Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1925)
- Date
- 1925-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 494 " ___ Schmrilerur.fi; der Sammclmögückeit für den Keren Ha« jessod in den Vereinigten Staaten bedeute. Wie wir erfahren, ist diese Nachricht in dieser Form vollkommen unrichtig. Wir haben sie der Londoner „Jcwish Times" entnommen, ohne uns zu verhehlen, d>ß .eine derartige Stellungnahme Prof. Wcizmanns höchst unwahrscheinlich ist. Zwischen notwendigen Notstandsärbciten und radikaler Aufbauarbeit sind zweifellos-Konkurrcnzmöglichkeitcn gegeben. Es wird;abcr niemandem einfallen, die Berechtigung dieser Notstandsärbciten abzuleugnen. Allerdings unter der Bedingung, daß die Hauptsache nicht vergessen werde -und nicht zu kurz komme. M. W. Die Uebersehfisse der pilSstifieasfschen Eisenbahnen Jerusalem. (J.T.A.) Wie die pal. Tel.-Agcntur erfährt, wird demnächst aus London eine Rcglcrungskommisslon emlrcffcn, um die Lage des palästinensischen Eisenbahnwesens zu untersuchen. — Die Eisenbahnverwaltung in Palästina hatte im Finanzjahr 1924/25 558 000 ägypt. Pfund Einnahmen und 390000 ägypt. Pfund Ausgaben, erzielte also einen Uebcrschuß von 1S6000 ägypt. Pfund. Von diesem Uebcrschuß wurden der Finanzkammer Palästinas, da die Eisenbahnen der Palästinaregierung selbst gehören, 124 000 Pfund zugewiesen. — Im Jahre 1922 weilte in Palästina ein Sachverständiger der Kriegsliquidicrungskommlssion der englischen Regierung, um den Wert der von der britischen Armee erbauten Eisenbahnen und der sonstigen zugunsten des Landes geleisteten Arbeiten und der Investierungen abzuschätzen. Der auf diese Welse fixierte Betrag wurde als Schuld Palästinas an die Reichsregierung gebucht, diese Schuld sollte je nach der Lage, des Landes in Raten abgezahlt werden. Die Wahlen zor Assetath Banlwcbarlm Zu unserer Meldung in der vorigen Nummer erhalten wir noch nachstehende Einzelheiten. Die Sephardim und andere Gruppen des Zentrums haben erklärt, daß sie, solange die im Zusammenhang mit der Frage der Frauenrechte erfolge Spaltung der Asscfath Haniwcharim fortbesteht, an den Wahlen zur künftigen National- Versammlung nicht teilnehmen werden. Der Waad Leumi hielt am 13. Juli eine Sitzung ab, in welcher beschlossen wurde, die für Sonntag, den 19. Juli, festgesetzten Wahlen zur Nationalversammlung auf drei Monate zu verschieben, um den Zcntrumsgruppen Zeit zu lassen, ihre Bemühungen, den rechten und den Unken FlügeJ der Nationalversammlung auf eine gemeinsame Plattform zu einigen, fortzuführen. Die Vertreter der linken Gruppen enthielten fleh der Stimme. Misaryk im Goldeien Bach Aus Prag wird uns gemeldet: Eine Deputation des jüdischen Nationalratcs, bestehend aus dem Präsidenten Stadtrat Dr. Ludwig Singer und dem Präsidium des Jüdischen Natibnalfonds, Rudolf Woditschka und Dir. Rudolf Eisenstein, wurde Dienstag, den 14. d.M., vom Präsidenten Masaryk empfangen, dem sie das aus Jerusalem eingelangte Diplom über die Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Natiönalfonds überreichte. Nach einer Ansprache Dr. Singers unterhielt sich der Präsident mit der Deputation über die Besiedlung Palästinas, wobei er auf die ihm vor einigen Monaten von Wcizmann gemachten