Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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lh r. 56i Kr. 56 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 4S7 ic 'Regulierung und Neu-frscfaließimg ps \ von Arbeit iade?;! u ü;iürcl) Von Gerda Arlosoroff -Goldberg (Jerusalem). I. 3ebu:-i 1 In der Geschichte des Arbeitsmarktes in Palästina nach \\\em Kriege bedeutet die Ucbcrwindung der schweren Krise i!,r Arbeitslosigkeit vor ungefähr» 2 Jahren einen wichtigen sbah;,| A'endcpunkt. Wie man sich erinnern wird, wurde die schwere 'oag'i: ^u3tion im Lande, die dazu führte, daß Hunderte von Arbci- ^-if -rn £anz onnc ArDC^ blieben oder sich mit dem Lohn von im°r 1 oJcr drci TaScn in dcr Woc,lc durcluuhcU'cn suchten, [durch die Beendigung der großen Straßenbauten und der 0ntK.fr,icrungsarbcitcn verursacht. Die größte Zahl von Arbcitsi vaficn konzentrierte sich in der Stadt, in der die Säubert Rü( tvcgunff crst in dcn Anfängen lag und die deshalb nicht j .jfojjr war, sie ganz oder auch nur teilweise aufzusaugen, ga-' nje zentrale Aufgabe des Arbcitsdcpartcmcnts der zionisttchisclw/'.hen Exekutive bei Beginn dieser neuen Periode bestand i .liriu, eine Regulierung des Marktes vorzunehmen. * ne''■;).!■; iiiulUr geschehen durch die Verteilung der überschüssigen Cp:i '^'-'Arbeitskräfte auf alle Gebiete, die sie in größerer oder gcüefe^^f ~" fcrsk[- :n, c; krich:1 ' frnaliv-: irsud, fung cV I 28,;.: istBc:, icksor;' iß sc. tchbs5.: Lcjisr.- n Sta tvic au Zahl aufnehmen konnten. Zugleich galt es, der nehm- ''üdTschen Arbeit kontinuierlich neue Möglichkeiten zu crerreif- Schließen, wie das bereits in der vorigen Periode geschehen i'v.-ar, indem in gemeinsamer Aktion mit dem Amt für kr 2:; viöffentliche Arbeiten die Beschäftigung auf Chaussee und | Visenbahn in verhältnismäßig weitem Umfange ermöglicht fv.urdc. In erster Linie steht bei Beginn des neuen Abschnitts üc Wiederbelebung der alten Bewegung zur Erschließung itr pilanzungskolouien für den jüdischen Arbeiter. Es gei;;jr bekanntlich im Laufe der letzten zwei Jahre dem jü-;;,chcn Arbeiter, hier in großen Massen aufs neue Fuß zu a;scn. Bei dieser Arbeit und bei ihrem Gelingen spielen;ebcn den ungewöhnlichen Anstrengungen der Arbeiter vor ,Ucm zwei im Wirtschaftsleben Palästinas neuartige Fakorert eine wichtige Rolle: Der Aufschwung des Tabakbaues :ii Beginn des vorigen Frühjahrs und die spezifischen organisatorischen Formen, die die Arbeit in den Kolonien annahm. (Vor allem die Schaffung großer Arbcitcrbataillone, Chawuroth) die vom Arbcitsdcpartcmcnt aus der Erkenntnis craus gestützt wurden, daß das alte und schwere Konurrcnzprobleiu der Pflanzungskolouien nur auf dem Wege ior Vt'i r t s c h a f t£ or g a n i s a 1 io n zu überwinden sei. Zu- { :!cicli weist dje letzte Periode in den Siedlungen eine Reihe . von öffentlichen Arbeiten (Chaussccbautcu) auf, die doppelte Art «• Bedeutung besitzen: Einerseits gewährt die Schaffung eines Ta£ .; .A'cßcnctzcs zwischen den Siedlungen den Kolonien große D,£CI1V ..iitscluftlichc Entwicklungsmöglichkcitcn, indem sie die Pcr- E' 1 :one!ibcfördcrung und den Transport außerordentlich erlcichert, andererseits geben die Chaussccbautcn in der Pause zwischen den Saisonarbeiten Bcschäftigungsmöglichkcitcn für die (Lohnarbeiter der Kolonie. Aus dem letzten Gesichtspunkt |e \\a das Arbeitsdepartement bemüht, die Ausführung der öffentgßctl?Jichcn Arbeiten, soweit es möglich ist, in die Monate zu |' ■ i-cgen, in denen die Beschäftigung in deu Pflanzungen geringer 19—i;;.