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Jüdische Rundschau · 1925-07-17 · Heft 56 (17.7.1925) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 56 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife 4S9 Keren Hajcssod und in der sicher einmal kommenden Allj emeinen Palästinaorganisation nur auf der Grundlage der Balfourdeklaration und eines nationalen Aufbaues überhaupt denkbar ist Die Differenzen zwischen den Zionistcn und den niebtzionistischen Palästinafreunden liegen in der verschiedenen Auffassung des Galuthproblcms, d. h. der nationalen Politik und Erziehung in den Ländern der Diaspora, sowie in dcr Beurteilung der Universalität der Palästinalösung, nicht aber in einer Meinungsverschiedenheit über den nationalen Charakter Erez Israels. Dieses kann nicht anders als auf der Basis eigener Sprache und eigener Kultur zu Entwicklung und Dlütc gelangen, die Erziehung der dortigen Juden nicht anders als durch das Medium der hebräischen Sprache geleitet werden. Und der begeisterte Widerhall, den gerade die Errichtung der Hebräischen Universität in Jerusalem in der Galuth, weit über die Reihen der Zionisten hinaus, gefunden hat, zeigt deutlich, wie sehr das Verständnis für die Kulturmission eines jüdischen Palästina gewachsen ist. Eine Lösung dcr Judenfrage im Sinne einer Auswanderung aller Austfanderungsbedürftigeri kann Palästina nicht bieten. Das ^raucht uns unser Autor wirklich nicht vorzuhalten, denn das wissen wir und haben es oft genug ausgesprochen. Zionismus ist aber niemals nur als Rettungsaktion empfunden worden (obwohl die in den nächsten zehn Jahren hoffentlich erfolgende Ansicdlung von vielen Hunderttausenden Juden auch eine beträchtliche Linderung der Judcunot mit sich bringen muß), sondern er will im Lande Israel ein Zentrum des Geistes schaffen, das belebende Wirkungen ausüben wird auf alle Länder, in denen Juden wohnen. Galuth wird bleiben, wahrscheinlich solange es überhaupt Juden geben wird, im Westen, im Osten und überall. Und mit ihm der Konfliktstatbcstand des dort lebenden Juden. Aber wir glauben, daß die Renaissance, die das Judentum in Palästina feiern wird, den Konflikt zwar nicht aufheben, aber läutern wird. Ein neues jüdisches Bewußtsein, ein neues Stolz- und Würdegefühl wird erwachen, das auch auf die Beziehungen der Umwelt zu den Juden seinen wohltätigen Einfluß nicht verfehlen wird. Es ist sicher, daß einem auf eigene Volksleistung hinweisenden Judentum in ganz anderer Weise als bisher Respekt entgegengebracht werden wird. Und wenn überhaupt das Problem des Antisemitismus einer befreienden Lösung zugänglich ist, so liegt diese unserer tiefsten Ucbcrzeugung nach in der Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina. Doch für diese Auseinandersetzung ist hier nicht der Ort * Wenige Bemerkungen zu den Zahlen, die der Verfasser angibt. Es kann richtig sein, daß in den letzten sechs Jahren sieben Millionen englische Pfund in Palästina investiert worden sind. Aber ein großer Teil dieser Summe ist auf dem Wege der privaten Investition und nicht durch öffentliche Mittel ins Land geflossen. Es ist auch nicht richtig, daß von 50 000 Einwanderen '10000 ganz auf fremde Hilfe, d. h. auf Kcrcn Hajassod und Kcrcn Kajcmcth angewiesen waren. Nur landwirtschaftliche Chaluzim rechnen in diese Kategorie, und das sind leider nur einige Tausend. Dali die Kolonisation teuer ist, ist