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Jüdische Rundschau · 1925-07-07 · Heft 53 (7.7.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 53 (7.7.1925)
Date
1925-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 466 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53 Wirtschaftliche Existenzmöglichkeiten in Erez-Jisrael Von Direktor Arthur Nathan, Berlin. Herr Dir. Nathan, der kürzlich aus Palästina zurückgekehrt ist, sendet uns die folgenden, auf eigenen Beobachtungen beruhenden Ausführungen. Red. Der Palästinagedanke hat in den letzten Jahren so ungeheure Fortschritte in unserer Oedankcnwclt gemacht, daß es kaum mehr einen Zionisten gibt, der sich nicht allen Ernstes mit der Frage beschäftigt, ob und in welcher Weise »ich für ihn eine Existrnzmöglichkcit im Lande der Väter bietet. Wer aus Ercz-Isracl zurückkehrt, der wird diese Frage dauernd zu hören bekommen. Das, was uns in Ercz- Israel in erster Linie nottut, ist eine Verstärkung der landwirtschaftlichen Position, um wirklich bodenständig zu werden und es wäre deshalb wünschenswert, wenn man allen Auswanderern den Rat geben könnte, sich in der Landwirtschaft zu betätigen. Leider ist noch nicht die Zeit gekommen, wo ein jeder Jude unter seinem Weinstock und Feigenbaum in Ruhe die Früchte seiner Arbeit genießen kann. Zur Betreibung der Landwirtschaft gehören Kenntnisse und Fähigkeiten, die unseren Leuten größtenteils abgehen und außerdem fehlt es auch ihnen meistens an Geld, um Land zu kaufen, die Wirtschaft einzurichten, und über die ersten crtragloscn Jahre hinwegzukommen. Das entsagungsvolle und schwere Leben des Chaluz ist nur körperlich und moralisch auf höchster Stufe stehenden jungen Leuten anzuraten. Die Organisation hat nur geringe Mittel und die Zahl derer, die sie ansiedeln kann, ist beschränkt. Naturgemäß kommen in erster Linie für die Ansicdlung durch die Organisation solche Chaluzim in Frage, die bereits jahrelang im Lande tätig waren, die Landwirtschaft erlernt una sich mit den Gewohnheiten des Landes und mit dem Klima vertraut gemacht haben. Landwirtschaftliche Berufe kommen daher nur für die wenigsten in Frage. Wie steht es mit den anderen Berufen? Palästina ist heute schon ein Land, das fast für jede Art der Betätigung Raum und Möglichkeiten hat, vorausgesetzt, daß genügend Fähigkeiten vorhanden sind und eigenes, genügendes Kapital, um einen rentablen Betrieb einzurichten bzw. über die Anlaufszeit hinwegzukommen. Die freien Berufe sind größtenteils überfüllt, insbesondere ist die Zahl der Acrztc groß und nur für den einen oder anderen gut ausgebildeten Spczialarzt bietet sich unter besonderen Umständen Existenzmöglichkeit. An Rechtsanwälten ist ebenfalls kein Mangel, die Zahl der im Lande sich befindenden Advokaten ist für die heutige wirtschaftliche Lage noch ausreichend. Im Lehrerberuf besteht Betätigungsmöglichkeit, aber dieser Beruf setzt eine so umfassende Kenntnis des Hebräischen voraus, wie sie nur durch langjährigen Aufenthalt im Lande erworben werden kann. Für tüchtige Ingenieure wäre noch Raum, wenn sie unter den Verhältnissen des Landes entsprechenden Bedingungen tätig sind. Oroße Betätigungsmöglichkeit besteht im Handwerk für tüchtige, ihr Fach gründlich kennende Männer. Das beweisen die Erfolge der Blau-Wciß-Wcrkstättcn, deren präzise und fachmännisch einwandfreie Arbeit allgemein Anerkennung gefunden hat. Die Blau-Wciß-Wcrkstätten sind im Begriffe, nach modernen