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Jüdische Rundschau · 1925-07-07 · Heft 53 (7.7.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 53 (7.7.1925)
Date
1925-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ns. 53 JU ED ISCHE RUNDSCHAU Seite 465 nieder wollen Kautelen haben, die absolut prohibitiv wirken. 5ic fürchten die Folgen für den Aufbau des nationalen Heimes jj, Palästina im Sinne des zionistischen Renaissance-Ideals, warum haben Sie nicht die gleichen Befürchtungen angesichts der gegenwärtigen Masscncinwandcrung, wenn Ihnen für die Gestaltung des Lebens in Palästina die Mittel fehlen werden? Die Wirkungen der Erweiterung der „Jewish Agency" auf die Zionistische Organisation habe ich vor einigen Monaten in einem Artikel dargestellt, den ich Ihnen in Erinnerung bringe. In Ergänzung dieser Darlegung einige Worte über die besonderen Voraussetzungen der zionistischen Bündnispolitik, die auch Ihnen und Ihren gegenwärtigen Mitkämpfern gerecht werden. Die Erweiterung der Jewish Agency ist vornehmlich ein westliches Problem. Die jüdische und zionistische Entwicklung in westlichen Ländern hat große jüdische Schichten entstehen lassen, die trotz Anerkennung der Baifourdeklaratio» dennoch aus von mir in dem genannten Artikel dargelegten Oründcn nicht zum Anschluß an die Zionistische Organisafion gelangen können und dürfen. Es handelt sich um wertvolle Elemente, die die Forderung der vollen Mitverantwortlichkeit mit Recht erheben. Unsere Bemühungen für die gemeinsame Aktion des Aufbaus haben z. B. in Deutschland unsere zionistische Kraft gestärkt. Niemals haben wir den Versuch geduldet, unser nationales Programm abzuschwächen; öesinnungskompromissc irgendwelcher Art haben wir ab*« gelehnt. Gerade die hohen Anforderungen, die wir an den einzelnen Zionistcn stellten, schufen die natürliche Abgrenzung zwischen Palästinafreunden und Zionistcn. . In unserer Propaganda für den Aufbau Palästinas spielt, wie Sie wissen sollten, die Notwendigkeit einer nationalen: Erziehung im Galuth und die Entwicklung einer nur ihren eigenen Gesetzen gehorchenden zionistischen Bewegung die entscheidende Rolle. — Auch in Amerika, wo eine andere Enlwickclung stattgefunden hat, glauben die verantwortlichen Mitarbeiter die erforderlichen Mittel nur durcli Erweiterung der Jewish Agency beschaffen zu können. Es ist mir durchaus begreiflich, daß man in Polen, Litauen und in anderen östlichen Ländern dem ganzen Problem skeptisch gegenübersteht; weil in diesen Ländern gegenüber dem nationalen Judentum mit seinen Schattierungen wesentlich nur assimilatorische Antizionistcn in die Erscheinung treten. Die Erfordernisse westlicher Länder sind aber im gegenwärtigen Moment für den Aufbau Palästinas entscheidend. Die russische Judcnhcit ist ausgeschaltet, der übrige Osten Ist leistungsschwach. Wir müssen mit diesen Tatsachen rechnen. Versagen die westlichen Länder, dann ist Palästina verloren. Die Gefahr, daß die Judcnheitcn dieser Länder den Charakter der neuen Siedlung zu bestimmen vermögen, besteht nicht, auch wenn sie ganz allein das Geld aufbringen würden. Palästina wird das werden, was die Juden, die das Land wirklich besiedeln und durch ihre Arbeit erobern, aus ihm machen. Unsere Pflicht aber ist es, die erforderliche Entwicklung mit aller Kraft zu beschleunigen. Es