Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 488 JÜEBISCHE RUNDSCHAU öffentlicher Arbeiten für die Zeit, in der die Arbeitsquanicn, die der Markt von sich aus liefert, nicht ausreichen. Aus alledem ist leicht zu ersehen, daß mit den bisher zur Verfügung stehenden Mitteln die Arbeit nicht weitet; zu führen sein wird. Das kommende Jahr wird den Ucbergang bilden müssen von der bisherigen Arbeit in kleinem Maßstabe zu einer großzügigen Sozialpolitik. Verschiedene neue Kreise, die bisher nicht im Jischuw yertreten waren, oder in der ersten Zeit ihres Aufenthalts im Lande für eine Einwirkung der nationalen Instanzen nicht in Betracht kamen, müssen erfaßt werden und von dorther die notwendige materielle Hilfe — soweit sie nicht in die Kompetenz bestimmter Banken fällt — und die notwendige Beratung bekommen. Vor allem aber muß die gegenwärtige günstige Situation dazu ausgenutzt werden, daß das Arbeitsdepartement der Exekutive den Markt beherrscht und nicht wieder schweren Krisen ausgesetzt wird, die dann überstürzte und deshalb unrationelle Maßnahmen notwendig machen. Die Jewish Ageicy Der Parteirat der Bukowinaer Zionistischen Landesor- Organisation hat in seiner am 17. Juni abgehaltenen Sitzung in bezug auf die Erweiterung der Jewish Agcncy die folgenden Beschlüsse gefaßt: Die Heranziehung aller zur aktiven Arbeit am Palästinaaufbau auf dem Boden der Balfour-Dcklaration Iwreitcn Teile des jüdischen Volkes darf nur unter Wahrung nachstehender Gesichtspunkte erfolgen. 1. Führung einer zielbewußten nationalen Politik und entschiedene Zurückweisung aller Versuche zu einer Abschwächung der Balfour-Dcklaration. 2. Sicherung der nationalen Prinzipien des Palästinaaufbaucs und Bekämpfung aller Versuche, der Einführung eines philanthropischen Kolonisationssystems, Sicherung der Hcbräisierung des palästinensischen Judentums durch den Ausbau und die Förderung des hebräischen Schuhwerkes. 3. Es können nur solche Gruppen in die Jewish Agcncy aufgenommen werden, von denen zu erwarfen ist, daß sie die Verantwortung für die Deckung eines Teiles des Palästinabudgets übernehmen werden. * Zürich. (J.T. A.) Der Delegiertentag der schweizerischen Zionistcn, der am 12. Juli begann, faßte einstimmig die folgende Resolution: „Der schweizerische Zionistentag ersucht den Kongreß 1. der Erweiterung dqr Jewish Agency nur dann zuzustimmen, wenn Garantien gegeben sind, daß die nichtzionistischen Mitglieder, entsprechend den zionistischen, einer Kontrollinstanz verantwortlich sind und einer periodischen Neuwahl unterliegen, 2. von der Exekutive eine stärkere Betonung der im Mandat festgelegten Rechte des jüdischen Volkes in Palästina zu verlangen." Auf dieser Resolution einigte mau sich als auf ein Minimum, so daß auch die Revisionisten und die anderen Anhänger der Konferenzgemeinschaft radikaler Zionistcn für dieselbe stimmten. Achtung Poale Zton — Schektli3hler! Hiermit geben wir allen Poale Zion-Schekelzahlern bekannt, daß bis jetzt eine Vorschlagsliste eingereicht wurde, nämlich: Alfred Borger, Berlin, Delegierter; Joseph Wahl, Halberstadt, erster Ersatzdclegicrtcr, Georg Lubinski, Berlin, zweiter Ersatzdclegicrter. Wir weisen nocTimals darauf Inn, daß Vorschlagslisten bis spätestens am 22. Juli sich in den Händen