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Jüdische Rundschau · 1925-07-17 · Heft 56 (17.7.1925) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 56 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 400 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50 die, unter voller Wahrung der autonomen Rechte der einzelnen Vereine und Persönlichkeiten in der Erfüllung ihrer Programme, doch die Möglichkeit erhält, in ihrer aller Namen zu sprechen und sie alle an gewisse Gesetze zu binden. Die Initiative zu dieser Vereinheitlichung mußte mit Notwendigkeit von derjenigen Organisation ausgehen, welche die größte ist, das umfassendste Arbeitsprogramm besitzt und Mitglieder aus den verschiedensten Kreisen und Richtungen besitzt: nämlich von der „Histadruth naschim ibrioth". Die Zcntrallcitung dieser Landesorganisation, die Abteilungen in Jerusalem, Haifa, Tcl-Awiw, Tibcrias, Safed, Rcchoboth, Pctach Tikwah und Ekron besitzt, hielt es für gut, von Anfang an die Meinung auch der ausländischen Zionistinncn zu befragen. Kurz vor Pessach, als in Jerusalem viele bekannte zionistische Arbeiterinnen der Auslandes weilten, lud sie daher diese Frauen zu einer Besprechung der Organisationsfragc ein. Bei dieser Sitzung, an der u. a. Vertreterinnen und Präsidiumsmitglieder von Hadassah, W.J.Z.O., Ktilturvcrband der polnischen Frauen, der Womcu's Kcren Hajessod Lcaguc u. a. teilnahmen (s. betreffende Nummer der „Jüdischen Rundschau"), gelangte mit fast vollständiger Einheitlichkeit der Wunsch der ausländischen Frauen zum Ausdruck, eine solche Zentralstelle für Frauenarbeit in Palästina selbst entstehen zu sehen und lach an sie als an das Zentrum palästinensischer Frauenarbeit wenden zu können. Beschlossen wurde die Schaffung einer Moazah oder Zentralstelle, die aus Vertreterinnen der verschiedenen palästinensischen Fraucngrtippcn sowie der am Palästina-Aufbau interessierten Fraucngrtippcn des Auslandes zusammengesetzt sein sollte. Ihre Aufgaben sollten sein: Sammlung des Materials über Frauenarbeit in Palästina, Vorschläge und Auskünfte über solche und Ueberwachung ihrer Ausführung. Nach Abreise der ausländischen Gäste wurde in Palästina von der dort konstituierten Initiativgruppe, bestehend aus Vertreterinnen von Histadruth naschim ibiroth, W. J.Z.O. und Hadassah an der Formulierung des Gedankens weitergearbeitet. Nachdem eine Weile die Meinungen innerhalb der „Histadruth naschim ibiroth" selbst über die Form der Moazah auseinandergingen, ist es in den letzten Tagen zu einem Einiguiigsvorschlag gekommen. In Anbetracht der Tatsache, daß es keinen Sinn hat, auf dem Prinzip der Beteiligung aller Kreise und Gruppen zu bestehen, wenn eine solche Beteiligung ganz unmöglich erscheint und die gesamte Ausführung des Planes verhindert, hat man sich entschlossen, die Moazah verläuft^ als eine Vertretung der großen, von nationalem Geist erfüllten Landesorganisationen Palästinas zu gestalten, nämlich Histadruth naschim ibiroth, M o a z a - h a - P o a 1 o t, M 1 s r a c h i - F r u u c n o r g a n i - sation, Verein für Gleichberechtigung der Frauen. Dazu kommen Vertreterinnen der Palästina-Ausschüsse von W. J.Z.O., Hadassah und Kulturvcrb a n d. Schließlich einigte man sich darauf, auch eine Vertreterin der Histadruth-ha-Zeirot und dem großen Wohltätigkcitsvcrcin „Eser Joldot" einzufordern, obwohl der erstere kein Landesverband, sondern ein Jcrusalcmcr Verein und der zweite eine nicht durchweg im Zeichen des nationalen Palästina-Aufbaus stehende Organisation ist. Uebcr die Form der Teilnahme seitens der ausländischen Fraucnvcrcinc kann endgültig erst die