wahr. Aber sie teilt dieses Geschick mit allen andern Kolonisationsversuchen. In Wesfprcußen kostete jeder Ansiedler 20000 Mark. Und es •sei cur nebenbei erwähnt, daß Bernhard Dernburg, der gewiß als ein Kolonialfachmann anzusprechen ist, die Leistungen der Juden in Palästina rückhaltlos bewundert und dabei erwähnt hat, daß die M 000 Menschen, die Deutschland während der letzten 25 Jahre in seinen Kolonien angesiedelt hat, erheblich größere Kosten verursacht haben. Mit ungeheurer Leichtfertigkeit spricht der Verfasser von der unproduktiven Verwendung des Kcrcn Hajcssod (was weiß er denn eigentlich davon?) und von der Möglichkeit einer viel produktiveren Verwendung in anderen Ländern. Wie wenig er die Sicdlungsvcrsuchc in Sowjet-Rußland kennt, zeigen die drei hilflosen Sätze, die er darüber auf S. 12 produziert. Wir können ihm ebenso kurz entgegnen, daß erstens in Sowjet-Rußland natürlich nur die dortigen Juden zur Ansicdlung gelangen können, sämtliche andere Juden somit von vornherein ausscheiden, daß zweitens sogar von einer Lösung selbst der russischen Judenfrage leider keine Rede sein kann und daß drittens, last not Icast, Rußland nicht Palästina ist, zu welch letzterem Lande die Juden immerhin besonders intime Beziehungen unterhalten und das im Palästinamandat zur jüdischen Heimstätte proklamiert worden ist. verstanden sind. Es ist der, in dem der Autor die Versuche verwirft, „durch eine immer präsente Begriffsklitterung einen Vergleich herbeizuführen". Eine Auffassung, die, von der völligen Verwurzelung Im Deutschtum als einem Axiom ausgehend, jede tiefere Gemeinsamkeit mit dem Wcltjudcntum leugnet, jede Schwcrpunktvcrschicbung nach der jüdischen Seite hin als Reaktion und Schädigung betrachtet, kann nicht gut in Einklang gebracht werden mit der Sehnsucht der Zionistcn nach Neuverbrüderung und Wiedererweckung des im Geiste niemals getrennten jüdischen Volkes. Dennoch vertreten wir die Meinimg, daß ein Weg des Ausgleichs und der sachlichen Verständigung gangbar und noch mehr, daß er notwendig ist. Auch wer in Deutschland und nur in Deutschland seine Heimat sieht, wird oder sollte doch jedenfalls als Jude ein Empfinden dafür haben, daß dort in Palästina ein neues Kapitel jüdischer Geschichte beginnt, welches auch kein Wunsch deutsch-jüdischer Notabcln rcdressicreu kann. Wo nicht ursprüngliches Gefühl flammt und vorwärts treibt, müßte der prüfende Verstand sich sagen, daß keine wie auch immer geartete Hallung zum Palästinawerk vor der Welt von der Solidarhaftung des gesamten Judentums entbinden kann. Der Makel des Mißlingens wird jeden Juden treffen. Darum verlangt schon Klugheit, mitzuhelfen, damit der Bau, gegen dessen Errichtung zu protestieren zwecklos ist, auch fest gefügt und prächtig werde. Die Führer des amerikanischen Judentums, gewiß nicht des mangelnden amerikanischen Patriotismus oder der Vorliebe für jüdisch-nationale Gedankengänge verdächtig, sind dieser Einsicht gefolgt und werden in dem Repräsentativ- und Exekutivorgan des Palästinaaufbaus, der vom Völkerbund eingesetzten Jcwish Agcncy vertreten sein. Bekannteste Namen des deutschen liberalen Judentums sind gleichfalls davon durchdrungen, daß eine Einheitsfront für Palästina geschaffen werden muß. Wie lange noch werden die verantwortlichen Männer des Centralvcreins sich einer Strömung widersetzen, die nicht nur von außen, sondern in immer stärkerem