ergibt sich nun die merkwürdige Situation, daß wir in Östlichen und bisweilen auch in westlichen Ländern unter den Zionistcn Anhänger des Gedankens der Erweiterung des Jewish Agency haben, die wir „Palästinafreunde" zu nennen gewohnt sind und die uns auf der anderen Seite der Agency höchst willkommene Mitarbeiter wären. — Sie haben recht, sehr ungleiche Brüder werden mit uns für die Erweiterung der Agency stimmen, und Zionistcn, mit denen wir in unseren Grundanschauungen einig gehen, werden uns als erbitterte Gegner gegenüberstehen. Gerade diese Tatsache sollte Ihnen zu denken geben. Wäre es nicht im gegenwärtigen Zeitpunkte erforderlich, daß alle wirklich radikalen Zionistcn für die Erweiterung der Agency eintreten und gleichzeitig für die Erneuerung der Zionistischen Organisation sorgen? Ich fürchte, daß ich hier tauben Ohren predige. Als ich Sic aufforderte, an der Arbeit in Deutschland teilzunehmen und Ihnen schrieb, daß ich es für zionistisch unmöglich halte, wenn wertvolle Gesinnungsgenossen, die uns allen etwas zu geben haben, wegen politischer Differenzen aus der Arbeit ausscheiden, und der Meinung Ausdruck gab, daß wir alle so sehr durch gemeinsame Vorstellungen von der Zukunft imscres Volkes verbunden sind, daß eine gegensätzliche Auffassung in rein politischen Fragen unser Zusammenleben für die Dauer nicht stören dürfe, da erwiderten Sie mir, „daß man unter Hintanstcllung gesinnnngsmäßigcr Differenzen in einer politisch ernsten Zeit auch mit Gegnern zusammen für Volk und Land kämpfen katin. Das wäre aber nicht unser Fall. Denken Sic sich vielmehr, daß jemand in einer Armee mitkämpfen muß, von der er überzeugt ist, daß sie dem Feinde — einerlei ob durch Verrat oder durch falsche Strategie — bereits ausgeliefert ist." Ich betonte Ihnen gegenüber, daß wir außerhalb des Kongresses die Pflicht haben, an der Stärkung des zionistischen Gedankens und der Zionistischen Organisation zu arbeiten, auch wenn wir der Meinung sind, daß die Organisation in ihrer politischen Führung falsche Wege geht. Sie erwiderten: „Der Gegensatz kann korrekterweise nicht als politische Meinungsverschiedenheit bezeichnet werden, es ist vielmehr das Bewußtsein, daß durch den in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg die Organisation zu Grunde gerichtet, und der zionistische Gedanke seines einzigen Trägers beraubt wurde." Wenn dem so ist, welche Organisation wollen Sic eigentlich noch retten? Was wurden Sie übrigens sagen, wenn wir, die Majorität des vorigen Kongresses, in der Ueberzcugung, daß sie die Totengräber der Organisation sind, auch Gewehr bei Fuß stehen würden? Hoffentlich halten Sie uns, die angeblichen Zerstörer der Organisation, für ergebene und disziplinierte Gesinnungsgenossen, die sich auch als Opposition als voll verantwortlichen Teil der Organisation empfinden. Die Organisation ist nur in dem Augenblick aufgehoben, in dem d'e jeweilige Minorität ihr Dcsintcresscment an der Arbeit Tages erklärt. — * Wenn ich immer wieder die Frage der Leitung der Organisation und die Entscheidung über die Erweiterung der Agency miteinander verknüpfe, so dürfen Ihre Freunde demgegenüber nicht den Versuch machen, beide Angelegenheiten zu trennen und so zu tun, als ob durch die grundsätzliche Entscheidung in der Agcncy-Frage die Stellung Dr. Wcizjnanns