Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 53 (7.7.1925)
- Date
- 1925-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 53 }UEDISCHE RUNDSCHAU Seile 463 Die Kulturarbeit und der Kongreß (Von unserem Korrespondenten.) A.G., Jerusalem, den 24. Juni 1925. Auf der Tagesordnung der letzten Session der „Asscfat Haniwcharim" stand unter anderem die Frage des Schulu<erks in Palästina. Infolge der Sprengung der Versammlung durch die Orthodoxen ist die Tagesordnung nicht 'erschöpft und die Schulfragc nicht behandelt worden. Von Jen Kiciscn, die der Erziehungsarbeit nahe stehen, vor allem '„ntcr den Lehrern, wird dieses Thema jedoch unaufhörlich diskutiert und in die Öffentlichkeit hineingetragen. Cs ist nicht nur die Budgetfrage allein, die von Gewicht für die künftige Entscheidung ist. In den Mittelpunkt des Interesses tritt die Frage, wer für das Schulwcrk im iLande verantwortlich sein, wer die Richtung der j..\rbcit bestimmen soll. } Nicht mit Unrecht wird darüber geklagt und gezürnt, daß!tlic Kulturarbeit im Laufe der Jahre mehr und mehr in der 'öffentlichen Meinung und in den leitenden Instanzen zu lein er Nebensache zu werden droht. Das gilt nicht Uo sehr für das Budget. Denn wenn auch das Geld, das •heute zur Verfügung steht, keineswegs den Ansprüchen, die Vinc umfassende Erziehungsarbeit an uns stellt, genügt, so Mit das schließlich auf diesem Gebiet nicht mehr als überall jm unserer Kolonisationsarbeit. Unser Ansicdlungsbudgct ist 'zu klein, die Mittel, die für Bodenkäufe bestimmt sind, sind i7U verstärken, das Alijahbudgct ist zu klein und so weiter ,über alle einzelnen Budgctpostcn hinweg. Die Erziehungsarbeit ist jedoch in anderer Beziehung nicht genug berücksichtigt worden: in der Beziehung der Leitung. Und diese Seite des Problems ist es auch vor allem, die jetzt unmittelbar vor dem Kongreß im Lande diskutiert wird. Die Frage, wer für die Erziehungsarbeit verantwortlich «ein soll, liegt zusammen mit der gesamten Lage unserer Arbeit auf diesem Gebiete. Welcher Wert ihr, sowohl im Hinblick auf die orthodoxen Kreise, wie auf die nichthcbrä'isicrtcn Kreise der neuen Alijah zukommt, ist uns seit langem klar. Daß ein großer Prozentsatz der Kinder keine Unterkunft in unseren Schulen finden, daß die Kindergärten und die Schulklasscn überfüllt sind, und nicht wenige der jungen Generation deshalb in den Anstalten der Alliance und der Mission erzogen werden, ist eine Tatsache, die für sich« cenug spricht und keiner besonderen Kommentare bedarf. Diese Situation ist nicht allein die Folge des Geldmangels, sondern resultiert auch aus dem Fehlen einer verantwortlichen Stelle, die nach innen und nach außen die genügende Autorität besitzt. Das Erzichungsdcpartcmcnt bei der Exekutive feinen mit den Befugnissen eines Mitglieds der Exekutive ausgestatteten „Unterriehtsministcr" haben wir ja nie gehabt) besteht seit dem Rücktritt Dr. Lurics nur in provisorischer Form. Außerdem hat die Exekutive immer nur die Verantwortung für die Gelder des Budgets der zionistischen Organisation (zirka 2/3) getragen. Wenn der Rest aus den anderen . Quellen nicht einging, so kam es zu Konflikten, wie sie uns gierst kürzlich der Lehrerstreik in schärfster Form gebacht hat. r| Es sind in der Diskussion über die genannten Fragen in 's der Hauptsache folgende Vorschläge aufgetaucht. Der erste flautet öihin, daß der Wand Lcumi die Verantwortung für die ^'Erziehungsarbeit übernehmen soll, der zweite, daß sie an '^die Gemeinden überzugehen hat und schließlich der dritte, Jdaß die Exekutive nach wie vor verantwortlich und richtunggebend bleibt. Unter den heutigen Verhältnissen, in denen $dcm Waad Lcumi keine Machtmittel dem Jischuw gegenüber j'.jjzur Verfügung stehen, wo er keine entsprechende Bedeutung jjund keinen entsprechenden Apparat besitzt, wird der