Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 456 JüEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52 Das Ergebnis des ersten Judenteges Von einem Teilnehmer an den Beratungen des Verbandstages erhalten wir nachstehende Würdigung der Tagung. Red. Uebcrblickt man die Beratungen des ersten preußischen Judenparlamcnts und stellt man sich die Frage nach ihrem 'Nutzen nicht nur für die preußische und deutsche Judenhcrt, sondern für das Judentum überhaupt, dann verbleibt doch trotz starker kritischer Einstellung ein erhebliches Maß an Gewinn für das jüdische Leben übrig. Zunächst.einmal bedeutet es eine» gewissen Fortschritt, daß die jüdische Malt in einem bestimmten Lande in einem großen Sammelbecken zusammengefaßt wird. Gewisse reaktionäre Bestrebungen waren von jeher bemüht, gerade diese Sammlung des preußischen Judentums zu einem einheitlichen Ganzen zu verhindern und die Judengesetzgebung früherer Zeiten war ihrem ganzen Geiste nach darauf gestellt, solche Samrnlungstendenzen nicht erst aufkommen zu Ia«en. Daß die Zusammenfassung des preußischen Judentums der erste Schritt zur« Verwirklichung des Eitihcitsgcdankens im gesamten deutschen Judentum bedeutet, kann nicht mehr zweifelhaft sein und ist auch von allen Rednern auf der Tagung unzweideutig und stets unter stürmischem Beifall ausgesprochen worden. Es ist richtig, die Einstellung vieler liberaler Redner und auch die Betrachtungsweise mancher Redner aus anderen Partei rn war unverkennbar noch gegen den nationale 1 Gedanken im judentum gerichtet. Ebenso unverkennbar aber war ein tiefgehendes Verständnis einiger Teile der Versammlung, darunter auch sehr beachtlicher, für den Gedanken des Palästina- Aufbaus unter dem Gesichtspunkte der Errichtung einer nationalen Heimstätte. Die Stellungnahme des Verbandstages zum Judengcsclz, die einheitliche Abwehr aller Bestrebungen auf Zerreißung der Einheit des Judentums und ferner das Verlangen nach voller Gleichberechtigung bei der Zuweisung von Staats»- mittcln sind Symptome einer Entwicklung, die von unserem Standpunkte gesehen durchaus nur begrüßt werden kann. J>cr Landesverband ist zunächst nur eine Vereinigung der Gemeinden zum gegenseitigen Schutze und zur Wahrnehmung ihrer Interessen gegenüber dem Staate, aber der Landesverband wird diese enge Grenze nicht einzuhalten vermögen. Der Zwang der Tatsachen, stärker als alle Theorien, wird die heute noch zaudernde Mehrheit dazu treiben, über die Grenze hinaus zu gehen und wird den Landesverband zu einem Instrument des deutscl?n Judentums zur Wahrung aller seiner Interessen machen. Dabei wird es nicht ausbleiben können, daß diese Interessen über die Grenzen des Reiches hinausgehen und daß der Landesverband an der Lösung aller Aufgaben mitwirkt, die, wie Dr. Klc« in seiner Etatrede ausgeführt hat, den jüdischen Menschen überhaupt angehen. Und darum ist es wichtig, den Landesverband mit dem Geiste unserer Arbeit zu erfüllen. Es ist durchaus entsprechend, das der Zionismus in dieses erste Judenparlament einen Teil seiner besten Männer entsandt hat und durchaus fruchtbringend, daß die Redner der Volkspartci sich nicht an die Grenzen gehalten haben, die die Mehrheit sich noch heute setzen will, daß sie vielmehr darüber hinaus alle Fragen von jüdischer Bedeutung von der Tribüne angeschnitten und erörtert haben. Das Problem des Ostjudentums die Frage des Palästina-Aufbaus vor dem Verbandstag