Maße aus den eigenen Reihen i'-nen entgegendringt? Quousquc tandem? Gerhard Hold heim. Zenträrat der jüdischen WclIhillsUoirfercnz Paris. (J.T.A.) Das Exckutiv-Komitec der Jüdischen Wclthilfskonfcrcnz hat beschlossen, für den 12. und 13. August d. J. eine Sitzung des Zcntralrates einzuberufen. Ucber den Tagungsort wird erst in den nächsten Tagen entschieden werden. In Betracht kommen in erster Reihe Berlin, dann Wien oder Marienbad. Der Zentralrat zählt 00 Mitglieder, Vertreter der großen Organisationen für jüdische soziale Hilfstätigkeit. Von den auf der Tagesordnung stehenden Fragen sind hervorzuheben: Die Erneuerung der Hilfstätigkeit des Joint Distribution Committcc und ihre Folgen, die Vereinigte Jüdische Volksbank, die Statuten des Weltverbandcs für jüdische soziale Hilfe, die Gründung eines Zentrums für jüdische Kinderhilfe usw. Die nach Amerika entsandte Abordnung der Jüdischen WelthilM-umfcrenz, bestehend aus dem Präsidenten Leo Motzkin, dem Oberrabbincr von Petersburg Eisenstadt und dem Abgeordneten Dr. Oskar Cohn, wird über die Resultate ihrer Mission Bericht erstatten. Die Pariser EiltskoaTcrcnz Paris. (J.T. A.) Am 12. und am 13. Juli fand In den Büros der Ica in Paris eine Konferenz von Persönlichkeiten der großen Organisationen für soziale Fürsorge in verschiedenen Ländern statt. Unter den Teilnehmern sind zu nennen: Der Präsident des amerikanisch-jüdischen Kongresses Dr. Stephen S. Wise, der Präsident des amerikanischjüdischen Komitees und des Emergency Committcc Louis Marshall, der Präsident der amerikanisch-jüdischen Enügrantcn-Hilfsgesellschaft „Hias" John L. Bernstein, das Vorstandsmitglied der Wclthilfskonfcrcnz und des Emigrantendircktoriums Dr. Alfred Klee-Berlin, der Europa-Direktor des Joint Distribution Committcc Dr. Bernhard Kahn, M. K1 u m c 1 - Warschau, Bcrl Locker u. a. Die Konferenz beschäftigte sich mit der jüdischen Wiederaufbauarbeit in den Ländern, in denen ein jüdischer Notstand festgestellt ist. Es kam zum Ausdruck, daß die verschiedenen jüdischen Hilfsorganisationen Hand in Hand miteinander die Hilfstätigkeit durchführen, daß aber jede Organisation ihre vollkommene Unabhängigkeit bewahren solle. Es ist nicht nur Raummangel, der eine eingehende Berichterstattung über des Autors Auseinandersetzung mit Naumann hindert. Wir fühlen hierzu nicht das Bedürfnis und erblicken hierfür keine Notwendigkeit Wenn ein Bruder, der die Mutter bestenfalls zweimal im Jahre besucht, dein andern, der sie schlägt, Vorhaltungen über seine Miß- Reratcnhcit macht, so soll es nicht unsere Aufgabe sein, uns ., in den Streit der feindlichen Brüder zu mischen. Wir müssen zwar öfters herzlich lachen, so wenn wir bis dahin unbekannte Burlesken der Naumann-Anhänger zur Kenntnis nehmen, z. B. das Rundschreiben eines vcrchrlichcn ßurschenbundes Saxonia, in dem samtlichen Korporationen mitgeteilt wird, daß er kein Ableger einer verehrlichen Verbindung Bavaria bzw. des K. C sei und seine deutschvatcrländischc Gesinnung (offensichtlich zur Abgrenzung vom K. C.) d|ck unterstreicht. Und wir lesen mit behaglichem Schmunzeln d'C seitenlangen Vorhaltungen (ausgerechnet) des Centralvcrcins wegen der übcrpatriotlschcn Haltung Naumanns. Wenn der Autor z. B. von dem „nervösen, manchmal beinahe hysterischen Abwehren der Anzweiflung unseres Volkstums" spricht und gesteht, daß ihm eine solche Haltung aur die Magennerven gehe, wenn