KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 3 (Juni / Juli 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 57 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268989-2268993--4288-3528270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
K. C.« Blätter 57 Die übrigen Verbände führen z. Zt. einen scharfen Kampf gegen den N.S.D.St.B. und versuchen, in den örtlichen Studentenschaften so viel Einfluß zu gewinnen, daß sie aus dem Königsberger Studententag in der nötigen Stärke vertreten sind. Anter diesem Gesichtspunkt muß man auch den vor kurzem erfolgten Beitritt des Bonner Astag zur D. St. betrachten. Nationalsozialisten und Waffenring hatten, bevor der große Krach in der D. St. kam, einträchtig den Astag verlassen. Später ließ sich der Waffenring zum Wiedereintritt bewegen unter der Bedingung, daß der Astag der D. St. beiträte. Noch ist uns nicht bekannt, wer als Vertreter des Bonner Astag nach Königsberg fahren wird, wir werden jedoch wohl kaum in der Annahme fehlgehen, daß wohl nur Vertreter des Waffenrings die Reise antreten werden. Warten wir ab, was der Königsberger Studententag bringen wird, ob der Kampf zwischen Waffenring und Studentenbund entschieden wird. Oder sollten Stahlhelm und Deutschnationale die lachenden Dritten sein? In der letzten Zeit gab es in Deutschland — man muß leider sagen: wieder einmal — Hochschulkrawalle, so in Frankfurt und in Berlin an der Technischen Hochschule und der Amiversität. Die Krawalle selbst, aus Politischen Gründen entstanden, brauchen uns hier nicht zu interessieren. Wesentlich nur ist in fast allen Fällen das, was hinterher kam, sei es das Telegramm des Frankfurter Rektors, sei es das zumindest eigenartige Verhalten des Rektors der Berliner Technischen Hochschule oder die, man muß schon sagen, unverschämten Forderungen, die die Nationalsozialisten während der Verhandlungen beim Rektor der Berliner Universität erhoben. Man verlangte nicht mehr und nicht weniger, als daß den Juden das Betreten der Berliner Universität verboten würde, da man sich nur unter dieser Bedingung verpflichten könnte, Ruhe zu halten. Mit dieser offen erhobenen Forderung nähern wir uns bereits beträchtlich Zuständen, wie sie an der Wiener Universität seit langem üblich sind. Uns, die wir schon lange in dem täglichen Kleinkrieg des Antisemitismus auf den deutschen Hochschulen stehen, vermag eine solche Forderung weder zu schrecken noch in Verwunderung zu setzen! Wir werden unseren Kampf gegen den Antisemitismus, der ein Kampf gegen die Verbohrtheit ist, fortführen und uns nicht entmutigen lassen! Seit der Zeit Stöckers führen wir diesen Kampf: nach einer kurzen Ruhepause sind wir heute wieder gezwungen, ihn mit anderen Waffen als bisher weiter zu führen! Wir haben einen Stöcker überlebt, wir werden auch einen Hitler überleben! Eine einzige Frage rufen diese Vorgänge nur immer wieder in uns wach. Wie ist es möglich, daß das deutsche Volk, das einst den Ehrentitel des Volkes der Dichter und Denker führte, auf ein so tiefes geistiges Niveau kommen konnte, daß es den studentischen Vertretern des Nationalsozialismus, also den geistigen Führern eines kommenden nebelhaften „Dritten Reiches" möglich wird, eine derartig ungeistige. Forderung zu erheben, ohne daß das Hohngelächter der gesamten Presse über ihnen zusammenschlägt! Konnten sich diese Herren, um ihrer Radaulust frönen zu können, nicht wenigstens einen geistreicheren Vorwand aussuchen? Oder ist der Nationalsozialismus noch immer die Heimstätte der „Armen im Geiste"? Th. H-s. Sonderbare Objektivität eines amtlichen Organs. Es stimmt nicht, daß man keine Meinung habe, sofern man ein Amt ausübe. Die „Württembergische Hochschulzeitung" zum Beispiel kann beides, Amt und Meinung haben. Sie ist das offizielle Organ der staat-