nicht berührt würde. Dr. Wcizmann kann nur solange Präsident bleiben, als er sein Programm vetrritt und mit diesem Programm entweder fällt oder bleibt Er muß die Vertrauensfrage mit der Entscheidung über das Schicksal der Agency verbinden, und die Abstimmung über die Jewish Agency entscheidet dann zugleich die Frage der Führung der Organisation. — Sic müssen also auf meine Frage, wer der Mann Ihres Vertrauens für die politische Leitung ist, eine klare Antwort geben. — Fürchten Sic nicht, daß die Fähigkeit, Geld aufzubringen, zu dem einzigen Kriterium für den zionistischen Wert einer Persönlichkeit werden wird, obschon ich glaube, daß nur zionistische Qualitäten zu der sehr schwierigen Arbeit der Geldbeschaffung befähigen. Es sind die gleichen Eigenschaften, die uns die Kraft geben, neue Menschen für die Zionistische Organisation zu erobern. Wir alle, die wir die ganze Persönlichkeit in unserer Propaganda zu erfassen versuchen, wissen, daß die angeblich beste zionistische Gesinnung, wenn sie mit der Verweigerung materieller Leistungen verbunden ist, äußerst fragwürdig bleibt. — Daß die Gckfaufbringung ergänzt werden muß durch eine tiefcrgchcndc zionistische Erziehung, ist in den letzten Jahren bei jeder Tagung der Z.V.f.D. betont worden. Wir glauben aber, daß auch das Maasser-Prinzip ein kaum zu überschätzendes Erziehungsmittel darstellt. * Mir kommt es auf folgende Feststellungen an: 1. Bei der Gegensätzlichkeit in Ihren eigenen Reihen werden Sic weder Ihrem eigenen Programm Genüge tun, noch in der Lage sein, eine neue, einheitliche Exekutive zu bilden. 2. Sic haben es bisher vermieden, Personen zu nominieren, denen Sie die Durchführung Ihrer Grundsätze anvertrauen. 3. Die schwcrbcdrohtc Zionistische Organisation würde wirklich zerfallen, wenn Ihre Fraktion zur Hüterin der Bewegung bestellt würde. — Auf diesen Kongreß wird es die schmerzliche Scheidung zwischen „(jcsinnungspolitikcrn" und „Vcrantworttingspolitikern" geben. Sic wissen, welchen Sinn Max Weber mit diesen beiden Worten verbindet. Unser ganzer Konflikt wird durch diese Begriffe offenbar. — Wir treten für das Programm Dr. Wcizmanns ein; es sei aber auch bei dieser Gelegenheit betont, daß wir uns in keiner Weise mit der gegenwärtigen Exekutive identifizieren. Ich trete, wie Sic wissen, seit Jahren für eine Neuordnung ein, für eine wirkliche Leitung der Organisation, für die zentrale Behandlung der Propaganda für eine zielbewußte starke Führung der Kolonisation. Unser Reorganisationsplan zeigt Ihnen, wie wir die Zionistische Organisation wandeln: und stärken wollen. Zwei Erfordernissen haben wir zu genügen: Stärkung unserer Organisation und Konzcntricrung der Kräfte auf den Aufbau von Erez-Isracl. Ich glaube, daß Sie keine von beiden Aufgaben der Lösung näher bringen werden. Mit Zionsgruß Ihr Ihnen sehr ergebener Kurt Blumenfeld. Der Wasd ieural.bd Kolonel Symes Vor cingen Tagen erschien eine J.bordnung der Leitung des Waad Lcumi, bestehend aus den Herren J. Ben-Zwi, Dr J. Thon und Ch. Kai war! ski, beim neuen Ziyilsekretär des Oberkcmmissaiiats, Kolonel Symes, um ihn zu seiner Ernennung zu beglückwünschen. Der Hauptredner, Doktor Thon, gab der 1 rctidc des Wand Leumi darüber Ausdruck, daß Kolonel Symes, der im Laufe seiner Amtstätigkeit in Erez-Isracl die Verhältnisse des Landes