Wiener Frauenkongreß bestimmen. Wenn die Moazah in der obigen Form zustande kommt, so bedeutet sie wirklich eine Zusammenfassung aller wesentlichen Teile der palästinensischen Frauenwelt und ist daher in der Lage, auf allen Gebieten der Frauenarbeit autoritative Entscheidungen zu treffen. Nun darf aber nicht verschwiegen werden, daß die Beteiligung aller genannten Organisationen an der Moazah noch nicht garantiert ist. Die erste Absage wird vielleicht von der Misrachi-Frauenorganisation ausgehen, die sich ebenso von den vorbereitenden Sitzungen bisher ferngehalten hat, wie sie stets an der Exekutive der W.J.Z.O. unbeteiligt geblieben ist. So erfreulich es wäre, wenn gerade in dem Augenblick, in dem die Gcsamt-Misrachi sich von der palästinensischen Volksorganisation, dem Waad Leumi, losgetrennt hat, die Misrachifrauen ihren übrigen Volksgenossinnen kameradschaftlich die Hand hinstrecken würden, um ihren Willen am gemeinsamen Aufbauwerk zu beweisen, so ist hierauf mit Sicherheit nicht zu rechnen. Der Misrachi- Fraucnverciu wird es vielleicht vorziehen, weiter mit separaten Misrachi-Mittcln separate Michrachi-Arbeit zu leisten. Auch seitens der Moazah-ha-Poalot Ist eine Entscheidung bisher nicht gefallen. Hier ist ein 'Ausschluß von gemeinsamer Frauenaufbauarbeit insofern viel weniger verständlich als beim Misrachi, als ja die Arbeiterinnen in weitgehendem Maße aus den Instituten der bürgerlichen Frauenorganisationen Nutzen ziehen (Hostel, Nahalal, Hadassah, Säuglingsstationcn usw.) und sich auch oft genug schon wegen finanzieller Unterstützung an diese gewendet haben. Man kann nicht gut den ignorieren, dessen Mittel und Einrichtungen man in Anspruch nimmt! Eine endgültige Entscheidung ist hier noch nicht gefallen, und die Meinungen führender Moazah-Mitglicdcr gehen noch auseinander. Gesetzt den bedauerlichen Fall, die Moazah-ha-Poalot ^ürdc sich gleich dem Misrachi von der Zentralorganisation der palästinensischen Frauen ausschließen — soll diese deshalb unterbleiben oder ihr das Recht aberkannt werden, als Vertretung der palästinensischen Frauen aufzutreten? Sicheren nicht! Sie stellt dann Immer noch einen Zusammenschluß von vier der größten und wichtigsten Fraucnorganisationen Palästinas mit umfassendem Programm und Mitgliedern aus den verschiedensten Volksweisen dar, ihre Angehörigen haben einen Ucbcrblick über die gesamte im -andc geleistete und zu leistende Frauenarbeit und sind Bürchaus imstande, den Frauen Palästinas und denen des ausländes den Weg zur systematischen Beteiligung der grauen am Aufbau des Landes zu weisen. Schließlich um- •:'ßt ja auch eine Spitzenorganisation, wie etwa der „Bund deutscher Fraucnvcrcinc" nicht alle Fraucnvcrcinc des Landes '■J- B. keine sozialdemokratischen) und gilt doch im In- ^nd Auslände als die repräsentativste und autoritativste --ehördc der deutschen Frauen. A Selbst wenn im Augenblick noch nicht das ganze Ideal ^« Zusammenschlusses der palästinensischen Frauenwelt erficht wird, so werden die Teilnehmerinnen de9 Kongresses und die Zionistinncn der ganzen Welt sicherlich;rolt sein, sich an eine Behörde wenden zu können, die bcist, den Willen von etlichen tausend palästinensischer - raucn der verschiedensten Richtungen autoritativ auszugehen. Helene Hanna Cohn. ... Berlin. (J. T. A.) Wie aus Riga mitgeteilt wird, hat die •'utteilung der JTA., daß das Zentrale Pafästina-Amt sich bemüht, 150 Einreise-Zertifikate für Emigranten in Riga zu beschaffen, unter den dortigen Emigranten die mißverständliche •yetnung hcrvorgcruTcn, als ob die Zertifikate bereits zur vertugung gestellt worden wären. Die unglücklichen Emigranten, die von Ausweisung bedroht sind, belagern das Riper Palästina-Amt und verlangen die Herausgabe der Zcrtifiu YcmScScnübcr Ist festzustellen, daß das zentrale Pawstina-Amt laut einem Telegramm aus Jerusalem sich alle Ä ßlbt» dic 150 Zert*feate die Rigaer Emigranten zu Xügt& AbCr An*dc*cnl*it b& h«1*6 noch **t Eine sephardische Tagung Von Dipl.