Vor* ^schlag, ihn für die Kulturarbeit verantwortlich zu machen, ifikaum ernstlich in Betracht kommen. Ohne Zweifel wird der |;Waad Lcumi nach allen Richtungen so auszubauen sein, daß er j;fihig wird, der Palästina-Exekutive eine Reihe von Aufgaben j Abzunehmen, unter denen dann auch das Schulwesen seinen tl; Platz fände. Im gegenwärtigen Moment jedoch und in der ^Gegenwärtigen Verfassung des Waad Lcumi ist es dazu zu jimih. Das wird von allen Seiten anerkannt, die die palä'sti-;;nmsisclicn Verhältnisse kennen und es wird nötig sein, j-dic Mitglieder des Kongresses, die sie nicht kennen, aus- .'• \ Aichig zu informieren. Wir sind ja erst in diesem Jahre dafür ',. \ tüge Zgewcscn, daß es dem Waad Leumi nicht gelungen ist, auch nur das Scptcmbcrgehalt der Lehrer, für das er garan- \ . tiert hatte, zu beschaffen, eben weil ihm den Kolonien i gegenüber keine Pressionsmöglichkeiten zur Verfügung f standen. l'i Wir erkennen in der Budgetpolitik der Exekutive die! Tendenz, sich soweit wie möglich von bestimmten Posten ' ihres Finanzplancs frei zu machen, um die ohnehin beschränk-;u'» Mittel des Kcrcn Hajcssod für die engeren Kolonisationszwecke bereit zu stellen. Es werden zwcilcllos im Budgctplan für die nächste Arbeitsperiode nicht unbedeutende Verschiebungen im Vergleich zum lautenden Jahre stattfinden. Es sind nun bereits Vorschläge aufgetaucht, die darauf abzielen, die Exekutive von der Verantwortung für das Kulturbudget bis zu einem gewissen Grade frei zu machen und ihre Mitarbeit auf die Dotierung einer bestimmten (noch nicht endgültig feststehende) Summe zu beschränken. In diesen Vorschlägen Verden als die verantwortlichen Träger des Schul wc rk« dir Gemeinden bezeichnet. Dieses Projekt hat heftige Diskussionen und in verschiedenen Kreisen — vor allem in der Lehrerschaft — energische Gegnerschaft hervorgerufen. Es sind nicht allein finanzielle bedenken, die gegen diesen Plan ins Feld geführt werden, ol>- Wr>hl es stark bezweifelt wird, ob die Gemeinden allein aus 'hrem guten Willen heraus das Bestehen des Schulnctzcs garant'wen werden und zu garantieren imstande sind. Es wird nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß die bisherigen Erfahrungcn nicht gerade ermutigend sind. . Und es ist zweifellos richtigf daß die finanzielle Leistung der Gemeinden erst errungen werden kann, wenn das Gcmcindcgcsctz, auf das wir ^hon so lange warten, bestätigt ist. Und der Einfluß dcT Exekutive hat bisher nicht völlig genügt, um die Kolonien zur J'füllung ihrer Pflicht zu zwingen. Außer diesen finanziellen Renken wird jedoch die Befürchtung geäußert, daß die Übertragung der Verantwortung an die Gemeinden notwendig *ü einer Zersplitterung des Schulsystems führen, j^sc. Das Erzichungsdcpartcmcnt führte einen ununterbrochenen Kampf gegen die Scparicruugstcndcnzcn der vermiedenen Richtungen und Gemeinden. Es wurde versucht, ^hkenasim, Sephardim, Jemeniten, die Kinder der verschicken sozialen Schichten, sämtlich in einem Schulsystem zusammenzufassen, in dem weltlicher Unterricht in hebräischer brache erteilt wurde. Es geling das so weit, als der moralische und (finanziellbegründete) faktische Einfluß des Departements reichte. Mit dem Moment, wo dieser zentripetale Einfluß gebrochen oder geschwächt wird, muß — so argumentiert man — eine übertriebene Viclgcstaltigkcit der Schulen sich ergeben. Jede kleine Gruppe wird ihre Anstalt ihren Bedürfnissen entsprechend, in religiöser, pädagogischer, sozialer Richtung beeinflussen. Und es ist durchaus nicht sicher, daß wir damit auch nur die hebräische Sprache garantieren, von einem einheitlichen Lehrplau ganz zu schweigen. Alle diese Bedenken sind nicht unberechtigt. Die neue Alija z. B. hat uns neben anderen Erscheinungen drei oder vier Chadarim in Tcl-Awiw gebracht, in denen nach alter guter Sitte jiddisch unterrichtet