Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1925)
- Date
- 1925-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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—Seite478—; — J-UEDISCHE RUNDSCHAU - Nr. 55 von großer Wichtigkeit* daß das A. C. den Kongreß in dieser Hinsicht vorbereitet. Das Budget, das bei der letzten Sitzung aufgestellt wurde/konnte diesmal — vielleicht zum ersten Mal — so ziemlich unverändert und ungeschmälert aufrecht erhatteit werden. Wer nicht so schneit vergeßlich ist wie viele unserer Freunde und die Zustände des Jahres 1922 noch in lebendiger Erinnerung hat, wird zugeben müssen, daß eine.solche Deckung des Budgets einen positiven Erlolg darstellt. Freilich sind inzwischen die Anforderungen gewachsen und neue Forderungen, die im Budget noch nicht vorgesehen waren, entstanden. Das A. C. wird es sich wohl versagen müssen, den Vorschlag der Palästina-Exekutive für das Budget des nächsten Jahres einzeln durchzuberaten — es ist fraglich, ob er überhaupt schon vorliegt —; diese Aufgabe wird dem Kongreß vorbehalten werden. Dennoch wäre es u. E erforderlich, im A. C. eine Aussprache über unsere Wirtschafts- und Kolonisationspolitik zu haben. Schon darum weil gerade dieser Punkt, geeignet ist, die Tragfähigkeit der Aktionsprogramme der einzelnen Oruppen zu prüfen. Denn bei dieser Frage in Verbindung mit dem Budget genügt es nicht, mit Worten zu operieren, hier gilt die Sprache der Ziffern. Das Kolontsationsprogramm muß heute der Ausgangspunkt und der Schlüssel zu der " ganzen zionistischen Systematik sein. Die Erfordernisse der zionistischen Kolonisation bestimmen wesentlich unsere Haltung auch auf anderen Gebieten, weil wir wissen, daß das Schicksal und der Charakter dieser Kolonisation die Lebensfrage des Zionismus ist. Es wird hier nicht nur Gegensätze zwischen den mehr links gerichteten Zionistcn und der in der „Konfercnz- *gemeinschaft" organisierten Opposition geben, sondern wahrscheinlich auch zwischen den Gruppen, für die Palästina das Land unserer nationalen und sozialen Erpeucrung ist und denen, für die Palästina ein Inimigratipnsland für die eine unmittelbare Verbesserung ihrer materiellen Lage suchenden Massen ist. Der entscheidende Gesichtspunkt bei der Fundierung des Aufbaues ist das Prinzip der Förderang der Produktion und der Zurückdrängung der parasitären und vermittelnden Wirtschaftsfunktionen. Die heutige Einwanderung hat eine Lage geschaffen, die gebieterisch verstärktes Handeln in dieser Richtung erfordert. Dies ist ein Problem, bei dem die Geister sich scheiden werden. Damit aber könnte die Lösung desjenigen Problems angebahnt werden, das, wie wir schon bei früherer Gelegenheit sagten, das Hauptproblem des Kongresses ist. Da der Kongreß nicht alle Einzelfragen entscheiden kann, und da auch die am besten ausgeklügelten scheinparlamentarischen Einrichtungen uns nicht über die Tatsache hinwegbringen, daß ein alle zwei Jahre tagender " Kongreß nicht ein sich kontinuierlich in der realen Welt "begebendes Werk leiten kann, so muß er eine starke Leitung einsetzen, zu der er Vertrauen hat und die als Körperschaft wirklich die Verantwortung für die ganze Arbeit und für alles, was in ihrer Amtszeit geschieht, trägt. Die Exekutive muß daher mit größeren Machtvollkommenheiten ausgestattet sein als bisher, sie muß einen großen Teil der Pflichten übernehmen, die die althergebrachte Dcnkungsart dem A. C. beimißt. Sie muß eine arbeitsfähige Körperschaft sein, was, wie wir bereits sagten, die bisherige Exekutive nur in sehr beschränktem Sinne war. Die meisten Reorganisationsvorschläge, die bV er in der Oeffcntlichkeit gemacht wurden, stimmen darin überein, daß der Kongreß vor allem den Präsidenten der Bewegung wählen soll und dieser Präsident sodann selbst eine arbeitsfähige Exekutive zusammenstellen und mit seinem Programm dem Kongreß vorstellen soll. Um aber einen solchen