positiv behandelt zu haben, ist ein Verdienst der volksparteilichcn Fraktion. Es wird sich hier wiederholen, daß die Mehrheit zunächst diese Ideen bewußt ablehnt, daß sie aber unbewußt ihrer elementaren Kraft doch erliegt und daß der Geist des Auf baus schließlich die negativen Tendenzen durchtränkt Das deutsche Judentum, organisatorisch bisher gespalten, ist auf dem Wege zu einer einheitlichen Spitze und es besteht aller Anlaßt diesen Weg /.u fördern und ihn zu beschleunigen. Aus dieser zwangsläufigen Tendenz ergibt sich für uns die Möglichkeit, unsere Kräfte an einer einzigen Stelle einzusetzen und wir vermeiden die Verzettelung auf viele Stellen. Die Schaffung eines jüdischen Zentrums in Deutschland erleichtert die Gewinnung des deutschen Judentums für die positiven jüdischen Aufgaben. Manche Rede aus dem Munde eines liberalen Abgeordneten wäre noch vor 5 Jahren nicht möglich gewesen. Daß sie es heute ist, ist naturgemäß ein Produkt der allgemeinen Entwicklung, aber doch auch das Ergebnis der zionistischen Arbeit in den Gemeinden. Diese Arbeit darf keineswegs unterschätzt werden, sie ist notwendige Vorbedingung zur Erreichung einer positiv jüdischen Einstellung in Deutschland. Durch die Kraft der von ihr vertretenen Weltanschauung und durch den Zauber der von ihr ausgehenden Ideen hat sich die Volkspartei auf der Verbandstagunjj als die einheitlichste und konsequenteste unter den Fraktionen erwiesene Sie war die einzige, die aus dem Born eine* hohen Ideafemiw whöpfen konnte und indem sie bereits heute den Finger an alle brennenden Stellen gelegt hat, indem ihre Redner unbekümmert um die augenblickliche Stimmung mit absoluter Klarheit und Eindeutigkeit die Politik eines von positiver Kraft erfüllten Judentums vertreten haben, haben sie auch die Herzen derer gewonnen, deren Mund noch heute gegen sie spricht. Die Entwicklung ist im Gange. ♦ In seiner Rede auf dem Verbandstage kam Dr. Holländer, der Direktor des C. V., auch auf die Palästinaarbeit zu sprechen. Seine Ausführungen erscheinen uns gerade mit Rücksicht auf die Stellung Holländers im C. V. der Veröffentlichung wert. Holländer sagte: „Es ist sowohl vom Abgeordneten Klee wie von Dr. S a n d 1 e r die Palastinaangclegenheit berührt worden. Wir alle wünschen diesem Unternehmen zweifellos das Allerbeste. Wir wünschen aber, daß Organisationen geschaffen werden, die nicht nur in der Sammlung von Geldern, sondern auch in der Verwaltung und bei der Ausgabe von Geldern die Garantie geben würden, daß eine unbedingt neutrale Verwendung der Gelder gewährleistet wird. Dann aber scheint notwendig, zu betonen, und ich möchte davor warnen, daß man nicht allein auf Palästina sieb für die Zukunft stützen kann. Es scheint eine unbedingte Notwendigkeit, für unsere Brüder im Osten zu sein, daß man überall in der Welt nach Staaten sucht, wo man sie unterbringen kann. Nach dieser Richtung muß das Interesse weit größer werden, wenn wir alle nicht zugrunde gehen sollen. Ein ungeheurer Rückschlag droht den Juden der ganzen Welt, wenn wir alles auf eine Karte setzen würden. In der ganzen Welt müssen die Grenzen so geöffnet werden, daß der Abstrom armer Juden dahin erfolgen kann. Von dem Begriff der Einheit der Judenheit können wir unserer Auffassung nach nicht sprechen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß der Landesverband seinerseits auch die Hauptaufgabe hat, in all seinen Acußerungen und