er das entzückende Wort des Schammes erzählt, der den allzu bußfertig sich an die Brust plagenden mit den Worten beruhigt: „Mit Gewalt werden nichts ausrichten I", wenn er schließlich bekennt, daß Jje Juden durch eine derartige Kriecherei nur an Achtung und ■Geltung verlieren würden, dann wird uns niemand die Freude darüber rauben dürfen, daß unsere Gegner wenigstens etwas )'°n uns gelernt haben. Kennt denn der Schreiber nicht die Jjißcn Beteuerungen eines hochlöblichen Ccntralvcrcins für Majestät und Vaterland, kennt er nicht mehr die Kricgs- Proklamation seines Verbandes, in der die Juden crmahnt Wc'dcn, nicht nur ihre Pflicht (was etwas Selbstverständliches sondern „mehr als ihre Pflicht" (was etwas Unmögllcnes ist) zu tun? * . Wir wollen nicht schließen, ohne hervorzuheben, daß wir einem Satze der hier besprochenen Schrift besonders ein- Dic Londoner „Jcwish Times" wc;ß zu berichten, daß Louis Marshalls Vorschlag, die Hilfarbeit des Joint in Europa durch die Ica verwalten zu lassen, bei vielen europäischen Delegierten Unbehagen hervorgerufen habe. Ferner berichtet die „Jcwish Times", daß Dr. Wcizmann die Gelegenheit benützen wird, um mit Marshall zusammenzukommen. Marshalls Plan, für die Kolonisten in Sowjetrußland und die Hilfsarbeit Europas in den nächsten drei fahren Drives zu veranstalten, um die Summe von 15 Millionen Dollar aufzubringen, bedeute eine Schmälerung der Sammeltätigkeit für den' Kcrcn Hajcssod in den Vereinigten Staaten. Die Festlegung der Hilfstätigkeit der amerikanischen jüdischen Führer auf Europa muß selbstverständlich auch eine Rückwirkungen auf die Beziehungen dieser Angelegenheit herbeiführen. RumSniseh-offizieller ABttsesllismns Bukarest (J. T. A.) Der Ministerpräsident Rumäniens Joncl Brat!anu sprach sich in einem Interview mit Pressevertretern über die Judenfrage aus. Er sagte, er a n e r k c n n c die Berechtigung der Existenz einer antisemitischen Partei, habe Verständnis für die Stimmung, die der Codreanu-Prozeß gezeitigt habe, müsse aber Ausschreitungen, also die Propaganda der Tat, ablehnen. Diese Aeußcrung des Ministerpräsidenten hat in demokratischen Kreisen Rumäniens Entrüstung hervorgerufen. Man weist darauf hin, daß die Anerkennung des Antisemitismus von offizieller Seite für die Träger desselben unleugbar eine Ermutigung bedeutet, und also der Ministerpräsident dadurch seine eigenen Warnungen an die Adresse der Antisemiten paralysiert. Der Führer der Bukowincr Zaranisten (Bauernpartei) sprach sich in einer Massenversammlung von Bauern in Hliboka mit größter Entrüstung gegen die offizielle Ermunterung des Antisemitismus aus und sagte, die Regierung wolle den Zorn des Volk« über die immer mehr Oöcrhandnehraende Mißwirtschaft auf die Juden ablenken. Ein ZeGlral-Ansschaß der pslastfneiisfcxäca Franca Nach einem Gebrauch, der nun schon zur Tradition geworden ist, wird gleichzeitig mit dem allgemeinen Zionistenkongreß in Wien ein Kongreß der zionistischen Frauen stattfinden. Wenn man nach den Erfahrungen der letzten Jahre schließen darf, "so kann man voraussagen, daß auf diesem wie auf früheren Kongressen die Berichte und Vorschläge der Frauen, die aus Palästina kommen, besondere Beachtung finden werden. Kein Wunder! man kann sich im Galuth noch so lebhaft mit Palästina beschäftigen — einen wirklichen Ucbcrblick über die Verhältnisse und Erfordernisse des Landes können doch nur