-t. Von großen öffentlichen Arbeiten in den Kolonien sind I der letzten Periode vor allem die Wcgcbautcn in Untcr- .•7—K'i'vililäa und Jchudah (Straße Rcchowoth—Ncß Zionah) zu crzcichncn. Die Arbeit in den Kolonien trägt in diesem Jahr bereits;nen anderen Charakter als in der vorigen Saison. Der Prohaf'tl!:?ntsatz» der bei den Tabakpflanzungen beschäftigt ist, hat Bed:;-Kh im Verhältnis /um Vorjahre verringert. Das hängt damit rd. | 'zusammen, daß in diesem Jahre im ganzen weniger Tabak cV'cbaut wird und auch damit, daß besonders in Galiläa wieder;a größerem Umfange Araber beschäftigt werden. Dennoch chaupten sich die jüdischen Arbeiter nach wie vor in den Kolonien, und haben den Angriffspunkt, den der Tabak bot, ausgetitit/t, in einer Reihe von anderen Arbcits/wcigcn 'i'sondcis in Judäa und Samaria Fuß zu fassen. IXis Ar- ■ citsdcp.irtcnieut hat durch den Bau von Baracken und d :rch Gewährung von AnieiUu für die Schaffung von Uilfsurtschaftcu und Anschaffung von Arbeitstieren bei Kwuzoth >'"(] Chawuroth vieJdazu beigetragen, die sehr dringliche Woh- "•unj.sfragc zu lösen und in den arbeitslosen Tagen Beschaffung und einen Zuschuß in Naturalien zu garantieren. Die genaue Kenntnis der Arbeitsverhältnisse und der Wiilisainki-it der bisher angewendeten Methoden ist eine un- :il:'g-")gliche Voraussetzung für die Festsetzung der Richtlinien;:Ir die kommende Arbeitszeit. Aus diesen Gründen hat das ^beitidepartement gemeinsam mit der Landwirtschaftsabtci- und dem Mcrkas Chaklai vor kurzem eine Kommission beitragt, die Zustände in den Kolonien zu untersuchen und auf 'Jr"nd des gesammelten Materials Vorschläge für die weitere Arbeit zu machen. Die Kommission hat durch Besuch der ''"teilenden Kibuzim und unter Benutzung der Zahlen aus dc" Verschiedenen Arbeitsämtern etc. umfassendes Material : ljhcr die Lage der jüdischen Arbeit in den Kolonien gesammelt, i Grund dieses Materials ist sie dann zu einer Reihe ■J-f'on Vorschlägei/ für die Zukunft gelangt, die sie in einem nau besonderen Rapport der Exekutive unterbreitet hat. (; Aus den Feststellungen der Kommission lassen sich follg c; sfndc wichtige Tatsachen entnehmen, die zugleich die Richtj :'."'cn für die kommende Arbeit enthalten. Die ungefähr gran. oOO jüdischen Arbeiter, die zur Zeit in den Kolonien Fuß onoT Ct habcn» sind lciIs in Kwuzoth, teils in Cahawuroth or- Tj?t, Janisicrt. Ein restlicher Teil hält sich ohne jede Organisators, ^che Zusammenfassung in den Siedlungen. Die Kwuzah und i dür Lha*urah erfüllen verschiedene und bedeutsame Aufgaben smar. ,il der Bewegung zur Erschließung der Kolonien. Het] M. Die Kwuzah besteht aus einer kleinen Anzahl von wtri } Mitgliedern (zwischen 10 und 23), die untereinander eng ver- i;undcn sind. Der Zusammenschluß stammt zum Teil noch J2'.; T dem Auslande, aus den Kreisen des Hcchaluz, und ist "W1-; -inc Vorbedingung für die spätere Ansicdlung. Denn die '!;^ls>ten dieser Kwuzoth benutzen die Arbeit in den Ko- 1 fJniCn zur Vorbildung in der Landwirtschaft, und legen dem- «sprechend besonders Gewicht auf ihren eigenen Hilfsc"Jcb, der den Mitgliedern eine Fachausbildung in weiterem j aijc gewährleistet als es die meist einseitige Lohnarbeit der Kolonie zu tun vermag. Diese kleinen Grup- 'c.o zeigen einen geringen Wechsel der Mit- ^'jeder, was ihre wirtschaftliche Lage gün- '8 beeinflußt, sind jedoch nicht fähig, in ■unenswcrtcnrMaßc Neuankömmlinge auf- ""ehmen. » ,?ani»t kommen wir auf die zweite Grundaufgabe der; 0e»t in dea Kolonien, die von dec kleinen Kwuzah in großem igreflgreßi;: lirsliii köni:-. 