wird. Dieses Phänomen ist nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, daß sich eben jeder einrichtet, wie er es gewohnt ist. Aber es ist geeignet, uns sehr bedenklich zu stimmen, wenn wir in Betracht ziehen, daß bisher die Kinder in Palästina das Hebräische ins Haus der Eltern getragen haben, und daß die dadurch entstandene Umwälzung von der Schule ausging. Das Chcdcr in Tcl-Awiw wird den Mann der vierten Alija schwerlich zum Hebräischen erziehen. Wir könnten die Schaffung solcher separaten Anstalten nur vermeiden, wenn ein großzügiges Volksschuluetz imstande wäre, alle Kinder aufzunehmen. Wie nötig das ist, sieht man bei der neuen Einwanderung ebenso wie unter der heranwachsenden Generation des alten Jisclruw, der seine Kinder nach wie vor in Chcdcr und Jcschiwah erzichlt und unter den Massen der Einwanderer aus Jemen, Pcrsien, Kaukasicn, Kurdistan, Mesopotamien usw., die entweder völlig unwissend aufwachsen oder ihre Kenntnissen einem alten „Chacham" verdanken. Es ist unter unseren gegenwärtigen Verhältnissen völlig klar, daß die ungeheuren Mittel, die dazu gebraucht werden, niemals in vollem Umfange' vom Budget der Zionistischen Organisation werden gestellt werden können. Es fällt auch schwer, an den neuerdings propagierten „F.rzichungsfonds" zu glauben, weil wir wissen, daß schließlich alles immer wieder aus denselben Quellen fließt. In jedem Falle ist es eine Tatsache, daß der Jischuw selbst sich bisher nicht in ^enü^endem Maße an der Aufbringung der Gelder für das Schulwcrk beteiligt. Es ist freilich in den letzten Jahren bereits um vieles besser geworden. Denn es war früher durchaus nicht üblich und selbstverständlich, daß man — auch in begüterten Kreisen Schulgeld zahlte. So wie sich die wohlhabenden alten Ica-Kolonien noch heute nicht gewöhnen können, ihre kommunalen Ausgaben wie Wege usw. selbst zu bestreiten, weil das als die jiatürlichc Aufgabe des „Darons" angesehen wird, so war es durchaus nicht selbstverständlich, daß ein großer Teil des Schulbr.dgcts durch Schulgelder gedeckt werden muß. Man hat zu radikalen Mitteln greifen müssen, um da Wandel zu schaffen. Man schickt die Kinder nach Hause, wenn die Eltern auf mehrmalige Mahnungen nicht reagieren. Und man kann nicht behaupten, daß diese Maßregel einen günstigen Einfluß auf die Erziehung ausübt. Aber es bleibt in vielen Fallen keine andere Wahl. Diese Tatsachen sind umso befremdlicher, als der Jude von altershcr gewohnt ist, für eine gute geistige Ausbildung der heranwachsenden Generation zu sorgen. Wer nur irgendwie imstande ist, die Erziehung seiner Kinder zu bezahlen, muß mit alicn Mitteln gezwungen werden, seinen Beitrag zu entrichten, im übrigen ist für gute unentgeltliche Volksschulen in genügendem Maße zu sorgen. Der Vorschlag, daß die Gemeinden die Schulen übernehmen sollen, ist im Sinne dieser Erziehung des Publikums von Bedeutung. Bisher hat man sich immer auf den Beutel der Exekutive verlassen, und aus Mangel an Zwangsmitteln war eine ausreichende Beteiligung der Gemeindeverwaltungen nicht zu erzielen. Würden sie jedoch selbst verantwortlich sein, so würden sich ihre Anstrengungen fraglos vergrößern. Andererseits sind die bereits erwähnten Bedenken gegen diesen Vorschlag — die Uncinhcitlichkcit im Unterricht, die Abschücßung der einzelnen Gruppen unter sich usw. — durchaus nicht leicht zu nehmen. Eine endgültige Lösung des Problems wird sich erst ergeben, wenn die Regierung sich am Schulwcrk beteiligen wird und die Bestätigung des Gcincindcgcsctzcs die Einziehung der Gelder auf stcucrmäfiigcm Wege ermöglicht. Unterdessen muß ein Weg gefunden werden, der eine einheitliche Leitung aller Anstalten und eine entsprechende Beteiligung des Jischuw ermöglicht. In der Lehrerschaft und in den der Kulturarbeit nahestehenden Kreisen wird mit Eifer die Ansicht