-Ing. J. E s c h k e n a s y-Rustschuk, Bulgarien. In Anbetracht der geplanten sephardischen Wcltkonferenz in Wien gewähren wir den nachstehenden kritischen Ausführungen eines sephardischen Zionistcn aus Bulgarien Raum. D. Red. Der „Haschofar", das offizielle Organ der Zionistischen Vereinigung für Bulgarien bringt in seiner Nummer 12 vom 18. Mai d. Js. einen Artikel, der dic Aufmerksamkeit der gesamten zionistischen Organisation verdienen sollte. Deshalb sex es hier zunächst wiedergegeben: „Das Jcrusalcmcr Komitee für dic Vorbereitung einer Wclttagung des sephardischen Judentums hat einen Aufruf veröffentlicht, in dem das sephardische Judentum eingeladen wird, eine besonders intensive Schekclaktion durchzuführen, um eine zahlreiche sephardische Delegation zum zionistischen Kongreß in Wien sicherzustellen. Diese Scpharadim-Kongrcßdclcgicrtcn sollen dic besondere Aufgabe haben, dic Interessen des sephardischen Judentums zu vertreten. Es ist nun ganz richtig, wenn im Aufrufe festgestellt wird, daß es begründet ist, wenn in Palästina für dic Scphardim nicht viel gemacht wird. Der Grund ist nämlich dic schwache Betätigung des sephardischen Judentums in der allgemeinen nationalen Bewegung und wenn dic sephardischen Juden irgendwelche Rechte und Vorteile bei der Kolonisation Palästinas haben wollen, müssen sie sich auch ihrer Pflichten bewußt sein." Nun, fährt der „1 Iaschofar" fort, sei es zu weit, wenn man den sephardischen Juden empfiehlt, ihre Stimme der Zionistischen Organisation zu entziehen und sich geschlossen hinter eine Partei, — dic sephardische — zu steilen, dTc allein in der Lage ist, ihre Rechte zu schützen. Auf diese Weise entsteht, wie der „Haschofar" meint, eine eigenartige Ideologie, nach welcher das sephardische Judentum seine besonderen Interessen habe, dic so wichtig seien, daß um ihretwillen dic anderen großen, sozialen und politischen Probleme vernachlässigt werden könnten. So Tol^t daraus z. B., als ob es dem sephardischen Juden gleichgültig sein könnte, ob seine Vertreter für dic Erweiterung der Jewisli Agcncy stimmen werden, oder dagegen, oder aber für dic Politik Wcizmanns oder für dic J abo t i nskys kämpfen werden. Maßgebend für den Sepbarden sei es angeblich, daß „seine spezifischen sephardischen Interessen vertreten werden". Und was für Interessen sind denn diese? Wir haben diese Frage schon mehrfach gestellt, und keiner der Herren des Jcrusalcmcr Vorhcrcitungsausschusscs hat sie bisher beantwortet. Jetzt sehen wir, daß unsere Angst sich richtig erwiesen hat: Im Namen fiktiver sephardischer Interessen wird die Vernachlässigung höherer Interessen unserer Bewegung empfohlen. Das ist nichts wie Separation schlechtester Art. Am Schiuß ihres Aufrufes schlagen dic Jcrusalcmcr Herren den Kongreß-Delegierten eine besondere sephardische Vorkonferenz vor. "Wir wollen hoffen, sagt der „Haschofar", daß in dieser Konferenz der Weg, den das sephardische Judentum zu gehen hat, gefunden wird." Wie dic Leser der „J. R." sehen, handelt es sich hier um eine Bewegung, die große Gefahren in sich birgt. Eines Tages können wir es ergeben, daß unsere Budgets nicht mehr besondere Summen, z. B. für Emigration und Kolonisation, Erziehung und Unterricht u. a. m. enthalten werden, sondern