modus procedendi zu ermöglichen, ist es notwendig, daß sich der Kongreß rechtzeitig nach Programmen gruppiert und eine Majorität bildet, die dem Präsidenten und seiner Exekutive einen festen Rückhalt bietet, nicht nur auf dem Kongreß, sondern darüber hinaus in der täglichen Arbeit. Es muß verhütet werden, daß die verantwortlichen Männer zwar gewählt werden, nachher aber niemand sich eigentlich in Verantwortung mit ihnen solidarisch fühlt und dadurch ihre Position nach innen und nach außen geschwächt wird. Eine solche Majorität kann nur dadurch zustande kommen, daß alle beteiligten Gruppen die Kraft des Verzichte; auf restlose Befriedigung ihrer Forderungen aufbringen. Da bei uns die Differenzierung sehr weit vorgeschritten ist, so ist ein politisches Syslcm c':r Leitung der Geschäfte solange nicht möglich, solange nicht erkannt wird, daß ein solcher Verzicht nicht Schwache sondern sogar eine gewisse Stärke bedeutet. Wir halten es für die wichtigste Aufgabe der A. C. Sitzung, eine solche Gruppenbildung vorzubereiten und die organisatorischen Reformen womöglich schon auf diesem Kongreß durchzuführen. Wir hoffen, daß auch die führenden Mäncr, die in "den letzten zwei Jahren eine solche organisierte Stütze in ihrer Arbeit entbehren mußten, die große praktische Bedeutung einer derartigen parlamentarischen. Gruppierung anerkennen werden. Wenn das A. C. diese. Aufgabe erfüllt, oder wenigstens die Chancen für ihre Lösung verbessert, dann werden wir dem Kongreß mit Viel zuversichtlicheren Gefühlen entgegen gehen können. y . Die größte Tat, die dos A. 0. Vollbringen könnte, wäre die, wenh es den Weg für eine fruchtbare Arbeit des Kongresses freimacht. Die Tage des A. C. sind gezählt, «der Kongreß hat es neu zii wählen. Es kann nur vorbereitende Arbeit leisten, Indem es die Hinderhisse, die gewaltigen Hindernisse wegzuräumen sucht, die dem Otlingen des Kongresses im Wege stehen. R.W. Die EniwseMiMg Iraks Von Joseph Frjcdfcid, London. Die englische Regierung hat soeben einen ausführlichen Bericht über die politischen Verhältnisse und die Verwaltung Mesopotamiens in der Zeit von April 1023 bis Dezember 1924 veröffentlicht. Er folgt wenige Tage nach dem Rechenschaftsbericht, den Sir Herbert Samuel über seine Verwaltung in Palästina abgelegt hat. Wenn man diese beiden Berichte miteinander vergleicht, so gelangt man zu der Schlußfolgerung, daß es in Palästina ßcluriffcri ist, nicht nur eine schnellere wirtschaftliche Blüte herbeizuführen, sondern daß trotz der Erschwerung durch die Balfour-Deklaration im Falle Palästinas das politische Leben und die öffentliche Sicherheit in diesem Lande eine größere Beruhigung aufweisen als in Mesopotamien. Doch beginnt der Bericht über die Entwicklung Iraks in diesen 21 Monaten in einem Ton der Zuversicht: die. Berichtsperiode „ist vielleicht der zufriedenstellendste Zeitabschnitt, über den bisher berichtet wurde. Obwohl er nicht mit einer endgültigen Regelung all der großen Innern und äußeren Probleme abschließt, war er doch Zeuge einer Entr.chhssenhcit auf Seiten der mesopotamischen Regierung, die richtigen Lösungen zu suchen, und auf Seiten des Volkes, einer Bereitschaft sie anzunehmen". England hat in Mesopotamien versucht, ein Verhältnis herzustellen, worin die Ahlüngigluit Iraks möglichst verschleiert und den nationalen Bestrebungen der Bewohner Mesopotamiens am weitesten entgegen gekommen wird. Der Vertrag Englands mit Mesopotamien, der das Abhängigkeitsverhältnis mit 20 Jahren begrenzte, fällt in die gleiche Periode englischer Politik, wie die sogenannte Unabhangigkcits-Erkläruug Aegypten gegenüber vom Februar 1922. Aber dieser Vertrag vermochte die arabischen Politiker nicht zu befriedigen. „Die Losung der Extremisten" sagt der Bericht, „war, daß die wirklichen Herren des Landes noch immer die britischen Beamten seien, und daß die arabische Regierung nur ein Trug sei". Infolge