5 Rci und c ifsd onist: Fah schh; ii Ii lange Brcs! -Beri cht! -Frar -übec. Sitzur: n 01 Arfci Wi$ ewai bdd is a Wz m ak Maßstabe nicht gelöst werden kann. Die erste bestand in der landwirtschaftlichen Vorbildung des Chaluz für die spätere Ansicdluug und entspricht der .Kwuzah in hohem Maße. Dagegen kann die Aufnahme eines beträchtlichen Teiles der Alijah, die von großer Wichtigkeit ist, damit sich nicht in immer steigendem Maße die Arbeiter in der Stadt stauen, in größerem Umfange nur von einem loseren und größeren offeneren Verbände, wie ihn die Chawurah darstellt, durchgeführt werden. In der Tat scheu wir auch, daß eine beträchtliche Anzahl der neuen Einwanderer von den Chawuroth aufgefangen und der Arbeit zugeführt wurden. Die Exekutive ermöglichte die Gründung und das Bestehen der Chawurah durch den Bau von Baracken und die Gewährung von Anleihen zur Anlegung, der Mißwirtschaften. Die Ucwöhnung der Chaluzim an die schweren Arbeitsbedingungen verursacht notwendigerweise Dcfi/itc, die von der Kommission genau untersucht wurden. Dabei ergab sich, daß die Defizite der Chawuroth in erster Reihe durch die neuen ungelernten Arbeiter verursacht werden. Die Aufträge der Bauern werden heute zu mehr als 60 Prozent in Akkord für das ganze Jahr übernommen. Ein gelernter, geübter 'Arbeiter verdient unter diesen Umständen gegen 'JO - Piaster pn> Tag, während der Neuling nur o, 5—8 verdient. Da aber seine Ausgaben für Essen und Kleidung zum mindesten das Minimum erreichen müssen (dies beträgt in den Chawuroth durchschnittlich 7,5—9,5 Piaster pro Tag), ist es klar, daß die' Chawuroth als solche, in der dauernd neue Arbeiter eingestellt werden, mit Untcrbilauz arbeiten müssen. Nach den Vorschlägen der Kommission lassen sich die so entstehenden Fenlbeträge ausgleichen, indem sich jeder, einzelne verpflichtet, längere Zeit in der Chawurah zu arbeiten und so in der späteren Zeit das Geld, das er die Gruppe gekostet hat, durch seine durch Ucbung erworbene geschulte Arbeit Mieder einbringt. Wir stehen heute vor einer Erscheinung, die für unsere Wirtschaftsverhältnisse in Palästina typisch ist und die wir au anderen Stellen immer wieder antreffen werden, daß wir nicht nur für Arbeit, sondern auch für die Ausbildung des Arbeiters /u sorgen haben. Wir führen im Lande die Vorbcrcitungsarbcit des Mcchaluz weiter und so ist ein Teil des Arbcitsbudgcts, das in Form von Anleihen oder zur Deckung von Defiziten ausgegeben wurde, im wahrsten Sinuc des Wortes Lehrgeld. Auch in" den Kolonien fand die Kommission die Tatsache vor, daß der zu körperlicher Arbeit Vorgebildete sehr viel kleinere l>cfizitc verursachte als der vollkommene Neuling. Die Kommission ist als Fa/it zu tiein Resultat gekommen, daß die Arbeit in den Kolonien in derselben Richtung fortzusetzen ist wie bisher, daß sie in weitem Maße die Aufmerksamkeit und Unterstützung der verantwortlichen Institutionen also vor allem des Arbeitsdepartements verdient und verlangt. Der besonderen Aufmerksamkeit empfiehlt sie die neuen Kolonien wie Magdiel, die ein .großes Arbeitsgebiet darstellen und bei denen zu hoffen ist_, daß sie von dem gefährlichen Wege der alten Kolonien heute noch zu bewahren sind. II. Wandte mau sich in den Kolonien einem Gebiet wieder zu, das bereits seit langem "die Aufmerksamkeit der Oeffcutlichkcit beschäftigt halte, so