Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1857-02-01 · Heft 2 (Februar 1857) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 2 (Februar 1857)
Date
1857-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3129675-3129778-3129781--1841-3528349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

und die des?1ä>v-dadZii l'sbes. 45 und Würde des Gottesdienstes viele Punkte der Vergleichung mit unserem hebräischen dar. Der Protestantische Gottesdienst dagegen —, er hat wohl auch seine Fehler; er hat zu sehr mit der Vergangenheit und Überlieferung gebrochen und. befriedigt darum daS Gemüth nicht; er läßt kalt, weil er nur dem Verstände Rechnung trägt; und weil er das Band des Zusammenhangs durchbrochen mit verschieden redenden Völkern, da er der gemeinsamen Gebetsprache gänzlich entbehrt, ist der Protestantismus stehen geblieben, wo er von Anfang gestanden und hat an Ausbreitung und extensiver Ausdehnung gar Nichts gewonnen, vielmehr an innerer wie äußerer Stärke bedeutend verloren — aber der Anstand, die Ruhe, die Ordnung und Würde dieses Gottesdienstes, sind musterhaft und Nachahmungswerth. Indeß für die Hebung der Religiosität unter den Juden genügt nicht allein die Sorgfalt für die Synagoge. Es ist Eigenthümlichkeit des Judenthums, daß eS das ganze Leben mit religiösen Ceremonien und Formen umgeben und durchzogen hat. Fast mehr noch als die religiösen Formen und Ceremonien der Synagoge haben aber die des Hauses und des Lebens an Verständlichkeit verloren und werden darum vielfach theils geschmacklos, theilS gar nicht geübt. Vielleicht hat darum auch die Reform des öffentlichen Gottesdienstes bisher so wenig genützt, weil die Reform des häuslichen Gottesdienstes zu sehr vernachlässigt wurde. (Sehr wahr! — R ed.) In der Thora ist daher die Bedeutung, welche der häusliche Gottesdienst auf die Religiosität des Herzens und deö Lebens übt, von vornherein gewürdigt. Ursprünglich sollten die Erstgeborenen eines jeden Hauses die Priester des israelitischen Cultus sein. Und die Väter sagten ganz richtig nach der Zerstörung des Tempels: „Nun müsse der Tisch des Hauses um so mehr den Altar des Herrn bilden." Da hilft's nun durchaus nicht, daß, wie es jetzt so häufig ist, regelmäßig oder gar unregelmäßig im Hause ein oder zwei Gebetchen gesprochen werden, von einem Jeglichen für sich, oder gar nur von den Kindern, aber nicht auch von den Eltern und Erwachsenen, oder von diesen nicht in derselben Sprache und Weise. Außer solchen Privatgebeten muß es auch einen gemeinsamen Got-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.