genau kennen gelernt hat, das verantwortliche Amt eines Generalsekretärs der Verwaltung auf sich genommen habe. Dies biete den Mitgliedern des Waad Lcumi die Sicherheit der Stabilität in der Leitung und Verwaltung des Landes. Er gedachte der guten Beziehungen, die zwischen dem Waad Lcumi und den zwei Vorgängern Kolonel Symes, Sir W. D c c d c s und Sir. G. C i a y t o n , bestanden haben. Kolonel Symes erklärte in feiner Antwort, daß sich zwischen ihm und dem Waad Lcumi offene und freundschaftliche Beziehungen herausbilden werden. Au* dem guten Verhältnis zwischen ihm und den jüdischen Körperschaften im nördlichen Gouvernement schöpfe er die Zuversicht für seine Arbeit auf seinem neuen Posten. In der hierauf folgenden zwanglosen Aussprache informierten die Erschienenen Kolonel Symes über den gegenwärtigen Stand der Tätigkeit der Nationalversammlung und den Kampf des Jischuws um die Herausgabe des betreffenden Gesetzes. Kolonel Symes äußerte sich hierüber dahin, daß nach dem Besuch des Kolonienministers in Erez-Israel und nachdem eine prinzipielle Einigung erzielt worden sei, mit Sicherheit angenommen werden könne, daß das angestrebte Gesetz} in sehr kurzer Zeit in Kraft treten werde, wobei er die Wichtigkeit dieses Gesetzes für des Judentum im Lande vollkommen anerkenne. Herr Ben-Zwi lenkte die Aufmerksamkeit des neuen Generalsekretärs darauf, daß die Zahl der jüdischen Polizeibeamten täglich geringer werde, daß die hebräische Sprache in den Acmtcrn nicht in entsprechender Weise zur Geltung komme, daß die Avaiiccmcntsvcrhäür.IsfC jüdischer Polizcibcamtcn viel zu wünschen übrig lassen und führte Klage darüber, daß in den jüdischen Vierteln keine jüdischen Polizisten zu finden seien. Kolonel Symes nahm diese Beschwerden zur Kenntnis und versprach, hierüber mit dem Chef der Polizei Rücksprache zu pflegen. Er drückte auch den Wunsch aus, so oft sich die Notwendigkeit erweisen Werde, mit den Vertretern des Waad Lcumi in Verbindung zu treten. BsKoaw Re2e Berichtigung In Nr. 50 der „Jüdischen Rundschau" vom 26. Juni haben wir ein Telegramm des Wolff-Öüros über einen Vortrag Lord Balfours veröffentlicht. Im Berichte des Wolff- Büros hieß es, dieser Vortrag sei vor dem Parlaments Ausschuß fürVölkcrbundsfragen gehalten worden. Diese Angabc ist nicht richtig. Einen derartigen Ausschuß gibt es nicht. Vielmehr wurde der Vortrag in der „parlamentarischen Vereinigung der Völkerbundsfreunde" gehalten. — Die zweite von uns gebrachte Meldung, daß Iialfour im „Parlamentsausschuß für die Angelegenheiten des Vorderen Orients" in einer Rede die Veröffentlichung eines neuen Memorandums der britischen Regierung betreffend die Palästina-Politik verlangt habe, stammte aus dem Warschauer „Moment" und dem Krakauer „Nowy Dzicnnik". Wir werden aufmerksam gemacht, daß diese Meldung nicht richtig ist. Die Quellenangabe ist unserer* scits bei der Wiedergabe dieser Nachricht durch ein Versehen unterblieben. Die zweite IZ&zzhz En:^rct!on±cn!crczs Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Tagung der zweiten allwcltiidicu jüdischen Emigrationskonferenz, die am 9. August in Berlin beginnt, und in welcher alle mit Emigrationsfrngcn sich befassenden jüdischen Organisationen der Welt vertreten sein werden, hat das Vereinigte Komitee für jüdische Auswanderung (Emigdirckt) die in