Grundsätzen Fabrikationsanlagcn für Eisen-, Metall- und Holzbearbeitung anzulegen, deren Bau bereits begonnen hat. Der Plan hierfür ist von dem Eibauer der Universität, dem Architekten Kornberg, entworfen. Leider gibt es unter den jüdischen Einwanderern wenig geschulte Facharbeiter, und es werden Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte vergehen, bevor der Mangel der Ausbildung ausgeglichen wird, trotz aller Anstrengungen, die seitens der Arbeiterorganisation und technischen Institute durch Arbeiterkurse gemacht werden. Bei der großen Bautätigkeit im Lande wird es für tüchtige Handwerker immer Beschäftigung geben. Stark überfüllt ist der Klein handef, insbesondere in Tel-Awiw, wo die Einwanderer der vierten Alija, die größtenteils aus diesem Stande sind, meistens ihre alten Berufe fortsetzen. Dennoch wird hier für jemand, der seine Branche gründlich kennt und etwas Geld besitzt, Existenzmöglichkeit vorhanden sein. Die Zahl der im Lande gebrauchten Bank- und Handelsbeamten ist bei der geringen Ausdehnung der vorhandenen Betriebe im allgemeinen sehr gering. Es dürfte aber dennoch einem tüchtigen jungen Kaufmann, der mehrere Sprachen beherrscht (besonders englisch und hebräisch) nicht schwer fallen, hier Stellung zu finden. Wer sich in der Industrie selbständig betätigen will, der muß über viel Geld verfügen, die Verhältnisse des Landes gründlich kennen und abzuwarten in der Lage sein, bis die Anfangsschwicrigkeiten überwunden sind. Palästina ist aber in der glücklichen Lage, eine Industrie zu besitzen, die durchaus bodenständig ist und die in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen hat, der sich nach Ansicht aller noch weiter vergrößern wird, das ist die Fremdenindustrie. Man berechnet, daß in dieser Saison mindestens 20 000 Touristen ins Land gekommen sind, dabei sind nur diejenigen gezählt, die in Hotels und Pensionen abgestiegen sind, nicht aber die große Zahl derjenigen, die hei Bekannten oder Verwandten untergekommen sind. Rechnet man die Ausgaben der Touristen mit £E. 50 pro Kopf, was eher zu wenig als zuviel ist, so ergibt sich, daß in diesem Jahre allein die Fremden 1 Million Pfund ins Land gebracht haben. Um sich ein Bild davon zu machen, was diese Ziffer bedeutet, ist vielleicht praktisch, sich zu vergegenwärtigen, was sie proportional der Einwohnerzahl für Deutschland bedeuten würde. Man kommt dann auf die Ziffer von nahezu 100000000 Pfund gleich 2 Milliarden Mark. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der größte Teil dieses Betrages in erster Linie den hier ansässigen, etwa 120000 Juden zugute kommt, wodurch die Ziffer sich für die Bedeutung der jüdischen Wirtschaft des Landes noqh ganz wesentlich steigert. Es kann aber keinen Zweifel unterliegen, daß in dieser Industrie eine Quelle des Wohlstandes von großer Bedeutung für das ganze Land liegt. Man hat berechnet, daß vor dem Kriege' alljährlich 500000 Pfund (d. h. 4000000 Goldmark) von den nach Italien reisenden Fremden ausgegeben wurden und hat festgestellt, daß dieser Betrag zusammen mit den Überweisungen der italienischen Auswanderer (letztere sind mit den Ueoerweisungcn des Keren Kajcmcth und Kcren Hajessod zu vergleichen) der Hauptgrund des Gedeihens des Landes war und daß allein dadurch die stark passive Handelsbilanz des Kohle und Eisen fast völlig entbehrenden Landes nicht nur ausgeglichen, sondern stark aktiv gemacht hat. * > * Es ist mit aller Bestimmtheit