die gewinnen, die an Ort und Stelle in ununterbrochenem Kontakt mit der Aufbauarbeit stehen. Nun hat sich aber auf früheren Frauenkongrcssrn eine Schwierigkeit herausgestellt: die Teilnehmerinnen, die. aus Palästina kamen, waren immer nur Vertreterinnen einzelner Fraucnvcrcinc oder ganz zufällig Anwesende und traten daher fast immer im Interesse ihres besonderen Vereins oder ihres persönlichen Steckenpferdes auf. Vertreterinnen der gesamten Frauenwelt Palästinas oder wenigstens wesentlicher Teile derselben haben bisher auf zionistischen ebenso wie auf allen anderen Frauenkongressen gefehlt. Wäre die Weltorganisation zionistischer Frauen im Laufe der Jahre bereits das geworden, was ihr Name zu versprechen scheint: eine über alle Länder der Welt verbreitete Frauenorganisation, die alle Zweige zionistischer Frauenarbeit in ihren Aufgabenkrcis stellt, so wäre das auders. In diesem Falle wäre es wahrscheinlich gelungen, was auf dem letzten Kongreß in Karlsbad beschlossen wurde: eine Palästina- Exekutive zu schaffen, von der nur vier Mitglieder auf dem Kongreß gewählt werden, während die übrigen fünf von den fünf großen in Palästina arbeitenden Frauenorganisationen gewählt sind. Diese Exekutive wäre dann wirklich eine Vertretung der palästinensischen Frauen, und ihre Mitglieder wären befugt, auf dem zionistischen Frauenkongreß als solche aufzutreten. In Wirklichkeit ist bisher die W. I.Z.O. ein zionistischer Fraucnvcrcin unter anderen zionistischen Frauenvercinen geblieben; sie hat ihre Organisation im wesentlichen auf England und Neuseeland begrenzt gefunden und ihre Palästina-Arbeit auf einige wenige, wenngleich wichtige Institute beschränken müssen: das Hostel in Tcl-Awiw, die laridwirtschaftliche Schule in Nahalal und die Säuglingsstatioucn in Jaffa. Andere Zweige weiblicher Wohlfahrtsarbcit hat sio bisher noch nicht einmal berühren können. Zum großen Teile infolge dieser Beschränkung ist es auch nicht geglückt, die palästinensischen Frauenorganisationen zur Entsendung von Vertreterinnen in die Exekutive der W. J.Z. O. zu bewegen; diese ist eine ganz zufällig zusammengesetzte, im öffentlichen Leben Palästinas bedeutungslose Körperschaft geblieben, deren Mitglieder keinerlei Möglichkeit haben, im Namen der palästinensischen Frauen in ihrer Gesamtheit zu sprechen. Es bestand bis vor kurzem die Gefahr, daß auch auf dem kommenden Frauenkongreß entweder Frauen des Auslandes oder einige zufällig anwesende Palästinenserinnen über das, was in Palästina geschehen soll, bestimmen werden, ohne daß man die wirkliche öffentliche Meinung Palästinas befragen kann. In Palästina erkannte man, durch frühere Erfahrungen gewarnt, die Gefahr noch rechtzeitig und leitete Schritte ein, um sie zu verhüten. Hierbei wurde man ermutigt durch Frauen des Auslandes, welche erklärten, daß sie sich nicht länger an Palästina-Arbeiten beteiligen wollten, sofern diese nicht von den, Frauen Palästinas selbst gutgeheißen würden. Es ergab sich also'für die palästinensischen Frauen die Notwendigkeit, ihre einzelnen Kreise zu einer autoritativen Behörde zusammenzufügen. Eine solche hatte bisher in Palästina vollständig gefehlt; die Verhältnisse lagen vielmehr so: Es bestanden und bestehen nebeneinander mehrere Frauenorganisationen, die unabhängig eine von der anderen ihre besondere Arbeit leisten. Die wichtigsten dieser Fraucnorganisationen sind: die