der Hauptwahlkommission, Berlin N'24, Auguststraße 17 (Büro Poale Zion) befinden müssen. Jede Vorschlagsliste muß von mindestens 25 Schekelzahlern unterzeichnet sein. Falls keine weiteren Vorschlagslisten bis obigem Dalum eingereicht werden sollten, wira die Hauptwahlkommission die Liste Berger laut den Bestimmungen des Wahlreglements zum Kongreß für gewählt erklären. Sollten weitere Vorschlagslisten bis zum obigen Datum eingehen, werden die Wahlen am 30. Juli evtl. 1. August durchgeführt werden. Genaue Wahlinstruktionen sind den Vertrauensleuten bereits zugegangen. Hauplwahlkommission d. jüd. sozialdem. Arbeiter-Organ. . Poale Zion in Deutschland. Die WiMen zur „Asselith hailwcharim4* Einem Telegramm aus Jerusalem zufolge, sind die Wahlen zum „Assefath haniweharim" bis Oktober d, Js. verschoben worden. * Das deutsche Zentralbüro des Misrachi richtete an die Weltzcntrale des Misrachi in Jerusalem das nachstehende Telegramm: »Halten Zeitpunkt für denkbar ungeeignet, durch Ablehnung geforderten Referendums politische Einheit dortiger Judcn!:cit in Frage zu stellen. Machet alle Anstrengungen durch Gestaltung des Wahlrechts gemäß Referendum Einheitsfront zu schaffen." Jihreskoalerenz der HUaehduth in Polen Warschau. (J.T.A.) Die Zionistische Arbeiterpartei „Hitachduth* in Polen hält jetzt in Warschau ihre zweite Jahreskonferenz ab. Anwesend sind 180 Delegierte, dje 100 Ortsgruppen vertreten. Vom Zentralbüro in Berlin sind die Herren Dr. Hellmann und Dr. Landauer erschienen. Der Vorsitzende der Konferenz, Scjm-Abg. Lewinsohn hielt die Eröffnungsrede, worauf ein längeres Schreiben Dr. Weizmann'R verlesen wurde, in welchem der Präsident der zionistischen Bewegung auf den großen, aus Polen stammenden Einwandererstrom in Palästina hinweist und" die Hoffnung ausdrückt, daß die Hitachduth-Bcwcgung, die einen sefir großen Teil der jüdischen Jugend in Polen umfaßt, mit Verständnis und Verantwortung über die Palästina-Wanderung wachen wird, damit diese den Bedürfnissen des Landes entspricht. Wcizmann drückt seine Ucherzcugung dahin aus, daß der neue Obcrkommlssar Palästinas die Bestimmungen 'desMandats dem Inhalte und dem Geiste nach erfüllen wird. Herr Dr. H c 11 m a n n - Berlin hielt darauf ein ausführliches Referat über die Lage des Zionismus und der Hitachduth- Bewegung. Er setzte sich eingehend mit der Opposition djr Konferenzgemeinschaft radikaler Zionismen auseinander, die seiner Meinung nach kein positives Programm aufzuweisen haben und ging dann zur Darstellung der politischen Lage im. Hinblick auf die Ernennung Lord P1 u m c r s über. Zum Schluß sprach Dr. Hellmann über die Lage ocs Erzichungswcscns ih Vzlasüna. Zu Beginn des zweiten Sitzungstages hielt Herr Taza ein dreistündiges "Referat über die Position der Hitachduth m Polen, aus dem man erfuhr, daß * die polnischen Organisation 8000 eingeschriebene Mitglieder in 235 Orten zählt. Der Redner entwickelte ein ausführliches Programm der weiteren Tätigkeit. Am dritten Sitzungstag rcfcrierte.,L.ew.in*ohn über die Politik der Hitacbduth-Fraktion im polnischen Sejm. Er kritisierte die Politik der Zionistcn Im Sejm, die zu Konzessionen neigen und führte aus,, die Hitachduth war gegen Verhandlungen mit Luden Wolf sowie gegen die Geheimdiplomatic, die