daß sie die Budgets der Organisation der Mi>rachislen, der Sephardim, der Agudha usw. decken. Und aul diese Weise sollen unsere Bestrebungen für die Schaffung eines einheitlichen Judentums in Palästina bald in Eriüllung gehen! Deswegen möchten wir unsere öffentliche Meinung zu Hilfe rufen, bei der Lösung einer Frage, die selbstverständlich ist. Es scheint mir, diß man ziemlich unvorsichtig handelt, wenn man den Jcrusalcmcr Herren vom Vorbereitungsausschusse besondere Aufmerksamkeit schenkt und ihnen auf diese Weise Bedeutung verleiht. Herr Ussischkin hat über sie, wenn Ich nicht irre, eine besonders gute Meinung und nicht lange her ist es, seitdem man geseflrieben hat: „Es sind Schritte unternommen, um das sephardische Judentum (an dic Joint Agcncy! heranzuziehen. Es wird durch dic jüdischen Gemeinschaften in Palästina und Italien zu erreichen sein (siehe den Bericht über die Konferenz zur Fr^c der Erweiterung der Jcwitii Agcncy In New York -- 1. R. Nr. 22). Es ist eben sehr fraglich, oh das Jerusalemer Komitee, das man wohl meint, dazu berufen ist, dic Heranziehung des sephardischen Judentums in dic Wege zu leiten. Wir fürchten sehr, daß der ganze Plan nur überflüssige Komplikationer. schaffen kann, denn beim sephardischen Judentum gibt c*. überhaupt keine Parteien, und noch weniger •.<>!e',e dic gcj<-ii Zionismus und Palästina sind. Dic Frage der Heranziehung "der Scphardim läßt sich vielmehr leicht durch organisatorische Maßnahmen lösen. Wenn die Exekutive den sephardischen Zionishn du sc Aufgabe übertragen würde, so wäre das das beste. Gegenüber dem „Haschofar", dem Organ der bulgarischen Förderatiston ist zu bemerken, daß niemand anders die Verantwortung für den chaotischen Zustand innerhalb des sephardischen Judentums tragt, als dic bulgarischen Zionistcn selbst, denn sie, als alte und treue Anhänger der Zionistischen Bewegung, müßten sich endlich ihrer nächsten Aufgabe bewußt werden: diese ist nichts anderes als die Entfaltung einer großangelegten Propagandaaktion unter den sephardischen Juden. Sollte das bulgarische Judentum efer Führer des gesamten sephardischen Judentums werden, und würde der „Haschofar" aus einer Zeitung einer kleinen Organisation, ein sephardisches Organ der Weltorganisation werden, so sind wir überzeugt, daß wir in der allernächsten Zeit mit einer bedingungslosen Heranziehung des sephardischen Judentums rechnen können. Unsere Exekutive braucht nur den Ansporn zu geben und dic bulgarischen Zionistcn werden sich freudig in den Dienst dieser Aufgabe stellen. Ich denke mir eine großangelegte Propagandaaktion zur Heranziehung des sephardischen Judentums auf folgende Weise organisiert: Es soll ein zionistisches Komitee in Bulgarien gebildet werden, das dic einzige Aufgabe hat, zionistische Propaganda unter dem sephardischen Judentum zu treiben und dic bestehenden zionistischen Organisationen in Ländern, dic von sephardischen Juden bewohnt sind, zu intensivieren. Eine gute Zeitung und iKriodischc Schriften In sephardischer und französischer Sprache sollen die wichtigsten Propaganda mittel dieses Komitees sein. Dadurch glauben wir, werden dic anspruchsvollen Jcrusalcmcr Herren etwas bescheidener werden, was unbedingt notwendig ist und die ÖaTdigc Heranziehung des sephardischen Judentums wird auf diese Weise gesichert sein. Rcorrjacisatioa der Paiesthie Express Cempaiiy Die Palestinc Expreß Company wird gegenwärtig völlig neu organisiert und beabsichtigt ihre Tätigkeit aüT allen Gebieten sehr stark auszudehnen. Der Board of Dircctors der Gesellschaft, deren Aktien sich im Besitz der Anglo- Palcstinc Co. Ltd, befinden, hat