Beschlüssen die unverminderte Verwirklichung jüdischer und deutscher Interessen zu pflegen und im Auge zu behalten/« Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem, das bekanntlich bis jetzt weit ab von der Stadt im griechischen Viertel seinen Bürobau hatte, hat «eine Amfsräurae in em neues Haus direkt im Zentrum der Stzdt, unmittelbar an der Jaffastraße und der neuen Ben-Jehudastraße, gegen- Ober , der Zionhalle verlegt, wo es zwei Etagen gemietet hat. ABgrlßc segea d!c biltiscke PalSsüßapollUk Das Londoner Zentralburo der Zionistischen Organisation teilt mit: In einer Versammlung der „Near und Mlddle Ea«t Association", die. am 17. Juni im Hause von Frau Eric Romillv stattfand und bti der Generalmajor Lord Edward Gleichen den Vorsitz führte, wurden Berichte über die augenblickliche Lage in Palästina von Kapitän E. N. Bcnnctt und Herrn Erncst Richmond erstattet. Es schloß sich eine Diskussion an, an der sich die Herren Lord Raglan, John Philby und Israel Cohen beteiligten. Kapitän Bcnnctt, der kürzlich aus Palästina zurückgekehrt ist, erklärte, daß er die Verhältnisse dort schlechter fand, ak sie vor dem Kriege waren, und daß er diese ungünstige Veränderung dem politischen Zionismus zuschreibe. Er führte aus, daß die Verbrechen zugenommen Haben, und daß die Araber nicht mehr dieselben politischen und bürgerlichen Rechte genießen, die sie vor dam Kriege hatten. Das ganze Land wäre von Bürgerkriegen zerrissen, da die Zionistische Exekutive die Regierung direkt wie indirekt beeinflusse. Er schreibt den Ursprung der Balfour-Deklaration der Tatsache zu, daß die Regierung die Unterstützung der Juden der Hochfinanz wünschte. Er verneint jeden Anspruch der Juden auf Palästina und behauptet, daß der Zionismus auf Trugschlüssen, Verdrehungen und Heuchelei basiere. Herr Erncst Richmond, der frühere politische Sekretär der Palästina-Regierung, führte aus, daß England nicht die europäische Zivilisafion in Palästina fördere, sondern nur die Interessen des einen semitischen Volkes gegen das andere. Er erklärte, daß das Weißbuch, das Minister Churchill im Jahre 1922 veröffentlicht hat, den Bedingungen des Palästina-Mandats widerspreche, und da er nicht glaube, daß die britische Regierung versuchen würde, die Juden zu hintergehen, so hielt er es für unaufrichtig, d3S Weißbuch herauszugeben. Er beschuldigte die Regierung der Perfidie gegen die palästinensischen Araber, welchen man, wie er sagte, während des Krieges das Versprechen der Unabhängigkeit gegeben hat, und warf der Regierung vor, daß ßic die Steuern, die sie von den Arabern einziehe, zum Nutzen eines fremden Zweckes gebrauche, der ihren Wünschen zuwider sei Er beklagte sich auch darüber, daß die Lehren der alten Propheten Israels durch die auf den Umsturz gerichteten Doktrinen des Bolschewismus ersetzt worden seien. General Blakenay sagte, daß man aus wohlinformierter Quelle gehört habe, daß der Zionismus, der Bolschewismus und der Pan-Islamismus untereinander in Verbindung stehen und von der gleichen Steile aus geleitet werden. Herr Israel Cohen, der vom Vorsitzenden eingeladen worden war, die zionistische Sache darzulegen, ironisierte den Gedanken, daß die Balfour-Deklaration erfolgt sein sollte, um sich die Unterstützung der jüdischen Hochfinanz zu sichern, da es eine bekannte Tatsache ist, daß die jüdischen Finanziers in allen Ländern dem Zionismus feindlich gegenüberstehen. Es ist nicht wahr, daß