seitens des Präsidiums des Jüdischen Klubs getrieben worden ist. Aus der Haltung der polnischen "Presse ist zu ersehen, daß man keineswegs bereit sei, die jüdische Frage einer wirklichen Lösung zuzuführen. Die Hitachduth-Abgcordneten werden vorläufig im Jüdischen Klub verbleiben und eine abwartende Haltung einnehmen. Die Errichteng eines TexÜIzenlrams In Palästina Das Projekt einer Tcxtilstadt in Palästina, über das wir seiner Zeit berichteten, scheint sich zu verwirklichen. Das Komitee für die Errichtung eines Textilzcntrums hat mit einem bekannten deutschen Konzern einen Vertrag abgeschlossen, wonach dieser als Generalunternehmer die gesamte Anlage einschließlich der Wohnhäuser der dreihundert Mitglieder der Gesellschaft durchführen und einen erheblichen Betrag der Selbstkosten langfristig kreditieren wird. Die Gesellschaft hat*1 bereits ein Terrain von 4000 Dunam in Djedda (bei Haifa) von „Meschek" und „Zion Commonwealth" erworben. Vertrtter des deuschen Konzerns und der Gesellschaft sind bereits nach Djedda abgereist, um an Ort und Stelle das Projekt zur Durchführung der Arbeit zu entwerfen. Bei den Bauarbeiten werden die Mitglieder der Gesellschaft bevorzugt werden. Ein Vorlauter des Stcigerprozess« Lemberg. (J.T.A.) In dem Prozeß gegen Jäger, K or n h a b e r -und Glaser man wurden die Angeschuldigten verhört. Kornhaber erklärt, er kannte Mikictin als den Bräutigam seines Dienstmädchens. Eines Tages erzählte Mikictin, er wußte schon vor dem 5. September, daß Steiger unschuldig ist und daß der Ukrainer Panczyszyn das Attentat gegen den Präsidenten Wojcicchowski unternommen habe. Er, Mikictin, habe die Fakten der Polizei mitgeteilt, man wolle aber davon nichts wissen. Der Beschuldigte Ignatz Jager erklärte, Kornhaber hätte ihn über die Angaben Mikietins informiert, sie hätten sich gesagt, man könne solche Angaben nicht ignorieren, man müsse sie zur Nachprüfung einem geschickten Detektiv mitteilen. Darauf hätten sie sich an den ebenfalls auf der Anklagebank sitzenden Dwornicki gewandt. Dieser hatte die weiteren Besprechungen mit Mikietin, das übrige entzieht steh seiner Kenntnis. Glaserman erklärt, mit der Angelegenheit überhaupt nichts zu tun gehabt zu haben, er hafte nur durch Dwornicki über die Aussagen Mikietins erfahren. Mikietin, der ebenfalls aut der Anklagebank sitzt, hält seine Aussagen gegen Panczyszyn aufrecht und erzählt, er sei nach seinem Austritt aus der Kommunistischen Partei Agent der Lemberger Polizei geworden, er hätte den Lemberger Polizeikommissar über die Vorbereitungen der Ukrainer zum Attentat informiert, der Kommissar bezeichnete dies aber als Phantasie. Am dritten Prozcfilng setzte der Mitangeklagte Polizeikonfident Mikictin seine Aussagen fort. Fr blieb dabei, daß der Ukrainer Panczyszyn unter Mitwirkung eines zweiten Ukrainers namens F y cl i k das Attentat auf den Präsidenten Wojchechowski versucht' haben. Er gibt zu, daß er von den Angeklagten Jäger, Kornhaber und Glasermann 5000 Dollar verlangt habe dafür, daß er den Juden Steiger entlastet. Diese h.