anzunehmen, daß der Fremdenstrom, der seit dem letzten Jahre mit so überraschender Stärke eingesetzt hat, sich weiter verstärken wird. Der Palästinagedanke hat nunmehr die Herzen des jüdischen Mittelstandes und der jüdischen Reicher» ergriffen, Palästina ist. tun mich vulgär auszudrücken, Mode geworden. Ein jeder muß dagewesen «ein. Und alle diejenigen, die hier waren, sind einig in der Schätzung der unvergleichlichen und unbeschreiblichen Schönheit da Landes, in der Anerkennung der großartigen Arbeit, die hier von jüdischen Händen geleistet wurde. Wer könnte an der einzigartigen Leistung schweigend vorübergehen, die in der landwirtschaftlichen Erschließung des Emcks liegt! Diejenigen, die hier waren, werden daher' erneut Propaganda für das Land machen und der Strom der Touristen Kann sich nur verstärken. Was ist geschehen, um diese für die Wirtschaft des Landes so unendlich wichtige Erwerbsquelle, die, ich möchte fast sagen das Rückgrat der palästinensischen Wirtschaft bildet, so ergiebig wie möglich zu machen? An systematischer Organisation leider sehr wenig. So muß anerkannt werden, daß ein bequemer und recht preiswerter Autodienst den Reisenden rasch an alle Stollen des Landes führt. Aber wie steht es mit Unterkunft und Verpflegung? Nach dieser Richtung ist leider sehr wen.;g getan, um den Ansprüchen der Touristen zu genügen, insbesondere die Unterkunft ist meistens ungewöhnlich unbequem und teuer. Von dem Komfort, der in Europa auch in zweit- und drittklassigcn Hotels als selbstverständlich angesehen wird, kann hier keine Rede sein. Und doch würden viele Touristen erheblich länger und lieber im Lande bleiben, wenn ihnen eine bequeme, komfortable Unterkunft geboten würde. Die bezahlten Preise sind so, daß sie dies ohne weiteres gestatten. Die normalen Hotclprcisc schwanken zwischen 60 bis 120 Piaster pro Tag für Unterkunft einschließlich Pension, das heißt 12 bis 24 M. Gewiß ist es nicht nötig, daß überflüssiger Luxus getrieben wiid, aber man muil doch verlangen, daß den berechtigten Ansprüchen der Touristen an Bequemlichkeit der Unterkunft und Aufmerksamkeit der Bedienung nach jeder Richtung hin Rechnung getragen wird. Wer nach Ercz-Isracl reist, der macht sich mit dem Gedanken vertraut, daß er Unbequemlichkeiten aller Art in den Kauf zu nehmen hat, es ist aber nicht durchaus notwendig, daß er diese Unbequemlichkeiten auf sich nimmt. Für den oben genannten Preis muß jedem Touristen alt der Komfort geboten werden, den er von Europa her gewohnt ist. Und dabei können die Besitzer der Hotels und Pensionen noch reichlich auf ihre Kosten kommen. Woran liegt es, daß nach' dieser Richtung hin in Palästina noch wenig geschehen ist? . Die Besitzer der Hotels und Pensionen sind meistens nicht vom Fache und kennen die Anforderungen, denen sie zu genügen haben, nicht. Hier bietet sicii ein breites Betätigungsfeld für deutsche Juden, insbesondere aber für deutsche Jüdinnen. IXis zur Gründung einer Pension erforderliche Kapital braucht nicht sehr groß zu sein. Die dazu erforderlichen Räume zum Mieten zu finden, ist nicht schwer. Empfehlen dürfte sich allerdings, daß der Bau nach den Angaben des Hotelinhabers vorgenommen wird, damit von vornherein für genügend Komfort gesorgt ist. Erforderlich wäre daher nur die Beschaffung der Inneneinrichtung und das Geld für die ersten sechs Monate Miete. Für Frauen, die verstehen zu wirtschaften, eine Wirtschaft zu leiten und einzurichten, nichts