dieses Widerstands und infolge der Haltung der führenden Shiitischen Ocistllchen, konnte die verfassunggebende Nationalversammlung, die den Vertrag zu ratifizieren hatte, nicht zusammentreten, und England sah sich genötigt, in dem Protokoll vom 30. April 1923, die Vertragsperiode zwischen England und Mcsopotomien von zwanzig Jahren auf vier herabzusetzen, nach deren Ablauf Irak Mitglied des Völkerbundes und unabhängig werden sollte. Die Unterzeichnung dieses Protokolls war der letzte Akt Sir Percy Cox als Hochkommissar in Mesopotamien, dem zu Anfang Apiil Sir Henry Dobbs folgte. Aber auch jetzt zeigte die Bevölkerung und vor allem die shiitische Geistlichkeit keine Neigung, diesen Vertrag anzuerkennen. Interessant ist dabei, daß die shiittschc Geistlichkeit in ihrer Propaganda gegen England sich auf die Seite der sunnitischen Türken stellte, und daß so das erwachende OcmeiusamkeitsbcWußtsein die Jahrhundertc alte bittere Feindschaft überwand. Die Regierung jedoch ergriff scharfe Maßnahmen und verbannte die Führer der Shiitcn nach Pcrsien, sodaß wenigstens die Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung durchgeführt werden konnten. Ein neues Ministerium unter Ja'far Pasha cl Askari wurde im November 1923 gebildet Und mit der Durchführung der Ratifizierung des Vertrages durch!die Versammlung betraut. Aber es war dies keine leichte Aufgabe. Am 27. Marz wurde die Versammlung in Anwesenheit von 85 aus ihren 100 Mitgliedern eröffnet, und die Debatten über die Ratifi?ierung des Vertrages dauerten bis zum 2. Juni. Die Opposition war entschlossen und heftig, und nur der äußerste Druck Großbritanniens konnte e* dazu bringen, daß endlich in einer plötzlich und nicht ganz regelrecht einberufenen Versammlung, spat am Abend des 10. Juni, wobei nur C9 von den 100 Abgeordneten anwesend waren, der Vertrag mit 37 gegen 24 Stimmen angenommen wurde. Aber selbst dann noch wurde dieser Ratifikation eine Resolution beigefügt, worin die Versammlung ausdrückte, daß sie nur im Vertrauen darauf ratifiziert hat, daß England in keiner Weise die Bestrebungen Mesopotamiens präjudlziercn werde. Die Verfassung und das Wahlgesetz wurde dann schnell angenommen, das Ministerium Askari entlassen, und ein neues Ministerium unter Yasin Pasha al HashJmi gebildet, das im Dezembrr 1923, trotz des Vorbehalts des englischen Hochkommissars auch ein Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten errichtete Dai. Jahr 1021 verging mit der Einrichtung der Wählcrrcgistcr und den Vorbereitungen zu den Wahlen, die dann während des Jahres 1925 stattfanden. So scheint eine Ruhepause in der mesopotamischen Politik eingetreten zu sein, die freilich im Jahre 192S zu neuen Entscheidungen führen wird, wenn die vierjährige Verträgspcrlodc abläuft. Beachtenswerter aber noch, wenn man den Bericht über Mesopotamien, mit dem über Palästina vergleicht, Ist das völlige Schweigen des mesopotamischen Berichts über die wirtschaftliche Prosperität des Landes. Er begnügt sich mit einer einzigen Phrase: „Material prosperity has been disappointingly hcld back... Das Volk befindet sich ungefähr auf demselben Niveau der Prosperität wie vor dem Kriege, und sie beklagen sich darüber, daß sie in dieser Beziehung nicht besser gestellt sind .als unter den Türken." Von derrj pulsierenden Leben, das aus allen Zeilen des Berichtes Sir Herbert Samuels spricht, merkt man in dem Berichte über Irak recht Wenig." Am auffallendsten aber ist dieser Unterschied auf dem Gebiete der arabischen Erziehung. Sir Herbert Samuel schreibt: „Der gleiche Schwung macht sich auch auf dem Gebiete der Erziehung geltend. Die Araber mit ihrer schnellen Auffassung^ erkennen, wie; sehr sie durch den Mangel an Bildung zurückgesetzt sind. Nicht nur in den Städten, sondern ebenso in vielen Dörfern begehren sie die Eröffnung von Schulen und zeigen ihr Verlangen, indem sie freiwillig beträchtliche