juden auf dem Boden des Nationalfonds im Emek geholfen werden, wahrend der Rest auf die Palästiuaämtcr Sturm lauft. Auch hierauf sollen die neuerworbenen Freunde der Hechaluzbewcgung einen Teil ihrer Aufmerksamkeit wenden und versuchen, den gewaltigen Wanderstrom zu lenken und vernünftig zu organisieren. Line schöne zukunftsreiche Aufgabe, die sicherlich dem rumänischen Judentum einen Ehrenplatz in der Wiederaufbaugeschichte Palästinas sichein wird. Der rumänische Antisemitismus hat in der letzten Zeit einige tragikomische Früchte gezeitigt,- die bezeichnend sind jur die Schäden, die diese Bewegung dem rumänischen Volkskurpcr mehr als irgend jemand sonst zufügt. Da ist zunächst der bekannte Skandal beim Vortrag des Herrn Gucruut, Generagsekretär der Liga für Menschenrechte, zu nennen. Der berühmte französische Menschenfreund und Volksrechtler kam nach Rumänien «auf die Einladung der hiesigen Sektion der Liga für Menschenrechte, um die lokalen Sektionen zu besichtigen; zu diesem Zwccfc wollte er auch einen ölfcnUkhen Vortrag über die Ziele der großen Institution, die er vertritt, halten. Nachdem der Vortrag, der in der Aula der König Carol Anstalt hätte stattfinden sollen, von dem Rektor der Anstalt eigenmächtig „verschoben" wurde, weil er unangenehme Auftritte fürchtete, blieb Herrn Guer.iut nichts anderes übrig, als im Saal des Jrturnali-.tensvndik.ns zu sprechen. Hier brachen nun einige Dutzend Hakeukrcn/ler ein und störten die Abhaltung der Versammlung, indem sie dem Generalsekretär der Liga für Menschenrechte eine Rumänien feindselige Haltung, vorwarfen. Der Freund Hcrriots und Painlcves mußte daher unverrichtetcr Sache abziehen, und führte in seinem Herzen die Erbitterung mit, die ihm durch diesen dummen Streich einiger verblendeter Zöglinge der A-ntisemitenführer gespielt wurde. Aber auch viel tiefere Wir« knngcu wurden in der letzten Zeit durch den „Fascismus", den nicht einmal richtig verkappten Antisemitismus der Schuljugend, hervorgerufen. Die Blätter vermerken mit Betrübnis, daß die diesjährigen Abiturprüfungcu im allgemeinen sedr schlecht ausgefallen seien, weil die Schüler sich mehr mit antisemitischer Tätigkeit als mit ihren Studien abgegeben hätten. I loffentlich besinnen sich die verantwortlichen Führer und Lehrer der Jugend, rechtzeitig und machen Kehrt vor einer Bewegung, die noch nirgends und« niemandem Segen gebracht hat. ~ * r Die unter Leitung von Dr. Wilensky in Altrumänien durchgeführte KH-Kampagnc wurde dieser Tage abgeschlossen. Sie ergab einen Gesamtbetrag von 26 Millionen Lei, (rund 26 000 £), um *6 Millionen Lei mehr als die vorjährige Kampagne. Am 2S. Juni fand in Bukarest unter Vorsitz von Adolf Bernhardt, dem Präsidenten der Zionistischen Organisation in Rumänien, eine Abschiedskundgebung zu Ehren Dr. Wilc'nskys statt. Herr Bernhardt zollte der tatkräftigen Führung Dr. Wilcnskys, dem es gelungen ist, trotz der schweren ökonomischen Lage und entgegen allen pessimistischen Voraussaguugen die KH-Aktion so erfolgreich durchzuführen, die wärmsten Worte der Anerkennung. Dr. Wilensky erwähnte sodann die große Förderung, die die Kampagne durch den Besuch Sokolows erfahren habe, und sprach den verschiedenen Mitarbeitern seinen Dank aus. Die Ergebnisse der Kampagne sind: Vom 1. Oktober 1924 bis 28. Juni 1923 insgesamt Lei 25 950 63S. ■* Praktischer Numeros claasns Bukarest. (J. T. A.) Die rumänische Regierung hat in einem Sondergesctz Aufnahmeprüfungen für Mittelschüler, die eine Universität besuchen wolien, vorgeschrieben. Diese Prüfungen erwiesen sich als Mittel, die nationalen Minderheiten, insbesondere die Juden, vom Universitätsstudium fernzuhalten, ohne daß ein gesetzlicher Numerus clausus hierzu notwendig wäre. SO bis 100 no der Studierenden der nationalen Minderheiten haben die Baccalaurcatsprüfungen nicht bestanden. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Telegrafen-Agentur „Rador" sagte der Unterrichtsminister An gh elcscu: Es ist ein großer Fehler, aus dem Resultate der Riccalaureatsprüfungen eine politische Frage zu machen. Ich bin sehr zufrieden mit der Auswahl, die gemacht wurde und die notwendig war. * Die Liste der Kandidaten, die die Prüfung an der Czcrnowitzer Lehrerbildungsanstalt bestanden haben, weist kei-nen einzigen judischen Namen auf, obwohl C/ernowitz eine große jüdische Bevölkerung besitzt. Die „Ostjüdischc Zeitung'' bemerkt dazu: „Es existiert kein Numrrus clausus, von Numerus nullus schon garnicht zu reden. Es hat sich nur die Geschmacksrichtung der Juden geändert, die früher In Massen freien Berufen zuströmten ..." Die jadische Schale In Rnrn'aiea Bukarest. (J. T. A.) Am O. Juni trat in Bukarest eine Konferenz jüdischer Vertreter aus allen Teilen Alt- und Ncurumäniens zusammen, um über das geplante Attentat auf die indische Schule zu beraten und gegen den Gesetzentwurf der Regierung zu protestieren. Als die Beratung im Gange war, erschien Polizei im Konferenzsaal und trieb ohne jede Veranlassung in brutalster Weise die etwa 1000 Delegierten auseinander. Vor dem Konferenzsaal hatten sich antisemitische Studenten angesammelt, die die judischen Vertreter beschimpften. Bekanntlich hat die rumänische Regierung durch die halboffiziöse Agentur „Rador" erklären lassen, sie sei bereit, den Entwurf abzuändern und die hebräische .Sprache gelten zu lassen. Nach diesem Verhalten gegen die jüdische Reichskonferenz begegnet diese Verlautbarung starkem Zweifel. Einvvanderong Jüdischer Landwirte nsch Frankreich Kischincw. (J. T. A.) Die Delegierten der Pariser Hilfscvekutive, Andre* S p i r c und K a m'i n k a , sind, nachdem sie in Bukarest erfolgreiche Besprechungen mit den Ministern Duea und Tatarescu geführt haben, in Kischincw eingetroffen, um in enger Zusammenarbeit mit der jüdischen Emigrationsbank die Einwanderung jüdischer landwirtschaftlicher und anderer qualifizierter Arbeiter nach Frankreich zu organisieren. Einbrecher drangen nachts in das Palästinaamt der Hafenstadt Constanza ein und erbeuteten 700 000 Lei. Die Summe war dazu bestimmt, jüdische Palästinawanderer, die ihren Weg übet Constanza nehmen, zu unterstützen,

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