KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 38 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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38 K. C.-Blätter Nachr.-Hest Krieg! Es sollte Aufgabe jedes Werkes sein, das gegen den Nationalsozialismus gerichtet ist, mit aller Deutlichkeit die seelischen und kulturellen Verwüstungen des exzessiven Nationalsozialismus zu beleuchten. Dieser Zug kommt bei Heuß etwas zu kurz; er scheint sogar dem „Legalitätskurs" gewissen Glauben zu schenken (vgl. S. 129: „Abenteuer sind oben seit einiger Zeit nicht mehr beliebt"). Hiervon abgesehen, sind die theoretischen Untersuchungen des Verfassers über das Phänomen des Nationalsozialismus beachtenswert. Sie werden in beruhigten Zeiten einmal als Beitrag zur Wesensgeschichte einer überwundenen Epoche von besonderem Wert sein. Heuß bemüht sich um die schwere, der Parteiführung selber kaum lösbare Aufgabe, die Heterogenität dieser feudalistischen „Arbeiterpartei zu entwirren. Er beginnt seine Ausführungen sehr richtig damit, daß an der Wiege des neuen Parteiaufschwungs Lächerlichkeit stand, die nicht verlacht wurde (also die Heterogenität als Taufpate der Bewegung): Der mißglückte Hitlerputsch, der seinen Urheber, allen bombastischen Verheißungen zum Trotz, weder siegreich noch tot, wohl aber im davoneilenden Auto sah, hat dem falschen Propheten seine Gloriole nicht geraubt. Heuß beschäftigt sich im Einzelnen mit den 25 Programmpunkten und ihren Quellen. Nichts am Nationalsozialismus ist iriginell — sein Emblem hat er aus Indien geholt, seinen Gruß aus Italien, seine Kernidee ist, wie Heuß meint, aus den nationalen und sozialen Gedankengängen Friedrich Naumanns hervorgegangen. Zwar ist das Wort „sozial" in „sozialistisch" umgeändert, was freilich im Hinblick auf die industriellen Geldgeber nicht ganz der Wahrheit entsprechen dürfte. Der Sozialismus, wie ihn Hitler auffaßt, wird nach Heuß in der Anlehnung an Spenglersche Gedankengänge verstanden: Preußentum ist Sozialismus. Sehr zu denken sollte manchem das auf S. 29 zitierte Hitlerwort geben: „Mussolini ist ein besserer Preuße als der Pommer Schlange- Schoningen". Eine gebührende Würdigung findet auch die speziell uns interessierende Rassetheorie des Nationalsozialismus. Hier ist bekanntlich Herr Alfred Rosenberg zuständig, über Deutschsein und Andeutschsein zu richten, wiewohl er nach des Reichskanzler Brünings Worten sein eigenes Vaterland nicht sehr frühzeitig entdeckt zu haben scheint. Sein „Mythos des 20. Jahrhunderts" ist das Brevier der Hitlerschen Rasselehre. Heuß weist nach, daß das Monopol des „nordischen" Menschen auf alleinige Kulturschöpfung eine Aeberhebung ist. Ueber die Iudenfrage äußert sich der Verfasser so, wie von einem demokratisch und gerecht denkenden Menschen erwartet werden muß. Er verwirft die Unaufrichtigkeit, mit der der Jude entweder als minderwertig, oder aber, falls man seine Fähigkeiten nicht leugnen kann, als vordringlich hingestellt wird. Er findet Worte tiefster Beschämung über den barbarischen Massenhaß, der selbst vor den Gräbern keinen Einhalt kennt. Im übrigen behandelt Heuß das Iudenproblem mit dem Empfinden eines Menschen, dem es ersichtlich peinlich ist, sich mit den Widerwärtigkeiten der Iudenhetze einzulassen. Das führt ihn zu einer gewissen Zurückhaltung. Indem er seinen Abscheu vor der Barbarei des Judenhasses ausdrückt, indem er auch zugibt, daß es sich um eine gemeindeutsche Frage handle, meint er doch, daß man sich nicht an solchen Auseinandersetzungen beteiligen dürfe. Ich halte schon um dieser Fragen und ihrer Behandlung willen das Buch für bemerkenswert; ich möchte es einen aufschlußreichen Beitrag zur Geschichte des Nichtantisemitismus in Deutschland nennen. Heuß geht weiter auf die Stellung der Frau im und zum Nationalsozialismus ein, auf die nationalsozialistische Staatsidee, auf die Propagandatechnik, auf die soziale Schichtung der Anhänger — mit anderen Worten, er bemüht sich, alle Zusammenhänge restlos zu erfassen. Mag man in manchem von seinen Darlegungen nicht restlos überzeugt werden, sie beanspruchen auf jeden Fall erhMiches Interesse. R. tz. Kurt Sabatzkh: Der Jude in der dramatischen Gestaltung. Buchverlag der Königsberger Hartungschen Zeitung und Verlagsdruckerei A.-G. Das Buch des bekannten Vorkämpfers für Deutschtum und Juden-