Informationen hinwies. Präsident Masaryk ließ ßich auch über die aktuellen Probleme des bevorstehenden Zionistenkon<*rcsscs informieren, wobei er Vertrautheit mitdiesen Fragen zeigte. Herbert Samuel in Koistanlinopel Konstantinopcl, (J.T.A.) Herbert Samuel Ist auf seiner Reise durch den Nahen Osten am 14. Juli Iii Konstautinopel eingetroffen. Er lehnte ein Oespräcn mit Pressevertretern ab. Am 17. Jwi verließ er Konstantinopel. Petach Tikwah hat mit der Rutcnberg-Gcsellschaft einen Vertrag für Belcuchtungc- und Bewässerungsanlagen und Lieferung von elektrischem Strom für Licht- und Kraftzwecke abgeschlossen. Die Kolonie erhielt zu diesem Zweck von der A.P.C. ein Darlehen von 10000 £. JUEDISCHE RUNDSCHAU Vor dem Kongreß Landwirtschaftliche Ko!oaisitionspI3*e Von Gerda Arlosorof f-Ooldberg, JcrusaFcm. Die Wahlen zur zweiten AsscfatHaniwcharim, die in hastiger Eile im Laufe eines Monats zur Ausführung kommen sollen, haben das Interesse der Öffentlichkeit und die Kräfte aller an politischer Arbeit interessierter Kreise derart in Anspruch genommen, daß alle anderen Fragen daneben zurückgetreten sind.*) Unter der sehr wichtigen Arbeit für die Asscfat Haniwcharim leidet vor allem auch die Vorbereitung des Jischuw für den nahen Kongreß. Wohl hat man versucht, die Wahlversammlungen zugleich zur Tribüne für die Kongreßfragen zu machen, aber das Ring selbstverständlich nur in einem gewissen Rahmen an. Außerdem hat besonders die Arbeiterschaft alle anderen Beratungen und Konferenzen zugunsten der Wahlaktion zurückgestellt, und zwar aus der Erkenntnis heraus, daß Im gegebenen Augenblick die organisatorische Zusammenfassung des Jischuw das entscheidende Ziel sei, vor dem alles andere zurückstehen müsse. Deshalb wurde sowohl die Parteikonferenz des „Hapoel Hnzair", die für Anfang Juli einberufen war, ebenso wie die Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter verschoben. Damit wurde zugleich auch die Diskussion verschiedener wichtiger mit der Kongreßarbeit zusammenhängender Themen verkleinert, wern nicht abgebrochen. Dahin ist unter anderem die Franc zu rechnen, ob die Arbeitsperiode zwischen den beiden nächsten Kongressen ebenso wie die vergangene allein der Stärkung und demAusbau der bestehenden Siedlungen dienen kann und soll oder ob sie auch die Schaffung neuer Punkte umfassen wird. Es wäre wichtig gewesen, daß sich die Landarbeiterschaft vor dem Kongreß auf ihrer Konferenz zu dieser Frage, von deren Beantwortung die Richtlinie unserer Kolonisationsarbeit im nächsten Jahre abhängt, klar geäußert hättr Nachdem die Konferenz verschoben werden mußte, ist es wichtig, daß die breitere Oeffentlichkcit auch des Auslandes sich über die Problemstellung auf diesem Gebiete klar wird. Als vor einem Jahre die Neukolonisation für eine bestimmte Zeit unterbrochen wurde, geschah es bekanntlich aus der Notwendigkeit, die alten Betrieb?, die ihr Budget unregelmäßig bekommen und darunter sehr gelitten haben, bis zu einem gewissen Grad rti fundieren, sie „fertig zu machen". In Palästina und besonders unter der palästinensischen ländlichen Arbeiterschaft hat diese Politik der „Konsolidierung", wie man sie nannte, zum. Teil heftigen Widerstand und Unzufriedenheit hervorgerufen. Freilieh