weiter ist erforderlich, bietet sich hier ausgezeichnete Arbeitsmöglichkeit vom Beginne der Wintersaison an. Freilich, wer nach Ercz-Isracl kommt, muß sich vorher klar darüber sein, daß er sich selbst durchzusetzen hat und für sich selbst allein verantwortlich ist. Die Organisation kann ihn zwar beraten, aber es kann nicht ihre Aufgabe sein, ihn mit Geld -zu unterstützen. Der tüchtige Manu oder die tüchtige Frau wird sich selbst durchsetzen, vorwärts kommen und ihre Existenz sichern. Auf einer möglichst großen Zahl von gesicherten Existenzen beruht die gesunde Wirtschaft. ' Die Hongreßwahlcn in Deutschland Wie wir erfahren, wurde zwischen den Herren Kurt Blumcnfcld und Dr. Aron Sand ler als den bevollmächtigten Vertretern der von ihnen eingereichten WahJvorschlägc Liste Felix Roscnblüth, bzw. Dr. Alfred Klee ein. Abkom». men bezüglich der Wahlen zum XIV. Kongreß getroffen. Infolge dieser Vereinbarung wurden die Wahlvorschlägc zurückgezogen, und es wurde gemeinschaftlich ein neuer Wahlvorschlag eingereicht (Listenführcr Felix Rosciihlüth-Jcrusalcm), auf dem an aussichtsreicher Stelle Herr Dr. Alfred Kicc-Bcrlin und als seine Stellvertreter die Herren Dr. Willy Victor-Wandsbcck und Dr. Hugo .Schachtel-Breslau kandidieren. Diese drei Herren werden im Wahlvorschlag ausdrücklich als einer besonderen Gruppe angehörig bezeichnet, was zum Beispiel zur Folge hat, daß sie weder als Ersatzdclcgierte für andere Kandidaten dieser Liste eintreten noch ihrerseits von anderen vertreten werden können. Es handelt sich also um eine Wahlvcrcinigung technischer Natur. Wir werden ferner von den Repräsentanten des Wahlvorschlagcs Roscnblüth gebeten, nochmals darauf hinzuweisen, daß die Herren Kurt Blumcnfcld und Arthur Hantkc nur darum nicht als Kandidaten der Liste Roscnblüth fungieren, weil sie als AC-Mitglicdcr bereits das Recht der Teilnahme am Kongreß besitzen. Für Kongrtßbcsucher aus Deutschland Die in Deutschland lebenden Inhaber von russischen Pässen oder von Personalausweisen für Staatenlose, die in irgendeiner Funktion oder als Gäste am XIV. Zionistenkongreß teilnehmen wollen, werden hierdurch gebeten, sich unverzüglich unter genauer Angabc ihrer Adresse mit uns in Verbindung zu setzen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Die Zionistische Ortsgruppe Innsbruck (Tirol) schreibt uns: Der in Wien tagende Kongreß wird wahrscheinlich eine große Anzahl Gesinnungsgenossen entweder vor oder anch dem Kongreß durch unsere Stadt führen. Die hiesige Ortsgruppe, die klein aber rührig ist, hält es für ihre Pflicht, allen Gesinnungsgenossen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und wir bitten, der jüdischen Ocffentlichkcit mitzuteilen, daß sich die betreffenden Personen an uns wenden mögen, und zwar an die Adresse: Herrn Siegfried G r a u b a r t, Innsbruck, Museumstraße Nr. 8. Telephon Nr. 617. Arbeitervorstädte Der Plan der Ansicdlung jüdischer stadtischer Arbeiter in vorstädtischen Siedlungen (Schchunoth Owdim) hat eine weitere Förderung erfahren durch den jüngst gefaßten Beschluß des Direktoriums des Kcren Kajcmcth, für diesen Zweck ein Areal von 97 Dunam bei Tibcrias zu erwerben. Der Wohnungsmangcl aut der einen Seite und die Notwendigkeit, den industriellen Arbeiter seßhaft und weniger abhängig von dem Wechsel des Arbcitsmarktcs in der Stadt zu machen, lassen die Frage der Arbeitervorstädte sehr dringlich erscheinen. Es ist beabsichtigt, derartige Vorstadtsicdlungen