In seiner letzten Sitzung Herrn Richard Licht heim in das Direktorium coontiert, und ihm alle Vollmachten übertragen, um die Geschäfte der Gesellschaft neu zu ordnen. Herr Lichtheim hat sein Amt als M3iiaging Dircctor bereits angetreten und mit einer sofortigen Neuordnung der Büros de* Gesellschaft in Jerusalem und Jaffa begonnen. Die bisherigen Leiter beider Büros sind mit dem 1. Juli aus der Diensten der Palestinc Express Company ausgeschieden. Zu- Leiter des Jcrusalcmcr Büros wurde Herr Moses Lcvy, bisfc'! Leiter des jüdischen Informationsbüros der zionistischen ExV. kutive, zum Leiter des Büros in Jaffa Herr Dr. Moxit' Bilcski ernannt. Auch beim übrigen Personal beider Burö\ fanden verschiedene Veränderungen und eine neue Einteilung der Arbeitsgebiete statt. Die Zentrale der Gesellschaft befir.dq sich in Jerusalem. Herr Walter Turnowsky wurde Leiter der Organisations- und Propaganda-Abteilung dorthin berufen. Nach Durchführung aller weiteren Reformen, die scr, noch als notwendig erweisen werden, wird dic Geselhchv;- sich mit voller Energie den großen Aufgaben zuwenden, derer. Lösung für dic Entwicklung der Touristik in Palästina und für die Regelung des Transportverkehrs zwischen Palästina mjfl den anderen Ländern von Bedeutung sind. Wenn es der Palestinc Express Company gelingt, durch Propaganda im In- und Auslände, durch Ausbau der Verkehrsmittel, durch zuverlässige Bedienung und gute Unterbringung der Reisenden die Touristik zu entwickeln, so wird dies zweifcllos zur wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas erheblich beitragen. Berliner JßdJsdie Gemeinde Repräsentantensitzuug vom 8. Juli Die letzte Sitzung vor den Ferien war dazu bestimmt, d.;i in der vorigen Sitzung nicht erledigten Rest der Tagesordnung aufzuarbeiten. Dic ßeratungsgegenstände betrafen zumeist Angelegenheiten von geringerer Bedeutung. Eine eingehende Würdigung verdient die Aussprache über den Antrag, dic Einrichtungen der Bibliothek in größerem Maße als bisher fuj dic Ocffeulliehkeit nutzbar zu machen. Professor Heinrich Löwe entwickelte ein Programm, in welchem Wanderbibliotheken und SchülcrbibliothcAcn eine wesentliche Rolle spielen Ferner wünscht der Redner die Einrichtung einer literarischen Rubrik im Gemeindcblatt, in der die für das Publikum wichtigen Neuerscheinungen registriert und in kurzen Darstellungen gewürdigt werden. Der Vorsitzende der Biblioth^kkommissioi: Dr. Saudicr, begrüßt dic von dem Repräsentanten Locwc gegebenen Anregungen. Auch die Bibliothekkommission haiv den lebhaften Wunsch, alles von ihr aus Mögliche zu tun, um die Gemcindcbihlioihck im wahrsten Sinne populär zu gestalten. Bewährt habe sich besonders dic Lesehalle und es bestehe die Absicht, solche Lesehallen in mehreren Stadtteilen einzurichten. Dic Aussprache endete mit der Annahme eines Antrages, der dic Vcrötfcntlichung eines Verzeichnisses der wertvollen und lesenswerten Bücher der Gcmcindcbcbliothek vorsieht. Ferner sollen die Neuanschaffungen im Gemeindcblatt ver» öffentlicht und von Zeit zu Zeit durch Artikel auf 73cdeutting und Wert der Bibliothek hingewiesen werden. Die Errichtung von Wander- und Schüler-Bibliotheken, sowie die Einrichtung weiterer Lesehallen werden gefordert. In einem gewissen Gegctratz zu dieser Förderung geistiger Bedürfnisse steht dic Mitteilung des Gemeindevorstandes, wonach er dic Hervorhebung des judaistischen Instituts der Jerusalems Universität bei der Verteilung der für auswärtige Büchereien bestimmten Mittel wiederholt ablehnt. Dr. Kicc schlägt vor, eine Formulierung zu wählen, die eine Berücksichtigung der Bedürfnisse des