der Zionismus irgendeinen Einfluß auf die Leitung der palästinensischen Regierung ausübt, welche vornehmlich von englischen Christen besetzt ist. Die angeführten\Benachteiligungen der Araber beruhen gänzlich auf Einbildung, und wenn sie irgendwie vorhanden wären, so könnten sie nicht den Zionisten zugeschrieben werden, da die Araber aus dem Zufluß jüdischen Kapitals, jüdischer Arbeit und Energie nur Nutzen haben. Es sei lächerlich, davon zu sprechen, daß der Zionismus mit dem Bolschewismus verbunden sei. Sowjetrußland sei gerade ein Land, wo man den Zionismus bitter verfolgt, und der Hauptvorwurf, den der Bolschewismus dem Zionismus macht, ist, daß er ein Instrument des englischen Imperialismus sei. Lord Raglan sagte, daß, obgleich man so viel über die Rückkehr der Juden nach Palästina spräche, die meisten Einwanderer russische Juden wären, das heißt überhaupt keine Judon, sondern die Nachkommen konvertierter Tartaren. John Philby behauptete, daß Palästina mit zu den Gebieten gehöre, in welchen Großbritannien versprochen habe, die arabische Unabhängigkeit anzuerkennen, und sagte, daß Emir Feisul von den Arabern als Verräter engeschen werde wegen seines Standpunktes, den er auf der Friedenskonferenz vertreten hat Basil Worsfold (der Verfasser des Buches „Das Palästina des Mandats") erklärte, daß sein kürzlicher Besuch in Palästina ihm gezeigt habe, daß die Reden von Kopitiin Bennett und Herrn Richmond absolut nicht auf Wahrheit beruhen; er könne die Arbeit der jüdischen Kolonisten in Palästina nicht genug loben. Zum Schluß der Versammlung forderte Herr Philby Herrn Israel Cohen zu einer öffentlichen Diskussion über den Zionismus auf, welche Herausforderung von Herrn Cohen angenommen wurde. Der Fall lessing Der preußische Untcrrichtsniinistcr Dr. Becker hat es nunmehr doch für nötig gehalten, gegen die skandalösen Zustände an der Technischen Hochschule in Hannover einzuschreiten. Wie erinnerlich, war gegen Prof. Lesung wegen eines von ihm gegen die Wahl Hind?.nburgs veröffentlichten Artikels eine wusle Hetze geführt worden, die ihm die Abhaltungen seiner Vorlesungen unmöglich machte und bei der der „Kampfausschuß" der hannoverschen Studenten sich der Unterstützung und Sympathie der Univerwtäts-Bchördcn zu erfreuen hatte. Nunmehr hatte der Minister dem Lehrkörper seine Mißbilligung für sein Verhalten ausgesprochen, die sofortige Auf läsung des Kampf-Ausschusses angeordnet, die Einleitung eines Diszi- Slinarvcrfahrcns gegen den Führer der völkischen tudenten, Pöhlmann, befehlen, und mit der Schließung der Hochschule gedroht, falls Ruhe und Ordnung nicht aufrechterhalten würden. Prof. Lessing hat nach Veröffentlichung dieser ministeriellen Verfügung mitgeteilt, daß er für den Rest des Semesters, seine Vor- :sungen ausfallen lasse. Das Vorgehen des Ministers kommt spät, aber dürfte immerhin die deutsch-völkischen Kreise die Grenzen erkennen lassen, bis zu denen sie gehen dürfen. Wir bedauern aber, daß Herr Prof. Lessing nicht auf dem ihm zuerkannten Recht, 6einc Vorlesungen weiterzuhalten, bestanden hat. Es wäre mutiger und konsequenter gewesen, wenn er sich nicht auf das faule Kompromiß eingelassen hatte, von dem wir nicht hoffen wollen, daß es vorher im geheimen mit dem Unterrichtsmoi>stenum vereinbart worden war. Wir haben nicht den leisesten Grund, für Herrn Professor Lessing einzutreten, dessen Ostjudenhetze vor dem Kriege noch nicht