in der Nachbarschart aller, größeren Städte zu errichten« Die Regelung von Minorifätenfragen Von Dr. Oskar Karbach, Vorstandsmitglied der Jüdischen Völkcrbundliga für Oesterreich. Die Jüdische Völkerbundliga für Oesterreich hat einen Entwurf ausgearbeitet, der die Regelung eines fakultativen Eingreifens der Völkcrbundligcn auf dem Gebiete der Vcrmittlungstätigkeit in Streitfragen zwischen der Majorität der Bevölkerung eines Landes und den Minoritäten zum Gegenstande hat. Die jüdische Liga hat nun soeben vom Generalsckretariatc der Internationalen Union der Volkerbundligen die Verständigung erhalten, daß ihr di<-sbe/üg. lieh eingebrachter prinzipieller Antrag, der auch die Vorlage dieses Entwurfes an die ständige Minoritätenkommission der Union beinhaltet, auf die Tagesordnung der 9. Plenarvcrsammlung gesetzt wurde, die anfangs Juli d. J. in Warschau zusammentritt. Da hiermit zweifelsohne ein erster Schritt auf der Bahn aktiver, über das Gebiet engster Rcchtsschutzarbcit hinausreichender jüdischer Kooperationen an dem großen Werke des Ausbaus der innerstaatlichen Differenzen getan ist, der unter Umständen dereinst als der Anfang einer ganz neu-n Phase der Galuthpolitik erscheinen wird, kann eine kurrc Zusammenstellung der wichtigsten Bestimmungen des jüdischen Entwurfes von einigem Interesse sein. Der Entwurf bezieht sich nur auf Streitfälle /wisrhrn Majoritäten und solchen Minoritäten desselben Staatswesens, die beide über eine bereits konstituierte und als Mitglieder in die Brüsseler Union aufgenommene Völkcrbundligcn verfügen. Er sieht im wesentlichen die Konstituierung einer gemischten Kommission vor, die aus einer ständigen Liste, die von den beteiligten Ligen zusammengestellt ist, paritätisch gebildet wird. Gegebenenfalls hat jede Liga das Recht, die Einberufung dieser Kommission zur Beratung über einen aktuellen Streitfall zu bewirken. Unter gewissen Modalitäten ist eine dringliche Behandlung im Entwurf vorgesehen. Der Völkerbund selbst, ferner die Plenarvcrsammlung und die ständige Minoritätenkommissiou der Union der Völkerbundligen sind ebenfalls berechtigt, den Zusammentritt der Kommission zu fordern. Aufgabe der Kommission ist es, in jedem einzelnen Falle die Tatsache einer Rechtsverletzung oder die Existenz eines Gefahrenmomentes für die innere Ruhe gemeinsam festzustellen und Mittel zur Schlichtung des Konfliktes zu finden und bekanntzugeben. Die Gründe, der Verlauf und die Resultate des Verfahrens werden in einem gemeinsamen Schlnßprotokoll niedergelegt, welches das Verjähren beendigt und allen am Streitfall interessierten Faktoren, in jedem Falle aber der Staatsrcgicrung und dem Generalsckretariatc der Union übermittelt wird. Es soll sich dann daran der gemeinsam zu unternehmende Versuch anschließen, an der Beilegung des Konfliktes unter Zugrundelegung des Protokolle* tatkräftig mitzuwirken. Verweigert eine I iga a limine oder in irgendeinem Stadium des Verfahrens ihre Mitwirkung, so ist der andere Teil autorisiert, diese Tatsache in einem einseitigen Schlußprotokoll unter Darstellung der hindernden Gründe festzulegen. Auch ein solches Protokoll hat die Wirkung einer regulären Beendigung des Verfahrens. Als Sanktionen für die Einhaltung der im Entwürfe vorgezcichuctcu Bestimmungen ist vorgesehen, daß Minoritätenfragen, die noch nicht den Gegenstand eines ordentlichen Verständigungsverfahrens gebildet haben oder über welche -• im Weigerungsfälle einer zur Mitwirkung berufenen Liga — nicht zumindest ein einseitiges Schlußprotokoll vorliegt, weder innerhalb der Union zur Sprache zugelassen werden, noch — was naturgemäß nur in Form eines Ersuchens seitens der Union denkbar ist — von den kompetenten Organen des Völkerbundes selbst behandelt werden sollen. Ohne fürs erste die praktische Bedeutung dieses Entwurfes zu überschätzen (i.