begann das Aibeit<.depaidement der Exekutive bei Heginn der nun abschließenden Arbeitsperiode neue Arbeitsgebiete in Angriff zu nehmen und damit neue Berufe zu erschließen. Es sind da vor allem zu nennen die Anfänge einer Stein industrie, hauptsächlich in Jerusalem und die Versuche, neue Berufe für die Arbeiterin in Stadt und Land zu finden. Das Gebiet der Steinhauerei und der Steinbearbeitung ist für die jüdische Arbeit überhaupt und speziell für Palästina vollkommenes Neuland. Sic bietet große Perspektiven, da die Stciusorten au verschiedenen Stellen des Landes sowohl für Mäuscr als auch für Wegebau gut geeignet sind, große, noch unausgebeutetc Vorräte des Materials der Hebung warten und mit der ansteigenden Baubewegung, tlic sich voraussichtlich noch sehr lang«: halten wird, genügende Nachfrage im Lande selbst bestellt, seihst wenn mau fürs erste die Fxportfrage außer acht lassen will. Benutzt mau auch in Tcl-Awikv fast ausschließlich Ziegel, so ist das Baumaterial für Jerusalem und Haifa, damit im Zusammenhang auch der geplanten Stadt bei Akko und Tibcrias der Stein das Gegebene. Dazu kommt in der Gegend von Tibcrias das für Wegebau sehr wichtige, weil sehr haltbare, Basaltgcsteiu und au verschiedenen Stellen zum Beispiel Jerusalem und in Nordgaliläa (bei Klar Giladi) der Marmor. Die Entwicklung einer jüdischen Sieiuindustric stellte die Exekutive zusammen mit „Solei Boneh" vor die Aufgabe, geschulte Arbeitskräfte für die neue Arbeit bereitzustellen. Die Mittel, die zur Verfügung standen, waren im Verhältnis zu der lösenden Aufgabe viel zu klein. Das Arbeitsdepartement und das Handels- und industriedepartemeut konnten sich nur ni:t 2000, bezw. 1000 £ von ihrem Budget beteiligen. Dazu kam noch eine kleinere Summe, die in Form von Darlehen einer Gruppe von Arbeitern die Anschaffung der nötigen Werkzeuge und die Ausbildung ermöglichte. Es gelang unter diesen Umständen dem „Solei Boneh", gegen hundertdreißig Arbeiter in den auf Natioualfondsboden angelegten Brüchen bei Jerusalem und gegen hundert Steinhauer zu beschäftigen. Das war selbstverständlich nur ein, wenn auch viel versprechender, Anfang. Den großen Anstrengungen die auf diesem Gebiete gemacht wurden, ist es. zu verdanken, daß die jüdische Universität, das Sanatorium in Mozah und eine Reihe von Häusern in Jerusalem bereits aus von Juden bcarbcitctcnStcinen gebaut werden konnten. Wir sind jedoch augenblicklich in einer Periode, in der sich die arabische .Konkurrenz auf dem Steinmarkte scharf bemerkbar macht. Wie wir überhaupt in der jetzt neu erwachenden Baubewegung in Jerusalem vor der gefährlichen Tatsache stehen, daß diese ansteigende wirtschaftliche Kurve in hohem Maße nicht dem jüdischen Arbeiter zugute kommt, so daß er vielfach gezwungen ist, die Stadt zu verlassen, ebenso steht auch die Stcinindustric in recht schweren Bedingungen. Das Lohnproblcin in der Steinbrucharbeit ist teilweise ähnlich wie das uns aus den Kolonien bekannte. Der in den Steinbrüchen beschäftigte Araber hat nicht selten eine wichtige Ncbcncinuahmc in einer winzigen Landwirfschaft, die ihm einen Rückhalt gibt und ihn in den Stand setzt, auch bei geringen Lohnsätzen zu arbeiten. Dagegen sind die arabischen Löhne in der Stcinbruchbcarbeitung höher. In der letzten Zeit ist das Arbcits-Dcpartcmeni zusammen mit dem „Solei Boneh" mit der Ausarbeitung von Plänen beschäftigt, nach denen -zur Fortführung der Steinindustric eine besondere Gesellschaft zu gründen ist, au deren