Summen für diese Errichtung widmen." Ein völlig anderes Bild enthüllt der Bericht über Mesopotamien. Palästina mit seinen 700000 Einwohnern hat 314 Rcgierungs- und über 400 andere Schulen. Mesopotamien mit 3000000 Einwohnern hat 205 Regicrungsschulcn mit 18000 Schülern und ungefähr 70 andere Schulen. Es gibt auch vier vierklassige Mittelschulen, aber der Bericht hemerkt dazu: „Was immer anderswo erwünscht sein mag, so Ist in diesem Lande es weder erwünscht noch praktisch, Mittelschulerziehung außer für die wenigen Auscrwähltcueinzurichten. Es gibt gegen-, wartig vier Mittelschulen, aber man kann mit Recht annehmen j daß selbst diese geringe Anzahl zu groß ist, und daß es besser wäre, sich auf zwei Mittelschulen zu beschränken." Die Ausgaben für Er/lehmig betrugen 1023-1024 Rs. 1800000, oder weniger als 4ft/o der büdgetären Ausgaben des Landes; Düren den ganzen Bericht ist das Bestreben deutlich zu merken, den Unterricht nicht auszudehnen, sondern einzuschränken. Eint der Ursachen dafür mag freilich in dem finanziellen Zustande des Landes gelegen sein. Während das letzte Budget Palästinas mit einem beträchtlichen Ucberschuß abschloß weisen die mesopotamischen Finanzen stete Defizite auf. Befindet sich so die Erziehung der Bevölkerung in einer, unzulänglichen Zustand, so fand der nationale Stolz eine Befriedigung in der Zeremonie der Grundsteinlegung einer arabisch c n U n iv e rsi tä t. In Mesopotamien wird alljährlich das „Id al Nahdhah", das Fest der Erwachens, in Erinncrung an den Ausbruch der arabischen Revolution in He<ischas im Jahre 1916 gefeiert. An der Wiederkehr dieses Tages im Jahre 1922 hatte König Fcisal ein theologisches Institut begründet und nm gleichen Tage 1921 legte er den Grundstein zur Ahl at Bait Universität und eröffnete das vollendete theologische Institut. Der Plan sieht die Errichtung einer Anzahl von Gebäuden vor, die die verschiedenen Fakultäten der Universität aufnehmen sollen, bis dahin aber ist noch ein weiter Weg, nicht nur, weil die Ocldmittcl fehlen, sondern auch, weil weder auf Seite der Professoren noch der Schüler die notwendigen Voraussetzungen für einen Universitätsbttrieb gegeben sind. Vorläufig steht nur das Gebäude für die theologische Fakultät, das aus den vom Budget unabhängigen Mitteln des Ministciiumi der religiösen Stiftungen errichtet wurde. Mit seinen 27 Zimmern ist. es d.n weitaus größte Schulgcbäude in Mesopotamien. Im Dezember 1924 wurde der Lehrbetrieb der theologischen Fakultät mit sechs Professoren und zwei einer religiösen Mittelschule cr.tnommenen Klasse eröffnet. Es wird im Sinne der sunnitischen Sekte gelehrt. Für später ist auch die Anglicücrung einer Lchrkartzci für arabische Sprache und Literatur geplant. Es ist für uns interessant, aus diesem Berichte hervorzuheben, daß darin die Schulen der Alliancc Israelite und andere jüdische Schulen in Bagdad als die größten im Lande bezeichnet werden. Trotz ihrer Größe sind sie noch immer übrrfüJlt und in manchen Fällen ist die Lehrerschaft ungenügend. Es ist sehr interessant, daß der Bericht die Er- Ziehungspolitik dieser Schulen kritisiert. Bis unlängst w.ir die Unterrichtssprache ausschließlich fran/ö-tisch und die Kindrr wurden nicht nur dem Judentum, sondern sogar ihrer Umgebung entfremdet. Auch heute sind diese Schulen der Alliance noch weit davon entfernt, dem hebräischen Unterricht seinen gebührenden. Platz einzuräumen, aber sie haben wenigstens die arabische Sprache in weiterem Ausmaß in den Lchrplan eingeführt. Der Bericht sagt von ihnen: „Obwohl sie noch immer gewinsc notwendige Unterricht«- gegcitttlinde zu wenig berücksichtigen, haben sie doch im allgemeinen in dem Unterricht der arabischen Sprache große Fortschritte "gemacht. Gegenwärtig ist es eher Mangel an finanziellen Mitteln als Mangel an gutem Willen, der sie hindert, es so einzurichten, daß der Unterricht voll der natürlichen Intelligenz