vergessen ist Nur dii Tatsache, daß der Angriff auf Prof. Lessing em Angriff auf die Gleichberechtigung der deutschen luden enthielt; hat uns zu unserer Stellungnahme bewogen. Die Messe des Esfcca Ostens Ja Tel-Awlw Unter europäischer Beteiligung. Die Messe, die im vorigen Jahre in Tel-Awiw stattgefunden hat und deren Erfolg bekannt ist, soll in diesem Jahre wiederholt werden, aber mit einem wichtigen Unterschied: Das vorige Mal war ausschließlich bezweckt worden, der Schar der Touristen zu zeigen, wie weit die Industrie und die Landwirtschaft Palästinas bereits gekommen sind, und man wollte außerdem vor sich selbst die wirtschaftlichrn Erfolge der letzten Jahre Revue passieren lassen. Dic^ Ma! will man mehr, und der Rahmen der Ausstellung ist entsprechend erweitert worden. Es soll demonstriert werden, daß sich Palästina seiner weltwirtschaftlichen Bestimmung, Umschlagplatz zwischen Europa und Amerika auf der einen und den Gebieten des Nahen Ostens; auf der anderen Seite zu sein, daß Palästina sich dieser Bestimmung bewußt ist und nach ihr handeln will. Die Messe soll dieses Mal zeigen, was das Land und die umliegenden Gebiete des Nahen Ostens den westlichen Ländern zu bieten haben und was der Westcn_ seinerseits ihnen leisten kann. Insbesondere wird sie natürlich eine enge Austauschverbindung zwischen dem Kernstück des Nahen Ostens, Palästina selbst, mit den Industrieländern des Westens zu fördern bemüht sein und ebenso die Beziehungen der einzelnen Gebiete des Nahen Osten* untrr sich selbst. Uebcr die Einstellung des Messegeländes da.s folgende: Sem Gesamtumfang beträgt zirka 14000 qm. Das Zentralgebaude, das eine Ausstcflungsflächc von 1000 qm umfaßt, ist in erster Linie für die palästinensische Industrie selbst bestimmt. Demgegenüber wird die Maschinenhalle vor allein den europäischen und amerikanischen 'AusstcGcra zugute kommen. Die Länder des Nahen Ostens Aegypten, Syrien, Mesopotamien und Transjordanien werden eigene Pavtllions haben. Für die Landwirtschaft Palästinas ist ein eigenes Gebäude vorgesehen, in dem aber auch seitens der europäischen und amerikanischen Lieferantcnländer landwirtschaftliche Bedarfsartikel wie Molkcreimaschinc-n, Brutapparate, Desinfektionsmittel für Tiere und Pflanzen gezeigt werden können. Nach fachlichen Gesichtspunkten sind noch zwei weitere Pavillions eingeteilt, von denen der eine für eine Hygicneausstelhmg bestimmt ist, die in eine prophylaktische und eine medizinische Abteilung zerfällt und der andere die Entwicklungsgeschichte des jüdischen Buches und der jüdischen Drucke (Schriften, Plakate, Klischees, Etiketts usw.) darstellen soll. Der Dichter Ch. M. Biaiik beteiligt sich als Mitarbeiter daran. Da die ganze Messe in die herbstliche Touristensaison fällt, wird sie außer den inländischen Besuchern und denen, dio aus den Nachbargebieten kommen, Zehntausende von Besuchern aus allen Ländern der Welt haben. Man muß bedenken, daß bereits im vorigen Jahre über 70000 Touristen nach Palästina kamen, die alle auch in Tel-Awiw waren und daß der Touristenverkehr in diesem Jahre noch größer ist. Und man darf sagen, daß sie dadurch vielleicht zu einer der internationalsten Messen der Welt wird. Es ist nach alledem überflüssig, deutsche Firmen besonders auf ihre Bedeutung hinzuweisen und auf die Möglichkeiten, die sich ihnen hier bieten, ihre Waren in Palästina, im ganzen Nahen Osten einzuführen und sie gleichzeitig einem großen Publikum aus allen Ländern der Welt vorzuführen. Die Wirtschaftsabteilung des Palästina-Amtes Berlin Wl5, Meinckestr. 