judaistischen Instituts erreiche;-, soll. Dic Versammlung i;t mit dieser Formulierung einstimmig einverstanden. Dem Tahnud-Thora-Vcrcin Ez-Chaim wird eine Subvention von 3000 Mk. bewilligt, wobei ein Zusatzantrag Klee Annahme findet, dem Verein bis zum 1. Oktober eine weitere Unterstützung von 2000 Mark zu zahlen. Hin Antrag der Volkspartci wegen Erhaltung der jüdischen Ausstellung in Köln wird angenommen. * Dic Fraktion der Judischen Volk sparte: hat In der Rcpräscntantcnvcrsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde beantragt, daß ein palästinensisches Rcisestipcndium geschaffen und daß hierfür der Betrag von 1503 M. in den Etat eingestellt werde. Das Reisestipendium soll alliährlich einem Rabbiner oder einem Religionslchrcr der Jüdischen Gemeinde verliehen werden. Dic Jüdische Volkspartci betont in ihrem Antrage, daß sie sich von diesem Stipendium eine Verlcbcudigung und Vertiefung des Unterrichtes in Bibel und jüdischer Geschichte verspreche. Presseschau Der Redakteur des „Judischen Woch c n-B la tts", Frankfurt a. M., Dr. Ernst Simon, richtet an der Spitze der Zeitung einen „Offenen Brief" an den Oberrabbincr von Palästina, Rabbi Kuk, in welchem auf dic Spaltung in der jüdischen Nationalversammlung und im jüdischen Nationalrat Palästinas, dic zu schweren Gefahren für dic Einheit des Judentums führen könne, hingewiesen und gesagt wird: „In dieser Stunde äußerster Not und Gefahr sind die Augen vieler Ihnen persönlich unbekannter, Ihnen verborgener jüdischer Menschen auf Sie gerichtet. Wir erwarten Ihr Eingreifen, wir warten auf dic Macht Ihres lebendigen Wortes. Sie sind der einzige, dessen Autorität in fast allen Kreisen des palästinensischen Jischuw, bei den Frommen und bei den Unfrommcii in unbedingter Geltung geblichen ist. Was freilich zu tun sei, das vermögen wir Ihnen nicht zu sagen.' Uns mag es scheinen, als ob in diesem Augenblicke mit aller Macht Aufschub zu schaffen sei; daß dic Linken gehindert werden müssen, schon jetzt unwiderrufliche Beschlüsse zu fassen, und daß die Gcsrtzcstreucn sieh aus der Not des Augenblickes und aus der Kraft ihrer Wahrheit von neuem um diejenige Aufgabe scharen sollten, die Sie, auch wieder Sic, ihm schon vor Jahren gewiesen haben: um das neue Sanhcdrion in Jerusalem. Man wird dlt Arbeiter nur dann zur Zurückstellung ihrer Forderungen bereden können, wenn man vonseiten des gesetzestreuen Judentums eine neue Prüfung und eine neue autoritative Regelung versprechen darf, die uns endlich aus dem hnlachischen Chaos dieser Zeit wenigstens einen Schritt herausführen möge. Vielleicht liegt hier ein Weg." * Im „Jüdischen Wo clt.cnblatt" (Frankfurt a. M.> veröffentlicht Rabbiner Dr.S. Kaatz (Hindcnburg) unter dem Titel „Agudah und palästinensische Gcmcindcvcrlassung" eine neun Spalten lange Auseinandersetzung, die darum außerordentlich bemerkenswert ist, weil hier ein orthodoxer Rabbiner dic Widersprüche und Verkehrtheit der von Dr. Issak Breuer — wir wissen nicht, ob im offiziellen Auftrag der Agudah — gemachten Vorschläge für dic palästinensische Gcraeindcvcrfassung nachweist. Wir empfehlen allen Freunden, die sich mit der Frage beschäftigen, dic Lektüre dieses äußerst instruktiven Artikels, besonders da diese Materie jetzt infolge der zwisch.cn Agudah und zionistischer Organisation eingeleiteten Verhandlungen von hohem Interesse' ist Das frühere Mitglied des von Direktor G n c s i n geleiteten Palästina-Theaters, das seinerzeit in Berlin Vorstellungen gegeben hat, Herr Qad Shelaso, wurde an das Berliner Staatsschauspielhaut engagiert.

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