ihrer Schüler entspreche." Die Jode» im Irak London (J- T. A.). Das Britische Kolonialamt überreichte der jetzt in Genf tagenden Mandatskommission des Völkerbimdes die Berichte über die Verwaltung der Mandatsländer. Während die Berichte über Tanganylka, Togoland jetzt eine: Prüfung unterzogen werden, wurde die Prüfung der Berichte betreffend Irak und Palästina für das Jahr 1924 auf die Herbstsession verschoben. In dem Bericht über Irak heißt es u. a.: Dreiviertel der Bevölkerung gehören Stämmen an, bei denen es unmöglich ist, Daten über Geburt und Todesfälle zu erhalten. Es liegen bloß Informationen aus den größeren Städten vor, aber auch diese sind nicht genau. Die Stadt Bagdad zählt 250 000 Einwohner, unter ihnen 1S4 000 Mohammedaner, 50 000 Juden, 15 000 Christen und 1000 anderer Konfessionen. Der Prozentsatz der Todesfälle war in diesem Jahre unter den Mohammedanern 25 »>, Juden 16«'«, Christen 25 o/o. Die Gerichtshöfe sind geistlich, es existieren solche mohammedanischer, jüdischer und christlicher Konfession. Die einzelnen Konfessionen sorgen selbst für ihre Schulen. Die großen jüdischen Knaben- und Mädchenschulen in Bagdad nehmen eine gute Entwicklung, sie werden von ausländischen Körperschaften, wie Alliance Israelitc und Anglo Jcwish Association, unterstützt. Diese Schulen sind die größten und höchststchcndcn im Lande. Der Bericht erwähnt die gute Verwaltung des jüdischen Elias- Hospitals in Bagdad mit 100 Batten, sonst wird der öffentliche Gesundheitsdienst von der Regierung besorgt, im Gegensatz zu Paliistina, wo zwei Drittel der medizinischen Einrichtungen von der jüdischen und der christlichen Gemeinschaft selbst unterhalten werden müssen. Der Bericht erwähnt auch mit Lob die Tätigkeit des Sir Sasun HaskaiI, eines Juden, der mehrere Jahre Finanzminister des Irak war und erst vor wenigen Tagen von seinem Posten zurückgetreten ist. Die Beselzüflg voa Akaba und Maan London. (J. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses am 6. Juli richtete Captain Wcdgwood an den Kolonienminister die Frage, auf Grund welcher Autorisation er jüngst die südliche und östliche Grenze Transjordaniens festgesetzt hat. Kolonicnminister Amery erwiderte: Der Völkerbund billigte am 23. September 1922 eine Definition des Territoriums Transjordaniens, dessen Orcnzcn von einem Punkt zwei Meilen westlich der Stadt Akaba zum Zentrum von Wady Ara bn, zum Toten Meer und zum Fluß Jordan bis zu seiner Verbindung mit dem Fluß Yarmuk und dann zur syrischen Grenze laufen. Aus dieser Definition geht klar hervor, daß das transjordanischc Territorium sich über die Stadt Akaba hinaus erstrecken dürfe. Die Grenzen zwischen Transjordanien und den unabhängigen arabischen Territorien von Hcdschas und Ncjd konnten niemals bisher gezogen werden, obwohl die britische Regierung zu' verschiedenen Zeiten den Sultan von Ncjd und den König von Hcdschas zu einer Festsetzung dieser Grenzen eingeladen hatte. Die britische Regierung hat beiden Parteleu mehr al* einmal klar zu verstehen gegeben, daß sie al» richtige Grenze den Punkt zwischen Main und "Te bu k, der von der Hcdschas-Eiscnbahn durchkreuzt wird, und einen transjordanischen Zugang zum Meere in der Nachbarschaft von Akaba zuläßt, betrachtet. König Hussein hatte zuerst anerkannt, daß über die Zugehörigkeit des Villayets Maan noch keine Regelung besteht, ließ aber trotzdem durch dieses Territorium Kricgstranspörte gehen. Um die Neutralität zu wahren, wurden Schritte unternommen, um die Kontrolle der transjordanischen Administration in einer Gegend, die laut dem Mandat ihrer Obhut obliegt, durchzuführen. Der frühere König von Hcdschas, dem anfangs erlaubt worden ist, in Akaba eine Zuflucht xu finden, wurde nunmehr eingeladen, Akaba zu verlassen und nach der Insel Cypern zu gehen. Die Autorität des Emir» Abdullah von Transjordanicrt wird nun bis zu den gezogenen Orcnren ausgedehnt werden.