-itteu! Ii tu aber kein Geld gegeben, sondern ihn ersucht, der Polizei die volle Wahrheit mitzuteilen. Einzig der Detektiv Dwornicki, den die drei jüdischen Bürger beauftragt haben, der Sache nachzugehen, hätte ihm, Mikietin. gesagt, die Juden werden ihn glücklich machen, wenn er zur Aufklärung der Angelegenheit beiträgt, so daU von den Juden der Verdacht genommen wird, daß der Attentäter aus ihrer Mitte stammt. Mikietin brachte mehrere Tatsachen vor, die Panczyszyn belasten sollen. Mikietin schildert dann ausführlich, wie die mit der Führung der Angelegenheit Steiger betrauten Polizcibcamtcn ihn ständig zu verwirren suchten und seine Angaben nicht nachprüfen wollten. Die öffentliche Meinung Lembergs ist des Glaubens, daß die Anklage gegen die jüdischen Bürger zusammengebrochen ist. Diese Meinung kommt sogar in einem Teil der polnischen Presse zum Ausdruck. *' Mikictin, dessen Verhör drei Tage in Anspruch nahm, sagte u. a. aus, daß der im Prozesse gegen Jäger als Protokollführer figurierende Dr. Piotrowskt und der Untersuchungsrichter Rutka ihn durch Androhung einer zwanzigjährigen Gefängnishaft veranlaßt haben, seine Aussage gegen die Ukrainer zu widerrufen und die Juden zu belasten. Man hätte ihm auch den Auftrag gegeben, sich als den Verfasser der seinerzeit vom ukrainischen Militärkomitee an die „Chwila" gerichteten Briefe zu bekennen und ihm die bei der Polizei befindlichen Briefe zum Auswendiglernen gegeben. Eine Abschrift dieser Briefe befinde sich noch in seiner Gefangenenzclle. Eine sofortige Durchsuchung der Zelle ergab, daß der Staatsanwall diese Abschrift während der Abwesenheit Mikietins bei der Gerichtsverhandlung beschlagnahmt hatte. Der Protokollführer Piotrowski wurde auf Antrag der Verteidigung sofort entfernt und durch einen anderen Protokollführer ersetzt. Der Untersuchungsrichter Rutka soll auf Antrag der Staatsanwaltschaft verhaftet werden. Ibn Sand und England Jerusalem. (J.T.A.)* Aus dem Kreise des Gesandten des Sultans Ibn Saud in Damaskus, Scheich S u 1 e I m a n , verlautet: Der Sultan von Nejd, Ibn Saud, hat nach London eine Abordnung entsandt, die die Aufgabe hatte, Großbritannien eine Alliancc unter den folgenden Bedingungen anzu-. bieten: I. Sultan Ibn Saud wird als der Sultan der arabischen Halbinsel anerkannt. 2. König Ali von Hedschas behält nur die Herrschaft über das nördliche Hedschas einschließlich Medina und Jcddah. 3. Die beiden Söhne des Exkönigs Hussein, König Ali von Hedschas und König Fcisul von Irak, müssen dazu verhalten werden, Ibn Sauds Oberherrschaft anzuerkennen. 4. Mekka wird zu einer unabhängigen Stadt erhoben, in welcher alle mohammedanischen Länder gleiche Rechte haben. Aus der gleichen Quelle wird mitgeteilt: Die britische Regierung zeige sich im allgemeinen geneigt, auf Ibn Sauds Vorschlage einzugehen, und habe den britischen Oberkommissar des Irak, Sir Pcrcy Cox, beauftragt, die Verhandlungen mit Ibn Saud zu führen. Sobald eine Uebercinstimmung erzielt sein wird, wird sich Sultan Ibn Saud persönlich nach London begeben, um seine Unterschrift unter den Vertrag zu setzen. Nach einer Mitteilung des Direktors der 'Anglo Palcsfinc Company, Herrn Hoof icn, werden von osteuropaischen Immigranten monatlich im Durchschnitt eine Million Dollar bei dem genannten Institut eingelegt. r l ---^ „Das deutsche Judentum und seir/ jüdischen Gegner"*) | Eine Schrift, die, von einem Vorstandsmitglied des C?