gab es auch in den Kreisen der unmittelbar an einer Neuknlonisation Interessierten S'immcn, die für die „Konsolidierungspolitik" eintraten. Nun steht dieses Jahr dieselbe Frage vor dem Kongreß und dem Jischuw. Unsere Bedürfnisse sind im Laufe d** letzten Jahres außerordentlich gestiegen. Es wird auch nicht ein Departement in der Palästinaexekutive geben, daß auf dem kommenden Kongreß nicht mit Recht eine große Erhöhung seines Etats verlangen wird und verlangen muß. Dagegen wissen wir noch nicht, Inwieweit uns unsere finanziellen Möglichkeiten eine entsnrechende Ausweitung unserer Arbeit gestatten werden. Die Frage nnch einer möglichst ökonomischen Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Mittel ist deshalb brennender denn je. Die Frage, Neukolonisation oder nicht, wäre vermutlich weit leichter zu klären, wenn wir die Möglichkeit hiitten, sie rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu entscheiden. In diesem Falle wäre die Frage, ob und wie viele neue Kolonien wir im nächsten Jahre schaffen können, eine Frage der Fachleute. Vou ihrer Meinung würde es abhängen, wie und in welchem Rahmen unsere landwirtschaftliche Kolonisation fortzusetzen wäre. Wir , wissen Jedoch, daß bei derartigen Entscheidungen bei uns viele und gewichtige nichtwirtschaftliche Argumente mitsprechen und vermutlich noch längere Zeit mitsprechen werden. Demgemäß muß man das Problem vom allgemein zionistischen Standpunkt prüfen. •) Mittlerweile sind die Wahlen bis zum Monat Oktober verschoben worden. i ______ Nr |^ - -s - Mit denselben Argumenten, mit denen man inn \ der Zionistischen Organisation vor einem Jahre für rij. * litik der Konsolidierung eingetreten ist, kämpft man 'r jetzt für eine Fortsetzung der Arbeit In dieser R;c; : Wir wissen, daß In unseren nationalen landwirtseta;. Betrieben nach wie vor ein Lebensstandard dir Regel i ' der die schwersten Bedenken für den Betrieb urul f,,/ Arbeiter erwecken muß. Die ohnehin kargen Ka; r können fast nie zur Zeit bezahlt werden, so daß p, \ und Verpflegung in gleichem Maßstäbe empfindlich ri> ". leiden. Die Basierung der Betriebe nahm und nirr..-) dem jetzigen System eine so lange Zeit in Anspruch, ■ die Wirtschaft sich nhht entwickeln kann und dir Ar- : durch die lange Ucbcrgangspcriodc mit großen Srhv,. keiten zu kämpfen nahen. Da dn« nötige Inventar vi.' nicht zur Zeit beschafft werden kann, ist die Vcrpfi--, aus den eigenen Mitteln der Siedlung oft für lang.c p erschwert. Die Unmöglichkeit, kurz nach der Ufhcmdes Bodens gute Unterkunftsmöglichkeiten zu bc-ch.j: zwingt häufig da/u, daß zuerst längere Zeit in Zellen, v't, in Baracken gewohnt werden muß, was nicht ohne Ei:-*i auf das Befinden der. Arbeiter bleiben kann. t. Mau könnte noch eine Reihe der Mißstände auf?.,: die wir bis jetzt in unserer Sicdhtngsarbcit empfunden h,-. 3J Alle entstammen derselben Quelle, unseren um genfer-* Geldmitteln und alle Insscn sich in zwei Grundübrlt sammenfassen: Wir haben eine wirtschaftliche rinhul'.c £ durch, daß ein großer Teil des Budgets für die Un'crhv... der Arbeiter verausgabt werden muß, weil der Betrieb.