Grundkapital sich die Exekutive beteiligt. Damit würde für die Stcinindustrfc eine breitere Basis geschaffen und zugleich der Sohl Bonch von diesem schwierigen Zweige, der besondere Investitionen, und besondere Sorgfalt verlangt, entlastet. Die Frage der arbeitenden Frau ist eine der schwierigsten, unserer gesamten Kolonisationsarbeit. Ein großer Teil der Arbeiten in den Siedlungen erweist sich auf die Dauer als zu schwer. Außerdem mangelt der Mehrzahl eine Fachausbildung auf den Arbeitgcbictcn, die im Lande in Frage kommen, ja es gibt reell» eigentlich kaum Berufe für Frauen. Das Arbcitsdcpartcmcnt packte die Frage zuerst an der Kernstcllc an, nämlich am Punkte der landwirtschaftlichen, gärtnerischen und hausvv ii tsehaftlichen Ausbildung. Sämtliche Arbeitcrinnenfarmen wie die 'in Pctach-Tikwah, Schchunath-Borochow und Nachlath-Jchudah sind, solange sie sich im ersten Stadium befanden, aus dem Arbeitsbudget finanziert worden und seiner Kontrolle unterstanden. Erst nach und nach übernimmt das Kolonisations-Departement diese Betriebe, die eine ausgezeichnete Allsbildungsmöglichkeit für die landwirtschaftliche Arbeiterin darstellen. Die Frage der städtischen Arbeiterin ist heute nur in geringem Maße als gelöst zu betrachten. Es gelang im Vorjahre, eine Anzahl Mädchen in der Herstellung der Fußböden unterzubringen und überhaupt findet mau im Bauwesen, vor allem in Tel-Awiw, hier und da die weibliche Arbeiterin, z. B. als Ausli'-ielierin etc. Die gioße M.is-.e jcdoeli ist ge/wiingcn, bei z. Teil sehr schlechten Löhneu in die Fabriken zu gehen, wo es sich um ungelernte Arbeiten handelt. Ein anderer Teil geht — sehr ungern und nur von der nackten Not gezwungen — in Privathäusern. Unter der Unlust, die in weiten Kreisen dieser Arbeit gegenüber herrscht, leidet in nicht geringem Maße sowohl die Arbeit als auch das Verhältnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das letzte Jahr war auf dem Arbeitsmarkte ein für palästinische Verhältnisse ungewohnt gutes. Nach den schweren Krisen von vor zwei Jahren gelang es, Atem zu schöpfen. Die Arbeitslosigkeit war und ist nirgends nennenswert und die Perspektiven deuten sämtlich darauf hin, daß in der nächsten Zeit keine Acndcrung zum Schlechteren zu befürchten ist. Dabei ist es selbstverständlich, daß es immer und also auch jetzt eine bestimmte Zahl von Arbeitslosen gibt und wahrscheinlich geben muß, die jedoch relativ, d. h. im Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten nicht von Bedeutung ist. Außerdem ist die heutige Lage dadurch charakterisiert, daß in den Städten sich die Löhne im Verhältnis zu dem Staudard vor zwei Jahren erheblich gehoben haben. Freilich wird ein Teil ihres Wertes wieder dadurch anulliert, daß die unerhörten Mictsprcisc und in geringerem Maße auch die Teuerung der Lebensmittel den Reallohn erheblich geringer gestalten als den Nominallohn. Dennoch ist heute eine starke Spannung zwischen den städtischen und den ländlichen Löhnen, vor allem in den Kolonien, wo sie die Konkurrenz niedrig erhält, zu konstatieren. Und diese Erscheinung übt natürlicherweise eine verschiedene Wirkung auf den Markt aus, indem die höheren Löhne, vor allem in Tel-Awiw, dazu führen, daß der Arbeiter die Kolonien, mit ihren schweren Bedingungen verläßt, um in der Stadt die besseren Löhne zu genießen. Es kommt weiterhin dazu, daß die Einwanderung von Verwandten der Arbeiter immer mehr zunimmt und ihre Erhaltung in der Stadt ungleich leichter ist als auf dem