Berlin weilendm jüdischen Publizisten und Vertreter der Prc.v.c zu einer Br-.pifchung eingrl.iilen, um sie über die Lvh'S (kr jüdischen Emigration und über die Probleme, die die Konferenz zu lösen haben wird, zu informieren. Herr Dr. M. Krainin führte den Vorsitz. Er wies auf die Wichtigkeit der kommenden Konferenz hin. Die Ermöglichung einer jüdischen Einwanderung in die südamerikanischen Länder, die jetzt von den Delegierten des Emigrationsdircktoriums, W. La t z k i - B e rt h o fd i, untersucht werden, sollen die Konferenz ebenso beschäftigen, wie die Abmachung des Büros der Wclthüfskonfercnz mit der französischen Regierung bezüglich der Einwanderung von Juden aus Osteuropa nach Frankreich. Am 10. Juü kommen in Paris europäische und amerikanische Persönlichkeiten zusammen, um die dringenden Emi^rationsproblcmc zu studieren. Der Präsident des amerikanisch-jüdischen Komitees und des Emcrgcncy-Komitccs, Mr. Louis Mars ha II, der Direktor der Hias in Amerika, John L. Bernstein, ein kanadischer Vertreter, Vertreter der Ica und des Emigrationsdircktoriums werden anwesend sein. Die zweite alhvcltliche Konferenz wird über die brennende Frage der in den Häfen festgehaltenen Emigranten zu beraten, sowie wichtige Organisations- und Finanzfragen zu lösen haben. Die Konferenz wird die jüdische Oeffcntlichkcit in allen Ländern repräsentieren. Herr D i j o u r berichtete über die Tätigkeit des Emigrationsdircktoriums seit der ersten 102! in Prag stattjcjefundcncn allwcltlichcn jüdischen Emigrationskonferenz. Zu jener Zeit galt es, den regellosen Strom der Kriegs- und Pogromflüchtlinge in geregelte Bahnen zu bringen, heute ist die Lage so, daß neue Länder für die Emigrationswilligni gesucht werden müssen. Der Beschluß der ersten Konferenz, eine zentrale Lmigrationsbank /u schaffen, konnte formell nicht durchgeführt werden, aber praktisch üben die Hias und ihre europäischen Abteilungen die Funktionen einer solchen Bank aus, indem sie Geldüberweisungen für Emigranten besorgen. In früheren Jahren wanderten alljährlich etwa 120 030 bis 140 000 Juden nach Amerika aus; infolge der Immigrationseinschränkung und der festen Quote wandern gegenwärtig SÖ00 bis lOOuO Juden nach den Vereinigten Staaten; nach Argentinien gehen jährlich etwa 0000, Dieser stark reduzierte Emigrantenstrom gibt aber mehr zu schaffen, als der frühere breite Strom. Unter den heutigen Verhältnissen emigrieren jährlich etwa 40000 }udcn, Palästina nicht eingerechnet, welches als Einwandcrun^Iand den ersten JMatz einnimmt. Von den 6000 bis 7000 in den Häfen gestrandeten Emigranten sind etwa 40 Prozent abgewandert, es bleibt noch für etwa 4000 Iiafcncntigranten zu sorgen. In Kuba haben sich etwa 4000 Emigranten angesammelt, in der Hoffnung, von dort leichter in die Vereinigten Staaten kommen zu können. Ihre Lage ist eine verzweifelte, das amerikanische RettungskOmitec (Emcrgency) nimmt sich ihrer an. Herr A. Tscherikowcr gab zum Schluß einen Ucbcrblick über die Probleme, die die zweite Konferenz beschäftigen werden. Interessant waren seine Mitteilungen über die Mission Latzki-Bcrtholdi. Nur durch Zufall und etwas spät erfuhr das Eml^rationsdirektorium, daß das von Albert Thomas geleitete Internationale Arbeitsamt des Völkerbundes eine Abordnung nach den südamerikanischen Staaten entsendet, um eine