*! lange er nicht das genügende Inventar besitzt und basiert ist, nicht genügend abuiKt. Und wir haben zwc:< eine große Einbuße an den Kräften unserer Arbeite:, £ zu einem System übermäßiger Sparsamkeit und Arbeit zwungen, notwendig an ihrer Gesundheit Schaden ] ' müssen. Ueber diesen letzten Punkt spricht man in Pal.vi. sehr ungern. Man ist seit jeher daran gewöhnt, daß;1 Arbeit schwere körperliche Opfer fordert und es erscB zwecklos, über etwas zu diskutieren, was nun einmal <'• muß. Die Vertreter d:r Konsolidicrungspoliiik bch.m-y jedoch — und sicher zu einem großen Teile mit Recht i daß der Prozentsatz an Kranken, den die Betriebe aufweinicht zu Sein braucht, und daß man sehr vieles, was!;• als üblich angeschen wird, vermeiden könnte. Letzten Ii: so wird argumentiert — ist dieses Sparen eine Verschwel '■ des besten Gutes, das uns zur Verfügung steht, nair unserer Mrnschrn. Und man kann nicht selten in l'.il.v hören, daß das, was man in den Betrieben am Essen : an den Wohnungen spart, schließlich doch wieder von : Krankenkasse bezahlt werden muß. Der Vorschlag - Konsolidicrungspoliliker zielt demnach darauf hin, in <1 kommenden Jahre den bestehenden Betrieben die Mitte! ihrer endgültigen Baslcruug zu geben. Sclbstverständ wird nichts gegen die Schaffung neuer Punkte cingewen: wenn Mittel dazu vorhanden sind. Aber es ist von v herein klar, daß das landwirtschaftliche Budget des lt. K gresses nicht weit über das hinausgehen wird, was bestehenden Punkte zu ihrer Basicrung brauchen. Dieser Konsoltdierungsplan wird mit einer ganzen Rc; zum Teil nicht wirtschaftlicher Argumente bekämpft, wird auch von der Gegenseite zugegeben, daß in der hru'ir Kolouisationsarbcit Fehler liegen, die bekämpft wer: müssen. Das Heilmittel der reinen Basicrungspolitik v jedoch unter keinen Umständen anerkannt. Es scheint hc: bereits klar, daß die Mehrzahl der in der lahdwirtschahTc- Kolonisation Beschäftigten und auf Ansiedhang Wärter.' gegen den Konsolidicrungsplau sind. Und das ist 1c zu verstehen. Mit der Landwirtschaft geht es uns ahr". wie mit der Einwanderung. Gerade in der Zeit der Arglosigkeit, wo man hätte annehmen sollen, daß die Arbeit schalt sich gegen eine Verstärkung der Alijah wen: müßte, schlug sie den umgekehrten Weg ein. Denn r wollte vor allem nicht irgendeinen Stillstand fühlen, alles lahm gelegt hätte. Bei der Frage der Ncuko!oni?r.i *\ wo die unmittelbar Beteiligten die Landarbeiter sind, ' das Nicbt-Vorwärtsschrcitcu der Sicdhmgsarbcit für meisten ein unerträgliches Gefühl. Dazu kommt, daß große Masse derer, die Jahrelang im Lande auf Ansiccüwarten, sich überhaupt nicht mit dem Gedanken, daß Schaffung neuer Punkte für längere ' Zeit aussetzen j zurechtfinden können. Sic wollen lieber nach der Ar.?:' Das Gesicht des Jahrhnnderts Von Dr. Else Fuchs-Hes, Breslau. Frank Thlcß, bekannt als ehemaliger Redakteur des „Berliner Tageblatt", aber noch mehr als Verfasser einiger künstlerisch .hochwertiger Romane, hat ein neues Buch erscheinen lassen, Zeitkritik und Richtspruch: Das Gesicht des Jahrhunderts. Eine ' mutige Abrechnung mit den Mächten der Zelt! Ueberall entdeckt er Erstarrung und Enlscchmg. Es ist, als wenn die Zeit ein Medusenhaupt auf den Schultern trüge. Wer Medusen* Antlitz schaut, wird zu Stein. Die ursprünglichen Lebenskräfte ersterben, Lebensführung will genußreiche