Arbcitcrinncnorganisation, die ein Teil der Arbeiterorganisation ist und nur spezielle berufliche Interessen der Frauen gesondert vertritt; die Frauenorganisation des M i s r a c h i, die ebenfalls ein Teil der Fraktion ist und Wohlfahrtsinstitutc nur für misrachistischc Kreise schafft. Zu diesen Parteiorganisationen kommt die Organisation für G1 c I c h b e r cc h t i g u n g der Frauen, die in Verbindung mit ihrer politischen Tätigkeit eine solche zur Erziehung und kulturellen Hebung der Frauen des Landes entfaltet. Neben dieser Landcsorganisatlon steht die große allgemeine palästinensische Frauenorganisation „H istadruth naschim ibriot h", die sich von jeder Partei- und politischen Arbeit fernhält und ein Programm allgemeiner weiblicher Wohlfahrtsarbeit verfolgt, dem sich auch die Mitglieder von Partei- und Sonder« Organisationen anschließen können. Ferner ist die zu enger Verbindung mit „Histadruth naschim ibrioth" stehende, noch junge „H i s t a d r u t h - h a Z c I r o t" zu nennen, die sich die geistige Ausbildung ihrer jungen Mitglieder und ihre Heranziehung zu sozialer Frauenarbeit zur Aufgabe macht. Außerdem gibt es i'i Palästina eine ganze Fülle von philanthropischen Frauenvereinen, unter denen die größten „Es er Joldot" (Schwangerschaftshilfe) und „Esrat Naschim" (Unterhaltung eines Irrenhauses) sind. Von ausländischen Frauenorganisationen sind durch besondere Komitees in Palästina „Hadassah" und „W.J. Z. O." vertreten. Jede diese Organisationen verfolgt ihre besonderen Aufgaben und Intercsswi, und besonders, soweit sie auf gewisse Stände und ganz spezielle Arbeiten beschrankt ist, kann keine von ihnen Anspruch auf eine Vertretung der allgemeinen Fraucnintcrcsscn Palästinas machen. ' Durch das Fehlen einer solchen aber entstehen fortwährend arrc Mißstände. Indem nämlich jede Organisation ganz für sich arbeitet, ohne sich um die Arbeit der anderen zu kümmern, geschieht es häufig, daß Institute doppelt oder am unrichtigen Platze geschaffen werden, während gerade andere Institute oder die gleichen Institute an anderem Platze notwendig wären. So bestehen z. B. zurzeit an verschiedenen Orten und bei. verschiedenen Organisationen Pläne für: Säugllngsstationcn, Arbeitsstuben, Haushaltsschulcn, Krankenhäuser für Wöchnerinnen usw., und es ist schwer, in irgendeinem Ort Palästinas und absolut unmöglich im Auslände, zu beurteilen, ob resp. wo diese Institute am notwendigsten sind und welche Organisationen am meisten befugt sind, sie zu leiten. Dabei ist es noch vorteilhaft, wenn Frauenverbände des Auslandes die Einrichtungen in Palästina schaffen wollen, sich überhaupt an die nicr bestehenden Frauenverbände wenden und nicht einfach, w,e es allzu häufig geschieht, mit einer beliebigen Gruppe von guten Bekannten in Palästina oder einer aus dem Auslände exportierten „Leiterin" ganz unabhängig von allem Bestehenden ihre Arbeit beginnen. Daß bei einem solchen Verfahren viel Energie und Geld unnütz verpufft wird und vieles in kleinem Maßstabe und unzweckmäßig getan wird, was — bei Beteiligung aller Interessierten Stellen — viel großzügiger und systematischer getan v/erden könnte, versteht sich von selbst. Diese Uebclstände also galt es möglichst noch vor dem kommenden Frauenkongreß abzustellen und eine einheitliche , Vertretune der- Frauemntercssen in Palästina zu schaffen,

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