legalisierte Einwanderung russischer, armenischer und anderer Flüchtlinge in diese Länder vorzubereiten. Im letzten Augenblick setzte es das Emigrafionsdircktorium durch, daß ein jüdischer Vertreter zwecks Wahrnehmung der jüdischen Emi^rationsintcressen in die Kommission kooptiertwerde* In Südamerika ergaben sich Unstimmigkeiten in betreff der Stellung Latzkis innerhalb der Kommission. Latzki trat aus der Kommission aus. Er führt aber selbständig Verhandlungen, die hoffentlich zu guten Ergebnissen führen werden. Auf die Intervention des Emigrationsdircktoriums beim zentralen Palästinaamt im Interesse der in Lettland gestrandeten, jetzt von Ausweisung bedrohten jüdischen Hafenemigranten traf soeben vom Palästinaamt die Nachricht ein, daß 150 Zertifikate für Emigranten in Lettland zur Einreise nach Palästina reserviert werden würden. Die IQdlscic Kolonisation Ii Rnßtond Der Direktor der Europa-Arbeit des Joint Distribution Committcc Dr. Bernhard Kahn, der sich am 7. Juni in Begleitung des Leiters der Agro-Joint und des Vertreters der Moskauer Jüdischen Gemeinde Isaak Urison zwecks Inspizierung der jüdischen Kolonien nach der Ukraine und der Krim begab, ist am 2S. luni nach Moskau zurückgekehrt. In einem Interview mit dem ITA-Vertreter äußerte sich Dr. Bernhard Kahn wie folgt: Nach vier Wochen sorgfältigen Studiums der Arbeitsbedingungen in Rußland und nach meinen Erfahrungen während meines Besuches der neuen jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen bin ich zu der Ucbcrzeupung gekommen, daß die Landansicdlung der Juden in Rußland eme wichtige Erscheinung dieser Zeit darstellt und uns" das Ziel für unsere Wiederaufbautätigkeit in diesem Lande gibt. Mehr als tausend Häuser sind jetzt im Bau und werden noch vor Einzug der Winters fertig sein. 40000 Morgen Land werden bereits von neuen jüdischen Siedlern mit glänzendem Erfolg bearbeitet. Es ist ermunternd festzustellen, daß die neuen jüdischen Siedler mit den benachbarten russischen Bauern erfolgreich Wetteifern. » j n r Die Siedlungsbewegung der Juden in Rußland,' setzte Dr. Kahn fort, findet kein Anaiogon m der jüdischen Geschichte, und mau kann sie mit keiner anderen Kolonisationsbewegung vergleichen. E; kann sein, daß sie eine Umformung der gesamten jüdischen wirtschattuchen Struktur in Rußland einleitet. Agro-Joint ist in der Aufbauarbeit von keiner russischen Behörde abhängig und unterhält zu der Sowjet-Regierung und allen dem Kolonisationswesen sich widmenden Anstalten die besten Beziehungen. Mit anderthalb Millionen Rubel können wir 4000 Familien auf dem Lande ansiedeln und im kommenden Jahre eine doppelte Anzahl. 85000 Dollar I2r dss Jcrusalemcr Lelirersemisar Auf einem zu Ehren Dr. David Ycllins in New York gegebenen Luncheon, veranstaltet vom amerikanischen Komitee des Hebräischen Lehrerseminars zu Jerusalem, wurde eine Summe von insgesamt Doli. 85 000 zur Errichtung eines neuen Oebäudcs für das Lehrerseminar gczcich.net. Außer dieser Summe will, wie der Vertreter der Masonic (Freimaurer-) Palcstine Foundation, Herr Harry P. Fierst, mitteilte, seine Organisation für den einen Flügel des neuen Seminars DolL 30000 beitragen. Diese Entscheidung unterliegt noch der Billigung des Keren Hajessod, dem diese Foundation untersteht :

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