Land*. Alles in allem hat das Arbcits-Dcpartcmcnt das letzte Jahr, das von Krisen und Katastrophen verschont blieb, dazu benutzt, die bisher errungenen Positionen zu befestigen und auszubauen, wahrend in der vorigen Periode die Arbeitslosigkeit zu einer weitsichtigeren Arbeit nie die Möglichkeit gab. III. Man konnte annehmen, daß die Aufgaben des Arbeits- Departements unter den augenblicklichen Umstanden im Verhältnis zu der schweren vorhcgchcndcn Epoche nunmehr leichtere und kleinere würden. Jedoch ist das Umgekehrte der Fall. Zwei Faktoren drängen darauf hin, daß das Arbeits- Departement in der kommenden Periode seine Tätigkeit ausweiten und stärken muß. Vorerst ist gerade diese Atempause, die uns gegeben ist, da/u auszunutzen, den Arheitsmarkt zu regulieren und zu stabilisieren. Denn niemand kann wissen, wohin uns die Entwicklung der Dinge im Laufe des nächsten Jahres bringen kann. Unter den heutigen Verhältnissen kann eine kleine Schwankung im Baugewerbe dazu führen, daß Hundertc .ruf die Straße geworfen werden. Während wir es in der vergangenen Periode mit kleinen Zahlen, wenn es hoch kam, mit Hunderten von Arbeitslosen zu tun hatten, steht heute unsere ganze Arbeit auf einer viel breiteren Basis. Dementsprechend sind die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren viel größer. Es ist heute der Moment gekommen, wo sich das Arbcitsdcpartcmcnt aus seiner Tätigkeit in beschränktem Rahmen und mit beschränkten Mitteln abwenden und auf eine umfassende Sozialpolitik umstellen muß. Denn — und damit kommen wir auf den zweiten Faktor zu sprechen — bei der besonderen Struktur der gegenwärtigen Einwanderung, der sogenannten „Vierten Alijah'' treten, ganz neue und umfangreiche Kreise in deu Aktionsradius des Arbcitsdcpartcmcnts. Alle jene Elemente, die heute mit kleinen Kapitalien nach Palästina kommen und denen es nicht genügt, als I laudwerker oder kleiner Händler ihr Auskommen zu finden, werden mit Hilfe der Exekutive (und der allgemeinen Arbeiterorganisation) zur produktiven Berufsarbeit gebracht werden müssen, wenn sie nicht wirtschaftlich Schiffbruch leiden und damit eine große Gefahr für den Jischuw bilden sollen. Die Erschließung neuer und passender Arbeitsgebiete au» diesen Ständen wird eine besondere und komplizierte Aufgabe darstellen, an deren Lösung die nationalen Instanzen werden schreiten müssen, che das Wasser wieder einmal an der Kehle sitzt. Genaue Zahlen über das Arbeitsbudget für die nächste Periode liegen heute noch nicht vor. Jedoch^ ist es sicher, daß eine Erhöhung des heutigen Standards (das gegenwärtige Budget beträgt bekanntlich zirka 2S000 £) notwendig ist.*) Der Beginn, der in der Stcinindustric und in der Erschließung von Berufen für Frauen gemacht worden ist, verlaugt sein« Fortsetzung und Erweiterung. In den Kolonien sollen in der kommenden Arbcitspcriode gegen 1500 neue Arbeiter instal- . liert werden, so daß sich die Gesamtzahl der in den Kolonien Beschäftigten auf 4000 erhöht. Diese Zahl ist das Minimum, das notwendig ist, um uns die bisher errungenen Erfolge in den Siedlungen zu sichern und ein Gegengewicht gegen die immer stärker werdende Konzentration in der Stadt darzustellen. Dazu kommt die Aufrcchtcrhaltung eines Minimums *) Wir sind uns klar darüber, daß man dies von allen unseren Budgctpostcn sagen kann, nicht nur vom Arbeitsbudget. Die Zuweisung kann aber nur im Bereich des Möglichen erfolgen. Eine Steigerung der Maßnahmen ist das notwendigste, ~ Red. „J. R." M