KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 3 (Juni / Juli 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 56 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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56 K. C.« Blatter Offenheit in den Berliner „Studentensignalen" selber zugegeben haben. Die Korporationen, die sich heute beklagen, daß der Nationalsozialismus ihnen zu mächtig geworden ist, haben an diesen Verhältnissen selber zum großen Teil schuld; sie haben es nämlich geduldet, daß der Nationalsozialismus bis weit in ihre Reihen hinein vorgedrungen ist. Dieses Eindringen der Nationalsozialisten geht soweit, daß der N-S.D.SL.B es wagen kann, denjenigen Angehörigen von Korporationsverbänden, die zu gleicher Zeit Mitglieder des N.S.D.St.B. sind, „Dienstanweisungen" mit auf den Weg zu den Verbandstagen zu geben. Wir glauben nicht, daß es den Interessen eines Korporationsverbandes dienlich ist, wenn aus seinen Verbandstagungen Leute sitzen und mit abstimmen, die ihre Weisungen von einer außerhalb des Verbandes stehenden Zentrale erhalten. Auch beute Haben die Korporationsverbände noch nicht den Mut gesunden, einen scharfen Trennungsstrich zwischen sich und dem N.S.D.St.B. zu ziehen. Typisch für diese Stellungnahme ist ein Beschluß der „Deutschen Burschenschaft", den sie auf ihrer Pfingsttagung nach einem Entwurf von Herrn Hilgenstock, faßte (der doch eigentlich wissen müßte, worum es geht, — haben doch gerade ihn die Nationalsozialisten in nicht gerade sehr höflicher Weise aus der D. St. hinauskomplimentiert),. In diesem Beschluß heißt es u. a.: „Die „Deutsche Burschenschaft" bejaht den Nationalsozialismus als wesentlichen Teil der völkischen Freiheitsbewegung. Den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund mit seiner gegenwärtigen Betätigung und unter seiner derzeitigen Führung kann die „Deutsche Burschenschaft" nicht als Faktor einer gedeihlichen Zusammenarbeit anerkennen." . Wir bedauern, Herr Hilgenstock! Hier können wir nicht mehr mit. Die Formulierung dieser beiden Absätze erinnert uns zu sehr an die Geschichte von dem Bären, der zwar gewaschen aber nicht naß gemacht werden wollte. Man hat zwar sehr vorsichtig von einer gegenwärtigen Betätigung und einer derzeitigen Führung des N.S.D. St.B. gesprochen, aber da im Nationalsozialismus als Bewegung „nichts ohne das Wissen, ja ohne den Willen Hitlers" geschieht, glauben wir nicht, daß sich der Studentenbund selbst unter einer anderen Führung anders benehmen würde. Wir müssen offen gestehen, daß uns hier die Einstellung von Herrn Erich Müller (V.C.) bedeutend sympathischer ist, der Herrn Hilgenstock in einem offenen Brief in Nr. 11 des „Student" sehr deutlich zu verstehen gibt, daß der Nationalsozialismus eben etwas Ganzes ist und nur als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden müsse. Dieser Ansicht von Herrn Müller können wir uns voll und ganz anschließen: Wir lehnen.eben den Nationalsozialismus als Ganzes ab. Wann aber werden die anderen Verbände einsehen, daß es dem Nationalsozialismus gegenüber nur zwei Möglichkeiten gibt: entweder drei Schritt vom Leibe oder langsam aber sicher verschlungen zu werden? Die Verbandstagungen fast aller Verbände lassen eine klare Entscheidung in diesem Sinne vermissen. Man ist zwar mit einer einzigen Ausnahme, dem V.E., mit der heutigen Führung der D. St., die vollkommen vom Nationalsozialismus beherrscht wird, nicht einverstanden. Man will, daß die D.St. wieder das werden soll, was sie früher gewesen, ist, und fürchtet, daß, wenn sich die Dinge nicht grundlegend ändern, das Ende der D. St. herangekommen ist. Man will aber nicht kampflos kapitulieren, sondern will versuchen, den N.S.D.St.B. zu „zähmen". Man will versuchen, die D. St. auf dem Studententag in Königsberg wieder so aufzubauen, wie es die Korporationen wünschen, man will „sachliche Arbeit" leisten. Ein einziger studentischer Verband, nämlich der V. E., hat die „Zeichen der Zeit" erkannt und sich dem Nationalsozialismus restlos in die Arme geworfen. Eine Tatsache, die die Presse der anderen Verbände mit nicht gerade sehr schmeichelhaften Kommentaren zur Kenntnis nimmt. Wir sind gespannt, wie dieses Experiment des hochschulpolitischen Ausschusses des V. E., das vom Verbandstag gutgeheißen wurde, ausgehen wird. Wir glauben „aut", allerdings nicht für den V. E. ~ Denkst Du daran?!