>t doch der komplizierte Bereich der Minoritätenfrage ein Gebiet, auf dem nur behutsam Schrift für Schritt gemacht werden darf), würde er doch sogleich folgende wesentliche Fortschritte bieten: 1. Veranlassung der Völkcrbundligcn eines Landes, sich in jedem ein/einen Falle mit den Konflikten zwischen Majorität und Minorität (eventuell auch zwischen verschiedenen Minoritäten untereinander) intensiv zu befassen; 2. Stärkung der Position der Ligen bei den von ihnen vertretenen Bevölkerungskreisen, was insbesondere bei den zahlreichen Minoritäten bedeutsam ist, die sich in einen chauvinistischen und gemäßigten Teil scheiden: intensive Mitarbeit und Interesse weiterer Kreise; 3. Möglichkeit einer Vermeidung des an Formalitäten reichen und schleppenden Instanzenzuges beim Völkerbund selbst; Möglichkeit der Anwendung auf Fälle, die überhaupt nicht vor dem Völkerbund zur Behandlung zugelassen werden; 4. Vermeidung der in breiten Schichten der Bevölkerung vorhandenen Mißstimmung gegen auswärtige Interventionen in inneren Angelegenheiten, ohne doch das moralische Gewicht der internationalen öffentlichen Meinung auszuschalten; 5. Veranlassung für die Ligen, die regelmäßig die Mitwirkung prominenter Führer aus beiden Lagern besitzen, positive Vorschläge in Minderheitsfragen unter der moralischen Kontrolle der Union zu suchen (übrigens sind auch im Entwürfe permanente Studienkommtssionen vorgesehen); 6. Im Falle der Feststellung einer Rechtsverletzung oder der Findung eines Srhlichtungsvorschlagcs gewinnt dieses Resultat durch das moralische Gewicht beider Ligen eine außerordentlich erhöhte Bedeutung; 7. Indirekte Förderung der Bildung neuer Ligen Die Intervention beim Völkerbunde selbst bleibt den Minoritäten nach Erledigung des Vcrständigungsvcrfahrcr.s durch den Entwurf natürlich gänzlich unbenommen. Aus all dem ergibt sich, daß die Verwirklichung des Entwurfes der Jüdischen Völkcrbundliga für Oesterreich ein wesentlicher Schritt nach vorwärts auf dem Gebiete #dcr Minoritätenfrage wäre und die Annahme der von uns eingebrachten Resolution keinesfalls bloß den Beginn eines neuen wichtigen Abschnittes in der jüdischen Galuthpolitik bedeuten könnte. Koitrolic der Bodenkanle Der Waad Lcumi teilt mit: Die Asscfath Haniwcharim ist der Ansicht, daß neben unserem Wunsch, den Boden Erez-lsraels durch den KKL ausgelöst zu sehen, auch dem Bodenerwerb durch private Personen und Gruppen grolle Bedeutung zukommt, aber nur in dem Maß, als er 'nicht zu einem Gegenstand des freien Privathandels wird, jede Bodenspekulation verursache allgemeinen nationalen Schaden, weshalb die Asscfath Haniwcharim die Forderung aufstellt, daß Bodentransaktionen unter nat ionalc Kontrolle gestellt werden. Zum Zweck dieser Kontrolle soll durch den Waad Lcumi und die Zionistische Exekutive eine besondere zentrale Institution geschaffen werden. Bodcntransaktionen sollen nur die Gesellschaften und Privatleute vornehmen dürfen, die sich der Kontrolle dieser Institution unterstellen. . (Ziko)

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