| tralvcrcins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens \c;l~/j im ersten Satze ihres Vorworts sagt, sie wolle keine Str< \ schritt gegen den Zionismus sein, erweckt Aufmerksamer Umso mehr, als sich bald erkennen läßt, daß eine scharf Polemik mit dem „Verband nationalaeutscher Juden'* ihr eigej licher Zweck ist. Man liest somit die wenigen Seiten, die. <j, t Zionismus gewidmet sind, in der angenehmen Erwartung, d.| hier (zwar eine ideologische Abgrenzung, äber) eine gerecht Würdigung der Bewegung versucht wird. Weit gefehlt! i Die alten Argumente aus der Rüstkammer der Av ■ milation tauchen auf. Es gäbe keinen nationalen Zusamm? hang unter den 15 Millionen Juden, und insbesondere ur.:-. den deutschen Juden sei die nationaljüdischc Auffassung nic-| gewachsen, sondern künstlich gezüchtet. Kann ein Unvc-j eingenommener denn im Ernst an die Künstlichkeit ein» Bewegung glauben, die nun schon seit 30 Jahren beste und Gewaltiges geschaffen hat? Mit Argumenten dieser Art ist durch 23 Jahre polemisierworden, wir haben heute, wo Tatsachen sprechen, nkr.- \ mehr nötig, nochmals diese ausgefahrenen Wege zu gche;j; Wenn nur solche „olle Kamellen" sich in der Schrift fände-.V; so würden wir uns der Mühe einer eingehenden Betrachturf : nicht unterziehen, zumal, wie gesagt, die Broschüre in erste-' Reihe dem Bruderkampf der mehr oder minder national deutschen Juden gilt. Leider aber wird die Sache schon erns: , haftcr, wenn der „Antizionist scharfer Prägung" wie der Ver;; fasser sich auf S. 15 nennt, von dem Schaden, den dt:;: Zionismus dem deutschen Judentum zufügt, sprechen i.'■ müssen glaubt und sogar auf S. 22 die Meinung aussprich' ■! daß die Verwendung von Zionistcn in deutsch-politischen Erf amtenstcllcn als unerfreulich zu betrachten sei. Doc|; übergehen wir kommentarlos solche traurigen Entgleisungen' die im Munde eines Kämpfers für jüdische Emanzipation; und Gleichberechtigung besonders merkwürdig anmuten. Wie?] . tiger und diskussionsbedürftiger ist uns das, was der Autc- ' über den Keren Hajessod sagt. Er bezeichnet letztere! als ein Schiff, das unter falscher Flagge segelt. Das kar.:£! nichts anderes heißen, als daß er die Objekte seiner Wcrbur.r] bewußt zu täuschen sucht. Wir wollen auch hier von {eier> liehen Verwahrungen abschen und sachlich den Tatbestand klarstellen. [ Der Kercn Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) ist ei-'[ : Institution, die die deutschen Juden unbeschadet ihrer di; vergenten innerjüdischen Anschauungen zur Beteiligung arr'' Palästinaaufbau aufruft. Kernpunkt seiner Propaganda ist. Verbreitung der Erkenntnis, daß die Kolonisierung Palästina^'; eine Angelegenheit des gesamten Judentums zumindest s? j dem Tage geworden ist, wo der Völkerbund im Palästina \ mandat das jüdische Nationalheini proklamiert und in de- : Konstituierung der Jewish Agcncy einen Gcstor der jüdischer' Politik geschaffen hat. Dieser internationale Akt hat (nebe:.; seiner praktischen Bedeutung) auch eine moralische Seite : die von keinem Einsichtigen verkannt werden kann. Zur.: ersten Male seit Bestehen der Diaspora wird von der.;"; Machthabern der Welt die Existenz einer Judenfragc eingeräumt und Paliistina als ein Land erklirt, in das die Juder; kraft eigenen Rechtes einwandern können. Natürlich txf solche, die dorthin wollen