Behaglichkeit, nicht Reinheit, Erziehung, kalte Objektivierung des Geistes, nicht Läuterung im aufwühlenden Erlebnis, Politik und der ihr eng zugehörige Journalismus Parteiintercsse, nicht Mcnschheltsbcfreiung, Wissenschaft Spczialforsebung, nicht Universalität. Es sind ähnliche Ergebnisse, wie sie Spengler, auf den er sich manchmal bezieht, in den Begriffen Zivilisation und Kultur kontrastiert. Zivilisation ist das Ende jeder Kultur, sie folgt dem Werden als das Gewordene, der Entwicklung als Starrheit, dem Leben als Tod. Kultur wendet alle ihre Kräfte nach innen, richtet sie auf das Wachstum der Seele, und bestimmt dies nach einem höheren Gesetz, das außerhalb ihres Bereiches als heilige Kraft thront. Zivilisation strebt mit all ihren Kräften nach außen, nach den lockenden Schätzen der irdischen Welt und kennt als oberstes Gesetz nur den gebieterischen Willen des gcnußfroltcn Ich. Darum >st Triebhaftigkeit und Entscelung für die eine, Willensherrschaft■ und Vcrinncrlichung für die andere bezeichnend. Um Beispiele zu gebrauchen: Kultur: der unter dem Jubclgcfühl, unter Volkskraft und Volkskunst stehende edle Körperwettstreit der Olympischen Spiele, ~ Zivilisation: der schweißincicndc Boxerringkampf um Geld, .(bei dem das Ergebnis schon oft der Wetten wegen vorher festgelegt wird). Kultur: der geistig sittliche Freiheitskampf bei Chironea, Leipzig v*<Tu.untcr dcn Makkabäcrn, — Zivilisafion: Massenmord des Weltkrieges äus. Wirtschaftsmtcrcsse. Kultur: Liebe im Sinne des Jüdischen Vcrclnlgungswillens als Heiligtum. (Lieben und uott erkennen hat bezeichnenderweise auch im sprochlichen Ausdruck eine Wurzel). Zivilisation; geschlechtli-he Verein!- mg unter dem Prinzip der Luit, der Qesundheit und Malthusianischer Ideen. Die Frage ist für uns Juden: Wie weit ist das Judentum mit in dieses pessimistische Ergebnis hineinzuziehen? Hat es gleichfalls Medusa ins Antlitz gebückt oder hatte es einen Spiegel, um Ihre verderblichen Züge Aufzufangen und machtlos zu machen? Sicher ist, daß es solchen Sniegcl besaß, zweifelhaft, ob es ihn braucht. Denn an der Mechanisierung un I Erstarrung des Lebens ist das Judentum vielfach genau so beteiligt, wie alle anderen Mächte. Journali^muvPartciintcrc-tfc, PoUtik-BMrk auf die Umwelt und den engsten Interesscnkrels der Gemeinde- oder Landcsjudciischafl, Erziehung-Sprungbrett für die Karrirre, Liebe-Mitgifthar.dcl, Wohltätigkeit, zcntrollsi'-rtcr Vcrcinsbctrieb, — man kann es nicht leugnen, — die versteinernde Macht ist hier wie dort am Werk. Aber wenn Thlcß von den allein kuHursehaffcndcn Werten spricht, freut sich doch die stille Betrachtung des Bewußtseins: Hier sind trotz alledem wir, nach diesen Werten zielt unsere Forderung, unser Wille seit Jahrtausenden. Thicß bezieht sich auf Nietzsches Wort: Kultur sei die Einheit des künstlerischen Stils In allen Lebenslagen eines Volkes. In dieser gewiß nicht erschöpfenden, ober auch nicht erschöpfend gemeinten Definition des Künstlers herrscht, das weiß Tbieß, die ästhetische Einstellung vor. Aber das erscheint Ihm gewiß, daß Kultur Einheit ist, Einheit vielfältiger Kräfte in einem als übergeordnet, als heilig empfundenen Wert, nach dem sie sich richtet, Kulturlo«lgkcit dagegen, die