verfochten, daß die finanzielle Sicherheit und das einheitliche System nur garantiert ist, wenn die Exekutive nach wie vor für die Arbeit verantwortlich bleibt. Das erscheint unter den gegebenen Umständen, wo der Waad Leumi noch nicht den genügenden Einfluß besitzt und wir keinen Gemeindebund besitzen, richtig. Dagegen muß mehr als bisher die Beteiligung des Jischuw gefördert und c r z wu ngen werden. Es ist durchaus nicht einzusehen, warum unter den gegewärtigen Verhältnissen im Laude die basierten alten Kolonien, wie Pctach-Tikwah, Rischon, Rcchowoth, Sichron irgendwelchen Zuschuß für ihre Schulen erhalten sollen. Dasselbe gilt für Tcl-Awiw, das bereits heute mit einem Budget operiert, das mehr als die Hälfte der für Palästina zur Verfügung stehenden Mittel der Zionistischen Organisation beträgt. Es scheint demnach, daß die Urbrrnnhinc der Verantwortung durch die Exekutive nur die eine Seite der Frage löst, während entscheidender Wert darauf zu legen ist, daß sich die einzelnen Gemeinden ihren primitivsten Pflichten nicht entziehen. Dabei muß selbst verstand!ich zwischen bereits basierten und aufblühenden Siedlungen und erst im Bau begriffenen unterschieden und abgestuft werden. Um dieser Forderung den nötigen Nachdruck zu verleihen, ist ein arbeitsfähiges, mit den nötigen Befugnissen ausgestattetes Erzichungsdcpartcmcnt zu schaffen. Noch eine Anmerkung zum Abschluß: Es wäre durchaus noch kein idealer Umstand, wenn jeder, der dazu imw stände wäre, seine Schulgelder zahlte. Unser Ziel kann nicht sein, die Bildung des Kindes von der Stellung der Eltern abhängig zu machen. An die Stelle der Schulgelder müssen Steuern treten, die den Ledigen ebenso wie den Familienvater belasten, wenn er überhaupt zahlungsfähig ist. Dann werden wir allen ohne Unterschied die nötige Ausbildung geben können und es werden nicht viele Kinder im Lande ohne Unterricht oder nur mit mangelhaften Kenntnissen aufwachsen müssen. All das wird aktuell sein, wenn die Gemeinden das Stcucrrccht erhalten. Unterdes wird der Kongreß eine Lösung für die Schulfragc finden, müssen, die den gegenwärtigen Verhältnisseti entspricht. Die polnisch-jüdische Verständipng Warschau (J.T.A.). Der Klub der jüdischen Deputierten hat in einer Vollsitzung das zwischen Dr. Reich und Dr. Thon und den Ministem Grabski und Skrzynski geschlossene Abkommen betreffend eine Verständigung zwischen den Juden und der polnischen Regierung ratifiziert. Die Abstimmung im jüdischen Parlamcnfcklub wurde in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli vorgenommen. Für das Abkommen stimmten 40 Abgeordnete, gegen das Abkommen die vier Vertreter der Hitachdut. Mehrere Abgeordnete fehlten. Der Text der Formel, über die abgestimmt wurde; lautet: „Der Klub der jüdischen Abgeordneten und Senatoren» der dauernd auf dem Standpunkt der Unvcrlctzlichkcit der polnischen Grenzen, des Schutzes der Staatsintcressch Polens, sowie der Notwendigkeit innerer Konsolidierung bcharrt, stellt fest, daß der Klub seine Politik zum Schutze der jüdischen, Interessen in allgemeiner wie in nationaler Beziehung auf dem: Bode» des Sejm in Übereinstimmung mit diesen Prinzipien führen wird." Die H i t a c h d u t - V e r t r c t e r begründeten ihren oppositionellen Standpunkt damit, daß die jüdischen Deputierten sich in keiner Weise dahin binden können, die jeweilige polnische Regierung zu unterstützen. Die Juden sind loyale Bürger der polnischen Republik, es muß aber ihnen überlassen werden^ zu bestimmen, wie diese Loyalität aufzufassen und zu üben ist; man kann sich dies von einer zufälligen Regierung nicht vorschreiben und aufzwingen lassen. Die Hitachdut- Vcrtrcter drückten ihr A^ißtraucn in den Willen der gegenwärtigen Regierung, das Abkommen loyal zu erfüllen, aus, auch glauben sie nicht an die Macht der Regierung, die