10, erteilt allen Interessenten nähere Auskünfte über alles, was mit den Angelegenheiten der Messe zusammenhängt. Presseschau In der „Sunday Times" vom 28. Juni setzt Sir Hall Ca ine seine Artikelreihe über den Zionismus fort, über deren ersten Artikel wir referiert hatten. Caine spricht von der Balfour-Erklärung, die er im Sinne des Curchillschen Weißbuchs definiert, beschäftigt sich dann mit den arabischen Forderungen auf Ucberlassung der Herrschaft an sie, die er ebenso im Interesse der Durchführung der Balfour-Erkürung wie im Interesse der allgemeinen Landesentwicklung scharf ablehnt und spricht abschließend über die Zukunft des Landes. Palästina werde nicht wieder zu einem Zentrum des Welthandels werden, aber ohne Zweifel könne das Land, das heute 800 000 Einwohner habe, es wieder auf drei Millionen bringen. Ruhe und Sicherheit im Lande könnten nur die Engländer gewährleisten. Leonard Stein, der politische Sekretär der zionistischer, Exekutive weilt gegenwärtig in Amerika, um die Verhandlungen betreffend die Teilnahme der amerikanischen Judenheit an der erweiterten Jewish Agency zu einem Abschluß zu bringen. Presse-Vertretern gegenüber äußerte sich Stein, nach dem „Lodzer Tagblatt", daß es wohl sehr leicht sei, einzelne prominente Amerikaner als Vertreter zu benennen, aber viel schwerer als in den europäischen Ländern, die amerikanische Judenheit zum Zwecke der Teilnahme an der erweiterten Agency zu organisieren. Obwohl, meinte Stein, kein bestimmter Termin für die Durchführung der Erweiterung vorgesehen ist, legt Dr. Wcizmann großes Gewicht darauf, daß die Angelegenheit eine rasche Erledigung, noch vor dem Kongreß, erfahre. Nach Steins Aeußerungen erwartet Weizmann keine Opposition geger die Erweiterung der Agency auf dem Kongreß. Man sei im allgemeinen mit dem Plane fifty-fifty einverstanden und Wcizmann glaube nicht, daß diese Frage noch einmal aufgerollt werden wird. Weizmann ist der Ansicht, daß eine Resolution beantragt und angenommen werden wird, d;c seine bisherige Tätigkeit in dieser Angelegenheit gutheißt. Die „Jüdisch-liberale Zeitung" nimmt zur ersten Tagung des Landesverbandes preußischer Gemeinden mit folgenden Worten Stellung: „So bedeutet die Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden einen wesentlichen Fortschritt in der neuzeitlichen jüdischen Geschichte Preußens. Hat sie doch endlich Fragen in Fluß gebracht, die allzu lange nur der theoretischen Diskussion anheimgegeben waren, hoffentlich nicht zu spät, um wertvolle Kräfte zi retten, die an den Folgen des Krieges und der Inflatior zugrunde zu gehen drohen. Alle diese Arbeit wird aber Stückwerk bleiben, wenn nicht das höchste Ziel des Preußischen Landesverbandes, von uns Liberalen längst und yon den anderen Parteien allgemein auf der Tagung anerkannt, verwirklicht werden kann: Die Schaffung einer Gcsamtorgamsation der deutschen Juden — und über diese hinaus der jüdisch-religiöse Wehverband, der nicht ein Verband der Rasse und des Blutes, sondern die Gemeinschaft sein wird, die das prophetische Judentum allem erhalten, weiterführen und vollenden kann." Die „Volksstimme" in Frankfurt a. M. vom 17.Juni bringt einen längeren Bericht über den Vortrag von Berl Locker über die Lage der Juden in Polen, Rußland, Amerika t>?d Palästina. * ■