Vielfältigkeit triebhaften S'rebcns, <He keine sittlich ewigen Maßstäbe, nur das Gebot der Stunde für sein egoistisches Wollen kennt. Thomas Mann kommt m. E. dem Begriffe der Kultur noch näher, wenn er die wahre Kultur „als menschliche Ganzheit und Harmonie" bezeichnet, als „die Vcrgeistigtmg des Lebens und das Flrisehwerden des Geistes — die Synthese von Seele und Leib". Wille zur Einheit, die als Ziel, Oesetz, Heiligtum alles menschliche Lehen überwölbt, war die ursprünglich erkannte, mit Leidenschaft verteidigte Forderung des Judentums von Uranfang. Die Welt ruht auf ihr. Die Schöpfungsgesehichte beginnt mit der ungeheuren Erkenntnis, in der cJn Mensch über das eigene Ich hinausdenkt und machtvollen Zusammenhang ahnt: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Heilige Einheit hält alles in Banden, sie "kennt die Quai der Kreatur nicht. In ihr schweigen die Gegensätze, die den Menschen .'zerreißen, in ihr Ist die Wahrheit, Ewigkeit. Fri;- Sic ist Wertmesser, nach dem die Seele ihre Grade tr, höchstes Ziel, nach dem sie sich sehnt, heiliger Altar, dem sie jede Lrbensäußerung vorbeiträgt, um sie zu weih. Die ewige Einheit Ist gefunden. Seele und Leib finden in ihre Verklärung, Irdisches ist heilig, weil es Aufgabe >' Menschen Ist, im Körperlichen und im Kampf mit Körperlichen seinen Weg zu gehen. Irdisches ist C^r Schöpfung, daher gut und der Liebe würdig, Sce!i<-; tragt die Orund/ügc des Göttlichen, i»t Teil von seiner Funken aus seiner Glorie, der sich erheben kann zur Y. cinigung mit der göttlichen Majestät. Um mit Goethe^:- reden: Alles Drängen, alles Treiben ist ewige Ruh in 0 dem Herrn. Die Einheit ist gefunden, aber wie geht man den V\ zu ihr? Frank Thicß steüt die Idee auf, daß alle mcr.c liehe Erziehung nichts leistet, wenn sie m:r zu einer iv männischen Schulung des Geistes verhilft und in'crst Wc: und Mahnruf ist, Sich für das tragische Erlebnis als D:''-. gangsstation zur menschlichen VoÜ.'Udung b,T;i;/uhalten. L:r zum tragischen Erlebnis Ist seine Forderung, unter Menscu die nur mit Olücksbcdingungcn und Bchaglicbkeitscrforo nisscu rechnen, vielleicht ein Ruf für taube Ohren. NX'n* Sehnsucht, was i-t Größe, was Ist Stent? lächelt auch Nie' / verächtlicher Mensch der Zivilisation und biiiuc't in d e Sr"; läßt sich in behaglich warmen Gegenden nieder ur.d :< \ jeder größeren körperlichen oder seelischen An>trcn^unv; i i dem Weg. Keine Kulturmacht hat so stark w|e das Jujf i tum den Wert und die Kraft innerlichen Erlebnisse« K tont. Gott wird nicht vcrstandcsgemSß crgrübclt, Gott!«> { nur erlebt werden. Keine irdische Gabe erkauft ihn. nur <■ i schmerzvolle Sehnsucht der $c<*h\ Nicht Opfer, ein : brochenes, zerknirschtes Herz! Erlebnis ist alles, der Ina:» lieh Aufgewühlte findet ihn. Tiefe Erschütterungen Meilensteine auf dem Wege .zu ihm. in der Qual der ängstigten Väterliche erlebt Abraham die Erkennini.;: Cr v Ist liebe und Barmherzigkeit! Nur der Sehnende ist <i"; Erwählte. Esau, dessen Sinne sich am Besitz verhaften, verworfen. Jakpb, der ewig Liebende, der die Hitze bei V-\ und die Kälte bei Nacht nicht spürt, wird Symbol «*! Volkswillcns. Esaus Hände greifen nach Wild und >X;£- Jikobi Arme umschlingen den Boten des Oöttlichen, kau'