oder müssen. Das sind nicht nu-j die oft zitierten „armen Glaubensbrüder aus dem Osten".:- sondern auch Juden aus den Westländern, die es dorthin zieht; wo neues, unverfälschtes Judentum dereinst einmal erblühe:' ■ wird. Die Uebersicdlung nach Palästina ist das gute Rech: . eines jeden Juden. Seine intime 'Verbundenheit mit der; ' neuen jüdischen Gemeinwesen ist ein seelischer Akt, dt:> nicht nur nicht verwehrt .werden kann, sondern auch \cr jedem verständigen Nichtjudcn begriffen und anerkannt wirej. Das Palästinabewußtsein und die Palästinatreue des Ju>ie-' ■ stehen in keinerlei Widerspruch zu den Rechten und Pflichte: die ein Vollbürger seinem Staate gegenüber besitzt, und -, wie ausdrücklich betont sei — sie schließen keineswegs civ Verbundenheitsgefühl im dem Lande aus, in dem der Ein/ein-' lebt. Das Land, in dem man geboren und aufgewachsen \<\ dessen Sprache' mau spricht und dessen Landschaft ir.r immer wieder aufs neue erlebt, schafft Bindungen, die nur de :- Fanatiker leugnen und nur der kulturlose Mensch nicht heili; halten wird. Dieser Dualismus Ist immanentes Schicksal dr Galuth; ihn mit der Wurzel zu beseitigen, ist Wunsch ur.; Ziel des Zionismus. Das aber heißt die Voraussetzungen de- . Lebens ändern, wenn nicht für sich, so doch für kommend. . Geschlechter. Das heißt ein Gemeinwesen konstituieren, disolche Konflikte nicht mehr kennen kann. Wo es nkr.: , deutsche und englische und russische, sondern b'mdcstrkr.. lose Juden gibt, denen die Einheit des Judentums nicht mer' Problem, sondern natürlichstes Erlebnis ist. Zionismbedeutet den historischen Wendepunkt im Leben des Juder.-, tum*, in 6einer ganzen Abgrüudigkeit erfassen und diev. Erkenntnis mit dem leidenschaftlichen Willen verbinden, da? " Judentum durch die Geschichte zu tragen. Mit einem Wort' Zionismus heißt das Begreifen der Vnhaltbarkcit der gesarr.'- jüdischen Situation in materieller, geistiger und moralisch«: Hinsicht und der großartige Versuch einer radikalen A«*r.-! derung des bestehenden Zustandcs. Hier ist der Punkt wo sich Zionismus von alten anderer Richtungen im Judentum scheidet, auch von den für die prak- tische Palästinaarbeit gewonnenen Bundesgenossen. Es vir-, viele Nichtztonisten geben, die eigentlich Zionistcn sind ufnur aus psychologischen Gründen es sich und andern im'' zugestehen wollen. De übrigen trennen sich dadurch, daß das Galuthproblcm nur partiell erkennen und für ihre Pcrsor nicht anerkennen. Sic sind zu sehr in ihren Heimatländer verwurzelt, als daß eine persönliche Einbeziehung in das reu. entstehende Palästina für sie denkbar wäre. Dennoch be-j greifen sie, daß dort eine Entwicklung vor sich geht, de; sie sich als Juden nicht entziehen können und die sie durc"'; - ihre Indolenz nicht zum Scheitern bringen dürfen. Und noc':\ mehr: sie fühlen, daß es sich dort nicht um ein Hilfswerk K'. notleidende Juden handelt, sondern daß in jenem kleiner; Mittclmccrlandc über die Zukunft des Judentums und seist; geschichtliche Sendung entschieden wird. Sicher ist eine — und das soll gegenüber dem Autor besonders deutlich ausgesprochen werden —, daß die Sammlung der Juden fr} ■ ■ f , ') Von Dr. lakob Marx, Rechtsanwalt in Karls-1 ruhe, Berlin, April 1925. Philo Verlag und Buchhandlung G.m.b.H. 60 S.* " r