einzelnen Punkte im Sejm durchzusetzen. So z. B. wird die polnische sozialistische Partei sich der Bestimmung, daß die Juden an Sonntagen zwei Stunden ihre Geschäfte offen halten können, widersetzen. Die zionistischen Deputierten1 Hartglas, Dr. Schipper, Wygodski, Stutschinsky, Roscnblatt und Senator Körner sprachen ebenfalls gegen das Abkommen, gaben aber ihren Widerstand gegen die Ratifizierung auf. Der Präsident des Klubs Dr. Leon Reich gab die Versicherung, daß er während des feierlichen Akts der Verständigung in seiner Ansprache ausdrücklich betonen wird, daß die Abmachung in keiner Weise gegen die anderen nationalen Minderheiten gerichtet ist und daß der Klub die nationalkulturellcn Forderungen der Minderheiten unterstützen wird. Auch der zionistische Oberrat wird über die vollzogene Verständigung eine öffentliche Erklärung herausgehen, in welcher die Stellung der Juden zu den anderen Minderheiten gekennzeichnet werden wird. — Durch die Annahme der Formel des Paktes ist die Gefahr einer Spaltung des jüdischen Klubs, die in den letzten Tagen akut war, behoben. * Außenminister Skrzynski äußerte sich über die polnisch-jüdischen Verhandlungen zu Pressevertretern folgendermaßen: Ich habe die Initiative in der Angelegenheiten ergriffen, weil ich endlich die Zeit hierfür für gekommen erachtete. Die Beziehungen der Polen zu den luden waren von Mißtrauen durchsetzt, andererseits verhielten sich die Juden zu Polen mit Skeptizismus. Dies mü*ß aufhören. Die Juden müssen ihre Taktik ändern und ihre Loyalität als polnische Bürger unterstreichen. Es handelt sich nicht darum, daß die Juden für oder gegen die Regierung stimmen, sondern um eine Acndcrung des Geistes der Beziehungen der Juden zum polnischen Staate. Die Juden haben bis jetzt jedes Unternehmen der nationalen Minderheiten im Sejm blindlings unterstützt. Es ist zu hoffen, daß sie sich jetzt zunächst mit der betreffenden Angelegenheit sachlich auseinandersetzen werden. Die Besserung der jüdisch-polnischen Beziehungen muß sich im Zusammenhang mit der demnächst in Warschau stattfindenden Tagung der Union der Völkcrbundligen erweisen. Bis ins kleinste Dorf, bis ins letzte Bauernhaus muß die Nachricht dringen, daß die Beziehung zu den Juden sich geändert hat. Dfc ganze Atmosphäre muß anders werden. * Innerhalb der führenden polnischen Mehrheitspartei, der der Unterrichtsminister Grabski, angehört, besteht eine starke Gegnerschaft gegen das Abkommen. Es verlautet, daß Grabski für den Fall der Nichtratifizicrung des jüdischpolnischen Abkommens mit dem Rücktritt gedroht habe. Der Hauptrat der Nationaldcmokratischcn Partei hat folgende Resolution angenommen: Der Hauptrat stellt fest, daß die Konferenz der Regierung mit den Vertretern des jüdischen Klubs laut Initiative der Regierung ohne Verständigung mit der Nationaldemokratischen Partei geführt wird. * Der „Moment" teilt mit: Ein ukrainischer Senator besuchte am 2. Juli einen jüdischen Senator und erklärte: Die jüdische Deklaration über die Unvcrlctzlichkcit der polnischen Grenzen wird von den Ukrainern als ein Angriff gegen sie betrachtet; wir werden in einer Sitzung des ukrainischen Klubs dazu Stellung nehmen und ein Manifest an das ukrainische Volk erlassen mit dem Hinweis, daß die Juden unsere Feinde sind, indem sie sich in die Reihen derer gestellt haben, die die ukrainischen nationalen Forderungen bekämpfen. Die polnische nationaldcmokratischc Zeitung „Rzeczpospolita," die jetzt von Korfanty redigiert wird, tritt gegen die jüdisch-polnische Verständigung auf und bezeichnet sie als einen „Sieg der westeuropäischen Juden". Die Zeitung „Dwa Groszc" führt aus, das Abkommen werde die Nationaldcmokratic nicht daran hindern, den Kampf gegen die Juden weiter zu führen. 2BocaBöüGnS Sammelt und spendei Bäume im Herzhvsld sesca 2©. Vaacaas. p^a^gggSS^^