KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 3 (Juni / Juli 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 61 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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«. C.-Blatter 61 zu ergründen. Ls berührt von vornherein sympathisch, daß er verspricht, sich nicht mit einer oberflächlichen Verständigung begnügen, vielmehr zu den Wurzeln des Problems Vordringen zu wollen. Ebenso sympathisch ist mir sein Verlangen nach der Meinungsäußerung eines Centralvereinlers, nachdem in der bisherigen Auseinandersetzung von jüdischer Seite nur der Zionist Goldmann zu Worte gekommen ist. Ich habe die Ehre, mich als Centralvereinler vorstellen zu dürfen und nehme an, daß nunmehr auch — damit übrigens den ausdrücklich ausgesprochenen Erwartungen Dannemanns Rechnung tragend — die Stellungnahme der deutschgesinnten Juden, der Mehrzahl der deutschen Juden, zum Ausdruck gelangt. Herr Dannemann will die Rolle des Judentums im Kulturleben der Gegenwart „verstehen". Zu diesem Zwecke untersucht er die Rolle des Judentums in der Presse, im Nachrichtenwesen, in Musik, Film, Theater, Rundfunk und Politik; das Material für diese „verstehende" Untersuchung verschafft er sich aus den Werken des „Hammer"-Verlags, genauer gesagt, aus Fritschs „Handbuch der Iudenfrage". Mir will diese Methode anfechtbar erscheinen, sowohl in Ansehung der Schwere des Problems, als auch im Hinblick auf den Ort der Auseinandersetzung. Zunächst erscheint mir das Antersuchungsgebiet zu eng begrenzt. Bei aller Achtung vor der Bedeutung der von D. in das Blickfeld gerückten Gebiete für das Kulturleben der Massen in der Gegenwart würde ich das Kultur Problem doch anderswo suchen; vor allem würde ich als angehender Wissenschaftler die Wissenschaft nicht so vollständig außer acht lassen. Mehr noch aber befremdet mich die Anspruchslosigkeit Dannemanns in punkto Quellenforschung: er begnügt sich mit einer Literatur, die sich selbst als Kampfliteratur gegen das Judentum kennzeichnet, deren Objektivität also zum mindesten bedenklich erscheint. Dem selbstgesetzten Zweck mag diese Literatur vorzügliche Dienste leisten; inwieweit sie aber die Grundlage für das „Verstehen" der Iudenfrage bilden kann, wird dem objektiven Betrachter nicht zweifelhaft sein. Gibt es denn wirklich nicht auch positive Leistungen des Judentums auf den zentralen Gebieten der Kultur? Das Nächstliegendste in unserem nun einmal rationalen und technischen Zeitalter ist doch die Wissenschaft. Muß ich in einer Hochschulzeitung einem 8liid. phil. et nat. vorrechnen, was Juden und Iudenstämmlinge auf diesem Kulturboden, und zwar in allen seinen Disziplinen, für seine Entwicklung und nicht zuletzt für die Weltgeltung Deutschlands geleistet haben und täglich leisten? Ist die deutsche Philosophie der Gegenwart ohne Georg Simmel, Hermann Cohen, Lasson und Cassirer, die Psychologie ohne William Stern, Max Wertheimer, die Philologie ohne Benfey, Goldziher, Bernays, Gundolf, die Mathematik ohne Kantor, Schönfließ, die Medizin ohne Neißer, A. v. Wassermann, Ehrlich, die Physik ohne Hertz, Einstein, die Chemie ohneWillstätter und Haber denkbar? Sollte nicht jeder von ihnen einige der wirklichen oder vermeintlichen mittelmäßigen Schädlinge jüdischen Stammes aufwiegen? Darf ich darauf Hinweisen, daß die Juden unter den etwa zwei Dutzend deutschen Nobelpreisträgern immerhin sieben (einschl. der Zudenstämmlinge) gestellt haben? Alles in allem genommen ist das doch eine respektable Kulturleistung, die man als Judengegner wohl bei der Betrachtung der Iudenfrage übersehen, aber als historische Tatsache und in ihrer Wirkung doch nicht aus der Welt schaffen kann. Dabei ist noch gar nicht geredet von der jüdischen Mitarbeit am Aufbau der deutschen Wissenschaft der nicht im Scheinwerferlicht stehenden Wissenschaftler. And sie sind vielleicht noch ausschlaggebender als die Spitzen. Herr Dannemann wird vielleicht einwenden, daß die Bedeutung der Juden auf den spezifisch rationalen Gebieten der Wissenschaft ja gerade kennzeichnend sei für die Außenstellung des Judentums im deutschen Kulturleben und für den Gegensatz zwischen Deutschtum und Judentum. Da ist ein Gebiet besonders zu erwähnen, ein künstlerisches, auf dem die Juden, wie man zu sagen pflegt, sich etwas in den Vordergrund gestellt haben: die Literatur. Hier mancher künstlerische Erfolg, auch bei den Juden. Das wird